{"id":124673,"date":"2024-11-13T12:00:15","date_gmt":"2024-11-13T11:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124673"},"modified":"2026-01-27T11:48:26","modified_gmt":"2026-01-27T10:48:26","slug":"sozialpolitik-am-abgrund-wer-nicht-arbeitet-soll-auch-keine-leistungen-erhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124673","title":{"rendered":"Sozialpolitik am Abgrund: Wer nicht arbeitet, soll auch keine Leistungen erhalten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/cdu-general-im-mut-talk-mit-tijen-onaran-wenn-wir-gewinnen-linnemann-macht-knallhart-ansage-an-scholz-und-zum-buergergeld_id_260474208.html\">&bdquo;Wer arbeiten kann, muss arbeiten gehen, ansonsten gibt es keine Sozialleistungen&ldquo;<\/a> &ndash; das sagte die Tage CDU-Generalsekret&auml;r Carsten Linnemann. Damit wird deutlich, worauf es bei einer CDU-angef&uuml;hrten Regierung hinauslaufen wird. Sozialpolitik am Abgrund. Linnemanns Positionierung kommt einer Abschaffung des deutschen Sozialstaatsprinzips gleich. Vordergr&uuml;ndig mag die markige Aussage einleuchten &ndash; sie geht aber an der Realit&auml;t vorbei. Und geschichtsvergessen ist sie obendrauf. Ein St&uuml;ck Stammtischdampfplauderei mit autorit&auml;rem Gehabe. Zur L&ouml;sung der schweren Probleme im Land tr&auml;gt sie nichts bei, bedient aber den Geist der Spaltung. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7531\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-124673-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=124673-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241113_Sozialpolitik_am_Abgrund_Wer_nicht_arbeitet_soll_auch_keine_Leistungen_erhalten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Einmal Macht haben. Einmal dar&uuml;ber bestimmen zu k&ouml;nnen, wie im Land die Politik auszusehen hat. Einmal in der Lage zu sein, gegen unliebsame Gruppen vorzugehen. Seit langem haben Teile der deutschen Politik ein Feindbild im Innern des Landes ausgepr&auml;gt. W&auml;hrend f&uuml;r viele Parlamentarier auf au&szlig;enpolitischer Ebene Russland das Feindbild ist, sind es im Innern die Armen. Oder genauer: die faulen Arbeitslosen. Das faule Gesindel. Die Sozialschmarotzer. Die, die den ganzen Tag in der &bdquo;sozialen H&auml;ngematte&ldquo; liegen und sich auf Kosten des anst&auml;ndigen und flei&szlig;ig arbeitenden Teils der Bev&ouml;lkerung ein sch&ouml;nes Leben machen. Es versteht sich von selbst, dass jene Politiker, die mit dem Finger auf ihr Feindbild zeigen, sich dem flei&szlig;ig arbeitenden Teil des Landes zuordnen.<\/p><p>Wir alle kennen die ganze Litanei, die in hochdosierter Form seit Gerhard Schr&ouml;ders Agenda 2010 im Zuge der neoliberalen Exzesspolitik im ganzen Land zu h&ouml;ren war. Mit einer Verachtung und einer Stimmungsmache, die ihresgleichen sucht, hat die Speerspitze des Neoliberalismus in Deutschland das Land gegen die Armen ausgerichtet. Die Politik der Vorurteile fiel auf fruchtbaren Boden. Ein Teil der Bev&ouml;lkerung hatte ohnehin schon selbst das Feindbild Arme ausgemacht. Hier: Wir, die arbeiten. Da: Die, die faul sind. So die Perspektive. Da musste die Politik nur noch ein wenig zielgenauer die Ressentiments gie&szlig;en und schon ging die Saat auf. Das ist &uuml;ber 20 Jahre her. Doch ge&auml;ndert hat sich nichts.<\/p><p>Wer Linnemann h&ouml;rt, wei&szlig;: Die Vorurteile gegen&uuml;ber den Armen sind fest in so manchem Kopf verankert. Locker, flockig geht dem Generalsekret&auml;r der Christdemokraten die Aussage &uuml;ber die Lippen: &bdquo;Wer arbeiten kann, muss arbeiten gehen, ansonsten gibt es keine Sozialleistungen.&ldquo;<\/p><p>Jede Wette: Ein Teil der Bev&ouml;lkerung applaudiert sofort. Endlich sagt es mal einer! Klipp und klar. So d&uuml;rfte der Tenor lauten. Damit zeigt sich wieder einmal: Wo Vorurteil, Neid und Verachtung vorherrschen, tritt der Verstand zur&uuml;ck.<\/p><p>Sicher, wer wollte ernsthaft bestreiten, dass es im Land nicht auch faule Menschen gibt, die, wie man so sagt, dem Staat auf der Tasche liegen. Doch, und darauf kommt es an: Diese Leute m&ouml;gen f&uuml;r die Gesellschaft ein &Auml;rgernis sein &ndash; ein ernsthaftes Problem sind sie nicht. Schon gar nicht f&uuml;r ein im Prinzip reiches Land wie Deutschland.<\/p><p>Bei einer Staatsverschuldung von 2.500 Milliarden Euro, bei enormen &bdquo;Unterst&uuml;tzungen&ldquo; f&uuml;r L&auml;nder im Krieg, bei dem Willen, den R&uuml;stungsetat immer auszubauen, bei einer ungez&uuml;gelten Zuwanderung in das Sozialsystem und vielem mehr, was es zu beachten gilt, liegen die Probleme an anderer Stelle als bei einigen Arbeitsunwilligen. Die Politik wei&szlig; das selbst. Aber die Fokussierung auf das Feindbild Arbeitslose lenkt den Blick von der katastrophalen Politik ab. Eine katastrophale Politik, die bei der Umsetzung von Linnemanns Vorschlag weiter ausgebaut w&uuml;rde.