{"id":126663,"date":"2024-12-21T13:00:31","date_gmt":"2024-12-21T12:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126663"},"modified":"2024-12-20T16:30:43","modified_gmt":"2024-12-20T15:30:43","slug":"venezuelas-wirtschaft-zahlen-wahrheiten-und-grosse-luegen-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126663","title":{"rendered":"Venezuelas Wirtschaft: Zahlen, Wahrheiten und gro\u00dfe L\u00fcgen (II)"},"content":{"rendered":"<p>Venezuelas Wirtschaft zeigt teils positive Indikatoren f&uuml;r eine Erholung, doch die Frage bleibt: Wurden die Strukturen des Rentierkapitalismus wirklich &uuml;berwunden? In Teil II der Analyse wird die Rolle des &Ouml;lsektors und den &ouml;ffentlichen Sektor bei den Staatseinnahmen beleuchtet. Trotz Wachstums im &Ouml;l- und Bergbausektor zeigt sich eine anhaltende Abh&auml;ngigkeit von der Rohstoffwirtschaft. Von <strong>Carlos D&uuml;rich<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>&Ouml;ffentlicher Sektor und &Ouml;lbranche<\/strong><\/p><p>Werfen wir nun einen Blick auf die Staatseinnahmen. In Ermangelung besserer Daten &uuml;ber eigene Einnahmen aus Vereinbarungen im Rahmen des Anti-Blockade-Gesetzes und aus dem Export strategischer Mineralien verf&uuml;gen wir nur teilweise &uuml;ber Informationen &uuml;ber Einnahmen aus der &Ouml;lbranche und aus Steuern.<\/p><p>Was den Erd&ouml;lsektor betrifft, so wissen wir, dass die Produktion bis August dieses Jahres durchschnittlich 894.625 Barrel pro Tag betrug, wobei der Januar mit 841.000 Barrel pro Tag der am wenigsten produktive Monat und der August mit&nbsp;<a href=\"https:\/\/observatorio.gob.ve\/sistema-estadistico-antibloqueo\/\">927.000 Barrel pro Tag<\/a>&nbsp;der produktivste Monat war, was einen Anstieg der Produktion um etwa 10,2 Prozent bedeutet.<\/p><p>Einige Portale beziffern die &Ouml;lverk&auml;ufe bis August auf durchschnittlich&nbsp;<a href=\"https:\/\/observatorio.gob.ve\/sistema-estadistico-antibloqueo\/\">708.255 Barrel pro Tag<\/a>&nbsp;und die Einnahmen des Sektors auf rund 9,7 Milliarden Dollar; leider lassen sich diese Daten aufgrund der Abschottung der Branche nur schwer &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><p>Abgesehen von den oben genannten Punkten k&ouml;nnen wir einige Schlussfolgerungen ziehen. Nach Angaben der Regierung respektieren alle f&uuml;r die Erd&ouml;lf&ouml;rderung unterzeichneten Vertr&auml;ge das geltende Organgesetz &uuml;ber Kohlenwasserstoffe, was gem&auml;&szlig; Artikel 44 des genannten Gesetzes bedeutet, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Erd&ouml;lf&ouml;rderung als Lizenzgeb&uuml;hren an den venezolanischen Staat abgef&uuml;hrt werden m&uuml;ssen. Wenn dies zutrifft, w&uuml;rden t&auml;glich zwischen fast 179.000 Barrel &Ouml;l und etwas mehr als 268.000 Barrel &Ouml;l ohne irgendwelche Kosten an den Staat geliefert werden.<\/p><p>Offiziellen Angaben zufolge lag der Preis f&uuml;r venezolanisches Merey-Roh&ouml;l von Januar bis August im Durchschnitt bei 68,65 Dollar pro Barrel; das bedeutet, dass die 179.000 Barrel &Ouml;l etwas mehr als 12,2 Millionen Dollar pro Tag und die etwas mehr als 268.000 Barrel &uuml;ber 18,4 Millionen Dollar pro Tag an Einnahmen f&uuml;r den Staat bedeutet h&auml;tten.<\/p><p>Um mich vor einigen Analytikern und Wahrheitspriestern zu sch&uuml;tzen, die mich als Demagogen bezeichnen k&ouml;nnten, berechne ich dieselben Einnahmen unter Ber&uuml;cksichtigung der Abschl&auml;ge, die unser &Ouml;l aufgrund der einseitigen Zwangsma&szlig;nahmen erlitten hat und die sich auf etwa 25 Prozent belaufen, d.h. unser Merey-Roh&ouml;l w&auml;re nicht zu einem Durchschnittspreis von 68,65 Dollar, sondern zu 51,4 Dollar pro Barrel verkauft worden. Das bedeutet, dass die 12,2 Millionen eigentlich nur 9,2 Millionen Dollar pro Tag und die 18,4 Millionen eigentlich nur knapp 13,8 Millionen Dollar pro Tag bedeuten.