{"id":126580,"date":"2024-12-25T12:00:23","date_gmt":"2024-12-25T11:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126580"},"modified":"2024-12-25T15:56:16","modified_gmt":"2024-12-25T14:56:16","slug":"ex-botschafter-ungarns-in-china-ich-beobachte-mit-erstaunen-das-harakiri-der-deutschen-wirtschaft-exklusiv-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126580","title":{"rendered":"Ex-Botschafter Ungarns in China: \u201eIch beobachte mit Erstaunen das Harakiri der deutschen Wirtschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wenn die deutsche Regierung in Br&uuml;ssel &bdquo;auf den Tisch gehauen&ldquo; h&auml;tte, g&auml;be es keine EU-Strafz&ouml;lle gegen China. Das sagt im Interview der China-Experte <strong>S&aacute;ndor Kusai<\/strong>, ehemaliger Botschafter Ungarns in China, der Mongolei und der Demokratischen Volksrepublik Korea. Im Gespr&auml;ch geht er auf die Wirtschaftsbeziehungen im Dreieck USA-EU-China ein und erkl&auml;rt die Chancen auf eine neutrale Wirtschaftspolitik, um die sich Ungarn bem&uuml;ht. Das Interview mit dem Botschafter a. D. S&aacute;ndor Kusai f&uuml;hrte <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>, die es f&uuml;r die <em>NachDenkSeiten<\/em> aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt hat.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>&Eacute;va P&eacute;li: <\/strong>Herr Botschafter, Sie waren von 2008 bis 2014 Botschafter in China, aber auch in der Mongolei und in Nordkorea. Wie kam das?<\/p><p><strong>S&aacute;ndor Kusai:<\/strong> Da es damals keine ungarische Botschaft in diesen L&auml;ndern gab, habe ich Ungarn von Peking aus vertreten. Ich war also auch Ungarns Botschafter in diesen beiden L&auml;ndern und bin regelm&auml;&szlig;ig dorthin gereist.<\/p><p><strong>Worin sehen Sie die Gr&uuml;nde f&uuml;r die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge Chinas und seinen Fortschritt im Welthandel in den letzten Jahrzehnten? Wie lange halten Sie den derzeitigen Trend f&uuml;r nachhaltig?<\/strong><\/p><p>China hat eine sehr spezifische wirtschaftliche und soziale Struktur, die das Ergebnis von Reformen ist, die 1979 begannen. Die Wirtschaftsstruktur ist durch ein starkes und bedeutendes &ouml;ffentliches Eigentum gekennzeichnet, das eng mit Unternehmen im privaten Eigentum verflochten ist. Das Privateigentum hat ebenfalls an Bedeutung gewonnen, die beiden sind miteinander verflochten, und das chinesische Modell der Wirtschaftsf&uuml;hrung spiegelt dies wider. China setzt sowohl die Instrumente der Planwirtschaft als auch die Marktmechanismen in koordinierter Weise ein. Dadurch ist es in der Lage, enorme Ressourcen auf Entwicklungsrichtungen zu konzentrieren, die f&uuml;r den wirtschaftlichen Fortschritt von &uuml;berragender Bedeutung sind. China kann so in relativ kurzer Zeit gro&szlig;e Spr&uuml;nge in Technologie und Produktion machen sowie die Marktorganisation so ver&auml;ndern, dass die Wettbewerbsf&auml;higkeit der chinesischen Produkte und der Wirtschaft steigt.<\/p><p>Dieser Prozess wurde von einer tiefgreifenden Umgestaltung der Gesellschaft begleitet. Heute verf&uuml;gt China &uuml;ber die gr&ouml;&szlig;te Mittelschicht der Welt, und sein riesiger Binnenmarkt erm&ouml;glicht es der chinesischen Wirtschaft, sich auf den internen Bedarf zu st&uuml;tzen. Dieser Reformprozess ging Hand in Hand mit der Integration Chinas in die Weltwirtschaft. Vor 1979 war China eine nach innen gerichtete Wirtschaft, doch dann wurde das Land zunehmend in die internationalen Produktionswertsch&ouml;pfungsketten integriert. 