{"id":125143,"date":"2024-11-24T12:00:41","date_gmt":"2024-11-24T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125143"},"modified":"2024-11-25T09:49:34","modified_gmt":"2024-11-25T08:49:34","slug":"wie-kuba-auf-den-wahlsieg-trumps-in-den-usa-blickt-ein-graben-in-der-mitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125143","title":{"rendered":"Wie Lateinamerika auf den Wahlsieg Trumps in den USA blickt: Ein Graben in der Mitte"},"content":{"rendered":"<p>F&uuml;r Washington ist Lateinamerika eine Region mit exklusivem Zugang f&uuml;r die USA, aus der &bdquo;b&ouml;sartige Fremde&rdquo; mit allen Mitteln verjagt werden m&uuml;ssen. H&ouml;chstwahrscheinlich wird Trump die Blockade gegen Kuba weiter versch&auml;rfen und die Sanktionen gegen Venezuela ausweiten. Die klare Niederlage von Kamala Harris zeigt zum x-ten Mal, dass lauwarme, gem&auml;&szlig;igte und ausweichende Vorschl&auml;ge der sichere Weg zu einer vernichtenden Wahlniederlage sind, wenn eine Gesellschaft von allgemeinen Spannungen beherrscht wird. Von <strong>Atilio Boron<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie soziale Unzufriedenheit, die durch Frustrationen wirtschaftlicher oder politischer Art, durch von der herrschenden Klasse auf perverse Weise gesch&uuml;rte &Auml;ngste oder durch den Hass auf stigmatisierte soziale Gruppen &ndash; im Falle der USA auf Einwanderer lateinamerikanischer Herkunft &ndash; hervorgerufen wird, f&uuml;hrt dazu, dass sich die B&uuml;rger zu denjenigen hingezogen f&uuml;hlen, die am besten mit ihrer Wut und Frustration umgehen k&ouml;nnen. Und Trump erschien in den Augen von Millionen von Menschen als jemand, der bereit ist, diesem Zustand ein Ende zu setzen.<\/p><p>Fazit: Wenn die gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse von Unm&auml;&szlig;igkeit gepr&auml;gt sind, wird M&auml;&szlig;igung zur S&uuml;nde. Und die Kandidatin der Demokraten hat sie begangen.<\/p><p>Harris war sicherlich im Nachteil. Sie trat erst sehr sp&auml;t in den Wahlkampf ein, Folge des unerwarteten Zusammenbruchs der Kandidatur von Pr&auml;sident Joe Biden nach der verh&auml;ngnisvollen Debatte mit Donald Trump. Erschwerend kam hinzu, dass ihre Amtszeit als Vizepr&auml;sidentin einen negativen Anstrich hatte, der wenig oder gar nichts dazu beitrug, ein in den Augen der &Ouml;ffentlichkeit attraktives Image als Pr&auml;sidentin aufzubauen.<\/p><p>Und eine Gesellschaft, die von den anhaltenden Katastrophenpredigten der Ultrarechten bombardiert wird, deren schlimmste Stammesinstinkte durch die verr&uuml;ckten Verschw&ouml;rungsgeschichten von Trump und seinen Wortf&uuml;hrern, die von einer &bdquo;Invasion unerw&uuml;nschter Ausl&auml;nder&rdquo; sprechen, gesch&uuml;rt werden, konnte kaum jemanden unterst&uuml;tzen, der angesichts ihres Status als US-Vizepr&auml;sidentin als mitverantwortlich f&uuml;r eine solch ungl&uuml;ckliche Situation angesehen wird.<\/p><p>Die Demokraten und ihre Unterst&uuml;tzer im akademischen Establishment und im korrupten medialen &Ouml;kosystem waren zuversichtlich, dass die Bev&ouml;lkerung, da die &bdquo;Makrozahlen&rdquo; positiv waren, ihre Machthaber mit der Best&auml;tigung der Kontinuit&auml;t der demokratischen F&uuml;hrung belohnen w&uuml;rde.<\/p><p>Aber wie wir in Argentinien nur zu gut wissen, hat die Tatsache, dass bestimmte &bdquo;Makrozahlen&rdquo; sehr g&uuml;nstig aussehen, wenig oder gar nichts mit den konkreten Lebensbedingungen in einer Gesellschaft zu tun.