{"id":128372,"date":"2025-02-08T14:00:11","date_gmt":"2025-02-08T13:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128372"},"modified":"2025-02-11T16:36:14","modified_gmt":"2025-02-11T15:36:14","slug":"bundestagswahl-2025-sind-die-parteien-auf-die-globalen-veraenderungen-vorbereitet-und-mit-welchen-instrumenten-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128372","title":{"rendered":"Bundestagswahl 2025 \u2013 sind die Parteien auf die globalen Ver\u00e4nderungen vorbereitet und mit welchen Instrumenten? Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>In meinen auf den NachDenkSeiten publizierten Beitr&auml;gen habe ich h&auml;ufig die globalen Ver&auml;nderungen und die fortgesetzte Ignoranz im Westen, insbesondere auch im politischen Berlin, hinsichtlich dieser epochalen Z&auml;sur der Weltpolitik thematisiert. Die Qualit&auml;t dieser Z&auml;sur wird, obschon sie tiefgreifender als das Ende der Blockkonfrontation 1989\/91 sein wird, in den deutschen Medien und der deutschen Politik &ndash; abgesehen von wenigen Ausnahmen &ndash; nicht ad&auml;quat reflektiert. Es geht nicht um irgendeinen Wandel im globalen Norden mit ein paar wenig relevanten Auswirkungen auf den globalen S&uuml;den. Es geht vielmehr um einen Wandel, der die Vermessung der Welt mit den Kategorien &bdquo;Westen&ldquo; und &bdquo;Nichtwesten&ldquo; zu erfassen versucht. Von <strong>Alexander Neu<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3394\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-128372-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=128372-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250211_Bundestagswahl_2025_sind_die_Parteien_auf_die_globalen_Veraenderungen_vorbereitet_und_mit_welchen_Instrumenten_Teil_1_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der Westen, insbesondere mit der Pr&auml;sidentschaft D. Trumps, ist dabei, heterogener denn je seit Ende des Zweiten Weltkrieges zu werden. Und der Nichtwesten unterteilt sich grob in den globalen Osten (Russland und China), der sich anschickt, auch den globalen S&uuml;den aus der westlichen Einflusszone herauszuf&uuml;hren. Die Shanghai Organisation f&uuml;r Kooperation sowie die BRICSplus-Gruppierung bilden hierf&uuml;r die mehr oder minder ausgepr&auml;gten strukturellen Rahmen. Hinzu kommen verst&auml;rkte bilaterale Engagements Russlands und Chinas in Afrika und Lateinamerika, was bereits zu Abwendungen diverser Staaten von der westlichen Welt und in Frankreich und den USA zu einer gewissen Ratlosigkeit f&uuml;hrt. Das j&uuml;ngste Beispiel: Drei von 15 afrikanische Staaten (die Burkina Faso, Niger und Mali) verlie&szlig;en am 29. Januar 2025 offiziell die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS. Besonders relevant ist, dass es sich hierbei um Gr&uuml;ndungstaaten der ECOWAS handelt. Sie betrachten diese intergouvernementale Organisation als vom Westen kontrollierte Institution und n&auml;hern sich nun Russland an. Insbesondere f&uuml;r die fr&uuml;here Kolonialmacht Frankreich stellt dies einen Macht- und Reputationsverlust dar: Frankreich musste seine Truppen abziehen und verlor seine billige &bdquo;Uran-Tankstelle&ldquo; in Mali und Niger.