{"id":12615,"date":"2012-03-20T10:23:03","date_gmt":"2012-03-20T09:23:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12615"},"modified":"2015-02-08T11:06:59","modified_gmt":"2015-02-08T10:06:59","slug":"ein-erster-erfolg-der-diskussion-um-den-falschen-prasidenten-und-ein-undemokratischer-umgang-mit-der-kritik-an-joachim-gauck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12615","title":{"rendered":"Ein erster Erfolg der Diskussion um den falschen Pr\u00e4sidenten und ein undemokratischer Umgang mit der Kritik an Joachim Gauck"},"content":{"rendered":"<p>Die Anstrengung, in wenigen Tagen ein Buch zu schreiben, hat sich gelohnt. Die Botschaft &bdquo;was Pfarrer Gauck noch lernen muss&ldquo; wie auch die Kritiken und Anregungen von anderen, sind bei Gauck erkennbar angekommen: &bdquo;Das hei&szlig;t auch, dass ich mich neu auf Themen, Probleme und Personen einlassen werde, auf eine Auseinandersetzung auch mit Fragen, die uns heute in Europa und in der Welt bewegen,&ldquo; so der neu gew&auml;hlte Bundespr&auml;sident in seiner Dankesrede am Sonntag. Im ZDF sagte er: &ldquo;Ich m&ouml;chte das Sozialstaatsmodell ausgebaut sehen.&rdquo; &ndash; Wenn das so kommt, w&auml;re das gut und wir w&auml;ren auf einem guten Weg. Dabei w&auml;re hilfreich, der Bundespr&auml;sident w&uuml;rde sich die Kritiken anh&ouml;ren und &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo; mal lesen. Das Buch enth&auml;lt eine Reihe n&uuml;tzlicher Anregungen. Zu Ihrer Information f&uuml;ge ich unten das erste und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=12555#l03\">einf&uuml;hrende Kapitel an<\/a>. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEinige NDS-Leser\/innen sind sehr skeptisch. Sie bezweifeln, ob Joachim Gauck &uuml;berhaupt zuh&ouml;ren will. Ob er das tut, wird auch davon abh&auml;ngen, ob der Druck auf die &Ouml;ffnung seiner Ansichten erhalten bleibt. Deshalb ist &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo; auch nicht auf den Tag seiner Wahl angelegt, sondern als Steinbruch von Ideen f&uuml;r die weitere Beobachtung des neuen Pr&auml;sidenten. <\/p><p><strong>Interessante Erfahrungen mit der Reaktion der Medien<\/strong><\/p><p>Im H&ouml;rfunk gibt es noch Freir&auml;ume auch f&uuml;r das Gespr&auml;ch mit kritischen Autoren wie mir. Im Fernsehen, insbesondere in den Talkshows, ist der &bdquo;Laden&ldquo; mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. der M&uuml;nchner Runde, &bdquo;dicht&ldquo;. Wenn dritte Personen, im konkreten Fall Sahra Wagenknecht, auf die Neuerscheinung hinweisen, wird wie von Reinhold Beckmann am vergangenen Donnerstag interveniert. Siehe hier <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uQkhpn25hWs\">ein Auszug<\/a> und die <a href=\"http:\/\/mediathek.daserste.de\/sendungen_a-z\/443668_beckmann\/9847068_drei-tage-vor-der-wahl-des-neuen-staatsoberhaupts\">gesamte Sendung<\/a>. Beckmanns Reaktion kann man ja gerade noch akzeptieren. Frau Birthler reagierte als Ausputzerin und so, als w&uuml;rde es bei &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo; um Teufelszeug gehen. Warum eigentlich? Ist das Buch gef&auml;hrlich? St&ouml;rt es die Kreise der einheitlich ausgerichteten gesellschaftspolitischen Linie der Talkshowen? St&ouml;rt es die Kreise der Meinung machenden Ideologen? &ndash; So ist das Buch in der Tat gedacht.