{"id":124969,"date":"2024-11-19T11:04:08","date_gmt":"2024-11-19T10:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124969"},"modified":"2024-11-19T16:31:31","modified_gmt":"2024-11-19T15:31:31","slug":"web-summit-in-lissabon-wenn-alternativmedien-auf-leitmedien-treffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124969","title":{"rendered":"Web Summit in Lissabon: Wenn \u201eAlternativmedien\u201c auf \u201eLeitmedien\u201c treffen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Letzte Woche fand in Lissabon der Web Summit (WS), eine allj&auml;hrliche Technologie-Konferenz statt, intern auch als &bdquo;Davos der Tech-Branche&ldquo; benannt, mit &uuml;ber 70.000 Teilnehmern aus 160 L&auml;ndern. Am Rande kam es auf Initiative eines der Mitgr&uuml;nder von WS zu einer denkw&uuml;rdigen Zusammenkunft. Rund 15 hochrangige Vertreter von internationalen Leitmedien aus den USA, England und Deutschland trafen auf Journalisten von &bdquo;Alternativmedien&ldquo;, um &uuml;ber das Thema &bdquo;Desinformation&ldquo; und &bdquo;Faktencheck&ldquo; zu diskutieren. Die <em>NachDenkSeiten<\/em> waren als einziges deutsches &bdquo;Alternativ&ldquo;-Medium eingeladen. Die Diskussion verlief zwischen produktiv und hitzig, angespannt. Von <strong>Florian Warweg<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7072\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-124969-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=124969-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241119_Web_Summit_in_Lissabon_Wenn_Alternativmedien_auf_Leitmedien_treffen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Einleitende Anmerkung zum Verst&auml;ndnis &uuml;ber die Art der folgenden Berichterstattung: Die zwei aufeinanderfolgenden Paneldiskussionen zwischen Vertretern von Leit- und Alternativmedien im Rahmen des Web Summit in Lissabon, &uuml;ber die im weiteren Verlauf dieses Artikels berichtet wird, fanden unter der sogenannten &bdquo;Chatham House Rule&ldquo; (Chatham-Haus-Regel) statt, die die Weitergabe von Inhalten vertraulicher Gespr&auml;che an Dritte regelt. Diese Regel lautet: &bdquo;Bei Veranstaltungen, die unter die Chatham-House-Regel fallen, ist den Teilnehmern die freie Verwendung der erhaltenen Informationen unter der Bedingung gestattet, dass weder die Identit&auml;t noch die Zugeh&ouml;rigkeit von Rednern oder anderen Teilnehmern preisgegeben werden d&uuml;rfen.&ldquo; Es kann also nur in der Art, wie etwa auch &uuml;ber Bilderberg-Treffen geschrieben wird, bei dem &uuml;brigens auch die Chatham-Haus-Regel gilt, dar&uuml;ber berichtet werden.<\/em><\/p><p><strong>Am Rande des Web Summits &hellip;<\/strong><\/p><p>Im Rahmen des <em>Web Summit<\/em> in Lissabon, bei dem in diesem Jahr auch die Whistleblowerin Chelsea Manning <a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/2024\/11\/14\/wikileaks-whistleblower-chelsea-manning-says-censorship-is-still-a-dominant-threat.html\">zu Gast war<\/a>, trafen bekannte Journalisten aus dem Feld der Mainstream-Presse und Vertreter von Alternativmedien in der portugiesischen Hauptstadt zusammen. In zwei aufeinanderfolgenden Diskussionsrunden wurden die derzeit wohl heikelsten Themen der modernen Medienwelt diskutiert. Die vorgegebenen Titel der beiden nicht&ouml;ffentlichen Zusammenk&uuml;nfte lauteten: <\/p><ol>\n<li>&bdquo;Misinformation&ldquo; a moral panic or a real crisis?&nbsp;(&bdquo;Fehlinformationen&ldquo; &ndash; moralische Panik oder echte Krise?)