2001 wurde China Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und ist damit praktisch ein vollwertiger Akteur und eine treibende Kraft der Globalisierung geworden. China ist damit zum weltgr&ouml;&szlig;ten Industrieproduzenten und Exporteur und zu einem der gr&ouml;&szlig;ten Verbraucher der Welt geworden.<\/p><p>Wie lange das so bleiben wird, ist eine relativ einfach zu beantwortende Frage, aber gleichzeitig eine schwierige. Die chinesische Wirtschaftsstruktur wurde in den letzten 44 Jahren etwa alle zehn bis zw&ouml;lf Jahre umfassenden Reformen unterzogen, um das schnelle Wachstum aufrechtzuerhalten und den Einfluss in der Weltwirtschaft zu erh&ouml;hen. Dies ist bisher sechsmal geschehen, wobei die sechste Reformwelle im Oktober 2023 eingeleitet wurde.<\/p><p>Wenn sie erfolgreich ist, wird das Wachstum Chinas vermutlich weiterhin relativ schnell verlaufen und sein Aufstieg sowie seine Stellung im internationalen Vergleich werden sich fortsetzen. Scheitert die Reformwelle, sind Krisenph&auml;nomene, wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Probleme zu erwarten, und es k&ouml;nnte sich dann die Notwendigkeit einer Korrektur ergeben. Es ist zu fr&uuml;h, um zu sagen, wie das Ergebnis aussehen wird.<\/p><p><strong>Das Dreieck USA-EU-China ist inzwischen zu einem Feld f&uuml;r Sanktionen geworden, die in der Regel von den USA und der EU initiiert werden. Inwieweit dienen diese Sanktionen den europ&auml;ischen Interessen, und wie sehen Sie ihre sch&auml;dlichen Auswirkungen?<\/strong><\/p><p>Sie dienen den europ&auml;ischen Interessen nur sehr wenig oder gar nicht. Diese Sanktionspolitik zielt darauf ab, die Entwicklung, das Wachstum und den technologischen Fortschritt Chinas zu bremsen und zu verhindern und damit Chinas Position in der Weltwirtschaft zu schw&auml;chen. Dies ist heute in erster Linie im Interesse der USA, das hat bereits unter der Obama-Regierung begonnen. Die Biden-Administration hat es intensiviert, und es scheint, dass auch die bald antretende zweite Trump-Administration Schritte in diese Richtung vorbereitet. Aber das werden wir nach dem Januar sehen.<\/p><p>Leider hat sich die Europ&auml;ische Union in letzter Zeit als unf&auml;hig erwiesen, die europ&auml;ischen Interessen zu vertreten. Aus f&uuml;r mich unerkl&auml;rlichen Gr&uuml;nden folgt sie blind der wirtschaftspolitischen Linie der USA, die auf Konfrontation mit China setzt. Ideologisch verblendet ist sie auch bereit, die Beziehungen zu Russland abzubrechen &ndash; und das, obwohl diese beiden Sanktionspolitiken der Wirtschaft und der Gesellschaft der Europ&auml;ischen Union spektakul&auml;ren Schaden zuf&uuml;gen, da sich das Leben der Menschen und die Struktur der Gesellschaft in eine ung&uuml;nstige Richtung ver&auml;ndern. Ich sehe das als gro&szlig;en Mangel. Ich verstehe einfach nicht, warum die europ&auml;ischen Gesellschaften, die Wirtschaftseliten und die Anf&uuml;hrer des europ&auml;ischen Gro&szlig;kapitals, die Milliarden von Euro einstreichen, zulassen, dass zum Beispiel gegen China zerst&ouml;rerische Ma&szlig;nahmen zum Nachteil der europ&auml;ischen Interessen ergriffen werden.<\/p><p>Denn die Entwicklungen der letzten eineinhalb bis zwei Jahre zeigen deutlich, dass sie China zwar wirtschaftliche Schwierigkeiten bereiten, aber seinen Aufschwung keineswegs aufhalten und die chinesische Wirtschaft nicht zum Einsturz bringen. Schon heute sind chinesische Elektroautos billiger als europ&auml;ische Autos. Sie sind auch qualitativ mindestens genauso gut, wenn nicht sogar besser, und mindestens 30 bis 40 Prozent g&uuml;nstiger. Wir versuchen zu verhindern, dass chinesische Elektroautos nach Europa kommen, obwohl sie in der Zwischenzeit nicht schlechter geworden sind, w&auml;hrend die europ&auml;ischen Elektroautos leider nicht besser geworden