{"id":12668,"date":"2012-03-26T08:04:14","date_gmt":"2012-03-26T07:04:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12668"},"modified":"2019-07-08T11:07:36","modified_gmt":"2019-07-08T09:07:36","slug":"volkermord-in-der-ehemaligen-kolonie-deutsch-sudwestafrika-darf-so-nicht-heisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12668","title":{"rendered":"V\u00f6lkermord in der ehemaligen Kolonie Deutsch-S\u00fcdwestafrika darf so nicht hei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Die schwarz-gelbe Mehrheit des Bundestags ist auch weiterhin nicht bereit, den V&ouml;lkermord in der ehemaligen Kolonie Deutsch-S&uuml;dwestafrika als einen solchen zu bezeichnen. Sie lehnte am Donnerstagabend sowohl einen entsprechenden Antrag der Linksfraktion ab  als auch einen inhaltlich weit weniger weitgehenden, der gemeinsam von Sozialdemokraten und Gr&uuml;nen kurzfristig eingebracht worden war. Dass es sich bei dem kolonialen Vernichtungskrieg, den allein 80 Prozent des Herero-Volkes nicht &uuml;berlebten, um einen V&ouml;lkermord handelt, ist seit Jahren herrschende Meinung in der Wissenschaft. Weitere betroffene Volksgruppen waren die Nama, Damara und San. Von <strong>Rolf-Henning Hintze<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Was damals passierte, ist ein Verbrechen, eine Schande. Dass sich die deutsche Politik bis heute weigert, die damaligen Geschehnisse als V&ouml;lkermord zu benennen, ist ebenfalls eine Schande,&ldquo; erkl&auml;rte Niema Movassat f&uuml;r die Linksfraktion. Er verwies darauf, dass sich 2004 bei einer Gedenkfeier an die Entscheidungsschlacht am Waterberg vor 100 Jahren die damalige Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul  zwar &bdquo;mit bewegenden Worten&ldquo;  f&uuml;r die Verbrechen der Deutschen entschuldigt habe, doch keine Regierung h&auml;tte diese Worte je als offiziellen Standpunkt &uuml;bernommen. Man habe das stets als private &Auml;u&szlig;erungen abgetan. Auch dies sei Teil der fortgesetzten deutschen Schande, meinte Movassat.<\/p><p>Der Antrag der Linksfraktion sah neben einer Anerkennung des V&ouml;lkermords auch die Respektierung eines einstimmigen Beschlusses des namibischen Parlaments vor, der die Forderung nach Entsch&auml;digungen beinhaltet. Dazu wurde ein &bdquo;Dialog ohne Vorbedingungen&ldquo; gefordert.<\/p><p>Ein gemeinsamer Antrag von SPD und Gr&uuml;nen, der eine Reihe &auml;hnlicher Vorschl&auml;ge wie der der Linksfraktion enthielt, jedoch Wiedergutmachung  ausklammerte, wurde von CDU\/CDU und FDP ebenfalls abgelehnt. Die fr&uuml;here Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hatte zuvor daran erinnert, da&szlig; der namibische Bischof Kameeta bei einer Gedenkfeier im vergangenen September anl&auml;sslich der &Uuml;bernahme von 20 Totensch&auml;deln aus Namibia, die seit der Kolonialzeit zu medizinischen Zwecken in Berlin lagerten, einen eindringlichen Appell an die Deutschen gerichtet hatte. Darin forderte Kameeta: &ldquo;&Uuml;bernehmen Sie moralische und ethische Verantwortung f&uuml;r das, was vor hundert Jahren geschah, und sprechen Sie es unzweideutig aus.&ldquo; <\/p><p>Egon J&uuml;ttner vertrat f&uuml;r die Fraktion der CDU\/CSU die Auffassung, die Bundesregierung werde ihrer besonderen Verantwortung gegen&uuml;ber Namibia durch eine h&ouml;here Pro-Kopf-Entwicklungshilfe gerecht. Als Beispiele f&uuml;r die lebendigen Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia nannte er u.a. den wachsenden Tourismussektor mit &uuml;ber 80.000 deutschen Touristen pro Jahr.<\/p><p>Den manchmal vorgebrachten Einwand, die 1955 von der Bundesrepublik ratifizierte UN-V&ouml;lkermordskonvention gelte nicht r&uuml;ckwirkend, h&auml;lt der Hamburger Historiker und Genozidforscher J&uuml;rgen Zimmer h&auml;lt f&uuml;r unsinnig. Gegen&uuml;ber &bdquo;n-tv&ldquo; erkl&auml;rte er w&ouml;rtlich: &bdquo;Wenn man dieser Logik folgte, m&uuml;sste die Bundesregierung aus allen Stellungnahmen zum Holocaust das Wort &ldquo;V&ouml;lkermord&rdquo; streichen.&ldquo; Auch der Genozid an den Armeniern w&auml;re dann kein V&ouml;lkermord.<\/p><p>Ein B&uuml;ndnis, dessen ausf&uuml;hrliche Resolution von &uuml;ber 100 Organisationen unterzeichnet wurde, hatte drei Stunden vor der Bundestagsdebatte unter dem Motto &bdquo;V&ouml;lkermord verj&auml;hrt nicht&ldquo; vor dem Reichstagsgeb&auml;ude demonstriert. Die Resolution wird u.a. von der Informationsstelle S&uuml;dliches Afrika, der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, der J&uuml;dischen Stimme f&uuml;r einen gerechten Frieden in Nahost, dem Eine Welt Netzwerk in Hamburg und der Kirchlichen Arbeitsstelle S&uuml;dliches Afrika mitgetragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schwarz-gelbe Mehrheit des Bundestags ist auch weiterhin nicht bereit, den V&ouml;lkermord in der ehemaligen Kolonie Deutsch-S&uuml;dwestafrika als einen solchen zu bezeichnen. Sie lehnte am Donnerstagabend sowohl einen entsprechenden Antrag der Linksfraktion ab als auch einen inhaltlich weit weniger weitgehenden, der gemeinsam von Sozialdemokraten und Gr&uuml;nen kurzfristig eingebracht worden war. 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