{"id":124165,"date":"2024-11-06T11:00:31","date_gmt":"2024-11-06T10:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124165"},"modified":"2024-11-06T11:22:00","modified_gmt":"2024-11-06T10:22:00","slug":"botschafter-a-d-gyoergy-varga-georgien-das-schwarze-schaf-des-westens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124165","title":{"rendered":"Botschafter a. D. Gy\u00f6rgy Varga: Georgien \u2013 Das schwarze Schaf des Westens"},"content":{"rendered":"<p>Den Parlamentswahlen in Georgien am 26. Oktober sind eine Reihe scharfer Stellungnahmen im In- und Ausland sowie EU-Erkl&auml;rungen vorausgegangen. Die Wahlen gewann die Regierungspartei &bdquo;Georgischer Traum&ldquo;, die seit 2012 an der Macht ist. An ihrem Wahlsieg waren weder Washington noch Br&uuml;ssel interessiert, wie sie das vor und nach den Wahlen eindeutig signalisierten. Ein Beitrag von Botschafter a. D. <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAm 8. Oktober nahm das EU-Parlament <a href=\"https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/RC-10-2024-0070_EN.html\">eine Entschlie&szlig;ung<\/a> zu Georgien an, deren Verfasser in Br&uuml;ssel die Demokratie von der amtierenden georgischen Regierung gef&auml;hrdet sehen. Sie lie&szlig;en keinen Zweifel daran, wen sie bei den Wahlen am 26. Oktober unterst&uuml;tzen wollten. Am 21. Oktober verabschiedeten die Au&szlig;enminister von 13 (nicht 27!) EU-L&auml;ndern eine <a href=\"https:\/\/www.interpressnews.ge\/en\/article\/134080-ministers-of-european-affairs-of-13-eu-member-states-are-issuing-a-joint-statement-on-the-issue-of-georgia\/\">gemeinsame Erkl&auml;rung<\/a>, darin kritisieren sie die Politik der Regierungspartei.<\/p><p>Am 28. [Oktober] reagierten <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/en\/newsroom\/news\/elections-georgia\/2681910\">die Au&szlig;enminister von ebenfalls 13 EU-L&auml;ndern<\/a> auf die Niederlage der von ihnen bevorzugten politischen Parteien, die jeweils acht bis zehn Prozent W&auml;hlerstimmen bekamen. Sie kritisierten, dass die Wahlen &bdquo;nicht im Einklang mit den europ&auml;ischen Standards&ldquo; durchgef&uuml;hrt wurden. Dabei ignorierten sie den Bericht der OSZE-Beobachter, nach dem die Wahlen frei waren.<\/p><p>Die Liste der genannten jeweils 13 EU-Au&szlig;enminister &uuml;berschneidet sich erheblich mit der Liste der L&auml;nder, die den Krieg in der Ukraine verabsolutiert haben und die Sanktionen gegen Russland am st&auml;rksten bef&uuml;rworten. K&ouml;nnen diese Botschaften als Einmischung in die Wahlen, als Aufwiegelung gegen das neue Parlament und die neue Regierung betrachtet werden? Die Antwort ist: eindeutig ja.<\/p><p>Der &bdquo;Georgische Traum&ldquo; hat die demokratischen Wahlen seit 2012 alle vier Jahre gewonnen und eine Regierung gebildet. Doch seine Au&szlig;enpolitik ab 2022 entspricht nicht den Erwartungen des politischen Westens: Sie verfolgt die nationalen Interessen Georgiens und lehnt es ab, sich erneut auf einen Krieg mit Russland einzulassen, wie es 2008 unter der F&uuml;hrung des vom Westen unterst&uuml;tzten Pr&auml;sidenten Micheil Saakaschwili passierte.<\/p><p><strong>Tbilissi interessiert an friedlicher Nachbarschaft mit Russland<\/strong><\/p><p>16 Jahre nach dem durch den georgischen Angriff auf S&uuml;dossetien ausgel&ouml;sten Krieg ist es der Regierung in Tbilissi gelungen, einen Modus Vivendi (Anm. Red.: ertr&auml;gliches Zusammenleben) mit Russland zu erreichen, das inzwischen der zweitgr&ouml;&szlig;te Au&szlig;enhandelspartner des Landes geworden ist.