{"id":127770,"date":"2025-01-26T12:00:27","date_gmt":"2025-01-26T11:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127770"},"modified":"2025-01-24T15:53:04","modified_gmt":"2025-01-24T14:53:04","slug":"elbelistig-oder-die-im-dunkeln-sieht-man-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127770","title":{"rendered":"Elbelistig oder \u2026 die im Dunkeln sieht man nicht"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. M&auml;rz 2009 trat in Deutschland die am 13. Dezember 2006 verabschiedete Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) in Kraft, zu deren Umsetzung Deutschland seither rechtlich verbindlich verpflichtet ist. Bevor Sie jetzt wegklicken, weil Sie vielleicht denken, dieses Thema betr&auml;fe Sie nicht, da Sie zu den etwa 85 Prozent nicht behinderten Menschen im Land geh&ouml;ren: Es gibt zwei gute Gr&uuml;nde, warum Sie weiterlesen sollten. Erstens werden Behinderungen in den allermeisten F&auml;llen durch Unfall, Krankheit oder Alter im Laufe des Lebens erworben. Nur etwa zehn Prozent der Behinderungen bestehen von Geburt an. Von einer Behinderung kann somit jede und jeder direkt oder indirekt getroffen werden. Und zweitens zeigt dieser Artikel beispielhaft auf, wie die Interessen einer eher finanzschwachen Bev&ouml;lkerungsgruppe von der Politik nachhaltig vernachl&auml;ssigt werden. Von <strong>Burkhard Bujotzek<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r die konkrete Umsetzung der UN-BRK in Deutschland soll im Bund wie in den Bundesl&auml;ndern jeweils ein Landesaktionsplan (LAP) sorgen. Dieser Plan ging in Hamburg erstmals 2012 an den Start und wurde im Lauf der Jahre mehrmals fortgeschrieben. Wir blicken somit auf zw&ouml;lf Jahre Umsetzungsplanung in der Hansestadt zur&uuml;ck. Und es ist 15 Jahre her, dass die Behindertenrechtskonvention f&uuml;r Deutschland verbindlich wurde. Zeit genug also und vielleicht h&ouml;chste Zeit f&uuml;r eine Zwischenbilanz. <\/p><p>Dieser Ansicht d&uuml;rfte auch die Stiftung &bdquo;Das raue Haus&ldquo; gewesen sein, eine angesehene gemeinn&uuml;tzige Organisation in Norddeutschland, als sie Prof. Siegfried Saerberg von der Evangelischen Hochschule f&uuml;r soziale Arbeit und Diakonie Hamburg beauftragte, eine wissenschaftliche Studie zur Umsetzung der UN-BRK in der Hansestadt zu erstellen. Die Ergebnisse wurden nun am 12. Dezember 2024 in einem &uuml;ber 300 Seiten umfassenden &bdquo;Schattenbericht&ldquo; vorgestellt, der sich im Netz <a href=\"https:\/\/www.schattenbericht-hamburg.de\/\">hier abrufen l&auml;sst<\/a>.<\/p><p>Die Studie lief dreieinhalb Jahre lang und umfasst den Untersuchungszeitraum Juli 2022 bis Juni 2024. Wer erwartet hatte, dass der Bericht sich vor allem derjenigen Themen ann&auml;hme, die bei all den positiven Entwicklungen der letzten Jahre noch verblieben, wer meinte, es g&auml;be nur noch wenige &bdquo;Schattenstellen&ldquo;, die dann im n&auml;chsten LAP beherzt anzugehen seien, wurde herb entt&auml;uscht. Der titelgebende Schatten ist vielmehr derjenige, den wir aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht kennen: &bdquo;Denn die einen sind im Dunkeln und die anderen sind im Licht. Und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht&ldquo;. Gemeint sind hier die Menschen mit Behinderung, die trotz der UN-Behindertenkonvention, trotz deren &Uuml;berf&uuml;hrung in deutsches Recht, trotz des LAP mit all seinen Fortschreibungen und trotz blumiger Worte der Politik nach wie vor im Dunklen stehen. Der &bdquo;Schattenbericht&ldquo; zeigt so n&uuml;chtern wie schonungslos auf, wie ein System sich unter der Maskerade der Ver&auml;nderungsbereitschaft erfolgreich vor echtem Wandel sch&uuml;tzt. <\/p><p>Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass der hier gew&auml;hlte Fokus auf Hamburg sich aus dem