{"id":128795,"date":"2025-02-17T10:00:25","date_gmt":"2025-02-17T09:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128795"},"modified":"2026-01-27T11:50:11","modified_gmt":"2026-01-27T10:50:11","slug":"christian-felber-zur-coronapolitik-der-staat-hat-sich-am-heiligen-schrein-der-demokratie-vergriffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=128795","title":{"rendered":"Christian Felber zur Coronapolitik: \u201eDer Staat hat sich am Heiligen Schrein der Demokratie vergriffen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie Parlamente mit den Grund- und Menschenrechten w&auml;hrend der Coronazeit umgegangen sind, ist hinl&auml;nglich bekannt. Doch wie es soweit kommen konnte, das bedarf einer genauen Aufarbeitung. Mit seinem gerade erschienenen Buch &bdquo;Lob der Grundrechte &ndash; Wie wir in kommenden Krisen das Gemeinwohl sch&uuml;tzen&ldquo; legt der Politikwissenschaftler <a href=\"https:\/\/christian-felber.at\/\"><strong>Christian Felber<\/strong><\/a> den Finger in die noch immer offene Wunde der Demokratie. Unter anderem &uuml;ber &bdquo;Kriegsrhetorik, Angstmache und Notstandsmentalit&auml;t&ldquo; hat der Staat seine rigorose Politik durchgesetzt, sagt Felber im Interview mit den <em>NachDenkSeiten<\/em>. &bdquo;F&uuml;r ein schl&uuml;ssiges Gesamtbild bedarf es einer sehr gr&uuml;ndlichen, minuti&ouml;sen Aufarbeitung. Vieles ist noch vollkommen ungekl&auml;rt&ldquo;, sagt Felber. Ein Interview &uuml;ber die Bedeutung der Grundrechte, Angsterzeugung und den Weg zur Aufarbeitung. Von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3077\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-128795-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=128795-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"250217_Christian_Felber_zur_Coronapolitik_Der_Staat_hat_sich_am_Heiligen_Schrein_der_Demokratie_vergriffen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Herr Felber, die Corona-Krise ist vorbei, aber die Auswirkungen sind es nicht. Das Vertrauen in Staat und Institutionen ist bei vielen B&uuml;rgern nachhaltig ersch&uuml;ttert. Das hat auch mit dem Umgang der Grund- und Menschenrechte zu tun. <a href=\"https:\/\/westendverlag.de\/Lob-der-Grundrechte\/2225\">Sie haben gerade ein Buch geschrieben, das sich damit besch&auml;ftigt, was mit den Grund- und Menschenrechten in der Corona-Zeit passiert ist<\/a>. W&uuml;rden Sie bitte kurz vorab sagen, was Ihr Fazit ist? Wie ist der Staat mit diesen elementaren Rechten umgegangen? <\/strong><\/p><p>Das Fazit ist, dass der Staat in einer Krisensituation, noch dazu in einer &auml;u&szlig;erst umstrittenen, auf ein &uuml;berraschend autorit&auml;res Management gesetzt hat, das zur Verletzung oder vors&auml;tzlichen Einschr&auml;nkung von zwei Dutzend Grundrechten gef&uuml;hrt hat. Wenn man so will: Der Staat hat sich am heiligen Schrein der Demokratie vergriffen. Er hat &ndash; wider die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte, wider die Menschenw&uuml;rde und gegen jedes Prinzip bew&auml;hrter Krisenkommunikation &ndash; mit Katastrophen- und Kriegsrhetorik Angst erzeugt und einer &bdquo;Notstandsmentalit&auml;t&ldquo; Vorschub geleistet. Die ber&uuml;hmte &bdquo;neue Normalit&auml;t&ldquo; bestand im Kern im Abbau von Demokratie und Grundrechten. Es war eine schwere Selbstbesch&auml;digung liberaler Demokratien, die damit einen Trend, der sp&auml;testens 2008 messbar begonnen hat, weiter verst&auml;rkt haben.