<br>\nIch habe &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo; absichtlich grunds&auml;tzlich angelegt. Joachim Gauck wird in seinen Texten immer wieder grunds&auml;tzlich; er bringt immer wieder die Sprache auf die Systemver&auml;nderer und kritisiert diese besonders heftig, allerdings ohne selbst zu merken, wie die neoliberale Ideologie unser einigerma&szlig;en vern&uuml;nftiges System in den letzten 30 Jahren ver&auml;ndert hat.<\/p><p><strong>Merkw&uuml;rdigkeiten bei Buchhandlungen und Amazon<\/strong><\/p><p>Bei <strong>Amazon<\/strong> gibt es bisher (Stand 20.3. 9:30h) <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Der-falsche-Pr%C3%A4sident-Pfarrer-gl%C3%BCcklich\/dp\/3864890284\/ref=zg_bs_143_19\"><strong>zwei<\/strong> Besprechungen<\/a>, eine davon von einem Herrn Anders &ndash; h&ouml;chst b&ouml;sartig, aber ohne jeglichen Bezug zum Text meines Buches. Herr Anders kann das Buch nicht gelesen haben. Sein Text stammt vermutlich aus dem Arsenal von PR Agenturen, die im Auftrag der neoliberalen Bewegung arbeiten, vielleicht im Auftrag der CDU\/CSU oder anderer rechtskonservativer Kreise. Jedenfalls h&ouml;re ich fast gleich lautend eben diesen Text bei Diskussionsveranstaltungen und bei fr&uuml;heren Rezensionen. Fast mit den gleichen Worten. Im konkreten Fall ist es besonders apart, weil der Hinweis auf meinen keynesianischen Hintergrund sowohl von der Sache her falsch ist als auch, wie gesagt, in diesem Buch gar nicht vorkommt.<br>\nAuch die Behauptung, bei Willy Brandt sei mit dem Schuldenmachen angefangen worden, geh&ouml;rt zum Standardsprechzettel der rechtskonservativen Meinungsmacher.<\/p><p>In einem Teil der <strong>Buchhandlungen<\/strong> wurde und wird das Buch pr&auml;sentiert. In anderen eher versteckt. Was eine Nachdenkseitenleser aus Frankfurt berichtet, entspricht auch dem Eindruck anderer Beobachter. Ich zitiere:<br>\n&bdquo;Auf der Suche nach &ldquo;Der falsche Pr&auml;sident&rdquo; mu&szlig;te ich leider feststellen, dass meine bevorzugten Buchhandlungen, darunter eine mit politisch-gesellschaftlichem Schwerpunkt, das Buch nicht zum Erscheinungstag vorr&auml;tig hatten. Da ich nicht warten wollte, ging ich in die Gro&szlig;-Buchhandlung am Ort, die ich sonst meide.&nbsp;Bei den aktuellen Werken zum Tagesgeschehen im Erdgescho&szlig; fand ich zahlreiche in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden verteilte Stapel von Gaucks &ldquo;Freiheit&rdquo;, Ihre Analyse zum&nbsp;Pr&auml;sidentschaftskandidaten machte ich dagegen erst nach einer Odyssee durch die drei Etagen der Buchhandlung im zweiten Stock ausfindig &ndash; h&auml;tte ich nicht in der Frankfurter Rundschau eine Vorank&uuml;ndigung gelesen und bewusst und hartn&auml;ckig danach gesucht, w&auml;re ich nie darauf gesto&szlig;en. Dabei handelt es sich m.E. um eine wichtige Erg&auml;nzung zur Meinungsbildung &uuml;ber den Pr&auml;sidentschafts-Kandidaten.&ldquo;<\/p><p><strong>Einige Bitten an jene NachDenkSeiten-Leserinnen und Leser, die das kleine Buch gelesen haben und es wichtig finden:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Geben Sie Ihr Exemplar in Ihrem Bekanntenkreis weiter.<\/li>\n<li>Nutzen Sie bitte Ihren Email-Verteiler, um darauf aufmerksam zu machen. Dabei k&ouml;nnten Sie <a href=\"\/?page_id=12555#l03\">das erste Kapitel<\/a> und andere Leseproben mitschicken.<\/li>\n<li>Machen Sie Ihre Buchh&auml;ndler\/innen darauf aufmerksam.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p><strong>Erstes Kapitel von<\/strong><br>\n&bdquo;<strong>Der falsche Pr&auml;sident.