{"id":125787,"date":"2024-12-06T10:00:07","date_gmt":"2024-12-06T09:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125787"},"modified":"2024-12-10T08:01:30","modified_gmt":"2024-12-10T07:01:30","slug":"wie-ein-51-bundesstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125787","title":{"rendered":"\u201eWie ein 51. Bundesstaat\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Ex-Bundeswehrgeneral Erich Vad sieht Deutschland in Gefahr &ndash; w&auml;hrend die USA au&szlig;er Reichweite bleiben. Gerade noch rechtzeitig kommt Vads Buch &bdquo;Ernstfall f&uuml;r Deutschland&ldquo;, um vor dem Wahljahr 2025 vor Augen zu f&uuml;hren, welche Entwicklungen dem Land drohen. Von<strong> Irmtraud Gutschke<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5897\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-125787-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=125787-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241209-Gutschke-Rezension-Vad-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Nachdem &bdquo;Noch&ldquo;-US-Pr&auml;sident Joe Biden der Ukraine <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124916\">den Einsatz von US-Waffen mit gro&szlig;er Reichweite auf russischem Territorium erlaubte<\/a>, verst&auml;rkt sich der Druck auf die deutsche Regierung, was Lieferung und Einsatz weitreichender &bdquo;Taurus&ldquo;-Marschflugk&ouml;rper betrifft.<\/p><p>&bdquo;Ernstfall f&uuml;r Deutschland. Ein Handbuch gegen den Krieg&ldquo;: Erich Vad, Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr und von 2006 bis 2013 Sekret&auml;r des Bundessicherheitsrats und milit&auml;rpolitischer Berater von Angela Merkel, stellt zu Beginn ein Horrorszenario vor uns hin: Im August 2025 ist der &bdquo;Worst Case&ldquo; eingetreten. Die Bundesregierung hatte dem Druck von &bdquo;etlichen Medien und dem massiven Dr&auml;ngen von NATO-B&uuml;ndnispartnern, insbesondere Gro&szlig;britannien und den USA&ldquo;, nachgegeben und doch das Taurus-Waffensystem an die Ukraine geliefert. Es wurde eingesetzt, um die Kertsch-Br&uuml;cke zu zerst&ouml;ren, welche die Krim mit dem russischen Festland verbunden hatte. Taurus-Marschflugk&ouml;rper zerlegten das russische Verteidigungsministerium in Moskau und zerst&ouml;rten den Kreml.<\/p><p>&bdquo;Der Vergeltungsschlag kam schnell, wirkte von langer Hand vorbereitet und richtete sich unmittelbar gegen Deutschland&ldquo;, schlie&szlig;lich war Taurus ja von Deutschland geliefert worden. &bdquo;Also lie&szlig; Putin zun&auml;chst die &auml;hnlich symboltr&auml;chtige Fehmarnsundbr&uuml;cke per Raketenbeschuss zertr&uuml;mmern. Dann machte er die Produktionsst&auml;tte von Taurus im bayerischen Schrobenhausen dem Erdboden gleich. Zu guter Letzt zerst&ouml;rte er das Bundeskanzleramt in Berlin &ndash; alles an einem Wochenende &hellip; Die Bundesregierung bat die NATO, den B&uuml;ndnisfall auszurufen, und verlegte ihren Sitz zun&auml;chst in eine Kaserne au&szlig;erhalb Berlins, kurz darauf an die Ostk&uuml;ste der USA. &bdquo;Der Aufmarsch der NATO-Truppen f&uuml;hrte quer durch Deutschland &hellip; Russland begann, die Bewegungsachsen der NATO durch Deutschland mit Raketen, vornehmlich aus Kaliningrad, zu beschie&szlig;en&ldquo; und drohte, das gesamte deutsche Autobahnnetz zu zerst&ouml;ren. &bdquo;Die Amerikaner schossen mit ihren in Deutschland stationierten Marschflugk&ouml;rpern, Raketen und &Uuml;berschallwaffen zur&uuml;ck. Woraufhin Russland die mehr als vierzig amerikanischen Milit&auml;reinrichtungen in Deutschland unmittelbar unter Feuer nahm.