{"id":126109,"date":"2024-12-12T12:00:35","date_gmt":"2024-12-12T11:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126109"},"modified":"2024-12-13T18:06:25","modified_gmt":"2024-12-13T17:06:25","slug":"syrien-die-geopolitischen-folgen-des-regime-change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126109","title":{"rendered":"Syrien \u2013 Die geopolitischen Folgen des Regime Change"},"content":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 2024 geschah das, womit die allermeisten Beobachter tats&auml;chlich nicht gerechnet hatten: Die syrische Hauptstadt Damaskus fiel an die Islamisten unter F&uuml;hrung der &bdquo;Haiat Tahrir asch-Scham&ldquo; (HTS). Der syrische Pr&auml;sident Assad floh buchst&auml;blich Hals &uuml;ber Kopf nach Russland. Was war geschehen, und was wird dies f&uuml;r geopolitische Konsequenzen haben? Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWenige Tage zuvor, am 27. November 2024, starteten die Islamisten aus der Region Idlib, in der sie seit rund vier Jahren konzentriert in einer Art Pattsituation mit den Regierungstruppen lebten, eine Offensive. Binnen k&uuml;rzester Zeit fielen die Gro&szlig;st&auml;dte Aleppo, Hama, Homs und schlie&szlig;lich Damaskus. Die Dynamik der Offensive war derart intensiv, dass sie am Sonntagfr&uuml;h Damaskus ohne nennenswerten Widerstand einnehmen konnten. Das syrische Milit&auml;r fiel innerhalb weniger Tage geradezu wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Nahezu &uuml;berall, wo die Islamisten erschienen, zog sich die syrische Armee zur&uuml;ck, teils sogar unter Zur&uuml;cklassung der Gro&szlig;waffensysteme wie Hubschrauber, Kampfflugzeuge, Luftabwehrsysteme, Raketenwerfer und Panzer, die nur noch von den vorr&uuml;ckenden Islamisten eingesammelt werden mussten. <\/p><p>Die islamistischen Terrorgruppen haben Syrien wie in einem Spaziergang einnehmen k&ouml;nnen. Wie all das geschehen konnte, wird sicherlich noch in den n&auml;chsten Wochen und Monaten unter verschiedenen Aspekten (politische und milit&auml;rische Situation) analysiert werden m&uuml;ssen. Diese erfolgreiche Offensive ist umso &uuml;berraschender, als das die Herrscherfamilie Assad es vermochte, &uuml;ber viele Jahre hinweg den B&uuml;rgerkrieg auszusitzen und mit russischer Unterst&uuml;tzung diesen Krieg im Wesentlichen f&uuml;r sich zu gewinnen. Der gr&ouml;&szlig;te Teil des Staatsgebietes geriet wieder unter die Hoheitsgewalt der syrischen Regierung. Vereinzelt gab es Inseln des islamistischen Widerstandes wie in der Region Idlib oder in durch die US- und t&uuml;rkische Armee besetzten Gebieten &ndash; mithin illegale US-Standorte und illegale t&uuml;rkische Pr&auml;senzen. Insgesamt aber galt der B&uuml;rgerkrieg weitgehend entschieden. Syrien verschwand aus den internationalen Schlagzeilen.