{"id":12443,"date":"2012-03-07T13:57:22","date_gmt":"2012-03-07T12:57:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12443"},"modified":"2019-07-05T11:16:10","modified_gmt":"2019-07-05T09:16:10","slug":"griechenlands-zukunft-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12443","title":{"rendered":"Griechenlands Zukunft (II)"},"content":{"rendered":"<p>Zwei aufmerksame Leser haben mich auf ein Vers&auml;umnis aufmerksam gemacht, das ich hiermit korrigieren will. Bei meinem Ausblick auf die griechischen Wahlen (<a href=\"?p=12355\">NachDenkSeiten vom 27. Februar<\/a>) verga&szlig; ich die rechtsradikale Partei Laos (die Buchstaben stehen f&uuml;r: Laikos Orthodoxos Synagermos oder &bdquo;Orthodoxer Volksalarm&ldquo;). Das ist bedauerlich, aber auch nicht ganz unverst&auml;ndlich. Die Laos unter ihrem charismatischen Vorsitzenden Giorgos Karatzaferis, die in den letzten Jahren als gr&ouml;&szlig;te Bedrohung f&uuml;r das etablierte Parteiensystem gesehen wurden, haben stark an Attraktion verloren und werden im kommenden Parlament aus derzeitiger Sicht keine bedeutende Rolle spielen. Jedenfalls eine weit weniger bedeutende, als sich Karatzaferis das vorgestellt hat. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das aktuelle Meinungsbild<\/strong><\/p><p>In der neuesten Meinungsumfrage von Ende Februar (ver&ouml;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.publicissue.gr\/1956\/varometro-feb-2012-1o-ektakto-kyma\/\">Kathimerini vom 4. M&auml;rz<\/a>) kam die Laos bei der &bdquo;Sonntagsfrage&ldquo; auf lediglich 4 Prozent. Das liegt deutlich unter den 5,6 Prozent des Stimmenanteils bei den Parlamentswahlen im Oktober 2009, mit dem die Partei 15 Sitze gewinnen konnte. Sollten die kommenden Wahlen (das Datum steht immer noch nicht endg&uuml;ltig fest) die gegenw&auml;rtigen Trends der Umfragen best&auml;tigen, w&auml;re die Laos die einzige der kleinen Parteien, die gegen&uuml;ber den  letzten Wahlen an Einfluss verloren h&auml;tte. <\/p><p><strong>Linksparteien profitieren von der Krise mehr als die Rechte<\/strong><\/p><p>Dass in Griechenland die politischen Kr&auml;fte links von den beiden Systemparteien ND und Pasok offenbar weit st&auml;rker von der Krise profitieren als die rechten Kr&auml;fte, hat vor allem drei Gr&uuml;nde. <\/p><p>Erstens l&auml;sst die Krise selbst &ndash; mitsamt ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft &ndash; eine Systemkritik von links weitaus plausibler erscheinen als eine nationalistische Antwort, die mehr Anh&auml;nger finden w&uuml;rde, wenn es sich um eine &bdquo;au&szlig;enpolitisch&ldquo; akzentuierte Krise (z.B. Spannungen mit der T&uuml;rkei oder Zuspitzung des ewigen &bdquo;Mazedonien&ldquo;-Konflikts) handeln w&uuml;rde. <\/p><p>Zweitens werden klassisch &bdquo;nationale&ldquo; Motive in Griechenland seit jeher auch von den anderen Parteien besetzt, die alle ihre je eigenen populistischen Traditionen haben und auch pflegen. Die verbreitete Angst etwa, die T&uuml;rkei k&ouml;nnte die Schw&auml;che Griechenlands zu einem militanteren Auftreten in der &Auml;g&auml;is ausnutzen, wird nicht nur von der Laos, sondern auch innerhalb der Pasok und noch st&auml;rker in der Nea Dimokratia (ND) artikuliert, deren Vorsitzender und Spitzenkandidat Antonis Samaras ohnehin ein strammer Nationalist ist. Und der klassische nationale Reflex, f&uuml;r alles Elend der Griechen