{"id":128057,"date":"2025-02-01T12:00:39","date_gmt":"2025-02-01T11:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128057"},"modified":"2025-02-09T04:13:39","modified_gmt":"2025-02-09T03:13:39","slug":"wie-ein-psychologieverband-planetarische-verantwortung-beansprucht-und-damit-wissenschaftlichkeit-und-demokratie-riskiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128057","title":{"rendered":"Wie ein Psychologieverband planetarische Verantwortung beansprucht und damit Wissenschaftlichkeit und Demokratie riskiert"},"content":{"rendered":"<p>Der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) gibt eine m&ouml;gliche berufsbedingte Zur&uuml;ckhaltung auf und erkl&auml;rt sein Engagement f&uuml;r Klimaschutz mit einer Pflicht zu planetarischer Verantwortung. Er wird damit Teil einer aktivistischen Bewegung. Mit ihrer &Uuml;berzeugung, dass der Klimawandel wesentlich menschengemacht sei und Katastrophen recht bald drohten, will der BDP das Potenzial der Psychologie zur Menschheits- und Erdenrettung einsetzen[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128057#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]. Ein Essay von <strong>J&uuml;rgen Mietz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEine fr&uuml;here, berufsbedingte Zur&uuml;ckhaltung solle &uuml;berwunden werden, ist die Empfehlung. Dabei geht der Verband weit: Die Aussagen von sogenannten Klimaleugnern m&uuml;ssten unterbunden werden. Auch will dem Psychologenverband nicht auffallen (oder er sieht es als nachrangig oder erw&uuml;nscht an), dass Selbstbestimmungsrechte, Wissenschaft als Dialog von gleichberechtigten Menschen aufgegeben werden. Belehren, Anreizen und Motivieren sind in diesem Konzept akzeptierte und gewollte Vorgehensweisen. Wo die Grenzen zu Manipulation, Propaganda und Zensur verlaufen, bleibt offen. Vermutlich sind sie an die Einsch&auml;tzung der bevorzugten Wissenschaftler und an die Gefahreneinsch&auml;tzung der Expertinnen und Experten gebunden.<\/p><p>Nach Corona ist der Klimaschutz das n&auml;chste Terrain, auf dem der gr&ouml;&szlig;te Psychologieverband Deutschlands als Freund autorit&auml;rer Ma&szlig;nahmen agiert. Diese Wende ist zumindest einigen Kolleginnen und Kollegen im BDP bewusst. Klimaschutz und effizientere Vertretung der Berufsinteressen gehen Hand in Hand. Man verspricht sich eine Reputationssteigerung des eigenen Berufsstandes.<\/p><p><strong>1) Das Potenzial der Psychologie und ihr fehlendes Einf&uuml;hlungsverm&ouml;gen<\/strong><\/p><p>Es lohnt sich, einen Blick in einzelne Beitr&auml;ge des Konzeptpapiers zu werfen. Meine Auswahl und die Art meiner Einordnung gruppieren sich um den Punkt einer Gef&auml;hrdung von Freiheits- und Grundrechten sowie um Fragen des gleichberechtigten Dialogs zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, wie auch zwischen B&uuml;rgern und B&uuml;rgerinnen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250129-Kimaschutz-Change_Agents.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/250129-Kimaschutz-Change_Agents.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><small>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.bdp-verband.de\/aktuelles\/detailansicht\/der-bdp-bericht-2024-psychologische-perspektiven-im-klimawandel-strategien-und-konzepte-ist-da-und-fokussiert-die-zentrale-rolle-der-psychologie-bei-der-bewaeltigung-des-klimawandels-und-seiner-folgen\">BDP<\/a><\/small><\/p><p>Die als belegt angenommene Pr&auml;misse allen Werbens und Forderns des BDP ist, dass der Klimawandel au&szlig;ergew&ouml;hnlich und menschengemacht sei, hervorgerufen durch einen &uuml;berm&auml;&szlig;igen CO2-Aussto&szlig;. Mit dem Beginn der Industrialisierung in den 1860er-Jahren sei die Bedrohung eingetreten und baue sich mehr und mehr auf. Alle erforderlichen Informationen f&uuml;r mehr klimapolitische Ma&szlig;nahmen l&auml;gen auf dem Tisch, die Menschen jedoch seien unverst&auml;ndig, tr&auml;ge und verdr&auml;ngten die beunruhigenden Erkenntnisse. Gegen diese Unvernunft gelte es, die Potenziale der Psychologie in Anschlag zu bringen.<\/p><p>Die teilweise geradezu aufgew&uuml;hlte Psychologenschaft sieht sich, angesichts der bevorstehenden Katastrophen, gedr&auml;ngt, das gesamte Arsenal von Beeinflussung, Lenkung und Manipulation in die Schlacht zu werfen. Zun&auml;chst klingt es harmlos, wenn die Pr&auml;sidentin im erw&auml;hnten Papier schreibt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir k&ouml;nnen Interventionen entwickeln, die Menschen zu Ver&auml;nderungen ihrer Lebensgewohnheiten motivieren&hellip; Psychologische Erkenntnisse k&ouml;nnen helfen, das Bewusstsein f&uuml;r die Dringlichkeit von klimabewusstem Handeln zu sch&auml;rfen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Lage rechtfertigt nach Ansicht des BDP, Motivationen zu f&ouml;rdern, die in Richtung &bdquo;Aktivwerden&ldquo; gehen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nur durch ein tiefes Verst&auml;ndnis der menschlichen Psyche k&ouml;nnen wir langfristige Ver&auml;nderungen erreichen, die sowohl der Umwelt als auch der Gesellschaft zugutekommen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Man legt Wert darauf, sich auf der H&ouml;he der Zeit zu bewegen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Rechtzeitig zur COP29-UN-Klimakonferenz 2024 im November in Baku hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen nun seinen Klimabericht 2024 &bdquo;Psychologische Perspektiven im Klimawandel: Strategien und Konzepte&ldquo; ver&ouml;ffentlicht&ldquo;, hei&szlig;t es in einer Pressemitteilung vom 4. November 2024.\n<\/p><\/blockquote><p>Dem BDP geht alles zu langsam:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Gleichzeitig warnen uns Wissenschaftler*innen davor, dass <em>m&ouml;glicherweise<\/em> schon <em>sehr bald<\/em> globale <em>Kipppunkte<\/em> erreicht sein werden, die unumkehrbare Ver&auml;nderungen des Klimas ausl&ouml;sen k&ouml;nnen.&ldquo; (S. 15) (Kursive Hervorhebungen von mir, JM)\n<\/p><\/blockquote><p>Es gibt zwar keine konkreten, belegbaren Hinweise f&uuml;r einen Zeitpunkt der Katastrophe, man raunt und warnt aber schon einmal und leistet damit einen Beitrag zur allgemeinen Beunruhigung, die sich dann wieder in Umfragen messen und &bdquo;ernten&ldquo; l&auml;sst und als Begr&uuml;ndung f&uuml;r das eigene notwendige Engagement genommen wird. (&bdquo;Wir k&ouml;nnen also einen deutlichen Wandel in der Einstellung der Bev&ouml;lkerung zu Umweltfragen feststellen.&ldquo;) &ndash; und f&uuml;r die Einforderung von F&ouml;rdermitteln und Strukturen. Dass es Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen gibt, die <em>keine<\/em> Warnungen aussprechen oder dem Sinne nach gar von einem Fehlalarm sprechen, bleibt unerw&auml;hnt.<\/p><p>Schon 2021 sah sich der BDP in einer Stellungnahme dazu aufgerufen, &bdquo;die gesellschaftliche Akzeptanz klimapolitischer Ma&szlig;nahmen zu erh&ouml;hen.&ldquo; (S. 16) Es bleibt offen, was denn eine sinnvolle <em>klimapolitische Ma&szlig;nahme <\/em>sein k&ouml;nnte. Ist es das Heizungsgesetz, eine F&ouml;rderung des E-Autos, oder ist eher das Gegenteil der Fall?<\/p><p>Ist die politisch gewollte Absage an russisches Erdgas, das eine g&uuml;nstige &Uuml;bergangstechnologie zur Wasserstofftechnologie h&auml;tte sein sollen oder k&ouml;nnen &ndash; oder ist der stattdessen notwendige, vierfach (oder mehr) teurere Zukauf von sch&auml;dlichem Fracking-Gas doch eine F&ouml;rderma&szlig;nahme f&uuml;r dortige Fossilunternehmen und ihre Aktion&auml;rinnen? Wom&ouml;glich macht es einen Unterschied, was klimapolitisch <em>w&uuml;nschenswert <\/em>und was physikalisch und &ouml;konomisch <em>machbar <\/em>ist. Mir kommen zumindest erhebliche Zweifel, ob ein Psychologieverband mit ausreichender Sicherheit sagen kann, welche klimapolitische Ma&szlig;nahme unterst&uuml;tzenswert sei und welche nicht.<\/p><p>Man ist sich aber sicher, dass die Bedrohung gro&szlig; und real ist und daf&uuml;r &bdquo;irgendwelche&ldquo; Ma&szlig;nahmen richtig sein werden. Man beruft sich auf verschiedenste Organisationen, Initiativen etc. Es handelt sich dabei um Aufrufe, die auf der physikalischen und operativen Ebene viele Fragen offenlassen, wie sich bei intensiverer Befassung mit dem Thema zeigt. Als Plan einer Umsetzung d&uuml;rften sie kaum zu gebrauchen sein. Die oft allgemein formulierten Ziele internationaler Organisationen sind ja in der Regel Formelkompromisse, deren unterschiedliche oder widersprechende Hintergr&uuml;nde je nach Interessen interpretiert werden. Die &ouml;konomischen, technologischen und kulturellen Differenzen hinsichtlich der Einsch&auml;tzung von Bedeutung und <em>Ausgleich <\/em>scheinen immens. Die geforderte &bdquo;Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele&ldquo; ist selbst Teil einer politischen Auseinandersetzung, die je nach Land und Machtmitteln &bdquo;dort&ldquo; um- und durchgesetzt wird. Nach Lage der politischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse bedeutet das, dass die &Auml;rmsten verlieren werden, Mittelschicht und Reiche haben Aussichten auf Gewinn.