sind. Die wichtigsten M&auml;rkte f&uuml;r chinesische Elektroautos sind jetzt Brasilien, Mexiko, Indien und eine Reihe anderer L&auml;nder in S&uuml;dostasien. Mit anderen Worten, wir haben uns nicht nur in den Bereichen Elektronik, Mobiltelefone und Telekommunikation, sondern auch bei den Elektroautos selbst &bdquo;erobert&ldquo;. Wir geben den Vorteil eines billigen, aber qualitativ guten Produkts auf. Das ist nicht im europ&auml;ischen Interesse &ndash; egal, wie gut es jemand meint, der diese Entscheidungen trifft, die ich f&uuml;r falsch halte. Au&szlig;erdem ist dies nicht nur ein wirtschaftliches und ein soziales Problem, sondern auch ein Problem der &Ouml;kologisierung. Denn wenn es nur sehr teure &bdquo;gr&uuml;ne&ldquo; Autos gibt, werden viele Menschen nicht in der Lage sein, sie zu kaufen, und folglich wird die Ersetzung der europ&auml;ischen Autoflotte durch umweltfreundlichere Autos viel langsamer vonstattengehen.<\/p><p>Wir schw&auml;chen unseren eigenen Einfluss und unsere Position, und die Chinesen strukturieren sich allm&auml;hlich um, indem sie ihre M&auml;rkte auf L&auml;nder in den Schwellenl&auml;ndern mit einer betr&auml;chtlichen Mittelschicht und einer gro&szlig;en Nachfrage verlagern, was den gegenw&auml;rtigen Druck kurzfristig mindert. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im vergangenen Jahr war der Anteil der nichtwestlichen L&auml;nder am chinesischen Handel erstmals gr&ouml;&szlig;er als der der westlichen L&auml;nder. Mit anderen Worten: Das Handelsvolumen zwischen China, den USA und Europa ist geringer als das Handelsvolumen, das China mit dem Rest der Welt abwickelt.<\/p><p><strong>Sie verstehen also auch nicht, warum die EU gegen ihre eigenen Interessen handelt. Wie sehen Sie die Interessen der st&auml;rksten europ&auml;ischen Industriemacht Deutschland in der Sanktionsdimension USA-EU-China?<\/strong><\/p><p>Ich will ganz offen sein: Was ich am wenigsten verstehe, ist die deutsche Haltung in dieser Frage. Die deutsche F&uuml;hrung hat schwammig erkl&auml;rt, dass sie keine Z&ouml;lle auf chinesische Elektroautos unterst&uuml;tzt. Aber in Wirklichkeit hat Deutschland keine klare Kante gezeigt. Ich bin davon &uuml;berzeugt, dass wir nicht gezwungenerma&szlig;en in diese Strafz&ouml;lle verwickelt w&auml;ren, wenn die deutsche Regierung in Br&uuml;ssel auf den Tisch gehauen h&auml;tte, der Pr&auml;sidentin der Europ&auml;ischen Kommission, die eine Deutsche ist, erkl&auml;rt h&auml;tte, wo Gott wohnt &ndash; was sie tun kann, denn Deutschland ist bei Weitem das wirtschaftlich st&auml;rkste europ&auml;ische Land. Aus irgendeinem Grund hat die deutsche Regierung nicht die Schritte unternommen, die von ihrer Seite aus vern&uuml;nftig gewesen w&auml;ren und die sie h&auml;tte tun k&ouml;nnen.<\/p><p>Was ich au&szlig;erdem nicht verstehe, ist das Verhalten der Leiter der gro&szlig;en deutschen Industriezweige in dieser kritischen Phase, insbesondere der Automobil-, Chemie- und anderen Schl&uuml;sselbranchen, die das R&uuml;ckgrat der gesamten deutschen Wirtschaft sind. Denn der Prozess der Verschlechterung und des Abbaus der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und China trifft die deutsche Industrie und ihre Arbeitnehmer am unmittelbarsten und tiefsten und schadet jetzt und in Zukunft der deutschen Gesellschaft insgesamt. Ich sitze also hier in Ungarn, nicht allzu weit von Deutschland entfernt, und schaue mit staunenden Augen auf das Harakiri, das die deutsche Wirtschaft derzeit begeht.