{"id":126437,"date":"2024-12-26T12:00:29","date_gmt":"2024-12-26T11:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126437"},"modified":"2024-12-19T15:54:15","modified_gmt":"2024-12-19T14:54:15","slug":"westen-demontiert-sich-selbst-liberalismus-in-theorie-und-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126437","title":{"rendered":"Der Westen demontiert sich selbst: Liberalismus in Theorie und Praxis"},"content":{"rendered":"<p>Der Ukraine-Krieg seit Februar 2022 und die Reaktion des globalen Westens darauf l&auml;uteten eine neue &Auml;ra ein, die den Freihandelskapitalismus in Frage stellt. Die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r Europa besteht nun darin, dass die EU-F&uuml;hrung, die sich einem Krieg verschrieben hat, welcher sich als falsch erweist, nicht bereit ist, ihre Ziele und Strategien anzupassen, selbst wenn sich die internationalen Rahmenbedingungen durch den Wechsel an der US-F&uuml;hrungsebene &auml;ndern. Ein Beitrag von Botschafter a. D. <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1865\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-126437-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=126437-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241211_Westen_demontiert_sich_selbst_Liberalismus_in_Theorie_und_Praxis_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Liberale Grunds&auml;tze haben in den letzten Jahrzehnten als ideologische Grundlage des heutigen globalen Westens gedient. Diese Prinzipien waren f&uuml;r die Kr&auml;fte, die sich im gegebenen historischen und politischen Kontext f&uuml;r demokratische Prozesse einsetzten, weltweit annehmbar, kommunizierbar und rational vertretbar. Die zunehmende Missachtung der liberalen Grundwerte durch westliche Entscheidungstr&auml;ger, die auch von konservativen Kr&auml;ften wahrgenommen wird, bedroht die Stabilit&auml;t der globalen Wirtschaft und der internationalen Beziehungen. Der Krieg in der Ukraine ist ein deutliches Symptom dieser Entwicklung.<\/p><p>Zu bestimmten Zeiten wurden die liberalen Grunds&auml;tze bis zur Verabsolutierung vorangetrieben. Dabei ging es um Fragen der individuellen und kollektiven Dimension der Menschenrechte, der Unantastbarkeit des Eigentums, des Funktionierens des freien Marktes, des freien Kapitalverkehrs, der Unbeschr&auml;nktheit der Information sowie der Meinungsfreiheit.<\/p><p><strong>Das goldene Zeitalter des Liberalismus<\/strong><\/p><p>Die Jahre des Regimewechsels in Mitteleuropa oder die vom Westen angeregten &bdquo;farbigen Revolutionen&ldquo; im postsowjetischen Raum und der &bdquo;arabische Fr&uuml;hling&ldquo; in Nordafrika k&ouml;nnen als gute Zeiten f&uuml;r den Liberalismus verstanden werden. In Europa haben sich die Gesellschaften der postsozialistischen, postsowjetischen und postjugoslawischen Staaten schnell liberale Prinzipien zu eigen gemacht. Die erste H&auml;lfte der 1990er-Jahre war in Europa durch die starke parlamentarische Pr&auml;senz liberaler Parteien sowohl auf nationaler als auch auf europ&auml;ischer Ebene gekennzeichnet.<\/p><p>In den letzten gut drei Jahrzehnten dienten die liberalen Grunds&auml;tze als ideologische Grundlage des heutigen globalen Westens mit einer starken globalen Legitimit&auml;t. Die westlichen Integrationsorganisationen (EU, NATO) st&uuml;tzten sich gerne auf sie, um ihre Ziele moralisch zu untermauern, da sie in allen Teilen der Welt leicht Unterst&uuml;tzung fanden. Die anf&auml;ngliche Euphorie nach den Regimewechseln wich einer Phase, in der nationale und f&ouml;derale Interessen zunehmend an Bedeutung gewannen. Die Folge war eine Abkehr von der konsequenten Umsetzung liberaler Prinzipien sowohl in der Innen- als auch in der Au&szlig;enpolitik.