<\/p><p><strong>Damit keine Missverst&auml;ndnisse entstehen: W&uuml;rden Sie uns bitte einmal darlegen, was Grund- und Menschenrechte sind, was sie f&uuml;r eine freie und demokratische Gesellschaft bedeuten? <\/strong><\/p><p>Grund- und Menschenrechte sind dasselbe, mit den einen bezeichnet man Rechtskataloge, die innerhalb von Nationalstaaten entwickelt wurden; mit den anderen internationale Konventionen wie die Europ&auml;ische Menschenrechtskonvention von 1950, die beiden UN-Pakte (Zivil- und Sozialpakt) von 1966 oder die EU-Grundrechtecharta, die 2009 in Kraft trat. Sie sind das zentrale Fundament von Demokratien und der Kitt, der die Gesellschaft &bdquo;im Innersten zusammenh&auml;lt&ldquo;. Sie sind das Gegengewicht und Korrektiv zum prinzipiellen Gemeinwohlvorrang in demokratischen Gesellschaften, was bedeutet, dass die Mehrheit zwar bestimmen darf, was f&uuml;r alle gilt, doch st&ouml;&szlig;t dieser Mehrheitswille eben auf klar definierte Grenzen. <\/p><p>Die Grundrechte sch&uuml;tzen die Person, ihre W&uuml;rde und Freiheit. Das verhindert Willk&uuml;r, die Diskriminierung von Minderheiten, Todesstrafe, Folter und andere &Uuml;bergriffe des Staates. Gleichzeitig begrenzen sie die Macht des Staates, indem dieser etwa auf Anfrage Informationen offenlegen muss und nicht zensieren darf; auch instrumentalisieren sie den Staat f&uuml;r das Gemeinwohl, indem dieser eine Grundversorgung f&uuml;r alle sicherstellen und f&uuml;r soziale Sicherheit sorgen muss. In Summe schafft das ein unvergleichliches Gef&uuml;hl des Wohlbefindens und der Sicherheit unabh&auml;ngig von der individuellen weltanschaulichen Grundausrichtung: Nur die wenigsten ziehen freiwillig von funktionierenden Demokratien in Autokratien.<\/p><p><strong>Und jetzt zur Realit&auml;t der Coronazeit. Was ist da passiert? Wie Politiker, Parlamente, aber auch die Justiz so mit den Grund- und Menschenrechten umgegangen sind, wie es zu beobachten war? <\/strong><\/p><p>Es haben eine ganze Reihe von Faktoren zusammengespielt: Kriegsrhetorik, Angstmache, Notstandsmentalit&auml;t und das damit einhergehende Fallen von Hemmschwellen bei den Ma&szlig;nahmen, ein fatales Signal des WHO-Generaldirektors pro Lockdowns, aber auch der neuartige Einsatz von PCR-Tests und die &ouml;ffentliche Darstellung der Pandemie: Ohne massenhaftes Testen von Gesunden und das Leuchten dieser &bdquo;F&auml;lle&ldquo;, auch ein epidemiologisches Novum, von universit&auml;ren &bdquo;Dashboards&ldquo;, w&auml;re die Pandemie gar nicht als Ausnahmeereignis darstellbar gewesen, jedenfalls nicht als &bdquo;Jahrhundert-Katastrophe&ldquo;, wie Angela Merkel sie ohne seri&ouml;se Grundlage bezeichnete.<\/p><p><strong>Lassen Sie uns darauf genauer schauen. Im Detail: Was ist passiert? <\/strong><\/p><p>Vorweg: F&uuml;r ein schl&uuml;ssiges Gesamtbild bedarf es einer sehr gr&uuml;ndlichen, minuti&ouml;sen Aufarbeitung. Vieles ist noch vollkommen ungekl&auml;rt. Zum Beispiel, warum viele EU-Politiker, darunter Jens Spahn, bis in den M&auml;rz hinein Entwarnung gaben, w&auml;hrend Bill Gates bereits im Februar 2020 in einem wissenschaftlichen (!) Journal von einer &bdquo;Jahrhundertpandemie&ldquo; sprach, auf Basis fehlerhafter Quellenarbeit. Die &bdquo;Jahrhundertpandemie&ldquo; trat dann nie ein, in Deutschland wurde beispielsweise in den Jahren 2020 und 2021 in keiner (!) Woche die Anzahl der Todesf&auml;lle erreicht, die in der Kalenderwoche 10\/2018 erreicht wurde &ndash; das w&auml;re aber wohl das Mindeste, dass in einer &bdquo;Jahrhundert-Katastrophe&ldquo; der H&ouml;chststand der Todesf&auml;lle in einem Jahr, in dem es <em>keine <\/em>Pandemie gab und <em>keine <\/em>Sonderma&szlig;nahmen getroffen wurden, &uuml;bertroffen wird. War aber nicht. Die Krankenh&auml;user waren 2020 &uuml;bers Jahr im Schnitt leerer als 2019, vieles macht noch immer keinen Sinn.