{"id":127317,"date":"2025-01-16T10:00:46","date_gmt":"2025-01-16T09:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127317"},"modified":"2025-01-16T16:45:14","modified_gmt":"2025-01-16T15:45:14","slug":"russischer-politikberater-einsatz-von-taurus-gegen-russland-waere-ein-selbstmoerderischer-akt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127317","title":{"rendered":"Russischer Politikberater: \u201eEinsatz von Taurus gegen Russland w\u00e4re ein selbstm\u00f6rderischer Akt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklung zu einer multipolaren Welt ist ein objektiver, unumkehrbarer Prozess. Die Frage ist nicht, ob eine multipolare Welt entstehen wird, sondern ob sie ohne gr&ouml;&szlig;ere Konflikte und durch gemeinsame Erarbeitung der Regeln gestaltet werden kann. Alexej Jurjewitsch Drobinin, Direktor der Abteilung f&uuml;r au&szlig;enpolitische Planung im russischen Au&szlig;enministerium, spricht im Interview mit <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong> &uuml;ber die Illusionen, die mit der R&uuml;ckkehr Donald Trumps verbunden sind, zu den Chancen auf eine Beendigung des Ukraine-Konflikts, zur Wahrnehmung Ungarns durch Russland, zum eurasischen Vektor der russischen Au&szlig;enpolitik und wie sich die entwickelnde multipolare Welt nicht durch milit&auml;rische Konflikte, sondern durch gemeinsame Erarbeitung von Regeln gestaltet werden kann. Das Interview wurde aus dem Ungarischen &uuml;bersetzt von <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2442\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-127317-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=127317-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250116_Russischer_Politikberater_Einsatz_von_Taurus_gegen_Russland_waere_ein_selbstmoerderischer_Akt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Um seinen Platz in der Welt zu bestimmen, muss ein Land vor allem ein genaues und realistisches Bild davon haben, was um es herum geschieht. Wie sehen Sie die Entwicklung der Welt und wo w&uuml;rden Sie Russland in dieser sich ver&auml;ndernden Weltordnung einordnen?<\/strong><\/p><p>Der grundlegende Faktor, der die globale Transformation bestimmt, ist das Entstehen einer multipolaren Ordnung, die die Existenz mehrerer Entscheidungszentren auf der Grundlage souver&auml;ner wirtschaftlicher, technologischer und politischer Potenziale voraussetzt. Die Entstehung dieser Weltordnung ist ein langwieriger, objektiver Prozess, der sich &uuml;ber eine ganze Periode erstreckt und eine Reihe von Konflikten mit sich bringt, die vom Willen der einzelnen Staaten unabh&auml;ngig sind. Es gibt jedoch bereits einen eindeutigen Trend: Der Einfluss des westlichen Blocks nimmt stetig ab, w&auml;hrend der Einfluss der so genannten Weltmehrheit w&auml;chst. Nehmen wir zum Beispiel den Aufstieg Chinas, den der Westen so sehr f&uuml;rchtet. China wird als ein Land wahrgenommen, das eine hegemoniale Rolle anstrebt.<\/p><p><strong>Hat Russland davor keine Angst?<\/strong><\/p><p>Nein. Wir sehen China einfach in die nat&uuml;rliche globale Position zur&uuml;ckkehren, die es w&auml;hrend eines Gro&szlig;teils seiner Geschichte eingenommen hat. Vor der industriellen Revolution in Europa vor etwa 500 Jahren und den gro&szlig;en geografischen Entdeckungen zum Beispiel hatte China einen &auml;hnlichen Platz in der Weltwirtschaft wie heute. Dass die Konkurrenten versuchen, diese R&uuml;ckkehr zu verhindern, ist einigerma&szlig;en verst&auml;ndlich, denn jeder versucht, seine Position zu halten. Dies ist jedoch ein objektiver Prozess, dessen Aufhalten zwangsl&auml;ufig zu einer Reihe von Konflikten f&uuml;hren wird. Russland billigt dies nicht und unterst&uuml;tzt es auch nicht.