{"id":125269,"date":"2024-11-26T11:00:59","date_gmt":"2024-11-26T10:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125269"},"modified":"2024-11-26T11:20:18","modified_gmt":"2024-11-26T10:20:18","slug":"rumaenien-nato-kritiker-ueberrascht-bei-praesidentschaftswahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125269","title":{"rendered":"Rum\u00e4nien: NATO-Kritiker \u00fcberrascht bei Pr\u00e4sidentschaftswahl"},"content":{"rendered":"<p>Der NATO-Kritiker Calin Georgescu hat die erste Runde der Pr&auml;sidentschaftswahl in Rum&auml;nien am Sonntag &uuml;berraschend gewonnen. Der Kampf um die Stichwahl wurde zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem sich die konservative Politikerin Elena Lasconi gegen den sozialdemokratischen Premier Marcel Ciolacu durchsetzen d&uuml;rfte, welcher eigentlich als Favorit galt. Der extrem NATO-kritische und religi&ouml;se Georgescu, welcher in westlichen Medien leichtfertig und inflation&auml;r als &bdquo;rechtsextrem&ldquo; geschm&auml;ht wird, hatte seinen Wahlkampf fast ausschlie&szlig;lich in sozialen Netzwerken gef&uuml;hrt. Von <strong>Ramon Schack<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNach Ausz&auml;hlung aller Stimmen lag Ciolacu Montagfr&uuml;h &auml;u&szlig;erst knapp hinter Oppositionsf&uuml;hrerin Lasconi. Zuvor wurde der amtierende Premierminister noch klar als Favorit gehandelt.<\/p><p>Au&szlig;enseiter Georgescu trug aber mit 22,95 Prozent klar den Sieg davon, w&auml;hrend Lasconi auf 19,17 Prozent bzw. 0,02 Prozentpunkte mehr als Ciolacu kam. Der Abstand betrug nur 2.000 Stimmen, wie rum&auml;nische Medien meldeten.<\/p><p>Der Sieg Georgescus kam unerwartet. Gem&auml;&szlig; Umfragen h&auml;tte er weniger als zehn Prozent der Stimmen erreichen d&uuml;rfen. Insgesamt 13 Kandidatinnen und Kandidaten bewarben sich um die Nachfolge des deutschst&auml;mmigen Pr&auml;sidenten Klaus Iohannis, der seit 2014 als Staatschef amtiert.<\/p><p><strong>Kampagne f&uuml;r Ende der Ukraine-Hilfe<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das s&uuml;dosteurop&auml;ische EU- und NATO-Land Rum&auml;nien grenzt direkt an die Ukraine. Der Grenzfluss Thei&szlig; wird dabei zum Schauplatz von Trag&ouml;dien, wenn zahlreiche junge ukrainische M&auml;nner dort die Flucht vor der Einberufung an die Front antreten und h&auml;ufig auch zu Schaden kommen. So haben laut rum&auml;nischen Beh&ouml;rden seit Kriegsbeginn &uuml;ber 2.000 M&auml;nner den Grenzfluss Thei&szlig; von der Ukraine nach Rum&auml;nien &uuml;berquert. Mindestens 22 Ukrainer sollen bei den Fluchtversuchen gestorben sein, weitere werden vermisst. Deshalb spricht man in der ukrainischen &Ouml;ffentlichkeit schon vom &sbquo;Todesfluss&lsquo;&ldquo;,\n<\/p><\/blockquote><p>war in der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/grenzfluss-zwischen-der-ukraine-und-rumaenien-hier-fluechten-hunderte-vor-krieg-und-mobilisierung-li.2208536\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a> diesbez&uuml;glich zu lesen.<\/p><p>Diese Umst&auml;nde verdunkeln den Mythos, welcher in den Propaganda-St&auml;ben von Washington, London, Br&uuml;ssel und Kiew ersponnen wird, wonach &bdquo;unsere Freiheit&ldquo; heute nicht mehr am Hindukusch, sondern am Donbass verteidigt wird.<\/p><p>Der parteilose Georgescu absolvierte seinen Wahlkampf fast ausschlie&szlig;lich in den sozialen Netzwerken und durch Podcasts. Erst k&uuml;rzlich sorgte er durch eine TikTok-Kampagne f&uuml;r Aufsehen, in der er ein Ende der Hilfe f&uuml;r die Ukraine forderte. Zus&auml;tzlich kritisierte er die NATO-Mitgliedschaft Rum&auml;niens. &bdquo;Heute Abend hat das rum&auml;nische Volk nach Frieden geschrien. Und es hat sehr laut geschrien, sehr laut&ldquo;, lie&szlig; Georgescu am Sonntag in einem Video auf <em>Facebook<\/em> verlautbaren. Schon einige Jahre zuvor hatte der Politiker den ballistischen Raketenschutzschild der NATO in der rum&auml;nischen Stadt Deveselu als &bdquo;Schande der Diplomatie&ldquo; und konfrontative Ma&szlig;nahme gegen Russland bezeichnet.