{"id":1267,"date":"2006-05-08T13:45:23","date_gmt":"2006-05-08T11:45:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1267"},"modified":"2016-02-11T11:20:19","modified_gmt":"2016-02-11T10:20:19","slug":"nach-branchen-und-regionen-differenzierte-kombilohne-wie-soll-das-funktionieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1267","title":{"rendered":"Nach Branchen und Regionen differenzierte Kombil\u00f6hne &#8211; wie soll das funktionieren?"},"content":{"rendered":"<p>Der designierte SPD-Vorsitzende Kurt Beck will den differenzierten Einsatz von Kombil&ouml;hnen. In Branchen und Regionen, die keine h&ouml;here L&ouml;hne zahlen k&ouml;nnen, wie z. B. bei Spargelbauern, sollen Kombil&ouml;hnen m&ouml;glich sein, bei anderen nicht. Eine absurde Vorstellung, die vor allem etwas sagt &uuml;ber den &ouml;konomischen &bdquo;Verstand&ldquo; der f&uuml;hrenden Personen. Im folgenden finden Sie den einschl&auml;gigen und kritischen B&ouml;ckler Impuls. Vorweg noch einige Anmerkungen.<br>\n<!--more--><br>\nWie will man einen nach Branchen und Regionen differenzierten Kombilohn handhaben? Soll der pf&auml;lzische Spargelbauer den &ouml;ffentlichen Zuschuss erhalten, der mecklenburg-vorpommersche Rinderz&uuml;chter aber nicht? Und warum nicht die Kleiderfabrik oder die Schreinerei oder die Porzellanfabrik in der Pfalz oder am Niederrhein oder in Th&uuml;ringen? Wenn sie einen Zuschuss zum Lohn erhielten, w&auml;ren sie auch konkurrenzf&auml;higer. So sch&ouml;n eine Regelung des Kombilohns im Einzelfall aussieht, sie ist nicht zu handhaben. Au&szlig;erdem muss man ja wohl beachten, wer dann wieder den Zuschuss bezahlt. Das sind vor allem die Mehrwertsteuer- und Lohnsteuerzahler.<\/p><p>Becks Vorschl&auml;ge sind in Rettungsversuche aus der Misere, die uns die miserable Makropolitik auch dieser Bundesregierung beschert. W&uuml;rde unsere Wirtschaft brummen, dann h&auml;tten mehr Menschen Besch&auml;ftigung und es m&uuml;sste &uuml;ber so etwas Absurdes wie einen Niedriglohnsektor mit Kombil&ouml;hnen gar nicht philosophiert werden.<\/p><p>Und hier der<\/p><p><strong>B&ouml;ckler Impuls 06\/2006<\/strong><\/p><p>Kombil&ouml;hne<br>\n<strong>Viel Geld f&uuml;r wenig neue Jobs<\/strong><\/p><p>Lohnzusch&uuml;sse im Niedriglohnbereich schaffen kaum zus&auml;tzliche Arbeitspl&auml;tze f&uuml;r gering Qualifizierte. Eine fl&auml;chendeckende Einf&uuml;hrung von Kombil&ouml;hnen w&uuml;rde die &ouml;ffentlichen Haushalte enorm belasten. Einige Modelle k&ouml;nnten immerhin zur Armutsbek&auml;mpfung beitragen. Das zeigt der neue IMK-Report der Hans-B&ouml;ckler-Stiftung.<\/p><p>WSI und IMK, die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute der Hans-B&ouml;ckler Stiftung, haben nationale und internationale Erfahrungen mit Kombil&ouml;hnen ausgewertet. Ihr Fazit: &bdquo;Insgesamt fallen die Netto-Besch&auml;ftigungseffekte eher bescheiden aus. Mitnahme- und Verdr&auml;ngungseffekte schm&auml;lern die Besch&auml;ftigungswirksamkeit.&ldquo; Deutsche Kombilohnversuche &ndash; vom Mainzer bis zum Hamburger Modell &ndash; sind in der Vergangenheit auf wenig Resonanz gesto&szlig;en und verfehlten zum Teil ihre Zielgruppen. Doch auch der fl&auml;chendeckende Einsatz von Kombil&ouml;hnen in Frankreich und den USA l&ouml;st die Arbeitsmarktprobleme nicht. Dass die Therapie ihr Ziel verfehlt, liegt nach Ansicht der WSI- und IMK-Forscher an einer falschen Diagnose. <\/p><p><strong>G&auml;ngige Vorstellungen vom Niedriglohnsektor sind korrekturbed&uuml;rftig.<\/strong><\/p><p>Viele Kombilohn-Bef&uuml;rworter machen einen Mangel an Niedriglohnjobs f&uuml;r die hohe Arbeitslosigkeit unter gering Qualifizierten verantwortlich. Laut WSI und IMK eine Fehleinsch&auml;tzung: Tats&auml;chlich bestehe in Deutschland &bdquo;ein bedeutsamer Niedriglohnsektor, der sich zudem in den letzten Jahren permanent vergr&ouml;&szlig;ert hat, ohne dass sich die Besch&auml;ftigungschancen der Zielgruppe vergr&ouml;&szlig;ert h&auml;tten&ldquo;. Zudem entspreche der vermutete Zusammenhang zwischen Einkommens- und Qualifikationsniveau &ndash; wer wenig verdient, ist schlecht ausgebildet &ndash; nicht der Realit&auml;t: Weit mehr als die H&auml;lfte aller Niedriglohnbezieher hat eine Berufsausbildung oder sogar einen Hochschulabschluss. <\/p><p><strong>Mehr Billigjobs helfen nicht.