{"id":123927,"date":"2024-10-30T10:00:40","date_gmt":"2024-10-30T09:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123927"},"modified":"2026-01-27T12:04:49","modified_gmt":"2026-01-27T11:04:49","slug":"deutschlandfunk-und-corona-aufarbeitung-erkenntnisschwaeche-und-fehlender-mut-in-einem-aktuellen-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123927","title":{"rendered":"Deutschlandfunk und Corona-Aufarbeitung: Erkenntnisschw\u00e4che und fehlender Mut in einem aktuellen Kommentar"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/umgang-mit-kritikern-wie-sich-antisemitismus-und-coronadebatte-gleichen-dlf-kultur-87fe41a1-100.html\">&bdquo;Umgang mit Kritikern &ndash; wie sich Antisemitismus- und Coronadebatte gleichen!&ldquo;<\/a> &ndash; so lautet ein aktueller Deutschlandfunk-Kommentar. Der Grundgedanke hinter dem Beitrag ist richtig. Eine grundlegende Erkenntnisschw&auml;che und fehlender Mut pr&auml;gen leider den Beitrag. Journalistische Schw&auml;chen werden sichtbar. Eine Kritik. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4794\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-123927-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=123927-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241030-DLF-Corona-Aufarbeitung-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;r das politische Feuilleton des <em>Deutschlandfunk Kultur<\/em> hat <a href=\"https:\/\/x.com\/m_grill\/status\/1850789967511069105\">Markus Grill<\/a> einen Beitrag abgeliefert, der auf ein grundlegendes Problem aufmerksam macht. Beim Umgang mit Kritikern zum Thema Antisemitismus und Corona l&auml;uft etwas aus dem Ruder, sagt der Chefreporter der Investigativressorts von <em>NDR<\/em> und <em>WDR<\/em>. Grill vertritt die Auffassung, dass es falsch sei, fundierte Kritik an der Coronapolitik, aber auch an Israel, durch pauschale Vorw&uuml;rfe abzuwerten. Wer Israel f&uuml;r seine Politik gegen&uuml;ber Pal&auml;stina kritisiere, sei nicht zwangsl&auml;ufig Antisemit. Wer einzelne Coronama&szlig;nahmen kritisiere, sei kein Corona-Leugner. Das klingt vern&uuml;nftig. Und damit hat Grill auch recht. W&uuml;rde der Journalist diese Erkenntnis auf ein breiteres Fundament gie&szlig;en, w&auml;re der Weg zur vollst&auml;ndigen Erfassung des Problems bereitet. Doch genau das passiert nicht.<\/p><p>Von der ersten Sekunde der Anmoderation krankt der Beitrag an einem verengten Blick. Der Kommentar beginnt mit der Anmoderation: &bdquo;Aus Fehlern lernt man, hei&szlig;t es ja so sch&ouml;n. Aber mit Blick auf die Coronazeit m&uuml;sste man vielleicht erg&auml;nzen: lernt man oft nicht viel.&ldquo; Hier kommt ein grundlegendes Erkenntnisproblem zum Vorschein, das immer wieder in der aktuellen Debatte um das Thema Aufarbeitung der Coronazeit zu finden ist.<\/p><p>Zum Verst&auml;ndnis: Wir sprechen hier von einer grunds&auml;tzlichen Einordnung der Coronapolitik &ndash; die f&uuml;r die Art und Weise der Aufarbeitung ma&szlig;geblich ist. Konkret: Geht es bei der Aufarbeitung der Coronazeit <em>nur<\/em> um <em>Fehler<\/em>? Wer das meint, hat die Grundproblematik nicht verstanden.