{"id":128618,"date":"2025-02-13T12:00:41","date_gmt":"2025-02-13T11:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128618"},"modified":"2026-01-27T11:50:15","modified_gmt":"2026-01-27T10:50:15","slug":"vorsicht-propaganda-in-der-sprache-wir-sollen-36-prozent-als-neues-nato-ziel-erreichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128618","title":{"rendered":"Vorsicht, Propaganda in der Sprache! Wir sollen 3,6 Prozent als neues \u201eNATO-Ziel\u201c erreichen"},"content":{"rendered":"<p>Schaffen wir es, das Ziel zu erreichen? Es geht um ein &bdquo;NATO-Ziel&ldquo;. Viele Medien &bdquo;berichten&ldquo; &uuml;ber h&ouml;here Verteidigungsausgaben, die die NATO von Deutschland voraussichtlich verlangen werde. In den Berichten gebrauchen Redaktionen immer wieder den Begriff &bdquo;Ziel&ldquo;. Gerade fragt die <em>Tagesschau<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/neue-nato-ziele-teuer-deutschland-100.html\">&bdquo;3,6 Prozent f&uuml;r Deutschland als neues NATO-Ziel?&ldquo;<\/a> Ist den Redakteuren klar, dass sie sich einer propagandistischen und manipulativen Sprache bedienen? Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_605\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-128618-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=128618-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250213-Vorsicht-Propaganda-in-der-Sprache-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Achten Sie auf die Sprache! Das kann man gar nicht oft genug sagen. Bei der Selbstbeobachtung habe ich festgestellt, wie leicht die Formulierung vom &bdquo;NATO-Ziel&ldquo; bei Diskussionen und Gespr&auml;chen &uuml;ber die Verteidigungsausgaben &uuml;ber die Lippen geht. Und das ist auch kein Wunder: &Uuml;berall in den Medien ist seit langer Zeit diese Formulierung pr&auml;sent, wenn es um den Verteidigungshaushalt geht. &bdquo;Deutschland hat das &sbquo;NATO-Ziel&lsquo; 2 Prozent nicht erreicht.&ldquo; &bdquo;Deutschland muss sich mehr anstrengen, um das &sbquo;NATO-Ziel&lsquo; zu erreichen.&ldquo; &bdquo;Ein neues &sbquo;NATO-Ziel&lsquo;, das &uuml;ber den 2 Prozent liegt, muss angestrebt werden.&ldquo; Aussagen dieser Art sind allgegenw&auml;rtig in den Medien, und man muss es eingestehen: Sie sind griffig. Ich habe sie auch schon in Artikeln benutzt, und sie finden sich auch im Archiv der <em>NachDenkSeiten<\/em>. Schlie&szlig;lich: Jeder versteht sofort, was mit der Formulierung &bdquo;ein Ziel erreichen&ldquo; gemeint ist. Dass wir es aber an dieser Stelle mit einer hochgradig propagandistisch und manipulativ aufgeladenen Formulierung zu tun haben, ist gar nicht so leicht zu durchschauen.<\/p><p>Der Begriff &bdquo;Ziel&ldquo; ist in unserem Verst&auml;ndnis weitestgehend positiv besetzt. Ein &bdquo;Ziel zu erreichen&ldquo; &ndash; so sagt es unsere Erfahrung &ndash;, das ist erstrebenswert. Wer ein Ziel erreicht, hat Zielstrebigkeit unter Beweis gestellt. Er hat &bdquo;die Ziellinie&ldquo; &uuml;berquert. Das verdient Anerkennung. Im Sport wird das Erreichen eines Ziels oft mit Gewinn gleichgesetzt. Wer als Sportler sein Ziel erreicht hat, ist ein Gewinner. Vielleicht wird er den ersten Platz auf dem Podium besetzen und eine Urkunde oder eine Medaille erhalten.