{"id":127195,"date":"2025-01-14T09:03:31","date_gmt":"2025-01-14T08:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127195"},"modified":"2025-01-15T07:26:32","modified_gmt":"2025-01-15T06:26:32","slug":"schwierigkeiten-mit-der-wahrheit-die-verschluckte-drahtbuerste-der-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127195","title":{"rendered":"Schwierigkeiten mit der Wahrheit: Die \u201everschluckte Drahtb\u00fcrste\u201c der NATO"},"content":{"rendered":"<p>Die Aussage des ukrainischen Pr&auml;sidenten Wolodymyr Selenskyj im Interview mit dem US-Podcaster Lex Fridman am 5. Januar hat mich zu diesem Thema inspiriert: <a href=\"https:\/\/kyivindependent.com\/zelensky-rebukes-budapest-memorandum-signatories\/\">&bdquo;Jeder, der die Ukraine gezwungen hat, das sogenannte Budapester Memorandum zu unterzeichnen, geh&ouml;rt ins Gef&auml;ngnis.&ldquo;<\/a> Am 5. Dezember 1994 war ich bei der Unterzeichnung des Memorandums &uuml;ber die nukleare Abr&uuml;stung in der Ukraine anwesend. Da ich mich seit Jahrzehnten mit den Prozessen im postsowjetischen Raum besch&auml;ftige und mein sicherheitspolitisches Wissen nicht an einer Theaterhochschule erworben habe, halte ich es nicht f&uuml;r fair, den Krieg in der Ukraine vor drei Jahren denen in die Schuhe zu schieben, die damals &uuml;berhaupt etwas getan haben, um Europa sicherer zu machen, um die Welt zu einer atomwaffenfreien Welt zu machen. Die Verbindung zwischen dem Budapester Memorandum, dem Krieg und der Frage nach der Verantwortung ist sehr offensichtlich, wenn wir das Thema unter dem Aspekt der Fakten und nicht der &bdquo;Bek&auml;mpfung der russischen Desinformation&ldquo; betrachten. Ein Kommentar von Botschafter a. D. <strong>Gy&ouml;rgy Varga<\/strong>, aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7743\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-127195-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=127195-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250114_Schwierigkeiten_mit_der_Wahrheit_Die_verschluckte_Drahtbuerste_der_NATO_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Warum habe ich meinem Artikel den oben genannten Titel gegeben?<\/strong><\/p><p>Der Krieg in der Ukraine hat die wissenschaftlich-theoretischen Zusammenh&auml;nge und Prinzipien, die einem Arzt, Ingenieur, Historiker, Politikwissenschaftler, der gerade sein Doktorat begonnen hat, in den ersten Wochen des Doktoratsstudiums beigebracht werden, nur noch verst&auml;rkt: Es gibt exakte und nicht exakte Wissenschaften. Grob gesagt sind die exakten Wissenschaften die Naturwissenschaften wie Physik, Mathematik und allgemein die Wissenschaften, die auf beweisbaren Thesen beruhen. Zu den nicht exakten Wissenschaften geh&ouml;ren die Sozialwissenschaften, in denen die subjektive Bewertung, die selektive Erfassung und die Ber&uuml;cksichtigung von Zusammenh&auml;ngen eine sehr wichtige Rolle spielen. Diese subjektive und sehr selektive Erfassung von Fakten und Zusammenh&auml;ngen k&ouml;nnen wir bei der internationalen Bew&auml;ltigung des Ukraine-Konflikts ab 2014 und des Krieges ab 2022 beobachten.<\/p><p>Stellen Sie sich vor, ein Mann wird ins Krankenhaus gebracht, weil er gro&szlig;e Schmerzen hat. Die Behandlung wird eingeleitet, Medikamente werden verabreicht, aber die Angeh&ouml;rigen verschweigen das eigentliche Problem: die Person hat eine kleine Drahtb&uuml;rste verschluckt. Sie tun es aus moralischem Selbstschutz, da es solche Idioten in ihrer Familie nicht geben kann.