{"id":126679,"date":"2024-12-20T14:00:28","date_gmt":"2024-12-20T13:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126679"},"modified":"2024-12-20T14:59:33","modified_gmt":"2024-12-20T13:59:33","slug":"neuanfang-in-truemmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126679","title":{"rendered":"Neuanfang in Tr\u00fcmmern"},"content":{"rendered":"<p>Der Tayoune-Kreisverkehr liegt am s&uuml;dlichen Rand der offiziellen Stadtgrenze von Beirut. Doch das Beiruter Leben reicht weit dar&uuml;ber hinaus. S&uuml;d&ouml;stlich des Kreisverkehrs liegt Ain el Rommaneh, s&uuml;dlich schlie&szlig;t sich Chiyah an und geht im Westen in den Stadtteil Ghobeiri &uuml;ber, der im Westen an einen gro&szlig;en Friedhof grenzt. Der offizielle Stadtplan von Beirut endet hier, nicht aber Beirut, das sich sehr viel weiter in die s&uuml;dlichen Vororte erstreckt. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong> aus Beirut.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_587\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-126679-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=126679-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"241220-Neuanfang-in-Truemmern-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Selbst das Zentrum von Beirut &ndash; Hamra &ndash; blieb von den Angriffen Israels im letzten Krieg nicht verschont, erz&auml;hlt Maha, Y., die im Familienappartement in Kantari Zuflucht gesucht hatte. Das Viertel liegt nicht weit von der Ruine des Intercontinental Hotels entfernt, das im B&uuml;rgerkrieg (1975-1990) zerschossen wurde. Frau Maha leitet den Kindergarten Ghassan Kanafani im Pal&auml;stinenserlager Mar Elias in Beirut, den die Autorin in den vergangenen Jahren h&auml;ufig besucht hat.<\/p><p>Neben ihrer Wohnung in Kantari sei eine Schule, in der Hunderte Inlandsvertriebene untergebracht worden seien, erinnert sie sich. &bdquo;Die schmale Stra&szlig;e war immer belebt, Tag und Nacht waren die Menschen auf den Beinen, niemand kam zur Ruhe.&ldquo; Sie berichtet von Angriffen unweit des Parlaments, in Zokak el Blat, in Bachoura und in Basta. Am Rande des Stadtteils Mar Elias seien H&auml;user zerst&ouml;rt worden und auch in Hamra, das am nord&ouml;stlichen Rand von Beirut liegt und von der Corniche, der K&uuml;stenpromenade, umgeben ist, sei eine Rakete eingeschlagen. &bdquo;As Safir wurde getroffen&ldquo;, berichtet sie. <em>As Safir<\/em> ist eine der &auml;ltesten Zeitungen im Libanon, die vor wenigen Jahren das Erscheinen einstellen musste.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Foto: Karin Leukefeld &ndash; Jedes Haus, das zerst&ouml;rt wird, hat im Umkreis bis zu acht weitere H&auml;user, die durch die Explosion besch&auml;digt oder unbewohnbar gemacht werden.<\/small><\/p><p>Die Kinderg&auml;rten in den Lagern seien weitgehend verschont geblieben, sagt Frau Maha. Lediglich im Lager Rashidiyeh im S&uuml;den des Landes, bei Tyros, habe es Sch&auml;den am Dach und an den Fenstern gegeben. Sie zeigt Fotos auf ihrem Handy. Teile der Decke sind heruntergefallen, die Fenster bestehen aus dicken Glasbausteinen und weisen starke Risse auf. &bdquo;Niemand wurde verletzt, alle waren evakuiert worden&ldquo;, sagt Frau Maha. Doch nun sei es schwierig, die Fenster zu ersetzen. Glas muss importiert werden und der Preis f&uuml;r Glas hat sich &ndash; auch wegen der enormen Nachfrage &ndash; mit dem Tag der Waffenruhe vervierfacht. Die stabilen Glasbausteine seien derzeit gar nicht zu haben.