zuerst einmal &bdquo;das Ausland&ldquo; verantwortlich zu machen, ist jenseits der politischen Rechten keineswegs fremd und spielt im politischen Erkl&auml;rungsangebot der linken Parteien eine sehr viel gr&ouml;&szlig;ere Rolle als etwa in Spanien oder Italien. <\/p><p>Der dritte Grund ist die relative Unwirksamkeit der &bdquo;xenophoben Reflexe&ldquo;, auf die rechtsradikale Kr&auml;fte in &ouml;konomischen Krisenzeiten setzen und die &bdquo;normalerweise&ldquo; zu ihren Gunsten wirken. Die soziale Krise in Griechenland ist so tiefgehend, dass die &bdquo;Fremden im Lande&ldquo; (im Gegensatz zum &bdquo;Ausland&ldquo;) als S&uuml;ndenb&ouml;cke nicht mehr taugen. Die meisten Griechen wissen ohnehin, dass sie das schmale &bdquo;Wirtschaftswunder&ldquo; der letzten 15 Jahre zum Teil den billigen Arbeitskr&auml;ften aus Albanien, Bulgarien und Rum&auml;nien verdanken, die ihnen keineswegs Arbeitspl&auml;tze &bdquo;weggenommen&ldquo;, sondern eher die ungeliebten Jobs &bdquo;abgenommen&ldquo; haben. Zudem k&ouml;nnen sie heute beobachten, dass viele der &bdquo;Gastarbeiter&ldquo; (vor allem Albaner und Bulgaren) das Land in Scharen verlassen, weil sich auch ihre &Uuml;berlebensperspektiven rapide verschlechtert haben. Dennoch wird im weiteren Verlauf der Krise &ndash; mit ihren Begleiterscheinungen wie etwa einer zunehmenden Kriminalit&auml;t &ndash; die Ausl&auml;nderfeindlichkeit ganz sicher zunehmen. Aber eine Partei, die heute auf ein rassistisch verengtes Programm der Fremdenfeindlichkeit setzen w&uuml;rde, h&auml;tte weder eine Erkl&auml;rung der Krise noch die Andeutung eines Auswegs zu bieten.    <\/p><p><strong>Laos geschw&auml;cht<\/strong><\/p><p>Dass die Laos von der Krise nicht profitiert, hat aber auch sehr viel mit der Krisenstrategie der Partei und ihres Vorsitzenden zu tun. Nachdem Karatzaferis die Sparpolitik der Regierung Papandreou von Anfang an unterst&uuml;tzt hatte, ging er am 10. November 2011 noch einen Schritt weiter und dr&auml;ngte sich geradezu in die &bdquo;nationale Rettungskoalition&ldquo; unter Lukas Papadimos hinein. Und zwar mit der Versicherung, die Laos wolle Papadimos unterst&uuml;tzen, bis dieser seine Arbeit &bdquo;vollendet&ldquo; habe. Nach diesem Akt &bdquo;patriotischer Pflichterf&uuml;llung&ldquo;, mit der er viele der radikalen Laos-Anh&auml;nger entt&auml;uschte, folgte zwei Monate sp&auml;ter eine &uuml;berraschende Kehrtwende. Karatzaferis verweigerte dem zweiten Br&uuml;sseler &bdquo;Rettungspaket&ldquo; die Zustimmung und zog seine Partei aus der Regierung Papadimos zur&uuml;ck. Zwei Laos-Minister widersetzten sich allerdings dem Druck der Partei und behielten ihre &Auml;mter. <\/p><p>Alle Beobachter gehen davon aus, dass diese Kehrtwende eine Reaktion auf die schlechten Umfragewerte von Anfang Februar war. Ob er damit W&auml;hler zur&uuml;ckgewinnen kann, ist h&ouml;chst zweifelhaft. Sein Ruf als &bdquo;ehrlicher&ldquo; und &bdquo;prinzipienfester&ldquo; Politiker &ndash; im Gegensatz zu den &bdquo;Opportunisten&ldquo; der gro&szlig;en Parteien &ndash; hat auf jeden Fall gelitten. Viele seiner alten Anh&auml;nger werden wohl die ND w&auml;hlen, die inzwischen auch die beiden abtr&uuml;nnigen Laos-Minister absorbiert hat (wobei sich Samaras &uuml;brigens nicht daran st&ouml;rt, dass die beiden fr&uuml;her die &uuml;belsten Antisemiten der Laos waren und in ihren &Auml;u&szlig;erungen