{"id":127626,"date":"2025-01-21T15:43:24","date_gmt":"2025-01-21T14:43:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127626"},"modified":"2025-01-21T16:44:29","modified_gmt":"2025-01-21T15:44:29","slug":"russland-und-trump-vorsichtiges-abtasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127626","title":{"rendered":"Russland und Trump \u2013 vorsichtiges Abtasten"},"content":{"rendered":"<p>Wie reagiert man in Russland auf die zweite Pr&auml;sidentschaft von Donald Trump? W&auml;hrend nach seinem ersten Amtsantritt 2016 in der russischen Duma noch Jubel erklang, gab es nach Trumps Vereidigung am Montag vorsichtiges Abtasten und skeptische Stimmen. Aus Moskau berichtet <strong>Ulrich Heyden<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3710\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-127626-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=127626-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250121-Russland-und-Trump-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Amtsantritt von Donald Trump war f&uuml;r die Welt wie ein Gewitter: Manche freuten sich, manche f&uuml;rchteten sich, manche r&auml;tselten. Trump pr&auml;sentierte sich vor seiner Amtseinf&uuml;hrung zwar als eine Art Reformator und Friedensbringer. Nachdenklich stimmt jedoch, dass auf seiner G&auml;steliste Fans und Gesinnungsgenossen standen, die f&uuml;r Anh&auml;nger von sozialer Gerechtigkeit Grusel ausl&ouml;sen, wie die national-liberale AfD-Politikerin Alice Weidel, die italienische Ministerpr&auml;sidentin Giorgia Meloni und der Anarcho-Liberale Javier Milei, Pr&auml;sident Argentiniens. <\/p><p><strong>Gratulation von Putin<\/strong><\/p><p>Kurz vor dem Amtsantritt gratulierte Wladimir Putin Donald Trump in einem Video-Auftritt. Der Wahlkampf sei f&uuml;r Trump nicht leicht gewesen, erkl&auml;rte der Kreml-Chef. Sogar auf Mitglieder der Trump-Familie sei &bdquo;starker Druck&ldquo; ausge&uuml;bt worden. Au&szlig;erdem habe es einen Anschlag auf Trump selbst gegeben.<\/p><p>Russland sei immer f&uuml;r einen Dialog gewesen, insbesondere &uuml;ber die Festigung der strategischen Stabilit&auml;t und den Konflikt in der Ukraine, erkl&auml;rte der russische Pr&auml;sident. Und weiter:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Wir erkennen beim wiedergew&auml;hlten Pr&auml;sidenten der USA und den Mitgliedern seiner Mannschaft den Wunsch, direkte Kontakte mit Russland wiederherzustellen, die nicht durch unsere Schuld von der letzten Administration unterbrochen wurden.&ldquo; <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Man habe die Erkl&auml;rung von Trump geh&ouml;rt, dass es nicht zu einem Dritten Weltkrieg kommen d&uuml;rfe. <\/p><p>Putin erkl&auml;rte, es gehe jetzt vor allem darum, &bdquo;die Gr&uuml;nde&ldquo; f&uuml;r den Ukraine-Konflikt zu beseitigen. Nicht &bdquo;ein kurzer Waffenstillstand, bei dem die Kr&auml;fte umgruppiert werden&ldquo;, k&ouml;nne das Ziel sein, &bdquo;sondern ein langer Frieden&ldquo;.<\/p><p><strong>Trump: &bdquo;F&uuml;r Putin lief es in der Ukraine nicht ganz erfolgreich&ldquo;<\/strong><\/p><p>Donald Trump erkl&auml;rte zu einem m&ouml;glichen Waffenstillstand in der Urkaine, &bdquo;es gibt nur eine Strategie, und die h&auml;ngt von Putin ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er begeistert ist davon, wie alles gelaufen ist, weil es f&uuml;r ihn auch nicht ganz erfolgreich war.