{"id":12676,"date":"2012-03-27T09:12:24","date_gmt":"2012-03-27T07:12:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12676"},"modified":"2015-02-08T11:14:48","modified_gmt":"2015-02-08T10:14:48","slug":"die-quote-voraussetzung-oder-hemmnis-fur-die-erfullung-des-offentlich-rechtlichen-programmauftrags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12676","title":{"rendered":"Die Quote: Voraussetzung oder Hemmnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Programmauftrags?"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem folgenden Beitrag setzen wir die mit dem Artikel von Erika Fuchs &bdquo;<a href=\"\/?p=12301\">Occupy WDR<\/a>&ldquo; auf den NachDenkSeiten angesto&szlig;ene Debatte &uuml;ber den Programmauftrag, &uuml;ber Qualit&auml;tsanspr&uuml;che und journalistisches Profil des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks fort. Der WDR-H&ouml;rfunkdirektor hat auf unserer <a href=\"\/?p=12363\">Website geantwortet<\/a> und unsere Autorin hat <a href=\"\/?p=12365\">kurz erwidert<\/a>. Die Diskussion &uuml;ber dieses medien- und kulturpolitisch wichtige Thema &ndash; angesto&szlig;en durch eine Programmreform des Kulturradiosenders WDR 3 &ndash;  hat inzwischen beachtlich gro&szlig;e Kreise gezogen: Fast 17.000 Interessierte unterzeichneten einen Offenen Brief einer neu gegr&uuml;ndeten Initiative f&uuml;r Kultur im Rundfunk, &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.die-radioretter.de\/cms\/front_content.php?client=1&amp;lang=1&amp;idcat=1&amp;idart=5\">Die Radioretter<\/a>&ldquo;.<br>\nDer &bdquo;Initiativkreis &Ouml;ffentlicher Rundfunk&ldquo; (I&Ouml;R) hat ein Symposion zum Thema &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ioer.org\/\">Was soll der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk f&uuml;r die Gesellschaft leisten?<\/a>&ldquo; veranstaltet. Gert Monheim hat uns sein dort gehaltenes Referat mit einer Kritik am Einfluss der Einschaltquote auf die <a href=\"\/?p=12591\">Programminhalte zur Verf&uuml;gung gestellt<\/a>. <strong>Dr. Manfred Kops<\/strong>, der Vorsitzende des I&Ouml;R, hat auf dieser Tagung ein Schlusswort gehalten, das wir in einer &uuml;berarbeiteten und erweiterten Fassung dokumentieren.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Quote als K&uuml;rzel f&uuml;r die programm- und medienpolitische Ausbalancierung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Programmauftrags<\/strong><\/p><p>Der Begriff der Quote ist heute in vielen Referaten angesprochen worden. Er wurde dabei meistens nicht im Sinn der Werbewirtschaft verstanden, als Einheit zur Mes&shy;sung (und Abgeltung) des Erfolgs von Werbebotschaften, sondern allge&shy;mei&shy;ner, sozu&shy;sagen als K&uuml;rzel f&uuml;r die programm- und medienpolitische Ausbalan&shy;cie&shy;rung des &ouml;ffent&shy;lich-rechtlichen Programmauftrags. Ich m&ouml;chte in meinem Schluss&shy;wort jetzt nicht auf die Inhalte der einzelnen Referate eingehen. Diese waren zu komplex, als dass man ihnen in den wenigen Minuten, die daf&uuml;r zur Verf&uuml;gung ste&shy;hen, gerecht werden k&ouml;nnte. Deutlich geworden ist f&uuml;r mich aber, dass die wissen&shy;schaft&shy;li&shy;chen Posi&shy;&shy;tionen und Befunde zum &ouml;ffent&shy;lich-rechtlichen Programm&shy;auftrag, wie sie unter anderem heute Vormittag entwickelt worden sind, st&auml;rker in die pro&shy;gramm- und medien&shy;po&shy;li&shy;tischen Entscheidungen ein&shy;flie&szlig;en sollten.