{"id":127603,"date":"2025-01-22T09:00:42","date_gmt":"2025-01-22T08:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127603"},"modified":"2025-01-22T10:04:51","modified_gmt":"2025-01-22T09:04:51","slug":"rechter-internationalismus-oder-souveraenitaet-die-afd-und-der-amtsantritt-von-donald-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127603","title":{"rendered":"\u201eRechter Internationalismus\u201c oder Souver\u00e4nit\u00e4t? Die AfD und der Amtsantritt von Donald Trump"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Amtsantritt als 47. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten gehen international Erwartungen und Bef&uuml;rchtungen einher. Wenn man sich das Stimmungsbild in der deutschen politischen Klasse und der Mainstreammedienlandschaft anschaut, dann &uuml;berwiegen bei weitem die Bef&uuml;rchtungen. Jenseits dieser Bef&uuml;rchtungen gibt es eine Partei, die den erneuten Amtsantritt von Donald Trump als neuen Pr&auml;sidenten kaum erwarten konnte, die AfD. Das f&uuml;hrt in Folge zu programmatischen Widerspr&uuml;chen bei der AfD und bringt zugleich eklatante Doppelstandards im politischen und medialen Mainstream ans Licht. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6830\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-127603-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=127603-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250121_Rechter_Internationalismus_oder_Souveraenitaet_Die_AfD_und_der_Amtsantritt_von_Donald_Trump_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Zum offiziellen Amtsantritt Trumps reiste gleich eine ganze AfD-Delegation nach Washington. Zwei Wochen zuvor, am 9. Januar 2025, fand sogar ein als &bdquo;Interview&ldquo; bezeichnetes Gespr&auml;ch zwischen Elon Musk, US-Milliard&auml;r und Vertrauter des k&uuml;nftigen US-Pr&auml;sidenten D. Trump, und Alice Weidel, Partei- und Fraktionsvorsitzende der AfD, statt. Musk nutzte f&uuml;r das &bdquo;Interview&ldquo; die ihm geh&ouml;rende Plattform <em>X<\/em>.<\/p><p>Die Mainstreammedien und die politischen Parteien befanden sich in heller Aufregung. Nicht nur, dass der von ihnen ungeliebte Trump der neue US-Pr&auml;sident sein w&uuml;rde und somit die transatlantischen Beziehungen erneut vor existenziellen Herausforderungen stehen k&ouml;nnten. Nein, dass dieser Trump und seine Leute auch noch eine privilegierte Beziehung mit der nicht weniger ungeliebten deutschen Partei AfD eingehen k&ouml;nnten &ndash; ein transatlantischer Super-GAU bahnt sich an.<\/p><p><strong>Skandalisierung des Musk-Weidel-Gespr&auml;chs als Indiz f&uuml;r blank liegende Nerven<\/strong><\/p><p>Allein die politische und mediale Skandalisierung dieses Musk-Weidel-Gespr&auml;ches zeigt, wie gro&szlig; die Bef&uuml;rchtungen sind und wie blank die Nerven vor den m&ouml;glicherweise gro&szlig;en Ver&auml;nderungen in den deutsch-US-amerikanischen Beziehungen liegen.<\/p><p>Aber der eigentliche Skandal ist nicht das Gespr&auml;ch selbst oder sein Inhalt, da es n&auml;mlich auffallend inhaltsarm war und durchg&auml;ngig eher den Charakter einer Caf&eacute;-Plauschrunde oder eines ersten Rendezvous denn eines Interviews aufwies &ndash; abgesehen von der ahistorischen und wirklich d&uuml;mmlichen Aussage A. Weidels, Hitler sei ein Kommunist gewesen.<\/p><p>Es gilt nun, den eigentlichen Skandal um dieses Gespr&auml;ch herauszuarbeiten, da dieser wirkliche Skandal ein Beispiel daf&uuml;r ist, warum der Westen vom Rest der Welt zunehmend kritisch bis ablehnend betrachtet wird.