{"id":12577,"date":"2012-03-16T16:26:04","date_gmt":"2012-03-16T15:26:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12577"},"modified":"2015-02-08T10:58:47","modified_gmt":"2015-02-08T09:58:47","slug":"die-mission-am-hindukusch-ist-gescheitert-wer-hatte-das-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12577","title":{"rendered":"\u201eDie Mission am Hindukusch ist gescheitert.\u201c Wer h\u00e4tte das gedacht!"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleiner Wochenr&uuml;ckblick: In dieser Woche habe ich neben der Medienarbeit f&uuml;r &bdquo;<a href=\"\/?page_id=12555\">Der falschen Pr&auml;sident<\/a>&ldquo; Gedanken f&uuml;r meinen Diskussionsbeitrag beim <a href=\"\/?p=12491\">NDS-Strategie-Gespr&auml;ch in Bonn am 22. M&auml;rz<\/a> gesammelt. Da geht es um eine &bdquo;Politische Strategie f&uuml;r eine Mehrheit links von der Mitte&ldquo;. Das Scheitern der Koalition in NRW (siehe &bdquo;<a href=\"\/?p=12541\">Verzockt<\/a>&ldquo;) haben die M&ouml;glichkeit des Nachdenkens &uuml;ber eine solche Alternative weiter besch&auml;digt. Was hat das mit Afghanistan zu tun? Die Differenzen in der Frage von Milit&auml;reins&auml;tzen zwischen SPD und Gr&uuml;nen auf der einen Seite und der Linkspartei auf der anderen Seite sind nach Meinung von Roten und Gr&uuml;nen ein zentraler trennender Auffassungsunterschied. Die Tatsache, dass die Linkspartei den Einsatz in Afghanistan wie auch fr&uuml;here milit&auml;rische Eins&auml;tze nicht guthei&szlig;t, st&ouml;rt Rot und Gr&uuml;n fundamental. &ndash; Wenn jetzt aber sogar SpiegelOnline feststellt, die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/0,1518,druck-821615,00.html\">Mission am Hindukusch sei gescheitert<\/a>, dann m&uuml;sste eigentlich Bewegung in die festgefahrenen Differenzen kommen. &bdquo;M&uuml;sste&ldquo; &ndash; mit dem Votum f&uuml;r Pfarrer Gauck haben sich Rot und Gr&uuml;n auf einen vergleichsweise interventionsfreudigen Bundespr&auml;sidenten festgelegt. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEigentlich konnte man von Anfang an schon sehen, jedenfalls vermuten, dass die milit&auml;rische Intervention in Afghanistan h&ouml;chst fragw&uuml;rdig ist. Das Motiv, die Antwort auf den Anschlag in New York, war fragw&uuml;rdig; die Erfolgsm&ouml;glichkeiten in Sachen Menschenrechte waren von Anfang an erkennbar gering; immer mehr wurde sichtbar, dass die westlichen Milit&auml;rs in Afghanistan vor allem mit dem Selbstschutz besch&auml;ftigt waren; Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, die dort t&auml;tig sind oder t&auml;tig waren, haben immer wieder beklagt, dass die milit&auml;rischen Aktionen eher st&ouml;ren als nutzen; die Rolle Pakistans war und ist unklar; usw &hellip;<\/p><p>Wer solche skeptischen Anmerkungen gemacht hat, wurde von den etablierten politischen Kr&auml;ften niedergemacht. Der kommende Bundespr&auml;sident hat sich daran beteiligt. Seine Haltung zu milit&auml;rischen Operationen au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs ist &ndash; vorsichtig ausgedr&uuml;ckt &ndash; ziemlich vordergr&uuml;ndig und oberfl&auml;chlich. Auch hier wird er noch viel lernen m&uuml;ssen. Ich zitiere im Folgenden eine Passage aus meinem neuen Buch (Auszug aus dem Buch). Es geht dabei um die Antwort Joachim Gaucks auf die Feststellung seiner Pastorenkollegin Margot K&auml;smann, in Afghanistan sei nichts gut: <\/p><p><strong>Auszug aus &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo;:<\/strong><\/p><p><strong>Im Zweifel f&uuml;r den Kriegseinsatz<\/strong><\/p><p>Bundespr&auml;sidenten haben in der aktuellen Politik nicht sehr viel zu sagen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Bundespr&auml;sident aber von der Bundesregierung geh&ouml;rt, wenn so gravierende Entscheidungen wie die Beteiligung an einem Milit&auml;reinsatz anstehen. Diese Entscheidungen sind ungemein schwierig. Von &bdquo;sorgf&auml;ltiger Pr&uuml;fung der Beweggr&uuml;nde&ldquo; spricht auch Joachim Gauck, aber letztlich  bekommt man den Eindruck, dass das so schwierig auch wieder nicht ist: Wenn die UNO eine milit&auml;rische Intervention gerechtfertigt hat, dann darf man sich daran beteiligen. Der neue Bundespr&auml;sident rechtfertigt so jeden der bisherigen Auslandseins&auml;tze. In Libyen, wo Deutschland sich rausgehalten hat, h&auml;tte er offensichtlich auch gerne mittun lassen.