{"id":124329,"date":"2024-11-07T11:00:20","date_gmt":"2024-11-07T10:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124329"},"modified":"2024-11-07T11:49:03","modified_gmt":"2024-11-07T10:49:03","slug":"waldai-treffen-in-russland-der-globale-sueden-wird-immer-selbstbewusster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124329","title":{"rendered":"Waldai-Treffen in Russland: Der \u201eGlobale S\u00fcden\u201c wird immer selbstbewusster"},"content":{"rendered":"<p>Die derzeitige br&ouml;ckelnde Weltordnung ist veraltet, ihre Institutionen sind leer, sie dienen nur der Aufrechterhaltung der Hegemonie des Westens &ndash; und der nichtwestliche Teil der Welt akzeptiert dies nicht mehr. Er fordert Gleichberechtigung und ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des Weltgeschehens. Auf der 21. Jahreskonferenz des Diskussionsklubs Waldai Anfang November im S&uuml;den Russlands sagten die Redner, sie w&uuml;rden auch die modernen Formen des Kolonialismus ablehnen. Sie seien doch die globale Mehrheit, mit deren Potenzial jetzt gerechnet werden m&uuml;sse. Der ungarische Auslandsjournalist und Gr&uuml;ndungs-Chefredakteur des Fachportals <em>Moszkvater<\/em>, <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, ist vor Ort und berichtet &uuml;ber das Treffen. Aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAnl&auml;sslich seines 20-j&auml;hrigen Bestehens haben sich die Mitglieder des Waldai-Klubs zum 21. Mal getroffen, um ihre Gedanken &uuml;ber den Wandel der Weltordnung auszutauschen. In einer zu dem internationalen Treffen vorbereiteten Studie geht es vor allem um die Frage, wie eine stabile Weltordnung erreicht werden kann. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass sich die Welt auf eine polyzentrische Ordnung zubewegt, sie jedoch nicht auseinanderf&auml;llt, sondern ihre Einheit bewahrt. Daher m&uuml;ssen die Herausforderungen auch gemeinsam angegangen werden.<\/p><p>Der Westen kann nicht mehr bestimmen, in welche Richtung die Welt gehen soll. Die sogenannte globale Mehrheit, der Globale S&uuml;den, akzeptiert diesen Ansatz nicht mehr. Sie bittet nicht um ein Mitspracherecht in den Angelegenheiten der Welt &ndash; sie fordert es.<\/p><p>140 Experten und Pers&ouml;nlichkeiten des &ouml;ffentlichen Lebens aus 50 L&auml;ndern kamen zusammen an der vertrauten Basis des Waldai-Klubs, dem Hotel Poljana 1389 im Gebirgsdorf Krasnaja Poljana oberhalb von Sotschi. Die Konferenz ist ein Versuch, zu zeigen, wie der &bdquo;Globale S&uuml;den&ldquo; &uuml;ber das Weltgeschehen denkt. Es wird ebenfalls gezeigt, welche L&ouml;sungen er f&uuml;r die Herausforderungen bietet, vor denen wir stehen. Dementsprechend dominieren auf der Konferenz die Vertreter des Globalen S&uuml;dens &ndash; genau wie im Leben, wie die Organisatoren anmerkten.<\/p><p>Dieses Verh&auml;ltnis hat sich nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine sichtbar ver&auml;ndert, haupts&auml;chlich Vertreter des westlichen Blocks sind weggeblieben. Nicht nur die Ver&auml;nderungen in der Welt beschleunigten diesen Prozess, sondern auch die Abkehr der westlichen Welt von Russland. Der Westen will Russland eine strategische Niederlage zuf&uuml;gen, scheint aber gleichzeitig die Haltung der Sowjetunion gegen&uuml;ber der &bdquo;imperialistischen Welt&ldquo; zu kopieren und interessiert sich nicht einmal daf&uuml;r, wie sein d&auml;monisierter Feind denkt. In einigen L&auml;ndern ist es sogar verboten, neugierig zu sein. Nicht nur, indem sie russische Medien nach sowjetischer Art blockieren, sondern auch Analysten sollten Angst haben, wenn sie einen Fu&szlig; auf russischen Boden setzen.