<\/p><p>Das gilt insbesondere f&uuml;r die USA, das Land mit der schlechtesten Einkommensverteilung unter den entwickelten kapitalistischen Staaten und gekennzeichnet durch eine anhaltende Zunahme der Ungleichheit.<\/p><p>Ein Beispiel: Der Vorstandsvorsitzende, der 1965 das Zwanzigfache dessen verdiente, was der durchschnittliche Arbeiter in seinem Unternehmen 2018 verdiente, hatte sein Einkommen um das 278-fache &uuml;ber das seiner Arbeiter gesteigert. Und diese Zahl stieg nach der Pandemie weiter an.<\/p><p>Die Haushalte der Mittelschicht, die 1970 noch 62 Prozent des Nationaleinkommens auf sich vereinigten, hatten 2018 nur noch einen Anteil von 43 Prozent. Mit Blick auf diese Zahlen sagte Bernie Sanders, wiedergew&auml;hlter Senator aus Vermont, dass die Niederlage nicht &uuml;berraschend sei, weil die Demokratische Partei die Arbeiterklasse im Stich gelassen habe und die Arbeiterklasse diese Partei &ndash; und weitgehend zur Anh&auml;ngerschaft von Trump gewechselt sei.<\/p><p>Der selbstm&ouml;rderische Schwenk der Demokraten nach rechts hat den Erdrutschsieg des Moguls beg&uuml;nstigt. In mehreren wichtigen Fragen war es sehr schwierig, den Unterschied zwischen ihm und seiner Gegnerin zu erkennen. Harris und der New Yorker Tycoon wetteiferten darin, wer den von Israel in Gaza, Libanon und Syrien begangenen V&ouml;lkermord am nachdr&uuml;cklichsten unterst&uuml;tzt. Harris war sogar noch kriegerischer als Trump, als es um die Situation in der Ukraine ging. Beide betrachten China als einen Feind der USA. Ihre Differenzen in der Einwanderungsfrage waren nuanciert, und keiner von beiden machte auch nur die geringste Anspielung auf die ph&auml;nomenale Verm&ouml;genskonzentration der letzten Jahre, geschweige denn, dass sie eine Steuerreform vorschlugen, mit der sie diese abmildern k&ouml;nnten.<\/p><p>Die Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten waren bei einem heiklen Thema wie der Abtreibung erkennbar &ndash; heikel, sagen wir, f&uuml;r einen Teil der weiblichen W&auml;hlerschaft, nicht f&uuml;r alle: W&auml;hrend Harris sehr selbstbewusst auftrat, zeigte Trump seine gro&szlig;en demagogischen F&auml;higkeiten, um jeder Frage zu diesem Thema aus dem Weg zu gehen.<\/p><p>Zusammenfassend l&auml;sst sich sagen, dass Trump mit nahezu unbegrenzter Macht ausgestattet ins Wei&szlig;e Haus einzieht. Er gewinnt die Pr&auml;sidentschaft bei den Wahlm&auml;nnern, wo er 295 Stimmen gegen&uuml;ber 226 f&uuml;r Harris erhielt. In der Bev&ouml;lkerung erhielt er etwas mehr als 72 Millionen Stimmen, 50,9 Prozent der Gesamtstimmen (und fast f&uuml;nf Millionen mehr als seine Gegnerin). Au&szlig;erdem verf&uuml;gt er &uuml;ber eine Mehrheit im Senat, eine knappe Mehrheit im Repr&auml;sentantenhaus und sechs der neun Stimmen im Obersten Gerichtshof, der sich bereits an die Arbeit gemacht hat, um die 34 anh&auml;ngigen Verfahren gegen den designierten Pr&auml;sidenten einzustellen.<\/p><p><strong>Was bedeutet dieses Ergebnis f&uuml;r die lateinamerikanischen L&auml;nder?<\/strong><\/p><p>Im Prinzip ging man davon aus, dass Harris in die Fu&szlig;stapfen von Barack Obama treten und eine dialogorientiertere und respektvollere Haltung gegen&uuml;ber den L&auml;ndern der Region einnehmen w&uuml;rde. Doch Obamas Bilanz ist zwiesp&auml;ltig: Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Kuba, aber auch die ber&uuml;chtigte Executive Order, die Venezuela zu einer &bdquo;ungew&ouml;hnlichen und au&szlig;erordentliche Bedrohung&rdquo; f&uuml;r die nationale Sicherheit der USA erkl&auml;rte.