{"id":125054,"date":"2024-11-21T09:00:08","date_gmt":"2024-11-21T08:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125054"},"modified":"2024-11-22T07:26:31","modified_gmt":"2024-11-22T06:26:31","slug":"gedanken-im-flug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125054","title":{"rendered":"Gedanken im Flug"},"content":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten-Nahostkorrespondentin <strong>Karin Leukefeld<\/strong> ist wieder zur&uuml;ck im Libanon. In ihrem neuesten Text &bdquo;Gedanken im Flug&ldquo; setzt sie sich mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf den Libanon auseinander. Durch die Perspektive einer Reisenden werden die Zerst&ouml;rung, das Leid der Menschen und die Hintergr&uuml;nde eines jahrzehntelangen Konflikts beschrieben. Dies schafft Raum f&uuml;r Reflexion &uuml;ber die Verantwortung der internationalen Politik und die Konsequenzen kolonialer Machtstrukturen.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_4826\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-125054-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=125054-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241121-Gedanken-im-Flug-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Flug war ruhig. Die Flugbegleiterinnen freundlich wie immer, die Passagiere waren in Gedanken, in Schlaf oder in leise Zwiegespr&auml;che versunken. Nur zwei Babies protestierten lautstark bei Start und Landung &ndash; dann soll der Druck auf das Trommelfell der kleinen Reisenden schmerzhaft hoch sein.<\/p><p>Der Pilot h&auml;tte ruhiger nicht sein k&ouml;nnen. Au&szlig;er den vorgesehenen Anweisungen an die Flugbegleitung vor dem Start und vor der Landung war von ihm w&auml;hrend des ganzen Fluges nichts zu h&ouml;ren. Der langsame Anflug auf den Internationalen Flughafen von Beirut f&uuml;hrte von der t&uuml;rkischen Mittelmeerk&uuml;ste &uuml;ber die Insel Zypern. Gigantische Wolkent&uuml;rme ragten &uuml;ber der Insel empor, deren n&ouml;rdlicher Teil seit 1974 von der T&uuml;rkei besetzt ist. Im Gegensatz zu den schwarzen Wolken, die die Luftangriffe der israelischen Kampfdrohnen und Kampfjets &uuml;ber dem Libanon aufsteigen lassen, waren die Wolkent&uuml;rme am sp&auml;ten Nachmittag &uuml;ber Zypern in ein warmes Rot der untergehenden Sonne gef&auml;rbt.<\/p><p>Erst kurz vor der libanesischen K&uuml;ste lenkte der Pilot die Maschine nach S&uuml;den, um den Internationalen Flughafen Rafik Hariri anzusteuern. Lichter blinkten entlang der K&uuml;ste, &uuml;ber dem Hafen von Beirut und &uuml;ber der Stadt, die die Maschine bei Ras Beirut erreichte. Die Passagiere waren still, alle versuchten, durch die Fenster einen Blick auf ihr geschundenes Land zu erhaschen. Die Landung war kaum zu merken, lediglich die scharfe Bremsung deutete dann doch darauf hin, dass der Pilot die Maschine nicht weiter Richtung S&uuml;den auslaufen lassen wollte. S&uuml;dlich und &ouml;stlich des Flughafens herrschte tiefe Dunkelheit. Hier ist Dakhieh &ndash; im Deutschen ausgesprochen Dachieh &ndash; hier liegen die s&uuml;dlichen Vororte von Beirut, die die israelische Armee seit Ende September angreift.