{"id":125472,"date":"2024-12-01T12:00:03","date_gmt":"2024-12-01T11:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125472"},"modified":"2024-12-02T09:33:28","modified_gmt":"2024-12-02T08:33:28","slug":"weder-mexiko-noch-china-die-usa-sind-der-groesste-geldwaescher-im-drogenhandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125472","title":{"rendered":"Weder Mexiko noch China: Die USA sind der gr\u00f6\u00dfte Geldw\u00e4scher im Drogenhandel"},"content":{"rendered":"<p>Das US-Justizministerium (DOJ) berichtete im Juni gro&szlig;, es habe eng mit Mexiko und China zusammengearbeitet, um fl&uuml;chtige Personen festzunehmen, die in einen Geldw&auml;schering verwickelt waren. Daran seien eine in Kalifornien ans&auml;ssige Geldtransfergruppe und chinesische Untergrundbanken beteiligt gewesen, um gro&szlig;e Mengen von Drogenerl&ouml;sen des Sinaloa-Kartells einzusammeln und zu verarbeiten. Doch 2021 r&auml;umte US-Finanzministerin Yellen ein, dass die USA der beste Ort seien, um illegal erworbene Gewinne zu verstecken und zu waschen. Eine zentrale Rolle soll dabei auch die Deutsche Bank spielen. Von <strong>&Aacute;lvaro Verzi Rangel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNach Angaben des Justizministeriums hat das mexikanische Sinaloa-Kartell 50 Millionen US-Dollar &uuml;ber ein mit China verbundenes Netzwerk gewaschen. Eine mehrj&auml;hrige Untersuchung mit dem Namen &bdquo;Operation Fortune Runner&rdquo; habe zur Anklageerhebung gegen 24 Angeklagte gef&uuml;hrt, die als Mitglieder des Sinaloa-Kartells in Los Angeles identifiziert worden seien, so das DOJ.<\/p><p>Fentanyl ist zu einem weiteren Schlachtfeld zwischen den USA und Mexiko sowie im Inland geworden, wobei die Republikaner Fentanyl als Waffe im Krieg gegen die Grenzpolitik der Regierung Joe Bidens oder den Umgang mit der steigenden Kriminalit&auml;t in den Gro&szlig;st&auml;dten einsetzen, wo eher die Demokraten gew&auml;hlt werden.<\/p><p>Offiziellen Zahlen zufolge starben im Jahr 2023 in den USA 101.770 Menschen an einer &Uuml;berdosis: 59,19 Prozent von ihnen durch die Einnahme von Fentanyl.<\/p><p>Wie die USA s&uuml;chtig nach Fentanyl wurden, ist eine klassische Geschichte von Wirtschaft, Angebot und Schaffung von Nachfrage, die Mitte der 1990er-Jahre begann, als Pharmaunternehmen wie Purdue aggressiv die Regeln des medizinischen Marketings &auml;nderten, um Arztpraxen und Arzneischr&auml;nke im ganzen Land mit neuartigen Pillen namens Oxycontin zu &uuml;berschwemmen.<\/p><p>Sie w&uuml;rden nicht nur den Schmerz ein f&uuml;r alle Mal beenden, sondern auch nicht s&uuml;chtig machen, hie&szlig; es. Als dieses sensationelle Angebot auslief, ging ein Heer von S&uuml;chtigen auf der Suche nach Heroin auf die Stra&szlig;e, das billiger und gef&auml;hrlicher ist. Die Opioid-Epidemie war bereits eine beispiellose Krise, als eine m&auml;chtige Droge auf den Markt kam, von der au&szlig;erhalb eines Operationssaals kaum jemand je etwas geh&ouml;rt hatte: Fentanyl, das alle bisherigen Gewohnheiten hinwegfegte.<\/p><p>Der Vater von Fentanyl, das wirksamer und billiger als Morphium ist, ist ein belgischer Chemiker namens Paul Janssen. Seine Erfindung wurde erstmals in der Herzchirurgie eingesetzt und revolutionierte die Medizin. Im Jahr 1985 er&ouml;ffnete Janssen in China das erste westliche Labor zur Herstellung von Fentanyl. Das US-Justizministerium ben&ouml;tigte mit der &bdquo;Operation Fortune Runner&rdquo; nach eigenen Angaben jahrelange Nachforschungen und umfangreiche internationale Kooperationsbem&uuml;hungen, um dieses Vorhaben aufzudecken und &ndash; angeblich &ndash; zu durchkreuzen.<\/p><p>Wenn das stimmt, w&auml;re dies eine der gr&ouml;&szlig;ten Verschwendungen &ouml;ffentlicher Gelder durch Washington. Denn Tausende von Arbeitsstunden w&auml;ren damit verbracht worden, Ressourcen aufzusp&uuml;ren, die dem entsprechen, was Drogenh&auml;ndler in wenigen Minuten im US-Bankensystem bewegen&nbsp;&#8210; so ein Leitartikel in der mexikanischen Tageszeitung <em>La Jornada<\/em>.<\/p><p>Was die USA mit ihrem Bericht wirklich offenbaren, ist weder die Macht des mexikanischen organisierten Verbrechens noch die angebliche Verwicklung chinesischer Pers&ouml;nlichkeiten in den Schmuggel von Fentanyl und seinen Vorl&auml;ufersubstanzen, sondern die Heuchelei, die Washingtons Anti-Drogen-Politik bestimmt. Nach Angaben des Tax Justice Network sind die USA die gr&ouml;&szlig;te Steueroase der Welt.