sogar deutlich radikaler als Karatzaferis selbst). Die strammen Rechtsextremisten dagegen werden bei den Wahlen ohnehin die faschistische Gruppe Chrisy Avghi (Goldene Morgenr&ouml;te) w&auml;hlen, die erstmals zu Parlamentswahlen antritt und gute Chancen hat, die 3-Prozent-H&uuml;rde zu &uuml;berwinden (nach der letzten Umfrage liegt sie bei 3,5 Prozent). <\/p><p>Karatzaferis versucht offensichtlich, im Hinblick auf die Wahlen sein rechtsradikales Profil wieder zu sch&auml;rfen. So titulierte er vor wenigen Tagen in einer Fernsehrunde den deutschen Wirtschaftsminister R&ouml;sler als &bdquo;Vietnamesen&ldquo;, was ihn nicht daran hindert, Frau Merkels Haltung als &bdquo;faschistisch&ldquo; zu qualifizieren. Aber es wird immer offensichtlicher, dass er sich selbst ausman&ouml;vriert hat: Als Reformer hat er seine populistische Gefolgschaft eingeb&uuml;&szlig;t, mit seiner R&uuml;ckkehr zum &bdquo;negativen Populismus&ldquo; hat er dagegen viele neu gewonnene W&auml;hler vor den Kopf gesto&szlig;en. Nach der Umfrage von Ende Februar hat Karatzaferis den gr&ouml;&szlig;ten Popularit&auml;tsschwund aller Politiker erlitten (seine Zustimmungsquote sank von 25 auf nur noch 17 Prozent). Die Laos wird also in jedem Fall schlechter abschneiden als die drei Linksparteien. Und f&uuml;r eine Regierungsbildung nach dem Modell, das die Regierung Papadimos am Anfang getragen hat, wird sie auch dann nicht zur Verf&uuml;gung stehen, wenn ihre Mandate zur Bildung einer Koalition aus ND, Pasok und Laos gebraucht w&uuml;rden. Ehe Karatzaferis seinen W&auml;hlern eine dritte Kehrtwendung zumutet, k&ouml;nnte er die Partei gleich aufl&ouml;sen und wieder zu dem polemischen Journalisten zu werden, als der er seine politische Karriere begonnen hat. <\/p><p><strong>Jungfaschisten dr&auml;ngen ins Parlament<\/strong><\/p><p>Ob man den Bedeutungsverlust der Laos als &bdquo; positive&ldquo; Krisenfolge verbuchen kann, wird vom Abschneiden der Chrysi Avghi-Partei abh&auml;ngen. Gemessen an dem radikalen Populisten Karatzaferis, der seit seiner Zeit als Abgeordneter im Europ&auml;ischen Parlament (2004-2007) deutlich zivilisiertere Umgangsformen entwickelt hat, w&auml;ren Jungfaschisten im Athener Parlament eine schockierende Entwicklung. Sollten diese den Einzug ins Parlament schaffen, w&uuml;rde es in der &bdquo;Vouli&ldquo; wom&ouml;glich zu Szenen wie im Berliner Reichstag der fr&uuml;hen 1930er-Jahre kommen. <\/p><p><strong>Liberale bleiben schwach<\/strong><\/p><p>Um das Bild abzurunden, sei noch auf die letzte der kleinen Parteien hingewiesen, die im heutigen Parlament sitzen. Die Dimoratiki Symachia (DS) wurde erst im November 2010 gegr&uuml;ndet und verdankt ihre vier Parlamentssitze den vier ND-Abgeordneten,  die aus der konservativen Fraktion ausgeschlossen wurden. Grund war ihre Zustimmung zum ersten &bdquo;Rettungsprogramm&ldquo; im Mai 2010. Prominenteste Dissidentin war damals die ehemalige Au&szlig;enministerin Dora Bakoyanni, die zuvor bei der Wahl eines neuen ND-Vorsitzenden dem heutigen ND-Chef Samaras unterlegen war. Die Tochter des ehemaligen ND-Vorsitzenden Konstantinos Mitsotakis (Ministerpr&auml;sident von 1990 bis 1993), die w&auml;hrend der Olympischen Spiele von 2004 als Athener B&uuml;rgermeisterin amtierte, repr&auml;sentierte innerhalb der ND den liberalen Fl&uuml;gel gegen&uuml;ber dem konservativ-patriotischen Lager von Samaras; die heutige DS definiert sich entsprechend als liberale Partei. Obwohl Bakoyanni noch relativ popul&auml;r ist und der ND vorhalten kann, dass sie Ende letzten Jahres auf ihren Kurs (der Zustimmung zum Memorandum) eingeschwenkt ist, sehen die Meinungsforscher die DS Ende Februar bei nur 2 Prozent (also etwa auf dem Niveau ihrer deutschen Schwesterpartei FDP).