<\/p><p>Den damaligen Wendepunkt stellte die Intervention Russlands auf Einladung der syrischen Regierung dar. Ohne diese Intervention w&auml;re der Krieg schon Ende 2015 von den Islamisten mit erheblich ausl&auml;ndischer Unterst&uuml;tzung gewonnen worden. Im Westen wird diese Macht&uuml;bernahme nun begr&uuml;&szlig;t. Ob die Situation sich tats&auml;chlich stabilisieren wird oder ob ein B&uuml;rgerkrieg um die Macht, die Gebiete und die Ressourcen des Landes nun zwischen den diversen islamistischen Gruppierungen und Rebellen, deren bisweilen einziger gemeinsamer Konsens der Sturz der Assad-Clans gewesen war, an Fahrt aufnimmt und sodann den syrischen Staat zum Kollaps f&uuml;hrt, bleibt abzuwarten. Selbst wenn die Staatlichkeit erhalten bliebe und auch eine gewisse Stabilit&auml;t erreicht werden sollte, bleibt die Frage im Raum, welche Art von Ordnung es geben wird? Eine von Islamisten geschaffene Scharia-Ordnung d&uuml;rfte, wie bereits schon erkl&auml;rt, dem multikonfessionellen Zusammenleben nicht unbedingt zutr&auml;glich sein. Massaker an und Vertreibungen von Christen, Schiiten, Alawiten, Armeniern, Kurden und systemtreuen Sunniten sind nicht auszuschlie&szlig;en. Die Entwicklungen in Libyen nach dem &ndash; ebenfalls von Islamisten in Kooperation mit westlichen Luftangriffen vorangetriebenen &ndash; gewaltsamen Sturz von Oberst Gaddafi f&uuml;hrten in das totale Chaos, das bis heute nicht &uuml;berwunden ist.<\/p><p>Insofern verwundert die seitens der Bundesregierung ge&auml;u&szlig;erte freudige Begr&uuml;&szlig;ung des Sturzes von Assad durchaus, wenn nicht klar ist, was danach kommt &ndash; insbesondere, wenn die neuen Machthaber &uuml;belste Islamisten sind. So ist beispielsweise der neue starke Mann in Damaskus der HTS-Chef Abu Muhammad al Dscholani, der <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/asien\/syrien-milizenfuehrer-al-jolani-100.html\">laut Tagesschau.de<\/a> <em>&bdquo;enge Bindungen an die Terrororganisation Islamischer Staat hatte, Teil der Nusra-Front, einem syrischen Ableger von al-Kaida war.&ldquo;<\/em> Und weiter: <em>&bdquo;Die USA setzten ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn aus&ldquo;<\/em> &ndash; und die Bundesregierung feiert diese Islamistentruppe als Befreier. In der internationalen Politik unterscheide ich nicht zwischen dem infantilen Verst&auml;ndnis von Gut und B&ouml;se, sondern im Zweifel zwischen schlecht und schlechter, wenn es um das Schicksal von unschuldigen Menschen geht. Die n&auml;chsten Wochen und Monate werden zeigen, ob die neuen, die islamistischen Herrscher nur schlecht oder schlechter im Vergleich zur Assad-Herrschaft f&uuml;r Syrien und die syrische Bev&ouml;lkerung, vor allem auch mit Blick auf die diversen Minderheiten, sind. Im Zweifel stehen neuen Fl&uuml;chtlingsmassen vor den Toren Europas und Deutschlands.<\/p><p>Die Auswirkungen dieses unerwarteten Regime Change begrenzen sich nicht allein auf Syrien. Der gesamte Nahe und Mittlere Osten, ja sogar die sich im Umbruch befindliche Weltpolitik wird hiervon tangiert, ist Syrien doch fest in dem B&uuml;ndnis mit Russland, Iran, Irak und auch Libanon eingebunden gewesen. Im Folgenden sollen die m&ouml;glichen geostrategischen Auswirklungen skizziert werden.