<br>\nBei dieser Verkn&uuml;pfung von Theorie und Praxis besteht noch Luft nach oben. So beziehen sich ARD und ZDF in den medien&shy;poli&shy;ti&shy;schen Auseinandersetzungen gern &ndash; und auch zu Recht &ndash; auf die Argumente f&uuml;r einen staats- und kommerzfernen &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;li&shy;chen Rundfunk, wie sie das Bun&shy;des&shy;verfassungsgericht in seiner st&auml;n&shy;di&shy;gen Recht&shy;spre&shy;&shy;chung entwickelt hat; diese Argu&shy;mentation gilt uneingeschr&auml;nkt auch f&uuml;r die neuen Medien. Bei konkreten Pro&shy;gramm&shy;ent&shy;schei&shy;dun&shy;gen, etwa zur Ersetzung von Dokumentationen durch Talk&shy;for&shy;mate auf attrak&shy;&shy;&shy;ti&shy;ven Sendepl&auml;tzen oder zur Ausstrah&shy;lung von Boxk&auml;mpfen, schei&shy;nen die &ouml;f&shy;fentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten diese Argu&shy;mente aber doch h&auml;ufi&shy;ger aus dem Blick zu verlieren Ich kann da nur Herrn Monheim zustim&shy;men, der in <a href=\"\/?p=12591\">sei&shy;nem Referat<\/a> an konkreten Beispielen ein&shy;drucks&shy;voll dargelegt hat, wie die Quo&shy;ten&shy;&shy;orien&shy;tierung die Erf&uuml;llung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Pro&shy;grammauftrags er&shy;schwert. <\/p><p><strong>Die Bedeutung der Quote im dualen System<\/strong><\/p><p>Herr Monheim hat seine Kritik an der Quote dabei aus der Sicht eines Redakteurs, so&shy;zusagen aus der &ldquo;Innensicht&rdquo; entwickelt, beschr&auml;nkt auf die innerhalb der &ouml;ffent&shy;lich-rechtli&shy;chen S&auml;ule unserer dualen Rundfunkordnung wirk&shy;sa&shy;men Einfl&uuml;sse. Bei einer von au&szlig;en vorgenommenen Betrachtung, bei der der &ouml;ffentlich-rechtliche Rund&shy;funk nur eine der beiden S&auml;ulen dieser dualen Ordnung darstellt und bei der er auch durch die &ldquo;Performance&rdquo; der anderen, der kommerziellen S&auml;ule beeinflusst wird, lassen sich weitere Vorbehalte gegen&uuml;ber der Quote als Erfolgsma&szlig;stab &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;li&shy;cher Angebote erkennen, auf die ich hier gerne noch hin&shy;wei&shy;sen m&ouml;chte. Sie kn&uuml;pfen an einen Befund an, der wich&shy;tige Impli&shy;ka&shy;tionen f&uuml;r die Ausge&shy;stal&shy;tung des dualen Systems hat: Die pri&shy;vate und die &ouml;ffent&shy;lich-rechtliche S&auml;ule des dualen Sys&shy;tems sind mit&shy;ein&shy;ander ver&shy;bun&shy;den, sie h&auml;n&shy;gen mit&shy;einander zu&shy;sam&shy;men, und sie h&auml;n&shy;gen vonein&shy;an&shy;der ab. <\/p><p>Ver&auml;nderungen der kommerziellen S&auml;ule des dualen Systems be&shy;ein&shy;flus&shy;sen also auch den Funktionsauftrag der &ouml;ffentlich-recht&shy;lichen S&auml;u&shy;le, und sie ver&auml;ndern des&shy;sen M&ouml;glichkeiten, diesen Funktionsauftrag zu er&shy;f&uuml;l&shy;len. Wenn die Marktkr&auml;fte in der kom&shy;merziellen S&auml;ule st&auml;rker werden, wenn der Wett&shy;&shy;&shy;be&shy;werbs&shy;&shy;druck, vielleicht auch die Pro&shy;fitgier, zunehmen, so ver&shy;min&shy;dert dies den Beitrag, den die kommerzielle Seite zur freien Mei&shy;nungsbil&shy;dung und zur ge&shy;mein&shy;wohl&shy;orien&shy;tierten &ouml;ffentlichen Kommuni&shy;ka&shy;tion beisteuert. Dieser Beitrag ent&shy;spricht schon heute nicht mehr den optimistischen Er&shy;wartungen, die man&shy;che mit der Zulas&shy;sung privater Ver&shy;&shy;an&shy;stalter Mitte der Achtziger Jah&shy;re verbunden hat&shy;ten; eher haben sich die Bef&uuml;rchtungen derjenigen best&auml;&shy;tigt, die auf die Logik der M&auml;rkte, vor allem der aus Werbung finan&shy;zierten Medien&shy;m&auml;rk&shy;te hin&shy;ge&shy;wie&shy;sen und dar&shy;aus die Gefahr mangelnder Vielfalt und man&shy;gelnder Ge&shy;mein&shy;wohl&shy;aus&shy;richtung oder gar gemeinwohl&shy;sch&auml;d&shy;licher Ausrichtung ab&shy;ge&shy;leitet haben. Das waren &uuml;brigens nicht in erster Linie Wirtschafts&shy;wis&shy;sen&shy;&shy;schaft&shy;ler, die die Funk&shy;tions&shy;weise und -er&shy;geb&shy;nisse des Marktes be&shy;sonders gut kennen sollten, son&shy;dern vor allem Rechts&shy;wis&shy;sen&shy;schaft&shy;ler; auch die dies&shy;bez&uuml;g&shy;li&shy;chen Aus&shy;f&uuml;h&shy;rungen in den Rund&shy;funk&shy;ur&shy;tei&shy;len des Bundes&shy;ver&shy;fas&shy;sungs&shy;gerichts, da&shy;mals zum Teil als Schwarz&shy;&shy;malerei abge&shy;tan, haben sich im R&uuml;ck&shy;&shy;&shy;&shy;blick als realistisch und weit&shy;sichtig er&shy;wiesen. Heute