<\/p><p>Das ist gewiss auch Folge eines &bdquo;Skandals&ldquo;, der vielleicht gar keiner ist. In meinem letzten Beitrag habe ich jenen &bdquo;unbekannten&ldquo; Abgeordneten erw&auml;hnt, der im Sommer 2011 eine Million Euro au&szlig;er Landes geschaufelt haben soll. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es sich bei der Millionensumme nicht um Euros, sondern um Dollars handelte, und dass das Geld nicht einem Parlamentsmitglied geh&ouml;rte, sondern dem Reeder Isidoros Kouvelos, dem Ehemann von Dora Bakoyanni. Der beg&uuml;terte Gesch&auml;ftsmann macht geltend, dass die &Uuml;berweisung die Anzahlung eines Werftauftrags und keineswegs geheim war, sondern ein v&ouml;llig normaler Bankvorgang war. Das klingt sogar plausibel und Frau Bakoyanni emp&ouml;rt sich wom&ouml;glich zu Recht &uuml;ber die &bdquo;Falschinformation&ldquo;, die zun&auml;chst verbreitet wurde. Aber der Fall hat die W&auml;hler nat&uuml;rlich daran erinnert, dass ein griechischer Staatsbankrotts die Familie Kouvelos\/Bakoyanni nicht unbedingt &auml;rmer machen w&uuml;rde, weil sie einige Geldreserven im Ausland hat.<\/p><p><strong>Die gro&szlig;en Parteien machen Boden gut<\/strong><\/p><p>Sollte es die DS wider Erwarten knapp ins Parlament schaffen, k&auml;me sie im Notfall als erg&auml;nzender Koalitionspartner f&uuml;r eine ND-Pasok-Regierung in Frage. Dass die beiden gro&szlig;en Parteien zu einer Koalition bereit stehen, lassen ma&szlig;gebliche Politiker aus beiden Lagern immer deutlicher erkennen. Und das, obwohl nach der j&uuml;ngsten Sonntagsfrage (in der oben zitierte Public-Issue-Umfrage) ND und Pasok zusammen nicht einmal auf 40 Prozent der W&auml;hlerstimmen kommen w&uuml;rden, wobei allerdings die Pasok leicht an Boden gut gemacht hat (statt 8 nunmehr 11 Prozent). <\/p><p><strong>Das Dilemma der linken Parteien<\/strong><\/p><p>Dieselbe Umfrage l&auml;sst auch eine leichten R&uuml;ckgang der Stimmen f&uuml;r die vier linken Parteien erkennen (von 46 auf 43 Prozent). Dabei liegt die linkssozialistische Syriza stabil bei 12 Prozent. Dagegen haben die Kommunisten (KKE) und die linkssozialdemokratische DIMAR (Dimokratiki Aristera)  leicht an R&uuml;ckhalt eingeb&uuml;&szlig;t, w&auml;hrend die &Ouml;kologen leicht zugelegt haben. Auch das ist nur eine Momentaufnahme, aber sie zeigt, dass es f&uuml;r die linken Parteien nicht einfach sein wird, ihren Stimmenanteil noch weiter zu steigern. Mit unklaren oder ausweichenden Antworten auf die Frage, welchen Ausweg aus der Krise eine linke Regierung vorschlagen w&uuml;rde, werden sie die vielen Nichtw&auml;hler jedenfalls nicht an die Urnen bringen k&ouml;nnen.