<\/li>\n<li>Fact-checking and trust in media (Faktencheck und Vertrauen in die Medien) <\/li>\n<\/ol><p><strong>Etwas Kontext &hellip;<\/strong><\/p><p>Das Treffen fand vor dem Hintergrund der Kontroversen um den Mitbegr&uuml;nder des Web Summit, den irischen CEO Paddy Cosgrave, statt, der erst k&uuml;rzlich in seine Funktion als Vorstandsvorsitzender des WS zur&uuml;ckgekehrt war, nachdem er 2023 nach kritischen &Auml;u&szlig;erungen &uuml;ber Israels Vorgehen in Gaza zur&uuml;cktreten musste. Zuvor hatten sich aus Protest gegen dessen &Auml;u&szlig;erungen gro&szlig;e Technologiekonzerne wie Intel, Siemens, Google, Amazon und Meta vom WS 2023 zur&uuml;ckgezogen, ebenso hatte Robert Habeck damals seinen geplanten Besuch der Konferenz abgesagt. Cosgraves R&uuml;ckkehr auf die B&uuml;hne und Leitung der Tech-Konferenz wurde von den genannten Tech-Vertretern in diesem Jahr sehr genau unter die Lupe genommen.<\/p><p>Der Ausl&ouml;ser f&uuml;r seinen kurzfristig erzwungenen R&uuml;cktritt 2023 war &uuml;brigens dieser Tweet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich bin schockiert &uuml;ber die Rhetorik und die Handlungen so vieler westlicher Staats- und Regierungschefs, mit Ausnahme insbesondere der irischen Regierung, die ausnahmsweise einmal das Richtige tut. Kriegsverbrechen sind Kriegsverbrechen, auch wenn sie von Verb&uuml;ndeten begangen werden, und sie sollten als das bezeichnet werden, was sie sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"en\" dir=\"ltr\">I&rsquo;m shocked at the rhetoric and actions of so many Western leaders &amp; governments, with the exception in particular of Ireland&rsquo;s government, who for once are doing the right thing. War crimes are war crimes even when committed by allies, and should be called out for what they are.<\/p>\n<p>&mdash; Paddy Cosgrave (@paddycosgrave) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/paddycosgrave\/status\/1712790539844612553?ref_src=twsrc%5Etfw\">October 13, 2023<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p>Es war diese am eigenen Leib erlebte Cancel-Erfahrung, die den irischen CEO dazu motivierte, Medienvertreter aus unterschiedlichen Lagern im Rahmen des Web Summit zusammenzubringen. Ein in diesen Zeiten wohl relativ einmaliges Format, welches allerdings auf beiden Seiten durch Journalisten aus den USA und England dominiert wurde, erg&auml;nzt um drei deutsche Journalisten. Vertreter aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder auch S&uuml;d- und Osteuropa fehlten v&ouml;llig.<\/p><p><strong>Let&rsquo;s start &hellip;<\/strong><\/p><p>Ein hochrangiger Vertreter einer deutschen Rundfunkanstalt erkl&auml;rte gleich bei seinem Eingangsstatement nach der allgemeinen Vorstellungsrunde, dass man hier ja unter Westlern sei und die eigentlichen Probleme der Pressefreiheit eher in autorit&auml;ren Staaten wie Russland und China zu suchen seien. Als konkretes Beispiel verwies die Person dann darauf, dass ja etwa der deutsche Auslandssender <em>Deutsche Welle<\/em> (DW) im Februar 2022 vom Kreml mit einem Sendeverbot&nbsp;belegt worden sei. Darauf folgte die Nachfrage, ob es nicht etwas widerspr&uuml;chlich sei, die Schlie&szlig;ung der <em>DW<\/em> zu beklagen, aber gleichzeitig nicht zu erw&auml;hnen, dass diesem Schritt das Verbot von <em>RT<\/em> in Deutschland vorausgegangen war und ob dieses Verbot wiederum gutgehei&szlig;en w&uuml;rde. Die Erwiderung lautete, man habe die Schlie&szlig;ung von <em>RT<\/em> in Deutschland nicht bef&uuml;rwortet und sich eine andere L&ouml;sung erhofft. Diese Haltung h&auml;tte man auch so kommuniziert.