{"id":126866,"date":"2025-01-07T13:00:55","date_gmt":"2025-01-07T12:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126866"},"modified":"2025-01-07T16:39:47","modified_gmt":"2025-01-07T15:39:47","slug":"der-kampf-um-die-ostsee-wie-der-westen-russland-den-meerzugang-sperren-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126866","title":{"rendered":"Der Kampf um die Ostsee: Wie der Westen Russland den Meerzugang sperren will"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. Dezember 2024 enterte die finnische K&uuml;stenwache den Tanker &bdquo;Eagle S&ldquo;. Er war mit Erd&ouml;l beladen aus dem russischen Hafen Ust-Luga ausgelaufen und auf dem Weg ins &auml;gyptische Port Said. Die finnischen Beh&ouml;rden werfen der Crew, die aus georgischen und indischen Staatsb&uuml;rgern besteht, vor, mit dem Anker des Schiffes das zwischen Estland und Finnland verlaufende Stromkabel &bdquo;EstLink 2&ldquo; besch&auml;digt zu haben. Der 20 Jahre alte Tanker f&auml;hrt f&uuml;r ein in den Vereinigten Arabischen Emiraten registriertes Unternehmen unter der Flagge der Cook Islands. Der Vorgang steht sinnbildlich f&uuml;r eine neue maritime Front, die die NATO im Kampf gegen Russland er&ouml;ffnet hat. Von <strong>Hannes Hofbauer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9760\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-126866-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=126866-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250107_Der_Kampf_um_die_Ostsee_Wie_der_Westen_Russland_den_Meerzugang_sperren_will_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vor zehn Jahren hatte derselbe Tanker &ndash; damals unter anderem Namen &ndash; vor der chilenischen K&uuml;ste ein Verbindungskabel zu einem Terminal zerst&ouml;rt, was zum Auslaufen einer gr&ouml;&szlig;eren Menge Roh&ouml;l f&uuml;hrte. Im M&auml;rz 2024 wurden durch den sinkenden britischen Frachter Rubymar mehrere Unterseekabel im Roten Meer zerst&ouml;rt, was den digitalen Datentransfer stark beeintr&auml;chtigte. Zeitgleich fielen eine Reihe von Untersee-Glasfaserkabeln vor der Westk&uuml;ste Afrikas aus, ohne dass die Ursachen bekannt geworden w&auml;ren. Sch&auml;den an Seekabeln sind also keine Seltenheit, ganz im Gegensatz zur Kaperung von Schiffen, insbesondere in der Ostsee.<\/p><p>Das Verschleppen der &bdquo;Eagle S&ldquo; durch staatliche Organe auf den finnischen Ankerplatz Svartb&auml;ck ist ein &auml;u&szlig;erst ungew&ouml;hnlicher Vorgang. Es k&ouml;nnte der Auftakt einer neuen, maritimen Front im Kampf der NATO gegen Russland sein. In der Auseinandersetzung um offenen Meerzugang kann Russland &uuml;brigens auf eine 550-j&auml;hrige Geschichte zur&uuml;ckblicken.<\/p><p><strong>Vom EU-&Ouml;lpreisdeckel zur russischen Schattenflotte<\/strong><\/p><p>Es begann mit dem 6. Sanktionspaket. In diesem hatte die EU-Kommission am 3. Juni 2022 &ndash; wie immer ohne Befassung der nationalen Parlamente &ndash; ein Verbot beschlossen, &bdquo;Roh&ouml;l und bestimmte Erd&ouml;lerzeugnisse, die ihren Ursprung in Russland haben oder aus Russland ausgef&uuml;hrt wurden, unmittelbar oder mittelbar zu kaufen, einzuf&uuml;hren oder in Mitgliedstaaten zu verbringen sowie ein Verbot der Versicherung oder der R&uuml;ckversicherung des Transports dieser G&uuml;ter auf dem Seeweg in Drittl&auml;nder.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Nach einer &Uuml;bergangsfrist ist diese Ma&szlig;nahme im Dezember 2022 in Kraft getreten.