<\/p><p>Trump hat keinen Hehl aus seiner Verachtung f&uuml;r die L&auml;nder der Region gemacht, sie beleidigt, wie er es in diesem Wahlkampf noch deutlicher getan hat, und seine Amtszeit beendet, ohne ein einziges Land der Region besucht zu haben. Er reiste 2018 zum G20-Treffen nach Argentinien und 2017 nach Puerto Rico, als der Hurrikan Maria w&uuml;tete.<\/p><p>Kurz vor Ende seiner Amtszeit ordnete er an, Kuba in die Liste der L&auml;nder aufzunehmen, die den Terrorismus f&ouml;rdern, eine Entscheidung, die einen enormen Schlag im wirtschaftlichen und finanziellen Bereich bedeutet.<\/p><p>Er beschwerte sich auch &uuml;ber die Dummheit (in seinen Worten) der Demokraten. Denn als er im Begriff gewesen sei, sich des venezolanischen &Ouml;ls zu bem&auml;chtigen, lie&szlig;en sie es sich entgehen und, so sagte er, &bdquo;jetzt m&uuml;ssen wir Maduro daf&uuml;r bezahlen!&rdquo; (<em>amerika21<\/em> berichtete).<\/p><p>Mit anderen Worten: Von Trump ist nichts Gutes zu erwarten, und von Harris auch nicht &ndash; unter anderem, weil die Politik gegen&uuml;ber Lateinamerika und der Karibik vom &bdquo;tiefen Staat&rdquo; und zu einem sehr geringen Teil vom jeweils amtierenden Pr&auml;sidenten bestimmt wird.<\/p><p>F&uuml;r Washington ist unser Amerika eine Region mit exklusivem und ausschlie&szlig;endem Zugang f&uuml;r die USA, aus der b&ouml;sartige Fremde &ndash; Laura Richardson sagte es &ndash; wie Russland, China und der Iran mit allen Mitteln verjagt werden m&uuml;ssen. Ich halte es jedoch f&uuml;r sehr unwahrscheinlich, dass Trump beschlie&szlig;en wird, die &bdquo;milit&auml;rische Karte&rdquo; gegen Kuba oder Venezuela zu ziehen, denn eine solche Ma&szlig;nahme k&ouml;nnte das in Afghanistan oder Vietnam erlittene Fiasko wiederholen. Sie h&auml;tte dar&uuml;ber hinaus sehr schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte internationale System, da indirekt China und in geringerem Ma&szlig;e auch Russland und Iran betroffen w&auml;ren.<\/p><p>H&ouml;chstwahrscheinlich wird Trump die Blockade gegen Kuba weiter versch&auml;rfen und die einseitigen Zwangsma&szlig;nahmen gegen Venezuela ausweiten. Beides stellt eine offene Verletzung des internationalen Rechts dar. Deshalb ist es heute notwendig, die Solidarit&auml;t mit diesen L&auml;ndern zu st&auml;rken, die bevorzugte Ziele der imperialen Ambitionen in der geopolitischen Sph&auml;re der Gran Caribe sind. Und deshalb ist das Veto Brasiliens gegen den Beitritt Venezuelas zu den BRICS unverst&auml;ndlich, ebenso wie die grunds&auml;tzliche Unterst&uuml;tzung Mexikos f&uuml;r die kubanische Revolution lobenswert ist.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2024\/11\/272383\/usa-ein-graben-der-mitte\">Amerika21<\/a><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ TonelloPhotography<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/b48d228c4ac84ab697d9ca0a172af13b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F&uuml;r Washington ist Lateinamerika eine Region mit exklusivem Zugang f&uuml;r die USA, aus der &bdquo;b&ouml;sartige Fremde&rdquo; mit allen Mitteln verjagt werden m&uuml;ssen. H&ouml;chstwahrscheinlich wird Trump die Blockade gegen Kuba weiter versch&auml;rfen und die Sanktionen gegen Venezuela ausweiten. 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