<\/p><p>Vom Hof ert&ouml;nt lautes Rufen und Lachen der Kinder im Mar-Elias-Kindergarten Kanafani. &bdquo;Vor drei Tagen, am vergangenen Montag, haben wir den Kindergarten wieder ge&ouml;ffnet. Die Kinder waren au&szlig;er sich vor Freude, wieder hier sein zu k&ouml;nnen,&ldquo; sagt Frau Maha und auch ihr ist die Freude anzusehen. Nein, nicht alle Kinder seien zur&uuml;ckgekommen, r&auml;umt sie auf Nachfrage ein: &bdquo;Die syrischen Kinder kamen nicht zur&uuml;ck, sie sind jetzt mit ihren Familien nach Syrien zur&uuml;ckgegangen.&ldquo; Und nach einer kurzen Pause f&uuml;gt sie hinzu: &bdquo;Mal sehen, ob sie wieder zur&uuml;ckkommen.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Einfach klicken und es schie&szlig;t&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am n&auml;chsten Tag sieht die Autorin selbst bei dem Geb&auml;ude der Zeitung <em>As Safir<\/em> vorbei, das von einer israelischen Rakete getroffen worden sein soll. Heil und unversehrt steht es in der schmalen Sackgasse. Ein Friseur kommt aus seinem Laden und berichtet, dass die israelische Rakete nicht bei <em>As Safir<\/em>, sondern wenige hundert Meter weiter Richtung Hamra-Stra&szlig;e einschlagen sei. Er sucht auf seinem Handy nach einem Videoclip, der den Angriff dokumentiert. Dann l&auml;uft er mit der Autorin vor zur Stra&szlig;e und zeigt ihr das Geb&auml;ude, das als &bdquo;Swiss Bank&ldquo; bekannt ist. Es liegt an einer Kreuzung von schmalen Stra&szlig;en, gegen&uuml;ber einer Tankstelle. &bdquo;Nichts ist hier&ldquo;, sagt der Friseur. &bdquo;Nur Wohn- und Gesch&auml;ftsh&auml;user, das wei&szlig; jeder.&ldquo; Israel seien offenbar die Ziele ausgegangen, die Angriffe h&auml;tten nur die Bev&ouml;lkerung einsch&uuml;chtern sollen. Auf dem Videoclip ist ein brennendes Geschoss zu sehen, das aus der Stra&szlig;e kommt, die an der Tankstelle vorbeif&uuml;hrt. Kaum eine Sekunde dauert es, dann schl&auml;gt es direkt in dem Eingangsbereich des Geb&auml;udes ein. Abgeschossen wurde die Rakete offenbar von einer Drohne, die sich durch die engen Stra&szlig;en bewegt haben muss, bis sie das eingegebene Ziel auf dem Monitor fand und feuerte.<\/p><p>&bdquo;Es ist wie ein Spiel&ldquo;, sagte der Verk&auml;ufer der spanischen Firma Everest in einem Interview mit der Autorin vor einigen Jahren auf der IDEX, der gr&ouml;&szlig;ten Waffenmesse der Welt, die alle zwei Jahre in Abu Dhabi stattfindet. Everest sei die einzige Firma auf der Messe, die diese leichten Drohnen anb&ouml;ten. Anders als Beobachtungsdrohnen seien ihre Drohnen &bdquo;Kampfdrohen&ldquo;, also bewaffnet, je nachdem, wie die Kunden es haben wollten. Die Drohnen seien f&uuml;r den urbanen Kampf geeignet, den Krieg in St&auml;dten, den es in Zukunft immer mehr geben werde. &bdquo;Leider&ldquo;, sagt er und zuckt mit den Schultern. Doch das sei ihr Gesch&auml;ftsmodell. Die Drohnen seien sehr leicht zu handhaben, es sei wie ein Spiel: &bdquo;Einfach klicken und es schie&szlig;t.&ldquo;<\/p><p><em>Interview zu sehen in der Dokumentation &bdquo;Was von Kriegen &uuml;brig bleibt&ldquo;:<\/em><\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/ZSx4IMZ58s8?si=xmYma2kq3G07Eur4\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><strong>Tayoune-Kreisverkehr<\/strong><\/p><p>Unweit des Tayoune-Kreisverkehrs liegt das Gesch&auml;ft von Walid Shourbaji, einem Import-Export-H&auml;ndler f&uuml;r S&uuml;&szlig;warenrohstoffe. Der Laden liegt im Parterre eines Appartement-Hochhauses, rechts und links sind weitere Gesch&auml;fte. Die Nachbarh&auml;user, in deren oberen Stockwerken ebenfalls