wird das Pro&shy;gramm&shy;angebot der kom&shy;mer&shy;ziel&shy;len Rund&shy;funk&shy;veranstalter &ndash; trotz ein&shy;&shy;zel&shy;ner posi&shy;ti&shy;ver Aus&shy;nah&shy;men wie ich finde zu Recht &ndash; als insgesamt &ldquo;ver&shy;flacht&rdquo; oder gar &ldquo;ver&shy;dum&shy;mend&rdquo; kritisiert, vom &bdquo;Unterschichtfernse&shy;hen&ldquo; ist gar die Rede. Die vorliegenden empirischen Untersuchungen, z. B. der aktuelle Pro&shy;gramm&shy;bericht 2011 der Lan&shy;des&shy;me&shy;dien&shy;anstalten, st&uuml;t&shy;zen nach meiner Ansicht eine sol&shy;che Beur&shy;teilung, vor allem wenn man die privaten Angebote im Ver&shy;gleich zu den &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;lichen An&shy;ge&shy;&shy;boten oder auch in der Langzeit&shy;ent&shy;wick&shy;lung betrach&shy;tet. Ich glau&shy;be auch, dass die&shy;ses nega&shy;tive Urteil im Gro&szlig;en und Ganzen auch f&uuml;r die Telemedien gilt, auch wenn da&shy;zu noch keine &auml;hnlich langfristigen und stan&shy;dar&shy;di&shy;sier&shy;ten em&shy;pi&shy;ri&shy;schen Studien vor&shy;liegen wie f&uuml;r den linearen Rundfunk. Von daher d&uuml;rfte auch die Gew&auml;hr&shy;lei&shy;stungs&shy;aufgabe des &ouml;ffent&shy;lich-rechtlichen Rundfunks f&uuml;r die freie individuelle und &ouml;ffent&shy;liche Mei&shy;nungs&shy;bildung heute eher noch wichtiger sein als in fr&uuml;heren Zeiten des dualen Systems, in denen die Marktkr&auml;fte durch die pub&shy;li&shy;zi&shy;stische Ver&shy;ant&shy;wortung von Verlegern und priva&shy;ten Rundfunk&shy;ver&shy;an&shy;stal&shy;tern noch gez&auml;hmt wurden (deshalb ist mir &uuml;brigens der Begriff des &ldquo;dualen Systems&rdquo; nicht sonderlich sympathisch; er bringt nur zum Aus&shy;druck, dass es die beiden S&auml;ulen ei&shy;nes &ouml;ffentlich-rechtlichen und kom&shy;mer&shy;ziel&shy;len Rund&shy;funks gibt, nicht aber, dass sich &uuml;ber die Zeit die ge&shy;sell&shy;schaft&shy;liche Lei&shy;stungs&shy;f&auml;higkeit und Wirk&shy;kraft dieser beiden S&auml;ulen erheb&shy;lich ver&shy;&shy;&auml;n&shy;dern kann, und damit auch die Qua&shy;li&shy;t&auml;t der dualen Medien&shy;ord&shy;nung ins&shy;ge&shy;samt).<\/p><p><strong>Race to the Bottom oder Race to the Top?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk ist der r&uuml;ckl&auml;ufige publizistische Wert der kom&shy;mer&shy;ziellen Angebote eine zweischneidige Sache. Einerseits wird er da&shy;durch noch wich&shy;ti&shy;ger, er wird, wie es das Bun&shy;des&shy;&shy;ver&shy;fassungs&shy;gericht es formu&shy;liert hat, zu einer noch weniger ver&shy;zicht&shy;baren Voraussetzung daf&uuml;r, dass private An&shy;ge&shy;bote &uuml;ber&shy;haupt zuge&shy;las&shy;sen werden k&ouml;nnen. Er wird noch wich&shy;tiger f&uuml;r die Ge&shy;w&auml;hr&shy;leistung einer freien individuellen und &ouml;ffentlichen Mei&shy;nungs&shy;bildung, und er wird &ndash; ausge&shy;dr&uuml;ckt in der eher prag&shy;matischen Sprache der &Ouml;konomie &ndash; noch wichtiger f&uuml;r die Funk&shy;tions- und Leistungs&shy;f&auml;higkeit moderner medialer Gesellschaften.<\/p><p>Andererseits wird die Aufgabe des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rund&shy;funks da&shy;durch aber auch schwieriger. Seine Angebote m&uuml;ssen sich dann n&auml;mlich noch st&auml;rker von den kommerziellen Angeboten absetzen. Wenn sie das nicht tun, wenn sie dem Mas&shy;sen&shy;geschmack des Publi&shy;kums nachgeben und sich den kommerziellen Ange&shy;boten an&shy;glei&shy;chen, ma&shy;chen sie sich verwechselbar und verzichtbar. Sie tragen dann auch zum &ldquo;Race to the Bottom&rdquo; bei; zu dieser Wirkungsspirale, die sich ergibt, wenn die Re&shy;zep&shy;tion von wenig Gutem und wenig Gemein&shy;wohl&shy;orien&shy;tier&shy;tem (wenn&shy;gleich vom Rezi&shy;pien&shy;ten goutierten) zu einer Ver&shy;armung der Re&shy;zi&shy;pientenerwartungen f&uuml;hrt, die ihrer&shy;seits wieder durch noch schlech&shy;tere und noch weniger gemein&shy;wohl&shy;orien&shy;tier&shy;te (oder gar gemein&shy;wohl&shy;sch&auml;d&shy;&shy;&shy;liche) Inhalte bedient werden. Wenn sich die &ouml;ffentlich-recht&shy;&shy;lichen Angebote umgekehrt st&auml;rker von kommerziellen Angeboten absetzen, wenn sie ver&shy;su&shy;chen, das von den Privaten in Gang gesetzte &ldquo;Race to the Bottom&rdquo; auf&shy;zu&shy;hal&shy;ten und die von ihnen ausgehenden negativen gesellschaftlichen Wirkungen durch ein in Anspruch, Qualit&auml;t und Vielfalt erh&ouml;htes Angebot zu kompen&shy;sieren oder gar in ein &bdquo;Race to the Top&ldquo; umzukehren, so ent&shy;fer&shy;nen sich noch wei&shy;ter vom Mas&shy;sen&shy;geschmack, und sie verlieren dann wei&shy;ter an Publi&shy;kum. In einer Welt, in der der Zuspruch des Pub&shy;li&shy;kums, die Quote, als Ma&szlig;&shy;stab f&uuml;r die Qualit&auml;t, den Erfolg und die gesellschaftliche Akzep&shy;tanz von Me&shy;dien&shy;an&shy;ge&shy;bo&shy;ten betrachtet wird und in der die Poli&shy;tik anhand die&shy;ser Ma&szlig;&shy;st&auml;be &uuml;ber die Auslegung und Finanzierung des Pro&shy;gramm&shy;auf&shy;trags ent&shy;scheidet, l&auml;uft der &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;che Rundfunk Gefahr, sich durch eine sol&shy;che kompensatorische Programmpo&shy;litik selbst abzu&shy;schaffen. Medien&shy;&shy;politiker, die den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk auf ein elit&auml;res, &uuml;ber&shy;ambitioniertes Nischenprogramm beschr&auml;nken wollen, erh&ouml;hen diese Ge&shy;fahr.<\/p><p>Ebenso energisch ist aber auch denjenigen zu widerspre&shy;chen, die hohe Quoten als Aus&shy;druck und Voraussetzung f&uuml;r die Existenzberechtigung des &ouml;ffentlich-recht&shy;lichen Rundfunks betrachten. Angesichts des Aus&shy;&shy;einanderdriftens der beiden S&auml;ulen des dualen Systems kann heute nicht einmal mehr gefordert wer&shy;den, dass der &ouml;ffent&shy;lich-rechtliche Rundfunk die fr&uuml;her von ihm er&shy;reich&shy;ten Quoten ver&shy;teidigt. Das k&ouml;nnte er wegen der Ver&shy;&auml;n&shy;de&shy;run&shy;gen der kom&shy;merziellen Angebote &ndash; nicht nur des Rundfunks, son&shy;dern auch der ande&shy;ren Medien&shy;gattungen &ndash; nur, wenn er noch mehr Ab&shy;striche an sei&shy;nem Auf&shy;trag machen w&uuml;rde, durch viel&shy;f&auml;l&shy;&shy;ti&shy;ge und pub&shy;li&shy;&shy;zi&shy;stisch hochwertige Ange&shy;bote zur freien Meinungs&shy;bil&shy;dung im dua&shy;len System beizutragen.<\/p><p>Ver&shy;&auml;nde&shy;rungen des Quotenerfolgs &ouml;ffentlich-rechtlicher Angebote im Zeitablauf sind des&shy;halb auch kein Beleg f&uuml;r Ver&auml;nderungen ihrer Qualit&auml;t, noch sind sie Beleg f&uuml;r Ver&shy;&auml;n&shy;derungen ihres Programmanspruchs. Wertungen sind nur unter Ber&uuml;ck&shy;sich&shy;ti&shy;gung der ver&auml;nderten Performance der kom&shy;&shy;merziellen S&auml;ule und der (dadurch zum Teil verursachten) s&auml;kularen Ver&shy;&auml;nderun&shy;gen des Publikumsgeschmacks m&ouml;glich. <\/p><p>Unter Ber&uuml;ck&shy;sich&shy;&shy;tigung dieser strukturellen Faktoren des dualen Systems muss &ouml;ffent&shy;&shy;lich-rechtliches Programm immer wieder neu ausbalanciert werden zwi&shy;schen einem unter&shy;ambi&shy;tio&shy;&shy;nierten Angebot, das sich zu stark an den Pub&shy;li&shy;kums&shy;ge&shy;schmack (und damit zu&shy;gleich an das Angebot der Privaten) angleicht, und einem &uuml;ber&shy;am&shy;bi&shy;tio&shy;nierten Angebot, das nicht die von ihm zu erwartenden und erzielbaren gesell&shy;schaft&shy;lichen Wir&shy;kungen ent&shy;fal&shy;tet, weil es zu wenige B&uuml;rger erreicht. Diese Notwendigkeit zur Ausbalancierung ist grund&shy;s&auml;tz&shy;lich seit langem erkannt und aus&shy;f&uuml;hr&shy;lich the&shy;ma&shy;tisiert wor&shy;den. Die Kommuni&shy;ka&shy;tions&shy;&shy;&shy;wis&shy;senschaftler Rowland und Tracey haben sie schon 1989 in ihrem Aufsatz &ldquo;Selbstmord aus Angst vor dem Tod&rdquo; treffend beschrie&shy;ben. Die Passage zwischen Skylla und Charybdis ist heute aber noch enger gewor&shy;den und f&uuml;r den &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;lichen Rundfunk noch schwe&shy;rer bestimmbar.