&ldquo; [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Und die Zivilbev&ouml;lkerung? Was tun die Leute, wenn dringend ben&ouml;tigte G&uuml;ter knapp werden, wenn es kaum Schutzr&auml;ume gegen die Angriffe gibt, wenn Strom, Heizung und Wasserversorgung zusammenbrechen? Fliehen! Aber wie und wohin? Schreckliche Bilder bringt Erich Vad uns vor Augen, weil er uns die Augen &ouml;ffnen will. &bdquo;Denn im Krieg ist nur eines verl&auml;sslich: Es wird schlimmer kommen, als wir es uns ausmalen k&ouml;nnen.&ldquo; Er beschw&ouml;rt seinen Eid als Soldat, &bdquo;tapfer zu sein und f&uuml;r mein Land einzutreten&ldquo;. Dieser Eid &bdquo;verpflichtet mich, kritisch und laut zu sein, wenn ich unser Land in Gefahr sehe&ldquo;. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Wortm&auml;chtig und pr&auml;zise: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Der Westen und insbesondere Deutschland h&auml;tten in der Vergangenheit einiges tun k&ouml;nnen, damit sich der bereits lange schwelende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine nicht zu einem Krieg entwickelt. Zeigt die Vorgeschichte nicht klar auf, um was es seit Jahren geht? Es geht, vereinfacht gesagt, darum, dass die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine eine (dunkel)rote Linie f&uuml;r Russland ist.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Denn dadurch w&uuml;rde Russland die Kontrolle &uuml;ber die Krim und den freien Zugang zur Schwarzmeerregion mit ihren einzigen eisfreien H&auml;fen auf der Krim verlieren. Truppen und Raketen der NATO k&ouml;nnten in unmittelbarer Nachbarschaft stationiert werden. <\/p><p>Als Milit&auml;r ist der Autor Realist und kein Wertefanatiker wie jene, die sich in Moralpredigten gefallen. Sicherheitsinteressen Russlands seien doch ebenso ernst zu nehmen wie die der Ukraine. Unumg&auml;nglich sei es in der Geopolitik, die Perspektive eines anderen einzunehmen, um dessen Handlungen und Beweggr&uuml;nde zu verstehen. Russland zu besiegen, sei unwahrscheinlich, &bdquo;so lange die NATO nicht als Kriegspartei einsteigt, was unbedingt vermieden werden muss. Immerhin verf&uuml;gt Russland &uuml;ber das gr&ouml;&szlig;te Atomwaffenarsenal der Welt. Zum anderen: Wer sollte als Siegermacht ein zerschlagenes Russland managen?&ldquo; Der Krieg steckt in einer Sackgasse &ndash; &bdquo;vorausgesetzt, wir streben keinen Dritten Weltkrieg an&ldquo;.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/p><p><strong>Strategie f&uuml;r Deutschland, die den eigenen Interessen entspricht <\/strong><\/p><p>Dass der Schl&uuml;ssel f&uuml;r die Beendigung dieses Krieges in Washington und Moskau liegt &ndash; Erich Vad ist nicht der Erste, der dies sagt und in diesem Zusammenhang deutsche Interessen beschw&ouml;rt. Da erinnere ich an das Buch &bdquo;Nationale Interessen&ldquo;, in dem Klaus von Dohnanyi schon im November 2021 anmahnte, was heute umso dringlicher geworden ist. [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]&bdquo;Warum stehen Deutschland und die Europ&auml;ische Union in Washington nicht schon l&auml;ngst vor der T&uuml;r, um auf eine politische L&ouml;sung f&uuml;r die Ukraine zu pochen?&ldquo;, so Erich Vad. Und weiter: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Stattdessen &uuml;bt sich Deutschland in friedlich-freundlicher Zur&uuml;ckhaltung, schaut abwartend Richtung Washington, was man dort wohl entscheiden wird, schneidet sich mit den (vermeintlich moralisch richtigen, aber wirtschaftlich schwierigen) Sanktionen ins eigene Fleisch und importiert russisches Gas und &Ouml;l stattdessen durch die indische Hintert&uuml;r.