{"id":126142,"date":"2024-12-13T09:00:41","date_gmt":"2024-12-13T08:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126142"},"modified":"2026-01-27T11:48:50","modified_gmt":"2026-01-27T10:48:50","slug":"michael-meyen-es-geht-um-definitionsmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126142","title":{"rendered":"Michael Meyen: \u201eEs geht um Definitionsmacht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Rechercheverb&uuml;nde wie OCCRP und ICIJ geh&ouml;ren zum Propaganda-Apparat und die Faktenchecker zum Zensurregime&ldquo; &ndash; das sagt <strong>Michael Meyen<\/strong> im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Die <em>NDS<\/em> haben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125647\">die aktuellen Entwicklungen zu dem OCCRP<\/a> (Organized Crime and Corruption Reporting Project) zum Anlass genommen, &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde und die Bedeutung gro&szlig;er Rechercheorganisationen und Faktenchecker zu sprechen. Deutungshoheit und Definitionsmacht &ndash; darum geht es, sagt Meyen. &bdquo;Bis in die 1990er&ldquo;, so der Kommunikationswissenschaftler, habe es gereicht, &bdquo;Gegenstimmen aus den gro&szlig;en Zeitungen herauszuhalten und aus dem Rundfunk. Was dort nicht vorkam, hat f&uuml;r den W&auml;hler nicht existiert.&ldquo; Durch das Internet habe sich die Situation ver&auml;ndert, und nun stehen Faktenchecker und Rechercheverb&uuml;nde auf der B&uuml;hne. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5811\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-126142-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=126142-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241213_Michael_Meyen_Es_geht_um_Definitionsmacht_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Herr Meyen, es gibt Faktenchecker und Rechercheverb&uuml;nde. Und damit verbunden ist auch das eine oder andere Problem, oder?<\/strong><\/p><p><strong>Michael Meyen<\/strong>: Das haben Sie sch&ouml;n ausgedr&uuml;ckt. Das Problem beginnt schon bei dem Versprechen, das mit den Namen zu uns kommt. Hier die &bdquo;Wahrheit&ldquo;, noch einmal extra gepr&uuml;ft, und dort eine Allianz der besten Kr&auml;fte, die der Journalismus aufbieten kann, um der Macht Paroli zu bieten und alles ans Tageslicht zu holen, was uns sonst vorenthalten werden w&uuml;rde. Beide Namen sind Nebelkerzen. &bdquo;Wahrheit gibt es nur zu zweien&ldquo;, steht &uuml;ber einem Buch mit Briefen von Hannah Arendt. Das hei&szlig;t: Wir m&uuml;ssen die Interpretationen der Wirklichkeit nebeneinanderstellen und streiten. Und wir m&uuml;ssen verstehen, dass Journalismus auch dann gekapert werden kann, wenn er das Etikett &bdquo;investigativ&ldquo; tr&auml;gt. Ich w&uuml;rde sogar behaupten, dass dieses Etikett genau deshalb erfunden worden ist. Es adelt den Berufsstand und verschleiert, dass immer ein Leck ben&ouml;tigt wird, um wirklich Brisantes in die &Ouml;ffentlichkeit zu bringen. Damit kommen die Geheimdienste ins Spiel und andere interessierte Kreise, in Regierungen, Beh&ouml;rden, Konzernen.<\/p><p><strong><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125647\">Gerade wurde bekannt<\/a>, dass ein gro&szlig;es internationales Recherchenetzwerk, das auch mit der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> und dem <em>Spiegel<\/em> kooperiert hat, <a href=\"https:\/\/apollo-news.net\/verdeckte-regierungsfinanzierung-schwere-vorwuerfe-gegen-spiegel-und-sueddeutsche-zeitung\/\">Geld von der US-Regierung erhalten haben soll<\/a>. Es geht um das OCCRP. Was ist das OCCRP genau? Und: Was waren Ihre Gedanken, als Sie von der Nachricht geh&ouml;rt haben?