<\/p><p>Eine Stimmungsmache f&uuml;r &bdquo;Klimaschutz&ldquo; &ndash; und sei sie noch so gut gemeint &ndash; hat im gegenw&auml;rtigen Politikstil und unter der Dominanz des renditeorientierten Kapitals f&uuml;r die &auml;rmeren Teile der Bev&ouml;lkerung gravierende, <em>konkrete<\/em> Konsequenzen.<\/p><p>Die Argumentationen des BDP bewegen sich dagegen oft in einem Feld des Ungef&auml;hren, was es einem erschwert, sich eingehend mit ihnen auseinanderzusetzen. Wer wird in welchem Ma&szlig;e wie belastet, ist eine Frage, die die unteren Einkommensschichten zu Recht bewegt. Es gibt einen Punkt der Existenz, der sich nicht allein mit einem &bdquo;guten Gef&uuml;hl&ldquo; f&uuml;r eine nicht &uuml;berpr&uuml;fbare Klima- und Menschheitsrettung zufriedengeben kann.<\/p><p>Was ist &bdquo;Klimaschutz&ldquo;? Was ist &bdquo;Klimakommunikation&ldquo;? Das m&ouml;gliche denkbare Spektrum dieser Begriffe ist breit. Beispiel: So l&auml;sst sich wohl sagen, dass Warnungen vor einer Flut ruhig, verl&auml;sslich und eindeutig &uuml;bermittelt werden sollten, wenn die Lage es hergibt und nahelegt. Ebenso sollten Dienste und Versorgungseinrichtungen vorsorgend und nachsorgend &bdquo;gut&ldquo; ausgestattet sein. Andererseits scheint es mir zweifelhaft, mit einer Anh&auml;ufung von Studien, die alle irgendwie gro&szlig;e Gefahren melden, aber vermutlich zumindest teilweise mangelhaft sind, einen Druck aufzubauen, &bdquo;mehr&ldquo; zu tun &ndash; bei tats&auml;chlich unklarer oder gar widerspr&uuml;chlicher Forschungslage.<\/p><p>Lea Dohm und andere[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] sind sich sicher, dass sich &bdquo;die [Erde] durch den zunehmenden Aussto&szlig; von Treibhausgasen [aufheizt]&ldquo;. Sie wundern sich, dass es vielen Menschen immer noch schwerfalle, die drohenden und laufenden Ver&auml;nderungen wahrzunehmen. Eigentlich sei es doch banal, die Botschaft der Klimabewegung aufzunehmen. Denn angeblich gebe es doch einen wissenschaftlichen Konsens von 97 Prozent der Wissenschaftler, die von einer menschengemachten Erderw&auml;rmung ausgingen. Darauf wird zur&uuml;ckzukommen sein.<\/p><p>Im Wesentlichen fahren die Autorinnen und Autoren jede Menge Studien auf, die alle belegen, dass die Menschen Bequemlichkeits-, Vermeidungs- und Fluchtmechanismen zum Opfer fallen. (Symbolische Abwehrhandlungen, Skepsis, Widerstand, Bagatellisierung, Verdr&auml;ngung &ndash; alles im Dienste einer Neigung, die eigene Welt als stabil wahrnehmen zu wollen, kann den &bdquo;Geblendeten&ldquo; nachgesagt werden.) (S. 21 ff. des BDP-Berichts) Dohm u.a. f&uuml;hren Klage, dass &bdquo;fossile Akteure&ldquo; &bdquo;bewusst manipulativ&ldquo; entwarnende Inhalte mitteilten. So k&ouml;nnten sich die Menschen (bedauerlicherweise?) entlasten. Der Abgr&uuml;nde des Vermeidungsverhaltens k&ouml;nnen die Psychologen einige aufz&auml;hlen.<\/p><p>Aus den Studien wissen die Wissenschaftler, was helfen k&ouml;nnte: &bdquo;Befriedigung der Grundbed&uuml;rfnisse nach Kompetenz, Autonomie und Zugeh&ouml;rigkeit und der Bereitstellung klarer Handlungsempfehlungen sowie der Vermittlung von Selbstwirksamkeit &hellip;&ldquo;.<\/p><p>Es klingt so, als m&uuml;sste man den Menschen, die die Flucht ergreifen und sich ein sch&ouml;nes, bequemes Leben machen wollen, nur das &bdquo;richtige&ldquo; p&auml;dagogisch-psychologisch optimierte Spielger&auml;t an die Hand geben und das korrekte Klimaverhalten k&ouml;nne beginnen. Als w&auml;re das genusss&uuml;chtige, bequeme, falsche Leben nicht wesentlich Folge eines seit Generationen immer wieder &bdquo;dynamisch&ldquo;, so totalit&auml;r wie flexibel gestalteten Wirtschaftssystems, das alles erlaubt, was Profit und Rendite verspricht. <em>Davon<\/em> ist doch recht wenig im Konzept des BDP zu lesen. Wenngleich in manchen Beitr&auml;gen die strukturelle und systemische Seite des Problems gleichsam erg&auml;nzend &bdquo;und wie der Vollst&auml;ndigkeit halber&ldquo; (&ldquo;Kontextbedingungen&ldquo;) erw&auml;hnt ist.<\/p><p>Dass es Grundbed&uuml;rfnisse nach sozialer Sicherheit, nach bezahlbaren Mieten, nach Frieden wie auch nach Ablenkung und Genuss gibt, findet keine ernsthafte W&uuml;rdigung. Phasenweise kommt es einem so vor, als machten sich die Klimaexperten und -expertinnen auf die Jagd nach Klimasch&auml;dlingen und auf die Suche nach &bdquo;Schlupfl&ouml;cher[n]&ldquo; (S. 42 BDP-Bericht), um sie zu verstopfen.<\/p><p>Die erw&auml;hnten &bdquo;bereitzustellenden Handlungsempfehlungen&ldquo; sind auf Glaubw&uuml;rdigkeit und Vertrauen angewiesen. Und um dieses Vertrauen ist es nicht zum Besten bestellt. So ist der BDP mit seiner regierungskonformen Coronapolitik nicht gerade als Tribun f&uuml;r Unabh&auml;ngigkeit und Wissenschaftlichkeit &ndash; also glaubw&uuml;rdig und vertrauensbildend &ndash; aufgefallen[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]. Die auch im BDP-Papier gelegentlich erw&auml;hnte Bedingung der Demokratie etc. scheint nicht besonders glaubhaft, da es keine Auseinandersetzung mit den Verletzungen der Wissenschaftlichkeit, des Rechts der freien Meinungs&auml;u&szlig;erung und des Grundrechteschutzes gibt. Sich da auf Solidarisierungserfahrungen der Millionen Menschen zu berufen, die Teil einer Klimabewegung geworden seien, die erf&uuml;llend und bedeutungsvoll (gewesen) sein m&ouml;gen, wirkt dann doch das Problem verk&uuml;rzend und von ihm ablenkend.<\/p><p><strong>2) Klimarettung im Kampagnenstil und als Verkaufsschau<\/strong><\/p><p>Auch im Beitrag von Janna Hoppmann[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] geht es um den Einsatz psychologischer Techniken. Ob die von ihr festgestellte Passivit&auml;t vieler Menschen gegen&uuml;ber den Bedrohungen realpolitische Hintergr&uuml;nde hat, ist nicht Gegenstand ihres Konzepts von &ldquo;Klimakommunikation&ldquo;. Die Psychologin verspricht ein &bdquo;wissenschaftlich fundiertes Kochrezept f&uuml;r Klimagespr&auml;che&ldquo;. Schl&uuml;sselerkenntnisse der Psychologie sollen &bdquo;helfen, die menschlichen Lebensgrundlagen zu sch&uuml;tzen&ldquo;, einen &bdquo;lebenswerteren gesellschaftlichen Weg einzuschlagen&ldquo; und &bdquo;Gespr&auml;che so zu f&uuml;hren, dass es unsere Gegen&uuml;ber zum Handeln motiviert&ldquo;. (S. 29 im BDP-Bericht)<\/p><p>Interessanterweise geht die Autorin genau die Probleme eines eventuellen Gespr&auml;chs durch, die mir beim Lesen des BDP-Konzepts zu schaffen machten. Dr&auml;ngen und Bevormunden wirken sich ung&uuml;nstig auf Ver&auml;nderungsbereitschaft aus. Die Sachverhalte sind un&uuml;bersichtlich: Sie sind verzwickt, undefiniert, komplex. Rebound-Effekte machen gute Absichten zunichte, also unerwartete Nebenwirkungen und R&uuml;ckkopplungen. &bdquo;Konflikte um Detailprobleme [k&ouml;nnen] l&auml;hmend sein.&ldquo; Und einer &ldquo;Problemtrance&ldquo; Vorschub leisten, ist das betr&uuml;bliche Fazit.<\/p><p>Es geht weiter: Mit wem und mit welcher Aufmerksamkeit gesprochen wird, will gut &uuml;berlegt sein. So sollte den harten Leugnern nicht zu viel Aufmerksamkeit zuteilwerden (&ldquo;False-Balance-Effekt&ldquo;). Am besten geeignet f&uuml;r ein Gespr&auml;ch sind &bdquo;Zielgruppen der Mehrheitsgesellschaft&ldquo;, die &bdquo;um die Klimakrise wissen&ldquo;, &bdquo;ihr pers&ouml;nliches Risiko &hellip; als gering betrachten&ldquo;, die &bdquo;optimistisch sind&ldquo;, die &bdquo;Lust haben, selbst aktiv zu werden&ldquo;. Auch empfiehlt es sich, sich auf die Glaubensvorstellungen, Werte etc. &bdquo;einzustimmen&ldquo;. Die &bdquo;Individualisierung&ldquo; sollte verbessert werden: F&uuml;r jede Zielgruppe speziell geeignete Botschafter\/innen werden empfohlen. Und wenn so viel Planung noch nicht den unbefangenen Zugang zum Mitmenschen sabotiert hat, kann vielleicht der Hinweis helfen, dass es &bdquo;wichtig f&uuml;r die Effektivit&auml;t [ist], dass diese [Botschafter*innen] als glaubw&uuml;rdig wahrgenommen werden&ldquo;. Aus diesen &Uuml;berlegungen zur Glaubw&uuml;rdigkeit leitet Janna Hoppmann die Frage ab: &bdquo;Von wem werden wir Psycholog*innen als glaubw&uuml;rdig angesehen? F&uuml;r wen sind wir als Botschafter*innen ideal?&ldquo; In der Tat. Eine Psychologie, die sich derart die Menschen zu Objekten macht, braucht Menschen, die selbst nicht mehr Subjekte sein k&ouml;nnen und wollen; die durch Geschichte, Biografie und Sozialisation in den Institutionen die M&ouml;glichkeit und den Anspruch verloren haben, autonom zu denken und urteilsf&auml;hig zu sein.