&ldquo; [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Bev&ouml;lkerung wird auf Solidarit&auml;t mit der Ukraine eingeschworen. Erich Vad aber l&auml;sst keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Stellvertreterkrieg handelt, in dem die USA Russland ein f&uuml;r alle Mal in die Schranken weisen wollen. Schon im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125010\">jetzt wiedererschienenen Buch &bdquo;Die einzige Weltmacht&ldquo; von Zbigniew Brzezi&#324;ski<\/a> l&auml;sst sich nachlesen, wie fr&uuml;h schon die Ukraine von den USA diesbez&uuml;glich munitioniert wurde. Und ebenso, was man jenseits des Atlantiks von uns Deutschen, den ewigen &bdquo;Musterknaben&ldquo; im &bdquo;europ&auml;ischen Br&uuml;ckenkopf&ldquo; der US-Amerikaner h&auml;lt. [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Wie ein 51. US-Bundesstaat, so Erich Vad, verhalten wir uns. &bdquo;Rationalit&auml;t, Pragmatismus und ja, auch Egoismus&ldquo; seien gefragt in Verantwortung f&uuml;r rund 85 Millionen Menschen, &bdquo;um endlich der Gewichtung und Rolle Deutschlands in Europa gerecht zu werden&ldquo; [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]. <\/p><p><strong>Friedrich Merz und das Friedensgebot des Grundgesetzes <\/strong><\/p><p>Am 6. November wurde Donald Trump als Sieger der US-Wahl verk&uuml;ndet. Am gleichen Tag zerbrach die Ampel-Koalition. Fernsehbilder zeigten einen triumphierenden Friedrich Merz, der nun auf schnelle Neuwahlen dr&auml;ngt. Die hofft er zu gewinnen &ndash; endlich, schon lange hatte er diesen Wunsch. F&uuml;r mich w&auml;re es kein guter Gedanke, dass er sich erf&uuml;llt.<\/p><p>Abgesehen davon, dass er keine Regierungserfahrung hat und einen konfrontativen Politikstil f&auml;hrt, er ist &ndash; so klar muss man das ausdr&uuml;cken &ndash; eine Gefahr f&uuml;r Deutschland. Im Buch kommt sein Name erst auf Seite 58 vor: &bdquo;Ein einfaches Bekenntnis zu den USA &ndash; wie es Kanzlerkandidat Friedrich Merz j&uuml;ngst noch als oberstes Ziel deutscher Au&szlig;enpolitik formulierte &ndash; reicht so nicht mehr aus.&ldquo; Auf Merz&rsquo; Versprechen, der Ukraine reichweitenstarke &bdquo;Taurus&ldquo;-Marschflugk&ouml;rper zu liefern, geht Erich Vad nicht ein. Warum? Weil dessen Erf&uuml;llung von den USA abh&auml;ngt? Weil er davon Abstand nehmen k&ouml;nnte, wenn das f&uuml;r seinen Wahlkampf g&uuml;nstig w&auml;re? Weil das ohnehin andere entscheiden?<\/p><p>Als Kanzler Scholz am 15. November mit Putin telefonierte, konnte er sich auf Medienschelte verlassen. Er tat es dennoch. Allzulange haben die Leitmedien ihn vor sich hergetrieben und madig gemacht, aber bei der ihm abgeforderten Lieferung reichweitenstarker Taurus ist er standhaft geblieben. Was in diesem Gespr&auml;ch verhandelt wurde, wir wissen es nicht. Der Putin von heute ist nicht mehr der von 2001, der mit einer Rede im Bundestag die Hand zu uns ausstreckte und immer wieder von Beifall unterbrochen wurde. Vertrauen ist zerbrochen auf beiden Seiten. Ein Kanzler Merz wird Vertrauen nicht herstellen k&ouml;nnen und wollen. So wie leider die Mehrheit bundesdeutscher Entscheidungstr&auml;ger im Grunds&auml;tzlichen antirussisch tickt, was unter anderem wohl ihrer Sozialisation zu Zeiten des Kalten Krieges geschuldet ist. <\/p><p>Insofern bin ich Erich Vad f&uuml;r seine klaren Worte dankbar: &bdquo;Es braucht politisches Handeln und Verhandeln, Verst&auml;ndigung und Interessenausgleich.&ldquo; Was &uuml;brigens auch dem Friedensgebot des deutschen Grundgesetzes entspr&auml;che. Russlands Interessen &bdquo;werden nicht einfach dadurch verschwinden, dass man sie ignoriert&ldquo;. Im indopazifischen Konflikt sei das &auml;hnlich. &bdquo;Nur weil die Amerikaner dort starke Interessen haben, werden sich die chinesischen Interessen nicht in Luft aufl&ouml;sen.