{"id":12528,"date":"2012-03-14T09:14:28","date_gmt":"2012-03-14T08:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12528"},"modified":"2015-02-03T11:39:49","modified_gmt":"2015-02-03T10:39:49","slug":"diese-energiewende-ist-nicht-sozial-energiearmut-weitet-sich-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12528","title":{"rendered":"Diese Energiewende ist nicht sozial &#8211; Energiearmut weitet sich aus"},"content":{"rendered":"<p>Die Energiepreise steigen und steigen. In der Folge breitet sich auch in Deutschland allm&auml;hlich das Ph&auml;nomen der Energiearmut aus. F&uuml;r die deutsche Politik, zumal die Bundesregierung, ist das aber kein Thema, mit dem sie sich &ouml;ffentlich auseinandersetzen m&ouml;chte. Dann m&uuml;sste sie n&auml;mlich ihre soziale Verantwortung f&uuml;r diese Tendenzen einr&auml;umen und auch die Schattenseiten ihrer Energiewende beleuchten, von der sie sich doch so ein positives gr&uuml;nes Image verspricht. Von *.<br>\n<!--more--><br>\nWas in Fachkreisen schon eine Weile wahrgenommen wird, kann man inzwischen fast t&auml;glich in der Presse lesen. So wurden in den letzten Wochen mehrfach neue Rekorde bei den Spritpreisen vermeldet. Teures Benzin trifft alle Autofahrer, also einen gro&szlig;en Teil unserer Bev&ouml;lkerung, besonders aber Berufspendler, und dies unabh&auml;ngig von ihrer Einkommenssituation. Von noch existenziellerer Bedeutung ist die Stromversorgung.  Sogar ein Guido Westerwelle wies schon darauf hin, dass der Strompreis in seiner sozialen Bedeutung so etwas wie den &bdquo;Brotpreis des 21. Jahrhunderts&ldquo; darstellt &ndash; ohne allerdings dementsprechende Schlussfolgerungen f&uuml;r die Energiepolitik seiner Bundesregierung zu ziehen. Unterdessen wird auch Strom immer teurer, f&uuml;r immer mehr zu teuer. &bdquo;Wenn der Strom zu teuer wird&ldquo; lautete ein Bericht der S&uuml;ddeutschen Zeitung vom 23.2.2012. Danach k&ouml;nnen fast 800.000 Verbraucher ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Infolgedessen drehen ihnen die Versorger zumindest zeitweise den Saft ab. Eine Meldung aus Griechenland? Keineswegs. Sondern aus dem angeblichen &bdquo;Wirtschaftswunderland&ldquo; Deutschland. Zweifellos ein weiteres Zeichen f&uuml;r die sich ausbreitende Armut in Teilen unserer Gesellschaft. Aber ebenso ein Zeichen f&uuml;r den Schub bei den Energiepreisen und fehlende energiepolitische Gegensteuerung. <\/p><p>In den letzten beiden Jahren gab es beim Strom Preissteigerungen von rd. 15%, weit &uuml;ber der allgemeinen Inflationsrate. Diese Tendenz setzt sich fort. Im Januar berichtete der SPIEGEL mit Blick auf das neue Jahr 2012: &bdquo;Strom wird f&uuml;r zehn Millionen Deutsche teurer&ldquo;, nachdem knapp 200 Versorger hierzulande f&uuml;r das Fr&uuml;hjahr weitere Strompreiserh&ouml;hungen im Schnitt von 3,3 % angek&uuml;ndigt haben. Beim Gas sollen es sogar 7,3% sein. Der STERN hat unter Berufung auf Verbraucherportale f&uuml;r einen 4-Personen-Haushalt j&auml;hrliche Mehrkosten von bis zu 110 Euro errechnet. Weil sich auch das Heiz&ouml;l stark verteuert hat (2011 plus 35%) und einkommensschwache Haushalte inzwischen bis zu 40% ihres Einkommens nur f&uuml;r Miete und Heizkosten aufwenden m&uuml;ssen, hat der Deutsche Mieterbund Ende 2011 &ouml;ffentlich vor &bdquo;Energie-Armut&ldquo; in Deutschland gewarnt. &bdquo;Heizen wird zum Luxus&ldquo;, erkannte daraufhin die BILD-Zeitung. Die recht milde Witterung 2011 und auch noch im Januar 2012, vor einigen eisigen Februarwochen, hat die Heizkostenproblematik zun&auml;chst begrenzt. Doch das wird kaum so bleiben. Im Wirtschaftsministerium von Nordrhein-Westfalen etwa ist vor diesem Hintergrund mittlerweile ein Arbeitskreis &bdquo;Energiearmut&ldquo; etabliert worden. <\/p><p>Politische Antworten auf Bundesebene stehen bislang aus. Die Bundesregierung erachtet seit 2010 nicht einmal mehr Heizkostenzusch&uuml;sse f&uuml;r Wohngeldempf&auml;nger f&uuml;r n&ouml;tig. Dabei hat das Bundeswirtschaftsministerium im Februar 2012 in einer Brosch&uuml;re zur Energiewende in Deutschland Zahlen ver&ouml;ffentlicht, die best&auml;tigen, dass der Anteil der Energiekosten am durchschnittlichen Nettoeinkommen &ndash; gemessen an der relativen Belastung eines 4-Personen-Musterhaushalts &ndash; seit 1990 noch nie so hoch wie 2011. <\/p><p>Ma&szlig;geblich daf&uuml;r sind die gestiegenen Strom-, Gas- und Kraftstoffpreise. Aus den BMWi-Zahlen geht auch hervor, dass die volkswirtschaftliche Kostenbelastung f&uuml;r die Bereitstellung der Prim&auml;renergie 2011 mit ca. 124 Mrd. Euro einen neuen H&ouml;chststand erreicht hat, der selbst den bisherigen Rekordwert des Jahres 2008 &uuml;bertrifft. Zu erwarten w&auml;re eigentlich eine breite und heftige &ouml;ffentliche Debatte wie man die Energiepreise besser in den Griff bekommen und ihre sozialen Folgen abfedern kann. Nicht so in Deutschland. Hier hat sich nicht nur die Bundesregierung eine &bdquo;Energiewende&ldquo; auf die Fahne geschrieben, bei der soziale Aspekte anscheinend nur st&ouml;rende Nebenger&auml;usche sind und ausgeblendet werden. Au&szlig;erdem will man sich als Exportweltmeister nicht beschweren, wenn in bestimmten Bereichen auch einmal die Importrechnung explodiert.