&ldquo;<\/p><p>Noch vor dem Amtsantritt von Trump leitete Putin eine Videokonferenz des russischen Sicherheitsrates. Auf dieser Konferenz erinnerte der russische Au&szlig;enminister Sergej Lawrow daran, dass es trotz des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas keine &bdquo;&uuml;berzeugende Stabilit&auml;t&ldquo; gibt. Beide Seiten w&uuml;rden sich Verletzungen des Waffenstillstands vorwerfen. <\/p><p>Zudem gab Lawrow zu bedenken, dass Trump w&auml;hrend seiner ersten Amtszeit zum Nahen Osten eine Konzeption vertreten habe, &bdquo;die sich grundlegend von den arabischen Friedensinitiativen unterscheidet&ldquo;. <\/p><p>Der Nahe Osten bleibe eine &bdquo;sehr unruhige Region&ldquo;, erkl&auml;rte Lawrow. Man d&uuml;rfe auch Afghanistan nicht vergessen, wo die Amerikaner &bdquo;eine bestimmte Pr&auml;senz wieder herstellen wollen&ldquo;. Daf&uuml;r w&uuml;rden sie Nachbarl&auml;nder benutzen, &bdquo;um dorthin mit ihrer milit&auml;rischen Infrastruktur zur&uuml;ckzukehren&ldquo;. Das erinnere an die Politik der letzten US-Administration. <\/p><p>Was die Ukraine betrifft, g&auml;be Trump zu verstehen, dass er &bdquo;einige Aspekte der russischen Position, zum Beispiel, dass die Ukraine nicht Mitglied der Nato werden kann, versteht&ldquo;. <\/p><p>Die zur&uuml;ckhaltende, diplomatische Sprache von Wladimir Putin und Au&szlig;enminister Sergej Lawrow unterscheidet sich im Ton deutlich von der Sprache, die in russischen Medien gesprochen wird. <\/p><p><strong>Russische Journalistin: &bdquo;In Amerika hat man verstanden, dass Russland gesiegt hat&ldquo;<\/strong><\/p><p>Beispielhaft m&ouml;chte ich aus <a href=\"https:\/\/ria.ru\/20250120\/vashington-1994497781.html\">einem Kommentar<\/a> zitieren, den Jelena Karajewa, eine Journalistin der russischen Nachrichtenagentur <em>Ria Novosti<\/em>, geschrieben hat. Die &Uuml;berschrift des Beitrags lautet: &bdquo;Die amerikanische Trag&ouml;die: In Washington hat man verstanden, dass Russland gesiegt hat&ldquo;. Der Text beginnt folgenderma&szlig;en: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In wenigen Stunden gibt es ein schreckliches Ende. F&uuml;r diejenigen, die versuchten, uns zu dr&uuml;cken, zu begrenzen und plattzumachen. Die besch&auml;mende Pr&auml;sidentschaft Bidens wird auf der M&uuml;lldeponie landen, und die M&uuml;llm&auml;nner der Geschichte werden sich mit ihm besch&auml;ftigen. Biden ist uns egal, wie alle amerikanischen Spiele in der gro&szlig;en Politik, im &sbquo;tiefen Staat&lsquo;, in &sbquo;der glitzernden Stadt auf dem H&uuml;gel&lsquo;. Wir sind aus dem geopolitischen Kindergarten und seinen Metaphern schon lange herausgewachsen. <\/em><\/p>\n<p><em>Das Einzige, was uns &mdash; wenn auch nicht viel &mdash; besch&auml;ftigt, ist die Frage, wie schnell die Wahlversprechen des neuen Herren im Wei&szlig;en Haus, &sbquo;den Krieg in der Ukraine in 24 Stunden zu beenden&lsquo;, wie ein Kinderschloss aus Sand zerfallen sind. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Amerikaner sprechen &uuml;ber unsere Konfrontation mit ihnen und unsere Spezialoperation mit diesen Worten. Sie haben in ihrer kurzen Geschichte noch nicht das Schie&szlig;pulver einer Aggression von au&szlig;en und eine Okkupation gerochen und aufgrund von Infantilismus spielt man mit schweren Ausdr&uuml;cken. <\/em><\/p>\n<p><em>Wenn ich ganz ehrlich bin, Hand aufs Herz: Weniger Desinteressierte, die Konfrontation zu beenden, als Washington und das von ihm beaufsichtigte