{"id":127655,"date":"2025-01-22T11:26:43","date_gmt":"2025-01-22T10:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127655"},"modified":"2025-01-22T16:55:32","modified_gmt":"2025-01-22T15:55:32","slug":"kein-wort-von-obdachlosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127655","title":{"rendered":"Kein Wort von Obdachlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p>Eine Beobachtung: Das Wort &bdquo;Obdachlosigkeit&ldquo; kommt in den Wahlprogrammen der derzeit aussichtsreicheren Parteien, die sich zur Bundestagswahl 2025 stellen, mit Ausnahme der Gr&uuml;nen und der Linkspartei, nicht vor. So wie weitere ungeschminkte Begriffe, die auf das Leben der vielen anderen B&uuml;rger, das Wahlvolk, zutreffen, nicht formuliert oder allenfalls schwammig umschrieben werden. Daf&uuml;r liegen die Priorit&auml;ten woanders. Es bleibt dunkel in Deutschland. Ein Beitrag von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7584\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-127655-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=127655-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250122-Kein-Wort-von-Obdachlosigkeit-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Obdachlos in einem Land, das so reich ist, f&uuml;r so viel R&uuml;stung so viel auszugeben?<\/strong><\/p><p>Seit einigen Monaten begegne ich mehrmals in der Woche einem Menschen, der auf der Stra&szlig;e lebt. Nebenbei, ich sehe seit Jahren &ouml;fter Menschen, die kein Zuhause haben oder in einer Notunterkunft hausen. Und das sowohl in Metropolen als auch in einem vergleichsweise kleinen Ort wie in meiner Heimatstadt. Stets erblicke ich diesen Mann respektvoll lediglich aus der Distanz, wenn er einen Einkaufswagen vor sich herschiebt oder neben diesem eine Pause einlegt. Seine Pausen geraten lange, er hat Zeit, er hat nichts vor, er wirkt aus der Gesellschaft gefallen. <\/p><p>Doch ist er Teil dieser unserer Gemeinschaft, die es letztlich fortgesetzt zul&auml;sst, dass es Menschen wie ihn gibt, dass es ihm so beschissen ergeht. Er meistert sein Schicksal, habe ich das Gef&uuml;hl, was bleibt ihm &uuml;brig, er schreitet durch den Ort, aufrecht, trotz allem. In dem Einkaufswagen, den er sich von einem Lebensmittelladen sicher nur ausgeliehen hat, hat der Mann wohl all seinen kargen Besitz verstaut, Kleidung, Proviant, Schlafsack, pers&ouml;nliche Sachen, alles gesch&uuml;tzt von einer Plane und von Decken. Selbst ist der Wohnungslose (er sieht nicht aus, als habe er eine feste Bleibe) in mehrere Lagen Kleidung eingepackt, als w&auml;re der strengste Winter im Gang, nach Zwiebelprinzip. Der junge Mann, er ist noch jung, sieht an und f&uuml;r sich stattlich aus: gro&szlig; gewachsen, einen dichten schwarzen Bart, braungebrannt, gro&szlig;e Augen und durchaus kein grimmiger Blick. Leise und ruhig bewegt er sich durch die Stadt, keinem tritt er zu nahe. Wenn er in einen Laden geht, erledigt er unauff&auml;llig seine kleinen, ausgesuchten Eink&auml;ufe, ein, zwei &Auml;pfel, Toastbrot, ewig haltender K&auml;se, ein, zwei Bananen. Dann bezahlt er h&ouml;flich und begibt sich wieder ins Freie, seinen Einkaufs-Transport-Wagen vor sich herschiebend.<\/p><p><strong>Sprachlos machende Zahlen<\/strong><\/p><p>Was ist von der Politik zu erwarten? Wie eingangs erw&auml;hnt, wohl wenig. &bdquo;Wir werden uns f&uuml;r Sie einsetzen&ldquo;, wie das Politiker gern &bdquo;versprechen&ldquo;, das muss reichen. Immerhin finden sich in Wahlprogrammen weniger etablierter Parteien Begriffe wie Mietpreisbremse, soziale Standards und sogar die in diesem reichen Land <a href=\"https:\/\/www.bundestagswahl-bw.de\/bundestagswahl-wahlprogramme\">nicht existente Verm&ouml;genssteuer.