<\/p><p>Was Ihre Frage betrifft, warum Russland den Aufstieg Chinas f&uuml;rchten sollte: Bilaterale Streitigkeiten, wie die seit langem offene Grenzfrage, sind beigelegt worden. Russland geht von politischen Realit&auml;ten aus, und die Beziehungen haben erstaunliche H&ouml;hen erreicht. Sie sind nicht nur stabil, sondern auch substanziell, sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht, was der bilateralen Partnerschaft eine neue Qualit&auml;t verleiht. Wir sehen das russisch-chinesische Tandem als einen wichtigen stabilisierenden Faktor in der internationalen Politik, der die Hegemonialbestrebungen einiger Staaten zur&uuml;ckh&auml;lt. Wir begr&uuml;&szlig;en daher den globalen Aufstieg Chinas. <\/p><p>Auf die gleiche Weise unterst&uuml;tzen wir die globale St&auml;rkung Indiens und Formate wie BRICS. Dieser Prozess wird die Weltordnung, von der wir hoffen, dass sie in Zukunft auf gleichen Rechten und gegenseitigem Respekt beruht, gerechter machen, als sie es heute ist. Diese Prinzipien bestimmen bereits die Arbeit von Organisationen wie den BRICS-Staaten oder der Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit, die an Dynamik gewinnen. Die Entwicklung der multipolaren Welt ist aus unserer Sicht ein objektiver, unumkehrbarer Prozess. Eine logische Folge dieses Wandels ist die Krise der westlichen Zivilisation, die nicht auf der Welle mitschwimmen, sondern den Prozess blockieren und anderen ihre neoliberalen Werte aufzwingen will.<\/p><p><strong>Sie haben erw&auml;hnt, dass es sich um einen langen Prozess handelt. Wie lange wird es dauern, bis sich ein neues Gleichgewicht der Kr&auml;fte herausbildet?<\/strong><\/p><p>Denken Sie an 1991, den Zusammenbruch der Sowjetunion, das Ende der bipolaren Welt. Das geschah relativ schnell, und die Vereinigten Staaten standen allein auf weiter Flur. Aber auch das hielt nicht sehr lange an, denn Ende der 1990er Jahre zeichnete sich bereits eine multipolare Welt ab. Schon der damalige russische Au&szlig;enminister Jewgenij Primakow sprach von der unvermeidlichen Entstehung einer multipolaren Weltordnung und der Notwendigkeit, das Dreieck Russland-China-Indien zu st&auml;rken, und erkl&auml;rte in diesem Sinne auf h&ouml;chster Ebene die Zusammenarbeit zwischen Russland und China bei der Gestaltung der neuen Weltordnung.<\/p><p>Zu dieser Zeit machte sich die Europ&auml;ische Union mit der Schaffung einer gemeinsamen W&auml;hrung auch auf den Weg zur strategischen Autonomie. Das formale Ende der unipolaren Welt kam dann 2008 mit der globalen Finanzkrise, die endg&uuml;ltig zeigte, dass die Vereinigten Staaten nicht in der Lage waren, ihre hochgesteckten Ambitionen zu erf&uuml;llen. Von dort aus f&uuml;hrte ein direkter Weg zur Entstehung mehrerer Entscheidungszentren und zur St&auml;rkung ihrer Souver&auml;nit&auml;t. Dieser Prozess wurde schlie&szlig;lich im Jahr 2022 durch die milit&auml;rische Sonderoperation beschleunigt und sichtbar gemacht, die in der Ukraine als Reaktion auf Aktionen des Westens gestartet wurde, die die Interessen Russlands ignorierten. <\/p><p>Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem niemand mehr den indischen Ministerpr&auml;sidenten Modi oder den t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten Erdogan anweisen kann, etwas zu tun. Die Frage ist jetzt nicht, ob eine multipolare Welt entsteht, sondern ob sie ohne gro&szlig;e Konflikte gestaltet werden kann, indem man gemeinsam Regeln erarbeitet. Wir m&uuml;ssen entscheiden, auf welcher normativen Rechtsgrundlage wir in Zukunft zusammenarbeiten k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Wir sind uns einig, dass sich die Welt ver&auml;ndert und der Westen dies nicht wirklich akzeptieren will. Ist der Krieg, der am 24. Februar 2022 ausgebrochen ist, eine Folge davon? Es steht viel auf dem Spiel, denn vom Ausgang dieses Konflikts h&auml;ngt viel ab, von der k&uuml;nftigen globalen Position Russlands bis hin zur Wahrung der inneren Stabilit&auml;t. Daher spielt es durchaus eine Rolle, wann das neue Kr&auml;fteverh&auml;ltnis hergestellt und die neue Weltordnung stabilisiert sein wird. Besteht die Chance, dass dies in naher Zukunft geschieht?