<\/p><p>Kein einziger Schuss, keine Rakete, keine M&ouml;rsergranaten wurden von hier auf Israel abgefeuert, und doch ist die Bev&ouml;lkerung dieser Viertel zum Ziel Nummer 1 f&uuml;r Israel geworden. Mehr als eine Million Menschen aus Dakhieh und aus dem S&uuml;den des Landes leben heute als Inlandsvertriebene im Norden und Osten von Beirut, in D&ouml;rfern der Libanonberge oder n&ouml;rdlich der Hafenstadt Tripoli. Zehntausende sind &uuml;ber die Grenze nach Syrien geflohen, zusammen mit mehr als 400.000 syrischen Fl&uuml;chtlingen, die zun&auml;chst vor dem Syrienkrieg in den Libanon geflohen waren. Nun kehren sie in ihre kriegszerst&ouml;rte Heimat zur&uuml;ck, um sich vor den israelischen Angriffen in Sicherheit zu bringen. Zwei der drei offiziellen Grenz&uuml;berg&auml;nge zwischen Libanon und Syrien hat Israel zerbombt. In Syrien halten die israelischen Bombardierungen an. Im Nordosten Syriens bombardiert die t&uuml;rkische Armee kurdische Stellungen, und im Osten Syriens entlang der Grenze zum Irak bombardiert die US-Armee. Begr&uuml;ndet werden die Angriffe je nach Lage mit Waffenschmuggel der Hisbollah (Israel), mit Gefahr f&uuml;r die nationale Sicherheit (T&uuml;rkei) oder mit Angriffen von iranischen Milizen oder Angriff auf den Islamischen Staat (USA). Die Sicherheit der Bev&ouml;lkerung im Libanon, Syrien und Irak spielt schon lange keine Rolle mehr. Und wenn diese sich mit sogenannten &bdquo;nicht-staatlichen&ldquo; Akteuren wehren &ndash; weil ihre nationalen Armeen zu schwach und schlecht ausger&uuml;stet sind &ndash; werden diese als &bdquo;Terrororganisationen&ldquo; zum Abschuss freigegeben.<\/p><p>Begonnen hat alles mit der Teilung der Region nach dem Ersten Weltkrieg und mit der Zerst&ouml;rung Pal&auml;stinas durch das zionistische koloniale Siedlerprojekt namens Israel, das Ende des 19. Jahrhunderts begann und dessen brutaler Charakter im Gazastreifen heute deutlich sichtbar ist. Unterst&uuml;tzt wird Israel von seinen gro&szlig;en Vorbildern Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland und vor allem von den USA. Deren koloniale Vergangenheit ist das Lehrbuch des Vernichtungskrieges, der sich vor den Augen der Welt gegen die Pal&auml;stinenser und auch gegen die Libanesen abspielt.<\/p><p><strong>Ein Tag in Beirut<\/strong><\/p><p>Der Flug landet in den fr&uuml;hen Abendstunden des 17. November 2024. Mit einem deutschen Pass ist die Einreise in den Libanon normalerweise kein Problem. Doch im Krieg werden die ausl&auml;ndischen Einreisenden nach ihrem Beruf gefragt, und Journalisten m&uuml;ssen sich zun&auml;chst bei der Allgemeinen Sicherheit &ndash; dem Libanesischen Geheimdienst &ndash; vorstellen, um ihre Akkreditierungsschreiben vorzulegen. W&auml;hrend der Wartezeit treffen Dutzende Blauhelm-Soldaten in der Wartehalle ein und passieren &ndash; vorbei an der wartenden Autorin &ndash; in geordneten Reihen den Durchgang f&uuml;r Diplomaten und UN-Personal. Die kleinen, aufgen&auml;hten Flaggen an den Uniformschultern weisen die Soldaten als Spanier aus.<\/p><p>Auf der Fahrt in die Stadt tauschen der Fahrer A. und die Autorin erste Neuigkeiten aus. Mohammad Afif, Leiter des Medienb&uuml;ros der Hisbollah, wurde am fr&uuml;hen Nachmittag mit einem gezielten Drohnenangriff ermordet. Am Abend attackierte eine israelische Drohne mit Raketen eine Wohnung und einen darunterliegenden Computerladen in dem dicht bewohnten Stadtviertel Mar Elias.  