<\/p><p>Funktioniert hat sie nicht, vor allem deshalb, weil die Kontrolle, wohin russisches Erd&ouml;l geliefert wurde, nicht gelungen ist und wohl auch nicht gelingen kann. Und Versicherungsverbote sind auf dem Weltmarkt der Versicherer von Br&uuml;ssel aus auch nicht zu &uuml;berwachen. Also versuchte man die Sanktionsschrauben gegen russische &Ouml;lexporte st&auml;rker anzuziehen &ndash; und mehr L&auml;nder in den Wirtschaftskrieg gegen Moskau hineinzuziehen. Zusammen mit den G 7 gelang ein besonderer &ouml;konomischer Schurkenstreich. Nach kurzen Verhandlungen verfielen Experten auf eine reichlich absurde Idee: Russisches Erd&ouml;l sollte auf dem Weltmarkt nur mehr verkauft werden d&uuml;rfen, wenn der Preis 60 US-Dollar pro Barrel nicht &uuml;berstieg, die polnische Regierung tr&auml;umte sogar von 40 US-Dollar. Mit anderen Worten: f&uuml;r Energie aus Erd&ouml;l, sobald diese aus russischer F&ouml;rderung stammte, wurde von den G 7 unter F&uuml;hrung der EU ein politischer Preis diktiert, den auch Indien, China, Indonesien und der Globale S&uuml;den einhalten m&uuml;ssten. Wer sich das ausgedacht hat, h&auml;tte bei der sowjetischen F&uuml;nfjahresplanung eine steile Karriere gemacht, in der kapitalistischen Wirklichkeit des unregulierten Weltmarktes glich der Plan einer Verh&ouml;hnung der allgemeinen Spielregeln. Entsprechend konnten die Folgen beobachtet werden, wenn z.B. ein indischer Tanker in Rotterdam anlandete und dort Erd&ouml;l in die Leitung pumpte, die nach Deutschland f&uuml;hrte. Woher die Ladung stammte, war schwer zu bestimmen, sicherlich nicht aus Indien.<\/p><p>Die russische Antwort auf den westlichen &Ouml;lpreisdeckel lie&szlig; nicht lange auf sich warten. Griechische und andere Reedereien warteten nur darauf, ihre Tanker unter allerlei bunten Flaggen mit russischem &Ouml;l zu bef&uuml;llen, entweder direkt in den H&auml;fen der Ostsee oder indem das &Ouml;l auf hoher See umgepumpt wurde. Geworden ist daraus in wenigen Wochen eine 600 Frachter umfassende Schattenflotte f&uuml;r Roh&ouml;l. Das entspricht ca. einem Viertel der weltweit vorhandenen Kapazit&auml;ten. Wie Konkurrenz gerade auch in diesem Fall unser Wirtschaftssystem belebt, beschreibt der stellvertretende Generalsekret&auml;r f&uuml;r maritime Angelegenheiten im estnischen Ministerium, Kaupo L&auml;&auml;nerand, resigniert: &bdquo;Als ein Land sich auf Druck der USA weigerte, Schiffe der Schattenflotte unter seiner Flagge zu registrieren, erkl&auml;rte sich ein anderer Staat sofort bereit, diese Schiffe unter seine Jurisdiktion zu nehmen. Dadurch flie&szlig;en Steuern und Geb&uuml;hren, und es findet sich immer ein Land, das sich zur Aufnahme solcher Schiffe unter seine Jurisdiktion bereiterkl&auml;rt.&ldquo;[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>In Reaktion auf den Misserfolg agiert Br&uuml;ssel wie gehabt nach dem Motto &bdquo;mehr vom Gleichen&ldquo; und beginnt seit Dezember 2024, einzelne Tanker, denen sie die Umgehung der Sanktionen vorwirft &ndash; warum sollten sie sich auch an EU- bzw. G-7-Sanktionen halten? &ndash;, auf schwarze Listen zu setzen. Ihnen wird die Anlandung in H&auml;fen der EU verboten. Mit dem 15. Sanktionspaket vom 16. Dezember 2024 wuchs diese Liste auf 79 &Ouml;ltanker an. Sie fahren unter Flaggen von Panama, Russland, Singapur, Samoa, Barbados, Gabon, Swaziland, Cook Islands, Kamerun, Djibuti, der Komoren und vielen anderen.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Damit wurden etwas mehr als 10 Prozent der Schattenflotte von Br&uuml;ssel identifiziert, wobei auch diese Zahl mit Vorsicht zu genie&szlig;en ist.