{"id":125680,"date":"2024-12-04T13:00:55","date_gmt":"2024-12-04T12:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125680"},"modified":"2024-12-11T15:12:58","modified_gmt":"2024-12-11T14:12:58","slug":"wir-dulden-keinen-rassismus-und-sind-dabei-selbst-rassistisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125680","title":{"rendered":"Wir dulden keinen Rassismus \u2026 und sind dabei selbst rassistisch"},"content":{"rendered":"<p>Jede Woche werden in Gaza Hunderte Pal&auml;stinenser von israelischen Bomben get&ouml;tet und Tausende verletzt. Seit Beginn des israelischen Vernichtungskriegs <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/occupied-palestinian-territory\/humanitarian-situation-update-243-gaza-strip\">summiert<\/a> sich die Zahl der Get&ouml;teten auf mindestens 44.502 &ndash; ein Gro&szlig;teil der Opfer sind Kinder. In der in Deutschland gef&uuml;hrten Debatte finden diese Opfer nur am Rande statt. Zynisch k&ouml;nnte man sagen: &bdquo;Immerhin!&ldquo;, die Opfer afrikanischer Kriege schaffen es noch nicht einmal in unsere Nachrichten und sind uns ohnehin vollkommen egal. Ein Debattenbeitrag von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8755\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-125680-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=125680-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241204_Wir_dulden_keinen_Rassismus_und_sind_dabei_selbst_rassistisch_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Warum hat man in Deutschland eigentlich so wenig Empathie f&uuml;r die Menschen in Gaza? Das Leiden dort ist allgegenw&auml;rtig. Niemand kann sich darauf berufen, nichts davon gewusst zu haben. Dennoch gleicht die Berichterstattung eher einer k&uuml;hlen b&uuml;rokratischen Aufz&auml;hlung. &bdquo;Bei Luftschl&auml;gen der israelischen Armee sind &hellip; und nun zum Sport&ldquo;. Kann es sein, dass uns die Opfer in Gaza vergleichsweise egal sind, weil es sich um Muslime handelt? W&auml;ren wir empathischer, wenn die toten Kinder keine schwarzen Haare und Kopft&uuml;cher, sondern blonde Z&ouml;pfe h&auml;tten? Vermutlich.<\/p><p>Daf&uuml;r haben wir aber ein gro&szlig;es Herz f&uuml;r jeden get&ouml;teten Ukrainer. Aber die sind ja auch wei&szlig; und christlich und z&auml;hlen daher offenbar mehr als die Muslime in Gaza oder gar die Afrikaner in L&auml;ndern, die wir noch nicht einmal auf der Landkarte finden w&uuml;rden. Gute Opfer, schlechte Opfer. Das ist Rassismus in Reinkultur und er ist auch und vor allem in den Kreisen gang und g&auml;be, die sich selbst ansonsten als aufrechte Antirassisten feiern <\/p><p>Wissen Sie, wer oder was &bdquo;Tigray&ldquo; ist? Nein, Tigray ist kein neuer Elektro-SUV von VW, sondern eine Region im Hochland von Abessinien. Dort herrschte bis vor kurzem ein blutiger B&uuml;rgerkrieg, dem mehr als eine halbe Million Menschen zum Opfer fielen. Wussten Sie das? Zynisch k&ouml;nnte man sagen: W&uuml;rde es sich bei den toten Abessiniern nicht um Menschen, sondern um die gleichnamige Katzenrasse handeln, g&auml;be es sicher mehr Aufmerksamkeit. Gab es jemals eine Talkshow &uuml;ber den B&uuml;rgerkrieg in Tigray? Hat jemals ein Politiker, Journalist oder Promi &ouml;ffentlich eine Tr&auml;ne wegen der Opfer in Tigray vergossen? <\/p><p>Oder wissen Sie, wer oder was &bdquo;Kivu&ldquo; ist? Kivu ist eine Region im Osten des Kongos. Dort tobt mit Unterbrechungen seit 2006 ein blutiger B&uuml;rgerkrieg, bei dem hunderttausende Menschen massakriert und Millionen gewaltsam vertrieben wurden. Die Kriege im Kongo, bei denen es vor allem um den Zugang zu den Rohstoffen geht, die der Westen f&uuml;r seine Technologien ben&ouml;tigt, haben insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen das Leben gekostet. 