<\/p><p><strong>Das sind sehr wichtige Punkte. Und: Sie hatten es schon im Zusammenhang mit den PCR-Tests angesprochen: Die Angstmacherei musste auf etwas bauen. Es brauchte etwas, um zu visualisieren, wie gro&szlig; die Gefahr ist. Zahlen von positiven PCR-Tests, Inzidenzen, der &bdquo;R-Wert&ldquo;, das Dashboard: Unter anderem dar&uuml;ber wurde die &bdquo;Pandemie&ldquo; f&uuml;r die breite &Ouml;ffentlichkeit &bdquo;sichtbar&ldquo; gemacht. Aber was war da wirklich &bdquo;sichtbar&ldquo;? Wie belastbar waren die Zahlen? <\/strong><\/p><p>Zu den Todesf&auml;llen sagte ich ja schon etwas. Die &bdquo;F&auml;lle&ldquo; waren noch aussageschw&auml;cher, denn anstatt auf diagnostizierte symptomatische Infektionserkrankungen bezogen sie sich auf positive PCR-Tests, das gab es in der Epidemiologie bis 2020 gar nicht. In &Ouml;sterreich wurde aber 16-mal mehr getestet als in Deutschland &hellip; Weil die Zahlen wenig hergaben, wurde verst&auml;rkend mit medialen Bildern gearbeitet, die aber interessanter Weise auch nicht aussagekr&auml;ftiger waren. Das beste Beispiel sind die &bdquo;Bilder aus Italien&ldquo;. Ein Gehsteig-Reiniger im Schutzanzug sagt per se rein gar nichts aus. Auch die Bedeutung der ber&uuml;hmten Milit&auml;rkonvois h&auml;ngt entscheidend vom Kontext und der Interpretation ab. Die Bev&ouml;lkerung im neuralgischen Distrikt Bergamo wuchs w&auml;hrend der Pandemiejahre ohne die geringste Unterbrechung weiter, darauf kommt es am Ende an. <\/p><p>Der wichtigste Erkl&auml;rfaktor f&uuml;r die starke &Uuml;berreaktion ist deshalb die gezielte Angstmache &ndash; gegen alle Standards guter Krisenkommunikation, deren oberstes Prinzip &bdquo;&Auml;ngste beruhigen&ldquo; lautet. Doch wenn &bdquo;Schocktherapie&ldquo;-Experten wie der Soziologe Heinz Bude von der Regierung als Berater engagiert werden, die allen Ernstes empfahlen, &bdquo;Urangst&ldquo; auszul&ouml;sen und &bdquo;Zw&auml;nge zu verordnen&ldquo;, wird zumindest verst&auml;ndlich, wie es zu diesen vollkommen unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen Ma&szlig;nahmen kommen konnte. Auch wenn Frankreichs Pr&auml;sident in einer Rede Anfang 2020 sechsmal den Begriff &bdquo;Krieg&ldquo; verwendete, das Imperial College London 40 Millionen Tote an die Wand modellierte und &Ouml;sterreichs Bundeskanzler 100.000 Tote in &Ouml;sterreich in Aussicht stellte (2020 waren es 6.200 &bdquo;an&ldquo; und &bdquo;mit&ldquo;, vergleichbar viele wie in Spitzen-Grippejahren), wird verst&auml;ndlich, wie sich Angst ausbreiten und zu einer kollektiven Psychose verdichten konnte, in der jede Ma&szlig;nahme recht war, weil vorrangig gef&uuml;hlt und nicht mehr rational verglichen, eingeordnet und argumentiert wurde.<\/p><p><strong>Und dann: Wie konnte es so weitergehen? <\/strong><\/p><p>Ein wichtiger Faktor war auch, dass der WHO-Generaldirektor den autorit&auml;ren chinesischen Weg als &bdquo;neuen Standard&ldquo; des Pandemie-Managements &uuml;ber den gr&uuml;nen Klee lobte. Wieso er dies &ndash; so euphorisch &ndash; tat, ist unerkl&auml;rlich. Wieso zeigte niemand klar und deutlich auf, dass das, was China tat, in keinem Katalog der WHO-Pandemiema&szlig;nahmen-Empfehlungen enthalten war? Wieso stellte niemand den Begriff &bdquo;Lockdown&ldquo; infrage oder wies ihn scharf zur&uuml;ck?<\/p><p><strong>Der Begriff h&auml;tte eigentlich Demokraten hellh&ouml;rig werden lassen m&uuml;ssen. <\/strong><\/p><p>Ja, denn er kommt aus dem Gef&auml;ngnis-Management und bezeichnet eine Strafaktion f&uuml;r Kriminelle. Wieso reflektierten die Medien nicht, dass hier Standards aller Art verletzt wurden: Pandemiepl&auml;ne, Krisenmanagement, Gesundheitskommunikation, Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeitspr&uuml;fungen: Alles, was bisher an Leitf&auml;den, Kompassen und Richtschn&uuml;ren vorlag, wurde mehr oder weniger vollst&auml;ndig ignoriert.<\/p><p><strong>Was ist Ihre Erkl&auml;rung daf&uuml;r?