<\/strong><br>\nWas Pfarrer Gauck noch lernen muss, wenn wir gl&uuml;cklich mit dem werden sollen&ldquo;:<\/p><p><strong>Emp&ouml;rt Euch nicht! Joachim Gauck &ndash; der Anti-Hessel<\/strong><\/p><p>Schon vor seiner Nominierung war Joachim Gauck mit einer Zustimmung von 54 Prozent der klare Favorit f&uuml;r die Wahl zum Bundespr&auml;sidenten. Eine &uuml;bergro&szlig;e Koalition aus CDU\/CSU, SPD, B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen und FDP hat sich f&uuml;r ihn ausgesprochen. Die lange z&auml;he Periode der Wulffschen Selbstdemontage ist vorbei und wir bekommen einen Pr&auml;sidenten, der zu repr&auml;sentieren und gut zu formulieren versteht. K&ouml;nnen wir nun alle gl&uuml;cklich sein? Allen begeisterten Stimmen und der &bdquo;Einheitsfront&ldquo; der etablierten Parteien zum Trotz: Pfarrer Gauck ist der falsche Pr&auml;sident. <\/p><p>Dabei passt Joachim Gauck sehr gut zu den unterschiedlichen Parteien, die ihn nominiert haben. Er erspart ihnen den neoliberalen Offenbarungseid. Werden sie  sich rechtfertigen m&uuml;ssen f&uuml;r die Agenda 2010, die sehr viele Menschen ins Ungl&uuml;ck gest&uuml;rzt hat? Vermutlich nicht. Wird Joachim Gauck die Fehlentscheidungen im Zuge der Finanzkrise kritisieren? Wird er darauf hinweisen, welche gro&szlig;en Hypotheken daraus f&uuml;r uns und unsere Kinder und Enkel entstanden sind? Das ist zumindest zweifelhaft. Zur Erinnerung: der Rettungsschirm f&uuml;r die Banken hat 480 Milliarden Euro umfasst &ndash;  das sind 136 Prozent des Bundeshaushalts. Die Krise um Griechenland und den Euro wurde versch&auml;rft. Wird Gauck die immer weiter fortschreitende Militarisierung der Au&szlig;enpolitik kritisieren? Auch diese Frage kann man wohl schon jetzt mit Nein beantworten. Das wird vor allem eine gro&szlig;e Entlastung f&uuml;r die F&uuml;hrungen von SPD und Gr&uuml;nen sein. Sie tun sich immer noch schwer damit, die Milit&auml;reins&auml;tze im Kosovo und in Afghanistan vor ihrer Anh&auml;ngerschaft zu rechtfertigen.<\/p><p>Wir sehen: mit Gaucks Wahl k&ouml;nnen viele Politiker gl&uuml;cklich sein. Aber k&ouml;nnen das auch wir B&uuml;rger?<\/p><p>St&eacute;phane Hessel, der franz&ouml;sische Widerstandsk&auml;mpfer und &Uuml;berlebende des KZ Buchenwald, ein weltgewandter Diplomat, hat vor zwei Jahren eine Streitschrift mit dem Titel &bdquo;Emp&ouml;rt Euch&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Sie ist ein Aufruf zum Widerstand gegen die Macht der Finanzwirtschaft, gegen den Abbau der sozialen Sicherheit und gegen milit&auml;rische Gewalt. Nicht nur in Frankreich hat &bdquo;Emp&ouml;rt Euch!&ldquo; eine Millionenauflage erreicht. Der &Uuml;berraschungsbestseller eines 93-j&auml;hrigen zeigt, dass die Zahl der Unzufriedenen w&auml;chst und das weltweit.<\/p><p>Auch in Deutschland wird die neoliberale Politik immer mehr in Frage gestellt. Auf der einen Seite werden Banken, die sich verspekuliert haben, mit viel Aufwand gerettet. Zur gleichen Zeit fehlt es in Schulen und Universit&auml;ten, bei der Altersvorsorge, in Pflegeeinrichtungen und bei der Kinderbetreuung an Geld. Viele verstehen nicht, dass Investmentbanker auch mitten in der Krise mit Milliarden Dollar und Euro an Bonuszahlungen und Verg&uuml;tungen belohnt werden. Es blieb nicht beim Protest des greisen Widerstandsk&auml;mpfers aus Frankreich. Junge Menschen demonstrieren in New York, Frankfurt, Madrid und anderswo gegen die Macht der Finanzwirtschaft. Selbst Investoren wie George Soros und Warren Buffet melden sich selbstkritisch zu Wort. In Deutschland sind es Spitzenmanager gro&szlig;er Unternehmen, wie beispielsweise Franz Fehrenbach von Bosch, J&uuml;rgen Heraeus vom