{"id":124413,"date":"2024-11-09T13:00:25","date_gmt":"2024-11-09T12:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124413"},"modified":"2024-11-09T16:15:53","modified_gmt":"2024-11-09T15:15:53","slug":"wiedergelesen-was-jetzt-auf-dem-spiel-steht-michail-gorbatschows-aufruf-fuer-frieden-und-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124413","title":{"rendered":"Wiedergelesen: \u201eWas jetzt auf dem Spiel steht\u201c \u2013 Michail Gorbatschows Aufruf f\u00fcr Frieden und Freiheit"},"content":{"rendered":"<p>Im Herbst 2019 ver&ouml;ffentlichte Michail Gorbatschow &ndash; knapp drei Jahre vor seinem Tod und punktgenau zum 30. Jahrestag des Mauerfalles &ndash; sein &sbquo;politisches Testament&lsquo; mit dem bezeichnenden Untertitel &bdquo;Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit&ldquo;. Trotz dieser Punktlandung wurde das Buch des &sbquo;Vaters des Mauerfalls&lsquo; von den deutschen Leitmedien weitestgehend ignoriert. Die erste (und wochenlang in Deutschland einzige) Rezension verfasste unser Gastautor <strong>Leo Ensel<\/strong> &ndash; und zwar ausgerechnet f&uuml;r die &bdquo;kremlfinanzierte Plattform&ldquo; <a href=\"https:\/\/rtde.xyz\/opinion\/leo-ensel\/93468-was-jetzt-auf-spiel-steht-gorbatschow-neues-buch\/\">RT DE<\/a>!<br>\nWir ver&ouml;ffentlichen den damaligen, vor f&uuml;nf Jahren verfassten Text zum 35. Jahrestag des Mauerfalls unver&auml;ndert. Die Leserinnen und Leser m&ouml;gen selbst urteilen, was sie von den Gedanken Gorbatschows auf dem Hintergrund der aktuellen Weltlage halten.<br>\n<!--more--><br>\nDass der Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt, das steht bereits in der Bibel. Michail Gorbatschow k&ouml;nnte ein Lied davon singen. Immer noch kreidet ihm die Mehrheit der Bev&ouml;lkerung Russlands den Untergang des Sowjetreichs an, obwohl Gorbatschow bis zum Schluss f&uuml;r einen neuen Unionsvertrag gek&auml;mpft hatte und es Boris Jelzin war, der Anfang Dezember 1991 auf einer wei&szlig;russischen Datscha zusammen mit den Parteichefs der ukrainischen und der belarussischen Sowjetrepublik der UdSSR den Garaus machte. Aber die Mehrheit der Russen rechnet anders. Die Versorgung der Bev&ouml;lkerung mit Lebensmitteln und notwendigen Dingen des t&auml;glichen Bedarfs wurde unter Gorbatschow kontinuierlich schlechter, die Schlangen vor den sp&auml;rlich ausgestatteten Gesch&auml;ften immer l&auml;nger &ndash; und Glasnost konnte man nicht essen! Das ist es, was bei den meisten f&uuml;rs Erste im Ged&auml;chtnis geblieben ist, nicht etwa freie Wahlen, Abschaffung der Zensur, Reisefreiheit oder die Beendigung des Kalten Krieges samt der permanenten Gefahr einer atomaren Apokalypse.<\/p><p>Aber auch im Westen, nicht zuletzt in Deutschland, ist es in den letzten Jahren um den fr&uuml;her hier allseits geliebten Gorbi merklich ruhiger geworden. Sp&auml;testens seitdem deutlich wurde, dass der erste und letzte Pr&auml;sident der Sowjetunion im neuen West-Ost-Konflikt Ansichten vertritt, die keineswegs mit dem hiesigen Medienmainstream kompatibel sind. So kritisierte Gorbatschow &ndash; in diesem Punkt in auff&auml;lliger &Uuml;bereinstimmung mit Wladimir Putin &ndash; von Anfang an scharf die nassforsche Siegermentalit&auml;t und den Unilateralismus der USA nach dem Ende des Kalten Krieges, die ihre Klimax in v&ouml;lkerrechtswidrigen Interventionen u.a. in