{"id":12670,"date":"2012-03-26T13:23:17","date_gmt":"2012-03-26T11:23:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12670"},"modified":"2015-02-08T11:13:33","modified_gmt":"2015-02-08T10:13:33","slug":"gescheiterte-strategie-und-die-spd-macht-weiter-damit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12670","title":{"rendered":"Gescheiterte Strategie &#8230; und die SPD macht weiter damit"},"content":{"rendered":"<p>Bisher dachte ich, unter den schlechten m&ouml;glichen drei SPD-Kanzler-Kandidaten sei Sigmar Gabriel noch der Beste. Diese Einsch&auml;tzung erweist sich mehr und mehr als verwegen. Der SPD-Vorsitzende Gabriel hat jetzt innerhalb von zwei Tagen gleich zweimal bewiesen, dass er das Scheitern der Strategie seiner Partei im Umgang mit m&ouml;glichen Koalitionen und bei der Anpassung an sachlich falsche Positionen (Schuldenbremse) nicht begreift und dieses Nichtbegreifen mit ma&szlig;loser &Uuml;bertreibung zu &uuml;bert&uuml;nchen versucht. Das ist schlimm, denn dann bleiben mit Steinmeier, Steinbr&uuml;ck und Gabriel nur noch drei schlechte Alternativen. Angesichts des Mangels an Chancen mit dieser Personalauswahl ist dann allerdings ihre Strategie, sich und ihre Partei als Juniorpartner zu verkaufen und auf politische Gestaltung zu verzichten, logisch. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Das ist die beste Rede, die ich bisher im Deutschen Bundestag geh&ouml;rt habe&ldquo;, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am vergangenen Freitag im Anschluss an die Antrittsrede des neuen Bundespr&auml;sidenten. Man kann Gaucks Rede ja gut finden, man kann darin neue T&ouml;ne finden, man kann allerdings auch entt&auml;uscht sein, wie zum Beispiel das <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/meinung\/kommentare\/kommentar-gaucks-rede-war-kein-grosser-wurf\/6365694.html\">Handelsblatt<\/a>: &bdquo;Ein gro&szlig;er Wurf war das nicht&ldquo;. (Ich komme auf die Rede in den n&auml;chsten Tagen noch einmal zur&uuml;ck). Auf jeden Fall ist die ma&szlig;lose &Uuml;bertreibung Gabriels des Parteivorsitzenden einer gro&szlig;en und traditionellen Partei wie der SPD unw&uuml;rdig. Gabriels Aussage ist unseri&ouml;s. <\/p><p>Gabriel will offensichtlich mit seiner &Uuml;bertreibung &uuml;bert&uuml;nchen, dass die Nominierung Gaucks durch die SPD (und die Gr&uuml;nen) sich jedenfalls aus Sicht seiner Partei als echte Pleite erweist. Denn der neue Bundespr&auml;sident wird als Konservativer und als Freund Angela Merkels wahrgenommen, als einer, der mit der SPD &bdquo;wenig am Hut hat&ldquo;. Typisch die Zuwendung des Kandidaten bei der Pr&auml;sentation am 19. Februar fast ausschlie&szlig;lich zur Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden. Gaucks Einlassung nach der Wahl zum Bundespr&auml;sidenten &ldquo;Ich habe ihr in die Augen geschaut&hellip;&ldquo; sagt alles &uuml;ber die emotionale Beziehung des Bundespr&auml;sidenten zur Bundeskanzlerin.<br>\nDie Wahl Joachim Gaucks wird sich &ndash; schon auf dem Weg zur Bundestagswahl 2013 &ndash; f&uuml;r die SPD als Fehlgriff erweisen.<\/p><p>Noch schlimmer ist der Fehlgriff im Umgang mit der Linkspartei und mit m&ouml;glichen Koalitionen. Die SPD mit Gabriel an der Spitze im Bund und mit Heiko Maas an der Saar haben sich selbst jede Option f&uuml;r ein progressives B&uuml;ndnis genommen. Gabriel versucht von der Verantwortung f&uuml;r das schlechte Abschneiden der SPD abzulenken, indem er die Schuld bei Lafontaine sieht. Auch hier wieder die ma&szlig;lose &Uuml;bertreibung, wenn er davon spricht, an der Saar gebe es eine Art &bdquo;Lafontaine-Romantik&ldquo;.<br>\nGabriel und mit ihm auch Heiko Maas und der Europapolitiker Jo Leinen bedienen damit die g&auml;ngigen Vorurteile gegen die Linkspartei und insbesondere gegen Oskar Lafontaine. Sie halten den Finger in den Wind und &auml;u&szlig;ern sich dann orientiert an der Windrichtung. Es ist wie fr&uuml;her im Umgang der SPD mit den Gr&uuml;nen. Die Ergebnisse sind entsprechend. In Hessen wurde auf diese Weise die Chance verspielt, mit Andrea Ypsilanti die Ministerpr&auml;sidentin zu stellen. In Nordrhein-Westfalen hat die SPD wegen der Verweigerung eines kleines Zugest&auml;ndnis an die Linke die Macht verloren. Im Saarland verzichtet sie wegen ihrer irrationalen Festlegung auf das Amt des Ministerpr&auml;sidenten und die Durchsetzung gemeinsamer Inhalte von SPD und Linkspartei. Sie hat der CDU mit der Festlegung auf eine Koalition mit ihr ma&szlig;geblich geholfen, das Scheitern ihres Jamaika-Abenteuers nicht nur ohne Bestrafung zu &uuml;berstehen, sondern dabei auch noch zu gewinnen. Die SPD hat mit der Koalitionsaussage f&uuml;r die gro&szlig;e Koalition die saarl&auml;ndische Ministerpr&auml;sidentin reingewaschen. Merken das Gabriel und Maas nicht?