<\/p><p>Angesichts der Distanzierung Georgiens vom Krieg in der Ukraine schlug das Europ&auml;ische Parlament bereits im Juni 2022 Sanktionen gegen den georgischen Premierminister Irakli Kobachidse vor, weil dieser &bdquo;zweideutige und zweifelhafte&ldquo; Beziehungen zu Russland pflege. <a href=\"https:\/\/jacobin.com\/2024\/10\/georgia-elections-geopolitics-gd-eu\">Ein Gro&szlig;teil der georgischen W&auml;hlerschaft f&uuml;rchtet eine R&uuml;ckkehr in die Zeit nach 2008<\/a> und ist an einer ausgewogenen Au&szlig;enpolitik interessiert. Der Premierminister und sein Vorg&auml;nger Irakli Garibaschwili versuchen, in diese Richtung zu gehen. Die Opposition hingegen fordert den vollst&auml;ndigen Beitritt zu den EU-Sanktionen gegen Russland, was auch den Erwartungen des globalen Westens entsprechen w&uuml;rde.<\/p><p>In Folge des im Mai 2024 verabschiedeten Gesetzes zur &bdquo;Transparenz ausl&auml;ndischer Einflussnahme&ldquo; verschlechtern sich die Beziehungen der georgischen Regierung zum Westen weiter. Warum erregt es die Entscheidungstr&auml;ger in Washington und Br&uuml;ssel, dass Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und andere Organisationen, die mehr als 20 Prozent ausl&auml;ndische Hilfe erhalten, sich registrieren lassen m&uuml;ssen? Und warum wird dasselbe Gesetz in den USA akzeptiert? Weil die politischen Partner des Westens in Georgien ihren politischen und existenziellen R&uuml;ckhalt in solchen NGOs gefunden haben. Durch diese verbinden sich die georgischen Kr&auml;fte mit ihren westlichen Partnern und werden &uuml;ber Projekte und Zusch&uuml;sse finanziert. Die georgische Gesellschaft wird laut dem britischen Politikwissenschaftler Anatol Lieven zu 90 Prozent von NGOs dominiert, die vom Westen (EU, USA) finanziert werden.<\/p><p>Westliche Entscheidungstr&auml;ger st&uuml;tzen sich unkritisch auf Berichte und Bewertungen der NGOs, die h&auml;ufig von ihnen in Auftrag gegeben wurden. So k&ouml;nnen politische Pr&auml;ferenzen von Beginn der Projekte an vorhergesagt werden. Diese Materialien flie&szlig;en in Br&uuml;ssel und Washington direkt in die Prozesse der Entscheidungsfindung ein.<\/p><p><strong>NGOs als Ma&szlig;stab f&uuml;r den Westen<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den Westen sind die NGOs, die sie unterst&uuml;tzen, Partner, die das Image Georgiens im Ausland ma&szlig;geblich mitpr&auml;gen: Sind ihre Vertreter an der Macht (siehe die Republik Moldau heute), ist alles gut &ndash; sind sie in der Opposition (wie in Georgien), dann ist alles schlecht.<\/p><p>Einen interessanten Vergleich bietet die Tatsache, dass in Georgien und in der Republik Moldau die Parlamentswahlen beziehungsweise die Wahlen zum Staatsoberhaupt und das Referendum im Abstand von einer Woche abgehalten wurden. Vor den Wahlen hat die EU gezielt umfangreiche politische, finanzielle und kommunikative Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die beiden L&auml;nder geleistet, wobei die Amtsinhaber in der Republik Moldau und die Opposition in Georgien beg&uuml;nstigt wurden. In Georgien blieben hochrangige Besuche aus, daf&uuml;r gab es Erkl&auml;rungen des Europ&auml;ischen Parlaments und der EU-Au&szlig;enminister, in denen die Regierung verurteilt wurde, w&auml;hrend es in der Republik Moldau Dutzende von hochrangigen Besuchen, Hilfszusagen in H&ouml;he von mehr als zwei Milliarden Euro, eine Entschlie&szlig;ung des Europ&auml;ischen Parlaments zur Verurteilung der Opposition und Reiseverbote gab.<\/p><p>Zu den Merkmalen der russischen Einmischung &ndash; die im westlichen Narrativ gebetsm&uuml;hlenartig wiederholt werden &ndash; geh&ouml;rt, dass Besuche russischer Politiker in der Republik Moldau seit mehr als einem Jahrzehnt und in Georgien seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht &uuml;blich sind. Mehr noch: Mit Georgien gibt es seit 2008 keine diplomatischen Beziehungen. In der Republik Moldau sind russische Nachrichtensender blockiert, es gibt keine Direktfl&uuml;ge oder Bank&uuml;berweisungen zwischen den beiden L&auml;ndern. Trotz alledem: Wenn nicht die vom Westen unterst&uuml;tzten politischen Kr&auml;fte die Wahlgewinner sind, wird die Niederlage mit &bdquo;russischer Einmischung&ldquo; erkl&auml;rt.