<\/p><p>Ich denke, es ist klar: Solange die &Auml;rzte nicht mit den Instrumenten der exakten Wissenschaften zur Erkenntnis der Grundsituation kommen, hat der Patient keine Chance auf &Uuml;berleben oder Genesung, w&auml;hrend er selbst und seine Angeh&ouml;rigen aus moralischen Gr&uuml;nden die Grundsituation nicht beleuchten wollen. Wir sehen diese Situation heute in der Ukraine, wo die Wurzeln des Problems schon seit vielen Jahren nicht behandelt werden.<\/p><p><strong>Was ist das Grundproblem der Ukraine?<\/strong><\/p><p>Es ist einfach so, dass die NATO im Jahr 2008 die staatliche Souver&auml;nit&auml;t und die immerw&auml;hrende Neutralit&auml;t der Ukraine verletzt hat. Jeder falsche Schachzug, der seitdem gemacht wurde, basiert auf diesem strategischen Fehler. Die NATO ist &bdquo;ein kranker Mann&ldquo; (er hat eine Drahtb&uuml;rste verschluckt), der die Europ&auml;ische Union mit sich in den Abgrund rei&szlig;t; sie f&uuml;hrt einen Krieg um die Ukraine in mehreren Dimensionen, indem sie jeden Monat in Ramstein (Deutschland) neue &bdquo;Behandlungen&ldquo; beschlie&szlig;t, sich aber weigert, sich der grundlegenden Situation zu stellen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich erfordert es ein verantwortungsbewusstes Urteilsverm&ouml;gen, solche Behauptungen niederzuschreiben. Denn die gesamte NATO-Kommunikationsmaschinerie sowie Hunderte von Forschungsinstituten und Zehntausende von Journalisten aus 32 NATO-Mitgliedstaaten arbeiten daran, dass niemand zu Schlussfolgerungen kommt, die dem vom kollektiven Westen seit Jahren erz&auml;hlten Narrativ <em>&bdquo;Russlands unprovozierte Aggression gegen die Ukraine<\/em>&ldquo; nicht nur widersprechen, sondern es auch im Kern widerlegen.<\/p><p>Der ukrainische Pr&auml;sident h&auml;lt die Unterzeichnung des Budapester Memorandums f&uuml;r einen Fehler und nimmt eine &auml;hnliche Haltung gegen&uuml;ber der Unterzeichnung der Minsker Vereinbarungen ein, deren Umsetzung er w&auml;hrend seiner Pr&auml;sidentschaft ab 2019 ignoriert und dann offen abgelehnt hat, obwohl der UN-Sicherheitsrat dies &ndash; die friedliche Wiedereingliederung der Separatistengebiete &ndash; im Jahr 2015 einstimmig beschlossen hatte.<\/p><p>Mit anderen Worten: Die Ukraine k&auml;mpft heute mit Unterst&uuml;tzung der NATO-L&auml;nder um die R&uuml;cknahme von Gebieten, deren friedliche Wiedereingliederung sie im Zeitraum von 2014 bis 2022 abgelehnt hat. Damit hielt Kiew Zust&auml;nde f&uuml;r Millionen seiner ethnisch russischen B&uuml;rger aufrecht, die Russland als Mutterland nicht l&auml;nger dulden wollte. (Wir kennen solche Beispiele: Die NATO dr&uuml;ckte auch ihre Unzufriedenheit mit dem Schicksal der Kosovo-Albaner in Serbien aus, indem sie das Land 1999 ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrats bombardierte).<\/p><p><strong>Welche Argumente sprechen f&uuml;r die Verletzung der Souver&auml;nit&auml;t und Neutralit&auml;t der Ukraine durch die NATO 2008?<\/strong><\/p><p>Schauen wir uns die konkrete, nachweisbare Vorgeschichte des Ukraine-Krieges an, die mit den Mitteln der (nicht exakten) Sozialwissenschaften untersucht werden.<\/p><ol>\n<li>Am 16. Juli 1990 verabschiedete das Parlament der Ukraine (der Oberste Sowjet der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik) <a href=\"https:\/\/static.rada.gov.ua\/site\/postanova_eng\/Declaration_of_State_Sovereignty_of_Ukraine_rev1.htm\">eine Erkl&auml;rung &uuml;ber die staatliche Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine.<\/a> In Punkt IX der Erkl&auml;rung hei&szlig;t es <em>: &bdquo;Die Ukraine erkl&auml;rt feierlich ihre Absicht, sich als Staat der st&auml;ndigen Neutralit&auml;t nicht an Milit&auml;rbl&ouml;cken zu beteiligen<strong> <\/strong>und sich an die drei Grunds&auml;tze der Nichtverbreitung von Kernwaffen zu halten: keine Kernwaffen zu erhalten, herzustellen oder zu erwerben.&ldquo;<\/em><\/li>\n<li>Das Parlament der Ukraine (immer noch der Oberste Rat der Ukrainischen SSR) verabschiedete am 24. August 1991 <a href=\"https:\/\/static.rada.gov.ua\/site\/postanova_eng\/Rres_Declaration_Independence_rev12.htm\">die Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der Ukraine<\/a>. In der Pr&auml;ambel der Erkl&auml;rung hei&szlig;t es, dass die Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung die am 16. Juli 1990 angenommene Erkl&auml;rung &uuml;ber die staatliche Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine, auf die in Punkt 1 Bezug genommen wird, in die Praxis umsetzt. Mit anderen Worten: Die st&auml;ndige Neutralit&auml;t der Ukraine und ihr Status au&szlig;erhalb von Bl&ouml;cken als Hauptmerkmale eines unabh&auml;ngigen souver&auml;nen Staates werden best&auml;tigt.<\/li>\n<li>In der Ukraine wurde in einem Referendum am 1. Dezember 1991 die Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung der Ukraine best&auml;tigt. <a href=\"https:\/\/www.csce.gov\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/120191UkraineReferendum.pdf\">Nach Angaben der Organisation f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE (ihrer Vorg&auml;ngerorganisation Konferenz &uuml;ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE)<\/a> nahmen 84 Prozent der Wahlberechtigten an dem Referendum teil, und &uuml;ber 90 Prozent stimmten f&uuml;r die in den vorangegangenen Erkl&auml;rungen (16. Juli 1990, 24. August 1991) beschriebene staatliche Unabh&auml;ngigkeit. Mit anderen Worten: Das Referendum best&auml;tigte auch die dauerhafte Neutralit&auml;t der Ukraine und ihren blockfreien Status.<\/li>\n<li>Der Status der Ukraine als neutral und au&szlig;erhalb von Milit&auml;rbl&ouml;cken, der wiederholt best&auml;tigt wurde, wurde durch die Erkl&auml;rung &uuml;ber die staatliche Souver&auml;nit&auml;t von 1990 zu einer freiwilligen Verpflichtung auf einen atomwaffenfreien Status. Das <a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/doc\/Publication\/UNTS\/Volume%203007\/Part\/volume-3007-I-52241.pdf\">Budapester Memorandum<\/a>, das am 5. Dezember 1994 in Budapest von US-Pr&auml;sident Bill Clinton, dem russischen Pr&auml;sidenten Boris Jelzin, dem ukrainischen Pr&auml;sidenten Leonid Kutschma und dem britischen Premierminister John Major unterzeichnet wurde, war vor Kurzem Gegenstand <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125695\">eines ausf&uuml;hrlichen Berichts zum 30-j&auml;hrigen Jubil&auml;um auf den NachDenkSeiten<\/a>, auf den ich hier nicht n&auml;her eingehen werde. In dem Memorandum verzichtet die Ukraine auf ihre Atomwaffen, im Gegenzug bekr&auml;ftigen die Unterzeichnerstaaten ihre Achtung der Unabh&auml;ngigkeit, Souver&auml;nit&auml;t und der bestehenden Grenzen des Landes.<\/li>\n<li>Am 28. Juni 1996 nahm das Parlament der Ukraine die Verfassung der Ukraine an. In der Pr&auml;ambel der Verfassung hei&szlig;t es, dass <a href=\"https:\/\/www.refworld.org\/ru\/legal\/legislation\/natlegbod\/1996\/ru\/42875\">das Parlament die Verfassung auf der Grundlage der Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung von 1991 und der Ergebnisse des Referendums vom 1. Dezember 1991 erstellt hat<\/a>. Mit anderen Worten: Die Verfassung der Ukraine best&auml;tigt sowohl die st&auml;ndige Neutralit&auml;t als auch den Status au&szlig;erhalb von nichtmilit&auml;rischen Bl&ouml;cken.