<\/strong><\/p><p>Aus den empirischen Befunden zum Niedriglohnsektor folgern die Wissenschaftler: Weil in Deutschland insgesamt &ndash; also auch in mittleren und h&ouml;heren Lohn- und Gehaltsklassen &ndash; Arbeitspl&auml;tze fehlen, verdr&auml;ngen qualifizierte Arbeitskr&auml;fte Ungelernte aus schlecht bezahlten Positionen. Ein Mangel an Billig-Jobs  ist demnach nicht der Grund die Arbeitslosenquote gering Qualifizierter, die mehr als doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt. <\/p><p><strong>Das Globalisierungsargument taugt nicht.<\/strong><\/p><p>Zwar ist der Preis f&uuml;r einfache Arbeit &ndash; verglichen mit L&auml;ndern wie China &ndash; hierzulande recht hoch. Damit k&ouml;nne aber allenfalls die hohe Arbeitslosigkeit unter gering Qualifizierten erkl&auml;rt werden, jedoch nicht, dass sich auch viele gut ausgebildete Arbeitskr&auml;fte mit bescheidenen L&ouml;hnen begn&uuml;gen m&uuml;ssen. Tats&auml;chlich &uuml;bt &uuml;ber die H&auml;lfte der Niedriglohnbezieher &bdquo;eine eher qualifizierte T&auml;tigkeit&ldquo; aus. <\/p><p><strong>Die L&ouml;hne stehen bereits heute unter Druck.<\/strong><\/p><p>In einigen Dienstleistungsbranchen oder Regionen, vor allem in Ostdeutschland, werden Stundenl&ouml;hne von drei bis f&uuml;nf Euro gezahlt. Dies widerspricht der These, die deutschen L&ouml;hne w&uuml;rden nicht auf den gewachsenen Konkurrenzdruck reagieren. Das Gegenteil ist bei den &bdquo;Working Poor&ldquo; zu beobachten: Arbeit sch&uuml;tzt nicht mehr automatisch vor Armut. <\/p><p><strong>Die Arbeitsanreize reichen aus.<\/strong><\/p><p>Das Argument, der Lohnabstand (die Differenz zwischen Sozialleistungs- und Lohnniveau) sei zu gering, &uuml;berzeugt die Forscher ebenfalls nicht. Berechnungen des Instituts f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass viele Arbeitslose bereits bei einem Stundenlohn von 3,10 Euro besser dastehen w&uuml;rden als mit Sozialleistungsbezug. <\/p><p><strong>Lohnzur&uuml;ckhaltung wirkt nicht.<\/strong><\/p><p>Die Arbeitskosten haben sich in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland sowohl gemessen an den Gewinnen als auch im Vergleich zu anderen Industriel&auml;ndern sehr moderat entwickelt. Das Resultat sind nicht mehr, sondern weniger Jobs. Dies wiederum ist die Folge einer &bdquo;z&auml;hen Nachfrageschw&auml;che insbesondere beim privaten Verbrauch&ldquo;, so die Forscher. <\/p><p><strong>Hohe Kosten, aber keine neuen Jobs.<\/strong><\/p><p>Wenn die hohe deutsche Arbeitslosenquote jedoch nicht an zu hohen L&ouml;hnen liegt, dann k&ouml;nnen Kombil&ouml;hne &ndash; die aus Unternehmersicht wie eine Lohnsenkung wirken &ndash; auch keinen positiven gesamtwirtschaftlichen Besch&auml;ftigungseffekt haben, argumentieren WSI und IMK. &bdquo;Dann aber werden die fiskalischen Belastungen durch Kombil&ouml;hne zu einer schweren Hypothek f&uuml;r die &ouml;ffentliche Hand.&ldquo; Zumal die eingesetzten Mittel auch anderweitig verwendet werden k&ouml;nnten. Beispielsweise k&ouml;nnte das Geld statt f&uuml;r Lohnsubventionen f&uuml;r &ouml;ffentliche Investitionen ausgegeben werden, deren Wachstumseffekte &bdquo;weitgehend unumstritten&ldquo; seien. <\/p><p><strong>Kombil&ouml;hne k&ouml;nnen allenfalls einen Beitrag zur Armutsbek&auml;mpfung leisten.<\/strong><\/p><p>Zumindest von einigen der aktuell diskutierten Kombilohnmodelle versprechen sich die Forscher einen gewissen Nutzen &ndash; wenn sie auch nicht zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen w&uuml;rden. Das von den Gr&uuml;nen vorgeschlagene Progressivmodell, das Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen &ndash; &auml;hnlich wie das DGB-Modell &ndash; von Sozialbeitr&auml;gen entlastet, k&ouml;nnte Geringverdiener wenigstens vor Armut sch&uuml;tzen. Es w&uuml;rde in Kombination mit Mindestl&ouml;hnen beispielsweise die Situation derjenigen verbessern, die nach den Hartz-Gesetzen in eine &bdquo;Abw&auml;rtsspirale&ldquo; aus zugemuteter Arbeit und erneuter Arbeitslosigkeit mit niedrigeren Lohnersatzleistungen geraten sind. <\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2006_06_4-5.pdf\">Boeckler Impuls 06\/2006 [PDF &ndash; 256 KB]<\/a>\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der designierte SPD-Vorsitzende Kurt Beck will den differenzierten Einsatz von Kombil&ouml;hnen. In Branchen und Regionen, die keine h&ouml;here L&ouml;hne zahlen k&ouml;nnen, wie z. B. bei Spargelbauern, sollen Kombil&ouml;hnen m&ouml;glich sein, bei anderen nicht. Eine absurde Vorstellung, die vor allem etwas sagt &uuml;ber den &ouml;konomischen &bdquo;Verstand&ldquo; der f&uuml;hrenden Personen. 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