<\/p><p>Bereits im Dezember 2021 r&auml;umte Finanzministerin Janet Yellen ein, dass die USA der beste Ort sind, um unrechtm&auml;&szlig;ig erworbene Gewinne zu verstecken und zu waschen, und zwar &bdquo;aufgrund der Art und Weise, wie wir es den Leuten erlauben, Scheinfirmen zu gr&uuml;nden, ohne offenzulegen, wer der wirkliche Eigent&uuml;mer ist&rdquo;. So sind beispielsweise im Bundesstaat Delaware 1,3 Millionen Unternehmen registriert, das sind mehr als die Einwohnerzahl des Staates (1,18 Millionen).<\/p><p>Ebenso sind die 50 Millionen Dollar des vom DOJ verfolgten gro&szlig;en Plans l&auml;cherlich im Vergleich zu den Betr&auml;gen, die sich in den USA und anderen westlichen Banken bewegen, vor den Augen aller und ohne dass jemand die Kriminellen st&ouml;rt.<\/p><p>Im Jahr 2020 stellte das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) fest, dass die Deutsche Bank, die Bank of New York Mellon, Standard Chartered, JPMorgan und HSBC mehr als zwei Billionen Dollar in Transaktionen bewegten, die als potenzielle Geldw&auml;scheaktivit&auml;ten eingestuft wurden. Diese Zahl ergab sich bereits aus einigen wenigen vom ICIJ analysierten Dokumenten &uuml;ber fragw&uuml;rdige Bankverfahren. Weit davon entfernt, diese Situation zu korrigieren, haben die USA sie sogar noch verschlimmert. Vor sechs Jahren waren sie nach der Schweiz an zweiter Stelle der Welt, aber seitdem ist das US-Recht gegen&uuml;ber der Undurchsichtigkeit des gro&szlig;en Geldes immer nachgiebiger geworden.<\/p><p>Das US-Justizministerium hat nach eigenen Angaben das Finanznetzwerk ins Visier genommen, mit dem das mexikanische Sinaloa-Kartell die Millionen von Dollar w&auml;scht, die es aus dem Verkauf und Handel von Drogen &#8210; insbesondere Fentanyl &ndash; bezieht. Die Ermittlungen h&auml;tten ergeben, dass in den USA ans&auml;ssige chinesische Wechselstuben im Zentrum des kriminellen Netzwerks st&uuml;nden.<\/p><p>Laut einer von der US-Staatsanwaltschaft ver&ouml;ffentlichten Anklageschrift gegen 24 Personen, die mit dem Sinaloa-Kartell und der &bdquo;chinesischen Untergrundbank&rdquo; in Verbindung stehen sollen, zahlte die mexikanische kriminelle Organisation einen &bdquo;erm&auml;&szlig;igten Satz&rdquo;, um ihre Drogengewinne zu waschen, was es ihr wiederum erm&ouml;glicht h&auml;tte, &bdquo;ihre Gewinne zu repatriieren&rdquo; und weiterhin t&ouml;dliche Dosen in die USA zu schicken.<\/p><p>Das Tax Justice Network, eine Gruppe, die 2003 von Forschern in den Bereichen Steuervermeidung, Wettbewerb und Steueroasen gegr&uuml;ndet wurde, erstellte eine Rangliste der L&auml;nder, die sich am meisten an der Verschleierung des Reichtums der B&uuml;rger beteiligen. Der Studie zufolge sind die sogenannten Finanzgeheimnisse zwar weltweit zur&uuml;ckgegangen, aber f&uuml;nf L&auml;nder haben den Fortschritt dabei verlangsamt: die USA, Gro&szlig;britannien, Deutschland, Italien und Japan.<\/p><p>Diese f&uuml;nf L&auml;nder haben den weltweiten Fortschritt mehr als halbiert, indem sie das Finanzgeheimnis f&ouml;rdern, anstatt es zu bek&auml;mpfen. Die G7 m&uuml;sse klarstellen, &bdquo;wo sie im Kampf gegen das Finanzgeheimnis steht, indem sie sich zu einem globalen Verm&ouml;gensregister verpflichtet&ldquo;, sagte Alex Cobham, Leiter von Tax Justice Network.<\/p><p>In einer Studie aus dem Jahr 2021 stellte das Netzwerk fest, dass die USA daf&uuml;r verantwortlich sind, dass dem Rest der Welt j&auml;hrlich 20 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen, weil sie nicht ans&auml;ssigen und beschr&auml;nkt steuerpflichtigen Personen erlauben, ihre Finanzen zu verstecken und Steuern zu hinterziehen.<\/p><p>Die Organisation richtete einen Aufruf an die G7-L&auml;nder, denen sie vorwirft, die globale Transparenz zu untergraben. Sie fordert eine UN-Steuerkonvention, damit die Regulierung nicht mehr in H&auml;nden &bdquo;einiger weniger reicher L&auml;nder liegt, die sich wiederholt als die gr&ouml;&szlig;ten Steueroasen der Welt erwiesen haben&rdquo;.