<\/p><p>Was w&uuml;rde passieren, wenn die Vorstellung des Christdemokraten umgesetzt wird?<\/p><p>Die Auswirkungen sowohl auf die Armen als auch die Gesellschaft w&auml;ren verheerend. Hinter Linnemanns Annahme steckt ein autorit&auml;rer Ansatz. Bist Du nicht willig, dann eben mit Gewalt. Das ist eine Bankrotterkl&auml;rung der Politik. Und aus menschlicher Sicht ohnehin eine Schweinerei. Denn: Der &Uuml;bergang zwischen tats&auml;chlich Faulen und Transferleistungsbeziehern, die aus Gr&uuml;nden keine Arbeit aufnehmen k&ouml;nnen, ist flie&szlig;end. Wie wollte ein Staat, der nach Linnemann seine Sozialpolitik ausrichtet, hier rausfinden, wer tats&auml;chlich arbeiten kann und wer nicht? Sollen Gutachter &ndash; mit all den schweren Defiziten, die von Gutachten bekannt sind &ndash; dar&uuml;ber entscheiden? &Auml;hnlich wie Gerichte mit dem Recht alles begr&uuml;nden k&ouml;nnen, k&ouml;nnen Gutachter auch jede Beurteilung begr&uuml;nden. Da kann sehr schnell einem feinf&uuml;hligen, psychisch schwer angeschlagenen Menschen bei einer falschen Antwort volle Arbeitsf&auml;higkeit bescheinigt werden. Am Ende muss er dann arbeiten &ndash; auch wenn er dabei draufgeht. Dass Deutschland &uuml;ber einen breit aufgestellten Sozialstaat verf&uuml;gt, hat historische Gr&uuml;nde. Die schweren gesellschaftlichen Verwerfungen in der Weimarer Zeit mit Armut und Perspektivlosigkeit haben mit zum Aufstieg der Nazis beigetragen. Im Nachgang war eine der Lehren der Bundesrepublik aus dieser Zeit, dass B&uuml;rger in diesem Land immer ein gewisses Auskommen haben sollten &ndash; getragen vom Staat.<\/p><p>Bei der Umsetzung von Linnemanns Vorschlag wird ein gro&szlig;er Teil der Leistungsbezieher dem Druck nicht gewachsen sein. Sie werden in die volle Armut fallen. Wie es aussieht, wenn kein soziales Netz mehr aufgespannt ist, wird in den USA deutlich. Obdachlosigkeit auf den Stra&szlig;en, Kriminalit&auml;t und &uuml;berf&uuml;llte Gef&auml;ngnisse. Linnemanns Politik mag am Stammtisch punkten. Der komplexen Realit&auml;t in einer Gesellschaft wird sie nicht gerecht. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118326\">Im Juli hat sich Jens Berger schon mit Linnemanns Grundhaltung auseinandergesetzt<\/a>. Damals hatte der CDU-Politiker bei Markus Lanz auch schon seine &Uuml;berzeugung kundgetan. Berger kommentierte: Linnemann sei &bdquo;wirtschaftsliberal bis ins Mark, gesellschaftspolitisch reaktion&auml;r. Er ist zudem ein Populist, wie er im Buche steht.&ldquo; Wer wollte dem widersprechen?<\/p><p>In Anbetracht der Aussagen Linnemanns m&ouml;chte man nur noch anmerken: Er m&ouml;ge sich, bitte, aus der Politik zur&uuml;ckziehen. Politische Dampfplauderei gibt es ohnehin genug.<\/p><p><small>Titelbild: PR-PhotoDesign\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/cdu-general-im-mut-talk-mit-tijen-onaran-wenn-wir-gewinnen-linnemann-macht-knallhart-ansage-an-scholz-und-zum-buergergeld_id_260474208.html\">&bdquo;Wer arbeiten kann, muss arbeiten gehen, ansonsten gibt es keine Sozialleistungen&ldquo;<\/a> &ndash; das sagte die Tage CDU-Generalsekret&auml;r Carsten Linnemann. Damit wird deutlich, worauf es bei einer CDU-angef&uuml;hrten Regierung hinauslaufen wird. Sozialpolitik am Abgrund. Linnemanns Positionierung kommt einer Abschaffung des deutschen Sozialstaatsprinzips gleich. Vordergr&uuml;ndig mag die markige Aussage einleuchten &ndash; sie geht aber an der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124673\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":124674,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,107,126,140,123],"tags":[1862,3136,1602],"class_list":["post-124673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-buergergeld","tag-linnemann-carsten","tag-nuetzlichkeitsrassismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/shutterstock_2489395915.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=124673"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124706,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124673\/revisions\/124706"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/124674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=124673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=124673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=124673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}