{"id":12845,"date":"2012-04-13T09:05:17","date_gmt":"2012-04-13T07:05:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12845"},"modified":"2019-07-30T12:54:48","modified_gmt":"2019-07-30T10:54:48","slug":"wachstumsprogramm-statt-liquiditatszufuhr-an-die-banken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12845","title":{"rendered":"Wachstumsprogramm statt Liquidit\u00e4tszufuhr an die Banken"},"content":{"rendered":"<p>Die Krise ist nicht vorbei. F&uuml;r die EU 27 prognostiziert eurostat Stagnation, w&auml;hrend die Eurozone gar in <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/tgm\/table.do?tab=table&amp;plugin=1&amp;language=de&amp;pcode=tsieb020\">ein Minus rutscht<\/a>.<br>\nUmso gefragter sind Impulse, die aus dieser Situation herausf&uuml;hren. Die skandal&ouml;s hohe, <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/europa\/:schuldenkrise-jeder-zweite-junge-grieche-ohne-job\/70021689.html\">europ&auml;ische Arbeitslosenquote<\/a> und die daraus resultierende neue Armut, die Statistiken kaum abbilden, verdeutlichen die Dramatik.<br>\nIn der Neuen Z&uuml;richer Zeitung fordert Andreas Uhlig hingegen eine R&uuml;ckkehr  &bdquo;m&ouml;glichst nahe zur alten Orthodoxie&ldquo; der Zentralbanken und die Grenzen zwischen <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/finanzen\/nachrichten\/alte-und-neue-orthodoxie-der-zentralbanken_1.16361628.html\">Geld- und Finanzpolitik wiederherzustellen<\/a>. Trotz der massiven Liquidit&auml;tszufuhr in das Bankensystem durch die Europ&auml;ische Zentralbank kann von neuen Ideen keine die Rede sein. Was fehlt, ist ein Wachstumsprogramm. Von <strong>Orlando Pascheit<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/download\/ezb\/monatsberichte\/2012\/201204.ezb_monatsbericht_osf.pdf\">Monatsbericht der Europ&auml;ischen Zentralbank vom April [PDF &ndash; 5.9 MB]<\/a> best&auml;tigt die alte Orthodoxie <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftundgesellschaft.de\/?p=3031\">einmal mehr<\/a>. <\/p><p>W&auml;hrend sich die Regierungen auf einen strikten, &ouml;konomisch fragw&uuml;rdigen Austerit&auml;tskurs geeinigt haben, pumpen die Banken jenseits einer konsistenten Theorie im &ldquo;Trial-und Error-Verfahren&rdquo; Geld in das Bankensystem. Kein Mensch wei&szlig; eigentlich so recht, was mit dieser Billion Euro, die die EZB im Dezember und Februar f&uuml;r 36 Monate zur Verf&uuml;gung gestellt hat, in dieser Zeit wirklich geschieht. <\/p><p>W&auml;hrend die italienischen Banken durch diese Geldspritzen noch Reserven von rund 60 Milliarden haben, sind den spanischen Banken die Mittel ausgegangen. Die faulen Kredite der spanischen Banken, Kredite, die seit mindestens drei Monate &uuml;berf&auml;llig sind, beliefen sich laut spanischer Zentralbank im Januar auf mehr als 140 Milliarden Euro. Die UBS geht von 100 Milliarden Euro aus, die die spanischen Banken als zus&auml;tzliche Reserven ben&ouml;tigen. Es k&ouml;nnte in dieser Situation durchaus sein, dass die spanischen Banken j&uuml;ngst erworbene Staatsanleihen wieder auf den Markt werfen, um der Gefahr neuer Abschreibungen zu entgehen. Die von der EZB intendierte Beruhigung der Anleihem&auml;rkte w&auml;re &ndash; ist vielleicht schon &ndash; dahin. Ein anderer Weg w&auml;re, die spanischen Banken unter einen Rettungsschirm zu bringen und unter diesem Schirm den spanischen Bankensektor zu bereinigen. Ob dies &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; beruhigt? Der bisherige Rettungsschirm d&uuml;rfte wohl kaum die dann entstehenden Turbulenzen auffangen. <\/p><p>Eines hat die massive Liquidit&auml;tszufuhr durch die Europ&auml;ische Zentralbank