{"id":126179,"date":"2024-12-15T13:00:36","date_gmt":"2024-12-15T12:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126179"},"modified":"2024-12-14T18:18:52","modified_gmt":"2024-12-14T17:18:52","slug":"stimmen-aus-ungarn-vertrauen-in-putins-vernunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126179","title":{"rendered":"Stimmen aus Ungarn: Vertrauen in Putins Vernunft"},"content":{"rendered":"<p>Kaum jemand h&auml;tte vor einigen Jahren gedacht, dass die Vernunft Wladimir Putins eines Tages die vielleicht gr&ouml;&szlig;te Garantie daf&uuml;r sein w&uuml;rde, dass Russland und die NATO nicht direkt aufeinanderprallen. Irgendwo tief im Inneren verl&auml;sst sich auch der Westen darauf, wenn er die &bdquo;roten Linien&ldquo; &uuml;berschreitet, was Moskau immer wieder provoziert. W&auml;hrenddessen bereitet sich Europa auf einen gro&szlig;en Krieg vor. Wie lange kann dieses Spiel mit dem Feuer noch weitergehen? Welche Seite wird zum Bewusstsein zur&uuml;ckkehren? Ein Beitrag von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nRussland bereitet sich darauf vor, bis 2029 jedes Land angreifen zu k&ouml;nnen, einschlie&szlig;lich der NATO-Mitgliedstaaten. Das sagte Feldmarschall Christian Freudling, Leiter der Sonderkommission f&uuml;r die Ukraine des deutschen Verteidigungsministeriums, gegen&uuml;ber der ukrainischen Zeitung <em>Prawda<\/em>. Er erkl&auml;rte, dass Russland in absehbarer Zeit sicherlich die gr&ouml;&szlig;te Sicherheitsbedrohung f&uuml;r Europa, f&uuml;r Westeuropa, darstellen werde. In den vergangenen Monaten haben mehrere f&uuml;hrende NATO-Politiker gewarnt, dass sie glauben, Russland plane einen Angriff auf die Allianz und die europ&auml;ischen L&auml;nder sollten daher ihre Verteidigungsausgaben deutlich erh&ouml;hen. In einer hysterischen Stimmung bereitet sich das Atlantische B&uuml;ndnis ebenfalls auf einen gro&szlig;en Krieg vor.<\/p><p>Auf der Jahrestagung der Parlamentarischen Versammlung der Nordatlantischen Allianz in Montreal wurde k&uuml;rzlich eine Resolution verabschiedet, in der dazu aufgerufen wird, die Ukraine bis zum Sieg zu unterst&uuml;tzen. Die Resolution 494 verurteilt auf das Sch&auml;rfste den unprovozierten und ungerechtfertigten Krieg Russlands nach dem NATO-Narrativ, seine Aggression gegen die Ukraine, seine illegale und vor&uuml;bergehende Besetzung ihres Territoriums. Die NATO sieht in der r&uuml;cksichtslosen Politik Russlands, die durch nukleares S&auml;belrasseln unterst&uuml;tzt wird, eine direkte Bedrohung der euro-atlantischen Stabilit&auml;t. Die Resolution steht f&uuml;r die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t der Ukraine. Sie bezeichnet den Weg Kiews zur Vollmitgliedschaft in der Allianz als unumkehrbar und begr&uuml;&szlig;t die auf dem Washingtoner Gipfel getroffenen Entscheidungen &ndash; institutionalisierte gemeinsame Analyse und milit&auml;rische Planung, Ausbildung, langfristige Sicherheitshilfe &ndash;, die die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine berechenbarer gemacht haben. In dem Dokument wird hervorgehoben, dass Russland nach wie vor die gr&ouml;&szlig;te und unmittelbarste Bedrohung f&uuml;r die Sicherheit des B&uuml;ndnisses darstellt und diese Bedrohung eine langfristige Gefahr bleibt, auf die man eine Antwort braucht.<\/p><p>Angesichts dieses S&auml;belrasselns ist es nicht verwunderlich, dass Schweden Informationsbl&auml;tter verteilt, um die Bev&ouml;lkerung auf den Krieg vorzubereiten, Deutschland angesichts der sich verschlechternden internationalen Bedrohungslage eine Bestandsaufnahme m&ouml;glicher Schutzr&auml;ume durchf&uuml;hrt und die Esten bereits die Evakuierung des gesamten Landes vorbereiten.<\/p><p>Der Kommandeur der estnischen Streitkr&auml;fte machte auf einem Seminar klar, im Falle eines Angriffs bestehe das vorrangige Ziel der Streitkr&auml;fte des Landes darin, die russische Armee zu verlangsamen, und der Preis daf&uuml;r sei die systematische Zerst&ouml;rung Estlands. Generalmajor Andrus Merilo erkl&auml;rte, dass die Verteidigungstaktik der estnischen Armee im Falle eines Angriffs Moskaus darin best&uuml;nde, die eigenen St&auml;dte einschlie&szlig;lich der Infrastruktur zu zerst&ouml;ren.