<\/p><p><strong>Mitverantwortung der Politik f&uuml;r die steigenden Energiepreise.<\/strong><\/p><p>Die &ouml;ffentliche und ver&ouml;ffentlichte Meinung macht f&uuml;r steigende Energiepreise seit je weniger die Politik als wahlweise die b&ouml;sen &bdquo;Energiekonzerne&ldquo;, die &bdquo;&Ouml;lscheichs&ldquo; oder die anonymen &bdquo;globalen Energiem&auml;rkte&ldquo; verantwortlich, mitunter sicher zu Recht. Doch gibt es nicht seit Jahrzehnten eine Energiepolitik, die unter anderem eben solchen Herausforderungen begegnen und auf f&uuml;r alle bezahlbare Energiepreise hinwirken soll? Lange Zeit hat sie das mit gewissem Erfolg auch getan. Doch in den letzten Jahren sind in der deutschen Energiepolitik die Ziele der Preisg&uuml;nstigkeit und auch der Sicherheit der Energieversorgung in den Hintergrund getreten, umwelt- und klimapolitische Ziele sind in den Vordergrund ger&uuml;ckt. Dadurch hat die Energiepolitik den Marktpreisentwicklungen weniger entgegengewirkt, sie ist z.T. selbst ein Preistreiber geworden. Die im Strompreis enthaltenen Steuern, Abgaben und Umlagen haben sich seit 1998 um rd. 180% erh&ouml;ht, dies bei einer nominal um 47% (real etwa  20%) h&ouml;heren  Stromrechnung.  Dadurch erreicht der durchschnittliche Staatsanteil an der Stromrechnung privater Haushalte, der 1998 noch bei rd. 25% lag und dann bis 2002 und ebenso 2005 auf 40% gestiegen ist, 2011 nun schon 45% (Angaben des Bundesverbandes der Elektrizit&auml;ts- und Wasserwirtschaft).  F&uuml;r die im Strompreis abgedeckten staatlichen Regelungen (Stromsteuer, EEG-Umlage zur F&ouml;rderung der erneuerbaren Energien, KWK-Umlage zur F&ouml;rderung der Kraft-W&auml;rme-Kopplung, Aufschl&auml;ge f&uuml;r Konzessionsabgaben, eingepreist werden zudem die staatlich regulierten Netzentgelte, die Kosten f&uuml;r Emissionszertifikate und die Brennelementsteuer, obendrauf kommt noch die Mehrwertsteuer) hat es gewiss gute energie- und umweltpolitische Gr&uuml;nde gegeben. Doch es wird immer problematisch, wenn die Politik zu einseitig bestimmte Zielsetzungen verfolgt und nicht mehr auf die soziale Balance achtet. Mit der Energiewende der schwarz-gelben Bundesregierung hat sich diese unsoziale Tendenz erheblich beschleunigt. Die Folgen werden nun allm&auml;hlich sichtbar. Und es ist Zeit, auch die Ursachen zu benennen.<\/p><p>Man kann, wie der Autor dieser Zeilen, die Zielrichtung der Energiewende (Ausbau der erneuerbaren Energien, Steigerung der Energieeffizienz, Atomausstieg, neue saubere und klimafreundlichere Energietechnologien etc.) in gro&szlig;en Teilen guthei&szlig;en. Jedoch erscheint der eingeschlagene Weg dorthin kritikw&uuml;rdig, die soziale Schlagseite ist un&uuml;bersehbar. Zum einen ist die Energiewende selbst mit betr&auml;chtlichen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden. Oder, wie die Bundesregierung selbst sagt, es gibt sie nicht zum &bdquo;Nulltarif&ldquo;, sie werde sich aber langfristig auszahlen und stelle insofern eine Investition in die Zukunft dar. Doch das ist noch Zukunftsmusik, diese Investition muss vorfinanziert werden. Schon von daher stellt sich die Frage nach einer sozial gerechten Lastenverteilung, zumal die Bundesregierung selbst von einer &bdquo;gesamtgesellschaftlichen Aufgabe&ldquo; oder einem &bdquo;Gemeinschaftswerk&ldquo; (Ethik-Kommission) spricht. Zum anderen tut die deutsche Energiepolitik im Zuge der Energiewende wenig, um den steigenden internationalen Marktpreisen f&uuml;r Energie entgegenzuwirken bzw. diese sozial abzufedern. Beides w&auml;re ihre Aufgabe, denn sie hat sich mit ihrem Energiekonzept von 2010 und der Beschleunigung der Energiewende nach Fukushima 2011 selber auf die Fahnen geschrieben, unser Energiesystem nach politischen Vorgaben und Planzielen umzubauen. Wie das mit den vermeintlich marktwirtschaftlichen Grunds&auml;tzen der Koalitionsparteien vereinbar sein soll, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Aber zu ihrer energiepolitischen Aufgabe geh&ouml;rt auch die Gew&auml;hrleistung der Sozialvertr&auml;glichkeit.<\/p><p>Rein deklaratorisch werden bezahlbare Energiepreise auch von der Bundesregierung als Ziel stets genannt. In einem &Uuml;berblick zum Energiekonzept vom Januar 2012 auf &bdquo;Regierung online&ldquo; wird versichert, dass mit dem Energiekonzept nicht nur &bdquo;die Klimaschutzziele konsequent in die Tat umgesetzt&ldquo; w&uuml;rden. Es werde auch &bdquo;sichergestellt, dass sich der Wohlstand weiter entwickeln kann und unsere soziale Sicherheit erhalten bleibt, Arbeitspl&auml;tze langfristig gesichert werden und Energie in Deutschland zuverl&auml;ssig und bezahlbar bleibt &ndash; f&uuml;r den Einzelnen wie auch f&uuml;r Unternehmen&ldquo;. An diesen vollmundigen Versprechungen darf man die Bundesregierung nunmehr messen. Insbesondere das Versprechen  der Bezahlbarkeit hat sich f&uuml;r manche &auml;rmere Haushalte bereits als Hohn erwiesen (siehe oben). &Auml;hnliches gilt f&uuml;r manches energieintensive Unternehmen und dessen Besch&auml;ftigten, deren Sorgen um die Wettbewerbsf&auml;higkeit keineswegs nur Industriepropaganda sind. Und auch die Zuverl&auml;ssigkeit der Stromversorgung stand in den letzten Monaten in Teilen unseres Landes mehrfach auf des Messers Schneide, eine m&ouml;glicherweise noch gravierendere Bedrohung f&uuml;r die Daseinsvorsorge aller B&uuml;rger.