{"id":125106,"date":"2024-11-22T12:00:03","date_gmt":"2024-11-22T11:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125106"},"modified":"2024-11-22T18:48:16","modified_gmt":"2024-11-22T17:48:16","slug":"botschafter-a-d-gyoergy-varga-raketen-der-lahmen-ente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125106","title":{"rendered":"Botschafter a. D. Gy\u00f6rgy Varga: Raketen der \u201elahmen Ente\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des US-Pr&auml;sidenten Joe Biden vom 17. November, US-Raketen gegen Ziele tief im Inneren Russlands einzusetzen, und die unmittelbare Zustimmung Gro&szlig;britanniens und Frankreichs bieten die Gelegenheit, den allgemeinen politischen und moralischen Zustand des globalen Westens zu untersuchen. Der milit&auml;risch-politische und milit&auml;risch-technische Kern der Entscheidung besteht darin, dass die Ukraine nun die von den erw&auml;hnten drei L&auml;ndern gelieferten Raketen mit einer Reichweite von 300 bis 500 Kilometern einsetzen kann, um Ziele innerhalb Russlands anzugreifen, was eine russische milit&auml;rische Antwort erzwingt und den Krieg formell auf die Stufe Russland-NATO anhebt. Ein Beitrag von Botschafter a. D. <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie russische F&uuml;hrung hat bereits fr&uuml;her deutlich gemacht, dass sie den Einsatz westlicher Raketen gegen Ziele im Russland als direkte NATO-Beteiligung am Krieg betrachten w&uuml;rde. Sie ist sich dessen bewusst, dass die Wartung und der Einsatz dieser Raketen eine enge Zusammenarbeit mit westlichem Personal (Soldaten, Ingenieure) erfordern. Sollte die Ukraine diese Raketen gegen Ziele auf russischem Territorium einsetzen, w&uuml;rde dies eine massive Eskalation des Konflikts zur Folge haben und k&ouml;nnte einen direkten Krieg zwischen der NATO und Russland ausl&ouml;sen. Seit der Genehmigung durch den US-Pr&auml;sidenten am 17. November, Langstreckenraketen auf russischem Territorium einzusetzen, tr&auml;gt die ukrainische F&uuml;hrung die direkte Verantwortung f&uuml;r eine m&ouml;gliche Eskalation des Konflikts.<\/p><p><strong>Demokratiedefizit der Entscheidung von Pr&auml;sident Joe Biden<\/strong><\/p><p>Diese Entscheidung l&auml;sst die Vermutung aufkommen, dass der sogenannte &bdquo;Tiefe Staat&ldquo; nicht nur auf der Ebene von Verschw&ouml;rungstheorien, sondern auch in der Realit&auml;t existiert. Politische Kr&auml;fte innerhalb der USA scheinen nicht bereit zu sein, die Ergebnisse der Wahlen vom 5. November zu akzeptieren, und sie versuchen, die Politik des neu gew&auml;hlten Pr&auml;sidenten zu behindern, insbesondere hinsichtlich der Frage &uuml;ber die Beendigung des Krieges in der Ukraine.<\/p><p>In der Zeit zwischen den Pr&auml;sidentschaftswahlen und der Amtseinf&uuml;hrung des neuen Pr&auml;sidenten verzichten alle demokratisch gesinnten Politiker in jedem demokratischen Land, unabh&auml;ngig von geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, auf strategische Entscheidungen, weil sie mit den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen nicht mehr umgehen k&ouml;nnten und sie den Nachfolger, der sein Amt in wenigen Wochen antreten wird, nicht in eine kritische Situation und vorhersehbare Entscheidungszw&auml;nge bringen d&uuml;rfen. Aus diesem Grund wird dieser Zeitraum auch als &bdquo;lahme Ente&ldquo; (&bdquo;lame duck&ldquo;) bezeichnet. Die Befugnisse des amtierenden Staatsoberhaupts sind nicht de jure beschr&auml;nkt, aber die Funktionsweise der demokratischen Regierungsinstitutionen erfordert Zur&uuml;ckhaltung, um die Zukunft des Landes und das bei den Wahlen neu legitimierte Programm des neuen Staatsoberhaupts zu sichern.