Jugoslawien, im Irak und in Libyen sowie in der ber&uuml;chtigten (und ausnahmslos gescheiterten) &bdquo;Regime-Change-Politik&ldquo; fanden. Gorbatschow rechtfertigte die Sezession der Krim mit dem von ihm selbst stets respektierten Selbstbestimmungsrecht der V&ouml;lker und <a href=\"https:\/\/www.themoscowtimes.com\/2019\/02\/14\/mikhail-gorbachev-a-nuclear-arms-race-will-produce-no-winners-op-ed-a64491\">warf j&uuml;ngst den USA vor<\/a>, die Vereinten Nationen und den Sicherheitsrat an den Rand zu dr&auml;ngen und mit der Entfesselung eines neuen &ndash; auch atomaren &ndash; Wettr&uuml;stens nach milit&auml;rischer &Uuml;berlegenheit zu streben, um der ganzen Welt ihren Willen aufzuzwingen.<\/p><p>Klare Worte eines geradlinigen Mannes, der bis dato in Deutschland &sbquo;Everybody&rsquo;s Darling&lsquo; war &ndash; und der Liebesentzug durch die Leitmedien folgte auf dem Fu&szlig;e! Hatte Gorbatschow doch mit diesen skandal&ouml;sen &Auml;u&szlig;erungen das eingeschliffene Mainstream-Muster &bdquo;Good Guy (Gorbi) &ndash; Bad Guy (Putin)&ldquo; geh&ouml;rig durcheinandergewirbelt.<\/p><p><strong>Die Prinzipien des Neuen Denkens im Dritten Millenium<\/strong><\/p><p>&bdquo;<a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Was-jetzt-auf-dem-Spiel-steht\/Michail-Gorbatschow\/Siedler\/e562921.rhd\">Was jetzt auf dem Spiel steht &ndash; Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit<\/a>&ldquo; lautet der Titel des gerade erschienenen j&uuml;ngsten Buches des mittlerweile 88-J&auml;hrigen, und es liest sich wie ein politisches Verm&auml;chtnis. Entsprechend ist es nicht, wie einige seiner Memoirenb&auml;nde der letzten Jahre, retrospektiv, sondern &bdquo;der Zukunft zugewandt&ldquo; &ndash; geht es doch um nichts weniger als um das (&Uuml;ber)Leben der Menschheit im 21. Jahrhundert.<\/p><p>Gorbatschow ist nicht nur, wenig &uuml;berraschend, den Prinzipien seines Neuen Denkens treu geblieben &ndash; diese erweisen sich vielmehr in der globalisierten Welt des dritten Millenniums als aktueller denn je! Bereits in den Kapitel&uuml;berschriften sind sie leicht zu identifizieren: &bdquo;Unsere gemeinsame Sicherheit&ldquo;, &bdquo;Die globale Welt verstehen&ldquo;, &bdquo;Die Erdcharta&ldquo;, &bdquo;Sind Politik und Moral vereinbar?&ldquo;, &bdquo;Europa: unser Kontinent, unser Zuhause&ldquo; lauten einige von ihnen.<\/p><p>Die Grundpr&auml;misse des Neuen Denkens, das in seinen Wurzeln unter anderem bis auf Albert Einstein zur&uuml;ckgeht, ist so einfach formuliert, wie sie schwer umzusetzen ist: <em>&bdquo;Wir sind EINE Menschheit! Wir leben alle auf EINEM Planeten!&ldquo; <\/em>Wie viele scheinbar simple S&auml;tze entfalten auch diese ihre volle Bedeutung erst dann, wenn man nicht einfach &uuml;ber sie hinwegliest, sondern sich Zeit und Ruhe nimmt, sie auf sich wirken zu lassen und ihnen nach-zudenken!<\/p><p>Und das lohnt sich. Immerhin kommen sie nicht von einem naiven esoterischen Gutmenschen, sondern von einem Intellektuellen, der die an Willy Brandt und Egon Bahr erinnernde Maxime formulierte<em> &bdquo;Sicherheit kann niemals einseitig zum Nachteil anderer erreicht werden&ldquo;<\/em> und als Chef einer Supermacht den Kalten Krieg beendete, dem widerstrebenden Westen die atomare Abr&uuml;stung bei den gef&auml;hrlichsten Tr&auml;gersystemen aufzwang, Europa f&uuml;r mehr als drei Jahrzehnte die Angst vor einem Atomkrieg nahm und die Verschrottung von nicht weniger als 80 Prozent aller Atomsprengk&ouml;pfe weltweit durchsetzte &ndash; kurz: von einem Staatsmann, der das Neue Denken nicht blo&szlig; predigte, sondern es als Erster konsequent in <em>Neues Handeln<\/em> umsetzte und praktizierte.