<\/p><p>Im schlimmsten Fall, wenn man den niedrigsten m&ouml;glichen Wert von 9,2 Millionen pro Tag annimmt, h&auml;tten wir bei 243 Tagen zwischen dem 1. Januar und dem 31. August Einnahmen in H&ouml;he von &uuml;ber 2,235 Milliarden Dollar allein an Lizenzgeb&uuml;hren bis zum August. Dazu kommen noch die in Artikel 48 beschriebenen Steuern und die Dividenden aus der Beteiligung als Mehrheitsaktion&auml;r an PDVSA. Damit k&ouml;nnten die Einnahmen bis August auf rund vier Milliarden steigen.<\/p><p>Auf einer anderen Seite war die Steuererhebung in diesem Jahr bisher sehr erfolgreich und &uuml;berstieg bis August 8,7 Milliarden Dollar, was zum Teil auf die Ausweitung des &Ouml;lgesch&auml;fts und die Zunahme der internen Dynamik des Finanz-, &Ouml;l- und Bergbausektors zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist. Dies wird durch den R&uuml;ckgang der Mehrwertsteuer (MwSt.) bei der Zusammensetzung der Steuererhebung deutlich, die in diesem Jahr bisher durchschnittlich weniger als 30 Prozent der Einnahmen ausmachte. Letzteres zeigt, dass die Einnahmen derzeit schneller wachsen als der Konsum.<\/p><p>Wenn wir beide Daten kombinieren und die steigenden Trends bei den Steuereinnahmen und die guten Aussichten, die einige Analysten f&uuml;r den &Ouml;lmarkt nach den Zinssenkungen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.economist.com\/finance-and-economics\/2024\/09\/02\/will-the-fed-factor-turbocharge-commodity-prices\">der Federal Reserve<\/a> sehen, betrachten, k&ouml;nnten wir davon ausgehen, dass die Staatseinnahmen 20 Milliarden Dollar erreichen k&ouml;nnten, was deutlich &uuml;ber den 11,98 Milliarden Dollar im Jahr 2023 liegen w&uuml;rde. Wir m&uuml;ssen an dieser Stelle &uuml;ber das Einkommen der Angestellten im &ouml;ffentlichen Sektor sprechen. Bis 2023 betrug es im Durchschnitt etwa 85 Dollar pro Monat an Gesamteinkommen, fast ausschlie&szlig;lich Bonuszahlungen, und obwohl es im Mai dieses Jahres auf 130 Dollar anstieg, deuten die Daten darauf hin, dass es etwa 170 Dollar betragen k&ouml;nnte, ohne Ungleichgewichte zu erzeugen oder die &ouml;ffentlichen Kassen zu leeren.<\/p><p>Es ist jedoch zu betonen, dass diese Erh&ouml;hung nicht ausreichen w&uuml;rde, wenn die Politik der Bonuszahlungen fortgesetzt wird. Weder der Lebensmittelbonus noch der Bonus f&uuml;r den Wirtschaftskrieg sind Verg&uuml;tungen, die zur Berechnung der Sozialleistungen gem&auml;&szlig; den Bestimmungen von Artikel 105 des Gesetzes &uuml;ber Arbeit, Arbeiter und Arbeiterinnen (LOTTT) beitragen.<\/p><p>Durch die Erh&ouml;hung der Zulage im Vergleich zum Grundgehalt wird der Prozentsatz des Einkommens, der f&uuml;r die Berechnung von Leistungen und anderen Arbeitsleistungen aufgrund von Dienstalter und Verbindlichkeiten ber&uuml;cksichtigt wird, verringert. In diesem Sinne handelt es sich um eine regressive Ma&szlig;nahme. die den Anteil der Arbeit an Gebrauch und Genuss des gesellschaftlich produzierten Reichtums verringert. Dies setzt auch den Grundsatz von Titel III des LOTTT, der auf den Schutz der gerechten Verteilung des Reichtums und der Arbeitsbedingungen abzielt, v&ouml;llig au&szlig;er Kraft. Einige haben in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit hingewiesen, ein Anti-Blockade-Gesetz f&uuml;r Arbeitnehmer zu entwickeln, um&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MkJSzDILupM\">diese Probleme zu l&ouml;sen<\/a>. Ich pers&ouml;nlich bin der festen &Uuml;berzeugung, dass eine Einhaltung des bestehenden Gesetzes das Ziel sein sollte und dieses nicht einfach umgangen werden sollte, unabh&auml;ngig davon, ob dies mit guten Absichten geschieht oder nicht.