<\/p><p>Washington und Br&uuml;ssel wollten die Parlamentswahlen in Georgien am 26. Oktober als Wettstreit zwischen proeurop&auml;ischen und prorussischen Kr&auml;ften darstellen. Die USA haben die georgische Regierung mit Sanktionen belegt, um zu zeigen, welche politischen Kr&auml;fte sie nach den Parlamentswahlen gerne an der Macht sehen m&ouml;chten. Die EU hat den Integrationsprozess demonstrativ eingefroren und hochrangige Treffen ausgesetzt. <a href=\"https:\/\/www.aa.com.tr\/en\/europe\/georgian-politician-accuses-global-war-party-of-interfering-in-tbilisis-domestic-affairs\/3206208\">Die georgische Regierung behauptet<\/a>, dass die westliche Elite, die den Krieg bef&uuml;rwortet, sie st&uuml;rzen und Georgien in einen weiteren georgisch-russischen Krieg hineinziehen will.<\/p><p><strong>Haltung des Westens gegen&uuml;ber der georgischen Regierungspartei<\/strong><\/p><p>Georgien ist zum schwarzen Schaf der EU und der USA geworden, obwohl die georgischen Indikatoren bez&uuml;glich der gesellschaftlichen Entwicklung seit Jahren besser sind als die gleichen Zahlen f&uuml;r die Ukraine oder die Republik Moldau. Dies gilt auch f&uuml;r politische Rechte, Korruption und wirtschaftliche Indikatoren. <a href=\"file:\/\/\/C:\\Interj%C3%BAkhoz\\(https:\\ec.europa.eu\\commission\\presscorner\\detail\\en\\ip_23_123)\">Die L&auml;nderbewertungen der EU-Kommission<\/a> spiegeln dies wider. Wie gleichg&uuml;ltig diese Indikatoren sind, zeigt die Tatsache, dass <\/p><ul>\n<li>die Ukraine im Jahr 2021 auf Platz 122 der weltweiten Korruptionsliste stand,<\/li>\n<li>der Oppositionsf&uuml;hrer im ukrainischen Parlament bereits 2021 unter Hausarrest stand,<\/li>\n<li>oppositionelle Nachrichtensender in der Ukraine ab Fr&uuml;hjahr 2021 verboten wurden,<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/mar\/20\/ukraine-suspends-11-political-parties-with-links-to-russia\">die Ukraine im M&auml;rz 2022 elf Oppositionsparteien verbot<\/a>.<\/li>\n<\/ul><p>Im Dezember 2023 wurde die Ukraine &ndash; ein Land, das sich im Krieg (!) befindet, ohne seine endg&uuml;ltigen Grenzen und seine Bev&ouml;lkerung zu kennen &ndash; zur Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen eingeladen. Georgien ist dieses Status nicht w&uuml;rdig, weil es sich nicht an der Politik der selbstzerst&ouml;rerischen Sanktionen des Westens beteiligt.<\/p><p>Die Tatsache, dass Georgien im Jahr 2023 auf Platz 49 der <a href=\"https:\/\/www.transparency.org\/en\/cpi\/2023\">Korruptionsliste<\/a> stand, w&auml;hrend die Republik Moldau auf Platz 76 und die Ukraine auf Platz 104 landeten, ist anscheinend ebenso irrelevant wie die L&auml;nderberichte der EU &uuml;ber den Zustand der Gesellschaft, der Staatsf&uuml;hrung, der Wirtschaft und des Unternehmensumfelds. Es spielt auch keine Rolle, dass der ehemalige ukrainische Staatschef Petro Poroschenko seit Dezember 2023 sein Land nicht verlassen darf &ndash; vermutlich, damit er nicht vom Westen aus eine Alternative zur Politik der derzeitigen ukrainischen Regierung bietet. K&ouml;nnte die georgische Regierung dies auch mit dem Oppositionsf&uuml;hrer tun? G&auml;be es eine westliche Reaktion?<\/p><p>Die Br&uuml;sseler Elite akzeptiert nicht, dass ein Partnerland wie Georgien &ndash; abh&auml;ngig von Ost und West &ndash; an wirtschaftlicher Integration und freiem Kapital- und Personenverkehr interessiert ist, w&auml;hrend sie ihm ver&uuml;belt, nicht an einer verabsolutierten Sanktionspolitik gegen&uuml;ber einem anderen globalen Akteur (in diesem Fall Russland) interessiert zu sein, weil es dadurch nur Schaden nehmen kann &ndash; wohl wissend, dass es erst in Jahrzehnten (oder nie) Mitglied der EU wird.