<\/p><p><strong>Liberalismus in der Krise<\/strong><\/p><p>Innerhalb weniger Tage nach Beginn der milit&auml;rischen Intervention Russlands in der Ukraine wurden erneut westliche Sanktionen verh&auml;ngt. Die zuvor verabsolutierten und gerade vom Westen favorisierten Prinzipien, die oft auch anderen auferlegt wurden und die die Grundlage f&uuml;r das Funktionieren des globalen internationalen Handels-, Finanz-, Verkehrs- und Energiesystems bildeten, wurden auf einen Schlag au&szlig;er Kraft gesetzt. Viele der bekannten Verhaltensregeln, die dem Kapitalismus der freien Marktwirtschaft zugrunde lagen, sind seit Februar 2022 schrittweise au&szlig;er Kraft getreten. Liberale Grunds&auml;tze, die der politische Westen in den vergangenen Jahrzehnten als Grundlage der internationalen Beziehungen und der kapitalistischen Weltordnung propagierte, werden nun von den gleichen M&auml;chten selektiv angewendet oder ignoriert, um ihren zuvor absoluten Charakter zu diskreditieren.<\/p><p>Die russische Aggression wird als Vorwand f&uuml;r neue Sanktionspakete gegen Russland genutzt. Dabei &uuml;bersehen viele, dass diese Sanktionen nicht nur f&uuml;r Russland, sondern f&uuml;r jedes Land der Welt und f&uuml;r jeden Bewohner des Planeten gelten.<\/p><p>Mit Verweis auf den Krieg in der Ukraine bestraft der kollektive Westen heute alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen und ihre Bev&ouml;lkerungen, einschlie&szlig;lich seiner eigenen B&uuml;rger. Er bestraft ihre Wirtschaftsakteure, indem er das normale Funktionieren des internationalen Finanzsystems, die Nutzung der traditionellen Transportkorridore und Energierouten sowie den Zugang zu M&auml;rkten, Rohstoffen und Energieressourcen blockiert. Die Sanktionspolitik steht im v&ouml;lligen Widerspruch zu den Normen der liberalen Welthandelsordnung und schw&auml;cht ganz allgemein die Grundlagen des Liberalismus als ideales System und die von seinen Anh&auml;ngern vorgebrachten Argumente.<\/p><p><strong>Hegemoniale Interessen und die Grenzen des freien Marktes<\/strong><\/p><p>Seit Jahren h&ouml;ren wir &ndash; vor allem als Rechtfertigung f&uuml;r den Ausstieg aus der russischen Energierohstoffversorgung &ndash;, Russland nutze die Energieressourcen f&uuml;r Erpressungen. In den westlichen Medien ist dagegen nicht zu lesen und zu h&ouml;ren, dass die USA das Dollar-System zur Erpressung nutzen und die betroffenen L&auml;nder sich davon abkoppeln mussten. Doch wie wird es benutzt? Indem jede Nationalbank und jede Gesch&auml;ftsbank in der Welt durch US-Sanktionen in Angst gehalten wird: Kein Geldtransfer kann durchgef&uuml;hrt werden, ohne dass die US-Beschr&auml;nkungen f&uuml;r Unternehmen und Privatpersonen eingehalten werden.<\/p><p>Die Sanktionen gegen Russland werden von den &bdquo;liberalen&ldquo; Staaten verh&auml;ngt, die vom politischen Westen dominiert werden. Doch kein Land der Welt ist von den Folgen ausgenommen, da alle UN-Mitgliedsstaaten und ihre wirtschaftlichen und sozialen Akteure von weitreichenden Beschr&auml;nkungen in Politik, Handel, Wirtschaft, Verkehr, Kultur, Sport und anderen Bereichen betroffen sind. Erpressung durch Sanktionen ist zum wichtigsten Mittel geworden, um Druck auf souver&auml;ne L&auml;nder auszu&uuml;ben, damit sie sich ungeachtet ihrer verfassungsm&auml;&szlig;igen Ordnung &ndash; notfalls auch unter Missachtung dieser &ndash; im Gehorsam gegen&uuml;ber einer moralischen &Uuml;berlegenheit (heiliger Krieg gegen Russland) an die von anderen aufgestellten Regeln halten.