<\/p><p><strong>Die Arithmetik der Kaigasse<\/strong><\/p><p>Die dahinter stehende Optimierungsaufgabe l&auml;sst sich gut mit der Arithmetik der Kai&shy;gasse beschreiben, die allen K&ouml;lnern gel&auml;ufig ist, zu&shy;mal so kurz nach Karneval. Die lautet im Text des Lieds von Willi Ostermann: &ldquo;Drei mol Null is Null&rdquo;. &Uuml;bersetzt auf unser Thema: Wenn drei Zuschauer ein Pro&shy;gramm rezipieren, das keinerlei &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;li&shy;chen Mehrwert besitzt, ist das Ergeb&shy;nis f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rund&shy;funk nutzlos, genauer: dann brau&shy;chen wir ihn nicht. Das gilt gleicherma&szlig;en auch f&uuml;r &ldquo;Drei&shy;tausend mol Null&rdquo;, f&uuml;r &ldquo;Drei Milli&shy;onen mol Null&rdquo; (was etwa das doppelte an Zu&shy;schauern w&auml;re, die Tho&shy;mas Gott&shy;schalk derzeit mit seinem Vorabend&shy;talk er&shy;reicht), und f&uuml;r &ldquo;30 Millionen mol Null&rdquo; (was etwa der Publikumsgr&ouml;&szlig;e entspricht, die heute noch mit den quo&shy;ten&shy;tr&auml;ch&shy;tigsten Sport&shy;&uuml;bertra&shy;gun&shy;gen erreicht wer&shy;den kann). <\/p><p>Das gleiche Ergebnis ergibt sich aller&shy;dings auch, wenn man die Mengenkomponente und die Wertkomponente um&shy;kehrt: &ldquo;Null mol Drei&rdquo; ist ebenfalls Null, sprich: Auch ein Programm, dessen Inhalte dem &ouml;ffent&shy;lich-rechtlichen Programmauftrag entsprechen, aber von nieman&shy;dem rezi&shy;piert wer&shy;den, ist f&uuml;r den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rund&shy;funk &ndash; und man muss hinzuf&uuml;gen: auch f&uuml;r die Gesellschaft &ndash; nutzlos. Gleiches gilt Ange&shy;bote mit einer zehn- oder hundertmal h&ouml;heren Wertkomponente, die von nieman&shy;dem zur Kenntnis genommen wer&shy;den: Auch &ldquo;Null mol 30&rdquo; und &ldquo;Null mol 300&rdquo; ist Null. Dieses Gesetz der K&ouml;lner Kai&shy;gasse ist &uuml;brigens auch in der Finanz&shy;wis&shy;&shy;sen&shy;schaft bekannt &ndash; als soge&shy;nann&shy;tes &ldquo;Swift&shy;sches Steuer&shy;einmaleins&rdquo;, das besagt, dass mit einem (ich sage mal wieder: unter&shy;am&shy;bitio&shy;nierten) Einkommen&shy;steuer&shy;satz von 0 % selbst eine riesige B&uuml;rger&shy;schaft kein Steuer&shy;auf&shy;kommen aufbringt, eben&shy;so wenig aber auch bei einem (offen&shy;sicht&shy;lich &uuml;ber&shy;&shy;&shy;am&shy;bi&shy;tio&shy;nierten) Steuer&shy;satz von 100 % (bei dem kein B&uuml;rger mehr bereit ist, steuerpflichtige Eink&uuml;nfte zu erwirt&shy;schaf&shy;ten). <\/p><p>Wie dort geht es auch bei der Ausgestaltung des &ouml;ffentlich-rechtlichen Pro&shy;gramm&shy;auf&shy;trags offensichtlich um eine Optimierung des Produktes aus einer Wertkom&shy;po&shy;nente und einer Mengenkomponente. Insofern ist auch richtig, dass Informationen &uuml;ber den Quotenerfolg von Sendungen hilfreich sind. Aber man sollte hinzuf&uuml;gen, dass sie in die Irre f&uuml;hren, wenn sie den einzigen Ma&szlig;stab f&uuml;r die Programmplanung bilden. <\/p><p>In der Praxis ist die Optimierung des Produkts von Wert- und Mengenkomponente aus meh&shy;re&shy;ren Gr&uuml;n&shy;den auch eine &auml;u&szlig;erst schwierige Auf&shy;gabe. Unstrittig ist zwar, dass bei einem &uuml;ber&shy;am&shy;&shy;&shy;bi&shy;&shy;tio&shy;nier&shy;&shy;ten Programmangebot, das so weit vom Publikums&shy;ge&shy;schmack ent&shy;fernt ist, dass es von niemandem rezipiert wird, eine Ab&shy;&shy;sen&shy;kung der Wertkomponente erfor&shy;der&shy;lich ist; und ebenso unstrittig ist, dass bei einem unter&shy;ambi&shy;tio&shy;nierten Pro&shy;gramm&shy;an&shy;gebot, das sich in keiner Weise von den An&shy;ge&shy;boten der Pri&shy;va&shy;ten unterscheidet, die Wert&shy;kom&shy;po&shy;nente erh&ouml;ht werden muss. In&shy;ner&shy;halb dieser