<\/p><p>Daran schloss sich unmittelbar ein weiterer Diskussionspunkt an, eingeleitet durch die Frage, wieso die sogenannten Faktenchecks die Tendenz h&auml;tten, &bdquo;immer nur nach unten zu treten&ldquo;. Gemeint war damit, dass Faktenchecks sich beinahe ausnahmslos nur gegen viral gegangene X-Tweets von privaten Nutzern oder Ver&ouml;ffentlichungen kleinerer Online-Portale richten, aber so gut wie kein Fall bekannt ist, in dem sich private Faktenchecker oder staatlich finanzierte (im deutschen Fall z.B. <em>Correctiv<\/em> und <em>DW<\/em>) mit Ver&ouml;ffentlichungen gro&szlig;er Medienh&auml;user oder Nachrichtenagenturen auseinandersetzen w&uuml;rden. Als konkretes Beispiel wurde angesprochen, dass etwa ein aktueller Faktencheck der <em>DW<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/faktencheck-verst%C3%B6%C3%9Ft-nato-pr%C3%A4senz-in-rostock-gegen-zwei-plus-vier-vertrag\/a-70512246\">&bdquo;Faktencheck: Verst&ouml;&szlig;t NATO-Pr&auml;senz gegen 2+4-Vertrag?&ldquo;<\/a>) die Darstellung eines viralen Tweets, dass es sich bei dem neuen maritim-taktischen Hauptquartier in Rostock um ein NATO-Hauptquartier handeln w&uuml;rde, als &bdquo;falsch&ldquo; bezeichnet, aber die identische Betitelung bei <em>Tagesschau, SPIEGEL<\/em>, dem eigenen polnischen <em>DW<\/em>-Ableger und fast allen anderen Leitmedien v&ouml;llig unangetastet lie&szlig;.<\/p><p>Hier wurde zun&auml;chst von den Leitmedien-Vertretern immer wieder betont, man h&auml;tte keine Agenda (ein Vorwurf, der zu diesem Zeitpunkt gar nicht erhoben worden war), um im sp&auml;teren Verlauf aber durchaus einzugestehen, dass das Ausklammern der gro&szlig;en Medienh&auml;user tats&auml;chlich ein relevanter Kritikpunkt bei der Natur der derzeitigen Faktenchecks sei. Dabei kam in der weiteren Diskussion heraus, dass es bei der Faktencheck-Produktion eine relevante Rolle spielt, ob die entsprechende Faktenpr&uuml;fung auch gut geklickt wird, und erfahrungsgem&auml;&szlig; die Deklarierung als &bdquo;falsch&ldquo; klicktechnisch vielversprechender sei als abw&auml;gende Bewertungen wie &bdquo;teilweise&hellip;&ldquo;, &bdquo;fehlender Kontext&ldquo; oder gar &bdquo;richtig&ldquo;. Dies, das wurde durchaus selbstkritisch einger&auml;umt, k&ouml;nne zu einem gewissen &bdquo;bias&ldquo; bei der Vorauswahl der zu faktcheckenden Themen f&uuml;hren. Ein Teilnehmer mit Sitz in London brachte den Aspekt in die Diskussion ein, dass ausgerechnet bei Faktenchecks oft die j&uuml;ngsten, unerfahrensten und am schlechtesten bezahlten Journalisten der Redaktionen zum Einsatz kommen. Diese Beobachtung wurde l&auml;nder&uuml;bergreifend best&auml;tigt. Vor diesem Hintergrund sei noch erw&auml;hnt, dass die Fauxpas des ARD-Faktenfinders Pascal Siggelkow (man denke etwa an seine legend&auml;re Falsch&uuml;bersetzung &bdquo;Sprengstoff in Pflanzenform&ldquo;) auch schon bei den anglo-amerikanischen Kollegen die Runde gemacht hatten und f&uuml;r entsprechende Lacher und Kopfsch&uuml;tteln sorgten.<\/p><p><strong>Es wird hitzig &hellip;<\/strong><\/p><p>Bis zu diesem Punkt war die Diskussion leidenschaftlich, aber durchaus produktiv verlaufen.<\/p><p>Dies sollte sich &auml;ndern, sobald der Begriff &bdquo;Zensur&ldquo; in die Debatte eingebracht wurde und die Teilnehmer &uuml;ber die Rolle von Plattformen bei der Kontrolle von Berichterstattung debattierten. Uneinigkeit herrschte insbesondere &uuml;ber die Bewertung der <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117818\">Twitter-Files<\/a>, einer Reihe interner Mitteilungen, die Ende 2022 nach der &Uuml;bernahme durch Elon Musk ver&ouml;ffentlicht worden waren. Einige Teilnehmer argumentierten, dass die Dateien Beweise f&uuml;r eine systemische Zensur lieferten, die von staatlichen und unternehmerischen Interessen beeinflusst sei. Ein Teilnehmer bezeichnete dies als &bdquo;Zensur-Industrie-Komplex&ldquo;. Andere taten die Twitter-Dateien wiederum als &bdquo;nichts&ldquo; (&bdquo;nothing burger&ldquo;) ab und deuteten an, dass die Enth&uuml;llungen &uuml;bertrieben seien und es an stichhaltigen Beweisen f&uuml;r ein wirkliches Fehlverhalten oder gar Zensur fehle. Die Debatte offenbarte eine tiefe Kluft in der Frage, wie solche Enth&uuml;llungen zu interpretieren seien und inwieweit private Unternehmen f&uuml;r die Moderation und Unterdr&uuml;ckung von Inhalten zur Rechenschaft gezogen werden sollten.