<\/p><p><strong>Die NATO r&uuml;stet sich in der Ostsee<\/strong><\/p><p>Am 21. Oktober 2024 er&ouml;ffnete der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius das neue regionale NATO-Hauptquartier in Rostock. Dass die Umwandlung der Hanse-Kaserne zum k&uuml;nftigen Marinest&uuml;tzpunkt des transatlantischen Kriegsb&uuml;ndnisses in der Ostsee einen Bruch des Zwei-plus-Vier-Vertrages aus dem Jahr 1990 darstellt, focht die deutsche Seite nicht an; und die Vertragspartner aus den USA, Gro&szlig;britannien und Frankreich k&ouml;nnten dies sogar als gelungene Provokation gegen Russland absichtlich forciert haben. Denn anstelle der im Artikel 5 des Vertrages verbotenen Stationierung ausl&auml;ndischer Streitkr&auml;fte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, also in Rostock, h&auml;tte das neue maritime NATO-Hauptquartier f&uuml;r die Ostsee ja auch in Gda&#324;sk oder Kiel er&ouml;ffnet werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Bereits zuvor fand im Juni 2024 mit &bdquo;Baltops&ldquo; eines der gr&ouml;&szlig;ten Seeman&ouml;ver der NATO in der Ostsee statt. 9.000 Soldaten trainierten als amphibische Kampftruppen mit 50 Schiffen und 80 Flugzeugen vom litauischen Klaipeda aus, wie der russischen Marine beizukommen ist und &bdquo;die Kriegsf&uuml;hrungspl&auml;ne zur Verteidigung des euro-atlantischen Raumes&ldquo; in der Ostsee umgesetzt werden k&ouml;nnen, so Konteradmiral Craig Wood in einer Presseerkl&auml;rung.<\/p><p>Konkreter ging es dann ein halbes Jahr sp&auml;ter zur Sache. Vom 2. bis 15. Dezember 2024 &uuml;bten 2.000 Soldaten aus NATO-L&auml;ndern eine Blockade des finnischen Meerbusens. Offensichtliches Ziel der &bdquo;Pikne&ldquo; (dt: &bdquo;Blitz&ldquo;) genannten Operationen war es, das Auslaufen von Schiffen aus Sankt Petersburg, Kronstadt und Ust-Luga zu kontrollieren bzw. im Ernstfall zu verhindern. Diesen Ernstfall sieht die NATO im Zusammenhang mit der Erd&ouml;l-Schattenflotte bereits als gegeben an.<\/p><p>Vom 16. bis 17. Dezember 2024 fand dann im estnischen Tallinn ein Koordinationstreffen der Joint Expeditionary Force (JEF) statt, an dem das NATO-&bdquo;Blitz&ldquo;-Man&ouml;ver analysiert und weitere strategische Ma&szlig;nahmen zur Bek&auml;mpfung der russischen Schattenflotte er&ouml;rtert wurden. Die JEF wurde unter britischer Dominanz im Anschluss an die Eingliederung der Krim in die Russl&auml;ndische F&ouml;deration gegr&uuml;ndet und am NATO-Gipfel von Wales im September 2014 scharf gemacht. Ihr geh&ouml;ren neben Gro&szlig;britannien und den USA Deutschland, D&auml;nemark, die Niederlande, Estland, Lettland, Litauen, Finnland, Schweden, Norwegen, Polen und &ndash; seit kurzem &ndash; auch Island an. Estlands Premierminister Kristen Michal erkl&auml;rte zum Auftakt des JEF-Treffens, dass die russische Schattenflotte eine allgemeine Bedrohung darstelle, und zwar gleicherma&szlig;en f&uuml;r die Sicherheit der Ostsee und der Weltmeere, die Wirtschaft und die Umwelt; und deshalb, so f&uuml;gte er hinzu, m&uuml;ssen koordinierte Schritte unternommen werden, um die russische Schattenflotte einzud&auml;mmern und Versuche zur Umgehung von Sanktionen zu verhindern. <\/p><p>Dazu ist auch eine neue Idee aufgetaucht, n&auml;mlich die Anhaltung s&auml;mtlicher aus russischen H&auml;fen auslaufenden Tankern zwecks Kontrolle ihrer Versicherungspapiere. Diese f&uuml;hren wegen der EU- und US-Sanktionen keine westlichen Versicherungsdokumente mit sich, sondern versichern sich in der Regel bei zentralasiatischen Unternehmen. F&uuml;r einen Flaggenstaat, der eine solche Versicherung anerkennt, ist damit dem Seerecht Gen&uuml;ge getan. Genau dieses Seerecht soll nun, geht es nach