{"id":125478,"date":"2024-11-29T14:12:16","date_gmt":"2024-11-29T13:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125478"},"modified":"2024-12-01T08:53:24","modified_gmt":"2024-12-01T07:53:24","slug":"tiktok-tabu-in-down-under-ist-kindesverrohung-endlich-unten-durch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125478","title":{"rendered":"TikTok-Tabu. In Down Under ist Kindesverrohung endlich unten durch"},"content":{"rendered":"<p>Australiens Regierung verh&auml;ngt ein Social-Media-Verbot f&uuml;r unter 16-J&auml;hrige. Der Vorsto&szlig; ist bemerkenswert und vollauf zu begr&uuml;&szlig;en, trotz aller H&auml;rten und absehbaren Umsetzungsprobleme. Bleibt zu hoffen, dass er weltweit Schule macht und auch deutsche Politiker zum Nachdenken bringt. Sofern die das &uuml;berhaupt noch k&ouml;nnen. Ein Kommentar von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8661\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-125478-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=125478-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241129_TikTok_Tabu_In_Down_Under_ist_Kindesverrohung_endlich_unten_durch_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Australier wollen Kindern und Jugendlichen <em>TikTok<\/em> verbieten. Ticken die noch richtig? Antwort: Ja, nat&uuml;rlich, unbedingt. So streng wie bisher noch kein anderes Land schr&auml;nkt Down Under die Nutzung sogenannter sozialer Medien f&uuml;r unter 16-J&auml;hrige ein. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ozeanien\/australien-social-media-102.html\">Im Eilverfahren<\/a> haben die beiden Kammern des Parlaments am Mittwoch und Donnerstag einen nur wenige Wochen jungen Gesetzesvorsto&szlig; gebilligt, der nicht nur in seiner praktischen Tragweite f&uuml;r die Betroffenen am anderen Ende der Welt eine tiefgreifende Z&auml;sur darstellt. Zu hoffen ist, dass das Beispiel im besten Sinne und buchst&auml;blich Schule macht und im globalen Ma&szlig;stab ein Umdenken anst&ouml;&szlig;t, das schon jetzt eigentlich keinen Aufschub mehr duldet.<\/p><p><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Im-Eilverfahren-beschlossen-Australien-bekommt-Social-Media-Verbot-fuer-Kinder-10180465.html\">Wie weit reicht der Beschluss?<\/a> Kindern soll es ausnahmslos untersagt sein, soziale Netzwerke zu nutzen, auch bei m&ouml;glicher Einwilligung durch Erziehungsberechtigte &ouml;ffnet sich kein Hintert&uuml;rchen. Genau so wenig gibt es eine Schonung f&uuml;r &bdquo;Bestandskunden&ldquo;, auch langj&auml;hrige Nutzer m&uuml;ssen abschalten. Unter die Regelung fallen namentlich der Kurznachrichtendienst <em>X<\/em> (einst <em>Twitter<\/em>), die Plattformen <em>TikTok<\/em>, <em>Facebook<\/em>, <em>Snapchat<\/em>, <em>Reddit<\/em> und <em>Instagram<\/em>. Ausgenommen bleiben Messengerdienste wie <em>WhatsApp<\/em>, ebenso Online-Gaming- und Videoplattformen wie <em>YouTube<\/em>, die, so die Begr&uuml;ndung, auch f&uuml;r schulische Zwecke genutzt werden k&ouml;nnten und f&uuml;r die es nicht notwendig einen Account braucht. Das mag man noch f&uuml;r zu kurz gesprungen halten, denn auch diese Angebote bergen Gefahren f&uuml;r Heranwachsende. Ihnen h&auml;lt die Regierung anders als den vom Bannstrahl Getroffenen aber zugute, dass sie keine zu enge Bindung zu den Nutzern aufbauen und sich ihr Suchtpotenzial vergleichsweise in Grenzen h&auml;lt.