<br>\nWas Kosten, Lasten und soziale Aspekte betrifft, enth&auml;lt das Energiekonzept der Bundesregierung keinerlei Zielvorgaben. Konkret und quantifiziert vorgegeben sind nur sehr ambitionierte und langfristig angelegte klima- und umweltpolitische Zielsetzungen:  CO2-Verringerung gegen&uuml;ber 1990 um mindestens 80% bis 2050 und schon um 40% bis 2020 (bisher erreicht 24% ), Verminderung des Energieverbrauchs ab 2008 um 50% bis 2050 und schon um 20% bis 2020 (bisher erreicht 1%), Ausbau des Anteils erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung (derzeit 20%) auf 80% bis 2050 und schon auf 35% in 2020 etc. Derartige Ziele glaubt oder behauptet die Politik fest ansteuern zu k&ouml;nnen, und sie hat das Tempo dazu im Vorjahr beschleunigt. F&uuml;r die Preis- und Kostenbelastung der B&uuml;rgern gibt es vergleichbare Zielsetzungen nicht (ebenso wenig wie es diese in anderen Politikbereichen gibt &ndash; warum werden z.B.  quantifizierte CO2-Minderungsziele gesetzt, niemals aber quantifizierte Minderungsziele f&uuml;r Armut und Arbeitslosigkeit?). Es gibt in der deutschen Energiepolitik auch keine sozialen Ausgleichsma&szlig;nahmen f&uuml;r Energieverbraucher, ebenso wenig gibt es in der deutschen Sozialpolitik ausgleichende Ma&szlig;nahmen f&uuml;r steigende Energiepreise. <\/p><p>Exemplarisch daf&uuml;r ist der Umgang mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das EEG hat ma&szlig;geblich die Expansion der erneuerbaren Energien in der deutschen Stromerzeugung auf einen Anteil von nun fast 20% bewirkt und war f&uuml;r die Anschubphase sehr n&uuml;tzlich, was von der deutschen Politik partei&uuml;bergreifend gefeiert wird. Doch das EEG hat die zunehmenden Kosten dieser F&ouml;rderpolitik allen Stromverbrauchern ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit aufgeb&uuml;rdet, denn die Verbraucher haben &uuml;ber eine Umlage auf den Strompreis (deren Anteil seit 2000 von 1,5% auf 15% gestiegen ist) die sog. Differenzkosten bzw. das Subventions&auml;quivalent zu finanzieren. Dieses erreicht in der Summe inzwischen rd. 13 Mrd. Euro (zum Vergleich: 2005 waren es noch 3 Mrd. Euro). Ein hochgradig regressiver Ansatz, der eigentlich allen auf sozialen Ausgleich bedachten Politikern  die Haare zu Berge stehen lassen m&uuml;sste. F&uuml;r den Bundesumweltminister (und CDU-Landesvorsitzenden in NRW) Norbert R&ouml;ttgen kein f&uuml;r ihn relevantes Thema, wie sein SPIEGEL-Interview vom 5.3.2012 zeigt. Frage des SPIEGEL: &bdquo;Sie glauben, auch die Hartz IV-Familie sei gerne dazu bereit, 120 Euro im Jahr in den Ausbau der Energieversorgung unseres Landes zu investieren?&ldquo; Antwort R&ouml;ttgen: &bdquo; Das wei&szlig; ich nicht. Stromkosten f&uuml;r Hartz IV-Empf&auml;nger sind aber ein v&ouml;llig anderes Thema, das nicht in diesen Zusammenhang geh&ouml;rt. Das EEG ist kein Instrument der Sozialpolitik.&ldquo; <\/p><p>Die Tendenz der steigenden EEG-Umlage und damit &uuml;ber den Strompreis finanzierter Subventionen wird sich voraussichtlich auch in den n&auml;chsten Jahren noch fortsetzen, schon bald sind Differenzkosten von 20 Mrd. Euro zu erwarten. Nach den auf recht optimistischen basierenden  Annahmen Szenarioprognosen des BMU erfordert der Ausbau der erneuerbaren Energien &uuml;ber das EEG strompreisgest&uuml;tzte Subventionen bis mindestens 2027, also noch 15 Jahre und mehr. Der R&uuml;ckgang des Subventionsbedarfs f&uuml;r die erneuerbaren Energien resultiert dann aber nicht in sinkenden Strompreisen, sondern nur aus einer sich verringernden Differenz zwischen den Kosten f&uuml;r regenerativen Strom zu den steigenden Kosten konventioneller Stromerzeugung. <\/p><p>Der L&ouml;wenanteil der &uuml;ber das EEG von den Stromverbrauchern zwangsweise gew&auml;hrten Subventionen entf&auml;llt mittlerweile auf den Solarstrom (2011 fast 7,5 Mrd. Euro), der in unseren Breitengraden teuersten, energetisch nur an besonders sonnenreichen Standorten wirklich sinnvollen Form der Stromerzeugung. Solarstrom tr&auml;gt trotz dieser enormen Subventionen und eines gewaltigen Zubaus der Kapazit&auml;ten gerade in den letzten beiden Jahren immer noch weniger zur regenerativen Stromversorgung bei als Wind- und Wasserkraft oder die &ndash; unter Nachhaltigkeitsaspekten allerdings auch nicht unbedenkliche &ndash; Biomasse- und Biogasverstromung. Die j&uuml;ngst beschlossenen Kappungen der Solarstromverg&uuml;tungen begrenzen den weiteren Zuwachs dieser Subventionen, &auml;ndern aber nichts daran, dass gem&auml;&szlig; den