Untersuchungsgegenstand des Schattenberichts ergibt. Es besteht jedoch kein Anlass zu vermuten, dass die Hansestadt im Reigen der Bundesl&auml;nder positiv oder negativ auffallen w&uuml;rde. Ganz getrost kann der Befund in allen wesentlichen Dingen auf Gesamtdeutschland &uuml;bertragen werden, da zu allen Einzelthemen auch stets weitere Quellen herangezogen wurden, konkret die Stellungnahmen des Deutschen Instituts f&uuml;r Menschenrechte (DIMR) als offizieller Monitoring-Stelle f&uuml;r alle Konzepte und Verfahren zur Umsetzung der UN-BRK in Deutschland von 2023 sowie die Ergebnisse des 3. Staatenberichtsverfahrens zur Umsetzung der UN-BRK vom 3. Oktober 2023 durch den in Genf ans&auml;ssigen UN-Fachausschuss. Beide Berichte kommen zu den gleichen, ern&uuml;chternden Beurteilungen. <\/p><p>Gleich zu Beginn erinnert der Schattenbericht an die Worte eines Abteilungsleiters der Sozialbeh&ouml;rde, die als Motto der aktuellen Ausgabe des LAP herhalten k&ouml;nnten: &bdquo;Bitte am Machbaren orientieren, damit wir alle etwas davon haben&ldquo;. Mit diesen d&uuml;rren Worten wird die Vision der UN-BRK von vornherein ins Abseits der Utopie verbannt. Es geht nicht mehr darum, Vorurteile durch neue Erfahrungen zu ersetzen, eingefahrene Strukturen in Frage zu stellen, die Gleichberechtigung eines jeden Menschen als Ausgangspunkt f&uuml;r das Erforderliche zu sehen. Es geht nur noch um &bdquo;das Machbare&ldquo;! Nach der Lekt&uuml;re des Schattenberichts muss man leider davon ausgehen, dass diese Formulierung, gewollt oder unbewusst, die mehrheitliche Haltung der Beh&ouml;rdenleitungen widerspiegelt. Und diese steht offensichtlich im Widerspruch zum Credo der UN-BRK. <\/p><p>Die UN verlangt in ihrer Konvention nichts weniger als einen gesellschaftspolitischen Wandel in den Mitgliedsstaaten mit dem Ziel der vollumf&auml;nglichen Erlangung der Menschenrechte f&uuml;r Behinderte. Tiefgreifende Ver&auml;nderungsprozesse brauchen aber nicht nur Zeit, sondern auch den unbedingten Willen des F&uuml;hrungspersonals, hier also der Politik. Sie brauchen Beharrlichkeit, maximale Aufmerksamkeit und die feste &Uuml;berzeugung von der Sache. Mangelt es der F&uuml;hrung an Entschlossenheit, m&uuml;ssen uns die mageren Ergebnisse nicht verwundern. Dieser Mangel kann durch kein Engagement Einzelner auf operativer Ebene, das zweifelsfrei vorhanden ist, ausgeglichen werden, in keinem Unternehmen, in keiner Beh&ouml;rde, in keinem Gemeinwesen. <\/p><p>Was aber ist denn nun &bdquo;machbar&ldquo; im Sinne das LAP? Damit bei der Antwort auf diese Frage in Hamburg auch nichts schief geht, schloss man die Betroffenen, also Menschen mit Behinderung und deren Vertretungsverb&auml;nde, aus dem Entscheidungsprozess zur Auswahl der Ma&szlig;nahmen zum LAP aus. Sie durften zwar ihre &uuml;ber 1.700 ernsthaft erarbeiteten Ideen einbringen, doch welche davon umgesetzt wurden, entschied allein die Obrigkeit. Es entschieden die zust&auml;ndigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Hamburger Fachbeh&ouml;rden, die &uuml;berwiegend nicht behindert sind. <\/p><p>V&ouml;llig zu Recht &auml;u&szlig;ert der Schattenbericht an diesem Vorgehen der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) fundamentale Kritik. Die &bdquo;Fachleute&ldquo; der Beh&ouml;rde entscheiden &uuml;ber das &bdquo;Machbare&ldquo;, was die betroffenen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger dann zur Kenntnis zu nehmen haben. Wie in einem Brennglas wird bei diesem Vorgehen deutlich, dass gesellschaftliche Macht hier eben nicht vom Volke, sondern von der politischen Verwaltung ausgeht bzw. ausge&uuml;bt wird. Zumindest gilt dies f&uuml;r Menschen mit Behinderung und andere soziale Gruppen ohne Einfluss auf die Politik. <\/p><p>Aber damit nicht genug. Auch im Prozess der Umsetzung