<\/p><p>In Rum&auml;nien verf&uuml;gt der Pr&auml;sident &uuml;ber eine eingeschr&auml;nkte Exekutivfunktion, die aber die Kontrolle &uuml;ber die Verteidigungsausgaben beinhaltet. Dies d&uuml;rfte in Br&uuml;ssel f&uuml;r Magenschmerzen sorgen, denn Rum&auml;nien verf&uuml;gt &uuml;ber eine 650 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine, die rum&auml;nische Schwarzmeer-K&uuml;ste reicht bis 150 Kilometer an die ukrainische Gro&szlig;stadt Odessa heran. In Rum&auml;nien selbst sind 5.000 NATO-Soldaten stationiert.<\/p><p><strong>Eiserne Garde und Atonescu<\/strong><\/p><p>Georgescu, ein studierter Agrarwissenschaftler und langj&auml;hriger Mitarbeiter in einigen UN-Organisationen, stand 2022 im Mittelpunkt des politischen Geschehens, als die rechtspopulistische AUR ihm das Amt eines Ehrenvorsitzenden anbot. Doch dazu kam es nicht, denn der AUR-Chef Simion &uuml;berwarf sich wenig sp&auml;ter mit dem 62-J&auml;hrigen, nachdem sich Georgescus Parolen selbst f&uuml;r AUR-Rechtspopulisten als zu heikel erwiesen hatten.<\/p><p>Inwieweit es sich bei der Wahl aber um einen Rechtsruck handelt und bei Georgescu um einen Rechtsextremen, bleibt fraglich. Immerhin hatte Georgescu durch Loblieder auf den Hitler-Kollaborateur Marschall Ion Antonescu und den F&uuml;hrer der faschistischen Eisernen Garde Corneliu Zelea-Codreanu f&uuml;r einen Eklat gesorgt. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete danach Ermittlungen ein. Dies ist in der Tat kritikw&uuml;rdig, auch bei einem intensiveren Blick auf die rum&auml;nische Zeitgeschichte.<\/p><p>Die Eiserne Garde, eine faschistoklerikale Miliz, flankiert von einem mystischen Nationalismus und blutigen Antisemitismus, putschte 1941 gegen den Diktator Antonescu und wurde daraufhin von ihm ausgeschaltet. Diese Kritik hat aber einen bitteren Nachgeschmack, wenn in der vom Westen hochger&uuml;steten Ukraine Nazi-Kollaborateure wie Step&aacute;n Bandera als Nationalhelden gelten und Frontbrigaden noch heute durch das Tragen nationalsozialistischer Symbolik auffallen &ndash; unabh&auml;ngig davon, wie die Stichwahl ausgehen wird. <\/p><p>Der Urnengang in Rum&auml;nien ist ein weiteres Anzeichen daf&uuml;r, dass die NATO-Narrative selbst in den NATO-Staaten nicht mehr funktionieren und schon l&auml;ngst zu br&ouml;ckeln begonnen haben. Die Wahl wird auch als Protestvotum gegen die regierenden Parteien, die Sozialdemokraten (PSD) und die Liberalen (PNL), gewertet. Experten sehen die hohe Inflation von f&uuml;nf Prozent und die zunehmende Verarmung der Bev&ouml;lkerung als wesentliche Gr&uuml;nde f&uuml;r das Ergebnis.<\/p><p><small>Titelbild: Offizielle Wahlplakate f&uuml;r die rum&auml;nischen Pr&auml;sidentschaftswahlen 2024 mit den Kandidaten Marcel Ciolacu, Nicolae Ciuca, Mircea Geoana, Elena Lasconi, Simion, Hunor, Orban, Terhes &ndash; der eigentliche Wahlgewinner Calin Georgescu hatte gar nicht plakatiert. &ndash; Shutterstock \/ Adrian Pacurariu<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der NATO-Kritiker Calin Georgescu hat die erste Runde der Pr&auml;sidentschaftswahl in Rum&auml;nien am Sonntag &uuml;berraschend gewonnen. Der Kampf um die Stichwahl wurde zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem sich die konservative Politikerin Elena Lasconi gegen den sozialdemokratischen Premier Marcel Ciolacu durchsetzen d&uuml;rfte, welcher eigentlich als Favorit galt. 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