<\/p><p><strong>Russland<\/strong><\/p><p>Die privilegierten syrisch-russischen Beziehungen reichen in die Zeit des Kalten Krieges zur&uuml;ck. Die damalige Sowjetunion schloss sogar ein Milit&auml;rabkommen mit Damaskus. Schon seit dieser Zeit unterh&auml;lt Moskau einen Marinest&uuml;tzpunkt im syrischen Tartus. Mit der Kontrolle &uuml;ber die Krim im Schwarzen Meer und mit dem Marinehafen an der syrischen Mittelmeerk&uuml;ste im &ouml;stlichen Mittelmeer konnte und kann Russland das &ouml;stliche Mittelmeer mitkontrollieren &ndash; und stellt(e) eine Art Gegenpol zur 6. US-Flotte dar. Mit dem Vormarsch der Islamisten im Jahr 2015 drohte Syrien an diese zu fallen. Damit w&auml;re auch der Marinest&uuml;tzpunkt f&uuml;r Russland verloren gegangen. Auch aus diesem Grunde intervenierte Russland auf Einladung des syrischen Pr&auml;sidenten Assad. Dass diese Intervention im Gegensatz zur Pr&auml;senz westlicher Truppen in Syrien und im syrischen Luftraum v&ouml;lkerrechtskonform gewesen ist, stellte bereits der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages 2015 in einer Studie mit dem Titel &bdquo;<em>Staatliche Selbstverteidigung gegen Terroristen V&ouml;lkerrechtliche Bewertung der Terroranschl&auml;ge von Paris vom 13. November 2015<\/em>&ldquo; fest: Darin hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Mit Blick auf den Kampf gegen den &sbquo;IS&lsquo; liegt eine &sbquo;Intervention auf Einladung&lsquo; zugunsten der westlichen Staatengemeinschaft seitens des Iraks vor, nicht aber explizit von Syrien &ndash; zumindest solange eine Kooperation des Westens mit dem Assad-Regime abgelehnt wird. (&hellip;) Die russischen Kriegshandlungen in Syrien gegen den &sbquo;IS&lsquo; (und die syrischen Rebellen) wird man dagegen als &sbquo;Intervention auf Einladung&lsquo; (des Assad-Regimes) bezeichnen k&ouml;nnen.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/resource\/blob\/564358\/66417232e0f7de033f60ec8f414c7746\/WD-2-203-15-pdf.pdf\">Deutscher Bundestag<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Allerdings verzichtete Russland weitgehend auf eine gr&ouml;&szlig;ere Anzahl von Bodentruppen. Diese sind lediglich im Norden, im Grenzgebiet zur T&uuml;rkei stationiert oder bewachen die Milit&auml;rbasen. Russland konzentrierte sich vielmehr auf den Einsatz seiner Luftstreitkr&auml;fte zur Bek&auml;mpfung der islamistischen Milizen. Die Bodenk&auml;mpfe wurden im Wesentlichen von der syrischen Armee und Hilfskr&auml;ften aus dem Irak und dem Iran gef&uuml;hrt. F&uuml;r den Einsatz der Luftwaffe wurde der Milit&auml;rflughafen Hmeimim aus dem Boden gestampft. H&auml;ufiger kam es hierbei zu Zwischenf&auml;llen zwischen den russischen und US-amerikanischen Fliegern im syrischen Luftraum. Beide Milit&auml;rbasen, der Marine- sowie der Luftwaffenst&uuml;tzpunkt, droht Russland nun zu verlieren. Es gibt erste Anzeichen daf&uuml;r, dass Russland sein Personal sowie seine Waffensysteme derweil evakuiert. Das Gro&szlig;machttrauma, also das fluchtartige Verlassen des besetzten Landes, der USA (Vietnam- und Afghanistankrieg) wiederholt sich offensichtlich f&uuml;r Russland in Syrien, wie auch schon zuvor in Afghanistan. <\/p><p>Nat&uuml;rlich ist es m&ouml;glich, einen Deal mit den neuen Machthabern anzustreben, aber warum sollten sich die siegreichen Islamisten dazu bereit erkl&auml;ren &ndash; sind die Russen doch die Verb&uuml;ndeten Assads gewesen und haben die islamistischen Milizen bek&auml;mpft. Nur ein Szenario k&ouml;nnte daf&uuml;r sprechen: Sollte es