{"id":126416,"date":"2024-12-27T12:00:29","date_gmt":"2024-12-27T11:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126416"},"modified":"2025-01-08T15:25:04","modified_gmt":"2025-01-08T14:25:04","slug":"merkels-buch-kein-grund-zum-lesen-jedoch-anlass-zur-kritik-an-einer-kuehlen-einst-maechtigen-kanzlerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126416","title":{"rendered":"Merkels Buch: Kein Grund zum Lesen, jedoch Anlass zur Kritik an einer k\u00fchlen, einst m\u00e4chtigen Kanzlerin"},"content":{"rendered":"<p>Bedeutende Menschen schreiben gern B&uuml;cher, die sie f&uuml;r wichtig halten. Jetzt tat das auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die &uuml;ber eine sehr lange Zeit, von 2005 bis 2021, die Macht innehatte und nun meinte, ihre geneigte Leserschaft endlich umfassend zu informieren, was sie alles geleistet hat und warum das damals alles so war, wie es war. So weit, so gut. Ihr Buch &bdquo;Freiheit&ldquo; zu lesen, kommt mir trotzdem nicht in den Sinn. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5179\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-126416-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=126416-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241218-Merkels-Buch-Kein-Grund-zum-Lesen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Angela Merkel steht f&uuml;r mich bis heute f&uuml;r eine heuchlerische wie raffinierte Machtpolitik, die sich in Wahrheit von vielen Menschen abwendet und dabei aber so tut, als w&uuml;rde sie genau das Gegenteil und nur das Wohl des Volkes im Sinn haben. Derartiges wie das Merkel-Buch zu lesen, habe ich keinen Bedarf. Wichtig ist mir aber, darauf hinzuweisen, wessen Klasse sie angeh&ouml;rt und dass ihre Leistungen kritikw&uuml;rdig sind. Zun&auml;chst: Deutschland erscheint wie ein reiches Land mit vielen Menschen, die immer noch sagen, es gehe ihnen gut, sie seien froh und frei. Der Preis f&uuml;r deren Reichtum, welcher nicht fair verteilt ist, ist sehr hoch. Deutschland ist ein Land der Sieger und Verlierer. Verlierer gibt es zu viele &ndash; das Verlieren wird von der politischen Klasse, den Etablierten, denen, die es geschafft haben, von den in Komfortzonen eingerichteten Nichtbetroffenen achselzuckend als &bdquo;Schicksal&ldquo; der anderen hingenommen. Das ist Freiheit.<\/p><p>Nun so ein Buch: Merkels W&auml;lzer hei&szlig;t auch &bdquo;Freiheit&ldquo;, er ist ein Buch mit &uuml;ber 700 Seiten. F&uuml;r mich ist das Werk kein Grund zum Lesen, daf&uuml;r ein &Auml;rgernis. Denn das Werk zieht bei mir aus den Sph&auml;ren des Vergessens Erinnerungen aus der Zeit der Regentschaft Merkels wieder hoch. Allein ihr Wiederauftauchen dank des Sachbuchs und eines gro&szlig;en, aufdringlichen Medienauflaufs ist keine Sternstunde. Von wegen bescheiden und dankbar und dem&uuml;tig &ndash; ihr sei entgegnet: Frau Merkel kann schreiben, was sie will, die Geschichte, die sie &bdquo;mitgestaltet hat&ldquo;, wird davon nicht besser. Soll sie ihren Ruhestand genie&szlig;en und gut.