<\/a> Ohne Illusion ist ern&uuml;chternd zu sagen: Bei denen, die am Ende die Regierungskoalition in Berlin bilden werden, wird Obdachlosigkeit weiter keine Rolle spielen. Dabei treffen Kernbegriffe den Nagel auf den Kopf des Notwendigen wie: Mieten, eine soziale Gesellschaft in allen Bereichen, die gerechte Verteilung der Ertr&auml;ge und Errungenschaften. Genau diese Punkte stehen nicht auf der Tagesordnung, es wird Not und Spaltung in Kauf genommen. An anderer Stelle wird daf&uuml;r umso mehr geklotzt.<\/p><p>Eine schlichte Grafik zum Thema R&uuml;stungsausgaben Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren machte mich sprachlos. Ich sah zun&auml;chst einen kurzen Balken, der die Zahl 32 Milliarden Euro darstellte. Der Balken f&uuml;r das Jahr 2024 stand wesentlich gr&ouml;&szlig;er da: 90 Milliarden Euro. Das hei&szlig;t: drei Mal so viel f&uuml;r R&uuml;stung, Milit&auml;r, Verteidigung wie vor zehn Jahren. Mir kamen mehrere Ausrufezeichen in den Sinn. Ich fand <a href=\"https:\/\/www.imi-online.de\/2024\/06\/19\/militaerausgaben-2024-deutschland-knackt-90-mrd\/\">weitere Informationen beim Verein Informationsstelle Militarisierung<\/a>, die besagen, dass Deutschland das uns&auml;gliche Zwei-Prozent-Ziel in Sachen R&uuml;stung &bdquo;geknackt&ldquo; habe. Die Profiteure jubeln. Das Ende dieser &bdquo;Erfolgsstory&ldquo; ist nicht in Sicht.<\/p><p><strong>Alles Negative w&auml;chst: die R&uuml;stung, die Armut, das Asoziale, das Auseinanderdriften<\/strong><\/p><p>Die Zahl der Menschen, wie der b&auml;rtige junge Mann mit seinem Wagen einer ist, w&auml;chst, kein Wunder, denn auch die Zahl der Menschen, die in der sogenannten Mitte der Gesellschaft leben und doch k&auml;mpfen m&uuml;ssen, &uuml;ber die Runden zu kommen, w&auml;chst. In die Armut abzust&uuml;rzen, die krasse, die ohne Geld und ohne Heim und ohne Perspektive, also unten, ist f&uuml;r sie eine gro&szlig;e Gefahr und die n&auml;chste Stufe des sozialen Abstiegs. Diese Option offenbart sich mehr und mehr B&uuml;rgern, selbst denen, denen es aus ihrer Sicht (noch) gut geht. Das einstige Wohlstandsversprechen der BRD mit sozialer Marktwirtschaft ist Nostalgie.<\/p><p>Was dem obdachlosen Mann, dem ich &ouml;fter begegne, widerf&auml;hrt, widerf&auml;hrt in unserer westlichen Welt, die so frei und gerecht und wertebasiert und gut und reich ist, vielen Menschen. Und nein, ich sage nicht &bdquo;zu vielen&ldquo; Menschen. Das w&auml;re, als akzeptierte ich, dass man bis zu einer bestimmten Zahl sagen k&ouml;nnte, &bdquo;das sind viele&ldquo;, okay, erst ab da sind es &bdquo;zu viele&ldquo;. Jeder Mensch, der Not leidet, der auf der Stra&szlig;e lebt, dem es schlecht geht, ist zu viel! <\/p><p>Und nein: kein Mensch, dem es schlecht geht, ist selbst schuld daran. Doch die t&auml;gliche aufmerksame Lekt&uuml;re der f&uuml;hrenden Medien gen&uuml;gt, die Artikel &uuml;ber Armut, &uuml;ber Obdachlosigkeit, Statistiken empfinde ich schockierend, sie sind emp&ouml;rend und doch ern&uuml;chternd. Denn die Verantwortlichen, die, welche dagegensteuern m&uuml;ssten, tun es nicht, sie reden allenfalls immer mal davon. Vor allem aber wird auf schwache Menschen in der Gesellschaft eingedroschen. Das ist unsere bundesdeutsche Leistungsgesellschaftsnatur, nicht wahr? Doch nein: Kein Mensch lebt freiwillig auf der Stra&szlig;e, kein Mensch schl&auml;ft freiwillig unter einer Br&uuml;cke, kein Mensch (auch nicht obdachlose Menschen) sammelt gern Pfandflaschen, bettelt, kramt im M&uuml;ll nach Essen. Keiner.