<\/p><p><strong>Krise des internationalen Finanzsystems<\/strong><\/p><p>F&uuml;r viele Unternehmen im Au&szlig;enhandel und Bankensektor sind die Folgen der Sanktionen unmittelbar sp&uuml;rbar. Konten werden geschlossen, einst florierende Handelsbeziehungen brechen ab. Die &bdquo;werteorientierten&ldquo; Sanktionen untergraben den freien Markt, den die USA und die EU angeblich als liberalen Wert verteidigen wollen. Denn der globale Westen nimmt sich das Recht zu entscheiden, mit wem die fast 200 souver&auml;nen Staaten der Welt und deren Wirtschaftsakteure und B&uuml;rger unter den Bedingungen einer &bdquo;liberalen Marktwirtschaft&ldquo; Handel treiben oder Energie und Rohstoffe kaufen k&ouml;nnen.<\/p><p>Heute ruhen wochenlang Gelder auf Konten, die als Blutkreislauf der Marktwirtschaft dienen, und warten darauf, dass die US-amerikanischen und europ&auml;ischen Beh&ouml;rden die notwendigen Kontrollen zur Durchsetzung der Sanktionen durchf&uuml;hren. W&auml;hrenddessen gehen viele Unternehmen in Konkurs, weil das Problem der &Uuml;berweisungen in einer bereits schweren Rezession die internationale Wirtschaftskrise weiter versch&auml;rft, die durch eine Vertrauenskrise und einen Mangel an Kapital sowie durch die Probleme der erzwungenen Marktverluste bereits gekennzeichnet ist. Europas Wirtschaft wird vor unseren Augen zerst&ouml;rt, und daran soll Putin schuld sein &ndash; nicht die Politiker, die auf einen europ&auml;ischen Konflikt die falschen Antworten geben, die nicht an seiner Beendigung interessiert sind und die den katastrophalen Ergebnissen zusehends ihren Kurs halten und sogar beschleunigen.<\/p><p><strong>Abschied von den Prinzipien des Liberalismus<\/strong><\/p><p>Politiker und Parteien, die sich selbst als liberal bezeichnen, sprechen sich (samt Ungarn und Deutschland) nicht gegen die antidemokratischen, erpresserischen und anderweitig diskreditierenden liberalen Parteien aus, die die Wirtschaft Europas und der Welt ins totale Chaos f&uuml;hren.<\/p><p>Nicht, weil sie in den fast drei Jahren des Krieges in der Ukraine die von der Mehrheit der Gesellschaft akzeptierten Prinzipien des Liberalismus aufgegeben haben, die nicht weit von den konservativen Werten entfernt sind und diese in einigen F&auml;llen sogar verst&auml;rken. Im Zeichen der Verabsolutierung des Krieges in der Ukraine hat der globale Westen neue Regeln aufgestellt:<\/p><ul>\n<li>Es besteht keine Notwendigkeit, die Unantastbarkeit des Eigentums zu respektieren, wenn das Eigentum russisch ist.<\/li>\n<li>Es besteht keine Notwendigkeit, den freien Zugang zu Informationen zu gew&auml;hrleisten, wenn die Informationen russisch sind. Niemanden interessiert, dass die Verfassungen der meisten L&auml;nder im Wortlaut einen &bdquo;uneingeschr&auml;nkten&ldquo; Zugang zu Informationen garantieren. Das bringt den Westen auf das Niveau von Nordkorea, wo die Gesellschaft vor negativen &auml;u&szlig;eren Einfl&uuml;ssen &bdquo;gesch&uuml;tzt&ldquo; wird.<\/li>\n<li>Es besteht keine Notwendigkeit, die Freiheit des Verkehrs (Schifffahrt, Luftfahrt, Stra&szlig;en- und Schienenverkehr) zu gew&auml;hrleisten, wenn es um den russischen Transport von Waren oder Personen mit Russland-Bezug geht. Den Kollateralschaden, dass wir die internationalen Transport- und Verkehrssysteme, die unseren Interessen dienen, zerst&ouml;rt haben, soll jeder akzeptieren.<\/li>\n<li>Es besteht keine Notwendigkeit, die Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Funktionieren der globalen Finanzsysteme (US-Dollar- und Euro-System, internationales Bankwesen, &Uuml;berweisungssysteme) einzuhalten.