{"id":129355,"date":"2025-02-26T15:00:56","date_gmt":"2025-02-26T14:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129355"},"modified":"2025-02-26T15:16:59","modified_gmt":"2025-02-26T14:16:59","slug":"hurtado-wieder-ein-richter-von-rechtem-schrot-und-korn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=129355","title":{"rendered":"Hurtado: Wieder ein Richter von rechtem Schrot und Korn"},"content":{"rendered":"<p>Aus Spanien gibt es eigentlich nichts wirklich Neues zu berichten. Die Regierung regiert weiter mit Dekreten, da f&uuml;r das laufende Jahr wegen fehlender Mehrheit immer noch kein Haushalt verabschiedet werden konnte, und Carles Puigdemont lebt weiter im Exil in Waterloo, da eine Amnestie f&uuml;r ihn nach wie vor durch das Oberste Gericht blockiert ist (wobei trotz weiter bestehenden Haftbefehls gegen ihn die Rechtspartei PP diskret, aber bisher ohne Erfolg bei ihm f&uuml;r die Beteiligung seiner Partei an einem Misstrauensvotum zum Sturz der Regierung von Pedro S&aacute;nchez wirbt). Von <strong>Eckart Leiser<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nAber inmitten dieses Stillstands treibt das Dauerthema, n&auml;mlich der Feldzug der rechten Justiz gegen die linke Regierung von Pedro S&aacute;nchez (nach Einsch&auml;tzung prominenter spanischer Rechtswissenschaftler ein klarer Fall von &bdquo;lawfare&ldquo;), neue Bl&uuml;ten. Dabei tauchen immer mal wieder neue Feldherren auf. Vor einigen Jahren war es Manuel Garc&iacute;a Castell&oacute;n, jetzt gibt es einen neuen Star, der t&auml;glich die Medien f&uuml;llt: &Aacute;ngel Luis Hurtado, Richter der Zweiten Strafkammer des Obersten Gerichtshofs. Im reifen Alter von 70 Jahren l&auml;uft er gerade zur Hochform auf, auch wenn er schon fr&uuml;her mal von sich reden machte.<\/p><p>So hatte er bereits 2017 als Richter am Nationalen Gerichtshof (Audiencia Nacional) ein Sondervotum abgegeben, als der Mega-Korruptionsskandal mit dem Namen &bdquo;G&uuml;rtel&ldquo; verhandelt wurde. Damals ging es um eine mit Bestechungsgeldern gef&uuml;llte &bdquo;Kasse B&ldquo; der Rechtspartei PP, an der sich nicht nur deren F&uuml;hrung bereicherte, sondern mit der sogar die Erweiterung der Parteizentrale finanziert wurde. Da auch der damalige Regierungschef Mariano Rajoy auf der Empf&auml;ngerliste von Geldern auftauchte, hatte das Gericht dessen Vorladung beschlossen. Hurtado stimmte damals dagegen, weil er erstens den Ruf der Rechtsregierung gef&auml;hrdet sah und zweitens keinen Anhaltspunkt f&uuml;r eine Bereicherung fand. Am Ende wurde die Rechtspartei trotzdem wegen Korruption und Bereicherung verurteilt und Mariano Rajoy und seine Regierung gest&uuml;rzt.<\/p><p>Im Jahr 2020 ernannte die oberste spanische Justizbeh&ouml;rde CGPJ zu einem Zeitpunkt, als deren Amtszeit schon seit Jahren abgelaufen war und ihre Erneuerung von der Rechtspartei blockiert wurde, mit ihrer rechten Mehrheit Hurtado zum Richter am Obersten Gerichtshof. An diesem findet jetzt die Kr&ouml;nung seiner Richterkarriere statt: Alberto Gonz&aacute;lez Amador, Lebenspartner von Isabel Ayuso, gegenw&auml;rtiger &bdquo;Shootingstar&ldquo; der Rechtspartei und Regierungschefin der Region Madrid, hat Probleme mit der Justiz. Wie die Finanzbeh&ouml;rde herausfand, hat er mit Hilfe gef&auml;lschter Dokumente &uuml;ber 350.000 Euro Steuern hinterzogen. Au&szlig;erdem laufen Ermittlungen zu einer Scheinfirma mit Namen &bdquo;Masterman S.L.