<br>\nWeil die ehemalige Landesbisch&ouml;fin Margot K&auml;smann findet, dass in Afghanistan trotz Milit&auml;reinsatz &bdquo;nichts gut&ldquo; sei, wird sie von ihm mit den &uuml;blichen Redensarten abgeb&uuml;rstet: Die Taliban w&uuml;rden sich nicht durch Ratschl&auml;ge und Gebete vom Morden abhalten lassen. Das mag stimmen, aber vom deutschen Milit&auml;reinsatz dort l&auml;sst sich das auch sagen. Und eine politische Befriedung des Landes steht immer noch aus.<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Ich w&uuml;nschte mir, andere deutsche Armeen w&auml;ren auch mit so edlen Zielen ausgezogen. Der Frieden muss manchmal auch erk&auml;mpft werden.&ldquo;<\/em> <\/p><\/blockquote><p>Leipziger Volkszeitung vom 18. Juni 2010<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Ich komme direkt vom evangelischen Kirchentag&hellip; Diesen Menschen liegt die Vision einer vers&ouml;hnten und friedlichen Welt selbstverst&auml;ndlich am Herzen. Aber wenn ich als Beispiel einmal das popul&auml;re Diktum einer popul&auml;ren Protestantin (Margot K&auml;smann, d. Verf.) heraus greife &bdquo;Nichts ist gut in Afghanistan&ldquo;, dann stellt sich mir die Frage, zu welchen Ma&szlig;nahmen engagierte Demokraten denn greifen, damit &bdquo;alles gut&ldquo; w&auml;re in Afghanistan. Die Taliban werden sich weder von guten Ratschl&auml;gen noch von Gebeten von Mord und Anschlagen abhalten lassen. Gut ist alles nur im Paradies.&ldquo; <\/em><\/p><\/blockquote><p>B&ouml;rne-Preisrede<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Unsere Soldaten stehen heute nicht mehr wie fr&uuml;here deutsche Heere in fremden L&auml;ndern, um Deutschland Land oder Ressourcen zu gewinnen oder um unsere Lebensart anderen aufzudr&auml;ngen.&ldquo; <\/em><\/p><\/blockquote><p>B&ouml;rne-Preisrede<\/p><blockquote><p><em>Gauck: &bdquo;Ich war nie Pazifist. Es gibt immer wieder Situationen, in denen man ernsthaft pr&uuml;fen muss, ob ein milit&auml;risches Engagement ethisch vertretbar, vielleicht sogar geboten ist. Man kann auch unethisch handeln, wenn man beim Morden einfach zusieht &ndash; wie in Ruanda. Ich h&auml;tte mir damals ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft gew&uuml;nscht. Ich habe auch den Milit&auml;reinsatz in Jugoslawien bef&uuml;rwortet, weil ich st&auml;rker auf der Seite der hilflosen Opfer war. Dem Morden an unschuldigen Menschen in Srebrenica tatenlos zuzusehen erschien mir wie vielen anderen Deutschen als gr&ouml;&szlig;ere Schuld, als milit&auml;risch einzugreifen.<br>\nEs ist einfach, von einer pazifistischen Position aus zu sagen: Krieg ist immer schlecht. Krieg mag immer schlecht sein. Aber es gibt mitunter ein Nichtstun, das noch schlechter ist.&ldquo;<br>\nFrage: &bdquo;Wie lange ist es gerechtfertigt, deutsche Soldaten am Hindukusch einzusetzen &ndash; und sie damit der Gefahr auszusetzen, verletzt oder get&ouml;tet zu werden?&ldquo;<br>\nGauck: &bdquo;Die deutschen Soldaten sind dort im Auftrag der Uno im B&uuml;ndnis mit vielen anderen Nationen. Sie verteidigen unschuldige Menschen gegen Terrorismus und helfen, die Region zu stabilisieren. Sie erobern kein Land, sie wollen keine Bodensch&auml;tze sichern &ndash; deshalb kann ich diesen Einsatz nicht verurteilen&hellip;&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Focus vom 28. Juni 2010<\/p><p>Hat sich Joachim Gauck schon einmal mit der Problematik befasst, dass man heute vielleicht viel zu schnell zu milit&auml;rischen L&ouml;sungen greift?<br>\nEr bedenkt auch nicht, dass hinter milit&auml;rischen Eins&auml;tzen auch andere Interessen als nur humanit&auml;re stecken: beispielsweise R&uuml;stungsinteressen, oder innenpolitische Erw&auml;gungen.