{"id":128100,"date":"2025-02-02T14:00:00","date_gmt":"2025-02-02T13:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128100"},"modified":"2025-02-03T15:51:17","modified_gmt":"2025-02-03T14:51:17","slug":"starke-tv-doku-das-falsche-versprechen-vom-aufstieg-deutschland-ist-keine-faire-sondern-eine-zementierte-klassengesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128100","title":{"rendered":"Starke TV-Doku \u201eDas falsche Versprechen vom Aufstieg &#8230;\u201c \u2013 Deutschland ist keine faire, sondern eine zementierte Klassengesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Fernsehen bildet, dieser Spruch kam mir bei der ARD-Dokumentation &bdquo;Das falsche Versprechen von Aufstieg&hellip;&ldquo; in den Sinn. Das in Zeiten, in welchen unser Land unter einer dunklen Wolke schwerer gesellschaftlicher Fehlentwicklungen verharrt und Worte wie &bdquo;Es geht den Bach hinunter&ldquo; Konjunktur haben. Die eindrucksvolle Dokumentation rechnet mit unserer Ellenbogengesellschaft, mit der Heuchelei, dass jeder was werden k&ouml;nnte, ab und damit, dass verschwiegen wird, dass es mehrere &bdquo;aber&ldquo; gibt, die diese &bdquo;versprochenen&ldquo; Aufstiege verhindern. Im Film des <em>MDR<\/em> wird das offengelegt. Eine Besprechung von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7398\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-128100-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=128100-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250131-Falsches-Versprechen-vom-Aufstieg-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Von der ARD-Dokumentation bekam ich beim Radioh&ouml;ren Wind. Ein Programmtipp auf <em>MDR<\/em> machte auf die Sendung aufmerksam, und durch eine kurze Aussage darin wurde ich irritiert und umso mehr interessiert: dass in dem Film davon gesprochen w&uuml;rde, dass Deutschland eine Klassengesellschaft sei. Zum Schmunzeln war f&uuml;r mich beim Anschauen gleich der Filmauftakt, bei dem das Duo Modern Talking mit ber&uuml;hmter Kopfstimme den Refrain &bdquo;You can win &hellip;&ldquo; als Filmmelodie lieferte. Wenn das nur so einfach mit dem Siegen w&auml;re &hellip;<\/p><p><strong>90 Minuten beeindruckende Gesellschaftskritik der Bundesrepublik<\/strong><\/p><p>Die Dokumentation <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/das-falsche-versprechen-vom-aufstieg\/wie-herkunft-die-zukunft-bestimmt-oder-doku\/mdr\/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MC80OTE2NzAtNDcxNzE4\">&bdquo;Das falsche Versprechen vom Aufstieg &ndash; You can win, if you want?&ldquo;<\/a> wirkte auf mich intensiv. Sie war ein offenes, schonungsloses, humorvolles, teils trauriges, aber nicht verbittertes Sittengem&auml;lde unserer Gesellschaft, aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen, teils in Interview-Aussagen von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Klasse vorgetragen. In Begleitsequenzen wurde einerseits die soziale, dann die freie Marktwirtschaft gelobt. Der Kapitalismus, der von Menschen gemacht werde, sei folglich sehr menschlich, erfuhr ich. Auch vernahm ich, dass Deutschland zwar sachlich gesehen <em>ein<\/em> Land, aber doch geteilt sei &ndash; in Ost und West, mit entsprechend bekannten Vor- und Nachteilen, was die Herkunft, den Standort, die Klassenzugeh&ouml;rigkeit und weitere Faktoren anbetrifft. Ironisch bissig wurde auch gesagt: Ostdeutschland stehe f&uuml;r gar nichts &ndash; au&szlig;er f&uuml;r niedrige L&ouml;hne. Kapitalismus andererseits halt.