<\/p><p>Richtig ist: In der Coronazeit haben Politiker Fehler gemacht. Daran bestehen wohl keine ernstzunehmenden Zweifel mehr. Doch Fehler sind menschlich. Fehler &ndash; unabh&auml;ngig davon, wie weitreichend und schwerwiegend sie auch sind &ndash; passieren. Um es salopp zu sagen: Wo gehobelt wird, fallen Sp&auml;ne. Wo Politiker Entscheidungen treffen, treffen sie auch Fehlentscheidungen. Je mehr Verantwortung jemand tr&auml;gt, umso weniger Fehler sollte er nat&uuml;rlich machen. Aber das zu sagen, ist wohlfeil. Egal auf welcher Verantwortungsebene Menschen sich bewegen: Fehler passieren.<\/p><p>Doch was w&auml;re &uuml;berhaupt ein Fehler im Hinblick auf die Coronapolitik? Ein Fehler w&auml;re zum Beispiel Folgendes: Politiker beraten sich nach bestem Wissen und Gewissen mit Wissenschaftlern, denen sie aus gut nachvollziehbaren, aus rein an der Sache des Gemeinwohls orientierten Gr&uuml;nden Vertrauen schenken. Auf die Einlassungen und Empfehlungen dieser Experten hin ergreifen sie, in Verbindung mit ihrer politischen Verantwortung, Ma&szlig;nahmen zum Schutz der Bev&ouml;lkerung. <em>Im Nachhinein<\/em> stellt sich heraus, dass diese Wissenschaftler mit Einsch&auml;tzungen und Empfehlungen falsch lagen. <em>Im Nachhinein<\/em> stellt sich heraus, dass Politiker besser auf Stimmen von au&szlig;erhalb h&auml;tten h&ouml;ren sollen, die eine andere Ma&szlig;nahmenpolitik angeraten hatten. Das hei&szlig;t: Politiker gestehen sich vielleicht ein, dass sie zu engstirnig waren, zu sehr mit Blickschutz gearbeitet haben. Daraus ist eine fehlerhafte Politik entstanden. Oder anders gesagt: Sie haben sich fehlerhaft verhalten, haben Fehler gemacht.<\/p><p>Diese Ebene des &bdquo;Fehlerhaften&ldquo; in der Pandemiepolitik gab es. Mit diesen Fehlern muss &ndash; im Sinne der Demokratie &ndash; transparent umgegangen werden. Daraus gilt es f&uuml;r Politiker, je nach Tragweite, auch pers&ouml;nliche Schl&uuml;sse zu ziehen. Dazu geh&ouml;ren etwa die &ouml;ffentliche Bitte um Verzeihung oder R&uuml;cktritte.<\/p><p>Hingegen <em>kein Fehler<\/em> war es, wenn Verantwortliche der Coronapolitik Coronama&szlig;nahmen <em>nicht <\/em>auf dem immer wieder &ouml;ffentlich proklamierten Slogan &bdquo;follow the science&ldquo;, also &bdquo;folge der Wissenschaft&ldquo;, gebaut haben, sondern auf Politik. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=rki-files\">Die geleakten Protokolle des Robert Koch-Instituts bieten einen Einblick, wie &bdquo;wissenschaftlich&ldquo; so manche Entscheidung war.<\/a><\/p><p>Es war auch <em>kein Fehler<\/em>, &uuml;ber das Druckmittel &bdquo;Grundrechte&ldquo; Ungeimpfte gegen ihren Willen zu einer Coronaimpfung zu bewegen, ja, in gewisser Weise sie sogar zu zwingen. Und erst recht war die furchtbare Hetzjagd gegen Ungeimpfte, vollzogen von Politikern, Journalisten und Experten, <em>kein Fehler<\/em>.<\/p><p>Es war <em>kein Fehler<\/em>, Ungeimpfte als &bdquo;gef&auml;hrliche Sozialsch&auml;dlinge&ldquo; zu bezeichnen. Es war nicht einfach nur ein &bdquo;Fehler&ldquo;, wenn in einem der reichweitenst&auml;rksten Magazine des Landes ein Kolumnist sagen darf: &bdquo;M&ouml;ge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.&ldquo;<\/p><p>Der f&uuml;r viele B&uuml;rger sp&uuml;rbare Moment des Autorit&auml;ren, des Totalit&auml;ren und, ja, auch wenn viele das nicht h&ouml;ren wollen: des Faschistoiden, war auch nicht einfach nur ein &bdquo;Fehler&ldquo;. Wenn Menschen aus unserer Familie und aus unserer Mitte &ndash; das hei&szlig;t: Mutter, Vater, Bruder, Schwester, Kinder, Nachbarn &ndash; alleine, ohne ihre N&auml;chsten im Krankenhaus sterben mussten, wenn Angeh&ouml;rige keinen Abschied von ihren Lieben nehmen durften, dann war das <em>kein Fehler.