{"id":125,"date":"2006-02-05T17:29:00","date_gmt":"2006-02-05T16:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=125"},"modified":"2016-02-18T09:34:11","modified_gmt":"2016-02-18T08:34:11","slug":"nochmals-hochschulfreiheitsgesetz-karl-heinz-heinemann-der-innovationsminister-als-yes-minister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125","title":{"rendered":"Nochmals \u201eHochschulfreiheitsgesetz\u201c: Karl-Heinz Heinemann: Der \u201eInnovationsminister\u201c als \u201eYes Minister\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der &bdquo;Innovationsminister&ldquo; legt ein &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; vor. Ein Name, so innovativ wie &bdquo;Studienbeitr&auml;ge&ldquo; statt Geb&uuml;hren, Innovationsministerium anstelle eines piefigen Wissenschaftsressorts. Dieses neue Gesetzesvorhaben soll Nordrhein-Westfalen an die Spitze der bundesweiten Befreiungsbewegung katapultieren &ndash; der Bewegung, die die Hochschulen aus den Zw&auml;ngen staatlicher Reglementierung an die freie Luft des unternehmerischen Wettbewerbs f&uuml;hrt.<br>\n<!--more--><br>\nDie Hochschulen bekommen neue Strukturen &ndash; da wird nicht nur der Muff von 1000 Jahren vertrieben, sondern auch der sozialdemokratische Mief der Gruppenuniversit&auml;t. Oberstes Beschluss- und Kontrollorgan wird ein Hochschulrat, der mehrheitlich aus Nicht-Hochschulmitgliedern besteht, auch der Vorsitzende soll von au&szlig;en kommen. Dort, wo man diese Hochschulr&auml;te schon eingef&uuml;hrt hat, in Baden-W&uuml;rttemberg und Hessen beispielsweise, nimmt man gern f&uuml;hrende Banker f&uuml;r diese Posten, denn die kennen sich ja bestens aus mit dem Wettbewerb. Dieser Banker wird dann der Dienstvorgesetzte des Rektors. Die Ratsmitglieder werden vom Minister ernannt, sind dann aber an keine Weisung gebunden. Sie beschlie&szlig;en, welche Orchideenf&auml;cher geschlossen werden und welche Fachbereiche man ausbauen kann, weil man dort mit geringen Kosten viel output an Studenten produzieren kann &ndash; bei den Betriebswirten beispielsweise.<br>\nDem Hochschulrat fehlt jegliche demokratische Legitimation. Wer in den Rat berufen wird, bestimmt der Minister. Doch daf&uuml;r, was dieser Hochschulrat dann treibt, muss er nicht mehr Rechenschaft ablegen. Die alte Hochschulselbstverwaltung, einst als Ordinarienherrschaft bek&auml;mpft, hatte da noch eine breitere Legitimationsgrundlage.<\/p><p>In den sechziger und siebziger Jahren galt die Autonomie der Hochschule und die Freiheit der Wissenschaft den kritischen Studenten als ein ideologisches Schutzschild, hinter dem die Ordinarien ihre S&uuml;ppchen kochten und frei von gesellschaftlicher Verantwortung ihren Hobbies fr&ouml;nten. Damit ist nun Schluss: Autonomie ist nicht mehr die Freiheit der Wissenschaft, sondern die des Unternehmens Hochschule, mit seinen Einnahmen aus Staatszusch&uuml;ssen, Studiengeb&uuml;hren und Drittmitteln einen m&ouml;glichst hohen Output zu produzieren. Dem haben sich die Professoren unterzuordnen.<br>\nIn der Verwendung ihrer Mittel ist die Hochschule frei. Sie soll eigenverantwortlich auf den Zukunftsm&auml;rkten agieren k&ouml;nnen, erl&auml;utert Pinkwart sein Vorhaben. Ja, Hochschulen, die nicht geschickt auf den Zukunftsm&auml;rkten agieren, k&ouml;nnen auch pleite gehen.<br>\nBei den Hochschulrektoren herrscht nur ged&auml;mpfte Freude &uuml;ber die versprochenen Freiheiten. Als Unternehmer kommen ganz neue Lasten auf sie zu &ndash; sie m&uuml;ssen sich gegen alle m&ouml;glichen Risiken versichern, beispielsweise. Noch zahlt der Staat den Hochschulen soviel, wie bisher. Wenn nun aber beispielsweise Tariferh&ouml;hungen f&uuml;r die Besch&auml;ftigten f&auml;llig werden, wenn die Hochschule ein Institut ausbauen will oder einen H&ouml;rsaal, dann muss sie sehen, woher sie das Geld nimmt. Der Staat hat seine Verantwortung abgegeben.<br>\nVersprochen wird der Abbau von B&uuml;rokratie. Tats&auml;chlich werden sich kleine Hochschulen wie die Fachhochschule Rhein Sieg beispielsweise den Verwaltungsapparat gar nicht mehr leisten k&ouml;nnen, den sie als eigenst&auml;ndige Unternehmen brauchen. Andreas Pinkwart hat recht mit seiner Ank&uuml;ndigung, hier werde ein Paradigmenwechsel in der Hochschulpolitik vorbereitet. Der Staat entledigt sich seiner Verantwortung f&uuml;r Bildung und Wissenschaft. Die Hochschullandschaft wird zum Markt &ndash; v&ouml;llig problemlos werden sich private Anbieter darin einf&uuml;gen lassen, die dann an die Stelle der heruntergewirtschafteten Staatsbetriebe treten k&ouml;nnen.<br>\nSo erf&uuml;llt sich auf paradoxe Weise, was kritische Studenten in den sechziger Jahren gefordert hatten: Wissenschaft m&uuml;sse heraus kommen aus dem Elfenbeinturm. Nun wird sie den rauen Winden des Marktes ausgesetzt &ndash; ein Weichei, wem es dabei fr&ouml;stelt. \t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &bdquo;Innovationsminister&ldquo; legt ein &bdquo;Hochschulfreiheitsgesetz&ldquo; vor. Ein Name, so innovativ wie &bdquo;Studienbeitr&auml;ge&ldquo; statt Geb&uuml;hren, Innovationsministerium anstelle eines piefigen Wissenschaftsressorts. 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