<\/p><p>W&auml;hrend einige bereits &uuml;ber den Schutz und die Evakuierung der Zivilbev&ouml;lkerung nachdenken, hat der NATO-Generalsekret&auml;r in Athen zu mehr Hilfe f&uuml;r die Ukraine aufgerufen, und die Parlamentarische Versammlung hat die westliche Gemeinschaft aufgefordert, der Ukraine Mittelstreckenraketen zu liefern.<\/p><p>In &auml;hnlicher Weise versprach der deutsche Verteidigungsminister, dass die Europ&auml;er die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine verst&auml;rken w&uuml;rden. Boris Pistorius &auml;u&szlig;erte sich in Berlin, nachdem er Gastgeber eines Treffens der F&uuml;nfer-Gruppe &ndash; Gro&szlig;britannien, Frankreich, Italien, Polen und Deutschland &ndash; war. Die Minister diskutierten dar&uuml;ber, wie die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Ukraine aufrechterhalten werden kann, wenn Donald Trump ins Wei&szlig;e Haus zur&uuml;ckkehrt.<\/p><p>&bdquo;Unser Ziel muss es sein, der Ukraine zu erm&ouml;glichen, aus einer Position der St&auml;rke heraus zu handeln&ldquo;, sagte Pistorius. Dem schloss sich der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz an. Er sagte, es m&uuml;sse deutlich gemacht werden, dass Europa seine Anstrengungen verst&auml;rken m&uuml;sse, wenn es darum gehe, der Ukraine zu helfen, aber vor allem, wenn es um seine eigene Sicherheit gehe. Die NATO-Mission in Wiesbaden werde im Januar die Koordination der westlichen Milit&auml;rhilfe f&uuml;r die Ukraine &uuml;bernehmen, sagte Pistorius, was schon Monate zuvor erwartet worden sei.<\/p><p>Die Einrichtung der neuen Mission, die den Namen &bdquo;NATO-Sicherheitshilfe und Ausbildung f&uuml;r die Ukraine&ldquo; (NATO Security Assistance and Training for Ukraine, NSATU) tragen soll, wird weithin als Versuch gesehen, den Hilfsmechanismus vor einer m&ouml;glichen Einmischung Trumps zu sch&uuml;tzen.<\/p><p>Frankreich und Gro&szlig;britannien diskutieren unterdessen die Idee, Truppen in die Ukraine zu schicken. Die franz&ouml;sische Zeitung <em>Le Monde<\/em> berichtet, dass die europ&auml;ischen L&auml;nder die Gespr&auml;che &uuml;ber die Entsendung von Truppen oder privaten Auftragnehmern in die Ukraine wieder aufgenommen h&auml;tten. Anfang dieses Jahres hatte Macron die Idee der Entsendung westlicher Truppen in die Ukraine vorangetrieben, aber wenig Unterst&uuml;tzung erhalten. Obwohl durchgesickert ist, dass sich NATO-Sondereinsatztruppen in geringer Zahl in der Ukraine aufhalten, darunter auch britische Soldaten, die beim Abschuss britischer Storm-Shadow-Raketen helfen sollen, hat Macron einen gr&ouml;&szlig;eren &ouml;ffentlichen Einsatz gefordert, der vor allem der Ausbildung ukrainischer Kr&auml;fte dienen soll.<\/p><p>In dieser Atmosph&auml;re d&uuml;rfte es nicht &uuml;berraschen, dass einige US-amerikanische und europ&auml;ische Beamte die M&ouml;glichkeit der Weitergabe von Atomwaffen an die Ukraine er&ouml;rtert haben. Nach Angaben der <em>New York Times<\/em> wurde eine Reihe von Optionen ins Gespr&auml;ch gebracht, die Russland davor abschrecken k&ouml;nnten, weitere ukrainische Gebiete zu erobern. Der Zeitung zufolge diskutieren westliche Beamte &uuml;ber Abschreckung als m&ouml;gliche Sicherheitsgarantie f&uuml;r die Ukraine, zum Beispiel &uuml;ber die Anh&auml;ufung eines konventionellen Arsenals, das f&uuml;r einen Strafschlag ausreicht, falls Russland den Waffenstillstand verletzt. Es wird nicht erwartet, dass der Kreml den Krieg vor der Amtseinf&uuml;hrung von Donald Trump im Januar wesentlich eskalieren wird.<\/p><p>Wir k&ouml;nnten diese Reihe &uuml;ber Kriegshetze, &uuml;ber die Hysterie noch lange weiterf&uuml;hren, aber das hat wenig Sinn, denn es w&uuml;rde nur die Angst verst&auml;rken, die die europ&auml;ischen Gesellschaften bereits im Griff h&auml;lt. Stattdessen w&uuml;rde ich empfehlen, dass wir versuchen, ruhig und rational &uuml;ber die Chancen eines gro&szlig;en Krieges, eines Zusammensto&szlig;es zwischen der NATO und Russland nachzudenken.