<\/p><p><strong>Georgische Realit&auml;t &ndash; keine Grundlage f&uuml;r die Au&szlig;enpolitik<\/strong><\/p><p>Die EU und die USA wollen die georgische Realit&auml;t nicht als Grundlage f&uuml;r die Au&szlig;enpolitik des Landes akzeptieren. Diese Realit&auml;t basiert auf der Existenz als sowjetischer Nachfolgestaat, einer gemeinsamen Grenze mit Russland, wirtschaftlichen Interessen, Zehn- und Hunderttausenden von Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen und den sich daraus logisch ergebenden kulturellen und sprachlichen &Uuml;berschneidungen mit dem Nachbarland. Das westliche Narrativ zwingt auch Georgien eine Wahl auf: Es muss sich zwischen einer &bdquo;bl&uuml;henden europ&auml;ischen Zukunft oder einer Putin-Satellitenrolle&ldquo; entscheiden. Eine l&auml;nderspezifische georgische Option taucht nicht auf &ndash; wie in anderen F&auml;llen jeweils auch.<\/p><p>Auch in Georgien wachsen die Widerspr&uuml;che in Bezug auf die Au&szlig;en-, Sicherheits- und Handelspolitik der EU, einem Makroakteur, der sich der Fortsetzung des Krieges in der Ukraine verschrieben hat. Die Verabsolutierung des Krieges in der Ukraine, die Forderung nach einer solidarischen Beziehung von Nicht-EU-Partnern zu dieser Politik und die Militarisierung der EU-Politik tragen nicht dazu bei, ein positives Bild der EU zu st&auml;rken.<\/p><p>Die erzwungene Blockbildung gegen Russland polarisiert die ohnehin schon gespaltene postsowjetische georgische Gesellschaft weiter. Sie f&uuml;hrt zu wachsenden inneren Spannungen und stellt das Recht auf souver&auml;ne Staatlichkeit des Landes in Frage, das in der UN-Charta verankert ist. Wer nicht f&uuml;r uns ist, ist gegen uns, wird unter Berufung auf die &sbquo;legitimen&lsquo; Einsch&auml;tzungen der vom Westen finanzierten NGOs bestraft, sanktioniert. Warum ist eine von den USA finanzierte NGO willkommen, und warum wird ihr &Auml;quivalent &ndash; von Russland finanziert &ndash; in einem blockfreien Nachbarland bestraft, wo es weit mehr russische Verwandte, russische Gesch&auml;ftskontakte, ethnische und sprachliche Identit&auml;t gibt als zu den USA? Der Zauberspruch lautet &bdquo;russische Aggression gegen die Ukraine&ldquo;. K&ouml;nnen wir einen &auml;hnlichen Zauberspruch als Antwort auf eine US-amerikanische Aggression in den vorherigen Jahrzehnten der europ&auml;ischen Geschichte finden?<\/p><p>Losungen wie &bdquo;Wir k&ouml;nnen angesichts von Putins Aggression nicht neutral sein&ldquo; sind in den westlichen Medien im Zusammenhang mit US-amerikanischen oder britischen Aggressionen (milit&auml;rische Intervention ohne Beschluss des UN-Sicherheitsrats) in den vergangenen Jahrzehnten unbekannt. Nirgends finden wir Beispiele f&uuml;r Aufrufe &bdquo;Wir k&ouml;nnen angesichts der Aggression von Clinton, Bush oder Obama nicht neutral sein&ldquo;, w&auml;hrend wir die Ergebnisse dieser Interventionen &ndash; in einigen F&auml;llen auf der Grundlage falscher Fakten &ndash; in Serbien, im Irak, in Libyen, Afghanistan und Syrien sehen: jahrzehntelang destabilisierte Regionen und dadurch ausgel&ouml;ste beziehungsweise verst&auml;rkte Migrationsstr&ouml;me in Richtung Europa.<\/p><p><strong>Haltung zu Sanktionen gegen Russland als Gradmesser der Loyalit&auml;t<\/strong><\/p><p>Die Haltung zu Sanktionen gegen Russland, die Bereitschaft, die Neutralit&auml;t aufzugeben, ist zu einem Gradmesser der Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber dem Westen geworden.<\/p><p>Die Prozesse innerhalb der EU nur noch am Krieg in der Ukraine auszurichten, das ist zu einem Dauerph&auml;nomen geworden. Auf EU-Gipfeln stehen heute nicht mehr die wirtschaftlichen und sozialen Prozesse der Union auf der Tagesordnung, sondern der Pr&auml;sident des Nicht-EU-Landes Ukraine stellt seinen &bdquo;Siegesplan&ldquo; vor.