<\/p><p>Nun, was es hier zu sehen gibt, ist die Anwendung von Konzepten der Werbe- und Verkaufspsychologie auf das Feld des Produkts &bdquo;Klimaschutz&ldquo;. Meine Vermutung ist, dass die potenziellen Kunden und Kundinnen den Tricks der Verk&auml;ufer und Trainer auf die Spur kommen k&ouml;nnten. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter k&ouml;nnte es einen Effekt der Entzauberung geben, vor allem dann, wenn das Produkt nicht h&auml;lt, was die Verpackung verspricht. Andererseits lebt das Angebot auch davon, dass es einen Bedarf an Illusionen gibt. Die Menschen brauchen etwas, um sich den Alltag auf irgendeine Weise zu versch&ouml;nern. Es bleibt eine offene Frage, wie tragf&auml;hig und nachhaltig (wie viele Ressourcen k&ouml;nnen und sollten sinnvollerweise aufgewendet werden, die an anderer Stelle fehlen?) ein Konstrukt sein kann, das auf Manipulation und Lenkung statt auf Gleichheit, Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung und Demokratie gr&uuml;ndet?<\/p><p><strong>3) Schule und Klimaschutz<\/strong><\/p><p>Es h&auml;tte &uuml;berrascht, w&auml;ren Schule und Bildung im BDP-Bericht nicht aufgetaucht. Sich Schule als Quelle und Ort einer Verbesserung der Welt vorzustellen, ist keineswegs ungew&ouml;hnlich. Die Autoren Margret Rasfeld und Felix Peter[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] fordern &bdquo;eine radikale Neuausrichtung der Schule&ldquo;. &Uuml;berwindung von Leistungsdruck, Fremdbestimmung, Einsatz des systemischen und pr&auml;ventiven Wissens von Psychologie statt eines Klammerns an Psychologie als Reparaturbetrieb geh&ouml;ren zum Grundbestand p&auml;dagogischer (und psychologischer) Hoffnungen und Forderungen &ndash; seit Jahrzehnten. Die Analyse einer solch gruseligen Tradition k&ouml;nnte vielleicht helfen, die M&ouml;glichkeiten einer Reform der Schule realistischer abzusch&auml;tzen. Heinz-Elmar Tenorth hat mit seinen ausf&uuml;hrlichen Werken zur Geschichte der P&auml;dagogik und in einem kurzen, gut lesbaren Essay[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] auf den Fehlschluss hingewiesen, &uuml;ber die Schule eine Verbesserung gesellschaftlicher Zust&auml;nde zu erreichen.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;&hellip; in der aktuellen Gegenwart bessere Welten konstruieren, andere Zeiten er&ouml;ffnen, neue Menschen schaffen. Das sind, f&uuml;r n&uuml;chterne Beobachter, ganz erstaunliche Versprechen, die dabei immer neu vorgetragen werden.&ldquo; (a.a.O., S. 51)\n<\/p><\/blockquote><p>&Uuml;ber verschiedenste Ideologien hinweg scheinen die Kl&uuml;fte zwischen Absicht und Wirkung f&uuml;r die Versprechen einer besseren Zukunft unerheblich zu sein.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wenn Bildung dann in spezifischen Erziehungsutopien seit der Franz&ouml;sischen Revolution als eigenst&auml;ndige und machtvolle Form der Umw&auml;lzung gedacht wird, dann erschrecken die Praktiken, denen sich die Emanzipation verdanken soll, und die Kontrollfantasien, in denen die P&auml;dagogen auf Individuen und Bildungswelten in bester Absicht zugreifen, erzeugen Angst.&ldquo; (S. 52)\n<\/p><\/blockquote><p>Er sch&auml;tzt ein: &bdquo;Die Rolle von Bildung und Erziehung ist eher problematisch, subjektfeindlich und freiheitsbedrohend.&ldquo;<\/p><p>Voller Skepsis schreibt Tenorth als Ergebnis seiner Forschungen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es geh&ouml;rt zum klassischen Bestand der dabei entfalteten Konstruktion neuer Welten, dass die je individuelle, das hei&szlig;t die nicht kontrollierte Aneignung von Welt, Bildung im emphatischen Sinne der idealistischen Tradition, und damit die Individuen selbst als die wirkliche Bedrohung der neuen Ordnung interpretiert werden.&ldquo; (S. 53)\n<\/p><\/blockquote><p>In Tenorths &Uuml;berlegungen kommt der Antizipation besserer Welten immerhin die Funktion zu, politisch und f&uuml;r Verantwortung, f&uuml;r Kritik und Selbstkritik zu pl&auml;dieren. Angesichts der Dringlichkeit und des Eifers, mit dem die Klimasch&uuml;tzer agieren, k&ouml;nnte eine Gewissheit Tenorths allerdings in Frage gestellt sein:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wer gar &bdquo;Ein&uuml;bung in &lsquo;parteiische Weisheit&lsquo;&ldquo; als &bdquo;politische Bildung&ldquo; propagiert, kann sich zwar auf Ernst Blochs Utopiedenken st&uuml;tzen, aber zum Gl&uuml;ck heute kaum noch Gefolgsleute erwarten.&ldquo; (S. 59)\n<\/p><\/blockquote><p>Liest man die Vorstellungen zu Schule und Klima im Kontext des Gesamtkonzepts &ldquo;Psychologische[r] Perspektiven&ldquo;, kann einem schon bange werden. Die angebliche banal-einfache Faktizit&auml;t der Klimazerst&ouml;rung durch menschengemachtes CO2 (und die daraus folgende einfache Rettung) ist ja nur schwach wissenschaftlich begr&uuml;ndet und soll repressiv, wenn auch im Gewande der Demokratie abgewendet werden. Die Fantasie der sich selbst verwirklichenden Mitglieder der Schule, selbstbestimmt lernend, spielt sich ja vermutlich in einem Rahmen (oder ist es ein K&auml;fig?) ab, der von der &Uuml;berzeugung bestimmt ist, den Zweiflern und Skeptikern keinen Raum der Entfaltung und des Geh&ouml;rtwerdens zu &uuml;berlassen. Entsprechend wird die klima(schutz-)bewusste Schule mit ihren Strukturen und Sozialcharakteren verfasst sein, also versehen mit den Zutaten einer Umerziehungsdiktatur.<\/p><p>Die Einlassungen von Margret Rasfeld und Felix Peter erinnern mich an eine Erfahrung deutscher Schul- und Emanzipationsgeschichte: Dort, wo eine politisch-&ouml;konomische Analyse (auf die Gegenwart und Zukunft lie&szlig;e sie sich um eine technologisch-physikalische Dimension erweitern) und ein darauf aufbauender Entwurf f&uuml;r Ver&auml;nderung nicht gelingt, tritt ein <em>entpolitisiertes<\/em> Engagement an ihre Stelle. So verwandelte sich die anfangs emanzipatorische, an eine polit-&ouml;konomische Analyse und an ein Klassenbewusstsein gebundene Bildungspolitik der fr&uuml;hen SPD in ein entpolitisiertes, reformp&auml;dagogisches Projekt der 1920er-Jahre in der Weimarer Republik. Die Entt&auml;uschung &uuml;ber die politischen Niederlagen konnten von Lehrerverb&auml;nden und Bev&ouml;lkerung nicht in neue <em>politische<\/em> K&auml;mpfe &uuml;bertragen werden. Was an politischer und gesellschaftlicher Bewegung nicht durchsetzbar war, versuchten nun engagierte Bildungsleute als Reformp&auml;dagogik zu verwirklichen. Ich erw&auml;hne das, weil ich hinter den (falschen) Ans&auml;tzen einer Klimapolitik eine Analyse politisch-&ouml;konomischer-technologischer Verh&auml;ltnisse der Klimastreiter im BDP vermisse. Anstelle gr&uuml;ndlicher Analyse scheinen auch hier eine Reformp&auml;dagogik und ein Konzept der Umerziehung zu stehen.<\/p><p><strong>4) &bdquo;Wir k&ouml;nnen wirksam sein &ndash; &hellip; &ldquo;<\/strong><\/p><p>Im Beitrag von Katharina Simons[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] ist unter anderem davon die Rede, dass es darauf ankomme, &bdquo;zentrale Hebel heraus[zu]arbeiten, die kleine Ver&auml;nderungen mit gro&szlig;er Wirkung erm&ouml;glichen, und leicht umsetzbare L&ouml;sungen und gut adressierbare Akteur*innen finden&ldquo;. (S. 59)<\/p><p>Um so &uuml;berraschender ist, dass zwei denkbare Hebel in ihren &Uuml;berlegungen keine Ber&uuml;cksichtigung finden. Zwar ist in den g&auml;ngigen Medien nicht leicht zu finden, dass Krieg und R&uuml;stung wie auch das Leben der Reichen einen enormen Einfluss<em> <\/em>auf das Klima und die Atmosph&auml;re haben, aber es ist auch nicht so verborgen, dass man es unerw&auml;hnt lassen m&uuml;sste. Als Verursacher von CO2-Aussto&szlig; h&auml;tte man hier zwei Ansatzpunkte mit starken Hebeln zur Klimarettung (und noch mehr), wenn man denn wollte. Der <em>Freitag<\/em>[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] und die <em>Zeit<\/em>[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] berichten &uuml;ber die Lasten und Kosten des Milit&auml;rs. Oxfam[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] berichtet von Folgen eines Luxus und Reichtums, ebenso wie der <em>Deutschlandfunk<\/em>[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]. Ohne an dieser Stelle ausf&uuml;hrlich in eine Debatte um den Zusammenhang zwischen R&uuml;stung bzw. Reichtum und Klimaschutz eintreten zu wollen, sei zumindest darauf hingewiesen, dass es doch kurios anmutet, der Bev&ouml;lkerung und den Entscheidungstr&auml;gern Tr&auml;gheit, Bequemlichkeit, die Suche von Schlupfl&ouml;chern anzulasten und andererseits die erw&auml;hnten, leicht identifizierbaren Adressaten zu ignorieren.