{"id":126203,"date":"2024-12-15T15:00:15","date_gmt":"2024-12-15T14:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126203"},"modified":"2024-12-14T19:57:25","modified_gmt":"2024-12-14T18:57:25","slug":"tuechtig-tuechtig-ohne-uns-wird-es-still-wird-woertlich-genommen-beispiel-das-theater-zwickau-plauen-steht-2025-vor-dem-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126203","title":{"rendered":"T\u00fcchtig, t\u00fcchtig: \u201eOhne uns wird es still\u201c wird w\u00f6rtlich genommen. Beispiel? Das Theater Zwickau-Plauen steht 2025 vor dem Aus"},"content":{"rendered":"<p>Was ist nur los in unserem Land? Es geht bergab, in vielen Bereichen, alles bef&ouml;rdert durch eine asoziale, arrogante Politik von wenigen f&uuml;r wenige. Ein neuerliches Beispiel: In der s&auml;chsischen Provinz, im Politikerdeutsch &bdquo;l&auml;ndlicher Raum&ldquo; genannt, gibt es seit vielen Jahren eigentlich zwei Theater: in Zwickau und in Plauen. Aus zwei Spielst&auml;tten samt Ensemble wurde vor einigen Jahren durch eine unfreiwillige Fusion ein Haus. Dieses Theater ist nun erneut in Gefahr, f&uuml;r 2025 steht sogar die Schlie&szlig;ung im Raum. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMan kennt das ja: Wir m&uuml;ssen sparen. Und nicht anders als gerade in der deutschen Hauptstadt Berlin &ndash; es ist schlie&szlig;lich die strahlende Metropole unserer Kulturnation &ndash; wird aktuell ebenso in der Provinz des Freistaates die Kultur im Wahn der K&uuml;rzungsorgien weiter zur&uuml;ckgedr&auml;ngt und gar billigend in Kauf genommen, dass Einrichtungen wom&ouml;glich geschlossen werden und Menschen ihre teils ohnehin prek&auml;ren Anstellungen verlieren. Auch das Theater Zwickau-Plauen in meiner Heimat steht auf der Kippe. Im Erzgebirge ist das Theater in Annaberg-Buchholz in Gefahr. Die tapferen wie verzweifelten und dennoch machtlosen Kulturschaffenden wehren sich zwar, und das nicht erst in diesem Winter, doch immer wieder m&uuml;ssen sie zur&uuml;ckweichen. Soll das so lange so gehen, bis schlie&szlig;lich alle Vorh&auml;nge fallen? Dann wird es still. Kunst und Kultur kann ohnehin weg, nicht wahr?<\/p><p><strong>Weniger ist leer<\/strong><\/p><p>Sie, liebe Leser, werden das Theaterduo Zwickau-Plauen in S&uuml;dwestsachsen, in etwa zwischen Leipzig und Hof gelegen, in der Mehrzahl sicher nicht kennen. Den aktuellen Missstand kennen Sie aber sicher schon: den heftigen, allgegenw&auml;rtigen Skandal, dass in unseren uns&auml;glichen wie unn&ouml;tigen Zeitenwende-Zeiten sich vieles bei und gegen uns hin zu einer Gesellschaft entwickelt, die sich alsbald nicht mehr Zivilgesellschaft nennen d&uuml;rfte. Zumindest sehe ich das so, weil viele zivilisatorische Errungenschaften wegen eines aggressiven, reaktion&auml;ren, dummen Treibens der Entscheidungstr&auml;ger nicht bestehen bleiben werden.<\/p><p>Am Beispiel des Theaters in meiner Heimat zeigt sich dieses ganze sch&auml;ndliche Tun, das zudem nicht erst in diesen Wochen und Monaten mehr und mehr Fahrt aufnimmt und darum bei den Erbsenz&auml;hlern, den Profitorientierten feuchte, zufriedene Augen erzeugt. Das Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des Theaters hat Methode, seit vielen Jahren. Doch nun k&ouml;nnte die letzte Runde eines bisher aussichtslosen Kampfes eingel&auml;utet sein. Das Theater Zwickau-Plauen k&ouml;nnte zumachen.