der Europ&auml;ischen Union, ausgehebelt werden. Als Mittel dazu k&ouml;nnte auch die Erweiterung der sogenannten &bdquo;Anschlusszone&ldquo; in Anschlag gebracht werden. Der fr&uuml;here estnische Au&szlig;enminister Urmas Reinsalu brachte diese Ma&szlig;nahme bereits Anfang 2023 ins Gespr&auml;ch. Sie soll Estland eine Erweiterung seiner Hoheitsrechte auf bis zu 24 Seemeilen (44 Kilometer) entlang des finnischen Meerbusens erm&ouml;glichen. Eine solche &bdquo;Anschlusszone&ldquo; ist nach dem Seerechts&uuml;bereinkommen der UNO grunds&auml;tzlich m&ouml;glich, wiewohl in ihr nur Zollkontrollen erlaubt sind. Doch um internationale Vertr&auml;ge geht es den f&uuml;hrenden baltischen und EU-europ&auml;ischen Politikern schon l&auml;ngst nicht mehr. Sie wollen die russische Schattenflotte stoppen und in einem weiteren Schritt Russland vom Meerzugang abnabeln.<\/p><p>Der aggressivste, Russland feindlich gesinnte baltische Kleinstaat Estland agiert dabei immer heftiger als treibende Kraft. Mit der neuen EU-Au&szlig;enbeauftragten Kaja Kallas stellt er auch diesbez&uuml;glich europ&auml;isches Spitzenpersonal. Die fr&uuml;here estnische Ministerpr&auml;sidentin ist in Russland wegen &bdquo;Sch&auml;ndung von Kriegsdenkm&auml;lern&ldquo; zur Fahndung ausgeschrieben, nachdem sie die Befreiungsdenkm&auml;ler der Sowjetarmee in ihrer Heimat allesamt schleifen hat lassen.<\/p><p><strong>550 Jahre Kampf um freien Meerzugang<\/strong><\/p><p>Eine Konstante russischer Au&szlig;enpolitik besteht darin, dem Binnenland einen eisfreien Meerzugang zu erm&ouml;glichen. Daf&uuml;r k&auml;mpften und k&auml;mpfen russische Machthaber seit 550 Jahren. In der zweiten H&auml;lfte des 15. Jahrhunderts erweiterte der damalige Moskauer Gro&szlig;f&uuml;rst Iwan III. seinen Einflussbereich betr&auml;chtlich. Mit der Einnahme der Republik Novgorod im Jahr 1478 sah ein russischer Herrscher, der sich darob zum Zaren ausrufen lie&szlig;, erstmals die Ostsee, und zwar genau dort, wo heute der Leningrader Oblast liegt. Damals stie&szlig; der russische Vormarsch auf den Deutschen Orden, der im benachbarten Baltikum einen Staat errichtet hatte. Der Kampf um die Ostsee dauert seither an.<\/p><p>Der Zugang zur Ostsee war auch der strategische Schl&uuml;ssel im Nordischen Krieg, in dem sich Anfang des 18. Jahrhunderts &uuml;ber 20 Jahre lang Schweden und Russland gegen&uuml;berstanden. Der damalige russische Zar, Peter der Gro&szlig;e, galt in Europa als Reformer und war auch deshalb in Herrscherkreisen freundlich angesehen, weil er eine zweite Front gegen die Osmanen im Asowschen Meer er&ouml;ffnet hatte. Auf westliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r sein Vorhaben, einen Zugang zum Schwarzen Meer zu erlangen, konnte er allerdings nicht z&auml;hlen.<\/p><p>Russische H&auml;fen sah das Schwarze Meer erst nach dem Frieden von K&uuml;tsch&uuml;k Kainardschi, der im Juli 1774 den sechsj&auml;hrigen russisch-t&uuml;rkischen Krieg beendete. Die Annexion des Krim-Khanats durch Truppen Katharina II. war die Folge und auch der freie Schiffverkehr durch die Dardanellen ins Mittelmeer fu&szlig;t auf der osmanischen Niederlage. &Uuml;brigens wusste auch die Habsburgermonarchie aus der Schw&auml;che der Hohen Pforte Profit zu schlagen und verleibte sich zu diesem Zeitpunkt die Bukowina ein.