<\/p><p><strong>5) Der 97-Prozent-Konsens<\/strong><\/p><p>Es ist feste &Uuml;berzeugung der Aktivistinnen und Aktivisten im BDP, dass es einen katastrophalen Klimawandel gibt und geben wird, der von den Menschen gemacht sei und auf den CO2-Aussto&szlig; zur&uuml;ckgeht. Der CO2-Aussto&szlig; ist der Schl&uuml;ssel zu allem. Der BDP zieht in dieser Richtung mit und macht sich damit die Positionen von Plattformen, Institutionen, Vereinen zu eigen, die die Glaubw&uuml;rdigkeit ihrer Position damit begr&uuml;nden wollen, dass eine &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit &bdquo;der Wissenschaft&ldquo; sie vertrete. Dass Wissenschaft so nicht funktioniert und Wahrheit nicht nach dem Mehrheitsprinzip festgestellt wird, sei nur nebenbei erw&auml;hnt. Allerdings macht es den verunsicherbaren und verunsicherten Menschen Eindruck, wenn sie sich einer Mehrheitsmeinung anschlie&szlig;en k&ouml;nnen. Sie f&uuml;hlen sich auf der sicheren Seite. Insofern ist ein 97-Prozent-Konsens ein &bdquo;starkes&ldquo; Argument. In einer Metastudie von Cook u.a. (s. BDP-Bericht) wird berichtet, 97 Prozent der Wissenschaftler gingen davon aus, dass der Klimawandel menschengemacht sei.<\/p><p>Karl Reitter geht, sich auf Arbeiten von Markus Kl&ouml;ckner und anderen beziehend, dieser Aussage nach &ndash; und kommt zu &uuml;berraschenden Ergebnissen[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]. Zusammenfassend l&auml;sst sich feststellen: Dieses ann&auml;hernde 100-Prozent-Ergebnis wurde mit statistischen Tricks &bdquo;errechnet&ldquo;. Tausende Arbeiten wurden auf einer siebenstufigen Skala eingeordnet. Eins bedeutet: Best&auml;tigung, dass der Klimawandel menschengemacht sei, Stufe sieben: Anteil des Menschen am Klimawandel: unter 50 Prozent. Wenn in den Studien keine Tendenz zu erkennen war, wurden sie den &bdquo;Stufen des menschengemachten Klimawandels zugerechnet. Bei korrekter Z&auml;hlweise h&auml;tten nur 32,62 Prozent Konsens herauskommen d&uuml;rfen[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>].<\/p><p>Im gleichen Kapitel finden sich noch weitere Hinweise, die an der wissenschaftlichen Redlichkeit der Klimaretter zweifeln lassen. In Bezug auf Temperaturentwicklung[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>], Meeresspiegel und Rolle von CO2 f&uuml;r das Temperaturgeschehen finden sich Ergebnisse und Interpretationen, die weit weniger dramatisch und bedrohlich klingen als beim BDP und bei den Organisationen, auf die er sich st&uuml;tzt.<\/p><p>Unber&uuml;cksichtigt scheint in den Modellrechnungen der Klimasch&uuml;tzer zu bleiben, dass ab einer bestimmten Temperatur die Luft sich nicht weiter linear mit CO2 anreichert, also eine S&auml;ttigung eintritt[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]. Ein Vorwurf der Kritiker ist, dass die Klimasch&uuml;tzer in ihrer einseitigen und monokausalen Argumentation dar&uuml;ber hinaus weder Wolkenbildung noch die Sonne ber&uuml;cksichtigen. Gerade den letztgenannten Einflussfaktoren wird eine hohe Wirksamkeit nachgesagt. Immer wieder ist auch von Geo-Engineering im Zusammenhang mit ungew&ouml;hnlichen Wetterereignissen die Rede, das unerw&auml;hnt bleibt. So &uuml;berrascht es nicht, dass kritische Wissenschaftler zu ganz anderen Deutungen des Klimawandels und zur zuk&uuml;nftigen Entwicklung gelangen.<\/p><p>Das &bdquo;Ph&auml;nomen Klima&ldquo; ist schwer zu definieren. Zahlreiche Einflussgr&ouml;&szlig;en und Wechselwirkungen zwischen ihnen sind dem Anschein nach noch nicht verstanden. So scheint es verwegen, auf die Gr&ouml;&szlig;e &bdquo;CO2&ldquo; als Erkl&auml;rung und L&ouml;sungsansatz f&uuml;r eine vermutete Katastrophe zu setzen und Temperaturanstiege von 1,5 Grad in 100 Jahren vorhersagen zu wollen. Die zun&auml;chst polemisch klingende Frage hat vielleicht doch Relevanz: Wie will man einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad in 100 Jahren vorhersagen, wenn selbst die Vorhersage des Wetters f&uuml;r die n&auml;chsten f&uuml;nf Tage schon mit reichlich Unsicherheiten belastet ist?<\/p><p>Die Website tkp.at berichtet h&auml;ufig kritisch &uuml;ber die Datengrundlage der Klimasch&uuml;tzer, u.a. &uuml;ber sogenannten &ldquo;Klimabetrug&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]. Nat&uuml;rlich kann ich letztlich die Ergebnisse beider Seiten nicht &uuml;berpr&uuml;fen. Ich w&uuml;rde jedoch erwarten, dass jemand, der ernsthaft das Klima &bdquo;sch&uuml;tzen&ldquo; will, Eingriffe in Daten transparent macht. Oder setzen die mediengewandten Aktivisten darauf, dass kritische Stimmen schon nicht an eine gr&ouml;&szlig;ere &Ouml;ffentlichkeit gelangen &ndash; und man mit seiner Kommunikationsstrategie der Verschleierung unbehelligt weitermachen kann?<\/p><p><strong>6) Die Arbeit mit Angst und Schuld &ndash; die religi&ouml;se und anti-aufkl&auml;rerische Dimension der Klimarettung<\/strong><\/p><p>Die Ver&ouml;ffentlichung des BDP-Konzepts zum Klimaschutz hat eine stark missionarische T&ouml;nung. Man verl&auml;sst sich einseitig auf aktivistische Quellen und schirmt sich gegen Kritik und Fragen ab. Wer nicht glaubt, wird zum Feind und mit Verfolgung und Ausschluss bedroht. Die Begr&uuml;ndung des eigenen Glaubensansatzes wirkt stark vereinfacht: Eine einzige Gr&ouml;&szlig;e (CO2-Aussto&szlig;) zieht jeden denkbaren Schaden nach sich.<\/p><p>Die &ndash; wenngleich nicht beweisbar &ndash; angeblich von Menschen gemachte Klimaerw&auml;rmung kn&uuml;pft an &uuml;ber Generationen einge&uuml;bte Vorstellungen von <em>Schuld<\/em> an. Schuld zu haben ist besch&auml;mend, gef&auml;hrdet das Ansehen und verhindert, einen Platz unter den Geachteten einnehmen zu k&ouml;nnen. Schlimmer noch: Wer jetzt nicht die Richtung &auml;ndert, k&ouml;nnte vor dem j&uuml;ngsten Gericht entehrt vor dem <em>Herrn<\/em> stehen und m&uuml;sste seine Seele verloren glauben.<\/p><p>Selbst wer nicht religi&ouml;s und gottgl&auml;ubig erzogen wurde, wei&szlig;, dass auch atheistisch eingestellten Menschen diese Mechanismen und Muster nicht fremd sind. Oder anders ausgedr&uuml;ckt: Die Mittel Schwarzer P&auml;dagogik, das Machtmittel der Angsterzeugung, die Drohung mit Strafe und Weltuntergang und Verderben, die zur Disposition stehende Zugeh&ouml;rigkeit zu Gruppe und Gesellschaft, die Belohnung f&uuml;r Gehorsam sind in der (vermeintlich) aufgekl&auml;rten Gegenwartsgesellschaft wirksam. M&ouml;glicherweise erwachen die alten Disziplinarmittel zu neuem Leben, weil die Herrschenden den Eindruck haben, die Massen k&ouml;nnten ihre Weisungen nicht befolgen.<\/p><p>So ging es im sogenannten Panikpapier der Coronazeit um gezielte Angsterzeugung, im weiteren Verlauf der &bdquo;Pandemie&ldquo; um Bestrafung durch Ausschluss (aus der Gemeinschaft, aus dem Arbeitsprozess, aus der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben). Erst wer sich der Impfforderung unterwarf, hatte Aussicht, vor dem Urteil der Herrschaft und der Gemeinschaft der Gl&auml;ubigen bestehen zu k&ouml;nnen. Angstmache und Drohen bis hin zu juristischer Verfolgung sind in der Beurteilung des Ukraine-Russland-Kriegs zu einem Machtmittel geworden. In keinem dieser Felder gesellschaftlicher Auseinandersetzung setzt(e) sich der BDP f&uuml;r die Freiheit des Wortes und des Denkens ein, er macht(e) nicht auf die psychischen Belastungen aufmerksam, die eine solche Politik des Drohens und des Erzwingens ausl&ouml;sen kann.<\/p><p>Naomi Klein hat mit ihrem Buch &ldquo;Die Schock-Strategie&ldquo; beschrieben[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>], wie Katastrophen inszeniert und\/oder genutzt werden, um Herrschafts- und Eigentumsverh&auml;ltnisse neu zu justieren. Wie diese sich allein seit den Finanzkrisen seit 2009 &uuml;ber die Coronakrise 2020 ff. bis zum Ukraine-Krieg verschoben und das gesellschaftliche Klima verschoben haben, wird kaum in den gef&uuml;hrten Debatten erw&auml;hnt &ndash; und doch k&ouml;nnten sie eng mit der Sicherung von Profiten und Versuchen, einer widerspenstig werdenden Bev&ouml;lkerung Disziplinierung angedeihen zu lassen, zu tun haben.<\/p><p><strong>7) Klimarettung als Industrie und Eroberungsstrategie<\/strong><\/p><p>Klimasch&uuml;tzer sind kein loser Verbund von verzweifelten, uneigenn&uuml;tzigen Einzelk&auml;mpfern. Sie besitzen Strategien der Macht(eroberung), die nicht allein auf die Kraft des guten Arguments vertrauen. Sie verstehen sich darauf, einzusch&uuml;chtern und diejenigen, die sie st&ouml;ren, zu verjagen. Politische Entscheidungstr&auml;ger, die ihnen ihrer Auffassung nach nicht entschlossen genug gegen die St&ouml;rer auftreten, werden unter Druck gesetzt. Gerne wollen sie das von den W&auml;hlerinnen und W&auml;hlern besorgen lassen, die sie mit Psychotechniken des Behaviorismus in die &bdquo;richtige&ldquo; Richtung lenken wollen.