<\/p><p>Diese demokratische Praxis wird auf allen Ebenen der demokratischen Macht erwartet, von der Wahl der Staatsoberh&auml;upter bis zum Wechsel der Regierung und der lokalen Verwaltung. Auf der Ebene des Staatsoberhaupts und der Regierung sind die Haushaltslage, die finanzielle Situation des Landes und nat&uuml;rlich die sicherheits- und au&szlig;enpolitischen Beziehungen des Landes die wichtigsten Tabuthemen. Entscheidungen &uuml;ber strategische Fragen sind f&uuml;r ein Staatsoberhaupt in einer &bdquo;lahme Ente&ldquo;-Phase nicht geeignet, denn strategische Entscheidungen zeichnen sich im Allgemeinen dadurch aus, dass sie:<\/p><ol>\n<li>unumkehrbare Folgen haben k&ouml;nnen,<\/li>\n<li>einen erheblichen Teil der dem Land zur Verf&uuml;gung stehenden Ressourcen in Anspruch nehmen k&ouml;nnen,<\/li>\n<li>das Land auf einen Weg f&uuml;hren k&ouml;nnen, der sein Funktionieren f&uuml;r Jahre oder Jahrzehnte beeintr&auml;chtigen wird.<\/li>\n<\/ol><p>Wenn eine F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit in einem Staat, das sich in der &bdquo;lahme Ente&ldquo;-Phase befindet, &ndash; US-Pr&auml;sident Joe Biden &ndash; eine strategische Entscheidung trifft, das hei&szlig;t, die milit&auml;rische Beteiligung der USA (und damit auch Gro&szlig;britanniens und Frankreichs) am Krieg in der Ukraine auf die Ebene eines Krieges ausweitet, sollte er sich voll und ganz bewusst sein, dass er die Folgen seiner Entscheidung, die wahrscheinlichen Nachteile nicht mehr zu verantworten hat.<\/p><p><strong>USA-Elite ist sich &uuml;ber die potenziellen Folgen bewusst<\/strong><\/p><p>Was zum Nachdenken &uuml;ber das Demokratiedefizit anregt, ist die Tatsache, dass es sich bei Biden um einen US-Staatschef handelt, der bereits im Juli 2024 von seiner eigenen Partei als ungeeignet beurteilt wurde, die Vereinigten Staaten weiterhin zu f&uuml;hren, und deshalb aus der Endphase des Pr&auml;sidentschaftswahlkampfs entfernt wurde. Auch Kamala Harris, Bidens Vizepr&auml;sidentin, wurde von den W&auml;hlern nicht unterst&uuml;tzt, um als Pr&auml;sidentin den au&szlig;enpolitischen Kurs fortzusetzen, den sie und Biden in der laufenden Amtszeit gemeinsam verfolgt haben &ndash; einschlie&szlig;lich des Umgangs mit dem Krieg in der Ukraine.<\/p><p>Die Entscheidung offenbart ein erschreckendes Versagen der politischen und professionellen F&uuml;hrungsebene, die das R&uuml;ckgrat der Biden-Administration bildet.<\/p><p>Der Nationale Sicherheitsberater, die Leiter des Au&szlig;en- und des Verteidigungsministeriums, die einflussreichen Regierungspolitiker der Demokratischen Partei und die hinter ihnen stehenden Finanz- und Industrieeliten sind sich des politischen, rechtlichen, finanziellen und moralischen Inhalts der &bdquo;lahme Ente&ldquo;-Situation und der potenziellen Folgen sowohl f&uuml;r die US-Bev&ouml;lkerung als auch f&uuml;r die Behinderung der Regierungsf&auml;higkeit des neuen Staatschefs voll bewusst. Dennoch haben diese Politiker und Hinterb&auml;nkler als Teil der Regierung die Eskalation des Krieges im Vorfeld der Amtseinf&uuml;hrung des neuen Pr&auml;sidenten akzeptiert und f&ouml;rdern sie selbst.<\/p><p><strong>Britische Genehmigung des uneingeschr&auml;nkten Raketeneinsatzes war vorhersehbar<\/strong><\/p><p>Die historische antirussische Haltung Gro&szlig;britanniens erkl&auml;rt vieles. Die britische Gesellschaft &bdquo;konsumiert&ldquo; bereits ihren vierten Premierminister seit 2022, denn f&uuml;r die politische Elite ist es wichtiger, Russland dauerhaft zu schw&auml;chen, als das Wohl der eigenen Gesellschaft und die innere Stabilit&auml;t des Landes zu erhalten.