{"id":12365,"date":"2012-02-28T17:08:49","date_gmt":"2012-02-28T16:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12365"},"modified":"2015-02-03T10:56:47","modified_gmt":"2015-02-03T09:56:47","slug":"debattenkultur-im-wdr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12365","title":{"rendered":"Debattenkultur im WDR"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen hatte ich f&uuml;r die Nachdenkseiten <a href=\"?p=12301\">einen kritischen Artikel<\/a> &uuml;ber den WDR verfasst. Darin wurde die derzeitige Unruhe in den Redaktionen geschildert, der Niedergang und die Banalisierung in Teilen der WDR-Programme beschrieben. Seitdem ist viel passiert: unter anderem hat sich die Unterschriftenaktion, bei der unter <a href=\"http:\/\/www.die-radioretter.de\">www.die-radioretter.de<\/a> gegen die Organisationsreform bei der WDR-3-Kulturwelle protestiert werden kann, zu einem vollen Erfolg f&uuml;r die Initiatoren entwickelt. Rund 2.400 Menschen  (Stand: 28.2., 16 Uhr) haben sich nach nur wenigen Tagen an dieser Aktion beteiligt und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Und auch in der F&uuml;hrungsspitze des WDR scheint die Unruhe gro&szlig; geworden zu sein. H&ouml;rfunkdirektor Wolfgang Schmitz hat uns ein Schreiben zukommen lassen, das wir unseren Lesern hiermit zur Kenntnis geben. Von <strong>Erika Fuchs<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<em>Siehe dazu: Wolfgang Schmitz: <a href=\"?p=12363\">&bdquo;Occupy WDR? Nein danke!&ldquo;<\/a><\/em><\/p><p>Wir geben zu: wir haben uns schwer damit getan, es &uuml;berhaupt zu ver&ouml;ffentlichen, denn weder ist es ein wirklicher Beitrag zu einer Debatte um die Zukunft des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks, noch ist in ihm erkennbar, dass sich der Autor die M&uuml;he macht, inhaltlich auf den Text einzugehen. Aber er ist ein Dokument daf&uuml;r, dass der Nachdenkseiten-Artikel ins Schwarze getroffen hat und dass es mit einer konstruktiven Diskussionskultur im Sender nicht weit her ist. Schmitz` Reaktion widerspricht auch zu 100 Prozent s&auml;mtlichen positiven R&uuml;ckmeldungen, die ich oder die Redaktion der Nachdenkseiten auf den Artikel &bdquo;Occupy WDR&ldquo; bekommen haben, sei es von H&ouml;rern und Zuschauern des WDR oder intern aus WDR-Kreisen. Auch die, sagen wir einmal, &bdquo;nachdr&uuml;ckliche Art&ldquo;, mit der von Seiten des WDR auf die Ver&ouml;ffentlichung der Schmitzschen Replik gedr&auml;ngt wurde, l&auml;sst R&uuml;ckschl&uuml;sse zu auf den Druck, der sich innerhalb dieser Sendeanstalt aufgebaut zu haben scheint. Auch die Diktion von Schmitz ist meiner Ansicht nach so selbst entlarvend, dass ich auf eine weitere Replik auf die Replik im Sinne einer sinnvollen Debattenkultur gerne verzichte. Sie spricht f&uuml;r sich selbst.<\/p><p>Wer sich weiter f&uuml;r das interne Klima in der &ouml;ffentlich-rechtlichen Anstalt interessiert, der lese eine E-Mail aus dem Freien-Forum der WDR:<\/p><p><strong>Vom freien Autoren-Leben<br>\nin den Zeiten der WDR-Reformen<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nEs reformelt seit Jahren im WDR. Die 3er H&ouml;rfunk-Schiene wird konsequent entpolitisiert (womit der Wegfall <em>kritischer<\/em> politischer Sendungen gemeint ist) und in Teilen entwortet (was f&uuml;r ein gewaltt&auml;tiger Ausdruck, er klingt nach &bdquo;entleibt&ldquo;, &bdquo;entseelt&ldquo;). Nach einer immer konsequent eingehaltenen Piet&auml;tspause erfahren dann schlie&szlig;lich auch die freien Autorinnen und Autoren, dass ein neuer Reformblitz auf ihrem Schreibtisch eingeschlagen hat. Letzter Coup: die vorweihnachtliche Mitteilung an die journalistischen Zuarbeiter der Sendereihe Resonanzen, ihre Dienste seien ab M&auml;rz 2012 nicht mehr gefragt.