<\/p><p>Im BDP gibt es Stimmen, die f&uuml;r diese Arbeit noch ungenutzte Ressourcen der Einflussnahme sehen. Man geht von einer besonderen Glaubw&uuml;rdigkeit der Fachkr&auml;fte des Gesundheitswesens aus, die es zu nutzen gelte. Das &bdquo;Thema &ldquo;Gesundheitsschutz&ldquo; &hellip; als wichtigstes Lebensziel&ldquo; scheint sich &bdquo;f&uuml;r das Voranbringen der sozial-&ouml;kologischen Transformation&ldquo; besonders gut zu eignen (S. 60 im BDP-Bericht). Die im System einer ins Kraut schie&szlig;enden Kommerzialisierung gewachsenen &Auml;ngste und eines um sich greifenden Misstrauens sollen nun im Sinne des alles bedrohenden Klimawandels auf ebendiesen Angstpunkt gelenkt werden. Das berechtigte Lebensziel &bdquo;Gesundheitsschutz&ldquo; wird auf dem Hintergrund von Verunsicherung und Angst ausbeutbar.<\/p><p>Die eingeforderte sozial-&ouml;kologische Transformation wird nicht n&auml;herungsweise beschrieben. Man darf also getrost davon ausgehen, dass diese Form des Klimaschutzes sich in den bekannten kommerziellen Kontexten mit Ausbau einer Apparatemedizin, mit Digitalisierung im Interesse der Konzerne des pharmazeutisch-medizinisch-industriellen Komplexes einschlie&szlig;lich einer Normalisierung von &Uuml;berwachung stattfinden soll. Mit diesem Verbund lie&szlig;e sich die Bev&ouml;lkerung im Sinne der Macht bzw. der zur Religion erhobenen Wissenschaft weitgehend st&ouml;rungsfrei f&uuml;hren. Das Muster der Corona-Ma&szlig;nahmen mit konditionierten Freiheitsrechten bis hin zu Berufsverboten f&uuml;r St&ouml;rer, Zweifler und Uneinsichtige schimmert durch das wohlige Bild der F&uuml;rsorge hindurch.<\/p><p>Dass man bereit ist, den Boden der gleichberechtigten Diskussion zu verlassen (oder ihn gar nicht erst zu betreten) und lieber auf das Terrain der Werbung und Public Relations setzen will, wird auch daran erkennbar, dass die Botschaften der Klimasch&uuml;tzer &bdquo;insbesondere durch gut erz&auml;hlte Geschichten ein Publikum finden&ldquo; sollen. &bdquo;Solche Geschichten k&ouml;nnen pers&ouml;nliche Barrieren in konstruktive Emotionen verwandeln&ldquo; (a.a.O., S. 59 f.). Man will das Publikum offensichtlich auf eine Reise schicken, deren verl&auml;ssliche Grundlage nur den Gl&auml;ubigen bekannt ist, aber nicht einem Dialog der Fragen und Argumente standhalten kann.<\/p><p>Die Klimasch&uuml;tzer verf&uuml;gen &uuml;ber unterschiedliche Medien und Plattformen, mit denen sie im Stil der Propaganda und einer public-relations-bewussten &Ouml;ffentlichkeitsarbeit Wirkung entfalten (wollen). Teilweise identisch oder &auml;hnlich formulierte Einlassungen finden sich im Konzeptpapier des BDP und auf den Plattformen\/Medien der Klimasch&uuml;tzer.<\/p><p>Es geh&ouml;rt zum Angebot dieser Einrichtungen, Journalisten Artikel anzubieten, die es ihnen erlauben sollen, ohne gro&szlig;en Aufwand passende &bdquo;wissenschaftliche&ldquo; Artikel zu schreiben und zu ver&ouml;ffentlichen. Zwischen dem Anschein nach unabh&auml;ngigen Institutionen gibt es Personengleichheiten auf F&uuml;hrungsebenen. So kann man sich gegenseitig zitieren, ohne dass die Zusammenh&auml;nge transparent w&auml;ren. Oder man zitiert gegenseitig aus dem Schein nach unabh&auml;ngigen Quellen, die allerdings von identischen Personen mit hochrangigen Verantwortlichkeiten in ebendiesen Quellen vertreten sind. (vgl. Reitter, Abschnitt &bdquo;klimajournalismus.de, klimajournalismus.at&ldquo;)<\/p><p>Die offensichtlich sehr einflussreiche Website klimafakten.de wird von Reitter folgenderma&szlig;en zitiert:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Im Jahr 2023 gibt es einfach kein gutes Argument gegen die Klimawissenschaft. Und wenn man die Wissenschaft akzeptiert, kann man die Notwendigkeit eines schnellen, energischen Handelns nicht leugnen. Geschichten oder Kommentare, die den wissenschaftlichen Konsens bestreiten oder Klimaaktivismus l&auml;cherlich machen, geh&ouml;ren nicht in Nachrichtenagenturen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Die Anweisung an Multiplikatoren verlangt &ndash; in welchem Spezialgebiet jemand auch t&auml;tig sei &ndash;, Klimazusammenh&auml;nge herauszustellen. Das ist genau eine Tendenz, die man in den Beitr&auml;gen des BDP-Berichts erkennen kann. Die Klimasch&uuml;tzer\/innen im BDP haben klare Vorstellungen. &bdquo;Sie [die politischen Entscheidungstr&auml;ger*innen] haben bei der Bew&auml;ltigung des Klimawandels eine gro&szlig;e Verantwortung. Sie m&uuml;ssen f&uuml;r soziale Gerechtigkeit sorgen, die soziale Entwicklung f&ouml;rdern und gegen Klimaleugner*innen vorgehen.&ldquo; (BDP-Bericht, S. 85)<\/p><p>Selbst dann, wenn man die Aussagen von Karl Reitter f&uuml;r anzweifelbar halten mag, liefern sie doch so viel Substanz, dass den Klimarettern daran gelegen sein sollte, die eigenen Positionen in einem offenen, gleichberechtigten Dialog darzulegen und diejenigen der Kritiker zu widerlegen. Auch beim BDP scheint es keine Anzeichen daf&uuml;r zu geben, einen kl&auml;renden Dialog er&ouml;ffnen zu wollen. Eher scheint man mit dem Rigorismus des Ausschlie&szlig;ens und des Dialogabbruchs zu sympathisieren. Damit w&uuml;rde sich der BDP tats&auml;chlich vom Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, Rationalit&auml;t und vom Geist der Aufkl&auml;rung[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] verabschieden.<\/p><p>Auch Hans von Storch[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>], der durchaus der Meinung ist, dass der Klimawandel wesentlich von Menschen gemacht ist, wirft der Klimaschutzbewegung <em>overselling<\/em> vor, was auf mittlere oder l&auml;ngere Sicht dazu f&uuml;hren k&ouml;nne, dass die Klimaforschung nicht mehr ernst genommen werden k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>8) Alles ist Klima &ndash; gef&auml;hrliche Einseitigkeit<\/strong><\/p><p>Klimakrise und Klimakatastrophe liefern f&uuml;r alles Leiden eine Erkl&auml;rung und Ursache. In einem Beitrag von Julia Scharnhorst[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] im BDP-Bericht hei&szlig;t es:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Die Wahrnehmung des Klimawandels als globale Bedrohung kann psychologische Auswirkungen haben.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Solche Emotionen k&ouml;nnen zu psychischen Belastungen f&uuml;hren und die psychische Gesundheit beeintr&auml;chtigen. Der Begriff der &bdquo;EcoAnxiety&ldquo; beschreibt das Ph&auml;nomen von Angstzust&auml;nden im Zusammenhang mit Umweltproblemen, wie sie durch den Klimawandel verursacht werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Um so dringlicher w&auml;re es, ernsthaft zu pr&uuml;fen, wie die Ursachenketten aufgebaut sind. Offenbar wird dem Klima, wenn irgendetwas mit ihm <em>in Verbindung<\/em> steht, &bdquo;gern&ldquo; die <em>Verursachung<\/em> zugeschrieben, wenn sch&auml;digende Emotionen festgestellt werden. Die Ungewissheit einer m&ouml;glichen Katastrophe kann zweifellos Ursache einer psychischen Belastung sein. Vielleicht k&ouml;nnte ein h&ouml;herer Deich helfen oder eine Umsiedlung, wenn es um konkrete Ereignisse geht. Es k&ouml;nnte sich bei Problemen auch um Fehler in der Landschafts- und Bebauungsplanung handeln, aus Profitstreben, Dummheit oder Nachl&auml;ssigkeit u.a.m. Auch dagegen lie&szlig;e sich etwas tun.<\/p><p>Diffuse &Auml;ngste wiederum k&ouml;nnten abgebaut werden durch sachliche Kommunikation. Immer wieder einen (mehr oder weniger diffusen, mehrdeutigen) Zusammenhang zum Klima herstellen zu &bdquo;m&uuml;ssen&ldquo; (wenn es nach denen geht, die Politiker und Journalisten systematisch betreuen), lenkt von konkreten Hilfem&ouml;glichkeiten und m&ouml;glichen anderen Ursachen ab. Warum muss bei einer &Uuml;berflutungskatastrophe, wie im spanischen Valencia im Herbst 2024, der vermutlich &bdquo;unschuldige&ldquo; CO2-Aussto&szlig;, der zudem schwer zu beeinflussen w&auml;re, herangezogen werden, wenn eine historische und polit-&ouml;konomische Sicht rasch Klarheit bringen kann? 1957 gab es schon einmal eine &Uuml;berflutung im selben Gebiet. Man erlie&szlig; restriktive Bebauungspl&auml;ne, die sp&auml;ter aufgeweicht wurden. Es gab EU-F&ouml;rdermittel f&uuml;r Renaturierungen, sodass, da eventuell unzureichend reflektiert ausgef&uuml;hrt und ohne die M&ouml;glichkeit von Kollateralsch&auml;den zu bedenken, ein R&uuml;ckbau von D&auml;mmen zur Katastrophe beitrug. Industrieller Gem&uuml;seanbau mit Eingriffen in die Wasserentnahme, Flussbettverlegungen, Missachtung traditioneller Wasserbauma&szlig;nahmen etc. sollten bei der Ursachensuche nicht au&szlig;en vor gelassen werden. Der st&auml;ndige Hinweis auf einen Klimawandel durch CO2-Aussto&szlig; wirkt da eher ablenkend und wenig l&ouml;sungsorientiert.