<\/p><p>Die Diskussion wurde interessanterweise besonders hitzig und kontrovers gef&uuml;hrt, als es um die Frage ging, ob Journalisten Informationen von Regierungen oder suprastaatlichen Institutionen wie etwa der WHO unhinterfragt &uuml;bernehmen sollten oder ob auch diese im Interesse der Transparenz hinterfragt werden sollten. Die aufschlussreiche Antwort eines Leitmedien-Vertreters: Er h&auml;tte f&uuml;r einen Faktencheck zwei oder drei Stunden Zeit, es sei v&ouml;llig illusorisch und nicht zielf&uuml;hrend, in so einem Rahmen auch noch anzufangen, Berichte oder Statistiken der WHO oder des Gesundheitsministeriums zu hinterfragen, dies seien schlie&szlig;lich &bdquo;good faith institutions&ldquo; (dies kann man am ehesten noch mit &bdquo;vertrauensw&uuml;rdige Institutionen&ldquo; &uuml;bersetzen). Danach verlie&szlig; besagte Person mit hochrotem Kopf die Diskussion.<\/p><p>Es kam auch zu einem Disput dar&uuml;ber, wie mit den &Auml;u&szlig;erungen von Donald Trump umgegangen werden sollte. Ein Teilnehmer fragte, wie die Medien &uuml;ber eine Person berichten sollten, deren Aussagen h&auml;ufig die traditionellen Standards der Berichterstattung infrage stellen. W&auml;hrend einige daf&uuml;r pl&auml;dierten, Trumps Behauptungen rigoros auf ihren Wahrheitsgehalt zu &uuml;berpr&uuml;fen, warnten andere davor, dass die Konzentration auf jedes seiner Worte das Risiko berge, Fehlinformationen zu verst&auml;rken.<\/p><p>Ein freier Journalist verwies im weiteren Verlauf auf das kanadische Notstandsgesetz, das w&auml;hrend der Trucker-Proteste in Ottawa im Jahr 2022 zur Sperrung von Bankkonten f&uuml;hrte, als Beispiel f&uuml;r die Macht des Staates, Narrative zu beeinflussen oder zu unterdr&uuml;cken, wobei Medien und Social-Media-Plattformen laut diesem eine unr&uuml;hmliche und staatstragende Rolle bei der Einhegung der damaligen Truckerproteste gepielt h&auml;tten.<\/p><p>Auf der anderen Seite argumentierte ein in New York ans&auml;ssiger Tech-Redakteur, dass solche Kritiken Gefahr liefen, den Grad an Koordinierung in Redaktionen &uuml;berzubewerten, und wies darauf hin, dass Mainstream-Medien, selbst bei sich &uuml;berschneidenden Ansichten, aus einer Vielzahl von Motiven heraus agieren und daher nie eine &bdquo;gemeinsame Agenda&ldquo; vertreten k&ouml;nnten. Dem widersprachen andere Teilnehmer mit Verweis auf die sehr einseitige Berichterstattung im Themenkontext der Corona-Krise. Ein weiterer Leitmedien-Vertreter wies den Vorwurf der medialen Einseitigkeit zu Themen um Covid-19 zun&auml;chst vehement zur&uuml;ck, nur um dann kurz danach einzur&auml;umen, dass seine Kinder ihn regelm&auml;&szlig;ig befragt und kritisiert h&auml;tten, wieso sein Sender so einseitig berichte und nur gewisse Experten zu Wort kommen lie&szlig;e. Er habe diesen Vorwurf gegen&uuml;ber seinen Kindern immer vehement bestritten, m&uuml;sse aber in der R&uuml;ckschau &bdquo;vielleicht&ldquo; doch einr&auml;umen, dass es vereinzelt zu solchen Tendenzen gekommen sei.<\/p><p>Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich dieser Ansatz, rund je ein Dutzend Journalisten von alternativen und Mainstream-Medien, und in beiden F&auml;llen auch in einer breiten politischen Streuung (von klassisch links, &uuml;ber linksliberal bis rechtskonservativ) in einem offenen Diskussionsformat zusammenzubringen, ausgezahlt und auf beiden Seiten Vorbehalte und Blasenbildung aufgebrochen hat.