<\/p><p>Der eigentliche Skandal im Kontext dieses Gespr&auml;chs bestand n&auml;mlich in der erneuten Demonstration der Anwendung von Doppelstandards, genau gesagt zweier gewichtiger Doppelstandards:<\/p><p>Erster Doppelstandard &ndash; Deutschland als Subjekt: Die deutsche Au&szlig;enpolitik ist nun wirklich kein Musterknabe in Fragen der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer, der UNO-Charta nach souver&auml;ner Staaten. Die nichtmilit&auml;rische Intervention aufgrund von moralisch erhobenem Zeigefinger und als Moral verkappter Interessenpolitik hat die Souver&auml;nit&auml;t als grundlegendes Recht der UNO-Charta in den letzten drei Dekaden massiv erodieren lassen. Dies umfasst auch die Einmischung in den Wahlkampf von Drittstaaten, um m&ouml;glichst eine genehme Regierung gew&auml;hlt zu bekommen. Hier nun ein wirklich wunderbares, weil erstaunlich primitives Beispiel der Doppelmoral: Der noch amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz rief im April letzten Jahres mit zwei weiteren europ&auml;ischen Regierungschefs in Form eines Gastbeitrages in der Zeitung <em>Le Monde<\/em> ziemlich unverbl&uuml;mt die franz&ouml;sischen W&auml;hler auf, f&uuml;r den Amtsinhaber Emmanuel Macron zu stimmen. Dieser Aufruf wurde explizit ideologisiert mit der Schicksalsfrage der EU und dem Krieg Russlands verbunden: <em>&bdquo;Demokratie, Souver&auml;nit&auml;t (sic!), Freiheit und Rechtsstaatlichkeit&ldquo;<\/em> versus <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/wahlappell-frankreich-101.html\">Diktatur, Autokratie und Krieg<\/a>. Ja, tats&auml;chlich stand auch der Begriff &bdquo;Souver&auml;nit&auml;t&ldquo; in dem Gastbeitrag &ndash; einen Hang zur Ironie kann man den drei Regierungschefs nun wirklich nicht absprechen. Denn genau dieser Aufruf an die franz&ouml;sischen W&auml;hler stellt ja einen eklatanten Souver&auml;nit&auml;tsbruch dar &ndash; n&auml;mlich die direkte Einmischung in deren Wahlverhalten. Ob diese Kuriosit&auml;t nun den drei sozialdemokratischen Verfassern nicht klar oder ob es ihnen schlichtweg egal war, sei dahingestellt. Fakt ist: Wer im Glashaus sitzt, sollte nun mal nicht mit Steinen werfen &ndash; selbst dann nicht, wenn man glaubt, die Moral in Reinform zu verk&ouml;rpern.<\/p><p>Zweiter Doppelstandard &ndash; Deutschland als Objekt: Das deutsch-US-amerikanische Verh&auml;ltnis. Dass es kein Verh&auml;ltnis auf Augenh&ouml;he ist, d&uuml;rften sogar eingefleischte Transatlantiker nicht ernsthaft verneinen k&ouml;nnen. Dass es jedoch dar&uuml;ber hinaus ein Vasallenverh&auml;ltnis sei, artikulieren die USA ganz selbstbewusst und ohne Scham &ndash; siehe beispielsweise die &Auml;u&szlig;erung des US-Geostrategen Zbigniew Brzezinski in seinem in der au&szlig;en-, sicherheits- und geopolitischen Fachliteratur anerkannten Standardwerk &bdquo;<em>Die einzige Weltmacht &ndash; Amerikas Strategie der Vorherrschaft<\/em>&ldquo;: Der gesamte eurasische Kontinent sei &bdquo;<em>von amerikanischen Vasallen und tributpflichtigen Staaten &uuml;bers&auml;t, von denen einige allzu gern noch fester an Washington gebunden w&auml;ren<\/em>&ldquo; (4. Auflage, 2001, S. 41).<\/p><p>[Ich habe diese Aussage bewusst hier als O-Ton eingebaut, um allen, die geneigt sein k&ouml;nnten, mir verschw&ouml;rungstheoretische Aussagen anzudichten, die US-Quelle unter die Nase zu halten. Insgesamt lohnt es, US-Quellen sich so ganz unvoreingenommen anzuschauen. Eine wahre Fundgrube ist der <a href=\"https:\/\/crsreports.congress.gov\/\">Congressional Research Service<\/a>, vergleichbar mit dem Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages.]<\/p><p>Ein Vasallenverh&auml;ltnis kann ein breites Spektrum von Abh&auml;ngigkeits- und Unterwerfungsmomenten beinhalten. Grundlegend ist, dass der Vasall nicht in G&auml;nze seine Politik frei gestalten kann, sondern diese auf die Interessen des ihm &uuml;bergeordneten Hegemonen ausrichten respektive sich diesem unterwerfen muss. So zum Beispiel der US-Druck auf die EU, Sanktionen gegen Russland zu massiven eigenen Kosten zu verh&auml;ngen. F&uuml;r alle Mainstreamverschw&ouml;rungstheoretiker hier die Erkl&auml;rung des damaligen US-Vizepr&auml;sidenten Joe Biden aus dem Jahre 2014:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir haben Putin die ganze Zeit &uuml;ber vor eine einfache Wahl gestellt: Er soll die Souver&auml;nit&auml;t der Ukraine respektieren oder sich zunehmenden Konsequenzen aussetzen. Dadurch konnten wir die wichtigsten Industriel&auml;nder der Welt dazu bewegen, Russland echte Kosten aufzuerlegen. Das wollten sie nat&uuml;rlich nicht. Aber wiederum waren es die amerikanische F&uuml;hrung und der Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten, die darauf bestanden und Europa oft fast in Verlegenheit bringen mussten, aufzustehen und wirtschaftliche Einbu&szlig;en hinzunehmen, um Kosten aufzuerlegen.