gleichnamigen Technologieunternehmen oder Ernst Prost von Liqui Moly, die hinterfragen, warum die Wirtschaft Spekulantentum tolerieren m&uuml;sse. &bdquo;Da k&ouml;nnen Sie in der Realwirtschaft schuften und machen, was Sie wollen, gegen diese Spekulation kommen Sie nicht an&ldquo;, lie&szlig; der Chef von Bosch im September 2011 wissen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien eine Serie von kritischen Beitr&auml;gen zur bedrohlichen Entwicklung im Verh&auml;ltnis von Finanzwirtschaft und Politik, angesto&szlig;en vom Herausgeber Frank Schirrmacher. Er hatte am 14. August 2011 eine breite &ouml;ffentliche Debatte mit der Schlagzeile provoziert: &bdquo;Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat&ldquo;. Und er konstatiert, dass im b&uuml;rgerlichen Lager die Zweifel daran, ob man richtig gelegen habe, wachsen. Schirrmacher beruft sich mit seinem &Uuml;berschriftenzitat auf den erzkonservativen Publizisten und Thatcher-Biographen Charles Moore, der festgestellt hat: &bdquo;Es zeigt sich &ndash; wie die Linke immer behauptet hat &ndash;, dass ein System, das angetreten ist, das Vorankommen von vielen zu erm&ouml;glichen, sich zu einem System pervertiert hat, das die wenigen bereichert.&ldquo; <\/p><p>Man sieht: Aufkl&auml;rung ist auch von konservativer Seite m&ouml;glich. Es bewegt sich etwas in Deutschland und in Europa. <\/p><p>Doch nun bekommt Joachim Gauck seinen Auftritt. Er wird zum Pr&auml;sidenten gew&auml;hlt mit dem Auftrag, die Kluft zwischen Politik und B&uuml;rgern zu schlie&szlig;en und zu diesem Zweck die B&uuml;rger zu lehren, dass wir in einer guten Welt leben. Er ist h&ouml;rbar gewillt, diesen Auftrag zu erf&uuml;llen. Emp&ouml;rt euch nicht! So lautet seine Botschaft. Mit der Wahl von Joachim Gauck zum Bundespr&auml;sidenten werden die herrschenden Verh&auml;ltnisse zementiert statt aufgebrochen. So erkl&auml;rte er am 19. Februar 2012 bei der Vorstellung seiner Person als Kandidat: <\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Von allen Dingen, die Sie mir heute gesagt haben&hellip;ist mir am Wichtigsten, dass die Menschen in diesem Land  wieder lernen, dass sie in einem guten Land leben, das sie lieben k&ouml;nnen. Weil es ihnen die wunderbaren M&ouml;glichkeiten gibt, in einem erf&uuml;llten Leben Freiheit zu etwas und f&uuml;r etwas zu leben und diese Haltung nennen wir Verantwortung&hellip;. Und dort will ich wirken, wo wir Menschen wieder neu einladen, diese Haltung von Verantwortung anzunehmen  und nicht nur als Zuschauer und kritischer Begleiter der &ouml;ffentlichen Dinge herumzustehen.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>Nominierungspressekonferenz im Bundeskanzleramt vom 19. Februar 2012, zitiert nach Spiegel Online<\/p><p> Joachim Gauck wurde uns als Widerstandsk&auml;mpfer nahe gebracht. Doch er nennt &bdquo;kritische Begleiter&ldquo; und &bdquo;Zuschauer&ldquo; in einem Atemzug. Warum? Wie auch bei anderen Gelegenheiten &auml;u&szlig;ert sich Gauck unn&ouml;tig abf&auml;llig &uuml;ber kritische Zeitgenossen, wie er es schon &uuml;ber die Occupy-Bewegung getan hat. Wer die wachsende Entpolitisierung, das Fehlen von kritischem Sachverstand oder die mangelnde Kontrolle unserer politischen Entscheidungstr&auml;ger beklagt, der muss zutiefst besorgt sein, dass mit diesem Pr&auml;sidenten der kritische Verstand und das politische Engagement entmutigt werden. Gauck pl&auml;diert zwar oft f&uuml;r Einmischung, schm&auml;ht aber die Protestierer.