<\/strong><\/p><p>Das Gleichgewicht der Kr&auml;fte wird sich einstellen, wenn die betroffenen Parteien begreifen, dass sie ihre Ziele nicht mehr mit milit&auml;rischen Mitteln erreichen k&ouml;nnen. Im Moment sind wir noch an dem Punkt, an dem der sogenannte kollektive Westen &ndash; also die NATO, die EU, die G7 &ndash; Russland strategisch besiegen will. Von einem neuen Gleichgewicht der Kr&auml;fte sind wir also weit entfernt. Die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Verschlechterung der europ&auml;ischen Sicherheit sind weitreichend, und es sei darauf hingewiesen, dass die Argumente Russlands, wenn es seine diesbez&uuml;glichen Bedenken ge&auml;u&szlig;ert hat, stets vom Tisch gefegt wurden. Die NATO-Osterweiterung ist ein Beispiel daf&uuml;r, aber auch die Aggressivit&auml;t der Europ&auml;ischen Union spielte eine wichtige Rolle bei der Eskalation der Krise in der Ukraine im Jahr 2014.<\/p><p><strong>Aber lassen wir auch die Vereinigten Staaten nicht au&szlig;en vor, denn Victoria Nuland k&ouml;nnte beleidigt werden &hellip;<\/strong><\/p><p>In der Entwicklung dieser Situation ist die Verantwortung des gesamten Westens zu erkennen. Doch es wird erz&auml;hlt, dass Russland am 24. Februar 2022 aufgewacht ist und die Ukraine angegriffen hat. Diese Betrachtungsweise der Geschehnisse ist jedoch fehlerhaft. Das hat eine lange Vorgeschichte.<\/p><p><strong>Nun ja, das westliche Narrativ besagt, dass der gegenw&auml;rtige Krieg durch eine Wiederbelebung der russischen imperialen Ambitionen ausgel&ouml;st wurde &hellip;<\/strong><\/p><p>Das ist Unsinn. Von welchen imperialen Tr&auml;umen sprechen wir, wenn zum Beispiel im September 1990, zum Zeitpunkt des Moskauer Vertrages &uuml;ber die deutsche Einheit, sowjetische Truppen in der DDR und in Mitteleuropa stationiert waren, w&auml;hrend jetzt die Bundeswehr an den russischen Grenzen stationiert ist? Wer hat denn imperiale Ambitionen? Was haben deutsche Truppen im Baltikum zu suchen? Aber der Informationsraum, die Verzerrung der Realit&auml;t ist eine hervorgehobene Front im hybriden Krieg. Wir verstehen das und stehen dazu, was wir f&uuml;r richtig halten. <\/p><p><strong>Bleiben wir bei Europa. Sergej Lawrow sagte k&uuml;rzlich, die Europ&auml;ische Union und die NATO seien keine Verhandlungspartner Russlands. Aber was ist mit den bilateralen Beziehungen? Wird sich auch Ungarn zwischen Ost und West entscheiden m&uuml;ssen?<\/strong><\/p><p>Im Idealfall sind wir Nachbarn, wir haben eine gemeinsame Kultur, und Eurasien ist ein nat&uuml;rlicher Teil von Europa. Wir k&ouml;nnten noch lange dar&uuml;ber reden, aber das euro-atlantische Modell der Zusammenarbeit ist nicht mehr tragf&auml;hig. Der Hauptgrund daf&uuml;r ist, dass der westliche Block Russland nicht als gleichberechtigten Partner ansieht, dessen Interessen ber&uuml;cksichtigt werden sollten. Russland lehnt daher dieses Modell ab und sieht keine Perspektiven daf&uuml;r. <\/p><p>Was die einzelnen L&auml;nder des Westblocks betrifft, so ist Russland bereit, mit ihnen auf der Grundlage des gegenseitigen Nutzens einen Dialog auf Augenh&ouml;he zu f&uuml;hren. Wir sehen zum Beispiel, dass Ungarn als Mitglied der NATO und der EU f&uuml;r Ma&szlig;nahmen gegen Russland stimmt und daher in der russischen Wahrnehmung kein freundliches Land ist. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass die derzeitige ungarische Regierung die Zusammenarbeit mit Russland vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet als &auml;u&szlig;erst wichtig f&uuml;r Ungarn ansieht, und zwar auf der Grundlage nationaler Interessen. Wir sehen auch, dass es eine gewisse Ann&auml;herung der Standpunkte zum Ukraine-Konflikt gibt und dass Ungarn trotz des Drucks, unter dem es steht, im Gegensatz zu den westlichen L&auml;ndern, die Russland gegen&uuml;ber feindlich eingestellt sind, zu einem Dialog bereit ist. Daher sch&auml;tzen wir diese besondere Rolle Ungarns und stehen der ungarischen Regierung positiv gegen&uuml;ber.