zugelassener Ma&szlig;nahmen sorgt die LAP-Projektstruktur daf&uuml;r, dass berechtigte Forderungen eingehegt werden. Nur zehn Prozent der Prozessbeteiligten sind Betroffene! Wozu dies f&uuml;hrt, zeigt folgendes Beispiel. Bei der von der Beh&ouml;rde vorgenommenen Clusterung der vorgeschlagenen Ma&szlig;nahmen wurden die Punkte &bdquo;St&auml;rkung der Arbeitnehmerrechte von Menschen mit Behinderung&ldquo; und &bdquo;Sensibilisierung von F&uuml;hrungskr&auml;ften&ldquo; thematisch zusammengefasst. Was aber haben Arbeitnehmerrechte, die im Zweifelsfall hart durchsetzbar sind, mit einem w&uuml;nschenswerten, aber v&ouml;llig unverbindlichen Verst&auml;ndniszuwachs bei Arbeitgebern gemein? Die Antwort der Beh&ouml;rde auf diese Frage ist entlarvend: &bdquo;Es besteht eine unternehmerische Freiheit&ldquo;. Menschen mit Behinderungen sind folglich bei der Durchsetzung ihrer Menschenrechte gem&auml;&szlig; UN-BRK nach Auffassung der FHH auf die g&ouml;nnerhaften Wohltaten der Arbeitgeber angewiesen. Dass der Gesetzgeber entsprechende Gesetze formulieren und die Exekutive diese ggf. durchsetzen k&ouml;nnte, scheint f&uuml;r die Volksvertreter nicht in Betracht zu kommen.<\/p><p>Eine zentrale Forderung der UN-BRK ist die Implementierung von Mitarbeitern in allen Beh&ouml;rden, deren Aufgabe die Beachtung und Umsetzung der Menschenrechte von Behinderten sein soll. Diese &bdquo;Focal Points&ldquo; genannten Ansprechpartner m&uuml;ssen nicht nur finanziell, sondern auch mit Kompetenzen ausk&ouml;mmlich ausgestattet sein, engen Kontakt zu den Vertretungsorganisationen von Behinderten pflegen und sollten selbst auch mit Betroffenen besetzt werden. Laut Schattenbericht wurden in Hamburg die Focal Points aber lediglich auf bestehende Stellen &bdquo;aufgesattelt&ldquo;, womit diese unzureichend ausgestattet sind. Anstatt f&uuml;r die spezifischen Aufgaben Menschen mit Behinderung einzustellen, &uuml;bernehmen somit nicht behinderte Mitarbeiter den Job. Auch hier zeigt sich das strukturelle, wirkungsvolle Ausbremsen der UN-BRK. Erkennbar mangelt es diesbez&uuml;glich an echtem Umsetzungswillen in Hamburg und in Deutschland insgesamt. <\/p><p>Dazu kommt, dass die Verantwortlichen laut Schattenbericht auch vor eklatanten Verst&ouml;&szlig;en gegen die UN-BRK nicht zur&uuml;ckschrecken. So sind klar Normenpr&uuml;fverfahren gefordert, in denen neue ebenso wie auch bestehende Gesetze auf ihre Vertr&auml;glichkeit mit der UN-BRK &uuml;berpr&uuml;ft und Abweichungen durch Gesetzes&auml;nderungen beseitigt werden m&uuml;ssen. Diesbez&uuml;glich ist auch 15 Jahre nach Inkrafttreten der UN-BRK im LAP nichts als eine schwammige Ma&szlig;nahmen&uuml;berschrift zu finden, die bestehende Normen &uuml;berdies explizit ausklammert.<\/p><p>Der Schattenbericht z&auml;hlt etliche weitere Aspekte auf, die eine echte Umsetzung der UN-BRK systematisch und weitgehend blockieren. Auf alle kann hier aus Platzgr&uuml;nden leider nicht eingegangen werden. Benannt werden muss aber das zentrale Problem der fehlenden Unterst&uuml;tzung durch die Politik im Bereich der Partizipation von Menschen mit Behinderung an dem durch die UN-BRK intendierten Ver&auml;nderungsprozess. Vereine und Verb&auml;nde der Selbstvertretung st&uuml;tzen sich weitgehend auf engagierte Ehrenamtliche. Dieser Einsatz kann nicht hoch genug gelobt werden. Er ersetzt aber keine ausk&ouml;mmliche Interessenvertretung der 240.000 Menschen mit Behinderung in Hamburg bei einem ernsthaft gewollten gesellschaftlichen Wandel. Dieser Gruppe mangelt es schlicht an Geld, sie hat keine Lobby, die auch nur ann&auml;hernd mit den Interessenvertretern finanzstarker Branchen mithalten kann. Gesellschaftlicher Wandel kann nur durch Partizipation gelingen, Partizipation jedoch braucht mehr fest angestelltes Fachpersonal bei den