<\/em> Das war eine herzzerrei&szlig;ende Unmenschlichkeit. Und wenn die Politik der harten Hand die Auffassung vertrat, dass es nicht ausreicht, wenn von 100 B&uuml;rgern in einem Gesch&auml;ft 99 eine Maske tragen, sondern dass es <em>immer<\/em> <em>alle<\/em> sein m&uuml;ssen, dann war das auch kein Fehler &ndash; eine Politik kam zum Vorschein, der die Lust am Autorit&auml;ren anzumerken war.<\/p><p>Mit anderen Worten: Der <em>Deutschlandfunk<\/em> lenkt in seinem Beitrag die Aufmerksamkeit auf die Ebene der Fehler &ndash; aber er ignoriert eine viel tiefere, weitreichendere Dimension der Pandemiepolitik. Und damit ger&auml;t der abgelieferte Journalismus, der nur einen Teil der Problematik sichtbar macht, sofort in eine schwere Schieflage.<\/p><p>Das Erkenntnisproblem und damit das journalistische Problem verbinden sich in dem Kommentar und entfalten sich. Um nochmal die zitierte Stelle anzuf&uuml;hren: &bdquo;Aber mit Blick auf die Coronazeit m&uuml;sste man vielleicht erg&auml;nzen: lernt man oft nicht viel&ldquo;, hei&szlig;t es.<\/p><p>Das ist ein Anflug von Kritik. Gut, prima! Vielleicht, oder: sehr wahrscheinlich sind diese Worte auch schon das Maximale, was im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk von einer Mitarbeiterin an Kritik bei der Anmoderation eines solchen Beitrags geleistet werden kann.<\/p><p>&bdquo;Immerhin!&ldquo;, m&ouml;chte der Kritiker sagen. Aber Wohlwollen f&auml;llt schwer. Den S&auml;tzen ist anzumerken, wie vorsichtig die Formulierungen sind. Wohlgemerkt: Es geht &bdquo;nur&ldquo; um die Ebene der Fehler, nicht um das wirklich Eingemachte. Und dennoch traut sich der <em>Deutschlandfunk<\/em> nur, von einem &bdquo;m&uuml;sste man vielleicht erg&auml;nzen&ldquo; zu sprechen. &bdquo;M&uuml;sste&ldquo;? &bdquo;Vielleicht&ldquo;? Warum das denn? Was gibt es da denn an &bdquo;vielleicht&ldquo; zu &bdquo;erg&auml;nzen&ldquo;? Schlie&szlig;lich: Echtes Problembewusstsein f&uuml;r gemachte Fehler ist in der Politik kaum zu erkennen. Gerade erst hat der Bundeskanzler in einem Interview sogar seine Aussage bekr&auml;ftigt, wonach es keine &bdquo;roten Linien&ldquo; geben d&uuml;rfe.<\/p><p>Es gibt hier kein &bdquo;Vielleicht&ldquo;. Nein, es ist journalistische Pflicht, zu &bdquo;sagen, was ist&ldquo;. Und das bedeutet an dieser Stelle, mindestens, zu sagen, dass zu viele Politiker <em>nicht<\/em> aus den Fehlern gelernt haben, ja, dass sogar eine unversch&auml;mte Ignoranz zum Vorschein kommt. <\/p><p>Und dann ist da dieses Indefinitpronomen &bdquo;man&ldquo;. &bdquo;Lernt man oft nicht viel&ldquo;, sagt die Moderatorin. Hier w&auml;re es dringend und zwingend aus journalistischer Sicht angebracht, die Verantwortlichen, die Ignoranten, konkret im Sinne bester journalistischer Sorgfaltspflicht beim Namen zu nennen. Und nicht ihnen dabei zu helfen, sich hinter dem &bdquo;man&ldquo; zu verstecken. <\/p><p>Nun ist bisweilen das W&ouml;rtchen &bdquo;man&ldquo; bequem und mitunter dr&auml;ngt es sich einfach aus dem Fluss der deutschen Sprache auf. Es soll bei dieser Kritik gewiss nicht darum gehen, Haare zu spalten. W&uuml;rde Grill im weiteren Verlauf seines Kommentars Ross und Reiter nennen, lie&szlig;e sich leicht &uuml;ber das &bdquo;man&ldquo; hinwegsehen. Aber das &bdquo;Unbestimmte&ldquo;, das in dem Gebrauch des Begriffs &bdquo;man&ldquo; zum Vorschein kommt, ist richtungsweisend f&uuml;r den Beitrag.