<\/p><p>Das Dilemma der linken Parteien, das ich in meinem letzten Beitrag angesprochen habe (<a href=\"?p=12355\">NachDenkSeiten vom 27. Februar<\/a>) l&auml;sst sich an einer Episode aufzeigen, die einen Einblick in die Kontroversen innerhalb der DIMAR er&ouml;ffnet. Die Kontroverse ist aus deutscher Sicht besonders interessant, weil sie sich an dem Abstimmungsverhalten der Linkspartei im Bundestag entz&uuml;ndet hat. Die Nein-Stimmen der Fraktion der Linken bei der Abstimmung vom 27. Februar  zum zweiten &bdquo;Rettungsprogramm&ldquo; f&uuml;r Griechenland hat den au&szlig;enpolitischen Sprecher der DIMAR zu einem kritischen Kommentar provoziert, der auf der Internetseite der Partei eingestellt wurde. Dabei verwies Gerasimos Georghatos auf die &bdquo;engen politischen Beziehungen&ldquo; zwischen der Linkspartei und der Syriza (von der sich die DIMAR abgespalten hat) und bedauerte die Nein-Haltung der deutschen Syriza-Freunde: &bdquo;In diesen kritischen und schwierigen Stunden braucht Griechenland und die griechischen B&uuml;rger eine direkte und praktische Solidarit&auml;t statt eines Revoluzzerkurses, der sich mit dem Populismus gemein macht.&ldquo; Und dann folgte der Satz: &bdquo;Gl&uuml;cklicherweise begeben sich andere fortschrittliche reformerische Kr&auml;fte &ndash; die SPD und die Gr&uuml;nen &ndash; im Bundestag nicht auf denselben schl&uuml;pfrigen Weg.&ldquo; (zitiert nach Ta Nea vom 29. Februar).<\/p><p>Diese Stellungnahme wurde nach kurzer Zeit von der Website der Partei gel&ouml;scht. Denn nat&uuml;rlich begriff man in der Parteizentrale sofort, wie widerspr&uuml;chlich eine solche Kritik an der deutschen Linkspartei &ndash; und das Lob f&uuml;r SPD und Gr&uuml;ne &ndash; in griechischen Ohren klingt. Denn schlie&szlig;lich hat die DIMAR im eigenen Parlament selbst gegen das zweite Rettungspaket gestimmt, das im deutschen Bundestag kurze Zeit sp&auml;ter eine Mehrheit fand. Der Sprecher der Syriza lie&szlig; sich die Chance nicht entgehen, darauf hinzuweisen, dass die Stellungnahme von Georghatos &bdquo;im Widerspruch mit der bis heute vertretenen Haltung seiner Partei steht, die gegen beide Memoranden (also die Sparprogramme) gestimmt hat&ldquo;. <\/p><p>Auf Dr&auml;ngen der Parteif&uuml;hrung &ndash; und des Vorsitzenden Kouvelis &ndash; musste der au&szlig;enpolitische Sprecher klarstellen, dass er nur seine &bdquo;ganz pers&ouml;nliche Meinung&ldquo; kundgetan und sich keinesfalls als &bdquo;Verantwortlicher f&uuml;r die Au&szlig;en- und Europapolitik&ldquo; ge&auml;u&szlig;ert habe. Diese &bdquo;Aufspaltung&ldquo; zwischen Privatperson und Parteisprecher macht freilich nur das objektive Dilemma sichtbar, in dem nicht nur die DIMAR, sondern die gesamte griechische Linke steckt. Denn nat&uuml;rlich h&auml;tten die meisten es als Katastrophe empfunden, wenn der Bundestag die zweite &bdquo;Rettung&ldquo; Griechenlands nicht bewilligt und ihr Land damit &uuml;ber kurz oder lang zum Ausscheiden aus der Eurozone verdammt h&auml;tte. Und gewiss waren viele Linke in Athen dar&uuml;ber irritiert, dass ihre Genossen im deutschen Bundestag genau so &ndash; wenn auch aus anderen Gr&uuml;nden &ndash; abgestimmt haben wie die notorischen Griechenland-Hetzer in der Union und in der FDP.<\/p><p><strong>Der Opportunismus der deutschen Linken<\/strong><\/p><p>Ich selber kann an dieser Stelle nur erneut anmerken, dass die deutsche Linke das benannte Dilemma anerkennen und offener diskutieren m&uuml;sste. Was die Linkspartei im Bundestag betrifft, so glaube ich, dass es nie bessere Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Stimmenthaltung gegeben hat als in dieser Griechenland-Abstimmung. Nur so h&auml;tte die Partei zeigen k&ouml;nnen, dass sie bei aller Kritik an der &bdquo;Rettung der Banken&ldquo; und an