<\/p><p>Man stelle sich vor: Seit 25 Jahren haben sich die finanziellen Zuweisungen des f&uuml;r das Theater zust&auml;ndigen Konstrukts &bdquo;Kulturraum&ldquo; nicht ver&auml;ndert. Seit dem Jahr 2000 und teilweise auch schon vorher wurden die Daumenschrauben angesetzt, angezogen und dann nicht wieder entfernt. Damals erfolgte eine unfreiwillige Fusion der H&auml;user und der Ensemble aus Plauen und Zwickau &ndash; Stellenabbau, Rationalisierungen, Optimierungen, Synergieeffekte inklusive. Was f&uuml;r eine Freude f&uuml;r die Finanzer. Die Belegschaft beider H&auml;user schrumpfte auf die Gr&ouml;&szlig;e eines Hauses und bespielt zwei H&auml;user in den Sparten Schauspiel, Musiktheater, Chor, Orchester, Puppentheater, Ballett! Die Kulturschaffenden bieten uns bis heute &ndash; dem Publikum, uns, der Zivilgesellschaft &ndash; gro&szlig;artige Kunst, wundervolle Inszenierungen, Musikvorstellungen, einen umfangreichen Spielplan, Fantasie sowie verantwortungsvolle Kinder- und Jugendarbeit. Und, und, und. Die Theaterleute k&uuml;rzten bei sich, sie schnallten immer und immer wieder den G&uuml;rtel enger: Lohnverzicht, Gagenk&uuml;rzungen. Die Belegschaft wurde in allen Bereichen weiter reduziert, Werkst&auml;tten, Technik, Verwaltung, Werbung. Doch die Arbeit ist nicht weniger geworden. Weiter wird an diesen Musenh&auml;usern gezweifelt, es m&uuml;sse sich ja schlie&szlig;lich rechnen, hei&szlig;t es. Zynismus pur ist das. Es gibt den finalen Spruch, was dann passieren wird: weniger ist leer.<\/p><p><strong>Abbau mit Ansage<\/strong><\/p><p>Fest steht: Seit Jahrzehnten (im Grunde mit der Wiedervereinigung) wird Kulturelles in Sachsen systematisch und bewusst durch eine latent wabernde Unterfinanzierung beschnitten, stets hinterfragt, schlie&szlig;lich mehr und mehr ins Abseits gedr&auml;ngt und abgewickelt. Wer sind diese Leute? Was treibt diejenigen an, die wie im Fall des Theaters Zwickau-Plauen durch ihr Zweifeln, ihren Sparwahn, ihre Arroganz geradezu auf dem Plan stehen haben, dass im l&auml;ndlichen Raum Zwickau-Plauen n&auml;chstes Jahr wom&ouml;glich zwei Musenh&auml;user dichtmachen? Pech. Warum ist in deren Konzepten, Pl&auml;nen, Vorgaben nichts zu lesen, dass ihre Herangehensweise eindeutig f&uuml;r das Theater, f&uuml;r die Kulturschaffenden, f&uuml;r das Publikum, f&uuml;r die Menschen in der Region ausgerichtet ist und die Mittel dementsprechend bereitgestellt werden?<\/p><p>Es ist in der Tat ja so: Allein der politische Wille entscheidet, wie die Ausrichtung eines Haushaltsplans unter Einbeziehung aller Mittel und M&ouml;glichkeiten aussieht &ndash; Mittel, die in unserem reichen Land, ja reich an Material, Finanzen, Kreditw&uuml;rdigkeit etc. wahrlich reichlich vorhanden sind. Wenn eine Kommune, eine Einrichtung nicht genug Finanzen aufbringen kann, dann werden eben andere T&ouml;pfe ge&ouml;ffnet, das ist allgemein bekannt und mitunter auch Praxis. Und ja, wo ein Wille, da &hellip;? Schaut man genauer hin, gibt es viele Positionen in unseren bundesrepublikanischen Haushalten, wo tats&auml;chlich keine Fragen nach dem Geld gestellt werden. Und wo das Geld ohnehin mehr und mehr und mehr gehortet wird, findet sich auch keiner, der Worte wie Umverteilung, Verteilung, Beteiligung, Gerechtigkeit in den Mund nimmt.<\/p><p><strong>Theater, Museen, Kulturh&auml;user, Jugendklubs &ndash; alles &uuml;berfl&uuml;ssiges Zeug, weil das ja nur kostet, also nix bringt?