Wohnungen waren, sind von israelischen Raketen zu gro&szlig;en Tr&uuml;mmerhaufen zerbombt worden. Sie sei nicht da gewesen, als das passiert sei, sagt Safa Shourbaji, die Tochter des Firmengr&uuml;nders. Sie sitzt hinter einem gro&szlig;en Schreibtisch und gibt bereitwillig Auskunft, Fotos m&ouml;chte sie nicht. Es habe Warnungen gegeben, daher h&auml;tten sie die Gegend verlassen, sagt Frau Shourbaji. Sie wisse nicht, warum die H&auml;user bombardiert worden seien. &bdquo;Wir haben hier mit niemandem was zu tun. Wir kommen am Morgen und gehen abends, wir sind nur zur Arbeit hier&ldquo;, f&auml;hrt sie fort.<\/p><p>Als ihr Vater die Firma vor 40 Jahren gegr&uuml;ndet habe, sei die Gegend kaum bebaut gewesen. Die neu entstandenen Gebiete s&uuml;dlich der Stadtgrenze kenne sie nicht. &bdquo;Ehrlich gesagt, ich habe mich nie getraut, dorthin zu gehen&ldquo;, sagt sie, ohne das weiter auszuf&uuml;hren. Der Nachfrage, ob sie Angst vor den Gebieten habe, weicht sie aus und wiederholt: &bdquo;Wir sprechen mit niemandem, wir haben nur unser Gesch&auml;ft hier.&ldquo; Shourbaji importiert Rohstoffe f&uuml;r S&uuml;&szlig;waren, f&uuml;r B&auml;ckereien und Konditoreien, sagt sie, aus Deutschland, Frankreich, Brasilien. Durch die Explosionen sei die Fensterfront zerst&ouml;rt worden. &bdquo;Wir haben gleich nach der ersten Explosion die Glasfront erneuert, dann kam der zweite Angriff&ldquo;, sagt sie und lacht bitter. &bdquo;Das war nat&uuml;rlich teuer, dass wir gleich wieder neue Scheiben einbauen mussten.&ldquo; Niemand sei zu Schaden gekommen, das sei das Wichtigste.<\/p><p>Als Kind habe sie den B&uuml;rgerkrieg erlebt, damals sei hier die &bdquo;Gr&uuml;ne Linie&ldquo; verlaufen, eine Art Frontlinie zwischen den verfeindeten Seiten. &bdquo;Ich war ein Kind und alle Lehrer in unserer Schule waren Franzosen. Wir haben Franz&ouml;sisch gelernt und gesprochen, alles ist heute anders.&ldquo; Der B&uuml;rgerkrieg habe sie traumatisiert und alles, was sie wisse, sei, dass &bdquo;dieses Land mir nie Stabilit&auml;t gegeben hat.&ldquo; Sie empfinde nichts f&uuml;r das Land und stelle sich immer wieder die Frage, ob sie Libanon nicht verlassen sollten. Der Sohn sei in Dubai, sicher werde sie auch die Tochter eines Tages in die Ferne zum Studium schicken. &bdquo;Alles, was ich will, ist ein friedliches Leben f&uuml;r mich und meine Kinder, f&uuml;r meine Familie.&ldquo; Allem anderen gegen&uuml;ber sei sie wie bet&auml;ubt. &bdquo;Vielleicht glauben Sie mir nicht, ich selber verstehe es auch nicht und finde es merkw&uuml;rdig, doch so ist das.&ldquo; Der Gesch&auml;ftsbetrieb habe unter dem Krieg gelitten. Die Nachfrage sei zur&uuml;ckgegangen, aber &bdquo;wir k&ouml;nnen weiterarbeiten und m&uuml;ssen niemanden entlassen. Unser Betrieb ist bekannt, im In- und Ausland, man sch&auml;tzt uns, weil wir klar und genau arbeiten. Die Kunden wollen zuverl&auml;ssige Gesch&auml;ftspartner und das sind wir.&ldquo;<\/p><p><strong>Ain el Rommaneh<\/strong><\/p><p>Nur wenige hundert Meter weiter steht an der Stra&szlig;e Richtung Chiyah ein Karren am Stra&szlig;enrand, der &uuml;ber und &uuml;ber mit Artischocken und Avocados beladen ist. Hinter dem Karren erhebt sich ein mehrst&ouml;ckiges B&uuml;rogeb&auml;ude, dessen oberste Etage von einem israelischen Raketenangriff zerst&ouml;rt wurde. Neben dem Karren steht ein Mann mit Schirmm&uuml;tze und knallrotem Pulli. Er hei&szlig;e Ali, stellt er sich vor, als die Autorin ihn bittet, ein Foto machen zu d&uuml;rfen. &bdquo;Ich habe acht Jahre in Deutschland gewohnt und in einem Restaurant gearbeitet&ldquo;, f&uuml;gt er dann in Deutsch hinzu und strahlt in die Kamera. Als die Rakete in dem Gesch&auml;ftshaus eingeschlagen sei, sei er nicht dagewesen: &bdquo;Die Menschen hier wurden evakuiert, alles war leer.