<\/p><p><strong>Jugendschutz vor Konzernwohl <\/strong><\/p><p>Ohne Frage wandelt die Regierung von Premier Anthony Albanese mit ihrer harten Gangart auf einem schmalen Grat, nicht nur was die Unterscheidung zwischen &bdquo;guten&ldquo; und &bdquo;b&ouml;sen&ldquo; Anbietern angeht. Kindern und Jugendlichen wird allerhand zugemutet, gerade solchen, die schon lange auf den Plattformen unterwegs sind. Ihnen geht pl&ouml;tzlich ihr vertrautes Kommunikationsmedium verloren, ein lieb gewonnener Zeitvertreib und ihre vielleicht wichtigste Nachrichtenquelle. Und ja, auch Freundschaften und Bekanntschaften werden auf eine harte Probe gestellt, wom&ouml;glich zerbrechen sie, weil der Austausch &uuml;ber alle physikalischen Grenzen hinweg nicht mehr m&ouml;glich sein wird. Entsprechende Kritik, auch aus Reihen der australischen Zivilgesellschaft, hat ihre Berechtigung und muss ernst genommen werden.<\/p><p>Aber: Regierung und Parlament haben eine Abw&auml;gung getroffen, die zugunsten des allgemeinen Jugend- und Kindeswohlschutzes ausf&auml;llt und die individuelle H&auml;rten und H&auml;rten f&uuml;r die Betreiberkonzerne (schnief) in Kauf nimmt. Kommunikationsministerin Michelle Rowland erkl&auml;rte j&uuml;ngst, dass fast zwei Drittel der 14- bis 17-J&auml;hrigen sich online bereits sehr sch&auml;dliche Inhalte angesehen h&auml;tten &ndash; darunter Drogenmissbrauch, Selbstmord, Selbstverletzung und gewaltt&auml;tiges Material. Was das mit und aus Kindern macht, wei&szlig; man nicht wirklich, weil das Gebiet kaum erforscht ist. Aber man ahnt, dass es einem gedeihlichen Aufwachsen und der Entwicklung zu einem sozialen, empathischen, friedvollen und liebenden Menschen nicht zutr&auml;glich sein kann, wenn sich Horror, Gewalt, Pornographie und Hass mithin schon in die K&ouml;pfe Achtj&auml;hriger ergie&szlig;en. Hier gilt es f&uuml;r eine verantwortungsvolle Politik, Stopp zu schreien.<\/p><p><strong>Kindheit erm&ouml;glichen<\/strong><\/p><p>&bdquo;Es geht darum, den Kindern eine Kindheit zu erm&ouml;glichen. Es ist nichts Soziales daran, dass einige soziale Medien unsere jungen Australier von echten Freunden und echten Erfahrungen fernhalten&ldquo;, befand Regierungschef Albanese im Vorfeld des Parlamentsentscheids. F&uuml;r ihn ist Social Media eine &bdquo;Plattform f&uuml;r Gruppenzwang, treibende Kraft f&uuml;r &Auml;ngste, Hilfsmittel f&uuml;r Betr&uuml;ger und Werkzeug f&uuml;r Online-Triebt&auml;ter&ldquo;. Das ist zugespitzt und muss nicht f&uuml;r alle Nutzer gleicherma&szlig;en gelten, entsprechende Inhalte lassen sich gezielt umschiffen. Aber Kinder verf&uuml;gen in der Mehrheit gar nicht &uuml;ber die intellektuelle, soziale und emotionale Souver&auml;nit&auml;t, eine vern&uuml;nftige Auswahl zu treffen. Weil sie das alles als Kinder erst noch erlernen m&uuml;ssen. Wenn aber schon Eltern im Beisein ihrer Kleinkinder unentwegt auf ihr Smartphone glotzen &ndash; wie sollen sie dann begreifen, dass diese blinkenden Ger&auml;tschaften ihnen bei falschem Gebrauch schaden k&ouml;nnen? Eine rhetorische Frage &hellip;<\/p><p>Freilich dr&auml;ngen sich reichlich Zweifel an der Umsetzbarkeit eines Social-Media-Tabus auf. Der Ball liegt bei den Konzernen. Sie selbst sollen technische Schranken errichten, die eine Umgehung verunm&ouml;glichen, und wenn doch ein Kind widerrechtlich zugreift, drohen ihnen Geldstrafen in Millionenh&ouml;he. Um die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, gibt die Regierung ihnen ein Jahr Zeit, erst dann wird das Gesetz