<\/strong><\/p><p>Neben der Verkl&auml;rung von China zum Vorbild durch den WHO-Generaldirektor sehe ich einen weiteren Erkl&auml;rungsansatz in den jahrzehntelangen Planspielen, die von der Johns Hopkins University inszeniert wurden. Manche der dort einge&uuml;bten Reaktionsmuster sind so frappierend &auml;hnlich mit dem real praktizierten Pandemie-Management, dass der Option eines Einflusses in der Aufarbeitung nachgegangen werden sollte. <\/p><p>Zwei Dinge stachen mir besonders ins Auge: Zum einen der autorit&auml;re Top-down-Ansatz &ndash; die Menschen, ihre Anh&ouml;rung, ihre Einbeziehung kamen darin nicht vor. Zum anderen der Fokus der Krisenkommunikation auf der Bek&auml;mpfung von Falsch- und Desinformation, das ist ein v&ouml;llig neuartiger Schwerpunkt, den es bisher gar nicht gab, der dann aber angewandt wurde und mittels Faktenchecker zur Verengung des Diskurses und zur Spaltung der Gesellschaft beitrug. Gipfelpunkt war die Aussage der Direktorin des Universit&auml;tsinstituts, das die Planspiele leitete, dass &bdquo;Fragen der Gesundheitssicherheit &uuml;berparteiliche Fragen&ldquo; seien &ndash; also nicht demokratisch verhandelt werden sollten. Mit dieser anti-wissenschaftlichen Aussage &uuml;bte sie eine Rhetorik der Alternativlosigkeit ein, die in Deutschland von der Leopoldina, vom RKI-Direktor und von Christian Drosten &uuml;bernommen wurde. Mit dem Effekt: Zu Lockdown und Grundrechtseinschr&auml;nkungen gab es keine Alternative!<\/p><p><strong>Wie erkl&auml;ren Sie sich das &bdquo;Versagen&ldquo; demokratischer Korrektive? Medien, Justiz, letztlich auch: Gesellschaft. Wo war das R&uuml;ckgrat der Demokratie? <\/strong><\/p><p>Man k&ouml;nnte von einem Multiorganversagen des demokratischen Rechtsstaates sprechen. Es war gleichzeitig ein Politikversagen, Wissenschaftsversagen, Medienversagen und am Ende auch noch ein Justizversagen. Die Hauptverantwortung liegt sicher bei der Politik, hier sind ja auch Unterschiede von Land zu Land erkennbar &ndash; Schwedens &bdquo;anderer Weg&ldquo; erschien soeben als Buch des Chef-Epidemiologen Anders Tegnell. Die Wissenschaft war &uuml;berall &auml;hnlich uneins, doch war es die Politik, die bestimmte Experten ausw&auml;hlte oder direkt anwies. Die Medien h&auml;tten hier als Korrektiv wirken und die einseitige Auswahl der Politikberater hinterfragen und kontrastieren k&ouml;nnen. <\/p><p>Ein markantes Beispiel f&uuml;r Deutschland ist, dass der Chef-Epidemiologe der Charit&eacute;, Stephan Willich, im Vergleich zum Chef-Virologen Christian Drosten praktisch nicht sichtbar war &ndash; obwohl er sich schon im M&auml;rz mit sehr markanten Aussagen zu Wort gemeldet hatte: Er warnte vor Lockdowns und vertrat die Ansicht, dass Covid-19 nur &bdquo;etwas gef&auml;hrlicher&ldquo; als die Grippe war. Vielleicht war genau das der Grund, dass er von Politik und Medien gemieden wurde. Dann aber waren die Medien parteiisch, und die Politik unwissenschaftlich. Das Sahneh&auml;ubchen setzten die Gerichte drauf, die das, was in der Politik und in den Medien Mainstream war &ndash; aber eben nicht den Stand der Wissenschaft wiedergab &ndash;, mit wenigen Ausnahmen akzeptierten.<\/p><p><strong>Nun werden einige vielleicht anmerken, dass Grundrechte auch eingeschr&auml;nkt werden k&ouml;nnen. Auch wenn das stimmt: W&uuml;rden Sie die M&ouml;glichkeit der Einschr&auml;nkung von Grundrechten bitte f&uuml;r uns einmal perspektivieren? Was hei&szlig;t das? Und: Wo liegen die Grenzen? Wo liegt die Zul&auml;ssigkeit und die Unzul&auml;ssigkeit? <\/strong><\/p><p>Die Einschr&auml;nkung von Grundrechten ist relativ klar und strikt geregelt, was sehr gut ist, denn das verhindert, dass gro&szlig;er Schaden durch Irrt&uuml;mer oder Fehlentscheidungen angerichtet werden kann &ndash; zumindest war das bis zur Pandemie die Annahme. Doch der Reihe nach: Schon mal sehr wichtig ist, dass Grundrechte nicht einfach abgeschafft werden k&ouml;nnen, das bed&uuml;rfte einer Grundgesetz&auml;nderung. Sie k&ouml;nnen nur eingeschr&auml;nkt werden, und das auch nur befristet. <\/p><p>Eine zweite Schranke besteht darin, dass Grundrechte nur auf Basis von Gesetzen eingeschr&auml;nkt werden k&ouml;nnen, das hei&szlig;t, die Regierung hat nicht die M&ouml;glichkeit, Grundrechte via Verordnungen zu beschneiden, sie ben&ouml;tigt die Legislative, die &ndash; im vorliegenden Fall mit dem Infektionsschutzgesetz &ndash; die Grundlage schafft, dann erst kann die Regierung mittels Verordnungen handeln. Doch auch diese prinzipielle &bdquo;Erlaubnis&ldquo; zur Einschr&auml;nkung von Grundrechten beruht auf vier weiteren wesentlichen Voraussetzungen, deren Gegebenheit im Falle einer Klage, einer sogenannten Individualbeschwerde, Gegenstand einer Grundrechtspr&uuml;fung sind.