<\/p><p>Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde jahrelang zwischen Russland und der mittlerweile unabh&auml;ngigen Ukraine &uuml;ber das weitere Schicksal der Schwarzmeerflotte und die Nutzung der Marinest&uuml;tzpunkte in Sewastopol auf der Krim verhandelt. Erst ein zwischen Moskau und Kiew am 31. Mai 1997 abgeschlossener Freundschaftsvertrag schuf Klarheit. Man einigte sich auf eine milit&auml;rische Nutzung des Hafens durch die russische Flotte &uuml;ber Pachtkosten, die mit der Lieferung von russischem Gas in die Ukraine ausgeglichen wurden. Dieser &bdquo;Flottenvertrag&ldquo; wurde 2010 verl&auml;ngert und sollte eine G&uuml;ltigkeitsdauer bis 2017 haben. Unter der Pr&auml;sidentschaft von Wiktor Juschtschenko erkl&auml;rte das Kiewer Au&szlig;enministerium im Oktober 2008, dass es einer in Vorbereitung befindlichen Verl&auml;ngerung des Flottenvertrages auf keinen Fall zustimmen werde. Damit waren die Claims deutlich abgesteckt und Moskau war beunruhigt: eine NATO-orientierte Regierung w&uuml;rde Russlands Marinest&uuml;tzpunkt auf der Krim schlie&szlig;en. Nach dem verfassungswidrigen Regimewechsel im Februar 2014, mit dem der gew&auml;hlte, Russland freundlich gesinnte Pr&auml;sident Wiktor Janukowitsch aus dem Land gejagt wurde und der Wahlkampfmanager des west-orientierten Juschtschenko, Oleksandr Turtschynow, als Interimspr&auml;sident die Macht &uuml;bernahm, schrillten in Moskau die Alarmglocken. Der Erhalt des Marinehafens in Sewastopol hatte oberste Priorit&auml;t. Er wurde mit dem Unabh&auml;ngigkeitsreferendum auf der Krim und in Sewastopol sowie der kurz darauf erfolgten territorialen Eingliederung der Halbinsel in die Russl&auml;ndische F&ouml;deration gesichert.<\/p><p>Diese im Westen als Annexion bezeichnete Ma&szlig;nahme wird bis heute als entscheidender Ausl&ouml;ser f&uuml;r den Ukrainekrieg gesehen &ndash; sowohl in Kiew als auch unter den F&uuml;hrern des transatlantischen Raums. Der russische Meerzugang im S&uuml;den &uuml;ber das Schwarze Meer ins Mittelmeer &ndash; nun freilich durch die unsichere Lage um das syrische Tartus gef&auml;hrdet &ndash; steht damit im Mittelpunkt einer historischen geopolitischen Auseinandersetzung. Parallel dazu spitzt sich die Lage um den russischen Zugang zur Ostsee zu, der &ndash; wie oben beschrieben &ndash; von NATO-Staaten, insbesondere der kleinen estnischen Republik, behindert oder verhindert werden soll.<\/p><p><em>Von Hannes Hofbauer ist zum Thema erschienen: &bdquo;Im Wirtschaftskrieg. Die Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen. Das Beispiel Russland&ldquo;, Promedia Verlag 2024<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Rainer Lesniewski<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=123508\">Er&ouml;ffnung des neuen Hauptquartiers f&uuml;r die NATO in Rostock: &bdquo;Vereint stehen wir, vereint k&auml;mpfen wir&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124956\">OMV gegen Gazprom: Wie sich &Ouml;sterreich energiepolitisch selbst schadet<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=118247\">Mit Kaja Kallas in den Krieg &ndash; Br&uuml;ssels totaler Bruch mit Moskau<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=116125\">&bdquo;Deutschland &hellip; to the sea&ldquo;<\/a>\n<\/p><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2022\/879\/oj\/deu\">eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2022\/879\/oj\/deu<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.rt.com\/europa\/231227-provokation-in-ostsee-dient-blockade\/\">de.rt.com\/europa\/231227-provokation-in-ostsee-dient-blockade\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/HTML\/?uri=OJ%3AL_202403192\">eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/HTML\/?uri=OJ%3AL_202403192<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. 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