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Foto: Karin Leukefeld &ndash; Der Stra&szlig;enh&auml;nder Ali hat &ndash; wie viele Libanesen &ndash; auch in Deutschland gearbeitet. Im Hintergrund ein zerst&ouml;rtes Gesch&auml;ftshaus.<\/small><\/p><p>&Ouml;stlich der Stra&szlig;e liegt Ain el Rommaneh. Das zerst&ouml;rte Dach des Gesch&auml;ftsgeb&auml;udes ist wie ein Kartenhaus zusammengefallen, ein Teil der Tr&uuml;mmer ragt &uuml;ber die Au&szlig;enmauer des Geb&auml;udes auf die Stra&szlig;e hinaus. Bizarr erhebt sich dar&uuml;ber ein Aufbau mit Sonnenkollektoren und Wassertanks unbesch&auml;digt in den Himmel.<\/p><p>Vor dem Geb&auml;ude spricht eine Gruppe Techniker mit den Ladeninhabern. Es werden Namen und Daten aufgenommen, der ungef&auml;hre Schaden notiert und welche Zerst&ouml;rungen es im Einzelnen gibt. Keiner der L&auml;den im Parterre hat noch Fenster. Die Besitzer haben einfach die Gitter heruntergelassen, die normalerweise nachts die L&auml;den sch&uuml;tzen sollen. Einige der zerst&ouml;rten Fronten sind mit gelbem Band abgesperrt. Der Sch&ouml;nheitssalon von Bilal Harb ist in den leerstehenden Nebenraum umgezogen. Wo einst Glasfenster waren, ist Plastikplane gespannt.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Foto: Karin Leukefeld &ndash; Ende eines Familienprojekts. Der Innenraum des Caf&eacute; Kayan ist mit Glassplittern &uuml;bers&auml;t.<\/small><\/p><p>Ein Mann tritt aus einem der L&auml;den und fragt Hamza, den Begleiter der Autorin, auf Arabisch: &bdquo;Was will sie?&ldquo; Hamza erkl&auml;rt und der Mann fragt, ob sie einen Ausweis habe. Genau studiert er dann das Schreiben des Informationsministeriums und sagt schlie&szlig;lich in bestem Englisch: &bdquo;Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen etwas&ldquo;. Er geht voraus um die Hausecke und weist auf ein Schild. &bdquo;Caf&eacute; Kayan&ldquo; ist darauf zu lesen. Die Au&szlig;enanlage ist teilweise zerst&ouml;rt. Der Zaun steht zusammengefaltet und mit einer Lichterkette geschm&uuml;ckt gegen einen Pfahl gelehnt. Das Gitter vor dem Caf&eacute; ist heruntergelassen, das Innere des Caf&eacute;s ist mit Glassplittern &uuml;bers&auml;t. Die Teek&uuml;che, die Tische und St&uuml;hle, die liebevoll gefertigte Dekoration, alles ist mit Staub, Glassplittern und Steinen bedeckt. Der Mann, der sich als Osama Hassan vorstellt, sagt, er habe das Caf&eacute; einen Monat vor dem Krieg er&ouml;ffnet. Seine T&ouml;chter h&auml;tten ihm geholfen, es sei wie ein &bdquo;Familienprojekt&ldquo; gewesen. Er habe das Caf&eacute; in der N&auml;he der T&ouml;chter er&ouml;ffnet, um nah bei seinen Enkelkindern zu sein. Er selber sei als Kind in England aufgewachsen und habe sp&auml;ter 30 Jahre in den Golfstaaten gearbeitet. Mit dem Caf&eacute; habe er sich zur Ruhe setzen wollen, nachdem er sein ganzes Leben gearbeitet habe, damit es der Familie gut gehe.<\/p><p>Nun habe er sein Auto verkaufen m&uuml;ssen, um die Familie zu unterst&uuml;tzen, die in den Bergen eine Unterkunft gefunden habe. Er habe Unterst&uuml;tzung beantragt, um das Caf&eacute; zu reparieren, aber auch ihre Wohnung in Dakhiye in den s&uuml;dlichen Vororten sei zerst&ouml;rt. &bdquo;Mein Vater kommt aus Khiam im S&uuml;dlibanon, unser Elternhaus ist zerst&ouml;rt. Meine Mutter ist aus Burj Brajneh, das auch schwer bombardiert wurde.