<\/li>\n<\/ol><p>Die formale Logik der Leser reicht aus, um die Ursachen und Folgen zu kl&auml;ren, um die Fragen zu beantworten:<\/p><ul>\n<li>Wurde hinreichend h&auml;ufig und mit ausreichender Legitimit&auml;t im V&ouml;lkerrecht bekr&auml;ftigt, dass das ukrainische Volk in einem souver&auml;nen Staat leben m&ouml;chte, in dem die Ziele der Gesellschaft nicht von externen Akteuren bestimmt werden?<\/li>\n<li>Wurde bei gen&uuml;gend Gelegenheiten und auf den h&ouml;chsten Ebenen der Volkssouver&auml;nit&auml;t bekr&auml;ftigt, dass das ukrainische Volk in einem neutralen Staat au&szlig;erhalb von Milit&auml;rbl&ouml;cken leben m&ouml;chte?<\/li>\n<li>Ist es nachvollziehbar, dass die Unterzeichner des Budapester Memorandums 1994 zusammen mit einer neutralen und blockfreien Ukraine unterzeichneten, dass sie &bdquo;ihre Unabh&auml;ngigkeit, Souver&auml;nit&auml;t und bestehenden Grenzen respektieren&ldquo;?<\/li>\n<\/ul><p><strong>Was hat die NATO ignoriert?<\/strong><\/p><p>Ist es vor diesem Hintergrund verst&auml;ndlich, dass <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natolive\/official_texts_8443.htm\">die NATO mit ihrer am 3. April 2008 in Bukarest verabschiedeten Erkl&auml;rung<\/a> (Punkt 23), wonach die Ukraine (und Georgien) NATO-Mitglieder werden sollen, die souver&auml;ne Staatlichkeit der Ukraine verletzt hat? Denn:<\/p><ul>\n<li>Sie respektierte nicht die 1990, 1991 und 1996 angenommenen Erkl&auml;rungen &uuml;ber die Neutralit&auml;t und den nichtmilit&auml;rischen Status der Ukraine sowie die geltende ukrainische Verfassung.<\/li>\n<li>Sie respektierte nicht die Tatsache, dass die damals 52 Millionen Einwohner der Ukraine in einem Referendum am 1. Dezember 1991 mit &uuml;ber 90 Prozent Ja-Stimmen ebenfalls die Neutralit&auml;t und Blockfreiheit best&auml;tigt hatten.<\/li>\n<li>Die NATO hat einen strategischen Fehler begangen, indem sie die Budapester Erkl&auml;rung bereits 2008 gebrochen hat: Sie hat die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine nicht respektiert, ihr Recht, ihre Zukunft als neutraler und blockfreier Staat in einem sehr komplexen geopolitischen Umfeld zwischen Ost und West selbst zu bestimmen.<\/li>\n<li>Ebenso wenig hat die NATO den Willen des ukrainischen Volkes respektiert. Meine Aussage wird auch durch die Position von Zolt&aacute;n Sz. B&iacute;r&oacute;, ungarischer Historiker und Russlandexperte, best&auml;tigt, der sechs Monate nach dem NATO-Beschluss in seiner Publikation <a href=\"https:\/\/www.russianstudies.hu\/docs\/biroz.vissz.pdf\">Die R&uuml;ckkehr von Russland<\/a> (S. 61) im November 2008 feststellte, dass die Unterst&uuml;tzung und die W&uuml;nsche der ukrainischen Gesellschaft bei dem un&uuml;berlegten Schritt der NATO v&ouml;llig ignoriert wurden:<\/li>\n<\/ul><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Es ist bezeichnend, dass Anfang 2008 nur ein Viertel bis h&ouml;chstens ein Drittel der ukrainischen Bev&ouml;lkerung die Mitgliedschaft des Landes in der NATO unterst&uuml;tzte.