<\/em>&ldquo; (<a href=\"https:\/\/obamawhitehouse.archives.gov\/the-press-office\/2014\/10\/03\/remarks-vice-president-john-f-kennedy-forum\">Original<\/a>).<\/p><\/blockquote><p>Dass also die USA &ndash; in welchem Ausma&szlig; auch immer &ndash; die deutsche Politik &bdquo;mitgestalten&ldquo;, ist anhand sachlicher Analyse nicht ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Mit anderen Worten, es handelt sich um ein Souver&auml;nit&auml;tsgef&auml;lle zwischen den USA und Deutschland. Dass nun Teile der deutschen politischen Klasse und die Mainstreammedien wegen des Musk-Weidel-&bdquo;Interviews&ldquo; aufheulen, es sei eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Deutschlands, wirkt angesichts der einge&uuml;bten Einmischungspraxis, ob als Subjekt oder Objekt, mehr als skurril: Beispielgebend hierf&uuml;r die &Auml;u&szlig;erung des noch amtierenden Bundeskanzlers O. Scholz: <em>&bdquo;Bundestagswahl 2025: Scholz nennt Musks Einmischung &lsquo;inakzeptabel&lsquo;&ldquo;<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/deutschland\/bundestagswahl-2025-umfrage-sonntagsfrage-wahlkampf-deutschland-liveblog-124.html\">17.01.2025 | 12:14 &ndash; ZDF<\/a>).<\/p><p>Tats&auml;chlich bricht E. Musk kein Tabu, da es in Fragen der Einmischung der USA in die politischen Entscheidungsprozesse Deutschlands schlichtweg kein Tabu gibt. Dem Aufheulen liegt eine andere Motivation zu Grunde: Nicht die Tatsache, dass das US-Establishment sich in die inneren Angelegenheiten Deutschlands einmischt, ist der eigentliche Punkt, sondern wer sich mit welcher ideologischen Ausrichtung einmischt. Und da der k&uuml;nftige US-Pr&auml;sident D. Trump und auch sein enger Vertrauter E. Musk f&uuml;r ein grundlegend anderes Politikverst&auml;ndnis stehen und eine andere politische Agenda verfolgen, die auf eine grundlegende Z&auml;sur auch in der Au&szlig;en-, Sicherheits- und Geopolitik hinauslaufen k&ouml;nnte, ist deren Einmischung in diesem Falle unerw&uuml;nscht &ndash; pl&ouml;tzlich entdeckt das politische Berlin seinen Souver&auml;nit&auml;tsanspruch. <\/p><p>Um kein Missverst&auml;ndnis aufkommen zu lassen: Selbstverst&auml;ndlich ist es das Recht der deutschen Politik, seine Sorgen oder gar seinen Unmut &uuml;ber einen ggf. anderen politischen Kurs der k&uuml;nftigen US-Administration zu &auml;u&szlig;ern. Es steht tats&auml;chlich f&uuml;r den politischen Westen sehr viel auf dem Spiel &ndash; &uuml;brigens auch ohne Trump. Diesen Unmut indessen als Kritik der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Deutschlands zu tarnen, ist schlichtweg unredlich. Hinzu kommt: Wie sehr haben so manche deutsche Politiker auf verschiedenste Weise Donald Trump im US-Wahlkampf sp&uuml;ren lassen, dass man sich Joe Biden bzw. Kamala Harris als US-Pr&auml;sidenten w&uuml;nsche. Und genau diese Doppelstandards und Unehrlichkeit wird in der Bev&ouml;lkerung auch so wahrgenommen und ist weiteres Wasser auf den M&uuml;hlen der AfD.<\/p><p><strong>Die AfD und die Trump-Administration<\/strong><\/p><p>Die Politik der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ist indessen nicht nur ein Thema der praktizierten Doppelstandards. Es ist auch ein Thema, wie zwei rechte Parteien und deren Spitzenpersonal aus zwei eng miteinander kooperierenden Staaten interagieren. Wie wird also die AfD mit der neuen Trump-Administration umgehen? Diese Frage ist deshalb von Interesse, da einerseits die ideologische N&auml;he zwischen D. Trump und der AfD offensichtlich ist, andererseits aber genau diese Ideologie jeweils ihre Nation im Zentrum der Interessenpolitik sieht &ndash; ist also eine &bdquo;rechte Internationale&ldquo; denkbar, wenn es um substanzielle nationale Interessen geht. Die AfD legt sehr viel Wert auf die Wahrung nationaler Interessen und die Souver&auml;nit&auml;t Deutschlands. Die &auml;u&szlig;ere Einmischung in die Angelegenheiten Deutschlands, aber auch generell in die internen Angelegenheiten von Drittstaaten wird von der AfD explizit abgelehnt.