Bestandsschutzregelungen f&uuml;r die bisherigen Anlagenbetreiber f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre Anspr&uuml;che von rd. 120 Mrd. Euro entstanden sind. Ein Betrag, der  beinahe die Dimension der Ma&szlig;nahmen zur Bankenrettung oder der Rettungspakete f&uuml;r Griechenland erreicht. Diese sog. &bdquo;Solarschulden&ldquo; sind nach Gesetzeslage in jedem Fall weiterhin von den Stromverbrauchern zu finanzieren. Sieht man von dem gr&uuml;nen Anstrich einmal ab, bedeuten sie &ouml;konomisch einen Verm&ouml;genstransfer von der Allgemeinheit  der Stromverbraucher einschlie&szlig;lich der Kleinverbraucher und einkommensschwacher Haushalten hin zu den Solaranlagenbesitzern, d.h. zu den meist gutsituierten Haus- und Grundbesitzern, die ihre Hausd&auml;cher und Freifl&auml;chen mit Fotovoltaik-Modulen best&uuml;cken konnten, oder finanzkr&auml;ftigen Unternehmen, die ganze Solarparks betreiben k&ouml;nnen. Kurzum eine Umverteilung von &bdquo;arm&ldquo; zu &bdquo;reich&ldquo;, die relativ risikolose Zuverdienste (im &ouml;konomische Jargon: kapitalbedingte &bdquo;Renten&ldquo;) f&uuml;r Teile  des Besitzb&uuml;rgertums, der Landwirtschaft und privaten Unternehmen erm&ouml;glicht. Dies erkl&auml;rt sicherlich z.T. den gro&szlig;en &bdquo;Erfolg&ldquo; des EEG auch in konservativen politischen Kreisen.<\/p><p>&Uuml;berdies hat das EEG inzwischen eine so gro&szlig;e Finanzmasse generiert, dass es auch zu besonderen regionalen Interessenlagen und einer Art zus&auml;tzlichem L&auml;nderfinanzausgleich nicht zuletzt zugunsten unionsregierter Bundesl&auml;nder gekommen ist. So weisen die EEG-Zahlungssalden nach Bundesl&auml;ndern f&uuml;r 2011 einen Nettozufluss von mehr als einer Milliarde Euro nach Bayern aus. Vor allem die bayerische Landwirtschaft profitiert massiv von der F&ouml;rderung von Solar- und Biostrom. Zu den &bdquo;Gewinnern&ldquo; z&auml;hlen auch die windreichen Nordl&auml;nder wie etwa Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Gro&szlig;er &bdquo;Verlierer&ldquo; bei diesen Zahlungsstr&ouml;men ist demgegen&uuml;ber das rot-gr&uuml;n regierte Nordrhein-Westfalen, das einen Nettoabfluss von rd. zwei Milliarden Euro verzeichnet. Politische Diskussionen &uuml;ber diese Tatbest&auml;nde finden zwar bisweilen auf Fachebene, aber nicht &ouml;ffentlich statt, weil keine Partei am EEG zu r&uuml;tteln wagt.<\/p><p>Die Gesamtheit der Stromverbraucher muss indessen nicht nur die Mehrkosten f&uuml;r den Ausbau der erneuerbaren Energien tragen. F&uuml;r die Bundesregierung ist klar: Die Energiewende insgesamt muss weitgehend von den Verbrauchern &uuml;ber die Energie- und Strompreise bezahlt werden. Aus den &ouml;ffentlichen Haushalten werden nur bestimmte F&ouml;rdermittel f&uuml;r Forschung und Entwicklung, in begrenztem Umfang Steuererleichterungen f&uuml;r die Geb&auml;udesanierung sowie einige Sonderprogramme finanziert. Daneben gibt es noch ein paar staatlich verb&uuml;rgte KfW-Kredite zur Flankierung einiger Investitionen im Energiebereich sowie Zusch&uuml;sse aus dem als Nebenhaushalt errichteten Energie- und Klimafonds, der sich k&uuml;nftig aus den Erl&ouml;sen der Versteigerung von CO2-Emissionszertifikaten an die Energiewirtschaft speisen soll. Die Zertifikatekosten werden nat&uuml;rlich von den Stromversorgern eingepreist, sie k&ouml;nnen betriebswirtschaftlich gar nicht anders handeln, und somit letztlich wieder weitgehend &uuml;ber den Strompreis finanziert. Gleiches gilt f&uuml;r die Mehrkosten des erforderlichen gigantischen Netzausbaus, die &uuml;ber die Netzentgelte in den Strompreis eingehen, die k&uuml;nftig erforderlichen zus&auml;tzlichen Speicherkapazit&auml;ten oder f&uuml;r die w&auml;hrend der Restnutzung der Kernenergie in Deutschland bis 2022 erhobenen Brennelementesteuer und die f&auml;lligen Sonderabschreibungen der vorzeitig stillgelegten Kernkraftwerke. Durch den Strompreis  zu decken sind ebenso die Kosten f&uuml;r die Modernisierung oder den Neubau konventioneller Kraftwerke f&uuml;r deren Rolle als Br&uuml;ckentechnologie. Letztlich m&uuml;ssen im Strompreis auch deren betrieblichen Leerkosten bei zunehmender Unterauslastung infolge des Vorrangs der Erneuerbaren ausgeglichen werden. &Uuml;ber die Netzentgelte im Strompreis finanziert werden sollen zur Stabilisierung des zunehmend schwankenden Stromsystems sogar finanzielle Kompensationsma&szlig;nahmen bei Abschaltungen der Versorgung von Industriebetrieben, die daf&uuml;r gem&auml;&szlig; der von der Bundesregierung k&uuml;rzlich vorgesehenen Abschaltverordnung Vereinbarungen mit hinreichend attraktiven Verg&uuml;tungen erhalten sollen. Demnach w&uuml;rde als Folge der Energiewende in Deutschland k&uuml;nftig industrielle Nichtproduktion subventioniert &ndash; vom Stromverbraucher.