<br>\n&nbsp;<br>\nWas sich selbst ein fr&uuml;hkapitalistischer Patriarch kaum trauen w&uuml;rde, ist den Tomatenpfl&uuml;ckern und Spargelstechern des WDR offensichtlich zuzumuten: die K&uuml;ndigung unter dem Weihnachtsbaum. Aber gemach, es kommt noch besser. Am 24. Februar 2012 verschickte der zust&auml;ndige &ldquo;Leiter PG Aktuelle Kultur&rdquo; im WDR 3, Volker Schaeffer, in derselben souver&auml;nen Art ein neues Schreiben an seine journalistischen Tagel&ouml;hner: <\/p><p>&ldquo;Heute m&ouml;chte ich Sie dar&uuml;ber informieren, dass sich der Starttermin f&uuml;r die Ver&auml;nderungen bei Resonanzen voraussichtlich auf 1. Mai dieses Jahres verschiebt. Wir gehen davon aus, dass Sie einverstanden sind, bis zur Umsetzung der Ver&auml;nderungen weitere Auftr&auml;ge der Redaktion WDR 3 Resonanzen zu erhalten. Bei Einw&auml;nden bitten wir so schnell wie m&ouml;glich um Nachricht.&rdquo; <\/p><p>Es handelt sich bei diesem Hin und Her um die Umkehrung des altbekannten Prinzips vom &ldquo;Heuern und Feuern&rdquo;. Der WDR macht daraus das Prinzip: &ldquo;Feuern und Heuern.&rdquo; Die n&auml;chste Umkehrung oder vielleicht besser Erweiterung, ein n&auml;chstes &ldquo;Feuern&rdquo; n&auml;mlich (und zwar aus allen Rohren), ist ja schon angek&uuml;ndigt. <\/p><p>Ein Wort der Erkl&auml;rung, des Bedauerns gar f&uuml;r die schnoddrige Ab- und Auf- und bald wieder Abwertung journalistischer Arbeitskraft fehlt dem Schreiben. Wir sind denen da Oben &ndash; sorry f&uuml;r den R&uuml;ckgriff in die semantische Mottenkiste, aber er ist gerechtfertigt &ndash; nichts wert, gar nichts, und schon gar nicht so etwas wie Respekt, sagen sich angesichts des zweiten Schaeffer-Schreibens eine wachsende Zahl von Resonanzen-Autorinnen und -Autoren. Auch wenn die Konsequenzen durchaus unterschiedlich sind: Die einen wetzen zornig ihr Spargelmesser und machen sich mit zusammengebissenen Z&auml;hnen f&uuml;r zwei Monate wieder auf ins Gem&uuml;se, andere haben sich entschlossen, nicht mehr den Ausputzer vor und hinter den T&uuml;ren zu spielen, die vor den Autorennasen zugeschlagen, aufgedr&uuml;ckt und wieder zugeschlagen werden. Die einen wollen ihr Tagel&ouml;hner&uuml;berleben retten, ja sie m&uuml;ssen es ganz einfach, die anderen wollen einfach nicht mehr H&uuml;ndchen spielen und St&ouml;ckchen springen. Und es gibt auch die Dritten, die die gebotene Gelegenheit zu klarer Kante in den Resonanzen nutzen wollen, um das Publikum h&ouml;ren zu lassen, wie wichtig diese Sendung ist &ndash; mit aufgeklapptem Spargelmesser und trotz Schaeffer-St&ouml;ckchen.<br>\n&nbsp;<br>\nSo oder so: der Umgang mit den Autorinnen und Autoren zeigt den weiteren katastrophalen Niedergang der Kultur in einer &ouml;ffentlich-rechtlichen Sendeanstalt. Die beste Antwort darauf w&auml;re wohl ein geschlossener Streik aller Betroffenen, punktgenau, &ouml;ffentlich, wenigstens f&uuml;r einige Tage. Denn angesichts der niederdr&uuml;ckenden Reformbestrebungen, der Abschaffung des politischen Feuilletons &bdquo;Resonanzen&ldquo;, der Streichung der &ldquo;Journale&rdquo; und damit der Abschaffung der politischen Berichterstattung &uuml;berhaupt auf WDR3 muss man wahrlich um die Zukunft eines profilierten Kulturprogramms WDR3 f&uuml;rchten. Zu hoffen ist, dass es nicht allzu lange dauert, bis sich diese Furcht in Widerstand wandelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Tagen hatte ich f&uuml;r die Nachdenkseiten <a href=\"?p=12301\">einen kritischen Artikel<\/a> &uuml;ber den WDR verfasst. Darin wurde die derzeitige Unruhe in den Redaktionen geschildert, der Niedergang und die Banalisierung in Teilen der WDR-Programme beschrieben. 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