<\/p><p>Warum duldet die so genannte Mehrheitsgesellschaft, angef&uuml;hrt und an der Nase herumgef&uuml;hrt von einer selbstgef&auml;lligen, m&auml;chtigen, anma&szlig;enden Minderheitsgesellschaft, die sich zunehmend in eine &uuml;berbordend reiche und abgeschottete Parallelgesellschaft verwandelt, warum duldet sie den Zustand der Not von Mitmenschen? Dieses Dulden, dieses fatalistische Ratlos-Sein, weil das halt so ist mit der Armut, hat seinen Ursprung auch in der Mitte der Gesellschaft, in der t&auml;glich Asoziales abl&auml;uft und geduldet wird. Die, die viel haben, nehmen und nehmen, und zwar denen, die an Eigentum, eine Erfindung zunehmend problematischer Art, nicht viel bis nichts vorzuweisen haben. <\/p><p>Und so kann die eine Seite mehr Miete fordern, die Preise, die Abgaben und Geb&uuml;hren erh&ouml;hen. Oder der Mehrheit auf der anderen Seite raten, doch den G&uuml;rtel enger zu schnallen. Wer nicht mith&auml;lt, ger&auml;t in Gefahr, drau&szlig;en zu sein. Schon mal bei einer Wohnungsr&auml;umung dabei gewesen? Oder schon mal den Strom abgeschaltet bekommen? Bei der Tafel angestellt? Harte Zeiten. Die Zeitungen sind voll von Schlagzeilen, dass gro&szlig;e Firmen Belegschaften abbauen, die Renditen aber auszahlen. Die einen werden gefeuert, die anderen sind am Feiern. Wir haben dazu passend satt Politiker, die labern und keine Angebote machen, all diese gesellschaftlichen Missst&auml;nde (die sie selbst mit hervorgerufen haben, diese hegen und pflegen) zu irgend etwas, das man Besseres nennen k&ouml;nnte, zu &auml;ndern. Die im Warmen Weilenden reden lieber von Zusammenhalt. Dann wird schon alles gut. Sie meinen aber mehr R&uuml;stung, dulden mehr Armut, mehr Asozialit&auml;t, mehr Auseinanderdriften. So ist halt die Welt.<\/p><p><strong>Kein Vorbild USA<\/strong><\/p><p>In den USA, unserem gro&szlig;en Bruderland, las ich, leben nach aktuellen Erhebungen mehr als 700.000 Menschen auf der Stra&szlig;e. Nicht mitgez&auml;hlt sind diejenigen, die in Wohnmobilen, in Zelten, in Autos oder bei Freunden oder Verwandten leben, weil sie sich keine Wohnung leisten k&ouml;nnen. Die Mieten, die Preise des t&auml;glichen Lebens sind einfach zu hoch. Da sage mal einer: &bdquo;Selbst schuld&ldquo;. Von wegen. Viele der genannten Menschen halten sich sogar an die &bdquo;Flei&szlig;ig, flei&szlig;ig&ldquo;-Moral: Sie gehen arbeiten, manche gar in zwei, drei Jobs. Dennoch soll das nicht reichen, nicht genug sein, um in W&uuml;rde leben zu k&ouml;nnen? Sollen sie sich halt mehr anstrengen?<\/p><p>Was tun die Eliten? Sie verachten die Menschen, die sie unter sich w&auml;hnen. Beispiel: In Frankreich hat man 2024, als die Olympischen Sommerspiele in Paris stattfanden, die Obdachlosen, die in der Stadt lebten, unter Br&uuml;cken, in Parks, in Seitenstra&szlig;en, an den Ufern der Seine und der Marne, in Busse gesteckt und aus der Stadt gefahren. Wo kein Mensch, da kein Problem. <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=114957\">Es sollten sch&ouml;ne Spiele werden mit sch&ouml;nen Bildern.<\/a> Obdachlose sind nicht sch&ouml;n, wie zynisch. Ihre W&uuml;rde, ihren Stolz, die Souver&auml;nit&auml;t und die verbliebene Freiheit haben sich dennoch nicht wenige dieser schlecht behandelten Menschen ohne ein Dach &uuml;ber dem Kopf nicht nehmen lassen &ndash; sie blieben! Sie bauten ihre Zelte und Verschl&auml;ge mutig und trotzig anderswo in Paris auf. Den Eliten sei gesagt: Paris ist auch deren Heimat, der Himmel &uuml;ber der Stadt der Liebe, oh, welch gro&szlig;es Wort, ist auch ihr Dach.<\/p><p><strong>Die L&ouml;sung ist einfach &ndash; wenn man nur will<\/strong><\/p><p>Bis 2030 soll die Obdachlosigkeit in unseren entwickelten reichen Nationen des Westens Geschichte sein. So lautet eine vollmundige Ank&uuml;ndigung, die auf einer Tagung in Lissabon schon 2021 von den EU-L&auml;ndern gemacht wurde. Jetzt haben wir bereits 2025. Es scheint, dass das Vorhaben mehr als f&uuml;nf Jahre braucht. Dabei ist es einfach, w&uuml;rde einem konsequenten Konzept gefolgt werden. Das nennt sich auf gut Deutsch: Zuerst eine Wohnung und dann das Halten der Wohnung mit der Unterst&uuml;tzung der Gesellschaft. Auf English hei&szlig;t das &bdquo;Housing First&ldquo;. In den USA sagte dazu eine Forscherin: &bdquo;Wenn wir Obdachlosigkeit beenden wollten, dann k&ouml;nnten wir das einfach tun.