<\/p><p>&bdquo;Es gibt Fehler aus der Coronapandemie, die muss man gar nicht gro&szlig; aufarbeiten, weil sie so offensichtlich sind. Dazu geh&ouml;rt die Verengung des Meinungskorridors und die Ausgrenzung von Kritikern der Coronapolitik.&ldquo; Damit hat Grill sicherlich recht. Doch er f&uuml;hrt hier die Fokussierung auf &bdquo;Fehler&ldquo; weiter. Viele derjenigen, die eine Aufarbeitung der Coronama&szlig;nahmen fordern, reagieren &uuml;beraus ver&auml;rgert, wenn sie den Begriff &bdquo;Fehler&ldquo; h&ouml;ren. &bdquo;Fehler&ldquo; waren ein gro&szlig;es &Auml;rgernis. Aber das Problem geht, wie gesagt, tiefer.<\/p><p>Hinzu kommt: In den vergangenen Jahren ist viel passiert. Viel Zeit ist vergangen. Jetzt, sozusagen: wie die alte Fastnacht, sagt Grill das, was l&auml;ngst doch ohnehin jeder wei&szlig;. Was also macht der <em>Deutschlandfunk<\/em> hier? Alte Erkenntnisse nun &bdquo;todesmutig&ldquo; aussprechen? Unfreiwillig bietet der Kommentar den Blick auf den Abgrund des &ouml;ffentlich-rechtlichen Journalismus. Warum hat Grill das Grundproblem nicht schon 2020, 2021, 2022 auf diese Weise in einem Kommentar angesprochen? Zu dieser Zeit &auml;u&szlig;erte sich Grill auf <em>Twitter<\/em> mit den Worten, dass bei den &bdquo;Protesten gegen Ausgrenzung zu viele Vollidioten, Gewaltbereite und Rechtsextreme&ldquo; zu finden seien. Das Problem ist offensichtlich.<\/p><p>Grill weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Zwar gab es schon von Beginn der Pandemie selbsternannte Querdenker, die leugneten, dass es &uuml;berhaupt eine Pandemie gab, doch sie waren nicht das Problem. In jeder Gesellschaft gibt es ein paar Narren, die man aushalten muss. Das Problem war, dass sehr schnell auch seri&ouml;se Zweifel am nutzen bestimmter Pandemiema&szlig;nahmen ins Querdenkerlager abgedr&auml;ngt wurden. Wissenschaftler, die bis Dato angesehen waren, wurden ver&auml;chtlich gemacht, weil sie nicht jede Ma&szlig;nahme als alternativlos hinnehmen wollten. Exemplarisch f&uuml;r diesen Extremismus, angeblich im Namen der Wissenschaft, war ein Spiegel-Interview, in dem die skeptischen Virologen Jonas Schmidt-Chanasit und Hendrik Streek schlimmer als die Coronaleugner bezeichnet wurden. Ausgerechnet jene Medien, die zuvor auf ihre liberale Tradition stolz waren, haben sich zum Lautsprecher pseudo-wissenschaftlicher Pandemiebek&auml;mpfungsstrategien wie Zero Covid gemacht (&hellip;).<br>\nAuch Politik und Wissenschaft haben in dieser Zeit enormes Vertrauen verspielt; sie haben die Spaltung der Gesellschaft bef&ouml;rdert, weil sie jene, die zurecht auf die fehlende Evidenzbasiertheit vieler Entscheidungen hinwiesen, immer mehr in die Ecke der Verschw&ouml;rungstheoretiker dr&auml;ngten. Und heute? Hat man aus dieser Zeit wirklich etwas gelernt? Nein! Mit Blick auf Israels Krieg in Gaza laufen wir Gefahr, die gleichen Fehler zu machen, wie w&auml;hrend der Pandemie. (&hellip;). Ja, es gibt heute einen massiven und wachsenden Antisemitismus in Deutschland &ndash; &auml;hnlich wie es auch in der Pandemie echte Verschw&ouml;rungstheoretiker gab. (&hellip;).