{"id":124786,"date":"2024-11-17T12:00:05","date_gmt":"2024-11-17T11:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124786"},"modified":"2024-11-15T21:11:02","modified_gmt":"2024-11-15T20:11:02","slug":"mehr-eigenstaendigkeit-von-usa-und-nato-von-de-gaulle-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124786","title":{"rendered":"Mehr Eigenst\u00e4ndigkeit von USA und NATO? Von de Gaulle lernen!"},"content":{"rendered":"<p>Der erneute Wahlsieg Donald Trumps zwingt Europa zu einer geopolitischen Neuaufstellung. Nach dem Erfolg des Republikaners in den USA wird das transatlantische Establishment in der EU von Panikattacken heimgesucht. Die m&uuml;hsam erstellte Propaganda von der westlichen Wertegemeinschaft, die sich diesseits und jenseits des gro&szlig;en Teichs angeblich manifestieren w&uuml;rde, ist wie ein Kartenhaus zusammengekracht. Allgemein l&auml;sst sich feststellen, dass der europ&auml;ische Westen &ndash; unter F&uuml;hrung der USA &ndash; sich in eine geopolitische Sackgasse man&ouml;vriert hat. Zu willf&auml;hrig hatte man sich in den EU-Staaten vor den Karren Washingtons spannen lassen, anstatt eine au&szlig;en- und verteidigungspolitische Strategie zu entwerfen. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick auf Frankreich unter Charles de Gaulle. Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein Feuerring schwelender Konflikte<\/strong><\/p><p>Heute ist Europa von einem Feuerring schwelender geopolitischer Konflikte umrundet, von Nordafrika &uuml;ber den Nahen und Mittleren Osten, dem West-Balkan, dem S&uuml;dkaukasus, der Ukraine, flankiert von angespannten Beziehungen zu Russland sowie sich zuspitzenden Beziehungen zur Volksrepublik China.<\/p><p>Der Kontinent steht angesichts dieser geopolitischen Rahmenbedingungen ziemlich erb&auml;rmlich, ja geradezu wehrlos da. Ein Blick in die Zeitgeschichte unseres Nachbarlandes und auch dar&uuml;ber hinaus bietet Inspiration, wie man dieser Krise in Br&uuml;ssel, Berlin und andernorts begegnen k&ouml;nnte.<\/p><p>Historisch betrachtet sind die Franzosen sicherlich die weit profunderen Denker, wenn es um die Bereiche Geopolitik und historische Perspektiven geht &ndash; gerade im direkten Vergleich zu den Deutschen, wo es im politischen Berlin nicht nur an Kompetenz fehlt, sondern auch ein geistiges Vakuum sichtbar wird.<\/p><p><strong>Der Auszug der NATO aus Frankreich<\/strong><\/p><p>Charles Andr&eacute; Joseph Marie de Gaulle, der wohl einflussreichste Staatsmann Frankreichs &ndash; vielleicht auch Europas &ndash; im 20. Jahrhundert, pl&auml;dierte f&uuml;r ein starkes Europa vom Atlantik bis zum Ural, unter Einschluss von Moskau. Schon fr&uuml;h erkannte der General im Amt des Staatsmannes, dass diese Vision im schroffen Gegensatz zur Strategie der USA stand.<\/p><p>Als sich de Gaulle im M&auml;rz 1966 den Strukturen der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) entzog, liefen die Vorbereitungen f&uuml;r diesen Coup unter strengster Geheimhaltung. De Gaulle hatte nur seinen Au&szlig;en- und den Verteidigungsminister eingeweiht.<\/p><p>Erst unmittelbar danach erfuhren die &uuml;brigen Minister, dass Paris seine milit&auml;rische Mitarbeit in der NATO beenden werde. In einem Brief an den damaligen US-Pr&auml;sidenten Lyndon Baines Johnson erkl&auml;rte der franz&ouml;sische Staatsmann, dass Frankreich beabsichtige, &bdquo;seine volle nationale Souver&auml;nit&auml;t auf seinem Territorium&ldquo; wiederherzustellen und sich auch nicht mehr an der &bdquo;integrierten Kommandostruktur des B&uuml;ndnisses&ldquo; zu beteiligen.<\/p><p><strong>Zwischen Washington und Peking<\/strong><\/p><p>Falls Europa nicht in der Lage ist, die globalen Gefahren zu erkennen, die sich aus den Machtverschiebungen nach China ergeben, wird unser Kontinent in einer Konfrontationspolitik zwischen Washington und Peking aufgerieben. Somit verspielt Europa seine Chance, als ein Kontinent des Ausgleichs, der Stabilit&auml;t und des Friedens zu gelten.<\/p><p>Was die Au&szlig;enpolitik angeht, muss die EU mehr de Gaulle wagen, um sich auch in diesem Bereich von den USA zu emanzipieren und der europ&auml;ischen Idee ein neues Fundament zu garantieren.<\/p><p>Am Ende seiner Amtszeit, die eher einer Herrschaft glich, hatte Charles de Gaulle dem Grafen Henri von Paris ein politisches Testament geschickt. &bdquo;Die Aufgabe des Staates&ldquo;, hatte de Gaulle dort wie folgt f&uuml;r seine Nachfolger skizziert, &bdquo;besteht darin, den Erfolg der Ordnungen &uuml;ber die Anarchie zu sichern und all das umzugestalten, was den Erfordernissen der Zeit nicht mehr entspricht.&ldquo;<\/p><p>Einer seiner Nachfolger, Fran&ccedil;ois Mitterand, hatte sich auf jeden Fall diesem Testament verpflichtet gef&uuml;hlt, was ein Vorteil f&uuml;r Europa und Deutschland war, denn Mitterand r&auml;umte den deutsch-franz&ouml;sischen Beziehungen au&szlig;enpolitische Priorit&auml;t ein.<\/p><p><strong>Gaullismus ohne de Gaulle?<\/strong><\/p><p>Es ist nicht bekannt, ob Pr&auml;sident Macron die zitierten Reflexionen de Gaulles kennt. Er hat es auch bisher vers&auml;umt, als eine Art &uuml;berparteilicher Pr&auml;sident im Stil de Gaulles zu amtieren. In diesem Fall erscheinen aber die Worte des Schriftstellers Andr&eacute; Malraux, der ein enger Weggef&auml;hrte des Generals war, von beklemmender Aktualit&auml;t. Dieser sagte einst: &bdquo;Le Gaullisme sans de Gaulle, c&rsquo; est idiot&rdquo; &ndash; zu Deutsch: Gaullismus ohne de Gaulle hat keinen Sinn!&ldquo;<\/p><p>Das mag richtig sein, doch die gaullistischen Ideen einer geostrategischen Unabh&auml;ngigkeit Europas sollten wieder Gegenstand der aktuellen Debatte werden.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Alexandros Michailidis<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erneute Wahlsieg Donald Trumps zwingt Europa zu einer geopolitischen Neuaufstellung. Nach dem Erfolg des Republikaners in den USA wird das transatlantische Establishment in der EU von Panikattacken heimgesucht. 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