<br>\nUnsere politische Elite m&ouml;chte, dass Gauck den Menschen vermittelt, dass es insgesamt gut steht in unserem Land, dass die politisch Handelnden im Gro&szlig;en und Ganzen alles richtig machen. <\/p><p>Einer der Kerngedanken in meinem Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; lautet: Wer &uuml;ber finanzielle oder publizistische Macht verf&uuml;gt, kann die politischen Entscheidungen weitgehend bestimmen. Das ist auch die Sorge des Franzosen Hessel. Deshalb kritisiert er in seinem Buch die Konzentration der Medienmacht. <\/p><p>Auch bei uns sollte man da genauer hinschauen. Joachim Gauck wurde SPD und B&uuml;ndnis\/Gr&uuml;nen schon beim ersten Wahlversuch gegen Christian Wulff von Thomas Schmid, dem Herausgeber von Springers Welt-Gruppe, schmackhaft gemacht. Die erste Anlaufstelle von Thomas Schmid war wohl J&uuml;rgen Trittin, der Fraktionsvorsitzende der Gr&uuml;nen. So hat es Albrecht von Lucke in der taz vom 28.2.2012 beschrieben.<\/p><p>Vor allem  die Bild-Zeitung, aber nicht nur sie, macht seither massiv Reklame f&uuml;r den Kandidaten Gauck. Einem Bundespr&auml;sidenten m&uuml;sste die meinungsbildende Macht des Springer-Verlages Bauchschmerzen bereiten. Ein auf Demokratie und Freiheit pochender Pr&auml;sident zum einen und das Auswahlverfahren und die massive Unterst&uuml;tzung durch die Bild-Zeitung und andere Bl&auml;tter zum andern &ndash; das passt nicht zusammen.<\/p><p>Nun haben wir ihn aber und behalten ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch f&uuml;r l&auml;ngere Zeit als Bundespr&auml;sident. Da bleibt uns als demokratisch gesonnene Zeitgenossen nur noch &uuml;brig, auf ein bisschen Einsicht zu hoffen. Und darauf zu setzen, dass sich nach der ersten Welle der Begeisterung viele B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger aufmachen, sich ein bisschen mehr Informationen &uuml;ber den neuen Pr&auml;sidenten zu beschaffen. Beim Schreiben dieses Buches habe ich mit einigen Freunden und Bekannten gesprochen. Auch unter ihnen sind einige f&uuml;r die Wahl von Gauck und verbinden damit einige Hoffnungen. Bei nahezu allen diesen Gespr&auml;chen habe ich allerdings festgestellt, dass man &auml;u&szlig;erst wenig von ihm wei&szlig;. Der positive Eindruck wird allein durch die Meinungsebene, jedenfalls emotional begr&uuml;ndet, er wird nicht durch Fakten untermauert. <\/p><p>Das Potenzial an Menschen, die nach Kenntnis der Person und Gaucks &Auml;u&szlig;erungen ihr Urteil zumindest hinterfragen werden, ist vermutlich hoch. Der neue Bundespr&auml;sident t&auml;te also gut daran, seine Ansichten zu reflektieren, damit er ein Pr&auml;sident aller B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger sein kann. Ich m&ouml;chte m&ouml;glichst viele Menschen dazu ermuntern, sich besser zu informieren und Gaucks Pr&auml;sidentschaft konstruktiv kritisch zu begleiten. Deshalb dieses Buch. <\/p><p>Nach der Nominierung Joachim Gaucks gab es durchaus einige skeptische Stimmen, darunter die von fr&uuml;heren DDR-B&uuml;rgerrechtlern.  So &auml;u&szlig;erte sich Hans-Jochen Tschiche am 22. Februar 2012 im Freitag. Diese will ich zitieren:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Nun ist es so weit: Joachim Gauck wird Bundespr&auml;sident. &hellip;Aus dem Bl&auml;tterwald t&ouml;nt es nun: Der B&uuml;rgerrechtler Gauck. Und er reist ohne Skrupel auf diesem Ticket durch die politische Landschaft. Er ist kein Vater der protestantischen Revolution, sondern er geh&ouml;rt zu denen, die sie beendet haben. Endlich ist Gauck dort angekommen, wo er schon immer hin wollte- im