A. sein Bruder B. &ndash; die Namen beider sind der Autorin bekannt &ndash; haben in einem Dorf in den Bergen &ouml;stlich von Beirut Zuflucht gefunden. Ihr Elternhaus in einem Dorf s&uuml;dlich von Sidon wurde bei den israelischen Luftangriffen teilweise zerst&ouml;rt. Seit mehr als einem Monat haben sie keine Neuigkeiten aus ihrem Heimatort. Unterst&uuml;tzung bekommen die Br&uuml;der f&uuml;r sich und ihre Familien von Verwandten, die im Ausland leben. Ein gefl&uuml;geltes Wort im Libanon lautet: &bdquo;Wen Allah liebt, dem gibt er Angeh&ouml;rige im Ausland&ldquo;. Als junge M&auml;nner unterst&uuml;tzten A. und B. ihre Familien w&auml;hrend des B&uuml;rgerkrieges durch ihre Arbeit im Ausland. Nun ist es die Aufgabe der n&auml;chsten Familiengeneration, ihren Angeh&ouml;rigen zu helfen.<\/p><p>Jeder freie Fleck entlang der Stra&szlig;en vom Flughafen in die Stadt ist mit Autos zugeparkt. Die Inlandsvertriebenen aus dem S&uuml;dlibanon und aus Dakhieh sind nicht arm, viele haben Jahrzehnte irgendwo auf der Welt gearbeitet, um mit dem Erl&ouml;s ihrer Arbeit ein Haus in der Heimat zu bauen. Sie haben Gesch&auml;fte, ein Hotel oder Sporteinrichtungen er&ouml;ffnet, oder sie haben Obstplantagen angelegt, um den lokalen Markt zu bedienen. Am wichtigsten war und ist den Leuten, ihr hart verdientes Geld so anzulegen, dass es f&uuml;r sie, die Kinder und die Eltern ein besseres Leben erm&ouml;glicht. Nun geben sie ihre Ersparnisse f&uuml;r Notunterk&uuml;nfte aus.<\/p><p>Die Nacht bleibt unruhig. Mit zwei schweren Angriffswellen entladen israelische Drohnen und Kampfjets ihre t&ouml;dliche Fracht &uuml;ber den s&uuml;dlichen Vororten von Beirut. Wegen der massiven und t&ouml;dlichen Angriffe am Vortag auf die Stadtviertel Mar Elias und Ras al Nabeh, unweit der franz&ouml;sischen Botschaft und des franz&ouml;sischen Krankenhauses, erkl&auml;rt das Bildungsministerium die Schlie&szlig;ung aller Schulen in Beirut f&uuml;r zwei Tage. Beide Stadtviertel liegen innerhalb der offiziellen administrativen Grenze von Beirut, die Bombardierungen wurden ohne jegliche Vorwarnung von Israel ver&uuml;bt.<\/p><p>In Mar Elias wurde bei dem Angriff der Hauptrouter f&uuml;r die Internetversorgung der betroffenen Stra&szlig;e und Nebenstra&szlig;en zerst&ouml;rt, berichtet C., der mit seiner Familie aus einem Dorf der s&uuml;dlichen Provinz Nabatieh fliehen musste. Sein Name ist der Autorin bekannt. Endlich hatte er wieder online am Schulunterricht teilnehmen k&ouml;nnen, wie er der Autorin erz&auml;hlte. Weil es sein letztes Schuljahr vor dem Baccalaur&eacute;at ist, vergleichbar mit dem deutschen Abitur, ist der Unterricht f&uuml;r C. von existenzieller Bedeutung. Nun ist die Verbindung zum Online-Unterricht gekappt, und es ist wird dauern, bis die zust&auml;ndige Stelle den Schaden beheben kann.<\/p><p>Der erste Weg am Morgen f&uuml;hrt die Autorin in einen Kopierladen, um f&uuml;r das Pressezentrum des Informationsministeriums den Pass mit Einreisestempel und das Beglaubigungsschreiben der Zeitung zu kopieren. Auf dem Weg &ouml;ffnet der Himmel &uuml;ber Beirut seine Schleusen, und es sch&uuml;ttet so sehr, dass der Kauf eines Regenschirms (made in China) angesagt ist. Die Inlandsvertriebenen, vor allem die M&auml;nner, die vor den H&auml;usern sitzen, in denen sie Zuflucht gefunden haben, ziehen sich zur&uuml;ck in die Hauseing&auml;nge. Wie m&ouml;gen die Familien sich sch&uuml;tzen, die in selbstgebastelten Zelten an der Strandpromenade oder entlang den Stra&szlig;en ausharren? Wo werden sie schlafen, wenn mit dem Winter die Regenzeit beginnt?