<\/p><p>Die deutsche Geschichte von 2005 bis 2021: Die Liste ihres Schaffens und der Folgen der &bdquo;Merkel-Macht-Jahre&ldquo; ist lang. Die Politik der CDU-Politikerin und ihrer Gefolgschaft erlebte ich als keine gute, die heute nicht besser wird, wenn Merkel vers&ouml;hnlich res&uuml;mieren will. Ihre Hinterlassenschaften beeinflussen den Alltag vieler Menschen (trotz der zahlreichen Wohlhabenden) negativ und dar&uuml;ber hinaus bis heute dramatisch. Tragisch wie normal f&uuml;r die Qualit&auml;t der gegenw&auml;rtigen politischen Klasse ist, dass die nachfolgenden, jetzt Macht habenden Politikerkollegen Angela Merkels deren Hinterlassenschaften nicht korrigieren. Es ist zum Heulen.<\/p><p><strong>Am Tisch mit der Merkelbuchpyramide mitten im Advent<\/strong><\/p><p>&bdquo;Die m&uuml;ssen doch verr&uuml;ckt sein, 42 Euro f&uuml;r so ein Buch&ldquo;, beschwert sich ein &auml;lterer Mann gegen&uuml;ber seiner Frau. Beide Rentner stehen kopfsch&uuml;ttelnd am Warentisch einer Buchhandlung in meiner Heimatstadt, auf dem eine Art Pyramide aufgebaut ist. Das Paar schimpft &uuml;ber Merkel und hat Worte parat, die in dem dicken Buch vor ihnen sicher nicht vorkommen. Die Bausteine der aufdringlichen Werbeaktion sind Exemplare des Buches &bdquo;Freiheit&ldquo; der Altkanzlerin. Warum wird eigentlich f&uuml;r andere, sch&ouml;nere B&uuml;cher nicht so ein Aufwand betrieben? Stimmt, alle sollen sehen, das Buch hat doch was: Der Umschlag schimmert in Blau, der Blazer Merkels ist blau, der Schriftzug &bdquo;Freiheit&ldquo; schimmert in einem sehr sehr hellen Blau. Merkel l&auml;chelt auf dem Titelbild, wirkt aufger&auml;umt, blickt optimistisch, mit sich im Reinen, nach vorn. Das Signal an die Leser soll sicher sein: Sie war und ist vertrauenerweckend. Und das in der Adventzeit. Clever.<\/p><p>Die PR-Maschinerie wirkt. Das Buch, &uuml;ber 400.000-mal gedruckt, ist laut Hitliste ein richtiger Renner: Platz 1. Wer kauft nur das Buch? Im Laden bei mir um die Ecke steht die Pyramide der vielen Freiheitsb&uuml;cher wie eine feste Mauer gleich am Eingang. Ich frage mich: In unseren Wendezeiten, im selbstzerst&ouml;rerischen Taumel Richtung wehrhafter Einsatzbereitschaft &ndash; was braucht es das r&uuml;ckblickende, wohlwollende Fazit &uuml;ber eine doch im Gro&szlig;en und Ganzen gute Zeit, gemacht von einer im Gro&szlig;en und Ganzen lieben Frau? Es braucht es nicht. Und damit nicht genug: Wer nicht selbst lesen mag, kann dem H&ouml;rbuch lauschen, keine geringere K&uuml;nstlerin als die ber&uuml;hmte Corinna Harfouch spricht Satz f&uuml;r Satz. Wem es gef&auml;llt, ja. Ansonsten? Danke, nein.<\/p><p><strong>Ein Land, in dem wir gut und gerne leben<\/strong><\/p><p>Mit einem Mal &ndash; das kommt mir jedenfalls so vor &ndash; ist Angela Merkel also wieder da. H&auml;tte Merkel kein Buch geschrieben, ich h&auml;tte nicht mehr an sie gedacht, jedenfalls nicht wie aktuell. Ohne eine Zeile gelesen zu haben &ndash; ich brauche die Art Anschubser der Altkanzlerin nicht &ndash;, f&auml;llt mir nach und nach als B&uuml;rger ein, was Merkel solo und mit ihrer und f&uuml;r ihre politische Klasse der Etablierten &uuml;ber eine lange, sehr lange, viel zu lange Zeit in unserem Land zustande und nicht zustande gebracht hat. In 16 Jahren Merkelismus und dar&uuml;ber hinaus. &Auml;rgerliches. Jetzt kommt also eine Nachlese auf Merkeldeutsch? Die Ex-Kanzlerin brachte nicht zustande