<\/p><p><strong>Wie sie erw&auml;hnt haben, ist Ungarn vielleicht der st&auml;rkste Bef&uuml;rworter innerhalb der Europ&auml;ischen Union, den Krieg in der Ukraine so schnell wie m&ouml;glich zu beenden. Das strebt auch Donald Trump an. Welche Chancen hat Ihrer Meinung nach der gew&auml;hlte US-Pr&auml;sident, den Krieg zu beenden?<\/strong><\/p><p>Als Vertreter des Au&szlig;enministeriums kann ich wie Wladimir Putin und Sergej Lawrow nur sagen, dass wir Trumps Amtsantritt und sein Angebot abwarten werden. Wir behandeln das, was im Wahlkampf gesagt wurde, nach seinem lokalen Wert, wir verstehen die Besonderheiten dieser Situation. Es ist etwas anderes, etwas vom Vorsitz aus zu sagen. Wir machen uns keine Illusionen &uuml;ber eine &Auml;nderung der russophoben Stimmung in der US-amerikanischen politischen Klasse, denn wir sehen, dass sich l&auml;ngst ein partei&uuml;bergreifender Konsens in dieser Frage herausgebildet hat. Gleichzeitig warten wir auf konkrete Schritte und sind offen f&uuml;r den Dialog.<\/p><p>Als Analyst sehe ich allerdings wenig Chancen f&uuml;r eine Einigung, denn was wir jetzt h&ouml;ren, ist ziemlich weit von den Zielen Russlands entfernt. Auch Trumps vorherige Amtszeit gibt keinen Anlass zu &uuml;berm&auml;&szlig;igem Optimismus, denn die Taktik der Republikaner besteht erfahrungsgem&auml;&szlig; darin, Frieden mit Gewalt zu schaffen. Offenbar bevorzugt auch Trumps derzeitiges Team dieses Modell. Das erinnert mich an Israel, wo ich gearbeitet habe. Dort gilt der Grundsatz: Wenn Gewalt nicht funktioniert, muss mehr Gewalt angewendet werden. Wenn also ein Angebot kommt, das Moskau nicht annehmen kann, wird das Wei&szlig;e Haus beispielsweise Druck aus&uuml;ben. Aber Russland ist kein Land, in dem man mit Gewalt, mit Druck Ergebnisse erzielen kann. Es wird also keinen Frieden geben.<\/p><p><strong>Ich glaube, dass der Konflikt in der Ukraine nicht gel&ouml;st werden kann, ohne die europ&auml;ische Sicherheitsarchitektur zu &uuml;berdenken. Was sind die Vorstellungen Russlands in dieser Hinsicht?<\/strong><\/p><p>Das Konzept der europ&auml;ischen Sicherheitsstruktur selbst basierte auf dem euro-atlantischen Modell, in dessen Zentrum die von den USA dominierte NATO stand. Und es stellt sich sofort die Frage: Vor wem sollte Europa gesch&uuml;tzt werden? Wer bedrohte es in den sp&auml;ten 1990er Jahren? Wozu brauchen wir &uuml;berhaupt die NATO, die nach dem Ende des Warschauer Paktes nicht nur &uuml;berlebt hat, sondern sich nach Osten auszudehnen begann? Dieses Modell ist nach Ansicht Russlands nicht lebensf&auml;hig, und das gesamte Konzept der europ&auml;ischen Sicherheit, wie es in den OSZE-Dokumenten niedergelegt ist, muss &uuml;berdacht werden. Es befindet sich nicht nur in einer tiefen Krise, sondern ist kollabiert. In diesen Dokumenten hei&szlig;t es, dass die Sicherheit unteilbar ist. <\/p><p>Als Russland dagegen 2021 vorschlug, diesen Grundsatz rechtlich zu best&auml;tigen, wurde ihm gesagt, dass die Sicherheit nur innerhalb der NATO unteilbar ist und sich nicht auf die L&auml;nder au&szlig;erhalb der Organisation erstreckt. Dies gilt aber auch umgekehrt und bedeutet, dass die Seite, die Russland gegen&uuml;bersteht, auch nicht sicher ist. Beim Aufbau der neuen eurasischen Sicherheitsarchitektur beharrt Russland auf dem Grundsatz, dass Sicherheit wirklich unteilbar ist und dass die Sicherheit eines Landes nicht auf Kosten der Sicherheit eines anderen Landes erh&ouml;ht werden darf. Nach Moskaus Vorstellungen sollte diese Struktur allen L&auml;ndern und regionalen Organisationen in Eurasien, einschlie&szlig;lich Europa, offenstehen.