<\/p><p><strong>Im September hat der ungarische Ministerpr&auml;sident Viktor Orb&aacute;n wirtschaftliche Neutralit&auml;t erkl&auml;rt, und auch die Politik Budapests gegen&uuml;ber China spiegelt ein hohes Ma&szlig; an Autonomie wider, das in der EU manchmal kritisiert wird.Wie beurteilen Sie die Beweggr&uuml;nde f&uuml;r die Ank&uuml;ndigung des Programms? Wie stehen aus Ihrer Sicht die Chancen f&uuml;r eine neutrale Wirtschaftspolitik heute, da eine Vielzahl von Sanktionsregelungen gegen EU-Mitgliedstaaten verh&auml;ngt wurden?<\/strong><\/p><p>Es gibt relativ geringe M&ouml;glichkeiten f&uuml;r Ungarn, erfolgreich, aber wirtschaftlich neutral zu sein, aber diese sollten maximal genutzt werden. Schlie&szlig;lich wissen wir, dass Ungarn weit davon entfernt ist, das entwickelteste Land in Europa zu sein, und der ungarische Lebensstandard ist, gelinde gesagt, nicht der h&ouml;chste in Europa. Wir sind der Europ&auml;ischen Union beigetreten, um die Entwicklung Ungarns zu beschleunigen, um aufzuholen, um den Lebensstandard der &Ouml;sterreicher und der Deutschen zu erreichen. Das war das Ziel der gesamten ungarischen Gesellschaft. Leider bietet die Europ&auml;ische Union in ihrem jetzigen Zustand, in ihrem derzeitigen Entwicklungstrend nicht die Voraussetzungen f&uuml;r eine solche beschleunigte Entwicklung.<\/p><p>Das Problem ist, dass sich die ungarische Wirtschaft nicht schneller entwickeln wird, wenn sich die europ&auml;ische Wirtschaft so langsam oder gar nicht entwickelt. Es ist daher logisch, dass die ungarische Regierung versucht, M&auml;rkte, Technologie und Zusammenarbeit au&szlig;erhalb der Europ&auml;ischen Union zu suchen. Die Entwicklung Ungarns erfordert breitere, globale Wirtschaftsbeziehungen. Es ist doch offensichtlich, dass wir ernsthafte Probleme bekommen werden, wenn wir nur in Europa bleiben.<\/p><p>Deshalb hat sich Ungarn vor elf Jahren gegen&uuml;ber China ge&ouml;ffnet. Das war damals logisch, und das ist es auch heute, denn China ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Der Markt dort expandiert, neue Technologien werden entwickelt, und es gibt unter anderem Elektroautos, Batterien, die an der Spitze der modernen Welt stehen. Deren Investoren k&ouml;nnen nach Ungarn gelockt werden. Was die Energieversorgung anbelangt, ist die Situation &auml;hnlich: Ungarn blickt in Richtung Russland und Aserbaidschan, sodass wir auch andere Energiequellen beziehen k&ouml;nnen und beispielsweise nicht nur auf das extrem teure US-Gas angewiesen sind. Es gibt also einen rationalen Grund f&uuml;r diese sogenannte neutrale Wirtschaftspolitik.<\/p><p>Aber Sie haben recht, dass das Sanktionsregime die M&ouml;glichkeiten der Wirtschaftspolitik einschr&auml;nkt. Daher ist die Aufgabe der ungarischen Wirtschaftspolitik, auch die begrenzten M&ouml;glichkeiten zu nutzen. Und ich habe den Eindruck, dass sie das auch tut. Einerseits versucht sie, die Entfaltung des Sanktionsregimes in der EU zu verlangsamen, Einfluss darauf zu nehmen, dass es nicht zu neuen Sanktionen in Bereichen kommt, die f&uuml;r die ungarische Wirtschaft wichtig sind. Auf der anderen Seite versucht sie, die M&ouml;glichkeiten zu nutzen, die trotz der Sanktionen noch bestehen. Wir importieren zum Beispiel keine Elektroautos aus China mit hohen Z&ouml;llen, sondern wir bauen eine Elektroauto-Fabrik in Ungarn mit chinesischen Investitionen. Das ist ja durch die Sanktionen nicht eingeschr&auml;nkt. Deshalb glaube ich, dass es mit einer akribischen Wirtschaftspolitik und sorgf&auml;ltig geplanten Schritten m&ouml;glich ist, die wirtschaftliche Neutralit&auml;t zu verwirklichen.<\/p><p><strong>Wenden wir uns nun den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China zu. Welche Ergebnisse k&ouml;nnte die von Pr&auml;sident Donald Trump gew&auml;hlte Handelspolitik, die China zur&uuml;ckdr&auml;ngen soll, angesichts der wirtschaftlichen M&ouml;glichkeiten der beiden L&auml;nder erzielen? Besteht die Gefahr einer totalen Konfrontation? Welche Rolle k&ouml;nnte Taiwan dabei spielen?