<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Sicher sind unter der Flagge der humanit&auml;ren Eins&auml;tze manchmal auch aggressive oder nationale &ouml;konomische Interessen verborgen. Umstritten war von Anfang an der Irak-Krieg. Umso wichtiger ist die sorgf&auml;ltige Pr&uuml;fung der Beweggr&uuml;nde f&uuml;r einen milit&auml;rischen Einsatz und seine Legitimierung durch den Sicherheitsrat.&ldquo; <\/em><\/p><\/blockquote><p>B&ouml;rne-Preisrede<\/p><p>Deutschland exportiert nicht nur Pflugscharen, sondern erschreckend viele Schwerter in fast alle Welt. Die Frage, ob man Panzer nach Saudi-Arabien liefern soll, k&ouml;nnte eine Werteentscheidung sein, zu der ein Bundespr&auml;sident das Wort erhebt.<br>\nVon Margaret Thatchers Falkland-Krieg bis zu George Bush waren Kriege immer auch ein Mittel der Innenpolitik. Ist es Gauck gleichg&uuml;ltig, wenn die Entscheidung f&uuml;r einen Milit&auml;reinsatz Gro&szlig;britanniens und Frankreichs in Libyen auch deshalb fiel, weil sich die Regierenden eine Verbesserung des innenpolitischen Standings versprachen? Oder heiligt der gute Zweck auch solche Kalk&uuml;le?<\/p><p>Gauck beruft sich auf die UNO und ihre Beschl&uuml;sse. Es ist alles ganz einfach in dieser Theorie. Tats&auml;chlich h&auml;tte eine deutsche Bundesregierung und letztlich auch der Bundespr&auml;sident die Aufgabe, auch die Hintergr&uuml;nde und die m&ouml;glichen Folgen einer UNO-Entscheidung zu bedenken. Kommen Entscheidungen zum Beispiel durch falsche Geheimdienstinformationen zu Stande, wie die amerikanische Entscheidung zum Irak-Einsatz? Die UNO hat zwar ein gro&szlig;es Gewicht, aber allein darauf verlassen kann man sich als verantwortliche Regierung nicht. Auch nicht als Bundespr&auml;sident.<\/p><p>Ebenso sollte Gauck seine Behauptung, unsere potenziellen Milit&auml;reins&auml;tze h&auml;tten nichts mit Bodensch&auml;tzen oder anderen wirtschaftlichen Interessen zu tun, vielleicht einmal &uuml;berpr&uuml;fen lassen. <\/p><p>Vermutlich gibt es in dieser Sache tief greifende Meinungsunterschiede zwischen dem neuen Bundespr&auml;sidenten und einem Teil der kritischen &Ouml;ffentlichkeit oder auch nur der vorsichtigen &Ouml;ffentlichkeit. Nicht nur Linke, die Joachim Gauck schnell abwertet, verlassen sich ungern auf das Milit&auml;r als Friedensstifter. Auch Konservative wie zum Beispiel J&uuml;rgen Todenh&ouml;fer sind mehr als skeptisch gegen&uuml;ber den gel&auml;ufigen Entscheidungen f&uuml;r milit&auml;rische Eins&auml;tze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Wochenr&uuml;ckblick: In dieser Woche habe ich neben der Medienarbeit f&uuml;r &bdquo;<a href=\"\/?page_id=12555\">Der falschen Pr&auml;sident<\/a>&ldquo; Gedanken f&uuml;r meinen Diskussionsbeitrag beim <a href=\"\/?p=12491\">NDS-Strategie-Gespr&auml;ch in Bonn am 22. M&auml;rz<\/a> gesammelt. Da geht es um eine &bdquo;Politische Strategie f&uuml;r eine Mehrheit links von der Mitte&ldquo;. Das Scheitern der Koalition in NRW (siehe &bdquo;<a href=\"\/?p=12541\">Verzockt<\/a>&ldquo;) haben die M&ouml;glichkeit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12577\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171,190],"tags":[351,1298,764,246,420],"class_list":["post-12577","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-militaereinsaetzekriege","category-wahlen","tag-afghanistan","tag-der-falsche-praesident","tag-gauck-joachim","tag-linke-mehrheit","tag-spiegel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12577","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12577"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12577\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12579,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12577\/revisions\/12579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12577"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12577"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12577"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}