<\/p><p>&bdquo;<strong>Wenn es so weitergeht, kann es zu einer Katastrophe kommen!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Es wundert daher nicht, dass Gorbatschows Buch sofort mit dem bislang dramatischsten R&uuml;ckfall in das &bdquo;Alte Denken&ldquo; einsetzt: der aktuellen Militarisierung der Weltpolitik. Das Ende des INF-Vertrages geht laut Gorbatschow eindeutig<em> &bdquo;auf das Konto der USA. Ebenso wie die Weigerung, den Vertrag &uuml;ber das Verbot von Nuklearversuchen zu ratifizieren, und der R&uuml;cktritt vom ABM-Vertrag &uuml;ber die Beschr&auml;nkung von Raketenabwehrsystemen.&ldquo;<\/em> Die USA h&auml;tten Russland im Bereich der Mittelstreckenraketen <em>&bdquo;angebliche Vertragsverst&ouml;&szlig;e vorgeworfen, die selbst f&uuml;r Experten schwer nachzuvollziehen sind. Und all dies im Ton eines Ultimatums.&ldquo;<\/em> Die Folgen sind alarmierend, und Gorbatschow bringt sie unmissverst&auml;ndlich auf den Punkt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die heutigen milit&auml;rischen Aktivit&auml;ten &auml;hneln zunehmend den Vorbereitungen auf einen echten Krieg. Das Ziel der US-Au&szlig;enpolitik besteht darin, neue Atomwaffen f&uuml;r einen flexibleren Einsatz zu entwickeln. Was nichts anderes bedeutet, als die Schwelle f&uuml;r den Atomwaffeneinsatz stetig zu senken. Die Welt steht vor einer akuten unkontrollierbaren milit&auml;rischen und politischen Konfrontation der beiden f&uuml;hrenden Weltm&auml;chte. Alle bisher geschaffenen Mechanismen zur Friedenssicherung sind entweder besch&auml;digt, gelockert oder bedroht.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Nach dieser illusionslosen Analyse der aktuellen katastrophalen sicherheitspolitischen Lage wartet man umso gespannter, welche Wege aus der Sackgasse der Mann vorschl&auml;gt, der genau dies vor dreieinhalb Jahrzehnten in einer &auml;hnlich hochbrisanten Situation schon einmal geschafft hat.<\/p><p>Zun&auml;chst warnt Gorbatschow, jetzt nicht in Panik zu geraten und den Kopf h&auml;ngen zu lassen, worauf er den Blick weitet und daran erinnert, dass es in der Geschichte der Verhandlungen &uuml;ber die Begrenzung und Reduzierung von Atomwaffen immer wieder auch zu R&uuml;ckschl&auml;gen kam. So habe man bei dem im Mai 1972 von Leonid Breschnew und Richard Nixon unterzeichneten Vertrag &uuml;ber die Begrenzung der Anzahl strategischer Atomwaffentr&auml;ger (SALT I) die Best&uuml;ckung dieser Raketen mit autonomen Mehrfachsprengk&ouml;pfen (MIRV) schlicht ausgespart, wodurch sich die Anzahl der Gefechtsk&ouml;pfe in der Folgezeit vervierfacht habe. (Das Problem wurde erst zwei Jahrzehnte sp&auml;ter im Rahmen der START-Vertr&auml;ge einer L&ouml;sung zugef&uuml;hrt.) Umgekehrt habe es im Kalten Krieg auch Situationen gegeben, bei denen &ndash; wie beim Vertrag &uuml;ber die Einstellung von Atomtests in der Atmosph&auml;re, im Weltraum und unter Wasser &ndash; einige Atomm&auml;chte vorangegangen seien, w&auml;hrend andere sp&auml;ter ihrem Beispiel folgten, manchmal sogar, ohne den Vertrag zu unterzeichnen.<\/p><p><strong>&bdquo;Den Teufelskreis durchbrechen!