oder hatte gar nicht vor, was sie in Neujahrsansprachen gern versprach: dass wir in einem Land weilen, in dem wir (alle) gut und gerne leben. Und ja, doch, Merkelnutznie&szlig;er gab und gibt es auch, wie ich schon erw&auml;hnte. Das m&uuml;ssen viele sein, die den schweren Band erwerben, siehe Verkaufszahlen von &bdquo;Freiheit&ldquo;. Dabei st&ouml;rt auch nicht, dass Bewertungen auf Internetportalen &uuml;ber &bdquo;Freiheit&ldquo; dagegen schon mal sehr viel weniger lobend ausfallen. Die Kommentarspalte wird dann halt einfach geschlossen, was der Altkanzlerin im Basta-Stil bestimmt gef&auml;llt.<\/p><p>Man muss sich das mal vor Augen halten: 16 Jahre Merkel. Vier Legislaturperioden. Ihr Abgang kam, endlich, so etwas wie ein Aufatmen seufzte durch das Land. Doch dann? Ihr Abschied hat von 2021 bis heute nicht wie erhofft zur Folge, dass sich die bleierne Zeit der Bundeskanzlerin hin zu einer besseren Phase &auml;ndert. Der ehemalige Partner der viel gelobten Gro&szlig;en Koalition &uuml;bernahm in neuer Koalition, die von fantasiereichen Redakteuren (wie originell) wie ein Signal im Stra&szlig;enverkehr bezeichnet wurde. Doch die Zeit wurde und wird heute schlimmer. Merkel bekommt all das sicher auch mit. Sie wei&szlig;, wie sehr sie involviert in das Spiel mit dem Feuer war und ist &ndash; einfach mal &bdquo;Merkel und der Ukrainekonflikt&ldquo; im Internet nachschlagen.<\/p><p>Die sogenannte Zeitenwende wurde nach Merkel auf die Tagesordnung gesetzt und in der Art verkauft, als w&uuml;rde solch eine Wende nat&uuml;rlicherweise &uuml;ber uns Menschen kommen. Das geschieht logischerweise &ndash; Ironie aus &ndash; ohne das Zutun der Macher, ohne Leute wie Merkel, die an den Hebeln sitzen und diese nur so umlegen, wenn es darum geht, den G&uuml;rtel enger zu schnallen und zu konstatieren, dass die fetten Jahre vorbei seien. Gab es etwa vorher fette Merkeljahre? F&uuml;r ihresgleichen und f&uuml;r die, f&uuml;r die sie fette Beute generierte, sicher.<\/p><p>Raffiniert hat die Altkanzlerin derlei Wende schon in ihrer Zeit ganz ohne gro&szlig;es Aufsehen, mit langem Atem, stoisch ruhig und unbeirrt gegen Widerst&auml;nde der Zivilgesellschaft eingeleitet: mit ihrer Wir-schaffen-das-Schwindelei, mit ihrem k&uuml;hlen Durchregieren, in ihrer gerissenen Machtbewusstheit, ihrem hinterlistigen &bdquo;Dienen&ldquo; f&uuml;r eine Sache, die nicht die aller B&uuml;rger war und ist und bleibt. Genau das sieht die Gesellschaftskonstruktion Kapitalismus auch nicht vor, das wei&szlig; sie sicher. Also muss man drum herumreden, damit das Volk alle Kr&ouml;ten schluckt, patriotisch und treu stillh&auml;lt und Mutti trotzdem gut findet. Sie ist ja auch sympathisch. Ich denke nur an ihren unverf&auml;lschten, herrlichen Jubel auf der Ehrentrib&uuml;ne im Maracana-Stadion zu Rio de Janeiro, als im Fu&szlig;ball-WM-Finale 2014 der Mario G&ouml;tze grandios das 1:0 erzielte, auch, weil der Reporter rief: &bdquo;Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn.&ldquo; Deutschland wurde Weltmeister. Ich sah bei Merkel zwei Personen: die, die sie sein m&uuml;sste, und die, die sie wirklich trotz Jubel ist &ndash; die Frau, die als Machtmensch wieder zur harten Tagesordnung &uuml;bergeht.