&ldquo; [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Und &bdquo;beim Spagat zwischen den Amerikanern und den Chinesen (von den Russen derzeit ganz zu schweigen) brechen wir uns die Beine&ldquo;. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] <\/p><p><strong>Die NATO ist l&auml;ngst kein Verteidigungsb&uuml;ndnis mehr<\/strong><\/p><p>Denkweisen aus Zeiten des Kalten Krieges haben durch den russische Einmarsch in die Ukraine neue Nahrung erhalten. Doch w&auml;hrend wir wie gebannt in die Ukraine schauen, ver&auml;ndert sich das Weltgef&uuml;ge. Dass die Amerikaner ihre Vormachtstellung nicht ewig werden halten k&ouml;nnen, die Spatzen pfeifen es von den D&auml;chern. &bdquo;Dieses politische Kunstst&uuml;ck zu bewerkstelligen &ndash; also den Abstieg der USA zu begleiten &ndash; wird schwierig &hellip; Und auch ganz pragmatisch gesehen, kann Deutschland als Welthandelsmacht eine Aufteilung der Welt in Gut und B&ouml;se nicht gebrauchen.&ldquo; [<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Es w&uuml;rde jedenfalls nicht in unserem Interesse sein, wenn wir uns zum Bollwerk gegen Russland und China machen lie&szlig;en. Interessenausgleich und stabile politische Beziehungen w&auml;ren auch zu unsrem Nutzen. Da stimme ich Erich Vad vollen Herzens zu. Was mir aber schwer einsichtig wird, ist die von ihm geforderte weitere Aufr&uuml;stung der Bundeswehr, &bdquo;die jederzeit zur Verteidigung Deutschlands und des NATO-B&uuml;ndnisses bereit&ldquo; sein m&uuml;sse. Auch das unbeliebte Thema der Wehrpflicht m&uuml;sse wieder auf den Tisch. [<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] <\/p><p>Donald Trump t&ouml;nt doch schon die ganze Zeit, dass Europa mehr f&uuml;r seine Sicherheit zahlen m&uuml;sse. F&uuml;r die St&auml;rkung der NATO, die schon l&auml;ngst kein Verteidigungsb&uuml;ndnis mehr ist? &bdquo;Die weltweiten Milit&auml;reins&auml;tze und milit&auml;rischen Engagements der NATO &hellip; haben wenig mit der B&uuml;ndnisverteidigung zu tun und mehr noch mit den Interessen der USA, etwa in Serbien (1999), Afghanistan (2001), im Irak (2003), in Syrien und Libyen (beide ab 2011) und jetzt im Ukraine-Krieg.&ldquo; Dabei haben die Kriege, &bdquo;die die Amerikaner gef&uuml;hrt haben, &hellip; die USA zur Nummer Eins in der Welt gemacht und sie haben dabei relativ wenig gekostet&ldquo; [<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]. Und auch der Ukraine-Krieg, um den geostrategischen Rivalen Russland in die Schranken zu weisen, spielt sich weit weg von den US-amerikanischen Grenzen ab. <\/p><p><strong>Ein &bdquo;Haselstrauch&ldquo; zur Warnung<\/strong><\/p><p>Schon in seinem vorigen Buch &bdquo;Abschreckend oder erschreckend? Europa ohne Sicherheit&ldquo; hatte Erich Vad ja auf mehr milit&auml;rische Absicherung gedr&auml;ngt. [<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Dass die Bundeswehr nicht vorbereitet w&auml;re auf einen modernen Krieg? Diesbez&uuml;glich verf&uuml;gt er &uuml;ber detaillierteres Wissen als ich. Wie gesagt l&auml;sst er keinen Zweifel, dass eine Konfrontation unbedingt zu verhindern w&auml;re. Aber zwischen den Zeilen lauert eben doch die angebliche Gefahr aus dem Osten. Da widerspreche ich, zumal ich aus dem Osten stamme und die deutsche Bedrohungsl&uuml;ge schon mal f&uuml;r einen Angriffskrieg Verwendung fand. <\/p><p>Einsichtig wird mir bestenfalls, dass die Weltordnung, wie sie nun mal ist, zumindest