<\/p><p>Der ehemalige Premierminister Boris Johnson war ein wichtiger Akteur im Ukraine-Krieg: Sein Auftritt in Kiew am 9. April 2022 war unverkennbar mit der Blockade eines friedlichen Endes des Ukraine-Russland-Krieges verbunden. Ihm wird die vom Westen unterst&uuml;tzte &bdquo;Erfolgsgeschichte&ldquo; der Ukraine von mehr als zwei Jahren zugeschrieben, die jetzt in der panischen Genehmigung des Einsatzes von Raketen gegen tief liegende russische Gebiete gipfelt. Die Tatsache, dass Gro&szlig;britannien und Frankreich erst nach den USA gr&uuml;nes Licht f&uuml;r solche Raketenangriffe gaben, deutet darauf hin, dass beide L&auml;nder die Risiken eines direkten Konflikts mit Russland scheuen.<\/p><p>Die z&ouml;gerliche Zustimmung Gro&szlig;britanniens und Frankreichs zu Raketenangriffen gegen Russland, erst nachdem die USA den Weg geebnet hatten, unterstreicht die Besorgnis beider L&auml;nder vor einer Eskalation des Konflikts. Weder London noch Paris scheinen bereit zu sein, ein eigenst&auml;ndiges milit&auml;risches Engagement mit Russland einzugehen, weder in der Kategorie der konventionellen noch der nuklearen Waffen.<\/p><p><strong>Macrons Entscheidung wider das Interesse der Gesellschaft<\/strong><\/p><p>Die &bdquo;Konsequenz&ldquo; des franz&ouml;sischen Pr&auml;sidenten zeigt sich darin, dass er an einem Tag von der Bedeutung der strategischen Autonomie Europas spricht und sich am n&auml;chsten Tag der angels&auml;chsischen &bdquo;Falken&ldquo;-Politik anschlie&szlig;t, die keine europ&auml;ischen Interessen verfolgt. Er k&uuml;ndigt den Einsatz franz&ouml;sischer Truppen gegen russische Streitkr&auml;fte an und genehmigt den Angriff auf russische strategische Ziele mit franz&ouml;sischen Raketen &ndash; es gibt Probleme mit der strategischen Vision und dem Weitblick der franz&ouml;sischen Elite. Die Tatsache, dass Frankreich als einziges Land in der EU mit Atomwaffen die Situation in Richtung eines dritten Weltkriegs eskalieren l&auml;sst, wirft ernsthafte Fragen zur Legitimit&auml;t der Entscheidungen Macrons auf.<\/p><p>Zumal er gar nicht auf die Idee kommt, die franz&ouml;sische Gesellschaft zu fragen, ob sie einen Atomkrieg in einem Europa f&uuml;hren m&ouml;chte, in dem keine direkten nationalen Interessen Frankreichs auf dem Spiel stehen. Weder Frankreich noch sein B&uuml;ndnissystem, die NATO, sind angegriffen worden, die Eskalation des Krieges in der Ukraine widerspricht auch den franz&ouml;sischen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen.<\/p><p>Da der Krieg in der Ukraine weder US-amerikanisches, britisches und franz&ouml;sisches Territorium noch die Bev&ouml;lkerung dieser L&auml;nder direkt bedroht, stellt sich die Frage, warum deren F&uuml;hrungen bereit sind, Raketenangriffe zu genehmigen, die potenziell verheerende Folgen f&uuml;r ihre eigenen Bev&ouml;lkerungen haben k&ouml;nnten. Das kann doch nicht im Interesse ihrer Bev&ouml;lkerung liegen.<\/p><p><strong>Eskalation des Krieges ohne gesellschaftliche Unterst&uuml;tzung in USA<\/strong><\/p><p>Am 5. November wurde in den Vereinigten Staaten der kriegsbef&uuml;rwortende Pr&auml;sidentschaftskandidat abgew&auml;hlt, und Donald Trump, der in seinem Wahlprogramm ein schnelles Ende des Krieges versprochen hatte, gewann mit einem Erdrutschsieg. Dieses Programm verschaffte Trump sowohl im Senat als auch im Repr&auml;sentantenhaus eine &uuml;berzeugende Mehrheit bei den Zwischenwahlen, die zeitgleich mit den Pr&auml;sidentschaftswahlen abgehalten wurden. Angesichts dieser Entwicklungen und des Wahlergebnisses mag die Entscheidung Joe Bidens die Interessen vieler vertreten, aber sicherlich nicht die der US-amerikanischen Gesellschaft, die ihre Entscheidung bereits eine gute Woche zuvor getroffen hatte.