Interessensvertretungen. Dessen Finanzierung ist ein Pr&uuml;fstein f&uuml;r die Politik. Es stellt sich hier die Frage, was blumige Worte wert sind. <\/p><p>Zum Themenkomplex Bildung findet sich im Schattenbericht u. a. folgende eindeutige Anmerkung: &bdquo;Politik und Verwaltung in Hamburg haben ihre Hausaufgaben in Sachen Inklusiver Bildung seit Inkrafttreten der UN-BRK vor 15 Jahren nur mangelhaft erf&uuml;llt. Wir empfehlen deswegen dringend Nachhilfe in der menschenrechtsbasierten Umsetzung von Inklusiver Bildung gem&auml;&szlig; der UN-BRK&ldquo; (Seite 80). In diesem Zusammenhang wird ausdr&uuml;cklich auf den normativen Charakter von Artikel 24 der UN-BRK f&uuml;r die unterzeichnenden Vertragsstaaten hingewiesen, zu denen Deutschland geh&ouml;rt. <\/p><p>Ein weiteres Problem ist der Bedarf an geeignetem Wohnraum. Viele Menschen mit und ohne Behinderung sind auf bezahlbare Wohnungen angewiesen, der immer gr&ouml;sser werdende Mangel seit vielen Jahren bekannt und wiederholt Gegenstand von sch&ouml;nen Wahlkampfversprechen. Tats&auml;chlich jedoch gab es in Hamburg Mitte der 1980er-Jahre noch &uuml;ber 350.000 Sozialwohnungen, im Jahr 2000 bereits nur noch gut 150.000 und aktuell lediglich etwa 80.000. Im gleichen Zeitraum wuchs die Bev&ouml;lkerung zudem um etwa 20 Prozent. Im Schattenbericht wird ferner bis 2027 mit dem Verschwinden eines weiteren Viertels von Sozialwohnungen gerechnet.<\/p><p>Von dem aktuellen Bestand gelten nur 15.000 Wohnungen als barrierearm, der Bedarf bis 2035 wird aber laut parit&auml;tischem Wohlfahrtsverband auf 70.000 barrierefreie Wohnungen gesch&auml;tzt (&bdquo;Gut Wohnen und Leben in Hamburg&ldquo;, Der Parit&auml;tische, 2023). Zusammenfassend findet sich im Schattenbericht im Bereich Wohnen folgende Auffassung: &bdquo;Insgesamt erscheint uns das Ma&szlig;nahmenpaket des LAP zum Thema Wohnen zu d&uuml;nn, unverbindlich und k&uuml;nstlich aufgebl&auml;ht, um Eindruck zu machen&ldquo; (Seite 106).<\/p><p>Dank der oben bereits angesprochenen Ignoranz gegen&uuml;ber dem von der UN-BRK geforderten Normenpr&uuml;fverfahren l&auml;sst Hamburg in seinen Bau- und Bauf&ouml;rdervorschriften &bdquo;weiterhin Barrieren im Neubau zu und grenzt Menschen damit aus. Barrierefreies Bauen wird nach dieser F&ouml;rderlogik offensichtlich immer noch als Sonderl&ouml;sung verstanden und steht damit im Widerspruch zu den Zielsetzungen einer zeitgem&auml;&szlig;en Baukultur&ldquo; (&bdquo;Gut Wohnen und Leben in Hamburg&ldquo;, Der Parit&auml;tische, 2023).<\/p><p>Zu Mobilit&auml;t und Verkehr res&uuml;miert der Schattenbericht: &bdquo;Der LAP ist ein lauwarmer Tropfen auf dem hei&szlig;en Stein. Die eigentlichen Probleme, die massiv sind, werden nicht behandelt.&ldquo; Und: &bdquo;Der LAP greift in allem viel zu kurz.&ldquo; Am Ende hei&szlig;t es: &bdquo;Die M&auml;ngel in Hamburg in Sachen inklusiver Mobilit&auml;t sind derart gravierend, dass wir uns ernsthaft Sorgen um Hamburg und sein internationales Ansehen machen und nat&uuml;rlich um die Unversehrtheit unserer behinderten Freund*innen, die dort leben m&uuml;ssen.&ldquo; (Seite 170)<\/p><p>Und in dieser Weise geht es weiter, bei den Themen Gesundheit, Kultur, Barrierefreiheit, Schutz und Unterst&uuml;tzung. Besonders harsch f&auml;llt die Kritik im Bereich Arbeit aus. W&auml;hrend die FHH Behindertenwerkst&auml;tten, in denen Besch&auml;ftigte weit unter Mindestlohn bezahlt werden, immer noch stur als Bestandteil der Teilhabe betrachtet, prangern der UN-Fachausschuss und das Deutsche Institut f&uuml;r Menschenrechte (DIMR) die Werkst&auml;tten seit vielen Jahren als dringend zu &uuml;berwindende institutionalisierte Form der Ausgrenzung an. Von der Community der Behinderten eingebrachte Ideen zu deren Abbau werden von den &bdquo;Fachleuten&ldquo; der Beh&ouml;rden kalt gel&ouml;scht, Ideen zur &bdquo;Verbesserung der Werkst&auml;tten&ldquo; unklarer Herkunft aber in den LAP aufgenommen.