<\/p><p>Ein halbes Dutzend Mitb&uuml;rger legten in der Doku ihre Sichtweisen, ihre Geschichten offen &ndash; ehrlich, nah. Das Thema zu ihren Wortmeldungen war: sozialer Aufstieg oder Nichtaufstieg wie Stillstand in Verbindung zu und in Abh&auml;ngigkeit von ihrer sozialen Herkunft. Beeindruckend berichteten sie, aus unterschiedlichen Milieus (Klassen) kommend, wie sie einerseits mit Armut, Geldnot und Ablehnung in der Gesellschaft konfrontiert waren und andererseits ihre soziale Herkunft (aus besserem Hause) als T&uuml;r&ouml;ffner f&uuml;r ihren Werdegang diente und dass dies bis heute so sei. Mir gingen die kurzen Portr&auml;ts nah: der junge Mann, ein Student, dem beim Anblick seines Kindheitsfotos als ABC-Sch&uuml;tze in schweren Tagen die Tr&auml;nen kamen; die Autorin, die von einer leeren Urlaubskasse sprach.<\/p><p>Man k&ouml;nne, wie die Autorin Marlen Hobrack dies selbst erlebt hat, &bdquo;es dennoch schaffen&ldquo; in dieser unserer Ellenbogengesellschaft, wurde fatalistisch fast erz&auml;hlt. Aus der Arbeiterklasse stammend, erlangte sie einen h&ouml;heren Bildungsabschluss. Sie konnte studieren. Was sie mit dieser Art, &bdquo;es zu schaffen&ldquo;, aber nicht meinte, war, dass sie von dem Spruch &uuml;berzeugt sei, man m&uuml;sse sich nur genug f&uuml;r den Erfolg anstrengen. Dem sei nicht so, es br&auml;uchte viel mehr, stellte sie ern&uuml;chternd fest.<\/p><p><strong>Wie w&auml;re es, wieder etwas Gemeinsames zu entwickeln? Das System taugt dazu nicht<\/strong><\/p><p>Ich freute mich &uuml;ber die Frage der beeindruckenden Doku-Protagonistin Marlen Hobrack: &bdquo;Wie w&auml;re es mit einer Idee, wieder etwas Gemeinsames entwickeln zu m&uuml;ssen, eine Gesellschaft, in der nicht die Herkunft die Zukunft bestimmt?&ldquo; In ihre Frage packte sie den aktuellen Befund zu unserem l&auml;ngst auseinandergedrifteten Gemeinwesen: dass von gemeinsam gerade keine Rede sein k&ouml;nne und dass es l&auml;ngst an der Zeit sei, die Gesellschaft zum Besseren zu ver&auml;ndern.<\/p><p>Ich interpretierte ihre Aussage, dass sie damit nicht nur die individuellen Chancen meinte, sondern die Gesamtheit, das Miteinander. Eine Aussage eines weiteren Interviewteilnehmers, Scott Wempe, Miteigent&uuml;mer des Familienunternehmens Wempe, war f&uuml;r mich wie eine Verkn&uuml;pfung von Gedanken zweier unterschiedlich sozialisierter Mitb&uuml;rger: Man k&ouml;nne die Probleme, die anstehen, nur l&ouml;sen, wenn man das nicht nur aus der Perspektive der oberen 3,5 Prozent der Bev&ouml;lkerung anstellte. Hobrack und Wempe f&uuml;r neue Ideen.<\/p><p>Der junge Unternehmer, wohl Teil dieser &bdquo;Top 3,5&ldquo;, legte n&uuml;chtern res&uuml;mierend &uuml;ber den Zustand unserer Gesellschaft, unseres &bdquo;Systems&ldquo; nach:<\/p><blockquote><p>\n<em>Das System ist noch immer darauf ausgerichtet, die Macht bei den wenigen zu halten, anstatt sie breiter zu verteilen.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied &ndash; von wegen<\/strong><\/p><p>Eine weitere Interviewteilnehmerin, Dr. Martyna Linartas, Sozialforscherin, verwies in ihrer Gesellschaftsbetrachtung und Kritik auf einen interessanten wie wenig schmeichelhaften Vergleich: In Deutschland dauere es einer Studie zufolge sechs Generationen, um von Armut in die Mittelschicht aufzusteigen; in D&auml;nemark ginge das innerhalb von zwei Generationen.<\/p><p>Drastisch brachte Autorin und Hauptprotagonistin Marlen Hobrack das Dilemma mit dem Aufstieg \/ Nichtaufstieg auf den Punkt, wenig schmeichelhaft f&uuml;r unsere ach so gerechte, demokratische Bundesrepublik: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Herkunft klebt wie Schei&szlig;e am Schuh&rdquo;, sagt Marlen Hobrack, aufgewachsen als Arbeiterkind in Bautzen.