<\/p><p><strong>Die Post-Rentierwirtschaft<\/strong><\/p><p>Die Zentralbank BCV hat vor Kurzem eine Pressemitteilung ver&ouml;ffentlicht, in der sie &uuml;ber das betr&auml;chtliche Wachstum unserer Wirtschaft seit dem zweiten Quartal 2021 berichtet, das bis zum zweiten Quartal dieses Jahres anhielt. Dabei sch&auml;tzt sie das Wachstum des letzten Halbjahres auf &uuml;ber acht Prozent, was auf die Aktivierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bcv.org.ve\/notas-de-prensa\/suman-trece-trimestres-de-crecimiento-en-la-actividad-economica\">der verschiedenen Wirtschaftssektoren<\/a>&nbsp;zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist.<\/p><p>Eine genauere Betrachtung der Sektoren, die dieses Wachstum angekurbelt haben, zeigt folgende Ergebnisse: Der Sektor mit der gr&ouml;&szlig;ten Dynamik in diesen 13 Quartalen war der &Ouml;lsektor mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 18,7 Prozent, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe mit 17,3 Prozent, an dritter Stelle steht der Bergbau mit durchschnittlich 12,9 Prozent in den etwas mehr als drei vergangenen Jahren, und an vierter Stelle die Finanzaktivit&auml;ten mit 10,8 Prozent. Der Nicht-&Ouml;l-Sektor liegt innerhalb der durchschnittlichen BIP-Wachstumsrate von rund 8,3 Prozent, seit 2021.<\/p><p>Dies best&auml;tigt weiterhin die Hypothese der Abh&auml;ngigkeit des Nicht-&Ouml;lsektors vom &Ouml;lsektor. Es verdeutlicht auch die Dynamik, die das vom BCV beschriebene Wachstum antreibt, das haupts&auml;chlich vom Prim&auml;r- und Terti&auml;rsektor getragen wird.<\/p><p>Die Frage, die noch zu beantworten ist, lautet: Haben wir den Rentierkapitalismus wirklich &uuml;berwunden?<\/p><p><strong>&Uuml;ber den Tellerrand schauen?<\/strong><\/p><p>Um die Dynamik des Rentierkapitalismus und die Art und Weise zu verstehen, wie der Staat, der gro&szlig;e Eigent&uuml;mer der internationalen &Ouml;lrente, von der transnationalen und nationalen Bourgeoisie ausgepl&uuml;ndert wird, m&uuml;ssen wir die drei Hauptmechanismen der Aneignung verstehen, die von Professor Asdr&uacute;bal Baptista erl&auml;utert werden: 1. Der Kreislauf von Importen auf dem heimischen Markt und die sich daraus ergebenden Auswirkungen auf das Preisniveau[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]&nbsp;und damit das Import- und Vertriebsmonopol der Bourgeoisie. 2. Die Aneignung immer gr&ouml;&szlig;erer Einnahmenvolumina durch die indirekte Steuerung der Wechselkurse[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]&nbsp;der internationalen Devisen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]&nbsp;3. Schlie&szlig;lich die Forderung nach immer niedrigerer Steuerlast und immer mehr Protektionismus f&uuml;r ihre Industrien[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>].<\/p><p>Zweifellos sind einseitige Zwangsma&szlig;nahmen eine M&ouml;glichkeit, sich die internationalen &Ouml;leinnahmen anzueignen; die an Chevron und Repsol vergebenen Vermarktungslizenzen geh&ouml;ren zu den Mitteln, mit denen dies geschieht, aber dar&uuml;ber hinaus profitiert auch die nationale Bourgeoisie von diesen Formen der Einnahmenverteilung, indem sie die Einfuhr von Waren und Dienstleistungen monopolisieren kann.<\/p><p>An dieser Stelle lohnt es sich, an den Wirtschaftswissenschaftler&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Micha%C5%82_Kalecki\">Micha&#322; Kalecki<\/a>&nbsp;und seinen ber&uuml;hmten Aufsatz &ldquo;Kosten und Preise&rdquo; (1954) zu erinnern. Kalecki stellt zwei Arten der Preisbestimmung auf dem kapitalistischen Markt fest &ndash; die erste durch die Kosten und die zweite durch die &ldquo;Nachfrage&rdquo;. In beiden F&auml;llen geht es im Wesentlichen darum, die Spanne zwischen den direkten Gemeinkosten (L&ouml;hne, Rohstoffkosten und Investitionen in Anlagekapital) und den Bruttoeinnahmen (Gewinn) zu f&uuml;llen.