<\/em> <em>[&hellip;] Diese Zur&uuml;ckhaltung gegen&uuml;ber einer NATO-Mitgliedschaft in der Ukraine ist vor allem darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren, dass die Mehrheit der ukrainischen Gesellschaft bef&uuml;rchtet, dass der Beitritt zur milit&auml;rischen Organisation der westlichen Welt die russisch-ukrainischen Beziehungen stark belasten wird. So schwerwiegend, dass die Folgen direkte Auswirkungen auf das t&auml;gliche Leben eines bedeutenden Teils der politischen Gemeinschaft haben werden.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Zeit hat Zoltan Sz. B&iacute;r&oacute; recht gegeben: Der Krieg in der Ukraine dauert nun schon drei Jahre an und sein Ende ist nicht abzusehen, aber der denkende Mensch kann seine Ursachen entdecken, auch wenn die Mainstream-Medien davon ablenken.<\/p><p><strong>Wie hat die NATO die Eskalation weiter vorangetrieben?<\/strong><\/p><p>In der auf dem NATO-Gipfel in Washington im Juli 2024 <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/official_texts_227678.htm\">verabschiedeten Erkl&auml;rung<\/a> wurde bekr&auml;ftigt, dass <em>der euro-atlantische Integrationsprozess der Ukraine, einschlie&szlig;lich der NATO-Mitgliedschaft, unumkehrbar ist.<\/em> (Sprich: Wir sagen dem Arzt immer noch nicht, dass wir die Drahtb&uuml;rste verschluckt haben.)<\/p><p>&Auml;hnlich wie bei der Bukarester NATO-Erkl&auml;rung von 2008 geht es auch bei der Washingtoner NATO-Erkl&auml;rung von 2024 nicht um die europ&auml;ische Stabilit&auml;t und die Beendigung des europ&auml;ischen Krieges, der die globale Sicherheit bedroht. Die NATO hat mit dem ersten Beschluss 2008 einen Fehler begangen und ihn mit dem zweiten 2024 noch &uuml;bertroffen.<\/p><p>Am 22. Februar 2014 fand ein verfassungswidriger Machtwechsel in der Ukraine statt, der vom Westen unterst&uuml;tzt, koordiniert und niemals sanktioniert wurde. (Der Grund ist klar: Die F&uuml;hrungsmacht der NATO hatte kein Interesse an einem Staatsoberhaupt, einer Regierung und einem Parlament, die die Neutralit&auml;t der Ukraine unterst&uuml;tzten.) Wenn wir die Fakten zusammentragen und sie systematisch darstellen, k&ouml;nnen wir zu dem Schluss kommen, dass die NATO zu dem Zeitpunkt, als Russland die Krim nach dem Referendum vom 16. M&auml;rz 2014 als russisches Hoheitsgebiet anerkannte (und damit gegen das Budapester Memorandum &uuml;ber die Achtung der ukrainischen Staatsgrenzen verstie&szlig;), die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine bereits in zwei F&auml;llen nicht respektiert hatte.<\/p><p>Die NATO hat die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine 2008 nicht respektiert, als sie die Ukraine als k&uuml;nftiges NATO-Mitglied trotz aller gegenteiligen Argumente als neutrales und b&uuml;ndnisfreies Land bezeichnete, und sie hat sie 2014 nicht respektiert, als NATO-L&auml;nder an der verfassungswidrigen &Uuml;bernahme eines demokratisch gew&auml;hlten Staatsoberhaupts, einer Regierung und eines Parlaments beteiligt waren.<\/p><p>Pr&auml;sident Wolodymyr Selenskyj beschimpfte die Verfasser und Unterzeichner des Budapester Memorandums in einem am 5. Januar ver&ouml;ffentlichten Interview, das erhebliche Gegenreaktionen hervorrief. Es waren jedoch die Dokumente und Rechtsnormen vorhanden, die es der Ukraine erm&ouml;glichten, als souver&auml;nes, neutrales und nichtmilit&auml;risches Land ihre Rolle als Br&uuml;cke zwischen Ost und West effektiv zu nutzen, und zwar nach einem Entwicklungsmodell, das die V&auml;ter der ukrainischen Staatlichkeit in Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rungen und eine Verfassung verankerten und das vom ukrainischen Volk in einem Referendum im Jahr 1991 mit einer Mehrheit von &uuml;ber 90 Prozent best&auml;tigt wurde.