{"id":124749,"date":"2024-11-15T09:00:34","date_gmt":"2024-11-15T08:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124749"},"modified":"2024-11-15T17:10:13","modified_gmt":"2024-11-15T16:10:13","slug":"kremlsprecher-peskow-im-interview-dialogmoeglichkeiten-mit-russland-die-wahl-trumps-und-der-krieg-in-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124749","title":{"rendered":"Kremlsprecher Peskow im Interview: Dialogm\u00f6glichkeiten mit Russland, die Wahl Trumps und der Krieg in der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p>Es ist noch nicht klar, wie Donald Trump den Frieden herbeif&uuml;hren will, und der westliche Block will immer noch Russland, das diesen Krieg nicht einmal beginnen wollte, eine strategische Niederlage zuf&uuml;gen. Dies sagte <strong>Dmitrij Peskow<\/strong>, Sprecher des Kremls, auf einer Sitzung des Waldai-Klubs in Sotschi gegen&uuml;ber <em>Moszkvater<\/em>. Der russische Pr&auml;sidentensprecher antwortete auch auf Fragen zur Zukunft der Beziehungen zwischen Russland und der EU und bewertete die Friedensbem&uuml;hungen von Viktor Orb&aacute;n. Das Interview mit Dmitrij Peskow f&uuml;hrte <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>G&aacute;bor Stier: Der Sieg von Donald Trump ist indirekt auch ein Sieg f&uuml;r Viktor Orb&aacute;n, denn der ungarische Premierminister war wahrscheinlich unter den f&uuml;hrenden EU-Politikern derjenige, der sich am st&auml;rksten f&uuml;r Trump eingesetzt hat. Aber Orb&aacute;n hat sich auch konsequent f&uuml;r den Frieden in der Ukraine eingesetzt, der eines der Versprechen des designierten US-Pr&auml;sidenten ist. Glauben Sie, dass der Sieg von Trump den Frieden oder zumindest Verhandlungen n&auml;herbringen k&ouml;nnte? Macht dieses Ergebnis &uuml;berhaupt einen Unterschied?<\/strong><\/p><p><strong>Dmitrij Peskow:<\/strong> Die Situation ist im Moment nicht klar, und es w&auml;re verfr&uuml;ht, etwas dar&uuml;ber zu sagen. Wir kennen Orb&aacute;ns Pragmatismus und sehen, dass er entschlossen ist, einen Ausweg aus dieser Krise zu finden. Wir sehen auch, dass der ungarische Ministerpr&auml;sident die Ansichten der f&uuml;hrenden Politiker der Europ&auml;ischen Union in diesem Konflikt nicht teilt, die den Dialog ablehnen. Aber wie kann ein Problem auf diese Weise gel&ouml;st werden? Das kann man nicht. W&auml;hrend des Wahlkampfes sagte Trump auch, dass er sich um Frieden bem&uuml;hen w&uuml;rde. Aber wird er das tun? Wie gedenkt er, diese Idee umzusetzen? Das ist &uuml;berhaupt nicht klar.<\/p><p><strong>Niemand kennt bisher die Formel des Friedens &hellip;<\/strong><\/p><p>So ist es. Trump hat w&auml;hrend seiner vorherigen Pr&auml;sidentschaft viel gesagt, aber wir haben nichts davon in Bezug auf Russland gesehen. Es ist ihm jedoch hoch anzurechnen, dass es einen Dialog zwischen den beiden L&auml;ndern gegeben hat. Diese Gespr&auml;che waren zwar ziemlich angespannt, trotzdem k&ouml;nnen wir von einem Dialog sprechen. Darin unterscheidet sich die Pr&auml;sidentschaft von Trump grundlegend von der Biden-Regierung.<\/p><p><strong>Wie wird sich der Sieg von Trump Ihrer Meinung nach auf die EU auswirken? Die herrschende Elite der EU hat das Ergebnis mit Verzweiflung registriert &hellip;<\/strong><\/p><p>Sehen Sie, auch in dieser Frage k&ouml;nnen wir uns nur an dem orientieren, was Trump in der Vergangenheit oder w&auml;hrend des Wahlkampfs getan oder gesagt hat. Trump ist eindeutig ein Protektionist, also wird er sicherlich die Ausfuhren europ&auml;ischer Waren in die USA einschr&auml;nken. Er wird die Z&ouml;lle erh&ouml;hen, so dass die Hersteller aus der EU es schwer haben werden. Sie leiden bereits darunter, dass es kein billiges russisches Gas mehr gibt. Stattdessen gibt es teures US-amerikanisches LNG. So zahlen die Europ&auml;er den US-Amerikanern das Doppelte: zun&auml;chst f&uuml;r das LNG, das zum doppelten Preis des russischen Gases importiert wird, und dann, wenn sie ihre Waren auf dem US-Markt verkaufen. Das ist offensichtlich.<\/p><p><strong>Glauben Sie nicht, dass diese Situation auch eine Chance f&uuml;r die EU darstellt? Denn Trumps leichte Abkehr von Europa wird den Preis f&uuml;r die US-Sicherheitsgarantie erh&ouml;hen &hellip;<\/strong><\/p><p>&hellip; ja, Trump hat bereits in seiner ersten Amtszeit als Pr&auml;sident gefordert, dass die NATO-Mitgliedsstaaten ihre Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent erh&ouml;hen. Jetzt wird der Preis f&uuml;r den Schutzschirm drei bis vier Prozent betragen.<\/p><p><strong>&hellip; nicht auszuschlie&szlig;en. Aber die EU wird gezwungen sein, Schritte zu unternehmen, um ihre strategische Autonomie zu st&auml;rken, seine eigenen Verteidigungskapazit&auml;ten aufzubauen. Deshalb denke ich, dass der Sieg von Trump auch eine Chance f&uuml;r die EU ist.