<\/p><p>&Auml;hnlich ist die Situation in Gro&szlig;britannien und Frankreich: Politische Kr&auml;fte, die kaum regierungsf&auml;hig sind, entscheiden &uuml;ber Fragen, die ihren Gesellschaften nie gestellt wurden, die aber jahrzehntelange Folgen haben werden.<\/p><p>Die Entscheidungen der USA, Gro&szlig;britanniens und Frankreichs aus dem Blickwinkel der westlichen Position, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen, deutet darauf hin, dass die Genehmigung der Stationierung von Mittelstreckenraketen der n&auml;chste Schritt in der &bdquo;Panik&ldquo;-Phase sein k&ouml;nnte: Die Leistung des russischen Milit&auml;rs in der Ukraine l&auml;sst keinen Zweifel daran, dass ein Land mit einem <a href=\"https:\/\/www.sipri.org\/publications\/2022\/sipri-fact-sheets\/trends-world-military-expenditure-2021\">Milit&auml;rbudget von sechs Milliarden US-Dollar pro Jahr (2021)<\/a> den Krieg gegen die st&auml;rkste Atommacht der Welt gewinnen kann.<\/p><p><strong>Formale Niederlage der Ukraine wird vom Westen vertagt<\/strong><\/p><p>Die Frage nach der Verantwortung des Westens ist eine, mit der sich sehr viele westliche Hauptst&auml;dte nicht auseinandersetzen wollen, und eine Eskalation anstelle eines kurzfristigen Eingest&auml;ndnisses scheint eine gute Idee zu sein. Die am 17. November bekannt gegebene Entscheidung, Raketen gegen tief liegende russische Ziele einzusetzen, erh&ouml;ht den Einsatz im Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der NATO und zwingt Russland zu einer Reaktion. Diese kann wiederum Hoffnung auf eine moralische Rechtfertigung f&uuml;r das Eingreifen des Westens geben, das unerl&auml;sslich ist, um eine milit&auml;rische Niederlage in der Ukraine zu vermeiden. Vermutlich ist dies auch das Ziel, denn die formale Auspr&auml;gung des Stellvertreterkriegs &ndash; der ukrainisch-russische Krieg &ndash; scheint auf dem Schlachtfeld entschieden zu werden.<\/p><p>Die Erfinder des Slogans <em>&bdquo;Wenn Putin gewinnt, verlieren wir<\/em>&ldquo; in Washington, London, Paris und Br&uuml;ssel k&ouml;nnen nicht zugeben, dass sie die Ukraine und etwa 50 L&auml;nder get&auml;uscht haben, die Schulter an Schulter weder Geld, Sanktionen noch Waffen gescheut und wirtschaftliche Nachteile erlitten haben, um am Ende die Verlierer des ukrainisch-russischen Krieges zu werden. Es ist schon heute schwierig, aber mit der Verschlechterung der politischen, milit&auml;rischen und wirtschaftlichen Lage in der Ukraine wird es in Zukunft selbst in verb&uuml;ndeten Kreisen noch schwieriger sein, einen europ&auml;ischen Krieg zu verkaufen, bei dem der Ausgang klar definiert ist:<\/p><blockquote><p>\n<em>Die Ukraine ist zerschlagen, aber Russland ist nicht in die Knie gegangen. Putin ist nicht krank, die russische Wirtschaft funktioniert, wir haben die Weltwirtschaft in den Bereichen Energie, Transport, Finanzmarkt und Handel effektiv zerst&ouml;rt, und die Europ&auml;ische Union geht den Bach runter.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Russische Nuklearschwelle ist erreicht<\/strong><\/p><p>Nach der neuen russischen Doktrin &bdquo;kann Moskau mit Atomwaffen antworten, wenn eine nichtnukleare Macht (gegebenenfalls die Ukraine) mit Hilfe einer nuklearen Supermacht (USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich) die Existenz Russlands bedroht&ldquo;.