<\/p><p>Die Institutionen des globalen Westens erwarten von den L&auml;ndern, die ebenfalls von Russland abh&auml;ngig sind (Georgien, Republik Moldau), absolute politische Loyalit&auml;t, ohne Verst&auml;ndnis f&uuml;r die verursachten Probleme zu zeigen. Wen k&uuml;mmert es, wie Georgien die Beziehungen mit seinen eigenen separatistischen Regionen Abchasien und S&uuml;dossetien reaktivieren und auf ein neues Niveau heben kann, wenn es vom Westen gezwungen wird, Entscheidungen zu treffen? Washington und Br&uuml;ssel denken heute nur noch dar&uuml;ber nach, wie Russland geschw&auml;cht werden kann, und ordnen alles diesem Ziel unter, auch die Interessen des georgischen Volkes.<\/p><p>Die georgische Pr&auml;sidentin Salome Surabischwili erkennt die Ergebnisse der Wahlen vom 26. Oktober nicht an. Bekannterweise ist es die Aufgabe eines Staatsoberhauptes, die Einheit der Nation, der Gesellschaft zu bewahren und nicht, sie zu spalten. K&ouml;nnen wir eine Erkl&auml;rung f&uuml;r die Haltung der georgischen Staatschefin finden, die einen direkten Weg zur Destabilisierung der Gesellschaft darstellt? Ja, das k&ouml;nnen wir: Das georgische Staatsoberhaupt ist in Frankreich geboren und aufgewachsen, hat Frankreich als Diplomat in Rom, Washington, New York und Wien vertreten und war auch als Referent f&uuml;r postsowjetische Angelegenheiten im Planungsstab des franz&ouml;sischen Au&szlig;enministeriums t&auml;tig. In den Jahren 2003 und 2004 war Surabischwili franz&ouml;sische Botschafterin in Georgien und wurde 2004 nach einer Vereinbarung zwischen dem franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten und dem damaligen georgischen Pr&auml;sidenten Michail Saakaschwili zur Au&szlig;enministerin Georgiens ernannt. Ihr sozialer und politischer Hintergrund erkl&auml;rt m&ouml;glicherweise den Unterschied zwischen der Au&szlig;enpolitik der georgischen Regierung, die nach Souver&auml;nit&auml;t strebt, und der Politik der Staatschefin, die die Position des globalen Westens unterst&uuml;tzt.<\/p><p><strong>Neutralit&auml;t &ndash; ein vor&uuml;bergehendes Hindernis<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den Westen ist die Neutralit&auml;t Georgiens im Krieg gegen Russland ein vor&uuml;bergehendes Hindernis, das &uuml;berwunden werden muss, denn &bdquo;Neutralit&auml;t dient den Interessen Russlands&ldquo;.<\/p><p>Wenn 50 L&auml;nder unter der &Auml;gide des Krieges in der Ukraine erfolgreich dabei sind, einen Block zu bilden, dann sollte ein souver&auml;nes Georgien nicht getrennte Wege gehen wollen, w&auml;hrend der Westen das dringende Bed&uuml;rfnis hat, eine zweite Front gegen Russland zu er&ouml;ffnen, um eine Niederlage in der Ukraine zu verhindern. Der Westen geht nicht davon aus, dass das georgische Volk in der Lage ist, seine Lage und seine Interessen rational einzusch&auml;tzen. Die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger Georgiens wissen sehr wohl, dass es nicht das unzureichende Leistungsniveau ist &ndash; welches die Leistung der Ukraine und der Republik Moldau &uuml;bertrifft &ndash;, was sie daran hindert, ihre von ihrer Regierung unterst&uuml;tzte Integration in die EU fortzusetzen. Die souver&auml;ne Au&szlig;enpolitik der georgischen Regierung, die von der Elite der USA und der EU nicht toleriert wird, steht dieser [Integration] im Wege.<\/p><p>Die Ukraine ist die Gewinnerin der Politik des politischen Westens, der die Wahlergebnisse in Georgien anzweifelt: F&uuml;r sie ist die Destabilisierung sowohl Georgiens als auch der Republik Moldau eine Art Fluchtweg.<\/p><p>Ohne die Internationalisierung des Krieges und der Krise um die Ukraine, ohne das Entstehen eines neuen Konfliktschauplatzes m&uuml;sste Kiew bald seine Niederlage im Krieg realisieren. Je mehr Chaos in der russischen Interessensph&auml;re herrscht, desto besser f&uuml;r die Ukraine und den politischen Westen, denn eine krisengesch&uuml;ttelte Nachbarschaft kann Moskau viel Energie entziehen. Die Destabilisierung der Nachbarschaft k&ouml;nnte die Position Russlands erschweren, das in der Ukraine unaufhaltsam scheint und durch die BRICS zunehmend internationale Stabilit&auml;t und Legitimit&auml;t beweist.