<\/p><p>Mit anderen Worten, der globale Wandel beschleunigt sich, insbesondere seit dem Ausbruch des russisch-ukrainischen Stellvertreterkriegs sowie dem Krieg im Nahen Osten, in atemberaubender Geschwindigkeit. Demgegen&uuml;ber verharren und beharren der Westen, Europa und Deutschland auf einen Status (westliche Globaldominanz), der nicht mehr gegeben ist. Zwischen dem rasanten Realit&auml;tswandel und der Realit&auml;tsperzeption deutscher und europ&auml;ischer politischer Entscheider und medialer Meinungsmacher w&auml;chst die Kluft. Die ungeliebte weil unf&auml;hige Ampel-Regierung hat das Handtuch geworfen aufgrund koalitionsinterner Streitigkeiten. Dieser Koalitionskonflikt hat jedoch nichts mit den gro&szlig;en globalen und auch innenpolitischen (innere Sicherheit und Migrationsproblematik) Herausforderungen zu tun. Da waren sich die Koalition&auml;re weitgehend einig. In ihrer politisch-kognitiven Begrenztheit ging es lediglich um Finanzierungsfragen zu politischen Projekten wie der Schuldenbremse, jedoch nicht um Fragen, wie mit der Abwicklung der westlichen Globalisierung, der aufkommenden multipolaren Weltordnung, der erneuten und f&uuml;r das politische Berlin doch so &uuml;berraschend kommenden Trump-Pr&auml;sidentschaft umzugehen sei.<\/p><p>Die Wahlperiode 2021 bis 2025 ist globalpolitisch und auch hinsichtlich der inneren Sicherheit eine verlorene Periode, schlimmer noch: Die Wirtschaft schmiert ab, die Energiepreise gehen durch die Decke, die Deindustrialisierung schreitet voran, kostbare Steuergelder gehen in die Ukraine und ein Noch-Kanzler Scholz wirbt auf den Wahlplakaten mit folgendem Slogan: <em>&bdquo;Mehr Sicherheit Mehr Wachstum &ndash; ,Made in Germany&acute;-Bonus f&uuml;r Arbeitspl&auml;tze und niedrige Strompreise: mehrf&uuml;rdich.spd.de&ldquo;.<\/em> Ob das noch unter lustige Realsatire oder bereits unter die Arroganz f&auml;llt, die Bev&ouml;lkerung f&uuml;r komplett d&auml;mlich zu halten, mag der Leser f&uuml;r sich selbst entscheiden.<\/p><p>Im Folgenden soll anhand von vier politischen Themenfeldern analysiert werden, welche Konzepte die derzeit im Bundestag vertretenen Parteien dem W&auml;hler in ihren Wahlprogrammen mit Blick auf die sich rasch wandelnde Welt anbieten.<\/p><p>Es handelt sich hierbei um die Bereiche:<\/p><ol>\n<li>Globaler Epochenwandel;<\/li>\n<li>NATO oder anderweitige Sicherheitspolitische Konzeptionen wie das System gegenseitiger Kollektiver Sicherheit (UNO, OSZE);<\/li>\n<li>EU &ndash; Europ&auml;ische Integration oder Kooperation?;<\/li>\n<li>Souver&auml;nit&auml;t und nationale Interessen.<\/li>\n<\/ol><p>Im vorliegenden ersten Teil des Beitrags soll auf die Bereiche 1) und 2) eingegangen werden, der morgen erscheinende <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128377\">zweite Teil<\/a> besch&auml;ftigt sich mit den Bereichen 3) und 4).<\/p><p><strong>Bereich 1) Globaler Epochenwandel<\/strong><\/p><p>Alle Parteien erkennen nunmehr die Ver&auml;nderungsprozesse in der Weltpolitik &ndash; wenn auch in unterschiedlichen Ausma&szlig;en, Interpretationen und zu ziehenden Konsequenzen &ndash; an. Das BSW (&bdquo;<em>Wir leben in einer Zeit des Umbruchs<\/em>&ldquo;), die AfD (&bdquo;<em>Die Welt befindet sich im Umbruch zu einer multipolaren Weltordnung. [&hellip;] Wir begr&uuml;&szlig;en die Entwicklung hin zu einer multipolaren Welt, wollen dabei ihre Chancen nutzen sowie