<\/p><p>Nach der russischen technischen Erkl&auml;rung birgt das Abfeuern einer Rakete, die einen nuklearen Sprengkopf tragen kann, aus einigen Hundert Kilometern Entfernung in Richtung Moskau das Potenzial f&uuml;r einen nuklearen &Uuml;berraschungsangriff auf russische Entscheidungszentren. Die russische Milit&auml;rf&uuml;hrung sollte ihn dementsprechend als solchen behandeln, einschlie&szlig;lich der Entscheidung &uuml;ber einen Vergeltungsschlag. Das Auftauchen &auml;hnlicher oder sogar weniger leistungsf&auml;higer und weiter entfernter sowjetischer Raketen auf Kuba im Jahr 1962 war nach Ansicht aller Sicherheitsexperten f&uuml;r Washington zu Recht inakzeptabel, und das Kennedy-Chruschtschow-Duo hat es vern&uuml;nftigerweise vermieden, die Situation zu eskalieren.<\/p><p>Heute sehen sektiererische atlantische oder einfach antirussische Experten keinen Grund zur Besorgnis &uuml;ber das Abfeuern von NATO-Raketen aus der Ukraine, obwohl die Ukraine kein Mitglied der NATO ist und das Territorium, die Bev&ouml;lkerung der NATO-L&auml;nder nicht milit&auml;risch angegriffen werden und die Notwendigkeit einer kollektiven Verteidigung nicht in Frage kommt.<\/p><p><strong>Entscheidung &uuml;ber Kriegsbeteiligung ist Sache der NATO-L&auml;nder<\/strong><\/p><p>Der Beschluss vom 17. November wurde von den F&uuml;hrungen dreier NATO-L&auml;nder gefasst, die die oben erw&auml;hnten internen Legitimit&auml;tsprobleme haben. Die Blaupause aus Washington weist dabei ein eklatantes Demokratiedefizit auf. Au&szlig;enpolitisch m&uuml;ssen weitere 29 NATO-L&auml;nder mit den Nachteilen rechnen, die dem gesamten B&uuml;ndnis drohen, wenn wegen dreier Provokateure &ndash; und ohne &ouml;ffentliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die US-Entscheidung &ndash; die Notwendigkeit einer kollektiven Verteidigung von 32 NATO-Mitgliedern innerhalb von Tagen oder Wochen gerechtfertigt werden k&ouml;nnte, wenn Russland auf &bdquo;NATO-Angriffe&ldquo; auf seine strategischen Standorte antwortet.<\/p><p>Es stellt sich die Frage: Inwiefern sind solche Staaten als Provokateure berechtigt f&uuml;r eine kollektive Verteidigung, die das Demokratiedefizit ihres eigenen politischen Systems ausnutzen, um einen Krieg zu eskalieren? Die Entscheidung des Westens, die am vierten Kriegstag begonnenen Verhandlungen zwischen den beiden Konfliktparteien zu unterbinden, wirft ebenfalls Fragen bez&uuml;glich der wahren Intentionen und der Bereitschaft zur Konfliktl&ouml;sung auf &ndash; ganz abgesehen davon, dass dieser Krieg mit der starken Unterst&uuml;tzung des politischen Westens begann.<\/p><p>Welche moralische Legitimit&auml;t hat ein NATO-Beschluss zur kollektiven Verteidigung, der m&ouml;glicherweise mit Hilfe der Ukraine herbeigef&uuml;hrt wird, wenn klar ist, dass der US-Pr&auml;sident in seiner &bdquo;lahme Ente&ldquo;-Phase eine Entscheidung getroffen hat, die weitaus weitreichender ist als seine eigene Amtszeit? Wohl wissend, dass er damit die gutgl&auml;ubige Umsetzung des Wahlprogramms seines Nachfolgers &ndash; den Ukraine-Krieg auch im Interesse Europas fr&uuml;hzeitig zu beenden &ndash;, untergr&auml;bt oder ganz verhindert.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Peter R Foster IDMA<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema: <\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124165\">Botschafter a. D. 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