&ldquo; Das Zitat habe ich <a href=\"https:\/\/taz.de\/Obdachlosigkeit-in-New-York\/!6056778\/\">in der <em>taz<\/em> gefunden<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Es sei fast ironisch, sagt Ana Stefan&#269;i&#263; (Columbia University). Eine Art Missverst&auml;ndnis. Wenn es heute um Housing First gehe, dann vor allem um die Wohnungen und um die Beendigung von Obdachlosigkeit. Dabei sei das doch der einfachste Teil. &bdquo;Wenn wir Obdachlosigkeit beenden wollten, dann k&ouml;nnten wir das einfach tun&ldquo;, sagt Stefan&#269;i&#263;. Eine Frage von politischen Entscheidungen, eine reine Abw&auml;gung in wohlhabenden Gesellschaften.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>In einem Leserbrief <a href=\"https:\/\/taz.de\/wortwechsel\/!6057139&amp;s=obdachlos&amp;SuchRahmen=Print\/\">dazu hei&szlig;t es<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Obdachlosigkeit ist die chronische Krankheit dieser und fast aller Metropolen.&ldquo; Richtig, denn man muss gar nicht &uuml;ber den gro&szlig;en Teich schauen, im reichen Deutschland sind die St&auml;dte auch schon voll mit Obdachlosen. Man muss sich das einmal vor Augen halten: Frauen, oftmals sogar im hohen Alter, sind in diesem reichen Land obdachlos und m&uuml;ssen auf der Stra&szlig;e leben, aber kein Politiker in Deutschland sch&auml;mt sich daf&uuml;r. &bdquo;Mammon first!&ldquo;&sbquo;steht in den kapitalistischen L&auml;ndern immer noch an erster Stelle. <\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Weiter hei&szlig;t es in der <em>taz<\/em>:<\/p><blockquote><p>\n<em>Als Wissenschaftler, der mit obdachlosen Menschen und psychisch Erkrankten arbeitet, habe er dann begriffen, dass der Fehler nicht bei diesen Menschen liegt, sondern in deren Behandlung.<\/em><\/p>\n<p><em>Bis heute denken viele anders, und vielleicht ist das der wahre Grund, warum wir Obdachlosigkeit &uuml;berhaupt hinnehmen k&ouml;nnen. In den Vereinigten Staaten ist es eben das bittere Ende des American Dream. Diese Menschen h&auml;tten es einfach nicht geschafft, sich nicht genug angestrengt, seien faul oder schwach. Auch in Berlin habe ich &auml;hnliche Argumente geh&ouml;rt, die uns die Verantwortung vom Leib halten. Als h&auml;tten alle die gleichen M&ouml;glichkeiten, es &bdquo;zu schaffen&ldquo;. Menschen, die in Heimen aufwuchsen, Missbrauch erfahren haben, als junge Erwachsene trotz aller Traumatisierung sich selbst &uuml;berlassen sind.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Statt L&ouml;sung lieber Bestrafung<\/strong><\/p><p>Ich denke an die Erkl&auml;rung der Menschenrechte, in der steht, dass Menschenrechte Rechte sind, die sich aus der W&uuml;rde des Menschen herleiten und begr&uuml;nden lassen; Rechte, die unver&auml;u&szlig;erlich, unteilbar und unverzichtbar sind. Sie stehen allen Menschen zu, unabh&auml;ngig davon, wo sie leben, und unabh&auml;ngig davon, wie sie leben (Quelle: BMJ). Und dann lande ich wieder in der Realit&auml;t, in der dar&uuml;ber sinniert wird, Menschen, die das Tempo unserer westlichen Selbstherrlichkeit nicht halten k&ouml;nnen, bestraft werden sollten. Zitat:<\/p><blockquote><p>\n<em>Bestrafung First!