<\/p><p>Hierzu ein paar S&auml;tze aus dem Leitantrag (die Endfassung lag zum Zeitpunkt meines Beitrages noch nicht vor) des Bundestagswahlprogramms 2025 der AfD. In dem <a href=\"https:\/\/www.afd.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Leitantrag-Bundestagswahlprogramm-2025.pdf\">Leitantrag<\/a> wird sehr dezidiert die europ&auml;ische und deutsche Souver&auml;nit&auml;tsr&uuml;ckgewinnung und die Ablehnung der Einmischung in die inneren Angelegenheiten hervorgehoben:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Au&szlig;enpolitik muss Realpolitik in deutschem Interesse sein. Voraussetzung deutscher Au&szlig;enpolitik ist ein souver&auml;nes Deutschland, das Freiheit, Recht und Wohlstand sowie Sicherheit seiner B&uuml;rger garantiert. (&hellip;) Die AfD stimmt im Geiste des Vertrages von Helsinki daf&uuml;r, dass sich kein Land in die inneren Angelegenheiten eines anderen einmischen darf. (&hellip;) Wir m&uuml;ssen unsere Souver&auml;nit&auml;t ausbauen, unsere nationalen Interessen selbstbewusst formulieren und diese stringent verfolgen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Dieser Anspruch auf ein souver&auml;nes und an nationalen Interessen orientiertes Handeln wird mit dem Hinweis auf eine interessengeleitete multivektorale Au&szlig;en- und Au&szlig;enwirtschaftspolitik untermauert: &bdquo;<em>Wir verfolgen daher ein interessengeleitetes Verh&auml;ltnis mit den gro&szlig;en M&auml;chten der Welt, mit China und den USA, genauso wie mit der Russischen F&ouml;deration.&ldquo; <\/em>Interessant ist bei der Aufz&auml;hlung der drei Gro&szlig;m&auml;chte, dass China noch vor den USA genannt und zugleich Russland durch das Adverb &bdquo;genauso&ldquo; nicht hintenangestellt wird. Es liegt nahe, dass diese Formulierung keine Hierarchie erkennen lassen m&ouml;chte, zumindest nicht zu Gunsten der USA.<\/p><p>Mehr noch, unter dem Punkt &bdquo;<em>Das Verh&auml;ltnis zu ausgew&auml;hlten Staaten<\/em>&ldquo; wird das Verh&auml;ltnis zu den USA n&uuml;chtern und im Vergleich zu den Mainstreamparteien geradezu steril formuliert. Keine transatlantischen Schicksalsbeschw&ouml;rungen vom wichtigsten Partner Deutschlands und gemeinsamer Werteromantik, sondern eher ein sachlicher, bisweilen sogar ein kritischer oder gar sich distanzierender Ansatz zum deutsch-amerikanischen Verh&auml;ltnis:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Gute Beziehungen zu den Vereinigten Staaten (USA) sind f&uuml;r Deutschland und Europa von wesentlicher Bedeutung, insbesondere die der wirtschaftlichen, technologischen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit.<\/em><\/p>\n<p><em>Die geopolitischen und &ouml;konomischen Interessen der USA unterscheiden sich in zunehmendem Ma&szlig;e von denen Deutschlands und anderer europ&auml;ischer Staaten. Ein Beispiel daf&uuml;r ist die Energieversorgung, so etwa der massive Versuch der USA, die Inbetriebnahme der Nord-Stream-Ferngasleitung zu verhindern. Deutschland darf sich nicht durch weichenstellende Entscheidungen der USA gegen&uuml;ber anderen M&auml;chten in Konflikte hineinziehen lassen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Bleibt dieser Anspruch auf Selbstbehauptung auch unter einem ideologisch nahstehenden US-Pr&auml;sidenten bestehen? Oder wird es eine neue Unterordnung unter einer Trump-Administration im Sinne einer &bdquo;rechten Internationalen&ldquo;, wie einst die UdSSR der sozialistische Taktgeber der linken Internationalen war, geben? Wird die AfD den Anspruch auf Augenh&ouml;he mit und in &Auml;quidistanz zu den USA im Vergleich mit China und Russland aufrechterhalten (k&ouml;nnen)? Oder wird sich der Selbstbehauptungsanspruch angesichts der weitgehend ideologischen &Uuml;bereinstimmung der AfD mit D. Trump der neuen US-Politik unterordnen? Kurzum: Alter Wein in neuen Schl&auml;uchen oder tats&auml;chlich eine souver&auml;ne Au&szlig;enpolitik? Diese Frage l&auml;sst sich nur schwerlich beantworten, denn die AfD wird wohl auf absehbare Zeit keine Regierungsverantwortung &uuml;bernehmen, sodass es nicht sehr wahrscheinlich ist, ihre Aussagen fundiert verifizieren oder falsifizieren zu k&ouml;nnen. Und auch das Weidel-Musk-&bdquo;Interview&ldquo; gibt hierzu wenig Indizien, da es sich im Niveau, wie bereits oben erw&auml;hnt, doch eher um eine Caf&eacute;-Plauschrunde denn um ein knallhartes politisches Gespr&auml;ch handelte.