<\/p><p>Klar f&auml;llt es Merkel dank ihrer Kunst des Politikmachens nicht schwer, ein sehr gro&szlig;es Wort zu bem&uuml;hen. Davor scheut sie sich bis heute nicht, auch wenn das Wort gar nicht zutrifft f&uuml;r viele, f&uuml;r unser Land, f&uuml;r unsere M&ouml;glichkeiten: &bdquo;Freiheit&ldquo;.<\/p><p><strong>Eine Aufz&auml;hlung, die Merkel nicht ausmacht<\/strong><\/p><p>Eine Aufz&auml;hlung, die Merkel nicht ausmacht: wirkliche, gelebte und gestaltete Einheit, ein Ostdeutschland, das sie, die Ostdeutsche, im Blick hat. Die Entscheidung, den Posten des Ostbeauftragten abzuschaffen und stattdessen wirklich einheitszugewandte Politik zu betreiben. Gleichberechtigung, Integration, ehrliche Migration, soziale Gerechtigkeit, friedliche Koexistenz. In Europa und weltweit ein guter Nachbar sein f&uuml;r unsere Nachbarn.<\/p><p>All die genannten Stichworte, deren Existenz in unserem Leben, die sah und sehe ich bei Merkel, durch Merkel nicht oder allzu wenig. Als die Erde brannte &ndash; sie brennt immer noch &ndash; und Fl&uuml;chtlinge sich auf den Weg machten: Was tat Merkel vorher und w&auml;hrend dieser Zeit? F&uuml;r Frieden sorgen? Die B&uuml;ndnispartner zur R&auml;son bringen? Sie sprach von R&auml;son, als sie &uuml;ber Israel sprach. In ihrer Amtszeit tobte in Pal&auml;stina der Krieg. Ihre Sturheit, die Arroganz der Macht, sie herrscht selbst nach ihrer Abdankung immer noch vor und ruft Sch&auml;den hervor, die nicht zu reparieren sind, viele Jahre nicht mehr. Vor unseren Augen verschwinden Menschen, ganze V&ouml;lker, und wir blicken zur&uuml;ck auf die Wir-schaffen-das-Jahre. Dass die Kanzlerin Angela Merkel 16 Jahre in solch einer Weise wirken konnte, dass die Widerst&auml;nde dagegen stets abgeschmettert werden konnten, zeigt die Machtf&uuml;lle, die sie innehatte und\/oder die ihr zugestanden wurde. Denn Alleing&auml;ngerin war und ist sie nicht &ndash; sie ist Elite.<\/p><p><strong>Wie war das damals 2011 und folgend &ndash; Syrien?<\/strong><\/p><p>Ich las gerade einen Aufsatz der sehr gesch&auml;tzten Korrespondentin Karin Leukefeld, die zu den schlimmen Ereignissen in und um Syrien schreibt. Allein die Jahreszahl 2011 und die folgenden Jahre liegen im Zeitraum der Machtaus&uuml;bung Merkels. Sie sah zu, sie schaute weg, sie machte beim sch&auml;bigen Spiel, politische Interessen durchzusetzen, mit. Und nein, die folgenden Zeilen sind keine aus Merkels Buch:<\/p><blockquote><p>\n<em>Seit dem Fr&uuml;hsommer 2011 hatten die Bundesregierung und die Europ&auml;ische Union mit einseitigen wirtschaftlichen Strafma&szlig;nahmen gegen Syrien zum wirtschaftlichen Mangel des Landes beigetragen und einen Wiederaufbau verhindert. Die USA setzten mit dem &bdquo;Caesar-Gesetz&ldquo; noch eins drauf und drohten Einzelpersonen, Unternehmen und Staaten mit Sanktionen, sollten sie mit Syrien Handel treiben oder dort Investitionen t&auml;tigen. Seit fast 10 Jahren halten US-Truppen die syrischen &Ouml;lquellen im Nordosten des Landes besetzt und kontrollieren &ndash; in Koordination mit den Truppen der Verb&uuml;ndeten T&uuml;rkei, Jordanien und Israel &ndash; nahezu alle Grenzen des Landes.