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/das-falsche-versprechen-vom-aufstieg\/wie-herkunft-die-zukunft-bestimmt-oder-doku\/mdr\/Y3JpZDovL21kci5kZS9zZW5kdW5nLzI4MjA0MC80OTE2NzAtNDcxNzE4\">ardmediathek.de<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Der m&auml;rchenhafte Spruch &bdquo;Jeder ist seines Gl&uuml;ckes Schmied&ldquo; erfuhr in der Doku eine deutliche Abfuhr. Sozialforscherin Linartas monierte, dass die soziale Mobilit&auml;t vieler Menschen extrem niedrig sei. Das &bdquo;Gl&uuml;ck&ldquo; komme sehr stark auf die Herkunft, auf die Verbindungen, auf die Eink&uuml;nfte, auf die Bildungsabschl&uuml;sse an, um wirklich sozial mobil zu sein. F&uuml;r mich ergab sich die Feststellung: Mobil sein hei&szlig;t, teilzuhaben an der Gesellschaft, mitgestalten k&ouml;nnen, Einfluss, Macht haben. Mir fiel Wempe wieder ein: die Macht in den H&auml;nden weniger zu halten &hellip;<\/p><p>Neben der MDR-TV-Dokumentation wurde ich noch auf ein Interview mit Marlen Hobrack f&uuml;r den Rundfunksender MDR-Kultur aufmerksam. Auch hier &auml;u&szlig;erte Hobrack Zweifel an dem Aufstiegsversprechen in Verbindung mit Leistung unabh&auml;ngig von der Herkunft und den zur Verf&uuml;gung stehenden Mitteln. In ihren Worten hatte Hobrack die Begr&uuml;ndung f&uuml;r den Verschluss unserer Gesellschaft parat: weil unsere Gesellschaft eine Klassengesellschaft ist. Klassengesellschaft meint, dass es &bdquo;bessere&ldquo; und &bdquo;schlechtere&ldquo; Klassen gibt, besser Gestellte, schlechter Gestellte. Mehr oder weniger Macht, oder gleich gar keine Macht:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Tats&auml;chlich glaube ich, dass Herkunft gerade dann, wenn man vielleicht aus der Arbeiterklasse stammt oder aus einer weniger privilegierten Klasse, einen anderen Blick auf Gesellschaft insgesamt und auch auf Aufstiegserz&auml;hlungen erm&ouml;glicht. Weil man eben sieht, dass diese einfache Idee von &ldquo;Streng dich an, dann wirst du es schaffen&rdquo; doch nicht f&uuml;r alle funktioniert. Menschen strengen sich ja an, und trotzdem klappt es irgendwie nicht so mit dem Aufstieg.&ldquo;<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/marlen-hobrack-falsche-versprechen-doku-kultur-news-100.html\">MDR<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Doku regte zum Nachdenken an &ndash; &uuml;ber Arbeiter und Kapitalisten<\/strong><\/p><p>Die MDR-Doku &bdquo;Das falsche Versprechen &hellip;&ldquo; beeindruckte mich, regte zum Nachdenken an. Mir ist noch in Erinnerung, dass vor einigen Jahren noch intensiv und konstant lobend &uuml;ber unser Land gesprochen wurde. Deutschland sei ein Land, in dem die soziale Marktwirtschaft zu Hause sei, in der es eine Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern g&auml;be, in der die Demokratie das Ma&szlig; aller Dinge sei und wir von einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung spr&auml;chen &ndash; Wohlstand inklusive.<\/p><p>Mit den Jahren bis in die heutigen Zeiten hinein wurde dann der Ton rauer, aus der sozialen wurde eine freie, neoliberale Marktwirtschaft. Der Markt richtet alles und so weiter. Das Wort &bdquo;Kapitalismus&ldquo; nahm man fr&uuml;her sehr wenig in den Mund. Jetzt ist es wieder in aller Munde, und auch das Wort &bdquo;Klassengesellschaft&ldquo; ist kein Tabu mehr. Was mit den Klassen und dem so unausweichlichen Klassenkampf folgt ist: Kapitalist \/ Unternehmer versus Arbeiter.