<\/p><p><strong>Prognose<\/strong><\/p><p>Es ist nicht davon auszugehen, dass Trump als absolutes Alpham&auml;nnchen gr&ouml;&szlig;ere Konzessionen gegen&uuml;ber verb&uuml;ndeten kleinen Staaten oder Mittelm&auml;chten machen wird. Schlie&szlig;lich ist sein Credo &bdquo;America first&ldquo; und nicht &bdquo;Partnership first&ldquo; oder &bdquo;NATO first&ldquo;. Auch ist er befreit von dem Druck der R&uuml;cksichtnahme hinsichtlich einer m&ouml;glichen Wiederwahl f&uuml;r eine dritte Amtszeit. Wie wird also die AfD selbst in der Oppositionsrolle oder gar als m&ouml;glicher Oppositionsf&uuml;hrer damit umgehen? Wird die AfD im Sinne nationaler Selbstbehauptung der US-Administration widersprechen, wo deutsche Interessen ber&uuml;hrt werden, oder wird die AfD bei solchen Themen dezent abtauchen? Die n&auml;chsten Jahre werden spannend sein &ndash; innenpolitisch wie au&szlig;enpolitisch, insbesondere mit Blick auf das transatlantische Verh&auml;ltnis. Jedoch gehe ich bereits jetzt davon aus, dass der neue US-Pr&auml;sident bei den Menschen in Deutschland, die auf eine gedeihliche Partnerschaft auf Augenh&ouml;he mit der neuen Trump-Administration setzen, noch viele Illusionen zerst&ouml;ren wird.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Jonah Elkowitz<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124323\">Ampel kaputt, Trump wieder da &ndash; f&uuml;r die SPD k&ouml;nnte das eine Chance sein<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102475\">Der &bdquo;Spiegel&ldquo;, Steinmeier und die AfD: Wer ist hier eigentlich der &bdquo;Verfassungsfeind&ldquo;?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127273\">Wieso erh&auml;lt die Bill Gates Stiftung &uuml;ber 600 Millionen Euro aus Bundesmitteln?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127218\">&bdquo;R&auml;uberpistolen&ldquo; &ndash; Annullierung der Pr&auml;sidentschaftswahl in Rum&auml;nien als Blaupause f&uuml;r die anstehende Bundestagswahl?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/5bc1679dfacc446583f87328f632f80f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Amtsantritt als 47. Pr&auml;sident der Vereinigten Staaten gehen international Erwartungen und Bef&uuml;rchtungen einher. Wenn man sich das Stimmungsbild in der deutschen politischen Klasse und der Mainstreammedienlandschaft anschaut, dann &uuml;berwiegen bei weitem die Bef&uuml;rchtungen. Jenseits dieser Bef&uuml;rchtungen gibt es eine Partei, die den erneuten Amtsantritt von Donald Trump als neuen Pr&auml;sidenten kaum erwarten konnte,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127603\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":127605,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,190],"tags":[3212,1426,2762,3415,1977,1800,1556,3514,2172],"class_list":["post-127603","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-wahlen","tag-doppelte-standards","tag-hegemonie","tag-musk-elon","tag-staatliche-souveraenitaet","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-trump-donald","tag-usa","tag-wahlbeeinflussung","tag-weidel-alice"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/shutterstock_2529055697.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127603","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=127603"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127603\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127652,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127603\/revisions\/127652"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/127605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=127603"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=127603"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=127603"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}