ihre Risiken minimieren<\/em>&ldquo;) und Die LINKE (&bdquo;<em>Das Machtgef&uuml;ge der Welt verschiebt sich<\/em>&ldquo;) betrachten den Wandel als objektive Entwicklung, auf die gestaltend mit nicht-milit&auml;rischen Mitteln Einfluss genommen werden solle. Die SPD (&bdquo;<em>Unsere Antwort auf eine Welt im Umbruch ist eine Verteidigungs- und Sicherheitspolitik [&hellip;]. Die Sicherheit auf unserem Kontinent m&uuml;ssen wir vor Russland organisieren<\/em>&ldquo;). Die FDP (&bdquo;<em>Die Welt ist in gro&szlig;er Unruhe: Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europ&auml;ische Ordnung tiefgreifend ersch&uuml;ttert<\/em>. <em>[&hellip;] Es sind Auswirkungen der zunehmenden Systemrivalit&auml;t zwischen liberalen Demokratien und autorit&auml;ren Regimen &hellip;<\/em>&ldquo;). Die CDU: &bdquo;<em>Der russische Angriffskrieg hat die europ&auml;ische Sicherheitsordnung schwer ersch&uuml;ttert. Das Regime von Wladimir Putin verachtet Demokratie, Menschenrechte, das V&ouml;lkerrecht und die Regeln des internationalen Zusammenlebens. Sein Ziel ist eine neue Weltordnung nach seinen Regeln<\/em>&ldquo;.<\/p><p>SPD, FDP und CDU sehen den Ursprung des globalen Wandels hingegen in dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und den russischen Ambitionen, die Welt nach W. Putins Vorgaben ver&auml;ndern zu wollen. Passend dazu eben auch die von O. Scholz im Februar 2022 ausgerufene &bdquo;Zeitenwende&ldquo;. Die Wahrnehmung der Weltpolitik durch die SPD, FDP und CDU ist auffallend stark auf eine ideologisch basierte Zweiteilung der Welt (Demokratien versus Autokratien) orientiert. Und das, so dr&auml;ngt es sich gewisserma&szlig;en auf, erste Mittel der Wahl der drei Parteien in der Auseinandersetzung mit den globalen Br&uuml;chen ist das milit&auml;rische Instrument, mindestens aber gleichgewichtig mit diplomatischen Instrumenten. Wenn man die gesamten Texte und aktuelle Aussagen (&bdquo;Kriegst&uuml;chtigkeit&ldquo;) rezipiert, verfestigt sich der Eindruck, dass das milit&auml;rische Instrument dominiert, zumindest was die Rhetorik anbetrifft.<\/p><p>Die Gr&uuml;nen betrachten &bdquo;<em>die regelbasierte internationale Ordnung<\/em>&ldquo; als das &bdquo;<em>Fundament unseres Friedens<\/em>&ldquo;. Damit machen sie deutlich, dass die fortgeschrittene und irreversible Entwicklung hin zu einer neuen, multipolaren Weltordnung bei ihnen auf keinerlei Akzeptanz st&ouml;&szlig;t. Denn der Begriff und das Verst&auml;ndnis von der &bdquo;<em>regelbasierten internationalen Ordnung<\/em>&ldquo; (zugegeben: Die Formulierung &bdquo;regelbasierte Ordnung&ldquo; h&ouml;rt sich ja auch ganz gut an, so richtig v&ouml;lkerrechtskonform. Und das ist ja auch das Ziel.) basiert weder auf der UNO-Charta noch auf der Charta von Paris etc. Die &bdquo;<em>regelbasierte internationale Ordnung<\/em>&ldquo; ist vielmehr der einseitige Versuch der USA und ihrer Verb&uuml;ndeten, das UNO-Recht zu Gunsten einer westlichen Ordnungsvorstellung f&uuml;r den Globus in wesentlichen Teilen umzuinterpretieren oder gar zu ersetzen, mithin die unipolare Weltordnung wieder zu festigen. Und diese &bdquo;<em>regelbasierte internationale Ordnung<\/em>&ldquo;&ndash; also die westliche Ordnungsvorstellung &ndash; ist das &bdquo;<em>Fundament unseres Friedens<\/em>&ldquo;, die indessen &bdquo;<em>zunehmend unter Druck ger&auml;t<\/em>&ldquo;, so Die Gr&uuml;nen.