konservativen Teil der westlichen Gesellschaft. Aber genau dieser Teil der Gesellschaft hat den Markt entfesselt. Die Konservativen haben die Geister gerufen, die ganze L&auml;nder in die Pleite treiben. In Deutschland &ouml;ffnet sich die Schere zwischen den Armen und Reichen immer weiter. Effizienz und Tempo sind die neuen goldenen K&auml;lber. Die Hektik bringt Menschen um ihre Gesundheit. Es hei&szlig;t: Wer es nicht schafft, ist selber dran Schuld. Laut und deutlich will ich aussprechen: Gauck ist die falsche Person. Wir haben es &bdquo; mit einem t&ouml;nenden Erz und einer klingenden Schelle zu tun.&ldquo; Ich habe mich bisher gescheut, Joachim Gauck zu widersprechen. Nun will ich aber nicht mehr schweigen.&ldquo; <\/em><\/p><\/blockquote><p>Ein drastischer Kommentar, der aber vielleicht etwas fr&uuml;her h&auml;tte kommen k&ouml;nnen. <\/p><p>Noch eine eher pers&ouml;nliche, biografische Anmerkung: Mich verbindet mit Joachim Gauck Einiges. Wir haben das gleiche Alter, sind evangelisch-christlich erzogen. Sogar seine Skepsis gegen&uuml;ber &bdquo;Systemwechseln&ldquo; teile ich. Und mit der DDR konnte auch ich nicht viel anfangen. Doch Gaucks Haltung gegen engagierte Menschen finde ich unangenehm. Genauso wie seine H&auml;me &uuml;ber die Friedensbewegung, seine Unkenntnis von den Reformen der sechziger und siebziger Jahre und seine pauschale Zur&uuml;ckweisung von &Uuml;berlegungen zu einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. Seine Bedienung von Vorurteilen gegen linke Pfarrer und Lehrer beobachte ich genau so mit Ablehnung wie die typische Missachtung von in soziale Not Geratenen, die wir auch bei vielen Aufsteigern im Westen vorfinden. Die Menschen, die in Wackersdorf oder Kalkar, in Mutlangen oder Stuttgart gegen den Wahnsinn von Aufr&uuml;stung, Kernkraft und Prestigeprojekten protestierten und weiterhin protestieren, verdienen einen solchen Bundespr&auml;sidenten nicht.<\/p><p>Auch jene verdienen ihn nicht, die sich seit Jahren Sorgen &uuml;ber den Niedergang der Demokratie machen. Mich wundert, wenn ich lese, Joachim Gauck sei ein reisender Demokratielehrer. Er ist leider eher ein Reisender in der Bedienung von Vorurteilen. Insofern stehe ich dazu, dass der Titel &bdquo;Der falsche Pr&auml;sident&ldquo; doppeldeutig ist. Er baut Feindbilder auf, wo keine sind, um dann umso mehr gegen sie vorzugehen. Er wendet sich gegen Technikfeindlichkeit, gegen die angeblich &uuml;berall grassierende Angst, gegen die Menschen in der H&auml;ngematte, gegen die Konsumorientierung, gegen Systemver&auml;nderer und Besitzstandswahrer. Er tut oft so, als seien die Kommunisten eine Gefahr f&uuml;r Deutschland.<\/p><p>Alles dies stimmt ja nicht. Deutschland ist nicht technikfeindlich. Angst ist nicht zu verwechseln mit realen Sorgen. Ganz wenige Hartz-IV-Empf&auml;nger liegen in der H&auml;ngematte. Und viele sind nicht konsumorientiert, weil sie sich das gar nicht leisten k&ouml;nnen. Und die Kommunisten? Wo sind sie denn in gro&szlig;er Zahl? Und wenn es sie gibt, sind sie durch das Grundgesetz verboten? Joachim Gauck hat alles Recht, aus seinen Erlebnissen die eigenen Schl&uuml;sse zu ziehen. Aber auch diese sollte er an der Wirklichkeit &uuml;berpr&uuml;fen. Ein Anti-Kommunismus ohne Kommunisten macht keinen Sinn. Totalit&auml;r sind heute eher die Anspr&uuml;che der Finanzm&auml;rkte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anstrengung, in wenigen Tagen ein Buch zu schreiben, hat sich gelohnt. 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