<\/p><p><strong>Wie sieht diese konkret aus?<\/strong><\/p><p>Zuerst muss gekl&auml;rt werden, ob eines der Ziele, welche die Einschr&auml;nkung von Grundrechten erm&ouml;glichen, gegeben ist. Diese sind in der EMRK taxativ aufgez&auml;hlt und reichen von der nationalen Sicherheit und &ouml;ffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit bis hin zum Schutz der Gesundheit und der Moral oder dem wirtschaftlichen Wohl des Landes &hellip; Da sieht man schon, wenn der Gesetzgeber will, schafft er es, ein passendes Ziel zu finden, dieser Schutz ist schwach. Dann aber m&uuml;ssen die Ma&szlig;nahmen a) geeignet, b) erforderlich und c) angemessen sein. Hier liegt ein hohes Schutzpotenzial f&uuml;r Grundrechte, weil der pr&uuml;fende Verfassungsh&uuml;ter, wenn er will, relativ einfach zum Schluss kommen kann, dass eine Grundrechtseinschr&auml;nkung entweder das eine oder das andere Kriterium nicht erf&uuml;llt.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie bitte Ihre Ausf&uuml;hrungen einmal an einem Beispiel in Bezug auf die Pandemiema&szlig;nahmen aufzeigen?<\/strong><\/p><p>Ein Lehrbeispiel im besten Sinn sind die Inzidenzgrenzen, die zum Lockdown ganzer Regionen gef&uuml;hrt haben. Hier kann man zwar als Ziel den Schutz der Gesundheit anf&uuml;hren, was nicht falsch ist, und auch die Ansicht teilen, dass die Ma&szlig;nahme zum Ziel der Vermeidung der &Uuml;berlastung der Krankenh&auml;user beitr&auml;gt &ndash; allerdings nur, wenn man davon ausgeht, dass die Ma&szlig;nahme selbst keine Kollateralsch&auml;den anrichtet, was die Angelegenheit bereits diffiziler macht. <\/p><p>Richtig kontrovers wird es bei den Kriterien <em>erforderlich <\/em>und <em>angemessen<\/em>. Denn man k&ouml;nnte beim ersten Kriterium auch zur Ansicht gelangen, dass mit gelinderen Mitteln dasselbe Ziel h&auml;tte erreicht werden k&ouml;nnen; und bei angemessen h&auml;tte eigentlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung angestellt werden m&uuml;ssen, was nicht passierte. Die in &Ouml;sterreich vom Ministerium beworbene Gesundheitsfolgenabsch&auml;tzung wurde bei keiner Ma&szlig;nahme durchgef&uuml;hrt &ndash; weshalb auch keine Evidenz in Bezug auf die Wirksamkeit der Ma&szlig;nahme vorlag. Das ist f&uuml;r mich einer der interessantesten Punkte: Der Verfassungsgerichtshof muss keine Evidenz f&uuml;r die Wirksamkeit der Ma&szlig;nahmen verlangen, er kann dem Gesetz- und Verordnungsgeber auch &bdquo;glauben&ldquo; &ndash; oder dem medialen Diskurs folgen.<\/p><p><strong>Das ist doch eine enorme Schwachstelle.<\/strong><\/p><p>In der Tat. Hier schlummert folglich auch gro&szlig;es Verbesserungspotenzial. Als durch die Freiklage der RKI-Protokolle &ouml;ffentlich wurde, dass RKI-intern Inzidenzgrenzen &bdquo;aus fachlicher Sicht weitgehend abgelehnt&ldquo; wurden, schon allein deshalb, weil die Inzidenz stark von der Testh&auml;ufigkeit abh&auml;ngt, und weil verschiedene Altersgruppen extrem unterschiedliches Risiko aufwiesen, an Covid-19 schwer zu erkranken (f&uuml;r die Krankenhausbelastung macht einen Riesenunterschied, ob eine 19-J&auml;hrige oder ein 90-J&auml;hriger einen positiven PCR-Test aufweisen), h&auml;tten eigentlich s&auml;mtliche Gesetze und Verordnungen dazu aufgehoben werden m&uuml;ssen.<\/p><p><strong>H&auml;tten mit Evidenz-Erfordernis auch andere Ma&szlig;nahmen abgewendet werden k&ouml;nnen?