in Kraft treten. Gewiss wird es genug Jugendliche geben, die das Verbot selbst knacken, indem sie zum Beispiel per VPN-Technik ihren Standort verschleiern. Sicherlich werden auch nicht alle Eltern mitziehen und ihr eigenes Handy f&uuml;r die Spr&ouml;sslinge sperren. Au&szlig;erdem melden Gegner datenschutzrechtliche Bedenken an, und tats&auml;chlich braucht es in diesem Fall wahrscheinlich noch mehr &Uuml;berwachung, um den &Uuml;berwachern und Manipulateuren der Plattformindustrie das &Uuml;berwachen und Manipulieren zu erschweren. Gift und Galle spuckt ausgerechnet X-Chef Elon Musk. Er behautet, mit den Pl&auml;nen solle der Zugang zum Internet f&uuml;r alle Menschen in Australien kontrolliert werden.<\/p><p><strong>Konformisten, Gest&ouml;rte, Brutalos <\/strong><\/p><p>Das sei dahingestellt, ist angesichts der Machtverh&auml;ltnisse vielleicht nicht einmal v&ouml;llig abwegig. Aber was ist die Alternative? Dass Musk und Konsorten ihre Verrohungs- und Verbl&ouml;dungsmission g&auml;nzlich ungehindert gegen Vernunft, Moral und gesunden Menschenverstand durchziehen d&uuml;rfen und unsere Kinder zu Konformisten, Gest&ouml;rten und Brutalos deformieren? Der Fall Australien markiert weit mehr als einen mithin scheiternden Versuch, die IT- und KI-Konzerne an die Kandare zu nehmen. Er ist ein Weckruf, der um den ganzen Globus schallt und hoffentlich zur Nachahmung anregt. Und er kn&uuml;pft an &auml;hnliche Vorst&ouml;&szlig;e an, etwa den der Franzosen f&uuml;r ein Handyverbot an Schulen oder seitens Schwedens und D&auml;nemarks, die digitale Medien aus dem Unterricht ausschlie&szlig;en wollen. Denn man habe, so der d&auml;nische Bildungsminister Mattias Tesfaye, Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler zu <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115317\">&bdquo;Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment&ldquo;<\/a> gemacht, &bdquo;dessen Ausma&szlig; und Folgen wir nicht &uuml;berblicken k&ouml;nnen&ldquo;. Daf&uuml;r bat er die D&auml;nen ausdr&uuml;cklich um Verzeihung.<\/p><p>Folgt irgendwann auch eine Entschuldigung deutscher Politiker, wenn sie dereinst vor dem Scherbenhaufen ihres Machwerks stehen, mit dem sie Deutschlands Schulen per &bdquo;Digitalpakt&ldquo; der IT- und KI-Lobby ausgeliefert haben? &bdquo;Viel Geld f&uuml;r nichts&ldquo;, schrieb vor zwei Wochen der <em>Spiegel<\/em> (hinter Bezahlschranke) nach Ver&ouml;ffentlichung einer neuen Studie, die 40 Prozent der Achtkl&auml;ssler blo&szlig; rudiment&auml;re Fertigkeiten im Umgang mit Computern bescheinigt. Die Mehrzahl k&ouml;nne nur &bdquo;klicken und wischen&ldquo;, w&auml;hrend lediglich 1,1 Prozent die h&ouml;chste Kompetenzstufe erreichten. Der absehbare Ruf nach noch mehr Technikschrott f&uuml;rs Klassenzimmer blieb nicht aus. Hierzulande hat Elon Musk weiter leichtes Spiel. <\/p><p><small>Titelbild: Prostock-studio\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/ed2d54e4c4ac48b9a3fa4a29a7126e17\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Australiens Regierung verh&auml;ngt ein Social-Media-Verbot f&uuml;r unter 16-J&auml;hrige. Der Vorsto&szlig; ist bemerkenswert und vollauf zu begr&uuml;&szlig;en, trotz aller H&auml;rten und absehbaren Umsetzungsprobleme. Bleibt zu hoffen, dass er weltweit Schule macht und auch deutsche Politiker zum Nachdenken bringt. Sofern die das &uuml;berhaupt noch k&ouml;nnen. 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