<\/em><\/p>\n<p><em>Bashar al Assad, der seinem Vater Hafez nach dessen Tod im Jahr 2000 im Pr&auml;sidentenamt folgte, stand sp&auml;testens seit dem v&ouml;lkerrechtswidrigen Irak-Krieg 2003 unter offenem Druck der USA: Der damalige US-Au&szlig;enminister Colin Powell forderte vom syrischen Pr&auml;sidenten 2002, wie Jordanien Land und Grenzen f&uuml;r den Vormarsch der US-Truppen in den Irak zu &ouml;ffnen. Vergeblich, Syrien stellte sich an die Seite des bedr&auml;ngten Irak, der von den USA schlie&szlig;lich &ndash; unter dem Vorwand, Massenvernichtungswaffen zu besitzen &ndash; &uuml;berfallen und besetzt wurde. Die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, weil es sie nicht gab. Der Irak wurde zerst&ouml;rt, Millionen flohen, Tausende wurden in einem angefachten interreligi&ouml;sen Krieg get&ouml;tet.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Druck auf Damaskus hielt an. Syrien solle das B&uuml;ndnis mit dem Iran kappen, so die Forderung aus Washington. Die Golanh&ouml;hen solle Damaskus Israel &uuml;berlassen und es m&uuml;sse die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Pal&auml;stinenser stoppen. Im Gegenzug wurden Syrien bl&uuml;hende Landschaften versprochen, die Bev&ouml;lkerung solle im Frieden des US-amerikanischen Hegemons [sic] &ndash; und seines regionalen W&auml;chters Israel &ndash; zufrieden und gl&uuml;cklich sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Syrien beharrte auf seiner souver&auml;nen Politik, &ouml;ffnete sich nach innen und au&szlig;en und prosperierte. Die Syrer unterst&uuml;tzten den jungen Pr&auml;sidenten, der ihr Leben um vieles erleichtert hatte. Genau in dieser Zeit begann der Krieg 2011. Aus mehr als 150 Staaten zogen Dschihadisten nach Syrien, um den &bdquo;Heiligen Krieg gegen das Assad-Regime&ldquo; zu f&uuml;hren. Die T&uuml;rkei und Jordanien erm&ouml;glichten deren Passage, USA und arabische Golfstaaten lieferten die Waffen. Syrien wurde verw&uuml;stet und gespalten. Die ressourcenreichen Gebiete &ndash; Baumwolle, Wasser, Oliven und &Ouml;lquellen &ndash; wurden besetzt und dem Land entzogen.<\/em><\/p>\n<p><em>Syrien wurde absichtlich zerst&ouml;rt. Weil es sich weigerte, sich den geopolitischen Interessen der USA zu unterwerfen.<\/em><\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/syrien-in-truemmern-und-was-die-medien-verschweigen\/\">Globalbridge<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Freiheit. Geld.<\/strong><\/p><p>Wenn ich in meiner Heimatstadt eine kleine Gasse in der Altstadt entlanglaufe, lese ich im Vor&uuml;bergehen an einer bestimmten Stelle immer einen aufgesprayten Spruch: Geld ist ein Synonym f&uuml;r Freiheit. In der Tat bewirkt die Menge an finanziellen Mitteln M&ouml;glichkeiten, die den, der (viel) Geld hat, frei(er) macht.