<\/p><p>Ausgestattet mit den notwendigen, offiziellen Papieren f&auml;hrt A. am Nachmittag mit der Autorin zu den Orten, die am Vortag bombardiert wurden. In Mar Elias ist das Geb&auml;ude mit dem Computerladen und dem Appartement, in dem zwei Menschen von den israelischen Drohnen get&ouml;tet worden waren, schwarz verru&szlig;t. Als sei es von einem Feuerball eingeh&uuml;llt worden. Vor dem Geb&auml;ude parkende Autos sind zerst&ouml;rt, Polizei und Armee haben die Stra&szlig;e abgesperrt, wo Vorbeigehende stehen bleiben und die Zerst&ouml;rung betrachten. Jeder hier kennt den Computerladen. Es hei&szlig;t, der Inhaber sei der Bruder eines Offiziellen in der Hisbollah gewesen. F&uuml;r Israel offenbar Grund genug, beide M&auml;nner und ihr Lebenswerk zu vernichten.<\/p><p>Den Anschlagsort in Ras al Nabeh\/Ras Nabaa zu finden, gestaltet sich wie die Suche in einem Labyrinth. Das Wohnviertel, das nahe der franz&ouml;sischen Universit&auml;t Saint Joseph, des franz&ouml;sischen Krankenhauses und der franz&ouml;sischen Botschaft liegt, besteht aus scheinbar unz&auml;hligen schmalen Stra&szlig;en und Gassen, in denen Hochh&auml;user mit bis zu 20 Stockwerken &uuml;ber niedrige, historische libanesische Stadth&auml;user hinausragen. Endlich findet A. die Gasse, die von Polizei und Armee vor dem zerst&ouml;rten Geb&auml;ude abgesperrt ist. Ziel des Angriffs war das Haus der syrischen Baath Partei, ein dreist&ouml;ckiges historisches Geb&auml;ude mit gr&uuml;nen Fensterl&auml;den. Im obersten Stockwerk schlugen die israelischen Raketen ein, abgefeuert von einer Drohne, die ohne Vorwarnung ihr Ziel ausgemacht hatte. Get&ouml;tet wurde Mohammad Afif, Leiter des Medienb&uuml;ros der Hisbollah. Mit ihm starben f&uuml;nf weitere Personen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241121_Leukefeld-Beirut-IMG_0088.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241121_Leukefeld-Beirut-IMG_0088.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Das Haus der syrischen Baath Partei wurde von Raketen einer israelischen Drohne getroffen. Der dritte Stock wurde zerst&ouml;rt. Get&ouml;tet wurde Mohammad Afif, Leiter des Medienb&uuml;ros der Hisbollah und f&uuml;nf weitere Personen.<\/em><\/small><\/p><p>Afif war ein unerschrockener Journalist und Medienschaffender, der seine Kenntnisse und seinen Mut seit vielen Jahren f&uuml;r die Hisbollah eingesetzt hatte. Westliche Journalisten zeigten sich emp&ouml;rt &uuml;ber seine &ouml;ffentlichen Pressekonferenzen zwischen den Tr&uuml;mmern von Dakhieh. Auch das Medienb&uuml;ro der Hisbollah war Ziel der israelischen Angriffe geworden. Nur wenige Tage vor seiner Ermordung hatte er dort eine weitere Pressekonferenz unter freiem Himmel abgehalten, wohlwissend, dass Israel ihm mit der Ermordung gedroht hatte. Bezug nehmend auf die israelischen Drohungen, die Hisbollah zu vernichten, die im Libanon und dar&uuml;ber hinaus als &bdquo;Widerstand&ldquo; bekannt ist, hatte Afif erkl&auml;rt: &bdquo;Der Widerstand ist eine Nation, und eine Nation wird niemals sterben.