<\/p><p><strong>Die Mehrheit der Welt fordert mehr Respekt<\/strong><\/p><p>Diese realit&auml;tsfremde Mentalit&auml;t, die auf die nichtwestliche H&auml;lfte der Welt herabblickt und die sich ver&auml;ndernden Machtverh&auml;ltnisse nicht wahrnimmt, wird von Russland nicht akzeptiert. Und Moskau wird in dieser Hinsicht vom sogenannten Globalen S&uuml;den inbr&uuml;nstig unterst&uuml;tzt.<\/p><p>Wie die Redner auf der Konferenz immer wieder betonen, ist das westliche Entwicklungsmodell ersch&ouml;pft, die Autorit&auml;t des Westens ist geschmolzen, seine moralische &Uuml;berlegenheit ist nicht mehr gerechtfertigt und er ist nicht in der Lage, der Welt eine neue Idee anzubieten. Der Neokolonialismus, der die nichtwestliche H&auml;lfte der Welt beraubt hat, ist vorbei. Niemand kann seine Macht missbrauchen, die Wirtschaft und das Finanzsystem als Waffen benutzen, niemand kann die internationalen Institutionen im Interesse der eigenen Nation vereinnahmen, um seine Hegemonie aufrechtzuerhalten.<\/p><p>Die Welt ist an einem gef&auml;hrlichen Punkt angelangt, und es bedarf einer ruhigen Herangehensweise, um noch gr&ouml;&szlig;ere Schwierigkeiten zu vermeiden, als wir sie derzeit erleben. Das neue Gleichgewicht der Kr&auml;fte bildet sich langsam heraus, w&auml;hrenddessen werden die Spannungen andauern und Kriege sind unvermeidlich.<\/p><p>Die nichtwestliche Welt sp&uuml;rt ihre St&auml;rke und wird immer selbstbewusster. Wie ein malaysischer Experte sagte, k&ouml;nnen die Interessen der globalen Mehrheit nicht unter den Tisch gekehrt werden. Es m&uuml;sse endlich verstanden werden, dass es nicht die Minderheit, sondern die Mehrheit ist, deren Werte nicht schlechter sind als die des Westens. Der Analyst, der die Stimmung des &bdquo;Globalen S&uuml;dens&ldquo; widerspiegelte, erkl&auml;rte selbstbewusst, dass dieser Teil der Welt sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und sich verbittet, als &bdquo;Dritte Welt&ldquo;, &bdquo;Entwicklungswelt&ldquo; bezeichnet zu werden. Wie er betonte, ist dies keineswegs antiwestlich, sondern die Mehrheit der Welt fordert einfach mehr Respekt.<\/p><p>Diese nichtwestliche Welt bricht mit den alten Stereotypen einer Weltordnung, die auf europ&auml;ischen Traditionen und US-amerikanischen Interessen beruht &ndash; einer Ordnung, die so dysfunktional ist, dass sie nicht einmal ihre eigenen Probleme l&ouml;sen kann. Sie will nichts weniger als eine gerechte, demokratische Weltordnung.<\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus betonen die Redner immer wieder, dass ein neues Gleichgewicht der Kr&auml;fte und eine berechenbare Weltordnung notwendig seien. Mit der Blockmentalit&auml;t, dem Neoliberalismus, dem Neokolonialismus und der ausbeuterischen Mentalit&auml;t, die auf die Mehrheit der Welt herabsieht, m&uuml;sse gebrochen werden. All dies sei notwendig, damit sie sich gemeinsam den globalen Herausforderungen stellen k&ouml;nnen. Gelinge dies nicht, k&ouml;nnte dies schwerwiegende Folgen haben.<\/p><p><em>Der Beitrag ist im ungarischen Original <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/egyre-magabiztosabb-a-globalis-del\/\">hier erschienen<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Valdai Discussion Club<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/f5f41df88c7c4ddea1caec0ffad8949f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die derzeitige br&ouml;ckelnde Weltordnung ist veraltet, ihre Institutionen sind leer, sie dienen nur der Aufrechterhaltung der Hegemonie des Westens &ndash; und der nichtwestliche Teil der Welt akzeptiert dies nicht mehr. 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