<\/p><p>&bdquo;Die USA sollten auch einen st&auml;rkeren gegenseitigen automatischen Informationsaustausch zwischen den L&auml;ndern unterst&uuml;tzen, das Augenmerk auf die US-Immobilienbranche, private Investitionen und Finanzvermittler lenken und die Mittel f&uuml;r wichtige Beh&ouml;rden aufstocken&rdquo;, sagte Ian Gary, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Financial Accountability and Corporate Transparency Coalition.<\/p><p>Eine h&ouml;here Platzierung im Index bedeute, dass das jeweilige Rechtssystem weltweit &bdquo;eine gr&ouml;&szlig;ere Rolle bei der Erm&ouml;glichung des Bankgeheimnisses, des anonymen Besitzes von Briefkastenfirmen, des anonymen Besitzes von Immobilien oder anderer Formen des Finanzgeheimnisses spielt, die wiederum Geldw&auml;sche, Steuerhinterziehung und die Vermeidung von Strafen erleichtern&ldquo;.<\/p><p>Nach Sch&auml;tzungen von Tax Justice Networks haben die reichsten Personen der Welt rund zehn Billionen Dollar durch geheime Absprachen im Ausland versteckt, was dem 2,5-fachen Wert aller weltweit im Umlauf befindlichen Dollar- und Euro-Banknoten und -M&uuml;nzen entspricht.<\/p><p>Die bombastische Verk&uuml;ndung des US-Justizministeriums im Juni hat wenig mit der Bek&auml;mpfung des Drogenhandels und der Geldw&auml;sche zu tun, aber alles mit dem st&auml;ndigem Bashing gegen China und Mexiko, mit dem Washington illegalen Druck auf andere L&auml;nder aus&uuml;bt und von seiner unbestreitbaren Komplizenschaft mit den kriminellen Gruppen ablenkt, die es vorgeblich bek&auml;mpft.<\/p><p><em>&Uuml;ber den Autor: <strong>&Aacute;lvaro Verzi Rangel<\/strong> aus Venezuela ist Soziologe und internationaler Analytiker, Co-Direktor des Beobachtungszentrums f&uuml;r Kommunikation und Demokratie sowie Senioranalytiker des Lateinamerikanischen Zentrums f&uuml;r Strategische Analysen CLAE,&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.estrategia.la\/\">estrategia.la<\/a><\/em><\/p><p>&Uuml;bersetzung: Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/blog\/2024\/11\/272684\/usa-groesster-geldwaescher-drogen\">Amerika21<\/a>.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Andrzej Rostek<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115046\">David gegen Goliath: Der Waffenschmuggel aus den USA nach Mexiko und die Folgen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95143\">Nach Drohung mit Milit&auml;rintervention: Streit zwischen Mexiko und USA eskaliert<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122528\">Eine neue Etappe f&uuml;r die Linke in Mexiko<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=117979\">&bdquo;Chinesische Basen auf Kuba&ldquo; &ndash; US-Medien schlagen Alarm wegen angeblicher Spionagekooperation zwischen Peking und Havanna<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/f0d44c7fd0824fe98a097c6fe076297c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das US-Justizministerium (DOJ) berichtete im Juni gro&szlig;, es habe eng mit Mexiko und China zusammengearbeitet, um fl&uuml;chtige Personen festzunehmen, die in einen Geldw&auml;schering verwickelt waren. Daran seien eine in Kalifornien ans&auml;ssige Geldtransfergruppe und chinesische Untergrundbanken beteiligt gewesen, um gro&szlig;e Mengen von Drogenerl&ouml;sen des Sinaloa-Kartells einzusammeln und zu verarbeiten. Doch 2021 r&auml;umte US-Finanzministerin Yellen ein, dass<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125472\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":125475,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[138,174],"tags":[2710,1968,379,266,1092,593,1978,930,1563,1570,1556],"class_list":["post-125472","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","category-usa","tag-bankgeheimnis","tag-briefkastenfirmen","tag-china","tag-deutsche-bank","tag-drogen","tag-g7820","tag-geldwaesche","tag-justiz","tag-kartell","tag-mexiko","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/shutterstock_2295121489.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125472","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=125472"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":125569,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/125472\/revisions\/125569"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/125475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=125472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=125472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=125472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}