<\/strong><\/p><p>Leider besteht die M&ouml;glichkeit, dass sich die Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und China ausweitet und vertieft. Wie die neue US-Regierung ihre wirtschaftliche, geopolitische und milit&auml;rische Politik gegen&uuml;ber China gestalten wird, bleibt abzuwarten. Ich habe die Sorge, dass diese konfrontative Politik fortgesetzt und sogar noch versch&auml;rft wird, was wiederum zu entsprechenden Reaktionen Chinas f&uuml;hren w&uuml;rde. China wird nicht kapitulieren, es wird sich auf diesen Kampf einlassen. Das zeigt sich daran, dass die Chinesen auf die bisherigen Beschr&auml;nkungen mit Gegenbeschr&auml;nkungen nicht nur gegen&uuml;ber Europa, sondern auch gegen&uuml;ber den Vereinigten Staaten geantwortet haben. Die chinesische Regierung beschr&auml;nkt nun die Ausfuhr von seltenen Erden &ndash; wichtige Rohstoffe f&uuml;r die Technologieindustrie. Das ist eine direkte Reaktion auf die US-amerikanischen Exportbeschr&auml;nkungen f&uuml;r Chips. China hat daraufhin verweigert, Germanium an die USA zu liefern, das f&uuml;r die Herstellung von Chips verwendet werden kann. Der chinesische Pr&auml;sident sagt nun l&auml;chelnd: &bdquo;Wenn Ihr mir keine amerikanischen Chips gebt, werde ich meine eigenen entwickeln.&ldquo; China verf&uuml;gt &uuml;ber alle Materialien, die Technik und das Geld, um sie zu entwickeln.<\/p><p>Dies ist also kein einseitiger Kampf. Selbst wenn die chinesische Seite diesen Kampf nicht eskalieren will, besteht die gro&szlig;e Gefahr, dass die US-Seite dies tun wird, zum Schaden der gesamten Weltwirtschaft. Nicht nur f&uuml;r die US-Wirtschaft, wo die Strafz&ouml;lle die Warenpreise in die H&ouml;he treiben werden. Die Preise werden steigen, die Inflation wird in Folge zunehmen. F&uuml;r die amerikanischen Verbraucher wird der Zugang zu Produkten, die sie gewohnt sind, teurer werden. Zugleich wird sich das Wachstum in China verlangsamen. In der Tat wird diese Eskalation die negativen Auswirkungen f&uuml;r beide Seiten verst&auml;rken, nicht die positiven. Ich sehe im Moment keine besonders positiven Anzeichen daf&uuml;r, dass wir dies vermeiden k&ouml;nnen. Wenn dies geschieht und die Eskalation zunimmt, dann wird Europa, und leider auch Deutschland und Ungarn, noch st&auml;rker davon betroffen sein. Leider wird sich die vollst&auml;ndige Eskalation der Konfrontation zwischen den USA und China eindeutig nachteilhaft auf uns in Europa auswirken, da wir &ndash; als EU- und NATO-Mitglieder &ndash; auf einer Seite der Gleichung stehen; so sehr sich beispielsweise die ungarische Regierung auch bem&uuml;ht, sich ein wenig in Richtung Neutralit&auml;t zu bewegen.<\/p><p><strong>Bleiben wir bei den Vereinigten Staaten: Was halten Sie von der in den letzten Tagen angek&uuml;ndigten Absicht Trumps, 100 Prozent Z&ouml;lle auf Importe aus den BRICS-L&auml;ndern zu erheben, wenn diese nicht auf ihre Absicht verzichten, das Dollarsystem zu verlassen und ein neues Zahlungssystem zu schaffen?<\/strong><\/p><p>Sagen wir einfach, dass ich die von Trump vorgebrachte Idee, diese L&auml;nder vom sch&ouml;nen US-Markt auszuschlie&szlig;en, f&uuml;r eine halbherzige Drohung halte. Der US-Markt ist in der Tat sch&ouml;n, aber er ist nicht mehr dominant, er macht nur noch etwa 15 Prozent des Weltmarktes aus. 1945 waren es 50 Prozent, 1970 waren es 35 Prozent. Wenn man also diese L&auml;nder mit Z&ouml;llen oder anderen Sanktionen ausschlie&szlig;t, werden sie sich nach einem anderen Markt umsehen, denn es gibt immer noch 85 Prozent der Welt, an die sie