<\/p><p>Fr&uuml;her wurde der B&uuml;rger eingelullt, die Begriffe weichgesp&uuml;lt: Arbeitgeber, Arbeitnehmer hie&szlig; das. Beide waren Partner, vereint und am gleichen Strang ziehend f&uuml;r m&ouml;glichst hohe Ums&auml;tze (Gewinne) als Sozialpartnerschaft, flankiert von friedlichen, fairen Tarifvereinbarungen. In einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102422\">NachDenkSeiten-Beitrag<\/a> &uuml;ber einen Arbeitskampf im Gro&szlig;- und Einzelhandel habe ich geschrieben, dass es mit der dortigen Partnerschaft nicht so gut bestellt war:<\/p><blockquote><p>\n<em>Ja, wenn die Arbeitnehmerseite sich nur nicht so h&auml;tte. Bei den Arbeitgebern ist es wie immer: Beim Verteilen der Erl&ouml;se (die von den Arbeitnehmern erwirtschaftet werden) geben sich die millionen- bis milliardenschweren Arbeitgeber gegen&uuml;ber ihrer Belegschaft knausrig. Die Zeiten seien halt nicht einfach, Pandemie, Krieg, Kosten, ja, Kosten &uuml;ber Kosten, t&ouml;nt die bekannte alte Leier. Ma&szlig;halten sei angesagt. Also bei den Arbeitnehmern, die ihre Arbeit geben, den Arbeitgebern, die sie nehmen, also in Wahrheit Arbeitnehmer sind. Ironie aus.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Falsche Versprechen werden flankiert von falschen Begriffen<\/strong><\/p><p>So sieht es in Wirklichkeit aus: Arbeitnehmer ist Arbeitgeber. Arbeitgeber ist Arbeitnehmer. Ich kam nach der MDR-Dokumentation f&uuml;r mich zu dem Schluss, dass es sich nicht nur um ein falsches Versprechen handelt, wenn gesagt wird, jeder kann es schaffen. Was gibt es eigentlich zu schaffen? Auch die Begriffe, die unsere Positionen, unseren jeweiligen Stellenwert definieren sollen, sind in unserer Gesellschaft falsch gesetzt. Doch es wird m&auml;chtig und interessiert daran festgehalten. Oben und Unten gilt so, als w&auml;re es ein Naturgesetz. Und der K&ouml;der ist ausgelegt, die Behauptung, diese Grenze &uuml;berwinden zu k&ouml;nnen. Warum aber muss man als B&uuml;rger in unserer Gesellschaft der freien demokratischen Grundordnung entweder unten oder mittendrin oder oben leben? Jedes Kind wei&szlig; unter jetzigen Umst&auml;nden und Fixierungen: Unten ist Mist. Oben ist fein. Was steht dazu im Grundgesetz? Die W&uuml;rde des Menschen ist unantastbar. Doch mit Unten und Oben, mit der Ungleichbehandlung, mit der Behinderung sozialer Mobilit&auml;t usw. wird diese W&uuml;rde jeden Tag systematisch angetastet. In einem anderen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=126416\">Beitrag auf den NachDenkSeiten<\/a> schrieb ich, dass Deutschland ein Land sein k&ouml;nnte, in dem es kein Oben und Unten, keine Sieger und Verlierer geben sollte. W&auml;re dem so, br&auml;uchte es gar kein Aufstiegsversprechen, br&auml;uchte es keine Ellenbogen, welch Gedanke der Freiheit.<\/p><blockquote><p>\n<em>Einmal Kanzler, Kaiser oder K&ouml;nig<\/em><\/p>\n<p><em>Was will ich damit erz&auml;hlen? Beim Lesen meiner eigenen Zeilen hier sto&szlig;e ich auf die Metapher der Macht, die in Wahrheit nur einen Wunsch vieler Menschen zum Ausdruck bringt: einmal Chef von Deutschland sein, Kanzler, Kaiser oder K&ouml;nig (m\/w\/d). Was w&uuml;rde man machen, w&auml;re man Kanzler oder K&ouml;nig? Gute Chefs schmei&szlig;en zumindest im M&auml;rchen ihren Laden recht gut. Im wahren Leben aber? Wie h&auml;tte ich mich gefreut, wenn Angela Merkel unser Land kraftvoll wie behutsam gef&uuml;hrt h&auml;tte, vielleicht so im teils progressiven Geiste der Gr&uuml;nderv&auml;ter, im Geist der sozialen Marktwirtschaft, nach den Texten des Grundgesetzes. Was w&auml;re das gewesen, wenn sie, die Ostdeutsche, darauf gepocht h&auml;tte: &bdquo;Wir machen das jetzt mal klar, ja, mit der gemeinsamen, neuen Verfassung&ldquo;? Was w&auml;re das gewesen, wenn Merkel die vielen eingebrachten Gesetzesinitiativen in den Parlamenten, die eine gerechte