<\/p><p>Aber das &bdquo;Ziel&ldquo; erreichen, f&uuml;r den sogenannten Verteidigungshaushalt immer mehr Geld auszugeben? Gelingt es, sich dieser bequemen Formulierung zu entledigen, l&auml;sst sich feststellen: Die Formulierung vom &bdquo;Erreichen des Ziels&ldquo; ist ein Euphemismus, also eine Besch&ouml;nigung. Denn bei Lichte betrachtet geht es mittlerweile um eine hochgradig asoziale Politik, die schon jetzt 90 Milliarden Euro in die Bundeswehr steckt und mit den gerade diskutierten 3,6 Prozent diese Summe fast verdoppeln w&uuml;rde. Dabei scheint das Ende der Fahnenstange noch l&auml;ngst nicht erreicht. Auch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=127863\">von f&uuml;nf Prozent<\/a> vom Bruttoinlandsprodukt war schon die Rede. Zur Perspektivierung: Der deutsche Bundeshaushalt umfasste 2024 rund 420 Milliarden Euro.<\/p><p>Journalisten sollten, wenn sie &uuml;ber die NATO-Vorstellungen berichten, nicht von &bdquo;Zielerf&uuml;llung&ldquo; sprechen &ndash; zumindest nicht ohne kritische Reflexion. Das &bdquo;Ziel&ldquo; der NATO nach einer immer weiteren Aufr&uuml;stung f&uuml;hrt n&auml;mlich zu nichts, was f&uuml;r eine demokratische, dem Frieden verpflichtete Gesellschaft erstrebenswert w&auml;re. Denn wenn immer mehr Geld f&uuml;r die milit&auml;rische Hochr&uuml;stung ausgegeben wird, dann steht am Ende kein &bdquo;Sportler&ldquo;, der gl&uuml;cklich &uuml;ber die Ziellinie rennt, sondern eine Gesellschaft, die Gefahr l&auml;uft, in den Abgrund des dritten Weltkriegs zu st&uuml;rzen. Die Politik hat daf&uuml;r zu sorgen, dass in Deutschland gen&uuml;gend Geld f&uuml;r die Infrastruktur bereitsteht und Br&uuml;cken nicht zusammenst&uuml;rzen. Und sie hat daf&uuml;r zu sorgen, dass die Armut bek&auml;mpft und nicht vergr&ouml;&szlig;ert wird. Panzer zu bauen f&uuml;r die Wahnvorstellungen eines B&uuml;ndnisses, das in Russland den gro&szlig;en Feind sehen will, geh&ouml;rt nicht zu ihrer Aufgabe, denn das w&uuml;rde Deutschland schaden und nicht nutzen. Anstatt von NATO-Ziel zu sprechen und sich damit einer dem B&uuml;ndnis sehr gef&auml;lligen Sprache zu bedienen, w&auml;re es angebracht, eine andere Formulierung zu w&auml;hlen, zum Beispiel: Die NATO will mehr Kriegsgeld.<\/p><p><small>Titelbild: DesignRage\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/e746e67cfad54643845f1b131c06ef3e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaffen wir es, das Ziel zu erreichen? Es geht um ein &bdquo;NATO-Ziel&ldquo;. Viele Medien &bdquo;berichten&ldquo; &uuml;ber h&ouml;here Verteidigungsausgaben, die die NATO von Deutschland voraussichtlich verlangen werde. In den Berichten gebrauchen Redaktionen immer wieder den Begriff &bdquo;Ziel&ldquo;. Gerade fragt die <em>Tagesschau<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/neue-nato-ziele-teuer-deutschland-100.html\">&bdquo;3,6 Prozent f&uuml;r Deutschland als neues NATO-Ziel?&ldquo;<\/a> Ist den Redakteuren klar, dass sie sich<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128618\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":128619,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,123],"tags":[3260,1544,466,1367,259,2299],"class_list":["post-128618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-feindbild","tag-kampagnenjournalismus","tag-nato","tag-ruestungsausgaben","tag-russland","tag-sprachkritik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Shutterstock_2427730895.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=128618"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128618\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128659,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/128618\/revisions\/128659"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/128619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=128618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=128618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}