<\/p><p>In einem System des vollkommenen Wettbewerbs ber&uuml;cksichtigen die Unternehmen bei der Preisfestsetzung sowohl die direkten Kosten als auch die von anderen Unternehmen auf dem Markt festgesetzten Preise. Wenn die Marktpreise die direkten St&uuml;ckkosten des Unternehmens &uuml;bersteigen, w&auml;re das Unternehmen gezwungen, seine Produktionskapazit&auml;t voll auszulasten, was das Verh&auml;ltnis zwischen Kosten und Preis senkt. Kalecki nannte dies &bdquo;durch die Produktionskosten bestimmte Preise&rdquo;. Kalecki argumentiert jedoch, dass im kapitalistischen System die partielle Nutzung der Produktionskapazit&auml;ten vorherrscht und nicht ihre volle Auslastung, was bedeutet, dass die Spanne zwischen Kosten und Gewinn nicht nach dem Prinzip des vollkommenen Wettbewerbs und der Produktionssteigerung, sondern durch die Festsetzung von Preisen geregelt wird.<\/p><p>Auf einem Markt mit unvollkommenem Wettbewerb mit Oligopolen und Monopolen, einer konstanten und logischen Situation im Kapitalismus, werden die Preise auf der Grundlage der wirtschaftlichen Macht der Monopole nach dem Prinzip des von Kalecki so genannten &ldquo;Gewinnschutzes&rdquo; festgelegt:<\/p><p>&bdquo;Wenn die Gemeinkosten im Verh&auml;ltnis zu den direkten Kosten erheblich ansteigen, wird der Gewinn zwangsl&auml;ufig sinken, es sei denn, das Verh&auml;ltnis zwischen Bruttoerl&ouml;sen und Selbstkosten kann erh&ouml;ht werden. Infolgedessen kann es in einem bestimmten Wirtschaftszweig zu einer taktischen &Uuml;bereinkunft zwischen den Unternehmen kommen, die Gewinne zu &lsquo;sch&uuml;tzen&rsquo; und daher die Preise im Verh&auml;ltnis zu den direkten St&uuml;ckkosten zu erh&ouml;hen.&rdquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Unter solchen Bedingungen k&ouml;nnen diese Unternehmen den Preis h&ouml;her ansetzen, ohne dass sie die Gewinnspanne ihrer Produktion erh&ouml;hen m&uuml;ssen. Bei dieser Dynamik wird das Gesetz von Angebot und Nachfrage bedeutungslos, weil die Nachfrager bei den Anbietern keine Transparenz finden. Das Angebot wird ebenso aufgezwungen wie der Preis.<\/p><p>Die Dynamik des Umsatzwachstums, die geringe Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen und die Tatsache, dass die relativen L&ouml;hne hinter den realen Preisen zur&uuml;ckbleiben, zeigen einfach den Kalecki-Effekt in unserer Wirtschaft und die Art und Weise, wie die Preissteuerung es erm&ouml;glicht, mehr Einkommen zu absorbieren.<\/p><p>Ebenso zeigt die st&auml;ndige Devisennachfrage eines industriellen Sektors und einer nicht exportierenden Bourgeoisie &ndash; der Beleg f&uuml;r die bereits nachgewiesenen Defizite des Nicht-&Ouml;l-Wirtschaftssektors in den Handelsbilanzen mit unseren wichtigsten Partnern &ndash;, wie die Platzierung der Ressourcen des &Ouml;lsektors in den Devisenb&uuml;ros weiterhin eine Form des Transfers von internationalem Einkommen an diesen Sektor darstellt. Wenn das nicht stimmt, bitte ich die Wahrheitspriester und die Technokraten der BCV, zu zeigen, woher unsere patriotische Bourgeoisie die Dollars bekommt, mit denen sie auf dem internationalen Markt einkauft, wenn nicht von den mit Erd&ouml;ldollars gef&uuml;tterten Wechselstuben, wo die BCV zwar nicht der einzige, aber der wichtigste Einzelanbieter ist.<\/p><p>Ein letztes Zeichen f&uuml;r den Einnahmetransfer ist die Verringerung der Steuerlast, denn trotz der st&auml;ndigen Klagen des Unternehmenssektors &uuml;ber die Steuerlast f&uuml;hren die von der Exekutive durchgef&uuml;hrten Ma&szlig;nahmen tats&auml;chlich zu ihrer Verringerung. Das Organgesetz &uuml;ber die Sonderwirtschaftszonen (2022), das Organgesetz &uuml;ber die Koordinierung und Harmonisierung der Steuerbefugnisse der Teilstaaten und Gemeinden (2023), das Gesetz &uuml;ber die F&ouml;rderung von Nicht-&Ouml;l-Exporten (2024) und andere Tarifkodizes und fiskalische Beihilfen, die in den letzten Jahren gew&auml;hrt wurden, zeigen, dass hinter der Rhetorik der Steuerordnung und der Modernisierung in Wirklichkeit eine Verringerung der Steuerlast f&uuml;r diesen Sektor steht.