Gesellschaft bef&ouml;rdern, aktiv und stoisch begleitet und unterst&uuml;tzt h&auml;tte? Bezahlbares Leben schaffend, das Gemeinwesen f&ouml;rdernd, das &ouml;ffentliche Leben; nicht das Geld als Mittel, die Welt zu regieren, sondern das Geld in allen Bereichen des Lebens als T&uuml;r&ouml;ffner verwendend. Und ja, es gibt auch L&ouml;sungen, dass dem, der den T&uuml;r&ouml;ffner &bdquo;Geld&ldquo; nicht oder wenig besitzt, die T&uuml;r dennoch ge&ouml;ffnet wird. Merkel hat in keiner Rede gesagt, das behaupte ich, dass sie f&uuml;r ein Deutschland sorgt, in dem es keine Verlierer gibt, kein Oben und Unten.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Wortfetzen aus der Doku<\/strong><\/p><p>Eindringlich war diese Doku des <em>MDR<\/em> f&uuml;r mich, einige Wortfetzen sind mir noch im Sinn:<\/p><blockquote>\n<ul>\n<li><em>Arbeite hart, streng Dich an &ndash; dann wirst Du es zu etwas bringen.<\/em><\/li>\n<li><em>Ich lache laut los, es hat mit der Realit&auml;t null zu tun: Deutschland ist alles andere als eine Fahrstuhlgesellschaft.<\/em><\/li>\n<li><em>Was ist das noch f&uuml;r eine Demokratie, in der es darauf ankommt, in welche Familie man hineingeboren wird?<\/em><\/li>\n<li><em>Jeder Mensch sollte sein Potenzial entfalten k&ouml;nnen, die Herkunft sollte keine Rolle spielen.<\/em><\/li>\n<li><em>In der Politik braucht man Menschen mit Weitsicht, nicht Leute, die von Wahl zu Wahl agieren.<\/em><\/li>\n<li><em>Fehlender Zugang zu Netzwerken &ndash; fehlende Chancen zur Mitwirkung.<\/em><\/li>\n<li><em>Ran an die Strukturen &ndash; wenn Du mal in verantwortungsvoller Position bist, schaffe Chancen f&uuml;r andere und ver&auml;ndere die Strukturen.<\/em><\/li>\n<li><em>Wir sind eine Erbengesellschaft. Oben. Unten. Die Verm&ouml;gen werden immer gr&ouml;&szlig;er, die L&ouml;hne halten nicht Schritt &ndash; das ist eine rein mathematische Sache.<\/em><\/li>\n<li><em>Bildungsungerechtigkeit: Wir gucken zu wenig auf die strukturellen Aspekte, dass Schule eben nicht nur ein Spiegel der Klassengesellschaft ist, sondern sie auch reproduziert.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote><p><small>Titelbild: Screenshot MDR<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fernsehen bildet, dieser Spruch kam mir bei der ARD-Dokumentation &bdquo;Das falsche Versprechen von Aufstieg&hellip;&ldquo; in den Sinn. Das in Zeiten, in welchen unser Land unter einer dunklen Wolke schwerer gesellschaftlicher Fehlentwicklungen verharrt und Worte wie &bdquo;Es geht den Bach hinunter&ldquo; Konjunktur haben. Die eindrucksvolle Dokumentation rechnet mit unserer Ellenbogengesellschaft, mit der Heuchelei, dass jeder was<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128100\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":128105,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,205,132],"tags":[3379,909,2252,1950,493,2299,218,687],"class_list":["post-128100","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-dokumentarfilme","tag-kapitalismus","tag-klassenkampf","tag-marktwirtschaft","tag-mdr","tag-sprachkritik","tag-teilhabe","tag-ungleichheit"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/310202_Frank-Blenz\u2013MDR.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=128100"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128172,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128100\/revisions\/128172"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/128105"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=128100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=128100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}