der katastrophalen Verz&ouml;gerungstaktik der deutschen Regierung dennoch die extreme Notlage der Griechen ber&uuml;cksichtigt, mit denen man ja solidarisch sein will. Eine Nein-Stimme als Solidarit&auml;t mit Griechenland auszugeben, ist meines Erachtens logisch und moralisch nicht m&ouml;glich. Und ich bin mir sicher (oder will es jedenfalls hoffen), dass die Fraktion der Linkspartei anders abgestimmt h&auml;tte, wenn tats&auml;chlich die Gefahr bestanden h&auml;tte, dass sie mit ihren Stimmen die Griechen in den unkontrollierten Staatsbankrott st&ouml;&szlig;t &ndash; im Verein mit denen, die das gesunde Volksempfindens der deutschen Steuerzahler zu vertreten glauben. Dann stellt sich freilich eine zweite Frage: Wie opportunistisch ist ein Abstimmungsverhalten, das man als moralisch h&ouml;herwertig nur deshalb ausgeben kann, weil man Gott sei Dank keinen Schaden anrichtet? Die heroische Nein-Stimme angesichts einer sicheren Ja-Mehrheit ist so gesehen kein Heldenst&uuml;ck.<\/p><p><strong>Das &bdquo;Internet-Kartoffel&ldquo;-Experiment<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck nach Griechenland. Hier wird sich im Lauf des Wahlkampfs die entscheidende Frage &bdquo;Euro oder Drachme&ldquo; so zuspitzen, dass keine der linken Partein sich um eine Antwort dr&uuml;cken kann. Die Festlegung der KKE auf den Euro-Ausstieg bedeutet, dass sie den 12-Prozent-Plafond nicht durchbrechen kann. Denn nur stramme Parteianh&auml;nger werden letztlich bereit sein, die &bdquo;n&uuml;tzlichen Idioten&ldquo; jener &bdquo;Plutokraten&ldquo; zu spielen, die nach der R&uuml;ckkehr zur Drachme mit ihren gehorteten Euros das Land aufkaufen w&uuml;rden. Die Kluft zwischen der KKE einerseits und den linken Euro-Parteien Syriza und DIMAR wird sich also eher noch vergr&ouml;&szlig;ern. Diese Kluft hat sich auch bei einem anderen Thema gezeigt, das seit zwei Wochen im ganzen Land unter dem Stichwort &bdquo;Internet-Kartoffeln&ldquo; diskutiert wird. Da es sich zugleich um ein sch&ouml;nes Beispiel f&uuml;r intelligente Reaktionen der Gesellschaft auf die Krise handelt, will ich den Fall &ndash; und die Reaktion der linken Kr&auml;fte &ndash; etwas ausf&uuml;hrlicher darstellen. <\/p><p>Es begann mit der Aktion von einer Gruppe Bauern aus Drama (in der griechischen Provinz Ost-Mazedonien), die im Zentrum von Thessaloniki zehn Tonnen Kartoffeln verschenkten. Die Bauern wollten damit gegen die niedrigen Preise protestieren, die ihnen von den Gro&szlig;h&auml;ndlern f&uuml;r ihre Produkte geboten werden. Die bieten ihnen derzeit lediglich 10 bis 13 Cent f&uuml;r ein Kilo Kartoffeln, f&uuml;r das die Kunden im Laden dann 70 Cent und mehr zahlen m&uuml;ssen. Die Aktion der Bauern machte also auf die Gewinnspannen der Gro&szlig;h&auml;ndler aufmerksam, die in Griechenland noch unversch&auml;mtere Profite machen als in anderen EU-L&auml;ndern. <\/p><p>Eine Initiativgruppe aus Katerini (einer Stadt 50 Kilometer s&uuml;dlich von Thessaloniki) nahm diese Aktion zum Anlasse, den Bauern ein neues Vertriebsmodell vorzuschlagen. Nach Absprache mit dem Verband der Agrargenossenschaften des Bezirks Drama richtete sie eine Internetseite ein, auf der Bewohner von Katerini ihren Kartoffelbedarf anmelden konnten. Wenn immer die Menge von 20 Tonnen bestellt war, fuhr ein Laster in Drama los, der die Ware an die Kunden lieferte. Die Direktabnehmer bezahlen f&uuml;r das