auf jeden Fall nicht bewirkt, dass das Geld aus dem Bankensektor in die Realwirtschaft abflie&szlig;en w&uuml;rde, dass ein dadurch initiiertes Wachstum der Gesamtwirtschaft die Verschuldung auff&auml;nge. <\/p><p>Wie auch? Der offizielle prozyklische Austerit&auml;tskurs hat die Notlage nur versch&auml;rft. Wer wird denn in Zeiten, in denen alle, Staat und Private im In- wie im Ausland sparen, investieren wollen? Die herrschende Austerit&auml;ts&ouml;konomie wird rezessive Tendenzen nicht nur in Spanien weiterhin verst&auml;rken: Die Steuereinnahmen sinken, es entstehen h&ouml;here Defizite und wir antworten mit neuen Sparprogrammen &ndash; ein Teufelskreis. <\/p><p>Es ist h&ouml;chste Zeit nicht nur auf Liquidit&auml;t zu setzen, sondern den strikten Austerit&auml;tskurs zu verlassen und ein Wachstumsprogramm f&uuml;r die Europ&auml;ische Union zu formulieren.  <\/p><p>Nachhaltige Impulse zur Bereinigung der gegenw&auml;rtigen Krise k&ouml;nnen aber nicht nur von den Zentralbanken ausgehen, sondern m&uuml;ssen von einer expansiven Fiskalpolitik begleitet werden. Die Europ&auml;ischen Kernvolkswirtschaften sollten dabei vorangehen.<\/p><p>Selbst James Bradford DeLong (ehemaliger Stellvertreter des fr&uuml;heren US-Finanzministers Lawrence Summers), gewiss kein in Wolle gef&auml;rbter Keynesianer, fordert eine expansive Fiskalpolitik. So schreibt er denn auch: &ldquo;Unter normalen Umst&auml;nden, so lehrt uns die Mathematik steigender staatlicher Eink&auml;ufe, f&uuml;hrt ein kleiner oder zweifelhafter Anschub der Produktion zu einer h&ouml;heren k&uuml;nftigen Kreditbelastung; deshalb ist eine schuldenfinanzierte Lockerung der Finanzpolitik eine schlechte Idee. Aber die heutigen Umst&auml;nde sind eben alles andere als normal.&rdquo; Das Besondere ist aber eben auch, dass der Multiplikator, der Faktor um den der urspr&uuml;ngliche Impuls einer expansiven Fiskalpolitik verst&auml;rkt wird, in Zeiten depressiver Tendenzen, wenn herk&ouml;mmliche Geldpolitik versagt (Zinsen gegen Null tendieren) sehr viel h&ouml;her ausf&auml;llt als normalerweise: &ldquo;Vielmehr w&uuml;rde die angebotsorientierte Ankurbelung der potenziellen Produktion, die von dieser Lockerung der Fiskalpolitik langfristig ausgeht, h&ouml;chstwahrscheinlich nicht nur die zus&auml;tzlichen Schulden zahlen, die man f&uuml;r diese Ausgabenerh&ouml;hung braucht, sondern bei ausgeglichenem Haushalt noch zus&auml;tzliche k&uuml;nftige Steuersenkungen erm&ouml;glichen.&rdquo;<br>\n(Wer n&auml;heres dazu lesen m&ouml;chte, kann dies in einem <a href=\"http:\/\/delong.typepad.com\/20120320-conference-draft-final-candidate-delong-summers-brookings-fiscal-policy-in-a-depressed-economy-1.32.pdf\">Aufsatz von J. Bradford DeLong and Lawrence H. Summers tun [PDF &ndash; 1.2 MB]<\/a>.)<\/p><p>Bradford DeLong und Lawrence H. Summers weisen in der heutigen Situation einer &ldquo;fiscal austerity&rdquo; eine gravierende Verschlechterung der Situation zu. Die Sparpolitik verursache so hohe Kosten, dass ein tempor&auml;rer, fiskalischer Stimulus immer vorzuziehen sei, &ldquo;when output is severely depressed and the zero nominal lower bound binds, and stopped as the economy recovers.&rdquo; Die hohen Kosten der gegenw&auml;rtigen Austerit&auml;tspolitik sehen die Autoren im sogenannten Hysteresis-Effekt, der besagt: Je l&auml;nger die Arbeitnehmer arbeitslos bleiben, desto mehr verlieren sie ihre Kompetenzen, desto chancenloser wird eine Neueinstellung, in der sie ihre erlernten F&auml;higkeiten zur Geltung bringen k&ouml;nnen. Im schlimmsten Fall bleibt die Arbeitslosigkeit auch im konjunkturellen Aufschwung hoch. Die NDS haben vorgestern auf die alarmierende Feststellung des Vize-Generaldirektor der ILO, Guy Ryder, hingewiesen. Wenn junge Leute nach dem Abschluss ihrer Berufsausbildung l&auml;nger als zwei Jahre arbeitslos blieben, seien sie f&uuml;r den Arbeitsmarkt oft ganz verloren. &ldquo;<a href=\"\/?p=12814#h07\">Sie werden marginalisiert, und sind meist f&uuml;r ihr ganzes Arbeitsleben gesch&auml;digt.