einen Deal zwischen der k&uuml;nftigen neuen US-Regierung unter Trump und dem Kreml gegeben haben: Russland l&auml;sst Assad fallen, daf&uuml;r kann Russland die Milit&auml;rbasen behalten, und die Frage der Ukraine wird weitgehend zu russischen Bedingungen beantwortet werden. Dies wiederrum w&uuml;rde jedoch voraussetzen, dass die USA bei der islamistischen Offensive in einer relevanten Weise eingebunden gewesen w&auml;ren, sodass sie final die F&auml;den ziehen, was Washington seinerseits dementiert.<\/p><p>Dieses Szenario halte ich nicht f&uuml;r ausgeschlossen, gleichwohl f&uuml;r weniger wahrscheinlich. Als wahrscheinlicher betrachte ich den Fakt, dass die russischen milit&auml;rischen Ressourcen weitgehend in der Ukraine gebunden sind. Immer noch kontrollieren ukrainische Kr&auml;fte Teile der russischen Region Kursk, was als Indiz f&uuml;r die Priorit&auml;tensetzung Moskaus angesehen werden kann. Eine &Uuml;berdehnung der russischen F&auml;higkeiten sollte wohl vermieden werden. Und selbst wenn Russland h&auml;tte entschieden eingreifen wollen, so h&auml;tten Kampftruppen entsendet werden m&uuml;ssen. Die Zeit arbeitete jedoch f&uuml;r die Islamisten, und die russischen Kr&auml;fte in einen Bodenkrieg zu entsenden, den die syrische Armee durch Massenkapitulation nicht mehr f&uuml;hren wollte, w&auml;re wenig aussichtsreich gewesen. Russland hat mit dem Fall des Assad-Clans unbestritten eine wichtige Einflusssph&auml;re verloren, womit seine Pr&auml;senz im &ouml;stlichen Mittelmeer erheblich geschw&auml;cht sein d&uuml;rfte. Mit dem Verlust Armeniens im Kaukasus und der NATO-Osterweiterung um Schweden und Finnland ist die geopolitische Landkarte f&uuml;r Russland in Europa und dem Nahen Osten sehr schwierig geworden. Hinzu kommt der massive Reputationsverlust f&uuml;r Russland &ndash; das Land ist nicht in der Lage, seinen Verb&uuml;ndeten nachhaltig zu st&uuml;tzen.<\/p><p><strong>Irak, Iran und Libanon<\/strong><\/p><p>Der Iran verliert mit Syrien einen seiner wichtigsten Verb&uuml;ndeten in der Region. Syrien spielte f&uuml;r den Iran eine au&szlig;erordentlich wichtige Rolle: zum einen als Zugang zum &ouml;stlichen Mittelmeer, der nunmehr versperrt sein d&uuml;rfte, und zum anderen als Aufmarschgebiet und Drohkulisse gegen&uuml;ber Israel. F&uuml;r Israel stellt Syrien nun neben Jordanien einen weiteren Pufferstaat dar. Auch die Unterst&uuml;tzung der Hamas in Gaza und der Hisbollah im Libanon d&uuml;rfte f&uuml;r den Iran eine massive Einschr&auml;nkung erfahren, ist doch der Landweg nun blockiert. Die proiranischen Kr&auml;fte im Irak, die auch in Syrien an der Seite Assads standen, verlieren ebenfalls einen wichtigen Verb&uuml;ndeten. Der Irak grenzt nun, sollten sich die syrischen Islamisten gegen den Irak in Stellung bringen, an einen Feindstaat. Die lange syrisch-irakische Grenze ist schwer zu kontrollieren und somit das Einsickern islamistischer Kr&auml;fte schwierig zu verhindern. Das Wiedererwachen auch des IS in Syrien und im Irak ist nicht auszuschlie&szlig;en.<\/p><p>Der von israelischen Angriffen Krieg geplagte Libanon ist nun eingekeilt zwischen Israel im S&uuml;den, dem Mittelmeer im Westen und einem potenziell feindlichen Syrien.