<\/p><p>Der Freiheitss&auml;uselei der Altkanzlerin fehlt genau das: auf Geld und Freiheit als Einheit hinzuweisen, ebenso Worte wie Reichensteuer, echte Mietpreisbremse, faire L&ouml;hne. Freiheit hat weitere Facetten. Als Frau hat sie geschafft, dass f&uuml;r die Gleichberechtigung kein gro&szlig;er Wurf gelang. Sie hat Kanzler Schr&ouml;ders Hartz-Wahnsinn nicht zur&uuml;ckgenommen. Der Sozi agierte asozial, die Christin folgte. Ihrem jetzigen Nachfolger Scholz ist zun&auml;chst zugutezuhalten, dass er Hartz f&uuml;r eine Weile pausieren lie&szlig; und auf zivilere Weise B&uuml;rgergeld auszahlte. Damit ist jetzt aber bald Schluss, jubeln die Reaktion&auml;re, auf dass das &bdquo;B&uuml;rgergeld&ldquo; seinen Namen nicht mehr verdient &ndash; weil Geld oder die Verweigerung dessen ein sehr probates Sanktionsmittel gegen all die Menschen ist, die in der Freiheit-Geld-Welt keinen w&uuml;rdigen Platz haben, haben sollen. Verachtung aber schon.<\/p><p><strong>Unter Freunden geht das gar nicht &ndash; doch, Frau Merkel<\/strong><\/p><p>Ich h&ouml;rte, Merkel soll sich in ihrem W&auml;lzer &uuml;ber Obama &auml;u&szlig;ern, &uuml;ber Putin. Ersterer soll gut wegkommen, der Mann, der sogar den Friedensnobelpreis bekommen hat, obwohl er als First Man of the USA die meisten Waffeng&auml;nge seines Landes weltweit nach dem Zweiten Weltkrieg befehligte. Bei &bdquo;Obama trifft Merkel&ldquo; f&auml;llt mir noch ein, dass sie ein Mal aufmuckt, aber so richtig, als sie staunend davon erf&auml;hrt, dass ihr Smartphone von den Freunden hinterm gro&szlig;en Teich abgeh&ouml;rt, die Inhalte mitgeschnitten, analysiert werden und so weiter. Unter Freunden ginge das gar nicht, beschwert sie sich. Danach tritt Stille ein, Schwamm dr&uuml;ber.<\/p><p>Der zweite Politiker, Putin, aus dem gr&ouml;&szlig;ten Land der Erde, darf hingegen, ganz deutsch und traditionell und eingebl&auml;ut, nicht gut wegkommen. Merkel hat in Moskau studiert. Merkel wei&szlig;, wie Menschen der Sowjetunion denken, Menschen in Russland. Sie schafft es in 16 Jahren nicht, Br&uuml;cken zu bauen, die vorhandenen nachhaltig abzurei&szlig;en jedoch schon. Gute Nachbarn unter Nachbarn?<\/p><p><strong>Zwei Jahre &ndash; bewusst erzeugter Super-GAU<\/strong><\/p><p>Die abschlie&szlig;enden zwei Jahre Merkel-Regierung, in der ohnehin schon vorher viele Daten in Richtung &bdquo;Unten&ldquo; neigen (Armut, Bildung, Infrastruktur, Kultur, Verkehr, Wohnen, Forschung, Mittelstand, Auseinanderdriften der &bdquo;gut und gerne leben wir hier&ldquo;-Gesellschaft, Migration, B&uuml;rokratie): Die Jahre 2020 und 2021 werden final und bewusst zum Super-GAU weitergef&uuml;hrt. Corona, Corona-Ma&szlig;nahmen, die harte Hand, wieder dieses &bdquo;Wir schaffen das&ldquo;. Beifallklatschen von Balkonen, machtloser K&uuml;nstler-Protest &bdquo;Ohne uns wird es still&ldquo;, Eskalation von oben, vor allem Pflichten, Bu&szlig;geldkataloge. Den widersprechenden Menschen wird Verschw&ouml;rungsschwurbelei vorgehalten, Dummheit vorgeworfen, was wissen die schon.<\/p><p>Der m&auml;chtige, konsequente, eitle Angriff auf viele Rechte der B&uuml;rger, auf die zivilisatorische Ordnung insgesamt &ndash; ein stoisches Werk Merkels und derer, die im ganzen Land mit von <em>dieser<\/em> Partie waren. Wir sind kein Land, in dem wir gut und gerne leben wollen w&uuml;rden. Nirgends sehe ich r&uuml;ckblickend einen Ansatz, bei dem Frau Merkel die Hand reicht, wo sie handelt wie ein einfacher Mensch, der empathisch ist, den kein profitabler Hintergrund motiviert, der nach M&ouml;glichkeiten sucht und sie auch findet, wie ein Land Entspannung findet, Ausgleich, Verbindlichkeit, Solidarit&auml;t, Miteinander, Verst&auml;ndnis. Wo hat Merkel einen Satz losgelassen wie &bdquo;Wir lassen das jetzt mal mit den Daumenschrauben, wir stellen die Ma&szlig;nahmen in Frage, wir gehen in uns und stellen uns unseren Irrt&uuml;mern, unserer Selbstgef&auml;lligkeit.