Grenz&shy;f&auml;lle ist der trade-off aber schwer. Ob und wie ein Programm statt einem Pro&shy;dukt von 0 (wie es f&uuml;r die Grenz&shy;formen &ldquo;drei mol Null&rdquo; und &ldquo;null mol drei&rdquo; anfiele) zum Beispiel ein Produkt von 2 (&ldquo;Ein mol zwei&rdquo;) oder 4 (&ldquo;Zwei mol zwei&rdquo;) erreichen kann, oder sogar ein Produkt von 4,095 (&ldquo;2,1 mol 1,95&rdquo;), ist schwer zu sagen. Daf&uuml;r m&uuml;sste z. B. gekl&auml;rt sein, ob die Abstriche am &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen Pro&shy;&shy;&shy;&shy;gramm&shy;auf&shy;trag, die mit einer &ldquo;Boulevardi&shy;sie&shy;rung&rdquo; von Nachrichtensendungen ver&shy;bun&shy;&shy;den sind, durch eine zugleich erh&ouml;hte Quote kompensiert oder gar &uuml;ber&shy;kom&shy;&shy;pen&shy;siert werden. Dass konsensuale Ent&shy;schei&shy;dun&shy;gen auf diesem Wege getroffen werden k&ouml;nnten, ist illusorisch angesichts der gro&shy;&szlig;en Meinungsunterschiede &uuml;ber den publi&shy;zi&shy;stischen Wert von Medieninhalten und -formaten und angesichts der gra&shy;vie&shy;ren&shy;den metho&shy;di&shy;schen Schwierigkeiten, die mit der Operationalisierung der Wert&shy;kom&shy;po&shy;nente, aber auch der Mengenkompo&shy;nente, verbunden sind.<\/p><p><strong>Audience-Flow und Senderbindung als Argumente f&uuml;r die Quote<\/strong><\/p><p>Diese Schwierigkeiten erh&ouml;hen sich noch dadurch, dass alle Programmangebote sich auf die Wert- und Mengenkomponenten anderer Programm&shy;an&shy;gebote auswirken. So kann eine ein&shy;schalt&shy;starke Unterhal&shy;tungssendung, die selbst kei&shy;nen &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen Mehrwert transpor&shy;tiert und gem&auml;&szlig; der &ldquo;Drei mol Null-Regel&rdquo; der Kaigasse keinen Platz im &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen Rundfunk haben d&uuml;rfte (die &Uuml;bertragung eines Boxkampfes?), die Zuschauerschaft, die &bdquo;Men&shy;gen&shy;komponente&ldquo; einer daran an&shy;schlie&shy;&szlig;enden Sendung mit hoher Wert&shy;komponente (&ldquo;Das Wort zum Sonn&shy;tag&rdquo;?) erh&ouml;hen. Wenn sie durch diesen Audience-Flow indirekt eben&shy;&shy;falls einen Beitrag zum &ouml;ffent&shy;lich-rechtlichen Pro&shy;gramm&shy;&shy;auf&shy;trag leistet, kann sie als Bestandteil des &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen Ange&shy;botes gerecht&shy;fer&shy;tigt sein. &Auml;hnlich kann f&uuml;r Angebote argu&shy;mentiert wer&shy;den, die dem Image oder der Senderbin&shy;dung der &ouml;ffentlich-rechtlichen Anstal&shy;ten die&shy;nen (Sport&uuml;ber&shy;tra&shy;gun&shy;gen?) &ndash; und damit indirekt ebenfalls zur Erh&ouml;hung der Zu&shy;schau&shy;er- und Zuh&ouml;rerschaft derjenigen ihrer Ange&shy;bote beitragen, die einen hohen &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;lichen Mehrwert bieten.<\/p><p>Dieses Argument verliert erst seine Berechtigung, wenn sich die Mediennutzer ihre Inhalte jeden Tag und jede Minute neu zusammenstellen, wenn ihr Nutzungs&shy;ver&shy;hal&shy;ten nicht mehr von Ge&shy;wohn&shy;hei&shy;ten und Erfahrungen mit fr&uuml;heren Nutzungen be&shy;ein&shy;flusst wird, wenn der &bdquo;relevant set&ldquo; nicht 10, sondern 100 oder 500 Anbieter umfasst. In die&shy;sem Sinn &bdquo;perfekte M&auml;rkte&ldquo;, auf denen &bdquo;homogene&ldquo; G&uuml;ter ohne Such&shy;kosten aus&shy;ge&shy;tauscht werden, wird es f&uuml;r die Medien aber nie geben (nicht einmal f&uuml;r die neuen audio&shy;visuellen Dienste, bei denen die Transaktionskosten zur Reduzie&shy;rung von Infor&shy;ma&shy;tionsasymmetrien geringer sind als beim linearen Rund&shy;funk). Weil Teile der Medien immer &bdquo;Ver&shy;trau&shy;ens&shy;g&uuml;ter&ldquo; bleiben werden, deren Qualit&auml;t die Nutzer nicht direkt beurteilen k&ouml;nnen, werden bei ihrer Auswahl immer auch die Er&shy;fah&shy;rungen ein&shy;be&shy;zo&shy;gen werden (m&uuml;ssen), die die Nutzer mit fr&uuml;heren Angebo&shy;ten ge&shy;macht