<\/strong><\/p><p>Mein erster Gedanke ist immer: Warum kommt so etwas gerade jetzt? Die Fragezeichen waren ja sofort da, bei den <a href=\"https:\/\/finanzmarktwelt.de\/was-steckt-hinter-den-panama-papers-30715\/\">Panama Papers<\/a> genauso wie bei den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=76783\">Pandora Papers<\/a>. Auch die &Uuml;berbringer spielten damals schon eine Rolle &ndash; neben dem Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP), um das sich die aktuelle Debatte dreht, seinerzeit vor allem das International Consortium of Investigative Journalism (ICIJ), beide mit Sitz in den USA. Auch hier achte man wieder auf die Namen. Das ICIJ gibt es seit 1997 und das OCCRP seit Mitte der Nullerjahre. Beide entstehen also in einer Zeit, in der klar war, dass es mit dem Internet einen versch&auml;rften Kampf um Deutungshoheit geben w&uuml;rde. Seitdem ist ein ganzes Netzwerk solcher Rechercheorganisationen gewachsen, mit einem Kern in den USA und Standbeinen in der gesamten westlichen Welt. <\/p><p>Wenn man wei&szlig;, dass das Geld f&uuml;r ICIJ und OCCRP zu weiten Teilen von den gro&szlig;en Stiftungen kommt oder aus irgendwelchen Regierungst&ouml;pfen, dann ist klar, wohin die Reise geht. Mit Noam Chomsky gesprochen: Wir haben hier einen neuen Filter, den jede Enth&uuml;llung passieren muss, bevor sie dort erscheinen kann, wo Zustimmung f&uuml;r die Herrschenden produziert wird. Zum einen dr&uuml;cken die Verb&uuml;nde den recherchierenden Einzelk&auml;mpfer an die Wand, den es ja in vielen Redaktionen gab und gibt. Und zum anderen bleibt dem potenziellen Whistleblower so oft gar nichts anderes mehr &uuml;brig, als sein Gl&uuml;ck bei den Gro&szlig;en zu versuchen. Durch die OCCRP-Debatte d&uuml;rfte jetzt jeder wissen, an wen er sich da eigentlich wendet.<\/p><p><strong>Was hat sich da genau zugetragen? Wie kam es &uuml;berhaupt zu den Vorw&uuml;rfen gegen das OCCRP?<\/strong><\/p><p>Ausl&ouml;ser war ein Bericht auf dem franz&ouml;sischen Portal <a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/en\/journal\/international\/021224\/hidden-links-between-giant-investigative-journalism-and-us-government\"><em>Mediapart<\/em><\/a>, das zusammen mit dem <em>NDR<\/em> und weiteren Partnern an dem Thema gearbeitet hatte. <em>Mediapart<\/em> zitiert aus Interviews mit OCCRP-Direktor Drew Sullivan und Spitzenleuten von der USAID, also Washingtons Arm in der gro&szlig;en, weiten Welt, hier getarnt mit dem Namen Entwicklungshilfe. In den Protokollen ist unter anderem von einem &bdquo;Mitspracherecht&ldquo; beim Arbeitsplan die Rede, von einem &bdquo;Veto-Recht&ldquo; bei der Bestellung von &bdquo;Schl&uuml;sselpersonal&ldquo; und von verdeckten Geldfl&uuml;ssen bei der OCCRP-Gr&uuml;ndung. Die Insider sind da v&ouml;llig offen und loben zum Beispiel, dass die US-Regierung &uuml;ber das OCCRP bestimmen kann, was die Welt unter Korruption versteht. Es geht um Definitionsmacht, genau wie fr&uuml;her bei <em>Radio Free Europe<\/em> oder <em>Radio Liberty<\/em>. <em>Mediapart<\/em> hat ausgerechnet, dass seit der OCCRP-Gr&uuml;ndung mindestens 47 Millionen Dollar von der US-Regierung gekommen sind. Die EU ist mit 1,1 Millionen Dollar dabei, Gro&szlig;britannien mit sieben und Schweden mit vier Millionen Dollar. Bei einem Regierungsanteil von 70 Prozent am Gesamtbudget der Jahre 2014 bis 2023 kann von Unabh&auml;ngigkeit keine Rede sein.<\/p><p><strong>Sie erw&auml;hnten bereits den <em>NDR<\/em>. Was hat es mit dem <em>NDR<\/em> in der Causa OCCRP auf sich?