<\/p><p>Die Gr&ouml;&szlig;enordnungen, die f&uuml;r alle diese Ma&szlig;nahmen relevant sind und werden, lassen sich insgesamt nur schwer absch&auml;tzen. Als Untergrenze kann man sich jedoch an den Szenarien f&uuml;r das Energiekonzept der Bundesregierung orientieren. Diesen Szenarien zufolge geht es beim planm&auml;&szlig;igen Umbau unserer Energieversorgung bis 2050 um ein Investitionsvolumen von real rd. 600-800 Mrd. Euro, grob gerechnet j&auml;hrlich also um eine Traglast von rd. 15-20 Mrd. Euro pro Jahr, die gr&ouml;&szlig;tenteils von den deutschen Energieverbraucher zu schultern ist und das unentwegt 40 Jahre lang. Die Frage, wie diese Last verteilt wird bzw. ob die bisherige Lastenverteilung fortgef&uuml;hrt wird, beantworten die Energieszenarien nicht.<\/p><p><strong>Fragw&uuml;rdige Pr&auml;missen der Energiewende<\/strong><\/p><p>Da das Energiekonzept auf &bdquo;Grundvoraussetzungen&ldquo; bzw. Annahmen beruht, die aus heutiger Sicht &bdquo;sehr ambitioniert&ldquo; bis waghalsig erscheinen d&uuml;rfte der vorgenannte Kostenvoranschlag wie bei vielen anderen Gro&szlig;projekten zu niedrig sein. Erstaunlich ist dabei, wie wenig diese Annahmen seinerzeit &ouml;ffentlich diskutiert worden sind und dass sie jetzt, wo es ja nur noch um die &bdquo;Umsetzung&ldquo; der Energiewende geht, anscheinend gar nicht mehr hinterfragt werden. <\/p><p>Die dem Energiekonzept 2010 zugrunde gelegten Energieszenarien, die &ndash; was schon fragw&uuml;rdig genug war &ndash; von den politisch gew&uuml;nschten Ergebnissen als Pr&auml;misse ausgegangen sind bzw. diese ohne jede weitere Abw&auml;gung mit anderen Zielen als gesetzt unterstellt haben, bescheinigen der Energiewende zwar gesamtwirtschaftlich positive Effekte, zun&auml;chst mit, dann auch ohne l&auml;ngerfristige Nutzung der Kernenergie. Als &bdquo;Grundvoraussetzung&ldquo;  dieser Wunschszenarien schlichtweg unterstellt worden sind dabei jedoch z.B. die Realisierung bestimmter technologische Innovationen (etwa bei Speicher- oder Effizienztechnologien), die heute noch gar nicht absehbar sind. Einfach angenommen worden sind auch die L&ouml;sung aller Akzeptanz- wie auch Finanzierungsprobleme f&uuml;r die inl&auml;ndischen Investitionen. Vorausgesetzt wurden ferner 40 Jahre anhaltend stabile internationale Rahmenbedingungen einschlie&szlig;lich Preisstabilit&auml;t und Versorgungssicherheit bei allen Energieimporten (k&uuml;nftig auch Stromimporten), was schon nach einem Jahr mehr als zweifelhaft erscheint. Zu den angenommenen internationalen Rahmenbedingungen geh&ouml;ren des Weiteren ein ab 2020 vollst&auml;ndig integrierter europ&auml;ischer Strommarkt, in dem u. a. alle Transit- und Vernetzungshindernisse &uuml;berwunden sind, sowie der Abschluss eines v&ouml;lkerrechtlich verbindlichen weltweiten Klimaabkommens. Beides ist nicht in Sicht. W&uuml;nschenswerte Zukunftsergebnisse offener politischer Prozesse werden hier als Pr&auml;missen eines Energiekonzepts der Gegenwart benutzt. Das ist &ndash; freundlich ausgedr&uuml;ckt &ndash; hochspekulativ. In (neo)liberal-konservativen Kreisen wird gegen linke Utopien gern das &bdquo;Pippi-Langstrumpf-Prinzip&ldquo;  bem&uuml;ht: Mach Dir die Welt, wie sie Dir gef&auml;llt! Genau diesem Motto folgt aber die Energiewende der schwarzgelben Bundesregierung in vielerlei Hinsicht. F&uuml;r Risiken und Nebenwirkungen haften diesbez&uuml;glich vor allem die Verbraucher. <\/p><p>&Uuml;ber einige der Nebenwirkungen steht sogar etwas im &bdquo;Beipackzettel&ldquo;, n&auml;mlich in den Unterergebnissen der Energieszenarien. Von der &Ouml;ffentlichkeit seinerzeit fast &uuml;berhaupt nicht zur Kenntnis genommen wurde, dass die vorhergesagten positiven Wachstums- und Besch&auml;ftigungseffekte der Energiewende &agrave; la Bundesregierung nicht nur recht schmal sind, sondern auch auf dem Vergleich mit einem Referenzszenario beruhen, das f&uuml;r Deutschland relativ schwache Wirtschaftswachstumsraten von unter 1% p.a. unterstellt hat, und das kontinuierlich bis 2050. (Etwaige Konjunktur- und Finanzkrisen und ihre Auswirkungen sind aus der Betrachtung ganz ausgeblendet worden, obwohl im Vorjahr der Energieszenarien die schwerste Rezession der Nachkriegszeit herrschte.) Das von der Energiewende gem&auml;&szlig; den Energieszenarien zus&auml;tzlich generierte Wachstum beruht in erster Linie auf Investitionseffekten, wie sie sich bei jeder privaten Investitionswelle ergeben. Die Gewinne aus diesen Investitionen kommen demgem&auml;&szlig; vor allem den privaten Investoren zugute. Der private Konsum wird dagegen in den Energieszenarien gegen&uuml;ber dem Referenzszenario aufgrund geschm&auml;lerter Verbraucherbudgets durch erh&ouml;hte Energiekosten &ndash; jahrzehntelang! &ndash; gedrosselt. Dies wird von der Szenarienstudie selbst nicht thematisiert, aber es ist in ihr ablesbar. Nur wollte niemand dar&uuml;ber reden.