symbolisch mit milit&auml;rischer St&auml;rke zusammenh&auml;ngt. Durch ein Drohpotenzial kann sich ein Staat Achtung erwerben. Was w&auml;re das arme Nordkorea ohne seine Atomwaffen? Wenn sich Deutschland, wenn sich Europa von den USA l&ouml;sen wollten &ndash; w&auml;re daf&uuml;r eine europ&auml;ische Armee der beste Weg? Aber daf&uuml;r ist Europa momentan <strong>ohnehin <\/strong>zu uneinig. Mit der NATO-Osterweiterung haben die USA da vorgebaut. Die St&auml;rkung der Bundeswehr w&uuml;rde momentan nur die NATO st&auml;rken, die ja eben nicht europ&auml;isch-eigenst&auml;ndig ist. Und wie teuer w&auml;re das bezahlt! Milit&auml;rausgaben erh&ouml;hen: R&uuml;stungskonzerne wird das freuen. Wir Steuerzahler werden daf&uuml;r zur Kasse gebeten. Und der jetzt schon offensichtliche soziale Abw&auml;rtstrend in Deutschland wird verst&auml;rkt. <\/p><p>Als h&auml;tte es f&uuml;r US-amerikanische R&uuml;cksichtslosigkeit in europ&auml;ischen Belangen eines Beweises bedurft, erlaubte US-Pr&auml;sident Biden am Ende seiner Amtszeit den Beschuss russischer Ziele durch weitreichende US-Waffen. Aus seiner Sicht war es ohne Risiko. Auf den Einsatz von ATACMS-Raketen im Gebiet Kursk reagierte Russland mit einer neuartigen ballistischen Rakete, die mit &Uuml;berschallgeschwindigkeit fliegen kann, von g&auml;ngigen Abwehrsystemen also nicht erreicht wird. Sie traf die ukrainische Stadt Dnipro, wo der Raketenbau- und R&uuml;stungskonzern Juschmasch seinen Standort hat. Die kinetische Energie hat daf&uuml;r gen&uuml;gt. &bdquo;Oreschnik&ldquo; &ndash; Haselstrauch &ndash; kann mit Sprengstoff und auch nuklear best&uuml;ckt werden. <\/p><p>Russland w&uuml;rde die L&auml;nder, aus denen die Waffen stammen, als Kriegspartei betrachten und sie auf ihrem Gebiet angreifen, verlautbarte Putin erneut. Das w&uuml;rde auch die Taurus-Raketen betreffen. Postwendend forderte Kiew neue Raketen. Und &bdquo;Oreschnik&ldquo; spielte auch eine wichtige Rolle beim Treffen von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius mit seinen Amtskollegen aus Frankreich, Gro&szlig;britannien, Italien und Polen am 25. November in Berlin. Die &bdquo;Freiheit aller Europ&auml;er&ldquo; h&auml;nge &bdquo;davon ab, wie wir in der Lage und willens sind, sie zu verteidigen&ldquo;. [<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Ja, sinnvoll w&auml;re tats&auml;chlich eine europ&auml;ische Armee, die sich von den USA emanzipiert.<\/p><p>Am 19. November hat Russland seine Nukleardoktrin aktualisiert. Am 25. November soll der Flughafen Kursk-Wostotschny von mindestens zwei amerikanischen Raketen getroffen worden sein. Woraufhin Russland mit angeblich 188 Kampfdrohnen den bisher gr&ouml;&szlig;ten Luftangriff auf die Ukraine seit Kriegsbeginn gestartet habe. [<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] Von Tag zu Tag scheint sich die Situation zuzuspitzen. <\/p><p>Was kann ein Buch wie das von Erich Vad da noch ausrichten? Zumindest W&auml;hler erreichen. Von einem katastrophalen Risiko spricht er zudem, wenn es 2026 wirklich zur Stationierung von amerikanischen Mittelstreckenraketen in Deutschland k&auml;me, wie es Kanzler Scholz am Randes des NATO-Gipfels in Washington vereinbart hat. Ohne NATO-Konsens und hinter dem R&uuml;cken des Bundestages &ndash; wohl nie werden wir erfahren, was ihn dazu brachte. Wieder geht es um Abschreckungsf&auml;higkeit gegen&uuml;ber Russland, als ob von dort ein Angriff zu erwarten w&auml;re.