<\/li>\n<li>Die Auslandsinvestitionen des russischen Volkes m&uuml;ssen nicht zur&uuml;ckgegeben werden, auch wenn sie von jemandem garantiert wurden, als sie angelegt wurden. Es ist nicht von Bedeutung, dass der daraus resultierende Vertrauensverlust in westliche Investitionssysteme den Wert der beschlagnahmten Verm&ouml;genswerte bei Weitem &uuml;berwiegt.<\/li>\n<li>Die Rechtsstaatlichkeit kann auch selektiv durchgesetzt werden: Internationale Vertr&auml;ge m&uuml;ssen nicht eingehalten werden, wenn einer der Unterzeichner Russe ist.<\/li>\n<li>Die in der Verfassung versprochene Neutralit&auml;t muss nicht respektiert werden, denn Neutralit&auml;t st&auml;rkt angeblich Putin. Die Schweiz, &Ouml;sterreich, Moldawien sollten ihre verfassungsm&auml;&szlig;igen Verpflichtungen vergessen. Wenn sie es nicht aus eigener Kraft schaffen, werden wir ihnen mit Sanktionen helfen.<\/li>\n<li>Wir sollten Sport und Kultur nicht getrennt von der Politik behandeln, wenn es um russische Sportler oder russische Musik, Sprache, Kunst geht. Eine w&ouml;rtliche Auslegung der olympischen Idee w&uuml;rde Russland helfen, deshalb wenden wir sie nicht an: Russen sollten an den Olympischen Spielen nicht teilnehmen. (Diese Regel gilt nicht f&uuml;r die US-amerikanischen oder britischen Aggressionen, das versteht sich von selbst).<\/li>\n<li>Die kollektive Verantwortung entspricht westlichen Werten, wenn die russische Gesellschaft bestraft werden soll.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Verabsolutierung des Krieges in der Ukraine<\/strong><\/p><p>Anstatt den Krieg zu isolieren und schnell zu beenden, hat sich der globale Westen zum Ziel gesetzt, den Konflikt zu internationalisieren und auszuweiten. Bis Ende 2024 hat die konsequente Umsetzung der sich als falsch erwiesenen Option zu beachtlichen Ergebnissen gef&uuml;hrt:<\/p><ul>\n<li>Der Westen hat die Ukraine sinnlos zerschlagen, und milit&auml;risch stehen wir kurz vor einem Weltkrieg.<\/li>\n<li>Der Krieg hat den inneren politischen Zusammenhalt der Europ&auml;ischen Union erfolgreich gebrochen, indem er sich nicht auf Priorit&auml;ten konzentriert hat, die f&uuml;r die wirtschaftliche Entwicklung der EU wichtig sind, sondern auf die Unterst&uuml;tzung des Krieges in der Ukraine und auf Sanktionen.<\/li>\n<li>Die Sanktionspolitik hat die globalen Finanz-, Energie-, Verkehrs- und Handelssysteme zerst&ouml;rt und Milliarden Menschen auf der Erde gesch&auml;digt, wovon sie sich in Jahrzehnten nur schwer erholen werden.<\/li>\n<li>Der Westen selbst hat seine ehemals absoluten Prinzipien der freien M&auml;rkte, des freien Handels und der Menschenrechte in Frage gestellt und aufgehoben.<\/li>\n<li>Die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der L&auml;nder der Welt akzeptiert nicht, dass der Westen seine hegemoniale Stellung missbraucht, und das Gegenst&uuml;ck des globalen Westens &ndash; der &bdquo;Globale S&uuml;den&ldquo; &ndash; organisiert sich zunehmend effektiver und ist auch formell mit den BRICS verbunden.<\/li>\n<\/ul><p>Die Welt au&szlig;erhalb des westlichen Einflusskreises hat viel aus den &bdquo;Vorteilen&ldquo; der neuen Art von westlicher Weltordnung gelernt, die mit dem Ukraine-Krieg geltend gemacht wurde. Die vermeintlich festen Regeln des politischen Westens, insbesondere liberale und kapitalistische Prinzipien, werden oft selektiv und kontextabh&auml;ngig angewendet.