<\/strong><\/p><p>Der Slogan f&auml;llt mir ein: &bdquo;Man braucht nur die Zeitung aufzuschlagen, und &hellip;&ldquo; Ja, gute Neuigkeiten finden sich wenige zum Thema &bdquo;Kahlschlag&ldquo; &ndash; au&szlig;er, dass die Betroffenen sich wehren. Die Politik sitzt jedoch am l&auml;ngeren Hebel. In meiner Heimat habe ich erlebt, wie in den kleinen St&auml;dten des Vogtlands Kulturh&auml;user geschlossen wurden, verfielen und schlie&szlig;lich abgerissen wurden. Ebenso geschah dies mit Kinos, mit Jugendklubs und Treffs f&uuml;r die junge Generation &ndash; und mit Bibliotheken und Museen. Heimatmuseen machten dicht. Der Politik der bl&uuml;henden Landschaften sei Dank, und alles im Schatten einer Regierung, die seit der Wende an der T&auml;te ist.<\/p><p>Dass sich das Theater Plauen in Fusion mit dem Theater Zwickau bis jetzt trotz dieser Umst&auml;nde und gegen alle Zweifel halten konnte, liegt am tapferen Einsatz der Kulturschaffenden und am Wirken engagierter Freunde aus allen Teilen der Zivilgesellschaft f&uuml;r diese sch&ouml;nen, wichtigen Orte. Sie ist noch eine Zivilgesellschaft, die aber in Gefahr ist. Der Widerstand formiert sich nun deutlicher. Hier der Wortlaut der Petition f&uuml;r das Theater Plauen-Zwickau:<\/p><p>Online-Petition f&uuml;r den Erhalt des Theaters Plauen-Zwickau<\/p><blockquote><p>\n<em>4. Dezember 2024<\/em><\/p>\n<p><em>Erhaltet das Theater Plauen-Zwickau! Kein weiterer Kulturabbau!<\/em><\/p>\n<p><em>Seit Jahrzehnten wird die Kultur in Sachsen durch Unterfinanzierung immer mehr an den Abgrund gedr&auml;ngt, insbesondere in den l&auml;ndlichen R&auml;umen. Auch das Theater Plauen-Zwickau steht 2025 vor dem Aus. Der Zuschuss des Kulturraums Vogtland-Zwickau an seine gr&ouml;&szlig;te Kulturinstitution ist seit 25 Jahren nahezu unver&auml;ndert! Dies hatte einen st&auml;ndigen Stellenabbau zur Folge. 2025 wird das s&auml;chsische Kulturraumgesetz evaluiert. Hier bietet sich die M&ouml;glichkeit, endlich solide Finanzierungsvereinbarungen f&uuml;r die Theater und Orchester im Freistaat zu erreichen.<\/em><\/p>\n<p><em>In ihrer gegenw&auml;rtigen finanziellen Situation wollen die Gesellschafter des Theaters die verbliebene Struktur aber noch einmal einschneidend reduzieren. Die Folge w&auml;re ein Theater, das nicht mehr in der Lage ist, in den St&auml;dten Plauen und Zwickau das volle 5-Sparten-Programm anzubieten. Das darf nicht passieren! Das Theater Plauen-Zwickau ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Kulturlandschaft, ein Ort der Begegnung, des Austauschs, der Selbstvergewisserung in einer zunehmend herausfordernden Welt. Kunst ist essenziell!<\/em><\/p>\n<p><em>Wir fordern die Gesellschafter der Theater Plauen-Zwickau gGmbH auf, die Finanzierung des Theaters ohne neue Einschr&auml;nkungen f&uuml;r 2025 und 2026 sicherzustellen und sich mit aller Kraft bei der neuen s&auml;chsischen Staatsregierung und beim Kulturraum Vogtland-Zwickau f&uuml;r eine Erh&ouml;hung ihrer Zusch&uuml;sse zur Entlastung der beiden St&auml;dte und f&uuml;r eine Dynamisierung der Theaterzusch&uuml;sse einzusetzen. Nur dadurch ist auf lange Sicht ein vielf&auml;ltiges Theaterangebot in der Region zu erhalten.<\/em><\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.theater-plauen-zwickau.de\/news.php?id=1328\">Theater Plauen-Zwickau<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: Carolin Eschenbrenner, Wikicommons, CC 4.0 International<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist nur los in unserem Land? 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