&ldquo;, erfunden zum Verdecken weiterer illegaler Gesch&auml;fte mit dem Unternehmen Quir&oacute;n, ein Imperium von Privatkliniken in Spanien. Die hinterzogenen Gelder hatte Amador an der Vermittlung des Kaufs von &uuml;berteuerten Corona-Schutzmasken verdient. Seine Straftaten reichen f&uuml;r eine l&auml;ngere Haftstrafe aus.<\/p><p>Die Berater von Isabel Ayuso, insbesondere ihre &bdquo;rechte Hand&ldquo; Miguel &Aacute;ngel Rodr&iacute;guez &ndash; abgek&uuml;rzt &bdquo;MAR&ldquo; &ndash; setzten alles in Bewegung, insbesondere die rechten Medien, um Schaden von der politischen Karriere der &bdquo;spanischen Marine Le Pen&ldquo; abzuwenden. So brachte &bdquo;MAR&ldquo; &uuml;ber die Zeitung <em>El Mundo<\/em>, Flaggschiff der rechten Presse, die Falschmeldung in Umlauf, die Justiz h&auml;tte Herrn Amador einen &bdquo;Deal&ldquo; angeboten, um sein Problem aus der Welt zu schaffen und ihn vor der Einlieferung in ein Gef&auml;ngnis zu bewahren. In Wirklichkeit war es genau umgekehrt: Sein Anwalt bat die Justiz in einem Schreiben darum, seinen Mandanten, der seine Vergehen gestanden habe, mit einer symbolischen Haftstrafe davonkommen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft dementierte daraufhin in einer Presseerkl&auml;rung die Falschmeldung und stellte die Dinge richtig. Bereits zuvor war das &bdquo;Bekennerschreiben&ldquo; seines Anwalts in den Medien aufgetaucht.<\/p><p>Sofort kam eine perfekt choreographierte Entr&uuml;stungskampagne in Gang, in der das &Ouml;ffentlichmachen von Daten eines vertraulichen Gerichtsverfahrens angeprangert wurde, und diese Kampagne h&auml;lt an. Zielscheibe ist der vom Regierungschef Pedro S&aacute;nchez ausgew&auml;hlte &bdquo;fortschrittliche&ldquo; Generalstaatsanwalt &Aacute;lvaro Garc&iacute;a &Oacute;rtiz. Bis heute ohne jeden Beweis ermittelt seitdem der Richter Hurtado gegen den Generalstaatsanwalt wegen des Verbreitens vertraulicher Daten, die den Ruf des bekennenden Steuerhinterziehers Alberto Gonz&aacute;lez Amador besch&auml;digt h&auml;tten &ndash; und das, obwohl auf der Grundlage der bisherigen Zeugenaussagen mindestens 60 Beamte Zugang zu dem &bdquo;Bekennerschreiben&ldquo; des Anwalts hatten und dieses den Medien h&auml;tten zuspielen k&ouml;nnen. Ja, mehr noch: Ein Zeuge hat vor Hurtado ausgesagt, er kenne den f&uuml;r die Weiterleitung des &bdquo;Bekennerschreibens&ldquo; verantwortlichen Beamten, sein Berufsgeheimnis als Journalist verbiete ihm aber, seinen Namen preiszugeben. Hurtado h&auml;lt diese Aussage aber f&uuml;r irrelevant. Stattdessen ordnete er eine B&uuml;rodurchsuchung des Generalstaatsanwalts an sowie die Beschlagnahme seiner Akten, seines Handys und anderer Datentr&auml;ger, &bdquo;als handele es sich um das Ausheben des Verstecks eines Drogenbosses&ldquo; &ndash; wie eine Zeitung schrieb. Inzwischen hat Hurtado den Generalstaatsanwalt zur Vernehmung vorgeladen und ist offensichtlich entschlossen, ihn auf die Anklagebank zu setzen. Das Verfahren gegen den bekennenden Straft&auml;ter Amador steht dagegen seitdem still: Bis heute hat noch keinerlei Vernehmung stattgefunden.<\/p><p>Die rechten &bdquo;Kloaken&ldquo; des Landes arbeiten seitdem mit Hochdruck an Verschw&ouml;rungstheorien, in denen der Regierungschef Pedro S&aacute;nchez beschuldigt wird, die Strafverfolgung des Partners von Isabel Ayuso pers&ouml;nlich angeordnet zu haben, um damit seine &bdquo;politische Rivalin&ldquo; zur Strecke zu bringen: Grund, seinen R&uuml;cktritt zu fordern. Man reibt sich die Augen.<\/p><p><small>Titelbild: esfera\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Spanien gibt es eigentlich nichts wirklich Neues zu berichten. 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