&ldquo; Auf der Webseite des Nachrichtensenders <em>Al Manar<\/em>, den Afif mit aufgebaut hatte, hie&szlig; es in Erinnerung an Afif, er sei &bdquo;ein L&ouml;we im Medienbereich&ldquo; gewesen, eine herausragende Pers&ouml;nlichkeit.<\/p><p>In libanesischen Medien tauchte in Artikeln die Frage auf, ob eine so gef&auml;hrdete Person &uuml;berhaupt in Wohnvierteln sein d&uuml;rfe, wo sie &bdquo;alle gef&auml;hrdet&ldquo;. Kazim Issa, ein 80-j&auml;hriger pensionierter Lehrer und Nachbar des angegriffenen Hauses, sagte auf eine diesbz&uuml;gliche Frage der Autorin: &bdquo;Wenn jemand eines Verbrechens beschuldigt wird &ndash; ob zu Recht oder zu Unrecht &ndash; ist es nicht zul&auml;ssig, beliebig ein Haus, eine Menschenmenge oder irgendwo im zivilen Leben anzugreifen, um diese Person zu t&ouml;ten.&ldquo; In anderen Staaten g&auml;be es einen Haftbefehl, eine Festnahme und ein Gerichtsverfahren, um die Schuld der Person festzustellen. Er sei in diesem Viertel aufgewachsen und habe als Kind von seinen Eltern gelernt, wie ein respektvolles und friedliches Zusammenleben aussieht. &bdquo;Dort haben wir eine Kirche, dort haben wir eine Moschee f&uuml;r Sunniten, und hier haben wir eine Moschee f&uuml;r Schiiten&ldquo;, beschreibt der Mann seine Umgebung. Er habe gelernt &ndash; und auch seinen Sch&uuml;lern beigebracht &ndash; dass es Regeln f&uuml;r die Kriegsf&uuml;hrung und f&uuml;r friedliches Zusammenleben gebe.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241121_Leukefeld-Beirut-IMG_0080.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241121_Leukefeld-Beirut-IMG_0080.jpg\" alt=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small><em>Der pensionierte Lehrer Kazim Issa ist 80 Jahre alt und steht er vor seinem zerst&ouml;rten Haus. Danebenzusehen ist das zerst&ouml;rte Haus der syrischen Baath Partei in Ras al-Nabeh.<\/em><\/small><\/p><p>&bdquo;Nehmen wir an, ich will etwas von Dir, dann kann ich es mir nicht einfach nehmen. Ich darf nicht einfach Deine Familie t&ouml;ten, die dort lebt.&ldquo; Heute seien diese Regeln den M&auml;chtigen und Reichen offenbar unbekannt, f&auml;hrt der Lehrer fort. Sie seien gierig, w&uuml;rden stehlen, w&uuml;rden die Menschen nur f&uuml;r ihre eigenen Interessen benutzen, deren Leben und Schicksal ihnen egal w&auml;ren. Glaube und &Uuml;berzeugung seien ihnen unbekannt, sie seien nur an Geld und Macht interessiert. Auf die Frage, ob die &bdquo;M&auml;chtigen und Reichen&ldquo; eine Nationalit&auml;t h&auml;tten, winkt Kazim Issa ab. Sie h&auml;tten keine Nationalit&auml;t, keine Religion, keine Werte, wie die menschliche Zivilisation sie f&uuml;r das Zusammenleben hervorgebracht h&auml;tten. Dann bedankt er sich daf&uuml;r, dass die Autorin einen langen Weg gekommen sei, um mit ihm, einem einfachen Libanesen, zu sprechen und zu h&ouml;ren, was er zu sagen habe. &bdquo;Es ist gut, dass Sie nicht einfach glauben, was die Medien so berichten.