&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser Abschnitt soll wohl das kritische Kernst&uuml;ck des Kommentars sein. Trotz einiger richtiger Aussagen und auch scharfer, klarer Formulierungen, die sich lobend hervorheben lassen, ist er eine journalistische Zumutung.<\/p><p>Aus stilistischer Sicht fallen zun&auml;chst Passiv-Konstruktionen auf.<\/p><ul>\n<li>ins Querdenkerlager abgedr&auml;ngt wurden<\/li>\n<li>Wissenschaftler (&hellip;) wurden ver&auml;chtlich gemacht<\/li>\n<li>schlimmer als die Coronaleugner bezeichnet wurden.<\/li>\n<\/ul><p>Drei Mal &bdquo;wurden&ldquo;, also Passiv hintereinander &ndash; das ist stilistisch schwach, allerdings geht es nicht um eine Stilkritik. Das Problem ist, dass hier das stilistische Problem die inhaltlichen Schw&auml;chen widerspiegelt. Wie schon angesprochen: Dem Beitrag mangelt es daran, dass Grill <em>nicht<\/em> die verantwortlichen Akteure mit Namen benennt. Und so korrespondieren die W&ouml;rter &bdquo;wurde&ldquo; und &bdquo;man&ldquo; in gef&auml;lliger Weise miteinander. Das eine baut auf das andere &ndash; und am Ende stehen da &ndash; vage und irgendwie unbestimmt &ndash; &bdquo;Politik&ldquo; und &bdquo;Wissenschaft&ldquo;, die eben Fehler gemacht haben.<\/p><p>Wenn Grill davon spricht, dass Kritiker der Ma&szlig;nahmen ins &bdquo;Querdenkerlager abgedr&auml;ngt wurden&ldquo;, dann gilt es, ihm zu sagen: dieses &bdquo;abgedr&auml;ngt wurden&ldquo; ist im Hinblick auf eine akkurate, aufl&ouml;sungsstarke journalistische Beschreibung der Realit&auml;t ziemlich wichtig. Was sich da einige erlaubt haben, muss aus der Passivkonstruktion raus.<\/p><p>Immerhin erw&auml;hnt Grill konkret den <em>Spiegel<\/em>. An dieser Stelle hat der Kommentar auch eine St&auml;rke. Genauso, wie er zum Thema Antisemitismus zum Ende hin noch die <em>Bild-Zeitung<\/em> und den &bdquo;Kanzler&ldquo; kritisiert. Auch das ist gut. Aber das ist in der Summe in so einem Kommentar zu wenig. Die Namen fehlen. Warum nennt Grill nicht Landespolitiker, wie etwa Kretschmann, der in der Coronazeit etwa sagte: <a href=\"https:\/\/taz.de\/Kretschmann-ueber-Klima-und-Pandemie\/!5817676\/\">&bdquo;Wir m&uuml;ssen im Notfall Menschen mit Geldauflagen zum Impfen bewegen&ldquo;<\/a>, und der auch <a href=\"https:\/\/x.com\/FrankoniaOliver\/status\/1341057430462095361\">im Parlament vom Leder zog, dass es nur so krachte<\/a>. Oder: Warum zeigt der Journalist nicht auf, wer beim &Ouml;ffentlich-Rechtlichen Stimmung gegen die Grundrechtsdemonstranten gemacht hat? Und, wer hat denn gesagt: &bdquo;<a href=\"https:\/\/x.com\/tagesthemen\/status\/1461795932391960578\">Na herzlichen Dank! An alle #Ungeimpften. Dank euch droht der n&auml;chste Winter im #Lockdown&ldquo; (&hellip;)<\/a>&ldquo;?<\/p><p>Von intellektueller Zur&uuml;ckhaltung zeugt die Aussage Grills, dass es in der Pandemie &bdquo;echte Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; gegeben habe. Grill sagt das in einem Ton, in dem eine gewisse Anklage mitschwingt. Der Journalist benutzt hier distanzlos eine Formulierung, die als Kampfbegriff bei der Auseinandersetzung um die Definitionshoheit seit vielen Jahren schweren Schaden anrichtet. Wie kann ein Journalist, einerseits, die Delegitimierung von Kritikern durch Antisemitismus- und Querdenkervorw&uuml;rfe anprangern, aber, andererseits, gleichzeitig selbst einen Kampfbegriff verwenden, der Personen pauschal abwertet, die irgendwas mit Verschw&ouml;rungstheorien &bdquo;zu tun&ldquo; haben?