&ldquo;<\/strong><\/p><p>Leidenschaftlich fordert Gorbatschow die USA und Russland auf, den gegenw&auml;rtigen Teufelskreis zu durchbrechen und wieder an den Verhandlungstisch zur&uuml;ckzukehren. Dies gelte nicht zuletzt f&uuml;r die Verpflichtung, die beide Superm&auml;chte im Vertrag &uuml;ber die Nichtverbreitung von Kernwaffen eingegangen seien, n&auml;mlich &ndash; im Gegenzug f&uuml;r den Verzicht der &uuml;berwiegenden Mehrheit der L&auml;nder der Welt auf Atomwaffen &ndash; ihre eigenen Arsenale schrittweise zu reduzieren und letztendlich zu beseitigen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wenn Russland und die Vereinigten Staaten sich erneut an den Verhandlungstisch setzen, wird sich auch die Stimmung insgesamt verbessern. Und ebenso die Voraussetzungen f&uuml;r den Dialog mit anderen L&auml;ndern, die ebenfalls Atomwaffen besitzen. Die Erfahrung zeigt, dass nicht nur bei atomarer Aufr&uuml;stung Wettbewerb m&ouml;glich ist, sondern auch beim Verzicht. Letztlich m&uuml;ssen alle Staaten, die Atomwaffen besitzen, an den Verhandlungstisch, um &uuml;ber ihre Abschaffung zu reden &ndash; auf Augenh&ouml;he mit den nichtnuklearen Staaten.&ldquo;<\/em> Das Endziel Gorbatschows ist also nach wie vor die Verwirklichung der Vision, die er bereits am 15. Januar 1986 als Generalsekret&auml;r der KPdSU umrissen hatte: <em>&bdquo;Wir m&uuml;ssen unsere ganze Kraft darauf setzen, das wichtigste Ziel zu erreichen: die endg&uuml;ltige Beseitigung aller Atomwaffen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bis hierhin folgt man der Argumentation Gorbatschows gerne als einer der aktuell immer seltener zu h&ouml;renden Stimmen der Vernunft. Nun h&auml;ngt jedoch alles, wie schon Mitte der Achtzigerjahre, am politischen Willen der f&uuml;hrenden Staatsm&auml;nner beider Superm&auml;chte. Die Frage dr&auml;ngt sich daher auf: Was tun, wenn dieser Wille, wie es zumindest bei den USA gegenw&auml;rtig den Anschein hat, fehlt? Was muss geschehen, um beide Seiten tats&auml;chlich &ndash; und mit ernsthaften Absichten &ndash; wieder an den Verhandlungstisch zu bringen? Diese Frage stellt Gorbatschow hier nicht explizit, allerdings hat er in seinem vorletzten Buch &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.beneventopublishing.com\/benevento\/produkt\/kommt-endlich-zur-vernunft-nie-wieder-krieg\/\">Kommt endlich zur Vernunft! &ndash; Nie wieder Krieg<\/a>&ldquo; eine Antwort angedeutet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Bei der Beendigung des Kalten Krieges hat die &Ouml;ffentlichkeit eine enorme Rolle gespielt. Ich erinnere mich gut an die lautstarke Stimme der Friedensbewegung gegen Krieg und Atomwaffen in den 1980er Jahren. Diese Stimme wurde geh&ouml;rt!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Kurz: Druck von unten ist auch heute wieder notwendig!<\/p><p><strong>Gorbatschow geht aufs Ganze<\/strong><\/p><p>Die Grundthese des gesamten Buches, deren Konsequenzen Gorbatschow nicht nur im Bereich der Sicherheitspolitik auslotet, lautet: <em>&bdquo;Wir leben in einer globalisierten Welt, haben sie aber noch nicht v&ouml;llig verstanden. Kein zentrales Problem unserer modernen Welt ist zu verstehen, wenn wir es nicht im Kontext globaler Prozesse betrachten.&ldquo; <\/em>Die Themenfelder, bei denen Gorbatschow dieser These nachgeht, sind u.a. die Frage &bdquo;Wem nutzt die Globalisierung?