{"id":126361,"date":"2024-12-16T16:06:42","date_gmt":"2024-12-16T15:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126361"},"modified":"2024-12-16T18:27:11","modified_gmt":"2024-12-16T17:27:11","slug":"nachdenken-ueber-deutschland-und-die-welt-auf-der-moskauer-buchmesse-nonfiction","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126361","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber Deutschland und die Welt auf der Moskauer Buchmesse &#8220;non\/fictioN&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Moskau Buchmesse <a href=\"https:\/\/moscowbookfair.ru\/\">non\/fictioN<\/a>, die vom 5. bis zum 8. Dezember stattfand, war der Andrang dieses Jahr besonders gro&szlig;. Nach Angaben der Veranstalter besuchten die Buchmesse &uuml;ber 50.000 Menschen. 400 Verlage und Aussteller nahmen an der Messe teil. Vor einigen St&auml;nden war der Andrang so dicht, dass man nur mit M&uuml;he ein Buch in die Hand nehmen konnte. Man hatte den Eindruck, dass alle, die sich irgendwie f&uuml;r intellektuell halten oder Abonnenten von Sammelausgaben sind, an den vier Messetagen wenigstens einmal im &bdquo;Gostinyj Dwor&ldquo; gewesen sein wollten. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer Name der Buchmesse ist eigentlich irref&uuml;hrend, denn B&uuml;cher mit fiktiven Personen gab es auf der Messe zuhauf. Aber als die Buchmesse 1999 startete, wollte man mit dem Namen non\/fictioN ein Signal f&uuml;r ernsthafte, intellektuelle Literatur setzen. Der Veranstaltungsort &bdquo;Gostinyj Dwor&ldquo; ist ein im 18. Jahrhundert erbautes ehemaliges Kaufhaus in der N&auml;he des Roten Platzes, das 1996 zu einer Messehalle umgebaut wurde. Im Gostinyj Dwor tagt auch die Kreml-Partei &bdquo;Einiges Russland&ldquo;. &Uuml;berraschend war nun das ganz andere bunte Bild mit Verlagsst&auml;nden, die von Manga- &uuml;ber Kinderb&uuml;cher bis zu russischer Geschichte und Philosophie alles abdeckten. <\/p><p>Man hatte an alles gedacht. Es gab Caf&eacute;s, Spielecken f&uuml;r Kinder und einen Ruheraum mit Matratzen f&uuml;r das H&ouml;ren von Audiob&uuml;chern. Die Atmosph&auml;re war &ndash; trotz der Massen &ndash; entspannt. Die Erwartung, bald ein neues Buch zu lesen, hat die Besucher offenbar sanft gestimmt. Es gab insgesamt 300 Veranstaltungen. Auf dem Programm standen Debatten &uuml;ber den B&uuml;chermarkt in Indien, das &Uuml;bersetzen moderner russischer Literatur in die Sprache Hindi und das &Uuml;bersetzen mit Hilfe K&uuml;nstlicher Intelligenz. Zum Abschluss der Buchmesse gab es einen Abend, auf dem Schriftsteller von der Front in der Ukraine Gedichte und Lieder vortrugen. <\/p><p><strong>Die deutsche Friedensbewegung<\/strong><\/p><p>Ich kam auf die Messe, weil ich an der <a href=\"https:\/\/youtu.be\/MsxM-fnzvKs?si=b8iB87Ayl8K1qJ6v\"> Pr&auml;sentation (Video auf Russisch)<\/a> des Buches &ldquo;Auf beiden Seiten der Front. Meine Reisen in die Ukraine&ldquo; von Patrik Baab beteiligt war.  Die Pr&auml;sentation des Buches, das im Moskauer Verlag Gnosis erschien, wurde von dem russischen &Uuml;bersetzer des Buches Oleg Nikiforow geleitet und fand in einem halb offenen Raum am Rande der gro&szlig;en Messehalle statt. Baab begr&uuml;&szlig;te die Teilnehmer per Videobotschaft. In seiner kurzen Rede verurteilte der Autor, dass eine deutsche Beh&ouml;rde zwei russischen Fernsehjournalisten das Aufenthaltsrecht in Deutschland entzogen hat. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"alignleft size-full wp-image-126362\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01.jpg 1280w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-867x650.jpg 867w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-653x490.jpg 653w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_01-327x245.jpg 327w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><br>\n<small>Das Buch von Patrik Baab auf dem Tisch des Gnosis-Verlages rechts unten \/ Foto Ulrich Heyden<\/small><\/p><p>In meinem Redebeitrag erkl&auml;rte ich, dass Patrik Baab Teil der deutschen Antikriegsbewegung ist. &Uuml;ber diese Bewegung mit ihren verschiedenen Internet-Portalen ist in Russland auch in intellektuellen Kreisen kaum etwas bekannt. Ich nannte die Namen der bekanntesten Deutschen, die sich heute f&uuml;r Frieden mit Russland einsetzen, und erw&auml;hnte deutsche Fernsehreporter, die in der Zeit der deutsch-russischen Entspannung bem&uuml;ht waren, ein reales Bild von Russland zu liefern, wie Gabriele Krone-Schmalz, Klaus Bednarz und Gerd Ruge. Das Publikum reagierte mit freundlichem Applaus. <\/p><p>W&auml;hrend der Buchpr&auml;sentation sprach auch der russische Germanist und ehemalige Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau Wladimir Fomenko, der die russische Ausgabe des Baab-Buches redaktionell begleitet hatte. Fomenko erkl&auml;rte, das Buch von Baab sei f&uuml;r die Russen &bdquo;nicht wie die Entdeckung von Amerika&ldquo;, aber es &ouml;ffne den Russen die Augen &bdquo;f&uuml;r den nicht kleinen Sektor der deutschen Gesellschaft, der sich dem Mainstream und der antirussischen Erz&auml;hlung entgegenstellt&ldquo;. Buchautoren wie Patrik Baab, Gabriele Krone-Schmalz, Hauke Ritz und Ulrich Heyden &bdquo;werden uns kreativ helfen, die russisch-deutschen Beziehungen fortzuf&uuml;hren&ldquo;. <\/p><p><strong>Hoffnung auf die Zeit nach dem Ukraine-Krieg<\/strong><\/p><p>Die Wiederbelebung der deutsch-russischen Beziehungen werde &bdquo;schneller kommen, als wir es uns vorstellen k&ouml;nnen,&ldquo; meinte Fomenko. Best&auml;rkt sah er sich in seiner Hoffnung durch eine &Auml;u&szlig;erung von Aleksandr Dinkin, dem Pr&auml;sidenten des Moskauer Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft und internationale Beziehungen. <\/p><p>Dinkin hatte Anfang Dezember auf einem Treffen der russischen Teilnehmer des Petersburger Dialogs &ndash; aus dem die deutschen Teilnehmer ausgeschieden sind &ndash;, <a href=\"https:\/\/rg.ru\/2024\/12\/03\/reg-ufo\/na-zasedanii-smi-foruma-peterburgskij-dialog-obsudili-chto-izmenitsia-posle-vyborov-v-ssha.html\">Folgendes erkl&auml;rt<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir schauen &uuml;ber den Horizont hinaus in die postukrainische Welt und glauben, dass es nicht sein kann, dass wir trotz aller Konflikte und Schwierigkeiten langfristig keine Beziehung zu Europa haben, wo sich der politische Raum allm&auml;hlich polarisiert. Die oppositionelle Partei in Deutschland gewinnt immer mehr an Kraft. Wir kennen die Ergebnisse der ersten Wahlrunde in Rum&auml;nien. Wir kennen die Positionen Ungarns und der Slowakei. Daher kann man nicht sagen, dass die Europ&auml;ische Union eine einheitliche Front darstellt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Mit &bdquo;postukrainischer Welt&ldquo; meint Dinkin offenbar die Welt nach dem Ende des Ukraine-Krieges.