&ldquo;<\/p><p>Es wird langsam dunkel, als die Autorin und A. ein Lager f&uuml;r 3.000 Inlandsvertriebene in der neu restaurierten Altstadt von Beirut &bdquo;Downtown&ldquo; erreichen. Die Menschen sind in einem B&uuml;rogeb&auml;ude der ehemaligen Antra Bank untergebracht und werden umsichtig versorgt. In Gespr&auml;chen mit einer Gruppe Studierender, einer Lehrerin und dem Leiter der Einrichtung werden viele Details und Probleme berichtet, &uuml;ber die sp&auml;ter berichtet werden soll.<\/p><p>Am Abend erreicht die Autorin erneut die Nachricht von einem israelischen Raketenangriff im Zentrum von Beirut. Der Sch&uuml;ler C., der in Mar Elias Zuflucht gefunden hat, berichtet, er sei auf dem R&uuml;ckweg von der Moschee gewesen, als zwei Raketen, abgeschossen von einer Drohne, in einem nahe gelegenen Geb&auml;ude in Zokak al-Blat eingeschlagen seien. &bdquo;Wieder dieser grauenhafte L&auml;rm und Terror&ldquo;, schreibt C. Und eine andere Bekannte berichtet kurz darauf: &bdquo;Ziel war das Hauptquartier der Hilfsorganisation Al-Zahra. In dem Geb&auml;ude befanden sich Lebensmittel, Matratzen und Decken f&uuml;r die Vertriebenen.&ldquo; Das libanesische Gesundheitsministerium berichtet von f&uuml;nf Toten und mindestens 18 Verletzten, die in der Einrichtung gearbeitet hatten.<\/p><p>Der 18. November 2024 in Beirut geht zu Ende mit der Nachricht, dass israelische Raketen ein weiteres Mal im Zentrum eingeschlagen h&auml;tten. Dieses Mal traf es ein Geb&auml;ude unweit des Hauptquartiers des libanesischen Ministerpr&auml;sidenten Najib Mikati, der nur vor&uuml;bergehend die Amtsgesch&auml;fte f&uuml;hrt, bis ein neuer Pr&auml;sident gew&auml;hlt ist. Mikati und sein Team bereiteten sich vermutlich auf ein Treffen mit dem Sonderbeauftragten von US-Pr&auml;sident Joe Biden, Amoz Hochstein, vor, der am Dienstag, dem 19. November, in Beirut erwartet wird. Angeblich soll es um einen Waffenstillstand gehen.<\/p><p><small>Titelbild: Black Salmon\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die NachDenkSeiten-Nahostkorrespondentin <strong>Karin Leukefeld<\/strong> ist wieder zur&uuml;ck im Libanon. In ihrem neuesten Text &bdquo;Gedanken im Flug&ldquo; setzt sie sich mit den Auswirkungen des Nahostkonflikts auf den Libanon auseinander. Durch die Perspektive einer Reisenden werden die Zerst&ouml;rung, das Leid der Menschen und die Hintergr&uuml;nde eines jahrzehntelangen Konflikts beschrieben. Dies schafft Raum f&uuml;r Reflexion &uuml;ber die Verantwortung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125054\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":125055,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,171],"tags":[813,1055,2829,1557,1583,1553,2360],"class_list":["post-125054","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-drohnen","tag-fluechtlinge","tag-hisbollah","tag-israel","tag-libanon","tag-syrien","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Shutterstock_1208229862.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=125054"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":125100,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125054\/revisions\/125100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/125055"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=125054"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=125054"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=125054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}