<\/p><p>Es scheint, dass der rationalere Teil des Westens davon ausgeht, dass der Kreml kein Interesse an einer Eskalation des Krieges vor Trumps Amtsantritt hat, sodass sie &ndash; Putins Entschlossenheit testend &ndash; versuchen, die Ukraine in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen, als sie derzeit ist. Dazu m&uuml;ssen sie nat&uuml;rlich in erster Linie den Zusammenbruch der ukrainischen Armee im Donbass verhindern und, wenn m&ouml;glich, den russischen Vormarsch verlangsamen, w&auml;hrend sie Russland wie auch immer unter Druck setzen, unter anderem mit Raketen gr&ouml;&szlig;erer Reichweite. Um dies zu erreichen, wird Kiew in den n&auml;chsten zwei Monaten jede erdenkliche Unterst&uuml;tzung, sprich Waffensysteme erhalten, sodass Trump auch diese Situation in Betracht ziehen muss &ndash; vorausgesetzt, es wird eine neue Situation geben.<\/p><p>Dieses Szenario, das vor allem von der Biden-Administration propagiert wird, ist ziemlich zynisch, aber hat gewissen Sinn. Im europ&auml;ischen S&auml;belrasseln jedoch sehe ich keinen mehr.<\/p><p>Die &bdquo;Berliner F&uuml;nf&ldquo; &ndash; zwar ab und an verunsichert &ndash; sind immer noch entschlossen, einen russischen Sieg zu verhindern und die Ukraine bis zum Ende zu unterst&uuml;tzen. Aber das ist ein Irrglaube. Es w&auml;re besser, an die Verhandlungen zu denken, die eines Tages kommen werden, und die Ukraine in diese Richtung zu dr&auml;ngen. In der Zwischenzeit w&uuml;rde es sich lohnen, sich Gedanken dar&uuml;ber zu machen, wie die neue europ&auml;ische Sicherheitsstruktur aussehen soll und welche Garantien sowohl die Ukraine als auch Russland dabei erhalten k&ouml;nnen. Denn beide Seiten bef&uuml;rchten, dass ein Waffenstillstand von der anderen Seite genutzt wird, um sich aufzur&uuml;sten, und dass sie irgendwann wieder angreifen wird. Stattdessen geht die europ&auml;ische Machtelite dem US-amerikanischen Szenario voraus und bietet an, die Ukraine zu bewaffnen und den Krieg und die Aufrechterhaltung des Staates zu finanzieren. Gleichzeitig zeichnet sie ein apokalyptisches Bild der russischen Bedrohung f&uuml;r Europa, um die sinnlosen Ausgaben und die Aufrechterhaltung des Krieges zu rechtfertigen.<\/p><p>Inzwischen sprechen sie erschrocken &uuml;ber ihr eigenes S&auml;belrasseln von einem Weltkrieg, einem Atomkrieg, anstatt die eigenen Verteidigungskapazit&auml;ten zu st&auml;rken.<\/p><p>Nat&uuml;rlich sind sie sich bewusst, dass dies in weiter Ferne liegt &ndash; doch man sollte nicht stets mit Provokationen bis an die Grenzen gehen &ndash;, und paradoxerweise setzen sie inmitten dieser eskalierenden Hysterie auf die Rationalit&auml;t Wladimir Putins. Das ist vielleicht das Einzige, worauf wir uns im Moment einigen k&ouml;nnen, denn in dieser Situation ist Putins gesunder Menschenverstand, sein rationales, realpolitisches Denken, das im Interesse Russlands liegt, die solideste Garantie daf&uuml;r, dass wir einen dritten Weltkrieg vermeiden werden. Das hei&szlig;t nat&uuml;rlich nur, wenn der Westen den russischen Pr&auml;sidenten nicht in eine Lage bringt, in der er nicht mehr nach seinem besten Willen handeln kann.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist im ungarischen Original auf <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/putyin-jozansagaban-bizva\/\">Moszkvater<\/a> erschienen.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Tomas Ragina<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/39c5c117d8a84436a64fe50e52aa8af4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum jemand h&auml;tte vor einigen Jahren gedacht, dass die Vernunft Wladimir Putins eines Tages die vielleicht gr&ouml;&szlig;te Garantie daf&uuml;r sein w&uuml;rde, dass Russland und die NATO nicht direkt aufeinanderprallen. Irgendwo tief im Inneren verl&auml;sst sich auch der Westen darauf, wenn er die &bdquo;roten Linien&ldquo; &uuml;berschreitet, was Moskau immer wieder provoziert. 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