&ldquo;? Wo ist zu lesen, dass Merkel sagt: &bdquo;Die m&auml;chtigen Interessen der Privatindustrie &ndash; hier die Pharmakonzerne &ndash; hatten die Oberhand. Ich sage als Kanzlerin jetzt: hatten.&ldquo;?<\/p><p><strong>Einmal Kanzler, Kaiser oder K&ouml;nig<\/strong><\/p><p>Was will ich damit erz&auml;hlen? Beim Lesen meiner eigenen Zeilen hier sto&szlig;e ich auf die Metapher der Macht, die in Wahrheit nur einen Wunsch vieler Menschen zum Ausdruck bringt: einmal Chef von Deutschland sein, Kanzler, Kaiser oder K&ouml;nig (m\/w\/d). Was w&uuml;rde man machen, w&auml;re man Kanzler oder K&ouml;nig? Gute Chefs schmei&szlig;en zumindest im M&auml;rchen ihren Laden recht gut. Im wahren Leben aber? Wie h&auml;tte ich mich gefreut, wenn Angela Merkel unser Land kraftvoll wie behutsam gef&uuml;hrt h&auml;tte, vielleicht so im teils progressiven Geiste der Gr&uuml;nderv&auml;ter, im Geist der sozialen Marktwirtschaft, nach den Texten des Grundgesetzes. Was w&auml;re das gewesen, wenn sie, die Ostdeutsche, darauf gepocht h&auml;tte: &bdquo;Wir machen das jetzt mal klar, ja, mit der gemeinsamen, neuen Verfassung&ldquo;? Was w&auml;re das gewesen, wenn Merkel die vielen eingebrachten Gesetzesinitiativen in den Parlamenten, die eine gerechte Gesellschaft bef&ouml;rdern, aktiv und stoisch begleitet und unterst&uuml;tzt h&auml;tte? Bezahlbares Leben schaffend, das Gemeinwesen f&ouml;rdernd, das &ouml;ffentliche Leben; nicht das Geld als Mittel, die Welt zu regieren, sondern das Geld in allen Bereichen des Lebens als T&uuml;r&ouml;ffner verwendend. Und ja, es gibt auch L&ouml;sungen, dass dem, der den T&uuml;r&ouml;ffner &bdquo;Geld&ldquo; nicht oder wenig besitzt, die T&uuml;r dennoch ge&ouml;ffnet wird. Merkel hat in keiner Rede gesagt, das behaupte ich, dass sie f&uuml;r ein Deutschland sorgt, in dem es keine Verlierer gibt, kein Oben und Unten. Sie schw&auml;rmt lieber von Freiheit. Leere Phrase. Frau Merkel, nur eine egalit&auml;re Gesellschaft ist frei! Oder wie es die Franzosen an allen ihren Portalen wichtiger Geb&auml;ude stehen haben: Freiheit, Gleichheit, Br&uuml;derlichkeit.<\/p><p><strong>Das steht sicher auch nicht im Buch &ndash; eine Anzeige<\/strong><\/p><p>Mitten im Jubel &uuml;ber das blaue Buch &uuml;ber Merkels Freiheit wird bekannt, dass unsere Altkanzlerin auf einer Liste mit wichtigen deutschen Politikern steht, die von einem Berliner B&uuml;rger im Zusammenhang mit deren Handeln w&auml;hrend der Corona-Zeit angezeigt wurden. Die von der Staatsanwaltschaft angenommene und registrierte Anzeige ist heftig formuliert, es fallen Worte wie Verdacht auf Betrug, N&ouml;tigung und gef&auml;hrliche K&ouml;rperverletzung. Nichts da mit &bdquo;wir werden uns viel zu verzeihen haben&ldquo;, wie Merkels Ex-Minister Spahn nach den Corona-Skandalen der Entscheider feige davonkommen will. Merkel und die anderen Politiker bekommen um die Ohren gehauen, dass sie Jahre voll auf das Pedal traten, die Bev&ouml;lkerung im Unklaren und an der kurzen Leine hielten (auch ihre Gefolgschaft, die, denen es ja gut geht, die stillgehalten haben deswegen), dass sie von Fremdschutz sprachen, eine Impflicht durchpeitschen wollten, zur Impfung n&ouml;tigen und dabei doch die Schattenseite all dessen kannten. Nebenwirkungen, Sch&auml;den, Opfer? Augen zu und durch. Die, die nicht mitmachten, nicht folgten, denen erging es schlecht. 