<\/a>&rdquo;<\/p><p>Der Aufsatz von Bradford DeLong und Lawrence H. Summers ist allerdings harter, &ouml;konomischer Stoff. Einen f&uuml;r interessierte Laien <a href=\"http:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/the-usual-suspect\/german\">lesbaren Text hat Bradford DeLong auf Project Syndicate<\/a> verfasst, der in das Deutsche &uuml;bertragen wurde:<\/p><p><strong>J. Bradford DeLong: Der &uuml;bliche Verd&auml;chtige<\/strong><br>\n&Uuml;berall in der euroatlantischen Welt verl&auml;uft die Erholung von der Rezession der Jahre 2008-2009 weiter lustlos und schleppend und verwandelt so eine urspr&uuml;nglich problemlos behebbare zyklische Arbeitslosigkeit in eine strukturelle Arbeitslosigkeit. Und was zun&auml;chst ein kleiner Betriebsumfall im Prozess der Kapitalakkumulation war, hat sich in eine anhaltende Investitionsl&uuml;cke verwandelt, was einen geringeren Kapitalstock und ein geringeres reales BIP-Niveau nicht nur heute (wo die Erholung noch unvollst&auml;ndig ist), sondern m&ouml;glicherweise noch f&uuml;r Jahrzehnte bedeutet. &hellip; Nehmen wir an, die USA oder die westeurop&auml;ischen Kernvolkswirtschaften w&uuml;rden ihre staatlichen Eink&auml;ufe f&uuml;r das n&auml;chste Jahr um 100 Milliarden Dollar steigern. Und nehmen wir weiter an, dass ihre Notenbanken zwar nicht bereit sind, weiter eine unkonventionelle Geldpolitik zu verfolgen, zugleich jedoch nicht geneigt sind, die Politik der gew&auml;hlten Regierungen zu behindern, indem sie deren Bem&uuml;hungen zur Ankurbelung ihrer Volkswirtschaften durch gegenl&auml;ufige Ma&szlig;nahmen ausgleichen. In diesem Fall ergibt sich, bedingt durch konstante monet&auml;re Rahmenbedingungen, ein simpler Multiplikator, gem&auml;&szlig; dem wir rund 150 Milliarden Dollar zus&auml;tzliches BIP erwarten k&ouml;nnen. Dies wiederum sorgt f&uuml;r 50 Milliarden mehr Steuereinnahmen, sodass die Staatsverschuldung um lediglich 50 Milliarden steigen w&uuml;rde&hellip;   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Krise ist nicht vorbei. F&uuml;r die EU 27 prognostiziert eurostat Stagnation, w&auml;hrend die Eurozone gar in <a href=\"http:\/\/epp.eurostat.ec.europa.eu\/tgm\/table.do?tab=table&amp;plugin=1&amp;language=de&amp;pcode=tsieb020\">ein Minus rutscht<\/a>.<br \/> Umso gefragter sind Impulse, die aus dieser Situation herausf&uuml;hren. Die skandal&ouml;s hohe, <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/europa\/:schuldenkrise-jeder-zweite-junge-grieche-ohne-job\/70021689.html\">europ&auml;ische Arbeitslosenquote<\/a> und die daraus resultierende neue Armut, die Statistiken kaum abbilden, verdeutlichen die Dramatik.<br \/> In der Neuen Z&uuml;richer Zeitung fordert<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12845\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,132,30],"tags":[423,507,477],"class_list":["post-12845","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-ungleichheit-armut-reichtum","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-ezb","tag-keynesianismus"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12845"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53835,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12845\/revisions\/53835"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}