<\/strong><\/p><p>Der Sender spielt hier eine ambivalente Rolle. Einerseits hat er die Recherche &uuml;berhaupt erst angesto&szlig;en, dann Partner wie <em>Mediapart<\/em> mit ins Boot geholt und die Zusammenarbeit mit OCCRP beendet, als sich die Befunde abzeichneten. Andererseits ist die Reportage nicht gesendet worden. <em>Mediapart<\/em> spricht von Zensur in letzter Minute und von <a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/en\/journal\/international\/021224\/german-broadcaster-ndr-censored-own-investigation-world-s-largest-consortium-investigative-media\">Druck<\/a> durch das OCCRP, also letztlich von der US-Regierung.<\/p><p><strong>Wie betrachten Sie das Verhalten des <em>NDR<\/em>?<\/strong><\/p><p>Den Zensurvorwurf hat der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html\">Sender<\/a> ja zur&uuml;ckgewiesen und stattdessen versucht, Staatsgelder f&uuml;r den Journalismus aus dem Bereich des Anr&uuml;chigen in die Normalit&auml;t zu r&uuml;cken. Das beobachte ich bei vielen Leitmedien, frei nach dem Motto: Was ist schon dabei, wenn die &ouml;ffentliche Hand in Krisenzeiten den Verteidigern &bdquo;unserer Demokratie&ldquo; ein wenig unter die Arme greift? Vielleicht geht es bei diesem Skandal genau darum: Man gew&ouml;hnt das Publikum an eine neue Journalismus-Erz&auml;hlung, die nicht mehr auf Unabh&auml;ngigkeit setzt und auch nicht mehr auf Neutralit&auml;t oder Objektivit&auml;t, sondern dem Berufsstand erlaubt, ganz offen Partei zu ergreifen f&uuml;r das, was als &bdquo;gut&ldquo; und &bdquo;richtig&ldquo; erkannt wurde. Zu offenen Subventionen ist es von da nur noch ein kleiner Schritt. Zum <em>NDR<\/em> muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen. Wir haben ja <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68236\">hier<\/a> vor vier Jahren schon besprochen, dass der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk fest in der Hand der Politik ist.<\/p><p><strong>Wenn wir nur auf das OCCRP fokussieren, greift die Analyse zu kurz. Die Recherchen zu dem Netzwerk helfen dabei, konkrete Probleme sichtbar zu machen. Aber wir sollten uns auf Grundlegendes konzentrieren, n&auml;mlich die Prinzipien, die Mechanismen, die Antriebe, die &uuml;berhaupt erst dazu f&uuml;hren, dass solche Recherchenetzwerke entstehen bzw. dass sie so agieren, wie sie agieren. Sehen Sie das auch so?<\/strong><\/p><p>Ja. Es geht um Deutungshoheit. Jede Regierung hat ein Interesse, das zu kontrollieren, was &uuml;ber sie &ouml;ffentlich gesagt wird. Das gilt v&ouml;llig unabh&auml;ngig von der Staatsform. Auch in repr&auml;sentativen Demokratien brauche ich zwischen den Wahlen ein Mindestma&szlig; an Legitimation. Also versuche ich, alle Themen zu unterdr&uuml;cken, die mir Schwierigkeiten machen k&ouml;nnten, oder wenigstens meine Sicht der Dinge zu pushen. Bis in die 1990er war das relativ leicht. Es hat gereicht, Gegenstimmen aus den gro&szlig;en Zeitungen herauszuhalten und aus dem Rundfunk. Was dort nicht vorkam, hat f&uuml;r den W&auml;hler nicht existiert. Die Herausforderung durch das Internet hat eine doppelte Reaktion ausgel&ouml;st. Zum einen hat man den staatlichen Propaganda-Apparat erheblich aufger&uuml;stet, und zum anderen wurde ein Zensurregime etabliert, das nicht so hei&szlig;en darf. Man kann das bei Hannes Hofbauer studieren in seinem Buch &bdquo;Zensur&ldquo; oder in meinem <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@Michael_Meyen\">YouTube-Kanal<\/a>. Rechercheverb&uuml;nde wie OCCRP oder ICIJ sind hier nur ein Mosaikstein.<\/p><p><strong>Mit welchem &bdquo;Ph&auml;nomen&ldquo; haben wir es denn da zu tun? Was steckt Ihrer Meinung nach hinter bestimmten &bdquo;journalistischen&ldquo; Netzwerken?