<\/p><p><strong>Bereich 2) NATO oder anderweitige sicherheitspolitische Konzeptionen wie das System gegenseitiger Kollektiver Sicherheit (UNO, OSZE)<\/strong><\/p><p>Die SPD steht uneingeschr&auml;nkt zur transatlantischen Orientierung, insbesondere &uuml;ber das transatlantische Milit&auml;rb&uuml;ndnis NATO (&bdquo;<em>Die NATO ist ein tragender Pfeiler der transatlantischen Partnerschaft. [&hellip;] Wir werden den europ&auml;ischen Pfeiler in der NATO st&auml;rken&ldquo;<\/em>). Dazu z&auml;hlt auch die Bereitschaft, Steuergelder in noch h&ouml;herem Ausma&szlig; f&uuml;r die Milit&auml;rausgaben zu nutzen: &bdquo;<em>Wir werden mehr Geld f&uuml;r unsere Sicherheit ausgeben. Das Sonderverm&ouml;gen f&uuml;r die Bundeswehr war ein erster wichtiger Schritt. Unsere Verteidigungsausgaben haben wir (&hellip;) auf mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gesteigert. Wir setzen uns daher auch zuk&uuml;nftig f&uuml;r eine nachhaltige Verteidigungsfinanzierung von mindestens zwei Prozent des BIP ein.<\/em>&ldquo; Der Gedanke eines alternativen, kosteng&uuml;nstigeren und nachhaltigen Sicherheitskonzepts, dem eines Systems gegenseitiger kollektiver oder zumindest kooperativer Sicherheit scheint in den K&ouml;pfen der heutigen SPD nicht mehr zu existieren, obschon dieses Konzept in der Brandt\/Bahr-&Auml;ra bereits als attraktives Modell diskutiert wurde.<\/p><p>Die FDP &auml;u&szlig;ert sich &auml;hnlich: &bdquo;<em>Wir stehen fest zu unseren B&uuml;ndnissen wie der transatlantischen Freundschaft mit den USA und der NATO &ndash; unabh&auml;ngig davon, wer im Wei&szlig;en Haus sitzt.<\/em>&ldquo; Welche Herausforderungen im Zweifel diese uneingeschr&auml;nkt festgelegte Position mit sich bringen k&ouml;nnte, wird interessant, sollte der US-Pr&auml;sident tats&auml;chlich D&auml;nemark n&ouml;tigen, Gr&ouml;nland an die USA abzutreten. Und weiter: &bdquo;<em>Wir Freien Demokraten stehen uneingeschr&auml;nkt zur NATO als das erfolgreichste Verteidigungsb&uuml;ndnis der Welt<\/em>.&ldquo; In diesem Kontext zeigt sich die FDP auch offen, das &bdquo;<em>mindestens 2% Ziel der NATO<\/em>&ldquo; zu erf&uuml;llen. Hier scheint ein Einschwenken auf die Forderungen der neuen US-Administration bereits stattzufinden. Die CDU bl&auml;st in das gleiche Horn, wenn sie verk&uuml;ndet: &bdquo;<em>Wir stehen ohne Wenn und Aber zur transatlantischen Verteidigungsallianz. (&hellip;) Wir verstehen das aktuelle Zwei-Prozent-Ziel der NATO als Untergrenze unserer Verteidigungsausgaben (&hellip;). Zudem stehen wir zur nuklearen Teilhabe.&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Gr&uuml;nen sehen unsere &bdquo;<em>Sicherheit eingebettet in der EU und der NATO<\/em>&ldquo;. Auch sie sehen die Notwendigkeit, den sogenannten &bdquo;<em>europ&auml;ischen Pfeiler der NATO<\/em>&ldquo; zu st&auml;rken. Die &bdquo;<em>B&uuml;ndnisverpflichtungen<\/em>&ldquo; werden wie in Stein gemei&szlig;elt als Handlungsanleitung &uuml;bernommen. Dazu geh&ouml;rt neuerdings der damit &bdquo;<em>verbundene notwendige Ausbau unserer F&auml;higkeiten<\/em>&ldquo;. Und &bdquo;<em>daf&uuml;r braucht es verl&auml;ssliche Finanzierung mit einem Verteidigungsetat, der dauerhaft die in der