&ldquo; &ndash; un&uuml;bersehbar schimmert hier der Sozialdemokrat durch, wenn er anhand zahlreicher Beispiele die weltweit immer st&auml;rker auseinanderklaffende Schere zwischen Arm und Reich anprangert &ndash;, &bdquo;Die Welle des Populismus und der Niedergang der Demokratie&ldquo; &ndash; auch hier bel&auml;sst es der Autor nicht bei der popul&auml;ren Populismusschelte, sondern zeigt Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Globalisierungsverlierer &ndash;, &bdquo;Die &ouml;kologische Herausforderung&ldquo; und &bdquo;Die multipolare Welt ist Realit&auml;t&ldquo;. Gorbatschow scheut sich aber auch nicht, eine so heikle Frage wie &bdquo;Sind Politik und Moral vereinbar?&ldquo; positiv zu beantworten.<\/p><p>Die jeweiligen Themen und Problemstellungen skizziert er zupackend mit wenigen, aber pr&auml;zisen Pinselstrichen und kommt dabei sofort auf den Punkt. Sein Blick geht stets aufs Ganze. Immer wieder wird man beim Lesen den Eindruck nicht los, als spreche hier nicht ein Elder Statesman, sondern der Generalsekret&auml;r der Vereinten Nationen. Und wie alle wirklichen Intellektuellen ist Gorbatschow in der Lage, sich klar und verst&auml;ndlich auszudr&uuml;cken. Dass er nicht zur L&ouml;sung aller Probleme einen ausgefeilten Aktionsplan (road map) vorlegt, vieles eher andeutet, sich bisweilen auch aufs Appellative beschr&auml;nkt, wird man ihm nachsehen. Erkennbar kommt es ihm auf die <em>Richtung<\/em> an, in die sich die Menschheit in der globalisierten Welt bewegen muss, wenn sie &uuml;berleben will. Und das ist zuallererst eine Welt, die nicht nur die Massenvernichtungsmittel, sondern nichts weniger als <em>den Krieg selbst<\/em> als Mittel der &sbquo;Konfliktl&ouml;sung&lsquo; abgeschafft hat!<\/p><p>Der Schluss des Buches ist vers&ouml;hnlich:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Ich glaube nicht, dass der Vertrauensverlust der letzten Jahre unumkehrbar ist. Ich halte ihn f&uuml;r einen Ausrutscher, einen Fehler. Um diesen Fehler zu korrigieren, braucht es Zeit und Geduld, gesunden Menschenverstand und Verhandlungsgeschick. Aber vor allem m&uuml;ssen wir verstehen, dass wir auf einem gemeinsamen Planeten leben. Denn wir sind verantwortlich f&uuml;r sein zuk&uuml;nftiges Schicksal.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dem ist nichts weiter hinzuzuf&uuml;gen!<\/p><p><em>Michail Gorbatschow: Was jetzt auf dem Spiel steht &ndash; Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit. Siedler-Verlag, M&uuml;nchen 2019, gebundene Ausgabe, 192 Seiten, ISBN 978-3827501288, 18,- Euro<\/em><\/p><p><em>Dieses Essay von Leo Ensel ist erstmalig am 12. Oktober 2019 auf <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/opinion\/leo-ensel\/93468-was-jetzt-auf-spiel-steht-gorbatschow-neues-buch\/\">RT DE<\/a> ver&ouml;ffentlicht worden.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Herbst 2019 ver&ouml;ffentlichte Michail Gorbatschow &ndash; knapp drei Jahre vor seinem Tod und punktgenau zum 30. Jahrestag des Mauerfalles &ndash; sein &sbquo;politisches Testament&lsquo; mit dem bezeichnenden Untertitel &bdquo;Mein Aufruf f&uuml;r Frieden und Freiheit&ldquo;. Trotz dieser Punktlandung wurde das Buch des &sbquo;Vaters des Mauerfalls&lsquo; von den deutschen Leitmedien weitestgehend ignoriert. 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