<\/p><p>Umgekehrt: Gerade durch die Stationierung dieser Waffen macht sich Deutschland zum Ziel. &bdquo;Aus russischer Sicht verschaffen sich die USA eine Option, von Europa aus mit konventionellen Waffen Ziele in Russland zu treffen, die von hoher Relevanz f&uuml;r dessen nukleare Abschreckung sind&ldquo;, stellte der Friedensforscher Hans-Georg Ehrhart j&uuml;ngst im <em>Freitag<\/em> fest. Das w&uuml;rde den Zwang f&uuml;r Moskau erh&ouml;hen, in einer sich zuspitzenden Krise die gegnerischen Potenziale fr&uuml;hzeitig zu zerst&ouml;ren. [<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Zumindest eine Gegenstationierung nuklearf&auml;higer Raketen w&auml;re vorauszusehen. <\/p><p>Russland, auf die eigene Sicherheit bedacht, reagiert &bdquo;spiegelbildlich&ldquo;. Das m&uuml;ssten Milit&auml;rstrategen inzwischen gelernt haben. Die Deutschen w&uuml;rden die Kastanien aus dem Feuer holen, und die USA w&auml;ren wie immer weit weg. &bdquo;Das Risiko, dass er zu einem gro&szlig;en europ&auml;ischen Krieg, gar zu einem Nuklearkrieg auf europ&auml;ischen Boden eskaliert, gef&auml;hrdet die USA nicht unmittelbar.&ldquo; [<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>]<\/p><p><em>Erich Vad: Ernstfall f&uuml;r Deutschland. Ein Handbuch gegen den Krieg. Westend Verlag, 80 S., geb., 15 &euro;. <\/em><\/p><p><small>Titelbild: esfera \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/1c15214486594154b5a8d24c953edba5\" alt=\"\" title=\"\" height=\"1\" width=\"1\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Erich Vad: Ernstfall f&uuml;r Deutschland, S.11 ff<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] ebenda, S. 25<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] ebenda, S. 27<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] ebenda, S. 29<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Klaus von Donanyi: Nationale Interessen. Orientierung f&uuml;r deutsche und internationaler Politik in Zeiten globaler Umbr&uuml;che. Siedler Verlag, 257 S., geb., 24 &euro;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Erich Vad: Ernstfall f&uuml;r Deutschland, S. 33<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Zbigniew Brzezi&#324;ski: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft und der Kampf um Eurasien. Nomen Verlag, 295 S., br., 20 &euro;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Erich Vad: Ernstfall f&uuml;r Deutschland, S. 32<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] ebenda, S. 41<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] ebenda, S. 37<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] ebenda, S. 69<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] ebenda, 42f<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] ebenda, S. 59<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Erich Vad: Abschreckend oder erschreckend? Europa ohne Sicherheit. Westend Verlag, 238 S., geb., 24 &euro;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Jana Frielinghaus: F&uuml;r ein kriegst&uuml;chtiges Europa, nd Der Tag, 26. 11. 2024, S. 5<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/ukraine-krieg-newsblog-russland-raketen-flughafen-lux.GfnferTKTsKEQUVjezfgW5\">sueddeutsche.de\/politik\/ukraine-krieg-newsblog-russland-raketen-flughafen-lux.GfnferTKTsKEQUVjezfgW5<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Hans-Georg Erhart: Der ganz gro&szlig;e Hammer, der Freitag, 21.11.2024, S. 9<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Erich Vad: Ernstfall f&uuml;r Deutschland, S. 60<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ex-Bundeswehrgeneral Erich Vad sieht Deutschland in Gefahr &ndash; w&auml;hrend die USA au&szlig;er Reichweite bleiben. 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