<\/p><p><strong>Repolitisierung und transparente Bewertung der Einnahmen<\/strong><\/p><p>Das j&uuml;ngste Gesetz zur F&ouml;rderung von Nicht-&Ouml;l-Exporten, das im Juli dieses Jahres verabschiedet wurde, fordert in Artikel 29 die Schaffung einer statistischen Einheit zur Analyse von Nicht-&Ouml;l-Exporten. Diese Instrumentierung des Gesetzes w&auml;re von entscheidender Bedeutung, sowohl um die Fehlerhaftigkeit des hier Beschriebenen aufzudecken als auch um es zu best&auml;tigen. Im wirtschaftlichen Bereich ist die Information f&uuml;r die beteiligten Akteure von zentraler Bedeutung; sie m&uuml;ssen wissen, wer auf dem nationalen Devisenmarkt kauft und wer verkauft. In diesem Sinne m&uuml;ssen &uuml;ber den einfachen Hinweis auf die Transaktion hinaus (wobei sich diese auf die Summe aller K&auml;ufe und Verk&auml;ufe und nicht unbedingt auf die tats&auml;chlichen K&auml;ufe und Verk&auml;ufe beziehen kann) die tats&auml;chlichen Volumina angegeben werden, und die BCV muss das Verh&auml;ltnis zwischen ihren Devisenverk&auml;ufen und der Liquidit&auml;t kl&auml;ren.<\/p><p>Ebenso muss der Zugang zu Daten &uuml;ber die &Ouml;lindustrie wieder ge&ouml;ffnet werden. Seit 2016 hat es keinen Managementbericht mehr gegeben. Ich wei&szlig;, dass viele hier einwenden werden, dass es aufgrund von Zwangsma&szlig;nahmen unm&ouml;glich oder gef&auml;hrlich ist, diese Informationen offenzulegen; die Wahrheit ist, dass, wenn PDVSA dies nicht tut, Portale wie <em>Reuters<\/em> dies am Ende tun werden, mit mehr L&uuml;gen als Wahrheiten.<\/p><p>Ein Teil der Korruptionsf&auml;lle, die die Branche in letzter Zeit erlebt hat, ist zu einem gro&szlig;en Teil auf ihre Abschottung zur&uuml;ckzuf&uuml;hren. Ihre Bestimmung muss neu politisiert werden. Die venezolanischen &Ouml;leinnahmen und das &Ouml;l sind von solcher Bedeutung, dass ihre Verwaltung nicht l&auml;nger dem Ermessen von Industriebeamten und Beratern &uuml;berlassen werden kann. Wir m&uuml;ssen den Zustand der Lagerst&auml;tten, die Leistung der Bohrungen, die Probleme an den Verladestellen oder den Zustand der &Ouml;l- und Gaspipelines, den Zustand der Raffinerien und die Bedingungen der mit den verschiedenen transnationalen und nationalen Unternehmen unterzeichneten Vertr&auml;ge genau kennen.<\/p><p>Man muss wissen, welchen Zweck die Investitionen von Chevron haben und was zum Beispiel f&uuml;r Campo Bosc&aacute;n, eines der gro&szlig;en &Ouml;lfelder in Venezuela, geplant ist. Au&szlig;erdem ist es wichtig, die verschiedenen Bereiche des nationalen Lebens f&uuml;r diese Fragen zu sensibilisieren.<\/p><p>Die Post-Rentierwirtschaft wird nicht durch Abschottung oder D&auml;monisierung der Einnahmen aufgebaut. Sie wird aufgebaut, indem man die Mechanismen ihrer Wirkung in der Wirtschaft versteht und ihre Ver&auml;nderung oder &Uuml;berwindung fordert, indem man mit Unternehmern und Technokraten dar&uuml;ber diskutiert, ob der Rentierstaat wirklich &uuml;berwunden wird oder ob lediglich neue Mechanismen f&uuml;r seine private Aneignung entwickelt werden.<\/p><p>So hat zum Beispiel bis heute der nationale Unternehmer bisher mehr Devisen aus Einnahmen erhalten als die Kommunen. Erinnern wir uns daran, dass die Mittel, die in den letzten beiden Konsultationen f&uuml;r die mehr als 4.500 Projekte bereitgestellt wurden, aus Steuereinnahmen und nicht aus einem Anteil an den &Ouml;leinnahmen stammen. Es w&auml;re sinnvoll, eine &auml;hnliche Beteiligung an diesen Mitteln zu fordern, wie sie der Unternehmenssektor seit dem Inkrafttreten des neuen Wechselkurssystems&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bcv.org.ve\/marco\/convenio-cambiario-ndeg1-nuevo-marco-cambiario\">am 7. September 2018<\/a> hat.