NATO vereinbarten und auch national definierten Ziele und Bedarfe erf&uuml;llt und daf&uuml;r dauerhaft deutlich mehr als 2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in unsere Sicherheit und Verteidigungsf&auml;higkeit investiert<\/em>&ldquo;. Interessant ist, dass die Gr&uuml;nen diese dauerhaft h&ouml;heren Milit&auml;rausgaben &bdquo;<em>mittelfristig auch &uuml;ber eine h&ouml;here Kreditaufnahme<\/em>&ldquo; finanzieren m&ouml;chten, also die Kreditierung weiterer &bdquo;Sonderverm&ouml;gen&ldquo; f&uuml;r die Hochr&uuml;stung. Dieses Wahlprogramm macht einmal mehr die vollst&auml;ndige Metamorphose einer Anti-Kriegspartei und Anti-NATO-Partei hin zu einer komplett transatlantischen und milit&auml;risch orientierten Partei deutlich. Damit bewegen sich die Gr&uuml;nen weitab von der Einordnung einer linken Partei.<\/p><p>Die LINKE hingegen verfolgt ein anderes sicherheitspolitisches Konzept jenseits der NATO: <em>&bdquo;Unser Ziel ist eine Sicherheitsarchitektur in Europa, die auf Prinzipien der friedlichen Koexistenz und den Vereinbarungen der KSZE beruht und alle L&auml;nder des Kontinents einbezieht. Eine solche Sicherheitsarchitektur macht die NATO &uuml;berfl&uuml;ssig (&hellip;).&ldquo;<\/em> Dieses nicht exklusive, sondern inklusive kooperative Sicherheitsverst&auml;ndnis setzt auf die Pr&auml;misse der Unteilbarkeit von Sicherheit und schlie&szlig;t in seiner Logik auch Russland ein. Auch das BSW lehnt die NATO zumindest in der derzeitigen Ausrichtung ab: &bdquo;<em>Eine Milit&auml;rallianz, deren F&uuml;hrungsmacht in den letzten drei Jahrzehnten f&uuml;nf L&auml;nder v&ouml;lkerrechtswidrig &uuml;berfallen (&hellip;), sch&uuml;rt Bedrohungsgef&uuml;hle und Abwehrreaktionen und ist f&uuml;r wachsende Spannungen und Konflikte mitverantwortlich<\/em>.&ldquo; Interessant an der Formulierung des BSW und der LINKEN ist, dass sie die NATO nicht als Sicherheitsgaranten, sondern eher im Gegenteil als Machtinstrument in den H&auml;nden der USA sehen. W&auml;hrend die LINKE ganz klar die NATO ablehnt und durch ein kooperatives Sicherheitskonzept ersetzt sehen m&ouml;chte, ist die Formulierung des BSW offen f&uuml;r unterschiedliche Szenarien: Denn &bdquo;<em>statt eines Machtinstrumentes f&uuml;r geopolitische Ziele brauchen wir ein defensiv ausgerichtetes Verteidigungsb&uuml;ndnis (&hellip;)<\/em>&ldquo;. Diese Formulierung l&auml;sst offen, ob das BSW f&uuml;r eine &bdquo;reformierte NATO&ldquo; steht oder aber f&uuml;r ein g&auml;nzlich anderes Verteidigungsb&uuml;ndnis. Hierbei verstrickt sich die Forderung nach einem Verteidigungsb&uuml;ndnis in einen Widerspruch zur dann im n&auml;chsten Absatz geforderten &bdquo;<em>Sicherheitsarchitektur, die l&auml;ngerfristig auch Russland einschlie&szlig;en sollte<\/em>&ldquo;. Denn die Sicherheitsarchitektur als System gegenseitiger kollektiver Sicherheit (Sicherheit gegen m&ouml;gliche innere Bedrohungen) steht im diametralen Gegensatz zum Konzept eines Verteidigungsb&uuml;ndnisses (Sicherheit gegen &auml;u&szlig;ere Bedrohungen). Und dass mit der Sicherheitsarchitektur die kollektive Sicherheit gemeint ist, ergibt sich aus der Forderung des Einschlusses Russlands.