<\/p><p>Wenn man bei der Betrachtung etwas auf Distanz geht, dann ist die letzte Beobachtung &uuml;brigens die entscheidende analytische Beobachtung: mit der Aggression gegen die Linkspartei und gleichzeitiger Sympathiebekundungen f&uuml;r die CDU f&ouml;rdert die SPD die Sympathien f&uuml;r den konservativen Block und schm&auml;lert die Sympathien f&uuml;r die linke H&auml;lfte des politischen Spektrums. Im Saarland hat sich die SPD als CDU-F&ouml;rderverein erwiesen. In Hessen genauso. Im Bund wird die Wirkung &auml;hnlich sein. Der eigentliche Gewinner und die eigentliche Gewinnerin werden die CDU\/CSU und Frau Merkel sein.<\/p><p>Wenn &uuml;berhaupt eine strategische &Uuml;berlegung hinter dem Ganzen steckt, dann vermutlich jene, die Linkspartei in m&ouml;glichst vielen L&auml;ndern unter die 5 % zu dr&uuml;cken. Selbst wenn das in NRW gel&auml;nge, was haben Gabriel und die SPD damit im Bund erreicht? Die Entwertung des Restpotenzials an fortschrittlichen W&auml;hlerinnen- und W&auml;hlerstimmen und den eigenen Ausschluss aus der politischen Gestaltung im Bund! Ist das erstrebenswert?<\/p><p>Hinter dieser Art von Koalitionsstrategie steckt ein gravierender Fehler beim strategischen Denken insgesamt: Man darf, wenn man erfolgreich sein will, sich keine Themen und politischen Ziele ausdenken, die das eigene W&auml;hlerpotenzial spalten und das des politischen Gegners zusammenschwei&szlig;en. Die Festlegung auf eine Koalition mit der CDU wie auch die Aggression gegen die Linkspartei spaltet das eigene Potenzial und schwei&szlig;t die W&auml;hler der CDU zusammen.<\/p><p>Das Gleiche passiert &uuml;brigens auch durch die Themenauswahl, die diesen Wahlkampf mitbestimmt hat und nach der Aussage von Heiko Maas wesentlich war f&uuml;r die Ablehnung der Linkspartei: die Zustimmung zur gesetzlichen Festlegung einer Schuldengrenze durch die SPD. Die SPD F&uuml;hrung musste wissen und muss wissen, dass es in ihrem Bereich gen&uuml;gend W&auml;hlerinnen und W&auml;hler gibt, die diesen wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Kurs f&uuml;r grotesk halten. Dann gibt es welche, die dem konservativen Glaubensbekenntnis hinterher laufen, weil sie in den Medien fast nichts anderes h&ouml;ren.<\/p><p>Das Kernproblem der SPD scheint mir zu sein, dass sie endg&uuml;ltig jedes eigene Denken und Nachdenken &uuml;ber die Strategie vermeidet und sich an gemachten Stimmungen orientiert. Diese traditionelle Partei ist fremdbestimmt, von konservativen, neoliberal gepr&auml;gten Kr&auml;ften fremdbestimmt. Das ist ihr eigentliches und selbst verursachtes Elend.<\/p><p><strong>Der Weg zur n&auml;chsten Niederlage ist mit falschen Analysen der aktuellen Vorg&auml;nge gepflastert.<\/strong><\/p><p>Am Wahlabend konnte man diese immer wieder gemachte Erfahrung erneut best&auml;tigt sehen. Da wurde eine Umfrage, wonach &bdquo;nur&ldquo; ca. 25 % der SPD W&auml;hler f&uuml;r eine Koalition mit der Linken eintreten, so gedeutet: Daran sehe man ja, dass die SPD F&uuml;hrung mit ihrem Votum f&uuml;r die gro&szlig;e Koalition richtig liege.<br>\nDas ist eine abstruse Analyse. Es ist doch nicht verwunderlich, dass die verbliebenen 30 % der W&auml;hlerschaft, die SPD gew&auml;hlt haben, dann, wenn sie sich f&uuml;r eine SPD mit der Koalitionsaussage f&uuml;r die CDU entscheiden, diese Koalition mehrheitlich mittragen. Wenn man dieses bedenkt, dann m&uuml;sste man eigentlich merken, dass es beachtlich ist, dass immerhin noch 25 % dieser SPD Anh&auml;nger entgegen der Empfehlung der Parteif&uuml;hrung und der Mehrheit der Medien f&uuml;r eine Koalition mit der Linkspartei eintreten. Die Zahl ist erstaunlich hoch.<\/p><p>In jedem Fall zeigt auch diese Aufspaltung wieder, wie abenteuerlich und gef&auml;hrlich es ist, ein die SPD-W&auml;hlerschaft spaltendes Thema, zu einem der gro&szlig;en Themen des Wahlkampfes zu machen.<\/p><p>Mit der falschen Analyse wird die falsche Strategie gest&uuml;tzt und die n&auml;chste Niederlage programmiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher dachte ich, unter den schlechten m&ouml;glichen drei SPD-Kanzler-Kandidaten sei Sigmar Gabriel noch der Beste. Diese Einsch&auml;tzung erweist sich mehr und mehr als verwegen. 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