<\/strong><\/p><p>Europa muss sich zuallererst um seine Identit&auml;t k&uuml;mmern. Es muss selbstst&auml;ndig werden, dann kann es an seine eigene Sicherheit denken und sich um sie k&uuml;mmern. Europa hat jetzt Angst vor Russland. Aber wenn es Angst hat, warum spricht es dann nicht mit ihm? Das verstehe ich nicht.<\/p><p><strong>Wenn wir vom Dreieck EU-Russland-USA ausgehen, dann betrifft die derzeitige Situation, diese Konfrontation, diese Spaltung, sowohl die EU als auch Russland. Nur die dritte Partei, die Vereinigten Staaten, geht daraus als Gewinner hervor. Meinen Sie nicht auch?<\/strong><\/p><p>Die EU und Russland geben ihr Geld aus, w&auml;hrend die Vereinigten Staaten sehr viel Geld an dieser Situation verdienen. Etwa anderthalb Billionen US-Dollar in zwei Jahren.<\/p><p><strong>Au&szlig;erdem erreicht Washington sein strategisches Ziel ebenfalls &hellip;<\/strong><\/p><p>&hellip; nun, ja, diese Situation macht die EU noch abh&auml;ngiger &hellip;<\/p><p><strong>&hellip; und sie schw&auml;cht sowohl Europa als auch Russland. Die Vereinigten Staaten verfolgen dieses strategische Ziel seit einem Jahrhundert und haben nun erreicht, was sie wollten, denn die Beziehungen zwischen Russland und der EU sind fast v&ouml;llig zerr&uuml;ttet, und es gibt kaum noch einen Dialog zwischen den beiden Seiten.<\/strong><\/p><p>Ja, das ist dumm und das ist nicht gut.<\/p><p><strong>Glauben Sie, dass es nach dem Ende der &bdquo;milit&auml;rischen Spezialoperation&ldquo;, nach dem Ende des Krieges, m&ouml;glich ist, den Dialog wieder aufzunehmen und die Beziehungen neu zu gestalten?<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich, aber auf einer neuen Grundlage. Russland hat sich n&auml;mlich ver&auml;ndert. Warum hat es die &bdquo;milit&auml;rische Spezialoperation&ldquo; gestartet? Weil niemand bereit war, auf seine Interessen R&uuml;cksicht zu nehmen. Wie ich bereits sagte, hat sich Russland ver&auml;ndert, aber es ist weiterhin offen f&uuml;r einen vern&uuml;nftigen Dialog.<\/p><p><strong>Und wenn wir &uuml;ber die Notwendigkeit sprechen, eine Friedensformel zu finden, einen Ausweg aus diesem Konflikt, dann denke ich, dass die Frage der Entmilitarisierung der Ukraine in den Verhandlungen vielleicht wichtiger sein wird als die NATO-Mitgliedschaft. Auch ohne dies wird Kiew vom Westen aufger&uuml;stet, und das ist f&uuml;r Russland kaum akzeptabel, aber es st&auml;rkt auch nicht die Stabilit&auml;t in Europa, sondern h&auml;lt die Spannungen aufrecht. Sehen Sie eine Chance f&uuml;r eine Entmilitarisierung?<\/strong><\/p><p>Im Moment nicht. Fast alle wiederholen jetzt, dass der Krieg weitergehen muss und dass sie Russland eine strategische Niederlage zuf&uuml;gen wollen, von Washington und Paris &uuml;ber London bis Berlin.<\/p><p><strong>Noch eine letzte Frage: Wenn dieser Krieg zu lange dauert, sagen wir f&uuml;nf Jahre, wird zwar Russland &uuml;berleben k&ouml;nnen, aber das entspricht eher den Interessen der USA, Russland zu schw&auml;chen. Dieses Szenario &auml;hnelt sehr dem, was die Sowjetunion schlie&szlig;lich in die Knie gezwungen hat. Stimmen Sie also zu, dass es im Interesse Russlands ist, den Krieg so schnell wie m&ouml;glich zu beenden?<\/strong><\/p><p>Ja, das ist richtig. Russland hatte kein Interesse an diesem Krieg. Es wollte ihn nicht beginnen. Krieg ist immer das letzte Mittel bei der Durchsetzung von Interessen.<\/p><p><em>Der Beitrag ist im ungarischen Original <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/ismerjuk-orban-pragmatizmusat\/\">hier erschienen<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ NicoklayV<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124614\">Politische Elite Russlands ohne Illusionen &uuml;ber US-Pr&auml;sident Trump<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124329\">Waldai-Treffen in Russland: Der &bdquo;Globale S&uuml;den&ldquo; wird immer selbstbewusster<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123466\">Stimmen aus Ungarn: Von der GUS zu den BRICS<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116856\">Stimmen aus Ungarn: Die EU-Eliten sind im Kriegsfieber &ndash; doch wer soll eigentlich Europa verteidigen?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/48f2ba6c3c03429a9333a355090f1a2c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist noch nicht klar, wie Donald Trump den Frieden herbeif&uuml;hren will, und der westliche Block will immer noch Russland, das diesen Krieg nicht einmal beginnen wollte, eine strategische Niederlage zuf&uuml;gen. 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