<\/strong><\/p><p>Die meisten Grundrechtseinschr&auml;nkungen. Dass Schulschlie&szlig;ungen kontraproduktiv sind, war sp&auml;testens im Juli 2020 klar, die WHO warnte im Oktober selbst vor Lockdowns. Beim Thema Masken h&auml;tte es gen&uuml;gt, den Goldstandard der Wissenschaft, die regelm&auml;&szlig;igen Cochrane-Reviews, zu befragen, die nicht einmal die Grundlage f&uuml;r Masken<em>empfehlungen<\/em> ergeben, geschweige denn f&uuml;r Maskenpflicht. F&uuml;r eine Impfpflicht &ndash; in Deutschland einrichtungsbezogen, in &Ouml;sterreich allgemein, in Italien f&uuml;r &uuml;ber 50-J&auml;hrige &ndash; konnte gar keine belastbare Evidenz vorliegen, weil die Impfungen noch nicht einmal final zugelassen waren.<\/p><p><strong>Haben Sie Ideen, wie man einer solchen Entwicklung zuk&uuml;nftig entgegentreten kann? <\/strong><\/p><p>Die Begrenzung der M&ouml;glichkeit, Grundrechte einzuschr&auml;nken, nennt man in der Fachsprache &bdquo;Schranken-Schranken&ldquo;. Ich schlage zus&auml;tzliche Schranken vor, zum Beispiel: Vorl&auml;ufig zugelassene Gesundheitsprodukte sollten mit medizinischen Versuchen gleichgesetzt werden, dann kann es &ndash; nach dem N&uuml;rnberger Kodex &ndash; nur eine freiwillige Verabreichung geben. Oder das Grundrecht auf Unversehrtheit wird von einem relativen (einschr&auml;nkbaren) zu einem absoluten (nicht einschr&auml;nkbaren) aufgewertet, auf einer Stufe mit der Menschenw&uuml;rde: Dann g&auml;be es in Zukunft weder Test-, Masken- oder Impfpflicht, und wir w&uuml;rden uns die damit einhergehende gesellschaftliche Spaltung ersparen.<\/p><p><strong>Ihnen ist wahrscheinlich auch noch die Aussage von Bundeskanzler Scholz in Erinnerung, die er kurz vor Weihnachten get&auml;tigt hat: <a href=\"https:\/\/www.meine-zeitschrift.de\/die-zeit-49-2021.html?srsltid=AfmBOooheoUMJiFFTEi-CyiztYrZ0F64mztlNlI0RiyGgT8txtPNDuD3\">&bdquo;F&uuml;r meine Regierung gibt es keine rote Linien mehr.&ldquo;<\/a> Das sagte er gegen&uuml;ber der ZEIT in Bezug auf die Pandemiepolitik. Wie bewerten Sie diese Aussage, gerade auch im Hinblick auf die Grundrechte? <\/strong><\/p><p>Es gab auch einen Witzbold, der meinte, wir sollten &bdquo;mehr Diktatur wagen&ldquo;. Offenbar ist beiden nicht bewusst, dass es im Grundgesetz eine Ewigkeitsgarantie, das hei&szlig;t einen unantastbaren Schutz f&uuml;r Artikel 1 &ndash; Menschenw&uuml;rde &ndash; und Artikel 20 &ndash; Demokratie, Rechtsstaat, Gewaltentrennung, Sozialstaat, F&ouml;rderalismus, Volkssouver&auml;nit&auml;t &ndash; gibt. Seit 1968 erlaubt das Grundgesetz sogar explizit den Widerstand gegen jene, die diese Ordnung umsto&szlig;en wollen, r&ouml;ter kann eine Linie nicht sein. <\/p><p>Rote Linien sind aber auch, dass manche Grundrechte &ndash; die absoluten, allen voran die Menschenw&uuml;rde &ndash; gar nicht eingeschr&auml;nkt werden d&uuml;rfen, und dass Einschr&auml;nkungen der relativen Grundrechte deren &bdquo;Wesen&ldquo; nicht &bdquo;entkernen&ldquo; d&uuml;rfen, das ist die &bdquo;Wesensgehaltssperre&ldquo;. Diese rote Linie wurde &ndash; wieder ein Lehrbuchbeispiel &ndash; vom Bundesverfassungsgericht im April 2020 verteidigt, als es allgemeine Demonstrationsverbote aufhob, weil diese einer Entkernung des Grundrechts gleichkamen: Der Gesetzgeber darf Grundrechte nur gut begr&uuml;ndet vor&uuml;bergehend bis zu einem gewissen Grad einschr&auml;nken, aber nicht aufheben. Ich w&uuml;rde sagen: Das Grundgesetz und Verfassungsrecht sind ein sinnvolles Schutznetz aus roten Linien, und die Chance der Pandemie-Erfahrung besteht darin, die noch bestehenden L&uuml;cken in diesem Schutznetz zu schlie&szlig;en.