<\/p><p>Wie immer werden diese und andere M&ouml;glichkeiten der Verwendung der &Ouml;leinnahmen (internationaler Mehrwert) von den F&auml;higkeiten, Druck auszu&uuml;ben und der Dynamik des Klassenkampfes abh&auml;ngen; das Projekt einer Post-Rentierwirtschaft muss jedoch seiner Vergesellschaftung und nicht seiner indirekten und heimlichen Privatisierung den Vorrang geben.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Susanne Schartz-Laux, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/272999\/venezuela-wirtschaft-wahrheiten-teil-ii\">Amerika21<\/a><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ MillaF<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126169\">Venezuelas Wirtschaft: Zahlen, Wahrheiten und gro&szlig;e L&uuml;gen (I)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114725\">Neue Studien zu Venezuela: US-Sanktionen sind f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung t&ouml;dlich<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110839\">Venezuela: Sanktionen, Einflussnahme und Souver&auml;nit&auml;t<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90265\">Venezuela: Der aufsteigende Pfad der Revolte<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/82386eeffe944d459433df46db426358\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Asdrubal Baptista. Teor&iacute;a econ&oacute;mica del capitalismo rent&iacute;stico. Caracas: Editorial del Banco Central de Venezuela (BCV), 2010, S. 152-156.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Asdr&uacute;bal Baptista. Ob. cit., S. 160-167.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Interessant ist, wie Baptista den Wechselkurs als einen Mechanismus der Einkommensverteilung bezeichnet und ihn als &ldquo;friedlich und popular&rdquo; definiert. In seiner Theorie fehlt also das Konzept des Klassenkampfes. H&auml;tte er diese Klarheit gehabt, h&auml;tte er sicherlich den Wirtschaftskrieg vorausgesehen, das logische Ende des Einnahmenstreits, den seine Theorie beschreibt.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Asdr&uacute;bal Baptista. Ob. cit., S. 180.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Micha&#322;, Kalecki. Ensayos escogidos sobre din&aacute;mica de la econom&iacute;a capitalista. Editorial Fondo de Cultura Econ&oacute;mica. Mexiko, S. 65.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Venezuelas Wirtschaft zeigt teils positive Indikatoren f&uuml;r eine Erholung, doch die Frage bleibt: Wurden die Strukturen des Rentierkapitalismus wirklich &uuml;berwunden? In Teil II der Analyse wird die Rolle des &Ouml;lsektors und den &ouml;ffentlichen Sektor bei den Staatseinnahmen beleuchtet. Trotz Wachstums im &Ouml;l- und Bergbausektor zeigt sich eine anhaltende Abh&auml;ngigkeit von der Rohstoffwirtschaft. Von <strong>Carlos D&uuml;rich<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":126664,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,133,30],"tags":[1334,380,3236,897,1333,402,1085,3203],"class_list":["post-126663","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-landerberichte","category-wichtige-wirtschaftsdaten","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-erdoel","tag-export","tag-mineraloelwirtschaft","tag-transparenz","tag-venezuela","tag-wachstum","tag-wechselkurse","tag-zentralbank"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/shutterstock_1706254585.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126663"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126718,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126663\/revisions\/126718"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/126664"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}