<\/p><p>Die AfD wiederum bewegt sich in einem konzeptionellen Raum mit noch offenen Fragen ganz eigener Art: Sie fordert den &bdquo;<em>Aufbau eines unabh&auml;ngigen und handlungsf&auml;higen europ&auml;ischen Milit&auml;rb&uuml;ndnisses<\/em>&ldquo;. Bis dahin bliebe &bdquo;<em>die Mitgliedschaft in der NATO (&hellip;) zentrale Elemente unserer Sicherheitsstrategie<\/em>&ldquo;. Die Unklarheiten bestehen darin, dass die AfD erstens zwar ein europ&auml;isches Milit&auml;rb&uuml;ndnis fordert, indessen nicht kl&auml;rt, ob es ein reines Verteidigungsb&uuml;ndnis oder ein auch offensives Milit&auml;rb&uuml;ndnis zwecks Verfolgung europ&auml;ischer Interessen auch mit milit&auml;rischen Mitteln sein soll. In letzterem Falle w&auml;re eine Kollision mit der sonst von der AfD proklamierten V&ouml;lkerrechtsorientierung (&bdquo;<em>Die AfD bekennt sich zu den Grunds&auml;tzen des V&ouml;lkerrechts, insbesondere der Charta der Vereinten Nationen<\/em>&ldquo;) vorprogrammiert. Die zweite Unklarheit besteht darin, dass sie zwar ein &bdquo;<em>europ&auml;isches Milit&auml;rb&uuml;ndnis<\/em>&ldquo; fordert, zugleich aber &bdquo;<em>die Vergemeinschaftung der Europ&auml;ischen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik (GASP) (&hellip;)<\/em>&ldquo; ablehnt. Diese Ablehnung korreliert mit der Ablehnung einer zu tiefen EU-Integration bzw. der Favorisierung eines &bdquo;<em>Europas der Vaterl&auml;nder<\/em>&ldquo;. Es k&ouml;nnte somit auf ein lockeres, rein intergouvernementales Verteidigungsb&uuml;ndnis f&uuml;r den europ&auml;ischen Raum innerhalb der EU oder auch unabh&auml;ngig von der EU hindeuten und eben ohne transatlantische Komponente.<\/p><p><small>Titelbild: Illus_man\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/e7b1c54f79dd4f35ab291517efe99ec0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinen auf den NachDenkSeiten publizierten Beitr&auml;gen habe ich h&auml;ufig die globalen Ver&auml;nderungen und die fortgesetzte Ignoranz im Westen, insbesondere auch im politischen Berlin, hinsichtlich dieser epochalen Z&auml;sur der Weltpolitik thematisiert. Die Qualit&auml;t dieser Z&auml;sur wird, obschon sie tiefgreifender als das Ende der Blockkonfrontation 1989\/91 sein wird, in den deutschen Medien und der deutschen Politik<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128372\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":128373,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,190],"tags":[718,3360,3260,1426,3276,466,1367,3125,259,1977,1500],"class_list":["post-128372","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-wahlen","tag-bundestagswahl","tag-europaeische-union","tag-feindbild","tag-hegemonie","tag-multipolare-welt","tag-nato","tag-ruestungsausgaben","tag-regelbasierte-ordnung","tag-russland","tag-transatlantische-partnerschaft","tag-wahlprogramm"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Shutterstock_712637536.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=128372"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128372\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128551,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128372\/revisions\/128551"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/128373"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=128372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=128372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}