<\/p><p>Die NATO-L&auml;nder sollten in Erw&auml;gung ziehen, dass sie ihre Sicherheit im Falle eines Konflikts mit Russland aufs Spiel setzen. Wenn wir die aktuelle Situation betrachten, sind wir der Ansicht, dass sich die NATO mit der Genehmigung der Stationierung von weitreichenden Raketen gegen tiefe russische Gebiete in einen direkten Konflikt mit Russland gebracht hat. Dies ist eine Entscheidung der NATO-Mitgliedsstaaten, die nicht durch ein feindliches Vorgehen Russlands gegen sie ausgel&ouml;st wurde. Nehmen wir das Ultimatum von Friedrich Merz, dessen Erf&uuml;llung die Sicherheit Deutschlands bedroht. Den Einsatz von Taurus gegen Russland zuzulassen, w&auml;re ein selbstm&ouml;rderischer Akt, und vor dem Hintergrund dieser Verantwortungslosigkeit ist der vorbildliche gesunde Menschenverstand der slowakischen oder ungarischen Regierung zu bewerten, die die Sicherheit ihrer eigenen L&auml;nder im Auge haben.<\/p><p><strong>Sie erw&auml;hnten, dass Russland niemanden bedroht, sondern dass sich der europ&auml;ische Mainstream auf einen russischen Angriff, den Einsatz von Atomwaffen, vorbereitet &hellip;<\/strong><\/p><p>Warum sollten wir das tun?! Woher nehmen sie das? Seit vielen Jahren ist die russische Au&szlig;enpolitik darauf ausgerichtet, den Ereignissen zu folgen und auf sie zu reagieren, was keineswegs bedeutet, dass sich Russland auf ein Abenteuer einl&auml;sst, um Europa anzugreifen. Aber nehmen wir den russisch-georgischen Krieg 2008. Hat Russland angegriffen? Nein. Trotz Warnungen begann Saakaschwili, die Kaserne der russischen Friedenstruppen in S&uuml;dossetien zu beschie&szlig;en. Was h&auml;tte man tun sollen? Jedes Land h&auml;tte das getan, was Russland getan hat. Wo ist die viel gepriesene russische Aggression? Doch ich verstehe, der Informationskrieg tobt.<\/p><p><strong>In der gegenw&auml;rtigen Situation ist die Hinwendung der russischen Au&szlig;enpolitik zum Osten verst&auml;ndlich. Ist der Eurasianismus, von dem seit einiger Zeit viel die Rede ist, eine Notwendigkeit, die sich aus globalen Prozessen ergibt, oder ist er ideologisch aufgeladen?<\/strong><\/p><p>Russland hat seit Mitte der 1990er-Jahre die Beziehungen zu China, Indien oder anderen L&auml;ndern des Ostens und des S&uuml;dens gesucht und ausgebaut. Die Gemeinschaft Unabh&auml;ngiger Staaten, die Organisation des Vertrags &uuml;ber kollektive Sicherheit, die &bdquo;Shanghai 5&ldquo;, aus der sich die Shanghaier Organisation f&uuml;r Zusammenarbeit entwickelt hat, und die Eurasische Wirtschaftsunion wurden alle gegr&uuml;ndet. Das ist also nichts Neues. Aber damals wurde der europ&auml;ischen, westlichen Richtung, die als selbstverst&auml;ndlich angesehen wurde, eine gewisse Priorit&auml;t einger&auml;umt. Ich w&uuml;rde also nicht sagen, dass die russische Au&szlig;enpolitik eine scharfe Wendung nach Osten genommen hat, da Russland seine Beziehungen traditionell in alle Richtungen der Welt aufbaut. Es ist einfach so, dass in der aktuellen Krise die Beziehungen zum Westen zusammengebrochen sind. Bildlich gesprochen hat der Westen eine Mauer zwischen sich und Russland errichtet, und w&auml;hrend diese Verbindung abgebaut wurde, sind die anderen sichtbar st&auml;rker geworden. Es handelt sich also nicht um eine Art Umkehrung, sondern um eine objektive Situation, die sich aus der Entwicklung globaler Prozesse ergibt.<\/p><p><em>Der Artikel wurde zuerst in der Wochenzeitung Demokrata ver&ouml;ffentlicht. Online ist er <a href=\"https:\/\/moszkvater.com\/visszafordithatatlanul-alakul-a-multipolaris-vilag\/\">auf Ungarisch auf Moszkvater zu lesen<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Mike Mareen<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/14d9d754407d4a1a9d0ddbf28c4f3c26\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung zu einer multipolaren Welt ist ein objektiver, unumkehrbarer Prozess. Die Frage ist nicht, ob eine multipolare Welt entstehen wird, sondern ob sie ohne gr&ouml;&szlig;ere Konflikte und durch gemeinsame Erarbeitung der Regeln gestaltet werden kann. 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