<\/p><p><strong>Nun setzen Sie sich auch viel mit der Sprache auseinander. Was ist Ihnen in Bezug auf die Sprache w&auml;hrend der Coronazeit aufgefallen? Ich denke an den Begriff: &bdquo;Maskengegner&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Es macht einen wesentlichen Unterschied, ob jemand gegen das Tragen von Masken ist oder nur gegen eine Masken<em>pflicht<\/em>. Das eine mit dem anderen zu vermengen, ist ein diskursives Foul. Gemessen an den eigenen Protokollen m&uuml;sste man aus heutiger Sicht auch das RKI als &bdquo;Maskengegner&ldquo; bezeichnen, zumal es eine Maskenpflicht nicht unterst&uuml;tzte. Dasselbe gilt f&uuml;r die Unterscheidung &bdquo;Impfgegner&ldquo; &ndash; Menschen, welche die Zulassung von Impfungen ablehnen &ndash; und Impf<em>pflicht<\/em>gegner. Ich bin der Ansicht: H&auml;tte es keinen Impfdruck gegeben und keine Diskussion &uuml;ber eine Impfpflicht, g&auml;be es nur eine handverlesene Zahl von echten Impfgegnern im Land. Das schwerste Foul in dieser &bdquo;Liga&ldquo; ist der Begriff &bdquo;Ma&szlig;nahmengegner&ldquo; f&uuml;r alle, die mit der Regierungslinie nicht einverstanden waren.<\/p><p><strong>Warum?<\/strong><\/p><p>Der Begriff insinuiert, dass die Bezeichneten gegen Ma&szlig;nahmen <em>an sich <\/em>waren und Ma&szlig;nahmen nicht f&uuml;r n&ouml;tig hielten. Doch gab es viele Menschen, die <em>andere <\/em>Ma&szlig;nahmen aktiv vorschlugen &ndash; von der Aufstockung der Betten &uuml;ber die Einbeziehung des Haus&auml;rztesystems (zur Vermeidung von Krankenhausaufnahmen) bis zu einem aktiven Meldesystem f&uuml;r Impfnebenwirkungen. Ich schlug im Juli 2021 gemeinsam mit sieben Universit&auml;tsprofessoren und acht weiteren Autoren solche und andere Ma&szlig;nahmen vor, weshalb wir auf Wikipedia f&uuml;r l&auml;ngere Zeit als &bdquo;Ma&szlig;nahmengegner&ldquo; bezeichnet wurden &ndash; dabei waren wir nur gegen Grundrechtseinschr&auml;nkungen. Die Medien h&auml;tten den Spie&szlig; auch umdrehen k&ouml;nnen und die Ma&szlig;nahmenbef&uuml;rworter konsequent als &bdquo;Grundrechtegegner&ldquo; und Kritiker als Grundrechtesch&uuml;tzer framen k&ouml;nnen. Das w&auml;re genauso schief gewesen, aber es zeigt, welche Macht die Medien haben und welches Potenzial zur Manipulation im &ouml;ffentlichen Diskurs liegt.<\/p><p><strong>Weitere Beispiele? <\/strong><\/p><p>Wir hatten ja schon das Beispiel &bdquo;Lockdown&ldquo;. Es muss noch einmal mit aller Deutlichkeit gesagt werden: Eine Demokratie ist kein Gef&auml;ngnis, die Staatsb&uuml;rger sind keine H&auml;ftlinge, und sie verdienen keine Bestrafung! Genau das meint aber &bdquo;Lockdown&ldquo;, das Verschlie&szlig;en von Straft&auml;tern in Einzelhaft wegen schlechten Betragens. &bdquo;Impfdurchbruch&ldquo; hie&szlig; fr&uuml;her &bdquo;Impfversagen&ldquo;. Und gestorben &bdquo;in Zusammenhang mit&ldquo; Covid-19 ist das Ende der wissenschaftlichen Pathologie. Die Wiederherstellung der Normalit&auml;t best&uuml;nde hier darin, als gestorben &bdquo;an&ldquo; Covid-19 nur noch Menschen zu bezeichnen, die nachweislich prim&auml;rurs&auml;chlich an Covid-19 gestorben sind, notfalls mithilfe von Obduktionen. Je nach Berechnung, und das sollte eine gr&uuml;ndliche Aufarbeitung mit erledigen, w&auml;ren dann von den gegenw&auml;rtig 7 Millionen Covid-19-Todesf&auml;llen weltweit nach WHO-Z&auml;hlung zwischen einer Million und sechs Millionen tats&auml;chlich &bdquo;an&ldquo; Covid-19 verstorben. Immer noch schlimm und tragisch, aber unter keinen Umst&auml;nden eine &bdquo;Jahrhundert-Katastrophe&ldquo;, wie Angela Merkel die &bdquo;Analyse&ldquo; von Bill Gates &uuml;bernahm, offenbar, um den Menschen gro&szlig;e Angst zu machen.<\/p><p><strong>Und dann m&uuml;sste unter anderem auch darauf geachtet werden, ob die an Covid verstorbenen Menschen Vorerkrankungen hatten, wie schwerwiegend diese waren, wie alt sie waren usw. Was sind nun die weiteren Schl&uuml;sse aus Ihrer Auseinandersetzung mit dem Komplex Grundrechte und Pandemiepolitik? Wie kann das, was sich die Politik erlaubt hat, zuk&uuml;nftig verhindert werden? Die Aufarbeitung geht bisher kaum voran. <\/strong><\/p><p>In Bezug auf die Grundrechte braucht es meines Erachtens ein offensives Vorgehen: eine gr&uuml;ndliche Revision der Schwachstellen, welche die gleichzeitige Verletzung oder Einschr&auml;nkung von 25 Grundrechten erm&ouml;glicht haben. Ich mache dazu viele konkrete Vorschl&auml;ge: Von der Evidenz-Erfordernis sp&auml;testens ab der ersten