&ldquo;<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/241220_Beirut-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><small>Foto: Karin Leukefeld &ndash; Der Auszug zeigt das zerst&ouml;rte Dach eines Gesch&auml;ftshauses in Ain el Rommaneh.<\/small><\/p><p>Die Hisbollah hat der Bev&ouml;lkerung Ausgleichszahlungen f&uuml;r ihre Verluste zugesagt. Auch Osama Hassan hat sich daf&uuml;r registrieren lassen. Wer eine Mietwohnung in Beirut hatte, die zerst&ouml;rt wurde, erh&auml;lt 6.000 US-Dollar, was etwa einer Jahresmiete in Beirut entspricht. Dazu gibt es 8.000 US-Dollar f&uuml;r die Einrichtung. Wer auf dem Land in einer Mietwohnung lebte, erh&auml;lt 4.000 US-Dollar und ebenfalls 8.000 USD f&uuml;r M&ouml;bel. Wer ein eigenes Haus besitzt, das zerst&ouml;rt oder besch&auml;digt wurde, muss die Rechnungen f&uuml;r Reparaturarbeiten vorlegen, die ihm dann ersetzt werden.<\/p><p>Osama Hassan wirkt bedr&uuml;ckt. In einem Krieg m&uuml;sse unterschieden werden zwischen Zivilisten und bewaffneten Soldaten. Hier lebten nur Zivilisten, hier g&auml;be es weder Waffendepots noch Kommandozentralen. Der Krieg sei ein Gesch&auml;ft f&uuml;r die Waffenh&auml;ndler. &bdquo;Wir sterben und sie investieren mit ihrem Geld in Land und Grundbesitz.&ldquo; F&uuml;r ihn sei die Lage hoffnungslos, sagt er: &bdquo;Alle T&uuml;ren sind geschlossen, alles ist tot.&ldquo; Es sei, als w&uuml;rden sie nicht als Menschen betrachtet, die ein Recht auf Leben h&auml;tten. &bdquo;Wir wollen in Ruhe leben, unsere Kinder erziehen und ihnen eine gute Ausbildung geben, das ist alles&ldquo;, sagt er. Die Libanesen lebten seit Jahren ohne Pr&auml;sident und ohne eine Regierung, aber sie lebten und arbeiteten. &bdquo;Wir freuen uns &uuml;ber das Leben, wir reisen, wir investieren, wir machen Gesch&auml;fte. Immer denken wir an die Zukunft, an unsere Kinder, die es einmal besser haben sollen. Wir lieben unser Land.&ldquo;<\/p><p><small>Alle Bilder: &copy; Karin Leukefeld<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tayoune-Kreisverkehr liegt am s&uuml;dlichen Rand der offiziellen Stadtgrenze von Beirut. Doch das Beiruter Leben reicht weit dar&uuml;ber hinaus. S&uuml;d&ouml;stlich des Kreisverkehrs liegt Ain el Rommaneh, s&uuml;dlich schlie&szlig;t sich Chiyah an und geht im Westen in den Stadtteil Ghobeiri &uuml;ber, der im Westen an einen gro&szlig;en Friedhof grenzt. Der offizielle Stadtplan von Beirut endet hier,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126679\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":126680,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,20,171],"tags":[813,1557,1583,2360],"class_list":["post-126679","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-drohnen","tag-israel","tag-libanon","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/241220_Beirut-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126679","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=126679"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126679\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126705,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/126679\/revisions\/126705"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/126680"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=126679"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=126679"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=126679"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}