<\/p><p>Wladislaw Below, der stellvertretende Leiter des Moskauer Europa-Instituts (<a href=\"https:\/\/en.instituteofeurope.ru\/structure\/board-of-directors\/item\/belov-vladislav-borisovich\">Ver&ouml;ffentlichungen Vladislav Borisovich<\/a>) &ndash; bis 2014 von deutschen Stiftungen <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/ru\/web\/ru-moskau\/veranstaltungsberichte\/detail\/-\/content\/auswahltagung-zur-vergabe-von-stipendien1\">ein geachteter<\/a> und von deutschen Medien viel zitierter Experte &ndash; sprach zur Situation in Deutschland. Die deutsche Regierung &bdquo;zerschneidet den kulturellen Raum vom Atlantischen Ozean bis zum Pazifischen Ozean mit seiner tausendj&auml;hrigen Geschichte, indem bewusst und professionell falsche Informationen verbreitet werden&ldquo;.<\/p><p>Zur Ukraine meinte Below, es g&auml;be nicht nur den, &bdquo;der den Konflikt begonnen hat&ldquo;, sondern auch den, &bdquo;der ihn erst m&ouml;glich gemacht hat&ldquo;. Den Westen nannte Below an dieser Stelle nicht, aber es war offensichtlich, dass er ihn meinte. Der Europa-Experte erkl&auml;rte, Russland sei heute &bdquo;wesentlich freier als Deutschland. Ich kann hier kritisieren. In Deutschland ist das nicht m&ouml;glich. Krone-Schmalz wird verfolgt.&ldquo; <\/p><p><strong>Spaltung der Intelligenz<\/strong><\/p><p>Die Spaltung Eurasiens, von der Below sprach, durchzieht nach Meinung des Autors dieser Zeilen auch die russische Intelligenz. Die Schriftstellerin Walerija Troizkaja, die auf der Buchmesse ihr Buch &ldquo;Das Donezk-Meer. Die Geschichte einer Familie&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.mk.ru\/politics\/2024\/12\/07\/prilepin-rasskazal-o-politicheskikh-vzglyadakh-voyuyushhikh-na-svo-vrag-u-nikh-odin.html\">vorstellte<\/a>, berichtete auf der Messe &uuml;ber ihre Schwierigkeiten, ihr Buch in ihrer Heimatstadt St. Petersburg auf die B&uuml;hne zu bringen. Das habe nicht klappt, weshalb das St&uuml;ck jetzt in einer &bdquo;gro&szlig;en Stadt in S&uuml;drussland&ldquo; aufgef&uuml;hrt werden soll. <\/p><p>Die Schriftstellerin berichtete: &bdquo;In St. Petersburg sind kreative Leute, welche die Spezialoperation unterst&uuml;tzen, eher die Ausnahme als die Regel. Das ist nicht erstaunlich, denn sie wurden alle von P&auml;dagogen erzogen, die liberale Ansichten haben. Darum bem&uuml;he ich mich, 16-, 17-j&auml;hrige Abiturienten von Schauspiel-Fachschulen zu gewinnen.&ldquo; Die Schriftstellerin m&ouml;chte an den Schauspiel-Fachschulen Veranstaltungen mit Teilnehmern der &ldquo;Spezialoperation&ldquo; in der Ukraine und mit russischen Soldaten organisieren, die in ukrainischer Gefangenschaft waren.<\/p><p>Zum Verst&auml;ndnis: Wenn in Russland heute im politischen Schlagabtausch &ndash; meist in negativem Kontext &ndash; von &bdquo;liberalen Ansichten&ldquo; gesprochen wird, dann bezieht sich das meiner Ansicht nach insbesondere auf die Dominanz der USA, das Zwangskorsett der &bdquo;westlichen Werte&ldquo; und den Neoliberalismus, der staatliche Strukturen aushebelt. Der in Russland negativ besetzt Begriff &bdquo;liberal&ldquo; bezieht sich aber nicht auf den Kapitalismus als System. Dieses System wird in Russland grunds&auml;tzlich nur von einer Minderheit in Frage gestellt. <\/p><p><strong>Frauen-Fragen<\/strong><\/p><p>W&auml;hrend eines Rundgangs auf der Buchmesse war ich erstaunt &uuml;ber die breite Themenpalette. Da war etwa der Verlag &ldquo;Belles Lettres&ldquo;, der sich auf Literatur f&uuml;r Frauen spezialisiert hatte. Bisher habe man vor allem Titel ausl&auml;ndischer Autorinnen herausgegeben, aber demn&auml;chst w&uuml;rden auch mehr russische Autorinnen dazukommen, erkl&auml;rte eine der vier Damen, welche die Pr&auml;sentation des Verlages leiteten. Die Damen waren alle Mitte 30, hatten also die Sowjetunion nicht mehr erlebt. <\/p><p>Die Pr&auml;sentation des Verlages wurde angek&uuml;ndigt unter dem Titel &ldquo;Girl Power: Warum sind Frauengemeinschaften heute popul&auml;r und worin besteht ihre Kraft.