<\/p><p>Wie auch im Ahrtal spielten in Spanien f&uuml;r die schwerwiegenden Folgen konkurrierende Verwaltungsebenen und fehlende Wachsamkeit eine Rolle.<\/p><p>Solche Einflussfaktoren wie auch das Geo-Engineering nicht zu erw&auml;hnen, kommt einer Beeinflussung durch Weglassen nahe. Das erw&auml;hnte Stresserleben kommt sicherlich nicht allein durch &bdquo;objektive&ldquo; Wahrnehmung von Wetter- und Klimaverh&auml;ltnissen zustande. Es ist auch die Art der Berichterstattung, die Stresserleben forcieren oder reduzieren kann. Eine sachliche und Panik reduzierende Haltung wird erschwert, wenn Klimaschutzorganisationen und BDP in ihren Regeln der Klimakommunikation dazu aufrufen, Verbindungen zum vermeintlich &bdquo;schuldigen&ldquo; und L&ouml;sung versprechenden CO2-Aussto&szlig; herzustellen, wenn sie also ein Narrativ bedienen wollen.<\/p><p>Gut lesbare und noch dazu unterhaltsame Artikel, u.a. zu Begriffen wie &bdquo;Kipppunkte&ldquo;[<a href=\"#foot_21\" name=\"note_21\">21<\/a>] und &bdquo;Klimaschutz&ldquo;[<a href=\"#foot_22\" name=\"note_22\">22<\/a>], finden sich in einigen Artikel von Thomas Brussig und Bernhard Wei&szlig;ling[<a href=\"#foot_23\" name=\"note_23\">23<\/a>].<\/p><p><strong>9) Die Ausnahmeposition der Psychotherapeuten im BDP<\/strong><\/p><p>Es scheint der Untergruppierung (Sektion) <em>Verband psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten<\/em> <em>(VPP)<\/em> im BDP vorbehalten zu sein, auf alarmistische T&ouml;ne zu verzichten. Man gibt vielmehr zu bedenken:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Belastende Emotionen werden jedoch auch durch Kommunikation mitbestimmt. Angst- und aggressionsf&ouml;rdernde Medienberichte (in Wort und Bild) erh&ouml;hen die emotionalen Belastungen &ndash; und verhindern den Blick auf menschliche Ressourcen und Resilienzfaktoren.&ldquo; (S. 83 im BDP&ndash;Bericht)<\/p>\n<p>&bdquo;Unklar ist, inwieweit es zu einer allgemeinen Zunahme psychischer Erkrankungen bundesweit durch den Klimawandel kommt und ob neue Formen psychischer St&ouml;rungen auftreten werden. Einer Zunahme von psychischen Erkrankungen sollte entgegengewirkt werden. Wir halten eine wissenschaftliche Begleitforschung und einen kritischen Diskurs zu diesem Thema f&uuml;r wichtig.&ldquo;[<a href=\"#foot_24\" name=\"note_24\">24<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>10) Kapitaloz&auml;n<\/strong><\/p><p>Obwohl an einigen Stellen des BDP-Berichts von systemischen Einflussfaktoren die Rede ist, bleiben politische und &ouml;konomische Aspekte wie auch weitergehende Fragen der Gesellschaftsorganisation (Produktionsverh&auml;ltnisse, Eigentumsfragen) f&uuml;r Erkl&auml;rung und L&ouml;sung der &bdquo;Klimakrise&ldquo; im Dunkeln. Der Kapitalismus als (Teil-)Ursache und Bedingung f&uuml;r L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten muss jedoch mitgedacht werden. Im Begriff des Kapitaloz&auml;ns kommt das zum Ausdruck[<a href=\"#foot_25\" name=\"note_25\">25<\/a>]. Auf diesen Zusammenhang macht Carl Wa&szlig;muth aufmerksam.<\/p><p>Solche Zusammenh&auml;nge werden vernebelt, wenn in schuldevozierender Weise die mangelnde Einsichtsf&auml;higkeit &bdquo;der Menschen&ldquo; in den Mittelpunkt der Interventionsm&ouml;glichkeiten gestellt wird, noch dazu mit einer Zerrform von Wissenschaftlichkeit. Nur so allerdings gelingt es dem BDP, der Psychologie eine zentrale Funktion f&uuml;r die Rettung von Klima und Menschheit zuzuschreiben. Den Lobbyisten der fossilen Industrien eine &bdquo;bewusst manipulative&ldquo; (BDP-Bericht, S. 23,) Haltung zu unterstellen und gleichzeitig die Interessen einer gr&uuml;nen und digitalen Industrie zu ignorieren, wird den Erfordernissen einer sozial&ouml;kologischen Transformation nicht gerecht. Immerhin haben auch gr&uuml;ne Institute und Industrien Interessen an Refinanzierung und an einem gesellschaftlichen Klima, welches Wertsch&ouml;pfung erm&ouml;glicht. Wer vom Klimawandel, von der Klimakrise, vom Klimaschutz reden will, darf vom Kapitalismus nicht schweigen.<\/p><p><strong>11) Ist die Klimakrise ein psychologisches Problem, das mit einer Psychologie der Verhaltens&ouml;konomie zu l&ouml;sen ist?<\/strong><\/p><p>Der BDP hat sich in seinem &bdquo;Klimapapier&ldquo; darauf festgelegt, dass der Klimawandel menschengemacht durch den CO2-Aussto&szlig; sei. Wenn es also keine physikalisch-technologischen Zweifel auf der Sachebene gibt und die Gesellschaftsform nebens&auml;chlich ist, bleibt der Mensch als Ziel des Angriffs. Der Mensch muss in die Richtung der Vernunft gelenkt werden. Daf&uuml;r kommt das Arsenal der Verhaltensbeeinflussung in Betracht. Insofern ist das Konzept auch eine Werbema&szlig;nahme sowie ein Antrag an Politik und Gesellschaft, Psychologie nicht nur zu beachten, sondern auch Strukturen f&uuml;r ihr Handeln und f&uuml;r die Beschaffung von Stellen zu schaffen.<\/p><p>Begleitung des normalen Publikums (z.B. f&uuml;r die passende Motivierung), Beratung der Politik auf allen Ebenen, Beratung von Unternehmen und Beh&ouml;rden, die alle f&uuml;r den Klimaschutz aktiv werden m&uuml;ssen, sind dann zentrale Adressaten der Psychologie. Psychologische Kleinunternehmen, Institute und Institutionen werden gefragt sein. Weil es sich um ein Projekt der Bildung, der Bewusstseinsbildung und Umerziehung eines ganzen Volkes handelt, geht es um eine immerw&auml;hrende Operation, in der Psychologinnen und Psychologen vertreten sein m&uuml;ssen. Berufsst&auml;ndische Interessen und gesellschaftliche Interessen gehen in wunderbarer Weise Hand in Hand.<\/p><p>Die Einfach-Erkl&auml;rung (der CO2Aussto&szlig; erhitzt die Erde, was die Menschheit bedroht) schafft eine Erz&auml;hlung, die eine dem Anschein nach einfache L&ouml;sung erlaubt, sie geradezu zwingend macht. (&bdquo;Eigentlich ist die Botschaft der Klimabewegung banal&ldquo;, hei&szlig;t es auf S. 20 im BDP-Bericht). Es kommt also darauf an, diese Einfach-Ursache unters Volk und in die Politik zu bringen. Und weil das Problem ein psychologisches ist, gilt es, (gleichsam in einem Krieg um die K&ouml;pfe) die Welt davon zu &uuml;berzeugen, dass mehr Psychologinnen und Psychologen in Stellung gebracht werden m&uuml;ssen.<\/p><p>F&uuml;r die (Um-)Erziehungsaufgabe werden Konzepte der Psychotechnik, des Behaviorismus, der Verhaltens&ouml;konomie (re-)aktiviert. Sie werfen Fragen nach dem Menschenbild auf, danach, wer mit welcher Legitimation Verhaltens- und Erziehungsziele definiert. Tats&auml;chlich aber werden diese Fragen gar nicht gestellt. Die Antworten sind selbstverst&auml;ndlich schon gegeben &ndash; von &bdquo;der&ldquo; Wissenschaft und den nach &bdquo;wirksamem Regieren&ldquo; strebenden Staat. Der BDP steht mit seinen Perspektiven in der Tradition von Edward Bernays[<a href=\"#foot_26\" name=\"note_26\">26<\/a>] und Walter Lippmann[<a href=\"#foot_27\" name=\"note_27\">27<\/a>], den &bdquo;Erfindern&ldquo; der Propaganda, die sp&auml;ter in Public Relations umgetauft wurde. Beide und ihre Schulen waren davon &uuml;berzeugt, dass die Massen einer vorsichtigen, aber bestimmten Lenkung einer kl&uuml;geren F&uuml;hrung bed&uuml;rfen, wenn nicht Wohlstand und Demokratie (!) gef&auml;hrdet sein sollten. So ist vermutlich nicht auszuschlie&szlig;en, dass sich das Klimaschutzprogramm des BDP auch als Demokratief&ouml;rderung konzipieren l&auml;sst &ndash; geht es doch gegen &bdquo;Klimaleugner&ldquo;, von denen Verschw&ouml;rungserz&auml;hler in der Regel nicht weit entfernt sind.<\/p><p><strong>12) Der BDP beteiligt sich an der Zerst&ouml;rung des Subjekts<\/strong><\/p><p>Mit dem Aufruf, Psychologinnen und Psychologen sollten sich als Change agents verstehen, macht sich der BDP zum &bdquo;Aktivisten&ldquo;. Dem entspricht die als Verhaltens&ouml;konomie firmierende Variante einer Psychologie, die in Expansion begriffen ist und die das Anstupsen oder Schieben in die &bdquo;richtige&ldquo; Richtung (Nudging) betreibt (vgl. Bastian Barucker[<a href=\"#foot_28\" name=\"note_28\">28<\/a>]). Angeblich werde damit zum Wohle kollektiver Interessen gehandelt, hei&szlig;t es bei den Protagonisten einer solchen Psychologie. Es sind die Fachleute, die wissen, worum es geht.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Vielleicht ist es letzten Endes eine Parallele zwischen Klimakrise und Killervirus, dass der vermeintliche Konsens in der Wissenschaft und die Alternativlosigkeit der verk&uuml;ndeten Ma&szlig;nahmen so nicht gegeben sind, die durchgef&uuml;hrten Ma&szlig;nahmen oft auch nicht prim&auml;r dem Wohl der Gemeinschaft dienen, dem Steuerzahler und W&auml;hler aber zugleich immense Kosten aufb&uuml;rden und daher &bdquo;richtig kommuniziert&ldquo; werden m&uuml;ssen.