verkaufen k&ouml;nnen. Der gew&auml;hlte US-Pr&auml;sident hat dies damit begr&uuml;ndet, dass diese L&auml;nder aus dem Dollarsystem aussteigen wollen. Doch sie wollen das Dollarsystem nicht verlassen. Diese L&auml;nder wurden von den USA hinausgedr&auml;ngt. Russland ist vollst&auml;ndig von SWIFT abgeschnitten worden. Sie beschlagnahmten sein Verm&ouml;gen im Westen, sie beschlagnahmten das Verm&ouml;gen russischer Unternehmen und sogar von Privatpersonen. Auch eine betr&auml;chtliche Anzahl chinesischer Unternehmen wurde vom Markt ausgeschlossen. Das US-Finanzministerium droht den chinesischen Banken st&auml;ndig damit, sie aus dem SWIFT-System auszuschlie&szlig;en.<\/p><p>Nun, wenn man gro&szlig;e und wichtige L&auml;nder ausschlie&szlig;t, wollen sie sicher nicht singend und musizierend verhungern. Daher suchen sie nach anderen L&ouml;sungen. Und so entsteht langsam, ganz allm&auml;hlich ein neues Zahlungssystem. Diese L&auml;nder handeln untereinander in ihren eigenen nationalen W&auml;hrungen. Sie erlauben &Uuml;berweisungen zwischen ihren eigenen Banken, die in nationalen W&auml;hrungen erfolgen, unter Verwendung der Blockchain-Technologie, der modernsten elektronischen Methode. Die Konsequenz daraus ist, dass das US-Finanzministerium nicht sehen kann, was passiert, kann es also nicht verhindern, kann es nicht sanktionieren. Nat&uuml;rlich ist der US-Pr&auml;sident dar&uuml;ber ver&auml;rgert, aber kein hundertprozentiger Zoll wird diesen Prozess aufhalten. Es gibt nur eine M&ouml;glichkeit, ihn zu stoppen: Wenn der US-Pr&auml;sident ank&uuml;ndigt, dass er ab morgen alle L&auml;nder wieder in SWIFT einbezieht und verspricht, dass sie das Dollarsystem, den Internationalen W&auml;hrungsfonds nie wieder als politische Waffe einsetzen werden. Vielleicht bin ich in Finanzfragen nicht sehr bewandert, aber ich sehe die Strategie dahinter als einfach an. Ich glaube nicht, dass der US-Pr&auml;sident seine Drohung wahr machen wird, weil er es nicht kann. Und diese L&auml;nder werden keine Angst haben, denn sie haben nichts, wovor sie Angst haben m&uuml;ssten.<\/p><p><em>&Uuml;ber den Gespr&auml;chspartner: Dr. <strong>S&aacute;ndor Zolt&aacute;n Kusai<\/strong> ist Au&szlig;erordentlicher Professor an der Katholischen P&eacute;ter-P&aacute;zm&aacute;ny-Universit&auml;t in Budapest, unabh&auml;ngiger Experte f&uuml;r internationale Beziehungen und China, Wirtschaftswissenschaftler sowie ehemaliger Botschafter Ungarns in China, der Mongolei und der Demokratischen Volksrepublik Korea.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ OneSiderProFoto<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103079\">&bdquo;Kulturwandel&ldquo; im Ausw&auml;rtigen Amt: Baerbock will, dass deutsche Diplomaten mehr auf Social Media gegen Russland und China austeilen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101779\">China-Strategie der Bundesregierung: Aktionismus, Protektionismus und Inkompetenz<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114565\">China und britische Versicherer glauben nicht an die offizielle Version zur Sprengung von Nord Stream<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123263\">Chinas wachsende Macht im Mittleren Osten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125812\">Peru: USA bieten gebrauchte Metro-Waggons &ndash; China den Bau eines neuen Tiefseehafens<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/089009d17cfc4302b23ace7d02726da3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die deutsche Regierung in Br&uuml;ssel &bdquo;auf den Tisch gehauen&ldquo; h&auml;tte, g&auml;be es keine EU-Strafz&ouml;lle gegen China. 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