<\/p><p>Bei der Lekt&uuml;re des sorgsam und solide zusammengetragenen Schattenberichts ist eine Frage ein steter, st&auml;ndig lauter werdender Begleiter. Wie ist das m&ouml;glich? Wie kann es sein, dass die Autoren am Ende zu dem Schluss kommen, dass Deutschland 17 Jahre nach der am 30. M&auml;rz 2007 geleisteten Unterschrift unter der UN-BRK immer noch erst am Anfang steht? Und selbst dies ist unbegr&uuml;ndet euphorisch, fehlen doch s&auml;mtliche Hinweise auf eine dringend erforderliche &bdquo;Zeitenwende&ldquo; in Sachen Inklusion. Der im Schattenbericht vorgelegte Befund zeigt &uuml;berdeutlich, dass der Kern der UN-BRK von der Politik in Deutschland nicht akzeptiert wurde. Statt aber dazu zu stehen und das Abkommen zu k&uuml;ndigen oder mit entsprechenden Kampagnen eine gesellschaftliche Debatte zu initiieren, wie &uuml;brigens von der UN-BRK gefordert (aber von der Politik weitgehend ignoriert), hei&szlig;t das Motto: &bdquo;Wasch mich, aber mach mich nicht nass&ldquo;. Prof. Saerberg nennt das in Bezug auf Hamburg &bdquo;elbelistig&ldquo;. Dieser Neologismus bezieht sich darauf, dass &bdquo;machbar&ldquo; zumindest in der Hansestadt in Wahrheit kostenneutral meint. Zugleich ist er ein Wortspiel, denn &bdquo;elbelistig&ldquo; klingt so wie &bdquo;ableistisch&ldquo;, und damit trennt man die Welt in diejenigen, die leisten und jene, die nicht leisten. Dies aber hat mit Menschenrecht nichts zu tun.<\/p><p>Schon lange brauchen wir in unserem Land offene Debatten dar&uuml;ber, wie wir unsere Gesellschaft und Demokratie weiterentwickeln wollen. Wie wollen wir leben?, lautet die Frage, die sich an alle richten muss. Die UN-BRK w&auml;re eine Gelegenheit, solche Debatten anzusto&szlig;en. Aber dazu braucht es Mut und Interesse, sich auch f&uuml;r solche Bev&ouml;lkerungsgruppen kraftvoll einzusetzen. Daran jedoch scheint es den Machteliten zu mangeln &ndash; und auch am Verst&auml;ndnis, woher denn blo&szlig; der in gro&szlig;en Teilen der Bev&ouml;lkerung vorhandene Verdruss komme. Ja, woher denn blo&szlig;? <\/p><p><small>Titelbild: rawf8\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. M&auml;rz 2009 trat in Deutschland die am 13. Dezember 2006 verabschiedete Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) in Kraft, zu deren Umsetzung Deutschland seither rechtlich verbindlich verpflichtet ist. Bevor Sie jetzt wegklicken, weil Sie vielleicht denken, dieses Thema betr&auml;fe Sie nicht, da Sie zu den etwa 85 Prozent nicht behinderten Menschen im Land geh&ouml;ren:<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127770\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":127771,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[165,146,161],"tags":[1127,1282,820,305,407,218,639],"class_list":["post-127770","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-soziale-gerechtigkeit","category-wertedebatte","tag-behinderte","tag-bildungsinklusion","tag-hamburg","tag-menschenrechte","tag-paritaetischer","tag-teilhabe","tag-uno"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Shutterstock_2011620284.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127770","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=127770"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127770\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127831,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/127770\/revisions\/127831"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/127771"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=127770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=127770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=127770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}