&ldquo; (Barucker)\n<\/p><\/blockquote><p>Mit seinem Vorgehen entfernt sich der BDP von einer Philosophie der Subjektentwicklung, der Bewusstwerdung von Bedingungen des eigenen Lebens. Er untergr&auml;bt Prozesse der (Selbst-)Aufkl&auml;rung und (Selbst-)Erkenntnis der eigenen Gewordenheit im Kontext von Familie, Arbeit, Lernen und gesellschaftlicher Entwicklung. Stattdessen lenken Psychologinnen und Psychologen die Menschen in eine Richtung, die die vermeintlich wahre und richtige ist.<\/p><p>Zum Verh&auml;ltnis von Aktivismus und Objektivit&auml;t schreibt der Naturwissenschaftler und Blogger Gunnar Jeschke:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Politischer Aktivismus vertr&auml;gt sich nicht mit Objektivit&auml;t. In der Politik geht es um Meinung und Macht. &bdquo;De omnibus dubitandum est&ldquo;. An allem muss man zweifeln ist keine m&ouml;gliche Haltung von politischen Aktivisten. Ein Wissenschaftler kann im pers&ouml;nlichen Leben politischer Aktivist sein, aber nicht in seiner Eigenschaft als Wissenschaftler. Wahrheit und politische Argumente sind disjunkte Teilmengen des menschlichen Intellekts.&ldquo;[<a href=\"#foot_29\" name=\"note_29\">29<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p><strong>13) Thesen zur Bereitschaft, sich autorit&auml;rer Mittel zu bedienen und wissenschaftlichen Dialog durch Glauben zu ersetzen<\/strong><\/p><p>Was in dem umfangreichen Bericht des BDP zum Ausdruck kommt, ist eine F&uuml;lle von &uuml;berzeugungsstarken, jedoch nicht wissenschaftlich und objektivierten Positionen. Die Grundlagen einer evidenzbasierten, an Objektivit&auml;t und Dialog interessierten Psychologie werden aufgegeben zugunsten eines parteilichen Aktivismus. Es war meine Absicht, die Gefahren, die im Ansatz &bdquo;Lasst uns Change agents sein&ldquo; liegen, aufzuzeigen. Eine subjektorientierte und emanzipatorische Psychologie kommt damit unter Druck. Dar&uuml;ber hinaus bleibt die Frage: Welcher gesellschaftlich-psychologischer Voraussetzungen bedurfte es, um innerhalb weniger Jahre sich einer subjektfeindlichen und kontra-emanzipatorischen Ausrichtung zu &ouml;ffnen? Dazu nun noch einige Thesen.<\/p><p>Die gegenw&auml;rtige, dem Anschein nach so verantwortungsvolle und aktivistische Gruppe d&uuml;rfte in ihrer eigenen Sozialisation viel Ermutigung und Anregung zu umweltbewusstem Handeln erfahren haben. Sie k&ouml;nnten die S&ouml;hne und T&ouml;chter von Eltern sein, die selbst &bdquo;Gutes&ldquo; hatten tun wollen, jedoch ohne sich auf die M&uuml;hen gesellschafts- und systemkritischer Analyse einzulassen. Als 68er und Nach-68er m&ouml;gen sie subjektiv den Anspruch (gehabt) haben, auf der Seite von Demokratie, Frieden und Umwelterhalt zu stehen.<\/p><p>Zwar hat es mit den 68ern und ff. einen politisch-kulturellen Aufbruch gegeben, der aber im Laufe der Jahre politisch und institutionell wieder einkassiert wurde. Demokratie und Mitbestimmung wurden geschliffen (Schul- und Hochschulpolitik, Rechte der Personal- und Betriebsr&auml;te eingeschr&auml;nkt, Verlagerung von Entscheidungen in von Betrieben oder Beh&ouml;rden leicht beeinflussbaren Ma&szlig;nahmen der Organisationsentwicklung). Was sich mit der Herausbildung von Friedens- und Umweltbewegung tat, war zumindest teilweise die Aufl&ouml;sungserscheinung einer breiteren gesellschaftlichen Bewegung. Nach der Revolte kamen die Anpassung und die Selbstintegration in die bestehenden Verh&auml;ltnisse. &bdquo;Nicht alles ist schlecht&ldquo; war eine verbreitete Haltung, bot doch das System Verdienst- und Aufstiegsm&ouml;glichkeiten, unter Abstrichen von einstigen &bdquo;Pl&auml;nen&ldquo; bestanden Aussichten auf ein gutes Leben. Das machte eine (selbst-)kritische Aufarbeitung eigenen Handelns und der eigenen Rolle obsolet. Ebenso &bdquo;entfielen&ldquo; eine Analyse oder auch nur ein Verstehen dessen, was die Gesellschaft war, in der man lebte.<\/p><p>Der revoltierende, emphasische &Uuml;berschuss wurde abgedr&auml;ngt &ndash; und tauchte in Gestalt der &bdquo;privaten&ldquo; Erziehung, in der institutionalisierten Erziehung und in der PR-Kommunikation auf &ndash; &bdquo;befreit&ldquo; von politischen und gesellschaftlichen Analysen. Stattdessen konnte mit Abstufungen &bdquo;bereut&ldquo; und Moral im &uuml;berschaubaren Initiativenbereich gezeigt werden. Das konnte Entlastung und Re-Integration in die Gesellschaft bewerkstelligen. Die zuvor mehr &bdquo;gef&uuml;hlte&ldquo; als ausformulierte Systemkritik m&uuml;ndete nicht in eine reflektierte Auseinandersetzung, sondern in einen R&uuml;ckzug auf das Machbare, dessen Basis immer schmaler wurde.<\/p><p>Vieles von dem, was an &bdquo;Weltverbesserung&ldquo; auf der Strecke geblieben war, geriet auf die Auftragsliste f&uuml;r den eigenen Nachwuchs. Kommend aus einer aufregenden Zeit, erfahrungsges&auml;ttigt und klug geworden zeigte man der nachfolgenden Generation, wo es hingehen sollte. Das galt vermutlich nur f&uuml;r einen kleineren, aber einflussreichen Teil der Mittelschicht. Bildungsbewusst, konkurrenzbereit, systemkompetent &ndash; ohne gesellschaftskritischen Schnickschnack &ndash; begleitete und ermunterte man die in den Nach-68er-Jahren Geborenen. Umweltbewusstsein und schlaues Agieren im sich ausbreitenden Neoliberalismus, u.a. das Finden f&uuml;r M&ouml;glichkeiten der Selbstvermarktung, wurden die Kompetenzen der Stunde. Projektarbeit und Kompetenzorientierung vermittelten eine handhabbare, machbare Welt &ndash; jedoch losgel&ouml;st von gesellschaftlichen Widerspr&uuml;chen, Interessenlagen etc.<\/p><p>Kritisches Denken, Gesellschaftskritik waren angesichts des implodierten Sozialismus und des &uuml;briggebliebenen westlich-kapitalistischen Erfolgsmodells verp&ouml;nt. Die Engf&uuml;hrung des neoliberalen Denkens auf sich rechnende (Selbst-)Optimierung zum Erhalt der Existenz bzw. Aufstieg im krisenanf&auml;lligen Wettbewerb erzeugte Anpassungsleistung, durchaus auch Anstrengungsbereitschaft bis hin zur Selbstausbeutung. Das Soziale und Menschliche verschwanden nicht vollst&auml;ndig, verloren aber an Wert und fanden sich in einem st&auml;ndigen Kampf mit der &Ouml;konomisierung und Rationalisierung aller Lebensverh&auml;ltnisse. Gleichsam selbstverst&auml;ndlich und fraglos entstanden Normen &uuml;ber Zugeh&ouml;rigkeit und Ausschluss, &uuml;ber Unerlaubtes und Zul&auml;ssiges. Wo das Denken von Kategorien des N&uuml;tzlichen, Brauchbaren, Unbrauchbaren, von der &bdquo;Warenhaftigkeit&ldquo; und der Notwendigkeit der (Selbst-)Vermarktung dominiert wird, entstehen Fremdheit und Entfremdung, Unbehagen und Vertrauensverlust. Dem, der f&uuml;hren will, stellt sich das leicht als problematischer R&uuml;ckzug dar. Was sich aufl&ouml;st und au&szlig;er Kontrolle zu geraten droht, wird mit Appell, Kontrolle, Drohung, Zwang zur&uuml;ckgeholt &ndash; jedoch, wenn &uuml;berhaupt m&ouml;glich, auf labiler Grundlage. Dort, wo das gesellschaftliche Sagen zu Hause ist, lernt man, &bdquo;expansiv&ldquo; und &bdquo;f&uuml;rsorglich&ldquo; f&uuml;r die weniger Einflussreichen zu denken und zu planen. Auch wenn es gut gemeint sein mag, muss es im Ergebnis nicht gut sein &ndash; und ist es meistens auch nicht.<\/p><p>Das vermeintliche (Besser-)Wissen verf&uuml;hrt in Verbindung mit fehlender Vorstellungsf&auml;higkeit f&uuml;r die Welten &bdquo;anderer&ldquo; und f&uuml;r &bdquo;anderes&ldquo; zu feudalistischen F&uuml;hrungsmustern. Eine in diesem Sinne der &bdquo;exzellenten&ldquo; F&uuml;hrungsberechtigung herangewachsene Schicht, die nun Schaltstellen einnimmt, kann durchaus zu dem Ergebnis kommen, die Massen b&auml;ndigen und erziehen zu m&uuml;ssen. Wo systemische und Gesellschaftsanalyse (und das Leben der anderen) keinen Platz haben, kann sich die Vorstellung der Legitimit&auml;t von Zwang, Bestrafung, Durchregieren, Ausschluss aus der b&uuml;rgerschaftlichen und wissenschaftlichen Debatte einstellen. Haben sich wissende Eliten erst einmal aus dem Dialog mit dem Jenseitigen, dem Fremden und Unzug&auml;nglichen abgemeldet, werden Drohung und Zwang zu legitimen Mitteln verantwortlichen Handelns.<\/p><p>Ist die fr&uuml;h herangebildete Sensibilit&auml;t f&uuml;r m&ouml;gliche Besch&auml;digung der Umwelt angesprochen, drohen Panik und Eskalation; denn es mangelt an der F&auml;higkeit zur zeitweiligen Positions&uuml;bernahme des Gegners, zum Aushalten zuwiderlaufender Annahmen, zu Rationalit&auml;t gegen&uuml;ber der Sache und dem Widersacher. Der Umgang mit &bdquo;Uneinsichtigen&ldquo; ist get&ouml;nt von einer Annahme gegnerischer Obstruktion und Feindseligkeit.<\/p><p>Eine Notwendigkeit des Durchregierens vermittelt sich gleichsam nat&uuml;rlich angesichts des erzeugten Mangels an analytischem Werkzeug. Wer &uuml;berzeugt davon ist, recht zu haben und noch dazu das &Uuml;berleben der Menschheit im humanen Visier hat, kann, nein muss sich die Erlaubnis geben, wenn er denn einmal eine Position der Macht hat, mit Zwang zu regieren. Die Anzeichen einer solchen Haltung sind im Alltag des gesellschaftlichen und politischen Betriebs zu erkennen.