3G, 2G usw. Nur nebenbei: In dieser Zeit wurde enorm viel Geld verdient. Stimmt: Geld. Freiheit. Gut nur, dass sich nicht wenige Menschen die Freiheit nahmen, k&auml;mpften, nicht aufgaben, anders zu handeln als von Mutti und Co. gew&uuml;nscht. Trotz Pein, trotz Pression. Nix mit Basta.<\/p><p><strong>Endlich Zapfenstreich<\/strong><\/p><p>Zum Schluss etwas Fr&ouml;hlichkeit. Die kam auf, als Kanzlerin Merkel im Dezember 2021 endlich in den Ruhestand verabschiedet wurde &ndash; und zwar mit einem z&uuml;nftigen preu&szlig;ischen milit&auml;rischen Zapfenstreich (woher nur dieses komische Wort stammt?). Nebenbei: unter 2G-Bedingungen. Darauf muss man erstmal kommen. Angela Merkel durfte sich die Musik ausw&auml;hlen. Sie entschied sich f&uuml;r Nina Hagens &bdquo;Du hast den Farbfilm vergessen&ldquo;, Hildegard Knefs Ballade &bdquo;F&uuml;r mich soll&rsquo;s rote Rosen regnen&ldquo; und einen Choral &bdquo;Gro&szlig;er Gott, wir loben dich&ldquo;, aufgespielt vom Stabsmusikkorps der Bundeswehr. Das Musiktrio: Wildheit und jugendliche Unbek&uuml;mmertheit, romantische Hingabe sowie fromme Bescheidenheit &ndash; das w&auml;re auch ein Verhaltensmuster f&uuml;r eine Kanzlerin gewesen, bei der ich dann das Wort &bdquo;Freiheit&ldquo; als Beschreibung h&auml;tte gelten lassen. Doch stattdessen liegen viele Scherben vor ihr und uns, und diesem Haufen werden weiter t&auml;glich Scherben hinzugefegt &ndash; von ihren Nachfolgern.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126928\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Koapan\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedeutende Menschen schreiben gern B&uuml;cher, die sie f&uuml;r wichtig halten. Jetzt tat das auch die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, die &uuml;ber eine sehr lange Zeit, von 2005 bis 2021, die Macht innehatte und nun meinte, ihre geneigte Leserschaft endlich umfassend zu informieren, was sie alles geleistet hat und warum das damals alles so war, wie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126416\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":126417,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,165],"tags":[1112,441,315,633,309,1553,291],"class_list":["post-126416","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-innen-und-gesellschaftspolitik","tag-buergerrechte","tag-freiheit","tag-merkel-angela","tag-politikerverdrossenheit","tag-repressionen","tag-syrien","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/Shutterstock_2557722265.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126416"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126932,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126416\/revisions\/126932"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/126417"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}