&ldquo; Die Ank&uuml;ndigung hatte mich neugierig gemacht. Die vier Damen erstaunten mich mit ihren Ausf&uuml;hrungen. Sie erkl&auml;rten, sie w&uuml;rden nicht nur B&uuml;cher vertreiben, sondern jede von ihnen sei auch in einem Frauen-Club aktiv. Eine war in einem Club f&uuml;r junge M&uuml;tter, eine andere arbeitete in einem Zentrum f&uuml;r Frauen, die h&auml;usliche Gewalt erlebt hatten. Die Frauen betonten, sie seien &bdquo;nicht gegen M&auml;nner&ldquo;. M&auml;nner k&ouml;nnten sich an ihren Aktivit&auml;ten beteiligen, aber Frauen br&auml;uchten f&uuml;r die Beratung von Frauen-Fragen Autonomie. <\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"alignleft size-full wp-image-126363\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03.jpg 1280w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-867x650.jpg 867w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-653x490.jpg 653w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_03-327x245.jpg 327w\" sizes=\"auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><br>\n<small>Praesentation des Frauen-Verlages Belles Lett res \/ Foto Ulrich Heyden<\/small><\/p><p>Ich f&uuml;hlte mich an die 1970er-Jahre in Westdeutschland erinnert, denn vieles von dem, was die Frauen auf dem Podium erz&auml;hlten, hatte ich schon damals geh&ouml;rt. Der Unterschied schien mir zu sein, dass die russischen Frauen Autonomie nicht laut fordern, sondern als Graswurzelbewegung Schritt f&uuml;r Schritt zu realisieren versuchen.<\/p><p>Nach der Veranstaltung erkl&auml;rte mir eine der Sprecherinnen, dass &bdquo;viele Ideen aus den USA und Europa mit Versp&auml;tung in Russland verwirklicht werden&ldquo;. Ob die Forderung nach Autonomie der Frauen nicht in Konflikt gerate mit der Weisung der russischen Regierung, die traditionellen Werte zu st&auml;rken, fragte ich. Darauf kam die prompte Antwort: &bdquo;Wir unterst&uuml;tzen nat&uuml;rlich die traditionellen Werte.&ldquo;<\/p><p>Dass man &uuml;ber die Fragen der Frauen &ouml;ffentlich spreche, beginne erst jetzt. Inzwischen gebe es auch auf staatlicher Ebene Frauen-Foren, zum Beispiel ein Frauen-Forum zu Zentralasien. Meine Gespr&auml;chspartnerin erkl&auml;rte: &bdquo;Wir wollen genauso Karriere machen k&ouml;nnen, und wir wollen den M&auml;nnern gleichgestellt sein.&ldquo; W&auml;hrend der Pr&auml;sentation hatten die Frauen bereits berichtet, dass Frauen in Russland im Schnitt 30 Prozent weniger verdienen als M&auml;nner. Dabei seien Frauen im Arbeitsprozess &bdquo;effektiver&ldquo; als M&auml;nner, meinte meine Gespr&auml;chspartnerin. &bdquo;Sie versuchen, ihre Arbeit schnell zu erledigen, weil sie nach Hause zu ihren Kindern wollen.&ldquo; Weiter sagte sie: &bdquo;Wir gehen in kleinen Schritten. Ich arbeite in einem Metallurgie-Unternehmen. Die Rechte der Frauen werden dort erweitert. Frauen kommen in den Aufsichtsrat.&ldquo; <\/p><p><strong>Schlangestehen f&uuml;r das Buch eines Anarchisten<\/strong><\/p><p>Die starke Pr&auml;senz von B&uuml;chern ausl&auml;ndischer, vor allem europ&auml;ischer und US-amerikanischer Autoren auf der Buchmesse &uuml;berraschte mich. Mir scheint, dass das Interesse an westlicher Literatur &ndash; trotz Ukraine-Krieg &ndash; nicht nachgelassen hat.  <\/p><p>Einer der Verlage, der ebenfalls viele ausl&auml;ndische und dazu noch viele linke Autoren im Programm hat, ist der Moskauer Verlag Ad Marginem. Am Stand des Verlages gab es Gedr&auml;ngel. Nach meinem Eindruck kauften viele Leute &ldquo;Die Morgenr&ouml;te von Allem. Eine neue Geschichte der Menschheit&ldquo;, zu dem es eine Pr&auml;sentation gegeben hatte. Die Autoren des Buches sind der US-Amerikaner, Anarchist und Mitbegr&uuml;nder der Occupy-Wall-Street-Bewegung David Graeber (1961-2020) und David Wengrow. Viel verkauft wurde auch das Buch &ldquo;Das Kapital im 21. Jahrhundert&ldquo; des franz&ouml;sischen &Ouml;konomen Thomas Piketty. Auf dem B&uuml;chertisch sah ich zudem zahlreiche B&uuml;cher von ausl&auml;ndischen Russlandreisenden wie dem deutschen Revolution&auml;r und Schriftsteller Ernst Toller (1893-1939).<\/p><p><strong>Russischer Wald f&uuml;r China<\/strong><\/p><p>Bei meinem Rundgang in der Messehalle kam ich schlie&szlig;lich zu einem Amphitheater, wo 500 Zuschauer den Ausf&uuml;hrungen des russischen Schriftstellers Alexej Iwanow lauschten. Er stellte sein Buch &ldquo;Vegetation&ldquo; vor. Iwanow wurde 1969 geboren, seinen ersten Roman ver&ouml;ffentlichte er 1990. Seine Themen sind Alltagsgeschichten aus dem russischen Leben. Sie sind meist im Stil fantastischer Literatur verfasst. Einige seiner Romane wurden bereits verfilmt.<\/p><p>Der Roman &ldquo;Vegetation&ldquo; spielt im Ural. Dort gibt es leere St&auml;dte und Fabriken, auf den Stra&szlig;en wachsen B&auml;ume. Den Wald in der Gegend hat man k&uuml;nstlich erzeugt. Er w&auml;chst in schnellem Tempo, denn er soll Holz f&uuml;r den Export nach China liefern. Doch der Wald mutiert, f&uuml;hrt sein eigenes Leben und verh&auml;lt sich feindlich gegen&uuml;ber der Zivilisation. In seinem Dickicht lauern merkw&uuml;rdige Menschen, und zwischen den Holzf&auml;llerbrigaden gibt es Krieg.<\/p><p>Die russische Landschaft und Geschichte geben einigen Stoff f&uuml;r fantastische Geschichten. Ich habe das Buch gekauft und sogar ein Autogramm des Autors eingeheimst. Nun bin ich gespannt, was mich in dem gruseligen Wald erwartet.<\/p><p><small>Titelbild: Schriftsteller Alexej Iwanow stellt seinen Roman &ldquo;Vegetation&rdquo; vor \/ Foto Ulrich Heyden<\/small><br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/eec8dbadcbd24e2e88bf80215519e0df\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Moskau Buchmesse <a href=\"https:\/\/moscowbookfair.ru\/\">non\/fictioN<\/a>, die vom 5. bis zum 8. Dezember stattfand, war der Andrang dieses Jahr besonders gro&szlig;. Nach Angaben der Veranstalter besuchten die Buchmesse &uuml;ber 50.000 Menschen. 400 Verlage und Aussteller nahmen an der Messe teil. Vor einigen St&auml;nden war der Andrang so dicht, dass man nur mit M&uuml;he ein Buch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126361\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":126364,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,170,917],"tags":[2505,2750,3089,1120,918,259,260],"class_list":["post-126361","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","category-kultur-und-kulturpolitik","tag-baab-patrik","tag-buchmesse","tag-frauenrechte","tag-friedensbewegung","tag-kulturlandschaft","tag-russland","tag-ukraine"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241216_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126361"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126390,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126361\/revisions\/126390"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/126364"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}