<\/p><p>Kaum diskutiert worden ist auch ein anderer von der Energiepolitik zu verantwortender Konstruktionsfehler der Energiewende, der im Zusammenhang mit den steigenden Preisen und ihre sozialen Folgen enorme Auswirkungen hat. In Deutschland liegt der Fokus der Energiewende auf dem Umbau der Stromerzeugung. Hier soll nicht nur die Atomenergie, sondern l&auml;ngerfristig auch die relativ kosteng&uuml;nstige, aber f&uuml;r &bdquo;klimasch&auml;dlich&ldquo; erachtete Kohle aus dem Energiemix verdr&auml;ngt werden. Keine vergleichbaren energiepolitischen Anstrengungen werden in Bezug auf den Ersatz von Erd&ouml;l und Erdgas gemacht, die den Kraftstoffsektor sowie den W&auml;rmemarkt dominieren, aber in der Stromerzeugung hierzulande nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dabei decken Erd&ouml;l und Erdgas zusammen mehr als die H&auml;lfte unseres Energieverbrauchs und sie verursachen auch f&uuml;r mehr als die H&auml;lfte der CO2-Emissionen in Deutschland , eine echte Energiewende m&uuml;sste also zu einem gro&szlig;en Teil in diesen Segmenten des Energiemarktes stattfinden. Dar&uuml;ber hinaus ist Deutschland bei Erd&ouml;l und Erdgas fast vollst&auml;ndig von Importen abh&auml;ngig. Preis- und Lieferrisiken von Importen schlagen demzufolge bei der Erd&ouml;l- und Erdgasversorgung am st&auml;rksten durch. Gerade das erkl&auml;rt ja auch den j&uuml;ngsten starken Anstieg der Benzin- und Heizkosten. Zugleich sind Erd&ouml;l und Erdgas diejenigen Energietr&auml;ger, deren Vorr&auml;te weltweit am geringsten sind und die auch gemessen an den globalen Verbrauchsraten die geringste Reichweite haben, die also auch weltweit  zuerst ersetzt werden m&uuml;ssen. Beim konventionellen Erd&ouml;l gilt das globale F&ouml;rdermaximum (&bdquo;Peak Oil&ldquo;) inzwischen bereits als &uuml;berschritten. Nach Einsch&auml;tzung der Deutsche Rohstoff-Agentur ist auch unter Einbeziehung unkonventioneller Reserven sp&auml;testens 2030 mit globalen Engp&auml;ssen zurechnen. Eine erst 2011 ver&ouml;ffentlichte Studie des Transformationszentrums der Bundeswehr (!) sieht vor allem in einer knapper werdenden Erd&ouml;lversorgung ein &bdquo;systemisches Risiko&ldquo; f&uuml;r die westlichen Gesellschaften mit immensem internem und externem Konfliktpotenzial. <\/p><p>Demnach gab und gibt es gen&uuml;gend triftige Gr&uuml;nde, eine Energiewende st&auml;rker in diese Richtung &ndash; weg vom &Ouml;l &ndash; zu vollziehen und z.B. mit einer &ouml;kologischen Verkehrswende zu verkn&uuml;pfen oder die erneuerbaren Energien st&auml;rker in der W&auml;rmeversorgung auszubauen. Der schnellere Ausbau der Solarthermie w&auml;re dann ein sinnvollerer Ansatz (gewesen) als der der Ausbau von Solarstrom. Das w&uuml;rde allerdings f&uuml;r die Politik andere Interessenkonflikte bedeuten als mit der heterogenen, auch die sozial schw&auml;cheren Schichten einschlie&szlig;enden Gruppe der Stromverbraucher. Das gilt auch f&uuml;r alternative, sozial gerechtere Finanzierungsans&auml;tze f&uuml;r die Energiewende.<\/p><p><strong>Alternative Finanzierungsans&auml;tze<\/strong><\/p><p>Bei einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe bzw. einem &bdquo;Gemeinschaftswerk&ldquo; sollte man eigentlich davon ausgehen, dass die Lastenverteilung solidarisch erfolgt, dass die finanziell &bdquo;breiteren Schultern&ldquo; auch st&auml;rker belastet werden als die schmaleren. Das l&auml;sst sich politisch nur &uuml;ber das Steuer-\/Transfer-System gew&auml;hrleisten, dessen Aufkommen zudem deutlich progressiver als bisher gestaltet werden m&uuml;sste. Statt &uuml;ber Umlagen auf die Verbraucherpreise k&ouml;nnte dann eine sehr viel st&auml;rkere Finanzierung aus Haushalts- und somit Steuermitteln erfolgen. Die bisherigen EEG-Subventionen etwa sollten in den Bundeshaushalt aufgenommen werden. Dies erfordert eine Gegenfinanzierung insbesondere aus Erh&ouml;hungen progressiver Steuern, sei es bei der Einkommensteuer oder durch Einf&uuml;hrung einer  Verm&ouml;gensteuer, was jedoch f&uuml;r die kleinen und mittleren Einkommen im Saldo sogar eine Entlastung bedeuten kann. Selbst bei einer sachlich nahe liegenden Gegenfinanzierung durch Anhebung der Stromsteuer, mit der die Belastung der Stromverbraucher weitgehend nur buchm&auml;&szlig;ig ver&auml;ndern w&uuml;rde, k&ouml;nnten soziale Gesichtspunkte st&auml;rker ber&uuml;cksichtigt werden. Zugleich k&auml;men die Subventionen f&uuml;r erneuerbare Energien und andere Ma&szlig;nahmen der Energiewende wie andere Subventionen auch unter eine Haushaltskontrolle.<\/p><p>Eine Finanzierung aus Haushaltsmitteln &uuml;ber staatliche Zusch&uuml;sse oder Steuererleichterungen w&auml;re auch bei anderen Ma&szlig;nahmen der Energiewende angebracht. Im Allgemeininteresse gew&uuml;nschte Infrastrukturinvestitionen wie der Ausbau der Energienetze d&uuml;rfen nicht allein &uuml;ber Netzentgelte, die den Strompreisen zugeschlagen werden und damit wieder bei den Verbrauchern landen, refinanziert werden. Hier sind staatliche Zusch&uuml;sse, die mit den zul&auml;ssigen Preisaufschl&auml;gen f&uuml;r die Netzkosten zu verrechnen w&auml;ren, ebenso zu pr&uuml;fen wie f&uuml;r die zunehmend notwendige Vorhaltung von konventionellen Kraftwerken als Ausgleichs- und Reservekapazit&auml;ten. Bei der geplanten steuerlichen F&ouml;rderung der Geb&auml;udesanierung verfolgt die Bundesregierung im Grunde bereits den Weg der Subventionierung aus &ouml;ffentlichen Haushaltsmitteln, allerdings indirekt und vornehmlich zu Gunsten von Hauseigent&uuml;mern, aber zu Lasten der Mieter wie der L&auml;nderkassen. Auch hier w&auml;ren direkte Zusch&uuml;sse der sozialere und effizientere Weg. Als Alternative zu Investitionshilfen aus Haushaltsmitteln kommt, wie Sony Kapoor vorgeschlagen hat, auch ein &bdquo;Banken-Pakt&ldquo; in Betracht, der weitere Billigkredite der EZB auch an die Verwendung zur Finanzierung von Investitionen in die Energiewende kn&uuml;pft. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus sollt die staatliche F&ouml;rderung von Forschung und Entwicklung im Energiebereich sowohl inhaltlich als auch finanziell auf eine erheblich breitere Grundlage gestellt und mit zus&auml;tzlichen Mitteln flankiert werden. Zugleich sind andere energiepolitische Ma&szlig;nahmen erforderlich, die st&auml;rker als bislang auf eine Weg-vom-&Ouml;l-Politik zielen, in der Stromerzeugung die Br&uuml;ckenfunktion auch der Kohle st&auml;rken und in allen Bereichen des Energiesektors die Diversifikation neuer und erneuerbarer Technologien vorantreiben.<br>\nSteuerliche Entlastungen m&uuml;ssten dagegen viel eher bei der Strom- und Mineral&ouml;lsteuer, ggf. auch &uuml;ber die Mehrwertsteuer auf Energieprodukte erwogen werden, um zumindest vor&uuml;bergehend steigende Strom- und Energiepreise sozial auszugleichen. Wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung mit ihrem Steuerentlastungscredo ein Gemeinwohlziel verfolgen w&uuml;rde, h&auml;tte sie hier einen starken Hebel, der nicht nur Klientelinteressen bedient. Alle diese Ma&szlig;nahmen w&auml;ren haushaltswirksam und erfordern den Einsatz zus&auml;tzlicher staatlicher Mittel. Sie w&uuml;rden die Energiewende aber sozialvertr&auml;glicher machen, ohne zus&auml;tzliche volkswirtschaftliche Kosten zu verlangen. Auch in der Energiepolitik kommt es eben sehr auf die jeweilige Beantwortung der Verteilungsfragen an. Verschiedentlich vorgeschlagen worden ist schon ganz konkret, den seinerzeit f&uuml;r die Finanzierung des Aufbaus Ost eingef&uuml;hrten Solidarit&auml;tszuschlag zur Einkommen- und K&ouml;rperschaftssteuer (&bdquo;Soli&ldquo;) k&uuml;nftig in die Finanzierung des Gemeinschaftswerks Energiewende einschlie&szlig;lich der weiteren F&ouml;rderung der erneuerbaren Energien zu &uuml;berf&uuml;hren. Ein Vorschlag, der in die richtige Richtung zielt, sofern er nicht mit  Streichung wichtiger Staatsaufgaben und -ausgaben an anderer Stelle einherginge. <\/p><p>Will man die zu verteilenden Lasten der Energiewende insgesamt eingrenzen und d.h. ihre gesamtwirtschaftlichen Kosten reduzieren, w&auml;re au&szlig;erdem auch aus linker und gr&uuml;ner Perspektive zu fragen, ob die energiepolitischen Ziele nicht zu einseitig gesetzt sind, ob es nicht effizientere oder innovativere Ma&szlig;nahmen zur Umsetzung der jeweiligen Ziele gibt und ob nicht die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung und Spezialisierung besser genutzt werden k&ouml;nnten. Warum gibt es denn einen Europ&auml;ischen Binnenmarkt f&uuml;r Energie, wenn in diesem etwa Solarstrom nicht dort produziert wird, wo es die g&uuml;nstigsten Bedingungen daf&uuml;r gibt &ndash; in S&uuml;deuropa, also etwa in Griechenland, Portugal oder Spanien, wo nachhaltige Wachstumsprogramme sowieso bitter n&ouml;tig w&auml;ren. <\/p><p><em>* Der Autor ist langj&auml;hriger Freund und Unterst&uuml;tzer der NDS. Seinen politischen Standpunkt sieht er links von der Mitte. Er arbeitet als gelernter &Ouml;konom in der Energiewirtschaft und beobachtet die deutsche Energiepolitik seit vielen Jahren kritisch. Das gilt auch f&uuml;r die j&uuml;ngste &ldquo;Energiewende&rdquo;, deren Ziele er teilweise bef&uuml;rwortet, deren Lastenverteilung er aber f&uuml;r zunehmend unsozial h&auml;lt. Dr Beitrag gibt seine pers&ouml;nliche Auffassung wieder, die auch manchen im linken und gr&uuml;nen Lager nicht unbedingt gefallen mag. Doch seines Erachtens sind Denkanst&ouml;&szlig;e f&uuml;r eine nicht nur umwelt-, sondern auch sozialvertr&auml;gliche Energiepolitik auf allen Seiten &uuml;berf&auml;llig.<\/em><\/p><p><em><strong>Anmerkung WL:<\/strong> Wir haben diesen Text &uuml;bernommen, weil er auf ein Problem eingeht, das im Zusammenhang mit der Energiewende viel zu wenig &ouml;ffentlich wahrgenommen und diskutiert wird: Auch die Verteilungswirkungen von energiepolitischen Entscheidungen sollten Gegenstand kritischer Auseinandersetzung in der &Ouml;ffentlichkeit sein. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, welche Belastungen der Energiewende wer zu tragen hat und dass bestimmte Ma&szlig;nahmen einkommensbenachteiligte Gruppen in besonderer Weise treffen. Wichtig w&auml;re dabei vor allem auch &uuml;ber wirksame Strategien nachzudenken, deren Durchsetzung sozial unerw&uuml;nschte Verteilungswirkungen vermeiden k&ouml;nnten.