<\/strong><\/p><p>Ich w&uuml;rde mich gar nicht so sehr auf diese Netzwerke konzentrieren, weil da ja sp&auml;testens mit den Panama Papers offensichtlich war, was l&auml;uft. Wenn man in Deutschland <em>NDR<\/em>, <em>WDR<\/em> und <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> mit an Bord hat, ist die fl&auml;chendeckende Verbreitung garantiert. Ich hatte damals noch ein Digitalabo der SZ, wo die neueste Ausgabe sonst immer ab 19 Uhr verf&uuml;gbar war. An diesem Abend musste ich bis 20 Uhr warten, bis zum ersten Gong der <em>Tagesschau<\/em>. Es wurden Helden geboren, die seitdem von einem Podium zum n&auml;chsten gereicht werden und nie fehlen d&uuml;rfen, wenn es um Glanz und Gloria des Journalismus geht. Julian Assange sa&szlig; damals schon vier Jahre in der Botschaft von Ecuador in London, weil er das gemacht hat, wof&uuml;r das Adjektiv &bdquo;investigativ&ldquo; eigentlich steht: Dinge ver&ouml;ffentlichen, die Regierungen mit aller Macht unterdr&uuml;cken wollen. Geschichten wie die Panama Papers sind da ein wunderbares Ablenkungsman&ouml;ver und relativieren zugleich die Kritik an den Leitmedien, die ja schon 2016 massiv war. Ich erlebe das oft bei meinen Vortr&auml;gen. Sie m&ouml;gen ja mit allem recht haben, lieber Herr Meyen, aber was ist mit den Panama Papers?<\/p><p><strong>Ist die Problematik vergleichbar mit den Faktenchecks? Hier geht es ja oft auch nur in eine Richtung &ndash; n&auml;mlich in Richtung der Herrschaftserz&auml;hlung.<\/strong><\/p><p>Rechercheverb&uuml;nde wie OCCRP und ICIJ geh&ouml;ren zum Propaganda-Apparat und die Faktenchecker zum Zensurregime. Wir haben hier zwei Seiten der gleichen Medaille, die sich nur analytisch trennen lassen. Propaganda will die &ouml;ffentliche Debatte lenken. Daf&uuml;r prangere ich zum Beispiel &uuml;ber OCCRP bestimmte Staaten, Politiker oder Konzerne an, lasse andere dabei raus und entscheide au&szlig;erdem, wann ich &bdquo;die Bombe&ldquo; platzen lasse. Das funktioniert nur, wenn ich es gleichzeitig schaffe, alternative Deutungen zu unterdr&uuml;cken. Hier kommen die Faktenchecker ins Spiel, im Westen 2015 institutionalisiert im International Fact-Checking Network (IFCN) am Poynter Institute in den USA. Das Geld kam seinerzeit vor allem von Ebay-Gr&uuml;nder Pierre Omidyar. <\/p><p>Der Link zu Geopolitik und Ukraine ist hier genauso offensichtlich wie das Zusammenspiel von Staaten und Digitalkonzernen, die ja auch sonst f&uuml;r das Bermuda-Dreieck stehen, in dem unliebsame Online-Inhalte jederzeit verschwinden k&ouml;nnen. IFCN-Mitglied Correctiv wurde 2014 mit Geld der Verlegerfamilie Brost gegr&uuml;ndet und hat seitdem immer wieder Mittel aus ganz unterschiedlichen Steuer- und Stiftungst&ouml;pfen bekommen. Daf&uuml;r wird Sperrfeuer produziert gegen alles, was die Herrschaftserz&auml;hlung infrage stellt und gleichzeitig das Potenzial hat, viele Menschen zu erreichen. Rechercheverb&uuml;nde und Faktenchecker sind aber, das wiederhole ich, nur Puzzlest&uuml;cke im gro&szlig;en Spiel um Deutungshoheit.<\/p><p><strong>Fr&uuml;her war es &uuml;blich, in vielerlei Hinsicht beim Umgang mit Nachrichten und Informationen zu fragen: Wem dienen diese? Wem dient eine veranschlagte Lesart? Wem nutzt eine verbreitete &bdquo;Wahrheit&ldquo;? Heute wird bei Fragen dieser Art schnell der Vorwurf &bdquo;Verschw&ouml;rungstheorie&ldquo; erhoben. Warum ist das so?<\/strong><\/p><p>Noch so ein Puzzlest&uuml;ck &ndash; einer der Kampfbegriffe, die delegitimieren sollen. Wir k&ouml;nnen das fast beliebig erg&auml;nzen. Hass und Hetze, Fake News, Desinformation. Die AfD auf <em>TikTok<\/em>, der Russe mit seinen Trollfabriken. Die Erz&auml;hlung, dass die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r &bdquo;unsere Demokratie&ldquo; aus dem Internet kommt, wird immer wieder von ganz oben gef&uuml;ttert. Es gibt dazu eine ganze Reihe von Merkel- und Scholz-Zitaten. Vor dem November-Lockdown 2020 kam aus dem Mund der Kanzlerin zum Beispiel auch dieser <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/service\/archiv\/archiv-mediathek\/regierungserklaerung-1804998\">Satz<\/a>: &bdquo;L&uuml;ge und Desinformation, Verschw&ouml;rung und Hass besch&auml;digen nicht nur die demokratische Debatte, sondern auch den Kampf gegen das Virus.