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128360\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: <a href=\"https:\/\/www.bdp-verband.de\/aktuelles\/detailansicht\/der-bdp-bericht-2024-psychologische-perspektiven-im-klimawandel-strategien-und-konzepte-ist-da-und-fokussiert-die-zentrale-rolle-der-psychologie-bei-der-bewaeltigung-des-klimawandels-und-seiner-folgen\">Screenshot des BDP Berichts 2024<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124625\">Corona aufarbeiten &ndash; Ohne Psychologinnen und Psychologen?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111387\">Psychologie als Regierungsinstrument: Manipulation durch &bdquo;Nudging&ldquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=69176\">Corona und Psychologie: Angst arbeitet dem demokratischen Miteinander entgegen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25005\">Rezension zu G&ouml;tz Eisenberg: Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus<\/a>\n<\/p><\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.bdp-verband.de\/klima-und-psychologie\/bdp-bericht-klimawandel-strategien-und-konzepte\">Psychologische Perspektiven im Klimawandel: Strategien und Konzepte im Klimawandel<\/a>, hrsg. vom Vorstand des BDP, 2024, Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, Berlin<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Lea Dohm, Felix Peter, Biance Rodenstein, Fabian Chmielewski: Wenn Warnungen ungeh&ouml;rt verhallen &ndash; psychische Prozesse im Umgang mit der Klimakrise, in Psychologische Perspektiven im Klimawandel, Strategien und Konzepte, 2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] vgl. J&uuml;rgen Mietz: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=124625\">Corona aufarbeiten &ndash; Ohne Psychologinnen und Psychologen?<\/a>, 02.12.2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Janna Hoppmann: Kommunikation in der (Klima-) Krise. Orientierung und Mut f&uuml;r Gespr&auml;che &uuml;ber ein &bdquo;wicked Problem&ldquo;, in: BDP-Bericht 2024 &ndash; Psychologische Perspektiven im Klimawandel: Strategien und Konzepte, S. 29 ff.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Margret Rasfeld und Felix Peter: Bildung f&uuml;r eine nachhaltige Entwicklung und Zukunft, in Psychologische Perspektiven &hellip; BDP 2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Tenorth, Heinz-Elmar. (2018). <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/349972586_Neu_wird_der_Mensch\">Neu wird der Mensch!<\/a> Kursbuch. 54. 51-64, 02.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Katharina Simons: Wir k&ouml;nnen wirksam sein &ndash; Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen als &bdquo;Change Agents&ldquo;, in BDP-Bericht 2024 &ndash; Psychologische Perspektiven im Klimawandel: Strategien und Konzepte<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Anika Limbach: <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/anika-limbach\/klimabilanz-von-kriegen-wie-hoch-sind-die-globalen-co2-emissionen-des-militaers\">Klimabilanz von Kriegen: Wie hoch sind die globalen CO&#8322;-Emissionen des Milit&auml;rs?<\/a>, 04.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Carolin Wahnbaeck: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/umwelt\/2022-11\/emissionen-militaer-krieg-klimawandel-un-klimakonferenz\/komplettansicht\">Wie Krieg den Klimawandel anheizt<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Oxfam: <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/20231120-oxfam-klima-ungleichheit.pdf\">Klima der Ungleichheit. Wie extremer Reichtum weltweit die Klimakrise, Armut und Ungleichheit versch&auml;rft<\/a>, Herausgeber: Oxfam Deutschland e. V., November 2023, 03.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Deutschlandfunk: <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/klimawandel-reichtum-vermoegen-co2-fussabdruck-ausstoss-reiche-100.html\">Luxus und CO2-Aussto&szlig;. Wie Reiche den Klimawandel antreiben<\/a>, 03.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Reitter, Karl: Gemeinsam das Klima retten? Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft, 2024;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] a.a.O., Kapitel 10 &bdquo;Die Informationslobbys und der 97 Prozent-Konsens&ldquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] a.a.O., Kapitel 3: Temperaturentwicklung, Temperaturmessung &hellip;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2024\/12\/21\/auswirkungen-von-netto-null-bis-2050-0073-c-weniger-und-explodierende-kosten\/\">tkp.at\/2024\/12\/21\/auswirkungen-von-netto-null-bis-2050-0073-c-weniger-und-explodierende-kosten\/<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Thomas Oysm&uuml;ller: <a href=\"https:\/\/tkp.at\/2025\/01\/03\/der-umfassende-temperatur-betrug-der-klima-industrie\/\">Der umfassende Temperatur-Betrug der Klima-Industrie<\/a>, 04.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Naomi Klein: Die Schock-Strategie. Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus, Hoffmann und Campe, 2023<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Bernd Schoepe: <a href=\"https:\/\/www.gew-ansbach.de\/data\/2024\/09\/Schoepe_Die_Wissenschaft_nach_Corona_I.pdf\">Pl&auml;doyer f&uuml;r eine neue Aufkl&auml;rung. Wie die sp&auml;testens seit der Panik-Pandemie etablierte Herrschaft der Unvernunft durch ein ganzheitliches Projekt der Bildung, Selbsterm&auml;chtigung und Selbstorganisation &uuml;berwunden werden kann<\/a>, 22.12.2024<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_von_Storch\">Hans von Storch (Wikipedia-Eintrag)<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Julia Scharnhorst: Wie steht die Gesundheitspsychologie zum Klimawandel?, in: BDP-Bericht 2024 &ndash; Psychologische Perspektiven im Klimawandel: Strategien und Konzepte<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_21\" name=\"foot_21\">&laquo;21<\/a>] Thomas Brussig: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/ob-greta-thunberg-oder-letzte-generation-warum-die-panik-vor-klima-kipppunkten-falsch-ist-li.2262866\">Ob Greta oder Letzte Generation: Warum die Panik vor Klima-Kipppunkten falsch ist<\/a>, 05.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_22\" name=\"foot_22\">&laquo;22<\/a>] Thomas Brussig: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/thomas-brussig-das-wunschdenken-der-klimaaktivisten-li.2233472\">Thomas Brussig: Warum die naiven Parolen der Klimaaktivisten nutzlos sind<\/a>, 05.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_23\" name=\"foot_23\">&laquo;23<\/a>] Bernhard Wei&szlig;ling: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/zukunft-technologie\/klima-technologien-und-entropie-verfahren-fuer-co-entzug-sind-nicht-nachhaltig-li.2272552\">Die nackte Wahrheit der Entropie: Verfahren f&uuml;r CO&#8322;-Entzug sind nicht nachhaltig<\/a>, 05.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_24\" name=\"foot_24\">&laquo;24<\/a>] Susanne Berwanger: Besorgt und besonnen dem Wandel entgegentreten, in BDP-Bericht 2024, Psychologische Perspektiven<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_25\" name=\"foot_25\">&laquo;25<\/a>] Carl Wa&szlig;muth: <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/open-source\/warum-wir-klima-kipppunkte-nicht-verharmlosen-duerfen-li.2273830\">Mehr als Katastrophen-Rhetorik? Warum wir Klima-Kipppunkte nicht verharmlosen d&uuml;rfen<\/a>, 12.01.2025<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_26\" name=\"foot_26\">&laquo;26<\/a>] Edward Bernays: Propaganda &ndash; Die Kunst der Public Relations, Orange press 2013<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_27\" name=\"foot_27\">&laquo;27<\/a>] Walter Lippmann: Die &ouml;ffentliche Meinung, Westendverlag 2021, oder The Walter Lippmann Reader (englisch)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_28\" name=\"foot_28\">&laquo;28<\/a>] Bastian Barucker: <a href=\"https:\/\/multipolar-magazin.de\/artikel\/nudging-verhaltensoekonomie\">Mit Verhaltens&ouml;konomie &bdquo;wirksam regieren&ldquo;<\/a>, 28.12.2024)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_29\" name=\"foot_29\">&laquo;29<\/a>] Gunnar Jeschke: <a href=\"https:\/\/blog-samstagern.ch\/2024\/12\/07\/was-ist-wahrheit\/\">Was ist Wahrheit?<\/a>, 29.12.2024<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) gibt eine m&ouml;gliche berufsbedingte Zur&uuml;ckhaltung auf und erkl&auml;rt sein Engagement f&uuml;r Klimaschutz mit einer Pflicht zu planetarischer Verantwortung. 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