<\/p><p><strong>Sind die Gr&uuml;nde f&uuml;r den Krieg im Budapester Memorandum zu finden?<\/strong><\/p><p>Die Ursachen des Krieges liegen nicht in der ukrainischen Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung, der ukrainischen Verfassung, dem Budapester Memorandum oder den Minsker Vereinbarungen, die vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurden, sondern bei den Politikern, die diese Dokumente und die wiederholt ge&auml;u&szlig;erte Meinung des ukrainischen Volkes ignorieren. Diese Politiker leben in NATO-L&auml;ndern und in der Ukraine.<\/p><p>Um den Krieg in der Ukraine zu beenden und die europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur wieder aufzubauen, w&auml;re es ratsam, zu den Grundlagen zur&uuml;ckzukehren (dem Arzt gestehen, dass wir eine Drahtb&uuml;rste verschluckt haben). Dies ist f&uuml;r viele eine schwierige oder unm&ouml;gliche Aufgabe, da es erfordern w&uuml;rde, Fehler zuzugeben, die die Kr&auml;fte des sektiererischen Atlantizismus in der westlichen Welt schw&auml;chen w&uuml;rden. Diese Politiker und Experten k&ouml;nnen nicht akzeptieren, dass die buchst&auml;bliche Kernfunktion der NATO die kollektive Verteidigung ist und nicht die kollektive Provokation anderer geopolitischer Akteure oder ein kontinuierlicher milit&auml;rischer Vormarsch gegen andere, egal wie tr&auml;nenreich die moralischen Argumente sind, die wir um das Ziel herum f&uuml;hren.<\/p><p>Europ&auml;ische Stabilit&auml;t, die von allen europ&auml;ischen Akteuren gefordert wird und nur kollektiv aufrechterhalten werden kann, und die geopolitische Expansion eines ausschlie&szlig;lich globalen Akteurs durch die permanente Erweiterung der NATO sind unvereinbar und k&ouml;nnen nicht als parallele Ziele ohne Krieg erreicht werden.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Rokas Tenys<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125695\">30 Jahre Budapester Memorandum: Die nukleare Abr&uuml;stung der Ukraine im R&uuml;ckblick<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=125106\">Botschafter a. 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Dezember 1994 war ich bei der Unterzeichnung des Memorandums &uuml;ber die nukleare Abr&uuml;stung in<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127195\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":127196,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,181,171],"tags":[3480,1426,2175,466,259,3415,260,2128,1464],"class_list":["post-127195","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-europapolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-blockfreie-laender","tag-hegemonie","tag-interventionspolitik","tag-nato","tag-russland","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-ukraine","tag-verfassung","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/shutterstock_2502328529.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=127195"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127195\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127245,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127195\/revisions\/127245"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/127196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=127195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=127195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=127195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}