haben; inso&shy;fern wird die Reputation der Anbieter, man k&ouml;nnte auch sagen: die An&shy;bieter- bzw. Sen&shy;derbindung, stets eine Rolle spielen, und insofern wird es auch immer be&shy;rech&shy;tigt bleiben, dass der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk Angebote, die ei&shy;nen hohen Public Value bieten, aber nur kleine Publika erreichen, mit Angebo&shy;ten kom&shy;&shy;&shy;bi&shy;&shy;niert, die sich von kommerziellen Angeboten kaum oder auch &uuml;berhaupt nicht unter&shy;&shy;&shy;scheiden, aber breite Publika ansprechen. &bdquo;Anf&uuml;ttern&ldquo; nennt man das in der Ang&shy;&shy;ler&shy;sprache. Dieses Ergeb&shy;nis l&auml;sst sich sowohl mit der vom Bun&shy;&shy;desverfassungs&shy;ge&shy;&shy;richt ent&shy;wickel&shy;ten Rechtsfigur der Grundversorgung (im Sinn von Vollversorgung) ver&shy;&shy;ein&shy;baren als auch mit der in den Wirtschaftswissenschaften &uuml;blichen Begr&uuml;ndung jeder nicht-markt&shy;lichen G&uuml;ter&shy;bereit&shy;stellung aus der Existenz von &ldquo;Marktm&auml;ngeln&rdquo;. Wenn man genau hinschaut und bei der Bestimmung solcher M&auml;ngel die Befunde anderer Wis&shy;sen&shy;schaften, etwa der Publizistikwissenschaft, zur Kenntnis nimmt, f&uuml;hrt die&shy;se &ouml;ko&shy;no&shy;mische Heran&shy;gehens&shy;weise n&auml;mlich keinesfalls zu einem &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen &ldquo;Nischen&shy;rundfunk&rdquo;, der nur das anbieten darf, was als nicht profitabel in den kom&shy;mer&shy;ziellen Angeboten fehlt. <\/p><p><strong>Anf&uuml;ttern ja, aber nur mit vertretbaren Streuverlusten<\/strong><\/p><p>Aufgrund der methodischen Schwierigkeiten, die Bedeutung von Audience-Flow und Sen&shy;derbindung zu messen, ist es gleichwohl strittig, in welchem Umfang ein solches &bdquo;Anf&uuml;ttern&ldquo; stattfinden sollte. Bisweilen wird das Argument wohl &uuml;berzogen, um Pro&shy;gramm&shy;entscheidungen, die ausschlie&szlig;lich der Quoten&shy;maxi&shy;mie&shy;&shy;rung die&shy;nen, kompati&shy;bel zu machen mit den ver&shy;&shy;&shy;fas&shy;sungs&shy;&shy;recht&shy;lichen Anforderun&shy;gen an &ouml;ffentlich-rechtli&shy;che Angebote. Zweifelhaft wird das vor allem dann, wenn die Fr&uuml;chte einer h&ouml;he&shy;ren An&shy;bindung an die &ouml;ffentlich-recht&shy;li&shy;chen Voll&shy;pro&shy;gramme gar nicht mehr geern&shy;tet wer&shy;den k&ouml;nnen, weil die spezifisch &ouml;ffent&shy;lich-recht&shy;li&shy;chen Pro&shy;gramm&shy;angebote in Spar&shy;ten&shy;kan&auml;le oder Digi&shy;tal&shy;kan&auml;le aus&shy;ge&shy;la&shy;gert wor&shy;den sind. In einem Teich, in dem es keine Fische mehr gibt, w&uuml;rde es auch keinen Sinn mehr machen, an&shy;zuf&uuml;t&shy;tern. Anders formuliert: Die mit einer Verstopfung von attraktiven Sendepl&auml;tzen, auf denen nur noch &bdquo;angef&uuml;ttert&ldquo; wird (Vorabendprogramm, Prime Time, langes Sportwochenende), verbundenen &bdquo;Streuverluste&ldquo; sind dann unvertret&shy;bar hoch, weil genau diese Sendepl&auml;tze zugleich f&uuml;r die Programme nicht mehr zur Verf&uuml;gung stehen, mit denen der &ouml;ffentlich-rechtliche Programmauftrag am besten erf&uuml;llt werden k&ouml;nnte.<\/p><p>Hinzu kommt, dass der Nutzen bestimmter Programmangebote sich erst im Lauf der Zeit erschlie&szlig;t, manchmal erst nach der ein- oder auch mehr&shy;&shy;&shy;&shy;maligen Wiederholung, oder\/und erst im Zuge einer &ldquo;Anschluss&shy;kom&shy;mu&shy;ni&shy;kation&rdquo; &uuml;ber andere Medien, etwa &uuml;ber die Presse oder &uuml;ber Blogs im Inter&shy;net. Deutlich wird dies zum Beispiel bei Gesundheits&shy;magazinen, die medizinische Erkenntnisse pub&shy;&shy;&shy;li&shy;&shy;&shy;zieren und deren Ver&shy;brei&shy;tung und Verwertung f&ouml;rdern, bei investigativen poli&shy;ti&shy;schen Ma&shy;ga&shy;zinen, die gesellschaftliche Missst&auml;nde auf&shy;decken und &ndash; etwa nach inten&shy;siver Dis&shy;kus&shy;sion in den Print&shy;medien und ihrer Diffu&shy;sion in den politischen