Verl&auml;ngerung (nach 3 Monaten) &uuml;ber die verpflichtende Anh&ouml;rung pluraler Experten-Standpunkte (z.B. Drosten <em>und <\/em>Willich) bis zur schon angef&uuml;hrten Aufwertung einzelner Grundrechte oder ihrer Ausweitung, zum Beispiel des Zensurverbots von staatlicher Vorzensur auf Nachzensur in den sozialen Medien durch Internetplattformen (diese sollten ab einer bestimmten Gr&ouml;&szlig;e verstaatlicht werden); oder des Diskriminierungsverbots in der EMRK auf &bdquo;Gesundheitsstatus und medizinische Behandlung&ldquo; &ndash; das w&auml;re das Ende von 1G, 2G, 2G+ und 3G. Im Gesundheitssektor w&uuml;rde ich im Sinn von Art. 14 GG eine verpflichtende Gemeinwohl-Bilanz einf&uuml;hren. Und angesichts des voranschreitenden Klimawandels w&uuml;rde ich zudem die Genfer Fl&uuml;chtlingskonvention ausweiten in dem Sinne, dass eine zerst&ouml;rte Umwelt zu einem anerkannten Fluchtgrund wird, das ist heute noch nicht der Fall. Was sollen aber Menschen tun, die zum Beispiel verbrannte Erde im R&uuml;cken haben und vor einer verschlossenen Grenze stehen?<\/p><p><strong>Was m&uuml;sste noch getan werden? <\/strong><\/p><p>Die gef&auml;hrliche Gain-of-function-Forschung sollte verboten werden. Nach aktuellem Stand stammt das Virus h&ouml;chstwahrscheinlich aus dem Labor, zu diesem Schluss kommt u. a. der 500 Seiten starke Bericht des Corona-Untersuchungsausschusses des US-Kongresses. Wenn es einer Regierung ernsthaft um den &bdquo;Schutz von Leben und Gesundheit&ldquo; geht, was die offizielle Begr&uuml;ndung f&uuml;r alle Ma&szlig;nahmen war, muss sie dieser Hochrisikoforschung einen Riegel vorschieben, das w&uuml;rde &bdquo;anthropogene Pandemien&ldquo; verhindern. Das ist ein wichtiger Punkt. <\/p><p>Es gibt aber nicht nur Pandemien, wir befinden uns in einer Polykrise, und bald k&ouml;nnte die n&auml;chste Ausnahmesituation vor der T&uuml;r stehen. Bevor sie sich einb&uuml;rgert, sollten wir deshalb die &bdquo;Notstandsmentalit&auml;t&ldquo; so schnell wie m&ouml;glich wieder ausmustern. Diese hat in der Weimarer Republik immer wieder zur Suspendierung einer ganzen Reihe von Grundrechten gef&uuml;hrt, und dann direkt in den Nationalsozialismus. Deshalb haben die M&uuml;tter und V&auml;ter des Grundgesetzes keinen Notstand mehr vorgesehen. 1968 kamen dann zwar notstands&auml;hnliche Regelungen hinzu, die in der Politikwissenschaft als &bdquo;Notstandsverfassung&ldquo; bezeichnet werden, doch der Begriff &bdquo;Notstand&ldquo; als eigenes Recht findet sich bis heute nicht im Grundgesetz. Hier empfehle ich eine Klarstellung, dass es auch weiterhin zwar Naturkatastrophen und Pandemien und Kriege gibt, aber keinen &bdquo;Notstand&ldquo; in der Bedeutung, dass der Gesetzgeber damit die Macht erh&auml;lt, Grundrechte einzuschr&auml;nken. <\/p><p>Wir sollten als Gesellschaft lernen, Krisen demokratischer zu meistern, unter Einbeziehung der Bev&ouml;lkerung. Ich schlage auch einen demokratischen Krisenrat vor, der sich aus einem breiten Stakeholder-Gremium zusammensetzt und mit einem Vetorecht gegen Grundrechtseinschr&auml;nkungen in Krisenzeiten ausgestattet wird. Mit der Summe dieser Verbesserungen k&auml;men die Grundrechte langsam in ihre volle Kraft.<\/p><p><em>Lesetipp: Christian Felber: <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/buecher\/lob-der-grundrechte.html\">Lob der Grundrechte &ndash; Wie wir in kommenden Krisen das Gemeinwohl sch&uuml;tzen<\/a>. Westend. 03.02.2025. 224 S., 22 Euro. <\/em><\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129359\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Jaz_Online\/shutterstock, &copy; Bernd Hofmeister<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Parlamente mit den Grund- und Menschenrechten w&auml;hrend der Coronazeit umgegangen sind, ist hinl&auml;nglich bekannt. Doch wie es soweit kommen konnte, das bedarf einer genauen Aufarbeitung. 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