Kiew, sind jetzt &auml;u&szlig;erst schwierig zu finden. F&uuml;r den Fall, dass die USA Vereinbarungen treffen, mit denen wir &uuml;bereinstimmen, und das gewaltige &sbquo;S&auml;gen&lsquo; an drei Budgets &ndash; dem amerikanischen, dem europ&auml;ischen und nat&uuml;rlich dem Kiewer &ndash; gestoppt wird. Aber wo Finanzen sind, da gibt es Interessenten. Und wo es Interessenten gibt, da gibt es Lobbyisten. Kurz gesagt, es wird problematisch sein, mit dieser Krake voller Blut fertig zu werden, trotz all der Vorrechte, die Trump erhalten wird. <\/em><\/p>\n<p><em>In den westlichen Medium verbreitet sich die Idee vom &sbquo;Deal &mdash; jetzt und sofort&lsquo;. Alles ist gut und alle haben verstanden, wer in hypothetischen Diskussionen eine starke Position hat und wer eine schwache Position hat.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die <em>Financial Times<\/em> habe in diesen Tagen berichtet, <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>dass Russland wahrscheinlich fordert, seine Aktiva freizugeben, deshalb sucht die politische Elite in Europa, dem zu widerstehen. Es gibt genug Unordnung. Orban droht, gegen die Verl&auml;ngerung der Sanktionen zu stimmen und sich mit Trump zu verst&auml;ndigen, um auf Putin zu dr&uuml;cken. Man winkt Putin mit einer Karotte im Wert von 300 Milliarden Euro. <\/em><\/p>\n<p><em>Das ist der ganze Chic und die Sch&ouml;nheit der europ&auml;ischen Diplomatie in Lebensgr&ouml;&szlig;e und ohne Feigenbl&auml;tter. Die Eurodiplomaten wollen, dass Russland mit ihnen feilscht. Diese Br&uuml;sseler sind nicht bereit zuzuh&ouml;ren. Aber die Werte zu zers&auml;gen, wird nicht gelingen. Sie sind mit den Gehirnen von geizigen Ladenbesitzern geboren.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Im weiteren Verlauf ihres Textes stellt die Autorin den US-Amerikaner Thomas Graham vor, Professor der Yale-Universit&auml;t und ehemaliger Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau und jetzt Berater von Trump. <\/p><p>Graham habe vor der russischen &bdquo;Spezialoperation&ldquo; in der Ukraine noch gesagt, &bdquo;Putins Ziel besteht darin, den russischen Einfluss auszuweiten und sein nahes Ausland, wie bei einem Imperium, in einen russischen Puffer zu verwandeln&ldquo;. Doch nun habe sich die Position des Beraters grundlegend ge&auml;ndert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Graham sagt &ndash; und vielleicht zum ersten Mal seit Beginn der akuten Phase unserer Konfrontation mit den USA -, dass es an Amerika ist, die Bedingungen Russlands zu erf&uuml;llen. Die erste Bedingung ist, dass der Kreml der gleiche Baumeister und Garant f&uuml;r das internationale Sicherheitssystem ist, mit dem gleichen Gewicht und dem gleichen Recht auf Besorgnis, wie das Wei&szlig;e Haus. (&hellip;) F&uuml;r jeden Punkt wird Washington einen Kompromiss finden m&uuml;ssen, mit dem Moskau klarkommt.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die russische Journalistin schlie&szlig;t mit den frohlockenden Worten, &bdquo;die Macht Amerikas und des ganzen Westens ist eine Macht auf t&ouml;nernen F&uuml;&szlig;en&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Andy.LIU \/ shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/9a7ed822ff004f8fb84da6fa6d6371d6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie reagiert man in Russland auf die zweite Pr&auml;sidentschaft von Donald Trump? 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