Raum &ndash; deren Beseiti&shy;gung vorbereiten, oder auch bei den &ouml;ffentlich-rechtlichen Kulturwellen, deren zah&shy;len&shy;m&auml;&shy;&szlig;ig klei&shy;ne Publika viele Multi&shy;plikatoren umfassen, die die Kulturszene, das kul&shy;turelle Leben insgesamt, we&shy;sent&shy;lich beein&shy;flus&shy;sen. Die aktuelle Debatte um die Reform des WDR 3 H&ouml;rfunkprogramms liefert hierzu zahlreiche Einsichten. <\/p><p>Die mittelbaren Wirkungen dieser Ange&shy;bo&shy;te gehen also weit &uuml;ber den Kreis der Re&shy;zi&shy;pien&shy;ten hinaus, sie erreichen und beg&uuml;n&shy;sti&shy;gen wesentlich mehr Personen, als es in der Quote zum Ausdruck kommt, m&ouml;glicherweise alle B&uuml;rger des Landes. Also 80 Millionen bei einem Programm, das eine Quote von vielleicht 100.000 Zuh&ouml;rern oder Zuschauern erzielt hat! Auf die damit verbundene Unter&shy;schei&shy;dung zwi&shy;schen dem vom Markt be&shy;dienten &bdquo;Konsu&shy;menten&shy;nutzen&ldquo; und dem vom Markt ver&shy;nach&shy;l&auml;ssigten &bdquo;B&uuml;rger&shy;nutzen&ldquo; der Medien habe ich an anderer Stelle aufmerksam ge&shy;macht, eben&shy;falls auf die sich daraus ergebenden Verpflichtungen des &ouml;ffentlich-recht&shy;lichen Rund&shy;funks, seinen Programm&shy;ent&shy;scheidungen eben nicht die Zahl der direkt erreichten &bdquo;Konsumenten&ldquo; zugrunde zu legen. Auch aus dieser Perspektive wird deutlich, dass die Quote selbst als Ma&szlig;stab f&uuml;r die Men&shy;gen&shy;komponente der An&shy;ge&shy;&shy;bote wenig taugt, und dass sie eine Programm&shy;politik, die sich auf diesen Ma&szlig;stab bezieht, fehlleitet.<\/p><p><strong>Schluss mit dem Quatsch der Quote<\/strong><\/p><p>Dass die Quote die Entscheidungen vieler Programmverantwortlicher noch immer (oder immer mehr?) beeinflusst, ist angesichts all die&shy;ser M&auml;ngel erstaunlich. Es wird Zeit, diese Unsitte zu beenden, vor allem bei den &ouml;ffentlich-rechtlichen An&shy;bietern, aber auch bei den kommerziellen Anbietern, die schlie&szlig;lich eben&shy;&shy;&shy;falls gesell&shy;schaft&shy;li&shy;chen Zielen verpflichtet sind. Die verschiedenen wissenschaft&shy;lichen Dis&shy;zi&shy;plinen, die sich mit der Operationalisierung der Mengen- und Wert&shy;kom&shy;po&shy;nente medialer Ange&shy;bote befasst haben, und auch die Methodiker, die an der empiri&shy;schen Messung die&shy;ser Kon&shy;zepte gearbeitet haben, sind dazu aufgerufen, ihre &Uuml;ber&shy;legungen st&auml;rker mit&shy;ein&shy;ander zu verzahnen und Ma&szlig;&shy;zahlen zu entwickeln, die den ge&shy;sellschaftlichen Wert, den Public Value der Medien, ausdr&uuml;cken. Der &ouml;ffentlich-recht&shy;liche Rundfunk sollte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen, auch im eigenen Inte&shy;resse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem folgenden Beitrag setzen wir die mit dem Artikel von Erika Fuchs &bdquo;<a href=\"\/?p=12301\">Occupy WDR<\/a>&ldquo; auf den NachDenkSeiten angesto&szlig;ene Debatte &uuml;ber den Programmauftrag, &uuml;ber Qualit&auml;tsanspr&uuml;che und journalistisches Profil des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks fort. Der WDR-H&ouml;rfunkdirektor hat auf unserer <a href=\"\/?p=12363\">Website geantwortet<\/a> und unsere Autorin hat <a href=\"\/?p=12365\">kurz erwidert<\/a>. Die Diskussion &uuml;ber dieses medien- und kulturpolitisch<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12676\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[41,161],"tags":[313,1255,1552],"class_list":["post-12676","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienanalyse","category-wertedebatte","tag-oerr","tag-einschaltquote","tag-wdr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12676"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12676\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12678,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12676\/revisions\/12678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}