<\/p><p><strong>Israel<\/strong><\/p><p>Israel d&uuml;rfte neben der T&uuml;rkei auf den ersten Blick einer der Gewinner des Regime Change in Damaskus sein &ndash; zumindest kurzfristig. Wie bereits oben erw&auml;hnt, f&auml;llt Syrien als iranischer Vorposten weg. Syrien ist massiv geschw&auml;cht und w&uuml;rde im Falle eines B&uuml;rgerkrieges sogar Gefahr laufen, zum failed state zu degenerieren &ndash; mithin also kein ernsthafter Akteur mehr in der Region sein. Die Okkupationen syrischen Staatsgebietes wie der Golanh&ouml;hen und der Schebaa-Farmen werden sich verstetigen. Israel k&ouml;nnte mit dem Ende des Assad-Staates und der Schw&auml;chung des Libanons seine dominante Rolle in der Region ausbauen. F&uuml;r die Pal&auml;stinenser d&uuml;rfte diese Entwicklung einen weiteren R&uuml;ckschlag bedeuten. Jedoch scheint auch Israel die Gefahr islamistischer Fanatiker auf syrischer Seite richtig einzusch&auml;tzen, denn schon jetzt bombardiert die israelische Luftwaffe Munitionslager und Waffensysteme, um zu verhindern, dass diese in die H&auml;nde der neuen Scharia-Machthaber fallen. Assad war ein berechenbarer Gegner, die Islamisten sind es nicht.<\/p><p><strong>T&uuml;rkei<\/strong><\/p><p>Die T&uuml;rkei spielte in Syrien von Beginn der Krise, also seit 2011, eine wichtige Rolle. Die t&uuml;rkische F&uuml;hrung wendete sich schnell gegen den Assad-Staat und unterst&uuml;tzte die islamistischen Kr&auml;fte gegen den Assad-Clan, um einerseits gegen die syrischen Kurden vorgehen zu k&ouml;nnen, aber auch, um syrisches Territorium zu okkupieren. Der Norden Syriens sowie der Nordosten stehen faktisch unter t&uuml;rkischer Kontrolle. Es war die T&uuml;rkei, die sich als Schutzmacht im Nordwesten Syriens, in der Region Idlib f&uuml;r die HTS engagierte und somit die Keimzelle f&uuml;r die islamistische Offensive absicherte. Es war die T&uuml;rkei, die islamistischen K&auml;mpfern im S&uuml;den des Landes im grenznahen Bereich R&uuml;ckzugsgebiete einr&auml;umte und in t&uuml;rkischen Krankenh&auml;usern diese wieder kampff&auml;hig pflegte. Auch d&uuml;rften die T&uuml;rkei und ihre islamistischen Schergen sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, die Kurdenfrage auf ihre Weise zu l&ouml;sen &ndash; und Europa wird versch&auml;mt wegschauen, hatte man doch trotz klarer Faktenlage geglaubt, die neuen Machthaber seien eigentlich die Guten. Russland ist den Absichten der T&uuml;rkei wiederholt auf den Leim gegangen, was wahrscheinlich auch zu einer Neubewertung des t&uuml;rkisch-russischen Verh&auml;ltnis f&uuml;hren d&uuml;rfte. Recep Erdogan erweist sich im Falle Syrien als auch insgesamt nicht nur f&uuml;r Russland, sondern auch f&uuml;r den Westen als unberechenbarer Partner. Er sucht das Beste f&uuml;r die T&uuml;rkei aus beiden Welten &ndash; bislang recht erfolgreich.