<\/p><p><strong>Notwendiger Paradigmenwechsel f&uuml;r die Ukraine<\/strong><\/p><p>Mit dem Amtsantritt des neuen US-Pr&auml;sidenten Donald Trump Anfang 2025 hat der Westen die Chance, einen Paradigmenwechsel, also eine R&uuml;ckkehr zur Normalit&auml;t einzuleiten. Der bevorstehende Paradigmenwechsel birgt Risiken, ist jedoch eng mit einer Beendigung des Ukraine-Krieges verkn&uuml;pft. Die t&auml;glich fortgesetzte Eskalation durch westliche Akteure, die am Krieg festhalten, behindert jedoch alle Friedensbem&uuml;hungen.<\/p><p>Trump hat das gesellschaftliche Mandat, die parlamentarische und gesellschaftliche Mehrheit, um eine neue Politik gegen&uuml;ber der Ukraine zu verk&uuml;nden. Politisch und moralisch kann er dem globalen Schaden entgehen, den sein Vorg&auml;nger angerichtet hat. Ein Paradigmenwechsel w&auml;re in Europa besonders wichtig. Das Haupthindernis daf&uuml;r ist die Machtelite in Europa und Br&uuml;ssel, deren Aktivit&auml;ten vollst&auml;ndig mit der Ukraine-Politik der Biden-Administration verwoben sind und die Europa auf einen Abw&auml;rtspfad bringen.<\/p><p>Der Pr&auml;sidentenwechsel in den USA bietet dieser europ&auml;ischen Elite, die eine entscheidende Verantwortung f&uuml;r die gegenw&auml;rtige Situation tr&auml;gt, auch die Chance, die F&uuml;hrung zu &uuml;bernehmen und die notwendigen Ver&auml;nderungen in Europa herbeizuf&uuml;hren. Zumindest aber m&uuml;sste diese europ&auml;ische Elite den richtigen Ausgangspunkt f&uuml;r den weiteren Weg setzen: Sie m&uuml;sste den Fehlschlag der bisherigen Strategie eingestehen und einen neuen Weg f&uuml;r das Wachstum Europas ank&uuml;ndigen.<\/p><p>Leider ist dies der Punkt, an dem die Wahrscheinlichkeit eines Wandels in Europa auf ein Minimum schrumpft: Trotz klarer Signale der Trump-Administration &uuml;ber die Notwendigkeit eines Wandels fahren die Br&uuml;sseler Eliten fort und f&uuml;hren das Nachhutgefecht zur Verteidigung der Biden-Administration und ihrer selbst weiter, als ob in der au&szlig;enpolitischen Arena nichts geschehen w&auml;re.<\/p><p>F&uuml;r Europa w&auml;re eine R&uuml;ckkehr zur Normalit&auml;t der notwendigste Schritt, insbesondere in den internationalen Beziehungen. In normalen, demokratischen internationalen Beziehungen sanktionieren wir keine neutralen L&auml;nder f&uuml;r die konsequente Wahrung ihrer Neutralit&auml;t. Wir nutzen das internationale Finanzsystem nicht, um unsere eigenen geopolitischen Interessen direkt voranzutreiben. Wir missbrauchen nicht die Bereiche des internationalen Finanzsystems, die wir kontrollieren, denn die dadurch verursachte Vertrauenskrise zerst&ouml;rt und destabilisiert das Finanzsystem, in dem der Westen (einschlie&szlig;lich Europa) eine herausragende Stellung einnimmt.<\/p><p>Heute missbrauchen die USA das Dollar-System und die EU das Euro-System, wodurch sie ihren eigenen und den globalen Finanzm&auml;rkten unabsehbaren Schaden zuf&uuml;gen und die Entstehung alternativer Finanzsysteme (BRICS) gegen ihre objektiven Interessen beschleunigen. Zu der Normalit&auml;t geh&ouml;rt, die Verm&ouml;genswerte anderer souver&auml;ner Staaten nicht auf der Grundlage subjektiver politischer Entscheidungen einzufrieren, denn dann kann jeder in der Welt dies entweder heute oder sobald er stark genug ist tun.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ melissamn<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/367a1988431f4e76991035e921889a05\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ukraine-Krieg seit Februar 2022 und die Reaktion des globalen Westens darauf l&auml;uteten eine neue &Auml;ra ein, die den Freihandelskapitalismus in Frage stellt. 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