&ldquo; <\/p><p>Wohin uns diese Reise f&uuml;hren k&ouml;nnte, kann man gerade in Rum&auml;nien sehen, wo nach der ersten Runde der Pr&auml;sidentenwahl sofort von <em>TikTok<\/em> und russischen Cyberangriffen die Rede war und das Ergebnis dann ja auch mit diesem Argument annulliert wurde. Ein zweiter Weg ist im Digital Services Act der EU vorgezeichnet. Das Besteck f&uuml;r offene Zensur liegt genauso bereit wie entsprechende Kampfansagen. Die Allianz reicht da von US-Demokraten wie Hillary Clinton und John Kerry, die den ersten Verfassungszusatz im Wahlkampf als Hindernis attackiert haben, &uuml;ber Robert Habeck bis zu Yuval Noah Harari, der in seinem Bestseller &bdquo;Nexus&ldquo; alle f&uuml;r naiv erkl&auml;rt, die glauben, dass m&ouml;glichst viele Stimmen irgendwann zur Wahrheit f&uuml;hren. <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/medien-plus\/159\">Harari<\/a> sagt klipp und klar: Information ist daf&uuml;r da, &bdquo;um Ordnung zu schaffen und die Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen&ldquo;.<\/p><p><strong>Wie sollten kritische Mediennutzer mit Nachrichten von Rechercheverb&uuml;nden und Faktencheckern umgehen? Wie l&auml;sst sich mit den verbreiteten &bdquo;Informationen&ldquo;, die vielleicht ideologisch, machtelit&auml;r usw. kontaminiert sein k&ouml;nnen, auf eine Weise umgehen, dass man nicht einer manipulativen Sto&szlig;richtung auf den Leim geht?<\/strong><\/p><p>Wer bis hierher gelesen hat, ist da ja schon ziemlich weit. Das hei&szlig;t: Er hat sich nicht von irgendwelchen &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=115823\">Gegneranalysen<\/a>&ldquo; oder sonstigen Diffamierungsversuchen beeindrucken lassen und nutzt weiter Seiten, die von ihrem Publikum finanziert werden und so in der Lage sind, Fragen zu stellen und auf Zusammenh&auml;nge oder Interessen hinzuweisen, die in den Leitmedien ausgeblendet werden. Ich wei&szlig; nat&uuml;rlich, dass auch die Medien der Gegen&ouml;ffentlichkeit immer wieder kritisiert werden. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass hier David gegen Goliath k&auml;mpft. Auch da ist das Millionen-Budget des OCCRP, genau wie das 100-K&ouml;pfe-Team von Correctiv, wieder nur ein Tropfen aus einem riesigen See.<\/p><p><em><strong>Anmerkung Redaktion\/Lesetipp:<\/strong> Michael Meyen hat zusammen mit Antje Meyen die <a href=\"https:\/\/www.freie-medienakademie.de\/\">Freie Akademie f&uuml;r Medien &amp; Journalismus<\/a> gegr&uuml;ndet.<\/em><\/p><p><em>Michael Meyen: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/hintergrund-verlag\/cancel-culture.html\">Cancel Culture: Wie Propaganda und Zensur Demokratie und Gesellschaft zerst&ouml;ren<\/a>. (WISSEN KOMPAKT) Taschenbuch, Verlag Hintergrund, Osnabr&uuml;ck 2024, 80 Seiten, 10,90 Euro.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Rechercheverb&uuml;nde wie OCCRP und ICIJ geh&ouml;ren zum Propaganda-Apparat und die Faktenchecker zum Zensurregime&ldquo; &ndash; das sagt <strong>Michael Meyen<\/strong> im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. Die <em>NDS<\/em> haben <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125647\">die aktuellen Entwicklungen zu dem OCCRP<\/a> (Organized Crime and Corruption Reporting Project) zum Anlass genommen, &uuml;ber die Hintergr&uuml;nde und die Bedeutung gro&szlig;er Rechercheorganisationen und Faktenchecker zu sprechen. 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