<\/p><p><strong>Belastetes Verh&auml;ltnis zwischen dem Westen und Georgien<\/strong><\/p><p>Und im Westen k&ouml;nnte sich die Russophobie fortsetzen: Nicht das selbstzerst&ouml;rerische Handeln der EU, sondern die russische Einmischung steckt hinter den negativen Entwicklungen. Wer Transparenz bei ausl&auml;ndisch finanzierten NGOs fordert, ist prorussisch. Wer die offiziellen Wahlergebnisse akzeptiert und nicht die Exit-Poll-Ergebnisse einer von den USA unterst&uuml;tzten NGO, ist prorussisch.<\/p><p>Washington und Br&uuml;ssel wollen die alleinigen Orientierungspunkte f&uuml;r Georgien sein und sind nicht bereit, in einem ausgewogenen Verh&auml;ltnis mit Russland zu stehen. Das Verh&auml;ltnis zwischen Georgien und dem Westen ist schwer belastet, da der Westen seine Beziehungen zu Tbilissi an seine politischen Ziele im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine kn&uuml;pft.<\/p><p>Die Realit&auml;ten der geopolitischen Situation Georgiens erfordern eine pragmatische Au&szlig;enpolitik und staatliches Handeln im Einklang mit den Interessen des souver&auml;nen Staates in einer komplexen geopolitischen Situation, in der die Makroakteure der Weltpolitik in einer multipolaren Welt gegeneinanderstehen &ndash; entlang strategischer Ziele, die weit &uuml;ber die Gr&ouml;&szlig;e von L&auml;ndern mit drei bis vier Millionen Einwohnern hinausgehen.<\/p><p>Die georgische Regierungspartei &bdquo;Georgischer Traum&ldquo;, die die Wahlen vom 26. Oktober gewonnen hat, wollte und will mit der EU und dem Westen im Allgemeinen als wohlhabender Partner zusammenarbeiten, als souver&auml;nes Land, das seine nationalen Interessen im Auge hat. Aber unter diesen Bedingungen will der Westen Georgien nicht. Eine &bdquo;wertebasierte&ldquo; Isolierung und Destabilisierung, gefolgt von der Macht&uuml;bernahme durch eine Opposition, die von westlich finanzierten NGOs dominiert wird, k&ouml;nnte die L&ouml;sung f&uuml;r ihn sein &hellip;<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Mirko Kuzmanovic<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123056\">Botschafter a. D. Varga: Moldau als souver&auml;ner Staat in Gefahr<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122328\">Stimmen aus Ungarn: Deutsche Au&szlig;enpolitik ohne R&uuml;ckhalt in der Bev&ouml;lkerung<\/a> <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121160\">Exklusiv-Beitrag von Botschafter a. D. 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Ein Beitrag von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124165\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":124166,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,190],"tags":[3480,1600,1645,1993,3175,2065,259,3415,260,1556,3514,1019],"class_list":["post-124165","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-wahlen","tag-blockfreie-laender","tag-eu-parlament","tag-georgien","tag-moldau","tag-neutrale-laender","tag-ngo","tag-russland","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-ukraine","tag-usa","tag-wahlbeeinflussung","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/shutterstock_2533067287.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=124165"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124290,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124165\/revisions\/124290"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/124166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=124165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=124165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=124165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}