<\/p><p>Zun&auml;chst dr&auml;ngt sich die Frage auf: Was soll denn &uuml;berhaupt ein &bdquo;echter&ldquo; Verschw&ouml;rungstheoretiker sein? Gibt es dann also auch &bdquo;unechte&ldquo; Verschw&ouml;rungstheoretiker? So wie Grill an dieser Stelle spricht, dr&auml;ngt sich der Verdacht auf, dass &bdquo;echte Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; wohl irgendwie &ndash; wie soll man sagen? &ndash; ein gro&szlig;es Problem sind, eben wie echter Antisemitismus.<\/p><p>Das ist &auml;rgerlich und auf Reflexionsebene schwach. Was ist daran ein Problem, wenn ein (echter) Verschw&ouml;rungstheoretiker davon ausgeht, dass X und Y sich verschworen haben, um Z zu sch&auml;digen? Das ist v&ouml;llig legitim. Ob eine solche Verschw&ouml;rungstheorie nun v&ouml;llig &bdquo;abwegig&ldquo; ist, ob sie bewusst zur Diskreditierung eines Menschen in die Welt gesetzt wird, oder was auch immer an Negativem angef&uuml;hrt werden kann, steht auf einem anderen Blatt.<\/p><p>Hinzu kommt: Setzt Grill hier ernsthaft Antisemitismus mit &bdquo;echten Verschw&ouml;rungstheoretikern&ldquo; gleich? Danach klingt es. Grill will in seinem Kommentar differenzieren, aber an dieser unscheinbaren Stelle verdichtet sich das ganze Problem eines Kommentars, der viel zu sp&auml;t kommt, der immer noch nicht richtig den Gegenstand der Auseinandersetzung durchdrungen hat und so letztlich weder Fisch noch Fleisch ist.<\/p><p><small>Titelbild: Bohbeh\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/umgang-mit-kritikern-wie-sich-antisemitismus-und-coronadebatte-gleichen-dlf-kultur-87fe41a1-100.html\">&bdquo;Umgang mit Kritikern &ndash; wie sich Antisemitismus- und Coronadebatte gleichen!&ldquo;<\/a> &ndash; so lautet ein aktueller Deutschlandfunk-Kommentar. Der Grundgedanke hinter dem Beitrag ist richtig. Eine grundlegende Erkenntnisschw&auml;che und fehlender Mut pr&auml;gen leider den Beitrag. Journalistische Schw&auml;chen werden sichtbar. Eine Kritik. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":123928,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,149,123,183],"tags":[2938,1112,3058,571,2880,2299,827,682,244],"class_list":["post-123927","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-gesundheitspolitik","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienkritik","tag-autoritarismus","tag-buergerrechte","tag-diffamierung","tag-dlf","tag-impfungen","tag-sprachkritik","tag-stigmatisierung","tag-verschwoerungstheorie","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Shutterstock_790382080.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=123927"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":123959,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/123927\/revisions\/123959"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/123928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=123927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=123927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=123927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}