<\/p><p>Wie wichtig und f&uuml;r die Erneuerung der Medien unabdingbar dieser Versuch des Aufbrechens der Blasen ist, wurde einem gleich im Anschluss an die Diskussion vor Augen gef&uuml;hrt. Denn unmittelbar im Anschluss an die geschilderte Diskussion gab es eine &ouml;ffentliche Veranstaltung auf dem Web Summit, in welcher der NPR-Redakteur Bobby Allyn die zwei New-York-Times-Reporter Kate Conger und Ryan Mac zum Thema <a href=\"https:\/\/websummit.com\/sessions\/lis24\/3bf42cab-d203-4c09-ab50-8ac0b9b79f48\/did-elon-musk-destroy-twitter\/\">&bdquo;Hat Elon Musk Twitter zerst&ouml;rt?&ldquo;<\/a> befragte. Das war f&uuml;r die Zuh&ouml;rer ungef&auml;hr so erkenntnisreich, als wenn DLF-Moderator Christian Schmitt die Spiegel-Kolumnisten Sascha Lobo und Margarete Stokowski zu deren Haltung zu Donald Trump befragt h&auml;tte.<\/p><div class=\"imagewrap\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241119-Web-Summit-Screen1.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/websummit.com\">Web Summit<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=96954\">Brandrede: &bdquo;Die Mainstream-Presse liegt im Sterben: Niemand wird Ihnen jemals wieder zuh&ouml;ren!&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110117\">Die Massenmedien als Konsensfabrik f&uuml;r die Gesellschaft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90340\">&bdquo;Gleichgerichtete Leitmedien?&ldquo; Ein Vortrag von Florian Warweg beim Linken Forum Paderborn<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101250\">Vortrag von Florian Warweg bei Attac Dortmund: &bdquo;Medien: Vierte Gewalt oder Meinungsmacher?&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108537\">&bdquo;Medienfreiheitsgesetz&ldquo; &ndash; Ursula von der Leyen sichert sich Oberaufsicht &uuml;ber alle Medien in der EU<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117818\">Die Twitter Files und der Censorship Industrial Complex: So geht Zensur heute<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/bba9146d64b94483a44b7dc732d1debf\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzte Woche fand in Lissabon der Web Summit (WS), eine allj&auml;hrliche Technologie-Konferenz statt, intern auch als &bdquo;Davos der Tech-Branche&ldquo; benannt, mit &uuml;ber 70.000 Teilnehmern aus 160 L&auml;ndern. Am Rande kam es auf Initiative eines der Mitgr&uuml;nder von WS zu einer denkw&uuml;rdigen Zusammenkunft. Rund 15 hochrangige Vertreter von internationalen Leitmedien aus den USA, England und Deutschland<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124969\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":124970,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,182,211],"tags":[2218,2005,2669,1415,1800,244,220],"class_list":["post-124969","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-medienkonzentration-vermachtung-der-medien","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","tag-alternative-medien","tag-fake-news","tag-leitmedien","tag-pressefreiheit","tag-trump-donald","tag-vierte-gewalt","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/241119-Web-Summit-Cover_Lissabon.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124969","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=124969"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124969\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":124995,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/124969\/revisions\/124995"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/124970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=124969"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=124969"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=124969"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}