<\/em><\/p><p><em>Die vom Autor aufgef&uuml;hrten Daten und Fakten sind kaum bestreitbar, allerdings sind einige durchaus berechtigte Zuspitzungen zu relativieren: So hei&szlig;t es im Text, &bdquo;dass er Anteil der Energiekosten am durchschnittlichen Nettoeinkommen &ndash; gemessen an der relativen Belastung eines 4-Personen-Musterhaushalts &ndash; sei 1990 noch nie so hoch wie 2011.&ldquo; Es ist durchaus richtig und beklagenswert, dass Haushalte, die von Hartz IV leben m&uuml;ssen, besonders hart getroffen werden und es w&auml;re wichtig, dies bei den Transferleistungen zu ber&uuml;cksichtigen, aber Tatsache ist auch, dass der Anteil aller Ausgaben privater Haushalte f&uuml;r Energie an den gesamten privaten Konsumausgaben 1996 bei 6,4%, 2005 bei 7%, 2008 bei 7,9% lag, durch krisenbedingten Preisverfall ist der Anteil 2009 auf 7,2% gefallen und 2010 wieder auf 7,5% gestiegen (Vgl. Tabelle <a href=\"\/upload\/xls\/120313_excel_tabelle_energiekosten-private-haushaltepropertyblobbereichbmwisprachederwbtrue.xls\">Excel Tabelle [xls &ndash; 61.5 KB]<\/a>)<br>\nDer Autor hat offenbar eine positive Einsch&auml;tzung gegen&uuml;ber der (deutschen) Kohle, im Gegensatz zur Subventionierung der erneuerbaren Energien scheinen ihm die milliardenschweren &bdquo;Kohlehilfen&ldquo; keine Kopfschmerzen zu bereiten.<\/em> <\/p><p><em>Der Autor beklagt &ndash; nicht zu Unrecht &ndash; die hohen Steuern, Abgaben und Umlagen, die ohne Sozialausgleich die Stromverbraucher alle gleich treffen, er thematisiert allerdings nicht die preistreibenden Effekte auf der Seite der Stromproduzenten und der energieintensiven Wirtschaft, als da w&auml;ren:<\/em><\/p><ul>\n<li><em>die Differentialrenten der Betreiber von alten abgeschriebenen Kraftwerken bei Preissteigerungen infolge der Ann&auml;herung an Kapazit&auml;tsgrenzen, wobei diese Preiseffekte als notwendig angesehen werden, um den Bau neuer Kraftwerke zu initiieren<\/em><\/li>\n<li><em>Windfall-Profite infolge der weitgehend kostenfreien Zuteilung von Emissionsrechten an Betreiber von Alt-Kraftwerken<\/em><\/li>\n<li><em>die weitgehende Befreiung der &sbquo;energieintensiven&lsquo; Industrie von der EEG-Umlage<\/em><\/li>\n<li><em>und ganz aktuell seit einigen Monaten: die nahezu komplette Befreiung der Industrie von Netznutzungsentgelten zu Lasten der &uuml;brigen Netzkunden.<\/em><\/li>\n<\/ul><p><em>Es ist ja eine alte Forderung der Energiewirtschaft und auch etwa der Autolobby, die seit Jahren jede Energiepreissteigerung mit ihrer Propaganda nach Absenkung der Energie-Steuerbelastung begleiten. Man m&uuml;sste dann aber auch gleichzeitig sagen, wie man durch eine konsequente Wettbewerbspolitik bei den Mineral&ouml;lkonzernen und bei den vier gro&szlig;en Kraftwerksbetreibern verhindert, dass diese &bdquo;Monopole&ldquo; die dadurch er&ouml;ffneten Spielr&auml;ume nicht f&uuml;r weitere Preisanhebungen ausnutzten.<\/em><\/p><p><em>Man m&uuml;sste auch eine Antwort darauf geben, wie ohne Preissignale Energieeffizienz und die Substitution von unerw&uuml;nschten Energietr&auml;gern zu erneuerbaren Energien vorangetrieben werden k&ouml;nnten.<\/em><\/p><p><em>Die &Uuml;bernahme der EEG-Umlage und von anderen Energie-&bdquo;Abgaben&ldquo; in das Steuersystem scheint mir jedenfalls kein zielf&uuml;hrender Weg in eine Energiewende zu sein. Schon deshalb nicht, weil im Rahmen der &bdquo;Schuldenbremse&ldquo; die Energiewende &uuml;berwiegend auf Kosten eines weiteren Sozialabbaus vorangetrieben w&uuml;rde. Statt &bdquo;Energie-Armut&ldquo; g&auml;be es dann eben noch mehr allgemeine Armut.<\/em><\/p><p><em>Aber richtig bleibt, dass man auf Strategien dr&auml;ngen muss, mit denen einkommensschwache Haushalte bei der Verminderung ihres Energiekonsums mittels Effizienztechnik und beim Umstieg auf Erneuerbare (z.B. wg. ggfs. steigender Kaltmiete bei entspr. Investitionen) unterst&uuml;tzt werden. Die bisherigen Ma&szlig;nahmen in diesen Bereichen waren sicherlich unzureichend.<\/em><\/p><p><em>Meine Anmerkungen speisen sich aus einem Austausch mit einem mir vertrauten Energieexperten, der aufgrund seiner beruflichen Stellung gleichfalls nicht genannt werden m&ouml;chte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Energiepreise steigen und steigen. In der Folge breitet sich auch in Deutschland allm&auml;hlich das Ph&auml;nomen der Energiearmut aus. F&uuml;r die deutsche Politik, zumal die Bundesregierung, ist das aber kein Thema, mit dem sie sich &ouml;ffentlich auseinandersetzen m&ouml;chte. Dann m&uuml;sste sie n&auml;mlich ihre soziale Verantwortung f&uuml;r diese Tendenzen einr&auml;umen und auch die Schattenseiten ihrer Energiewende<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12528\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[164,137,150],"tags":[492],"class_list":["post-12528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energiewende","category-steuern-und-abgaben","category-verbraucherschutz","tag-eeg"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12528"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24860,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12528\/revisions\/24860"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}