<\/p><p><strong>USA<\/strong><\/p><p>Die Rolle der USA in der erfolgreichen islamistischen Offensive ist noch unklar. Klar hingegen ist, dass die USA die territoriale Integrit&auml;t und Souver&auml;nit&auml;t Syriens massiv verletz(t)en, die Hoheitsgewalt des syrischen Assad-Staates im Osten und S&uuml;dosten des Landes untergruben, sich das dortige Erd&ouml;l illegalerweise bis heute aneignen und so die Widerstandskraft Syriens dauerhaft schw&auml;chten. Nicht zuletzt der fr&uuml;here und k&uuml;nftige US-Pr&auml;sident Donald Trump prahlte mit der illegalen Enteignung energetischer Rohstoffe Syriens: <a href=\"https:\/\/x.com\/BenjaminNorton\/status\/1865570071399080130?t=QXY1pYFiOCdOFlw70yYp1A&amp;s=09\"><em>&bdquo;Ich habe die Truppen zur&uuml;ckgelassen, um das &Ouml;l zu holen&ldquo;<\/em><\/a>.<\/p><p>Ungeachtet dessen, ob die USA in der Offensive eine Rolle spielten oder nicht: Ihr Ziel, den Sturz Assads, haben sie erreicht &ndash; und ganz nebenbei auch das Ende des geopolitischen Rivalen in Syrien und dem Nahen Osten, Russland.<\/p><p>Ob sie es nun wollen oder gar verm&ouml;gen, die diversen islamistischen Gruppierungen zu steuern, zu disziplinieren und somit ein zweites Libyen zu verhindern, werden die n&auml;chsten Wochen zeigen. Jedenfalls zeigt sich der k&uuml;nftige US-Pr&auml;sident, wohl im Gegensatz zu seinem deep state, eher <a href=\"https:\/\/x.com\/realDonaldTrump\/status\/1865434273953509462?t=wpqFlCLpikJID9LRSK2ODg&amp;s=09\">skeptisch hinsichtlich eines US-Engagements in Syrien<\/a>: <em>&bdquo;Und die Vereinigten Staaten sollten nichts damit zu tun haben. Dies ist nicht unser Kampf. Lassen wir ihn sich ausspielen. Mischen sie sich nicht ein&ldquo;<\/em>. Der letzte Satz d&uuml;rfte an die Noch-Biden-Regierung adressiert sein. Trumps Ansage insgesamt k&ouml;nnte f&uuml;r die syrischen Kurden einem Todesurteil nahekommen.<\/p><p><strong>Europa<\/strong><\/p><p>Die Freude der politischen Entscheider in Europa &uuml;ber den Sieg der Islamisten k&ouml;nnte recht bald in Ern&uuml;chterung umschlagen, wenn Exzesse an den konfessionellen Minderheiten stattfinden, wenn christliche Symbole und Kirchen zerst&ouml;rt werden, wenn m&ouml;glicherweise neue Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me vor den Toren Europas und Deutschlands stehen. Dann taucht die ablenkende Frage auf: Wie konnte das geschehen? Oder, es konnte ja niemand ahnen, dass &hellip; Diesen Ausfl&uuml;chten muss widersprochen werden. Es ist ja eben nicht so, als h&auml;tte man eine solche Entwicklung nicht vorhersehen k&ouml;nnen. Dieses naive, ja geradezu infantile politische Verst&auml;ndnis, gerade und auch besonders nach den Erfahrungen in Libyen, ist erschreckend. Jedenfalls sehe ich Europa nicht als Gewinner dieser neuesten Entwicklung im Nahen Osten.<\/p><p>Abschlie&szlig;end bleibt festzuhalten, dass in dem gegenw&auml;rtigem Weltneuordnungskrieg dem Regime Change in Syrien eine nicht unbedeutende Rolle zu kommt. Und das ungeachtet dessen, ob der Machtwechsel dazu f&uuml;hrt, dass Syrien in das westliche Lager wechselt oder im Chaos enden wird. Entscheidend ist, dass die eine Seite einen wichtigen Verb&uuml;ndeten im Nahen Osten verloren hat, was im geopolitischen Nullsummenspiel einen regionalen Sieg der Gegenseite bedeutet.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ eltoro69<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/ed1c048d5210464181f86420767b6e6a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht vom 7. auf den 8. 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