<\/em><\/p>\n<p><em>F&uuml;r die Leute, die eine Bestrafung f&uuml;r Obdachlose auf &ouml;ffentlichen Pl&auml;tzen einf&uuml;hren wollen, hei&szlig;t die Probleml&ouml;sung: Die Leute sind weg, entweder nicht mehr da, weil im Knast, oder nicht mehr da, weil sie in Gemeinden ausweichen, die (noch) nicht strafen. Oder weil sie sterben &ndash; verhungern, erfrieren, an schlechtem Essen sterben, an &Uuml;berhitzung, dem letzten Schuss. Oder einfach &uuml;berfahren werden. Das ist ihnen egal, nur in ihrem Lebensumfeld wollen sie davon nicht durch den blo&szlig;en Anblick bel&auml;stigt werden. Diesen Anblick empfinden sie als ebenso emp&ouml;rend wie den ihres eigenen M&uuml;lls, wenn der eine Woche lang nicht abgeholt wird. Das passiert nur unter zwei Bedingungen: absolute Sicherheit, selbst nie obdachlos zu werden. Oder extreme Angst davor, die zur Verdr&auml;ngung jeder Erinnerung an die M&ouml;glichkeit, obdachlos zu werden, zwingt. Monomi auf taz.de<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"https:\/\/taz.de\/wortwechsel\/!6057139&amp;s=obdachlos&amp;SuchRahmen=Print\/\"><em>taz<\/em> Leserbriefe<\/a><\/p><p><strong>Wohin geht die Reise?<\/strong><\/p><p>Eine Prognose, die nicht eintreten darf: Angesichts dessen, dass unsere westliche Wertewelt geradezu atemlos unterwegs ist, zu einer noch extremeren Oben-und-Unten-Welt als bisher zu werden droht, wird folglich die Obdachlosigkeit zunehmen, die Mieten werden weiter steigen, die Gelder f&uuml;r Bed&uuml;rftige werden noch mehr zusammengestrichen, die Gelder f&uuml;r das Gemeinwohl, f&uuml;r das Gemeinwesen mit all seinen Facetten, die Forcierung von &bdquo;Jeder ist sich selbst der N&auml;chste&ldquo; und &bdquo;Mir das Meiste&ldquo;. Ich denke nochmal an die Aussage: &bdquo;<em>Eine Frage von politischen Entscheidungen, eine reine Abw&auml;gung in wohlhabenden Gesellschaften.&ldquo; &ndash; <\/em>Die wohlhabenden Gesellschaften haben kalte Priorit&auml;ten auf dem Zettel. Und so wird es kommen:<\/p><p>Auf dass es in zwei, drei, vier Jahren den ersten Menschen auf der Erde geben wird, der eine Billion auf seinem Konto haben wird. Keiner h&auml;lt ihn auf dabei. Schon jetzt wird ihm zugejubelt bei 440 Milliarden. Mir kommt der Satz von Bertolt Brecht in den Sinn, der 1934 dichtete: &bdquo;Reicher Mann und armer Mann standen da und sah&rsquo;n sich an. Und der Arme sagte bleich, w&auml;r ich nicht arm, w&auml;rst du nicht reich.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: Svetlana Jonson\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Beobachtung: Das Wort &bdquo;Obdachlosigkeit&ldquo; kommt in den Wahlprogrammen der derzeit aussichtsreicheren Parteien, die sich zur Bundestagswahl 2025 stellen, mit Ausnahme der Gr&uuml;nen und der Linkspartei, nicht vor. So wie weitere ungeschminkte Begriffe, die auf das Leben der vielen anderen B&uuml;rger, das Wahlvolk, zutreffen, nicht formuliert oder allenfalls schwammig umschrieben werden. Daf&uuml;r liegen die Priorit&auml;ten<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127655\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":127656,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,135,132,161],"tags":[881,1183,305,1141,1367,309,687,1500],"class_list":["post-127655","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-finanzpolitik","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wertedebatte","tag-armut","tag-exklusion","tag-menschenrechte","tag-obdachlosigkeit","tag-ruestungsausgaben","tag-repressionen","tag-ungleichheit","tag-wahlprogramm"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Shutterstock_2480131523.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127655","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=127655"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127655\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127670,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127655\/revisions\/127670"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/127656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=127655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=127655"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=127655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}