Kilo 25 Cent, also doppelt so viel wie die Gro&szlig;h&auml;ndler. Dennoch kosten die Kartoffeln den Kunden damit nur ein Drittel des Preises, den sie im Supermarkt zahlen w&uuml;rden. Die Initiativgruppe w&auml;hlte im &Uuml;brigen f&uuml;r jede Kartoffel-Lieferung andere Erzeuger aus, sodass nicht immer die gleiche Genossenschaft zum Zuge kommt. <\/p><p>Das Experiment mit den &bdquo;Internet-Kartoffeln&ldquo; als ein Ansatz, die Verhandlungsmacht der Gro&szlig;h&auml;ndler auszuschalten, wird inzwischen in ganz Griechenland diskutiert und zum Teil nachgeahmt. Es gilt als leuchtendes Beispiel f&uuml;r Initiativen von unten. Die linken Parteien haben diese Initiative einhellig, aber mit unterschiedlicher Begr&uuml;ndung, gut gehei&szlig;en. Die DIMAR feierte die &bdquo;Kartoffel-Bewegung&ldquo; in einer offiziellen Stellungnahme als Aufbruch f&uuml;r weitere Ma&szlig;nahmen &bdquo;zum Schutz der Erzeuger, die Senkung der ungerechtfertigt hohen Endpreise f&uuml;r Agrarprodukte und f&uuml;r den Kampf gegen die &uuml;berh&ouml;hten Profite&ldquo; und forderte die Kommunen und Selbstverwaltungsorgane auf, &auml;hnliche Initiativen zu ergreifen. Vom Wirtschaftsministerium wird gefordert, die rechtlichen Voraussetzungen f&uuml;r solche &bdquo;Volksm&auml;rkte&ldquo; zu schaffen, denn nat&uuml;rlich braucht es daf&uuml;r in einem ordentlichen Gemeinwesen einer staatlichen Lizenz mitsamt einer Steuernummer. Hier meldet sich erkennbar die klassische linke Sozialdemokratie.<\/p><p><strong>Kommunisten bleiben Gefangene ihres Dogmas<\/strong><\/p><p>H&ouml;chst aufschlussreich ist auch die Reaktion der KKE. Die begr&uuml;&szlig;te in einer Presseerkl&auml;rung (nachzulesen in der  Kathimerini vom 5. Februar), dass mit dem Direktverkauf die &bdquo;Monopole und Gro&szlig;h&auml;ndler an den Rand gedr&auml;ngt&ldquo; w&uuml;rden. Aber ihre tiefes Misstrauen gegen&uuml;ber Aktivit&auml;ten, die sich der Parteiaufsicht entziehen, ist mit H&auml;nden zu greifen: Selbst aus Anlass einer spontanen Kartoffel-Initiative verweist sie auf die &bdquo;Notwendigkeit der zentralen Planung des Produktionsprozesses auch im Bereich der Nahrungsmittel&ldquo;. Dabei wird triumphierend darauf verwiesen, dass eine solche Produktionsweise nat&uuml;rlich mit den Regeln der Europ&auml;ischen Union unvereinbar ist, da diese &bdquo;die produktiven M&ouml;glichkeiten des Landes zerst&ouml;rt&ldquo;. Das kommunistische Rezept lautet entsprechend: &bdquo;Ausstieg aus der EU, zentrale Planung, Vergesellschaftung aller Produktionsmittel einschlie&szlig;lich des Bodens,,&hellip; und drastische Einschr&auml;nkung des Import von Produkten, die wir selber herstellen k&ouml;nnen&ldquo;.<\/p><p>Ein Kommentar ist fast &uuml;berfl&uuml;ssig. Die KKE bleibt die KKE. Und tut wie immer alles, um zu verhindern, dass sie f&uuml;r Nicht-Kommunisten w&auml;hlbar wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei aufmerksame Leser haben mich auf ein Vers&auml;umnis aufmerksam gemacht, das ich hiermit korrigieren will. Bei meinem Ausblick auf die griechischen Wahlen (<a href=\"?p=12355\">NachDenkSeiten vom 27. Februar<\/a>) verga&szlig; ich die rechtsradikale Partei Laos (die Buchstaben stehen f&uuml;r: Laikos Orthodoxos Synagermos oder &bdquo;Orthodoxer Volksalarm&ldquo;). Das ist bedauerlich, aber auch nicht ganz unverst&auml;ndlich. 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