12 Millionen! Gab es dazu mal eine Talkshow? Gab es eine Mahnwache f&uuml;r diese Opfer auf dem Pariser Platz? Hat ein einziger Polit- oder Medienpromi jemals &bdquo;Haltung gezeigt&ldquo; und sein Twitter-Profil mit der kongolesischen Flagge geschm&uuml;ckt? Nein? <\/p><p>Laut UN betr&auml;gt die Zahl der get&ouml;teten Zivilisten im Ukrainekrieg weniger als 12.000. Jeder Tote ist ein Toter zu viel. Darum soll es hier nicht gehen. Es soll auch nicht darum gehen, nun jeden get&ouml;teten Ukrainer mit 1.000 get&ouml;teten Kongolesen aufzuwiegen. Wenn man es aber mal objektiv betrachtet, ist das krasse Missverh&auml;ltnis der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung der get&ouml;teten Ukrainer und der get&ouml;teten Kongolesen doch zumindest bemerkenswert. Subjektiv m&uuml;sste man da schon andere Worte w&auml;hlen.<\/p><p>Woran liegt es, dass uns die toten Kongolesen oder auch die toten Pal&auml;stinenser so viel weniger interessieren als die toten Ukrainer? Sicher, der Kongo ist weit weg und Afrika spielt in der medialen Berichterstattung ohnehin keine Rolle. Es findet schlicht nicht statt. Auch Ignoranz kann Rassismus sein. W&auml;hrend uns Medien wie der <em>SPIEGEL<\/em> schon mal gerne &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/us-bundesstaat-texas-13-jaehriger-am-steuer-verursacht-unfall-mit-neun-toten-a-54bcb13a-7ae3-40ab-b4bf-dd1f442db652\">Verkehrsunf&auml;lle in den USA informieren<\/a>, findet Afrika in den Medien keinen Platz. <\/p><p>Eigentlich dreht sich unser Interesse ohnehin nur um uns selbst. In Frankfurt verbietet man nun auf dem Weihnachtsmarkt die Bezeichnung <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kommentar\/gesellschaft-kommentar\/ideologen-mit-schuss\/\">&bdquo;Lumumba&ldquo; f&uuml;r das unter diesem Namen bekannte und beliebte Hei&szlig;getr&auml;nk<\/a>, weil der Name &bdquo;die Gefahr des Rassismus berge&ldquo;. Die 12 Millionen Toten im Kongo, aus dem der Namensgeber des vermeintlich rassistischen Hei&szlig;getr&auml;nkes stammt, sind &bdquo;uns&ldquo; jedoch herzlich egal. <\/p><p>Aber warum sollte man auch um Kongolesen trauern? Der Kongo ist weit weg und h&auml;tte Gott gewollt, dass dort Frieden herrscht, h&auml;tte er doch die wertvollen Bodensch&auml;tze, die wir f&uuml;r unsere Smartphones, Elektroautos und Computer brauchen, woanders verteilt. Ist es Rassismus, wenn einem tote Afrikaner egal sind? Immerhin k&auml;mpfen wir doch daf&uuml;r, dass beispielsweise der Begriff &bdquo;Mohr&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62742\">aus dem deutschen Stadtbild verschwindet<\/a>. Aber vielleicht ist dies ja eine Kompensation, ein moderner Ablasshandel, um das Gewissen zu erleichtern? Wir trinken keinen Lumumba und essen keinen Mohrenkopf mehr und bezeichnen das als Antirassismus. Da k&ouml;nnen wir die Afrikaner ruhig vergessen, die f&uuml;r unsere iPhones und Teslas sterben. Wir sind schlie&szlig;lich die Guten und zum &bdquo;Gutsein&ldquo; geh&ouml;rt auch das Vergessen. Bei all diesem Unfug, der heute unter dem Label &bdquo;Kampf gegen den Rassismus&ldquo; zelebriert wird, geht es nicht darum, Rassismus zu bek&auml;mpfen, sondern darum, dass wir uns in unserem Rassismus gem&uuml;tlich einrichten, ohne von den allzu gro&szlig;en kognitiven Dissonanzen Kopfschmerzen zu bekommen. <\/p><p>Drei Millionen Vertriebene im Sudan? Der Krieg im Jemen? Abgeschlachtete Pal&auml;stinenser und Kurden? Uninteressant. Aber wehe, eine russische Bombe trifft ein ukrainisches Plumpsklo oder ein Israeli wird Opfer des Krieges, den sein eigenes Land auf grausame Art und Weise eskaliert. Das ist &ndash; um es auf den Punkt zu bringen &ndash; Rassismus in Reinkultur.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126068\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Khosro\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/a684f42566f545e088f60731194839c0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede Woche werden in Gaza Hunderte Pal&auml;stinenser von israelischen Bomben get&ouml;tet und Tausende verletzt. 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